Bewußtsein                zurueck


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unbewußt Unterbewußtsein  Zurück zur Definitionsübersicht


             Das menschliche Bewußtsein ist eine Funktion des Gehirns, bei der sich die Natur- und Geisteswissenschaften bisher sehr schwer tun , sie plausibel zu erklären. Es gab sogar Zeiten, da hat ein Teil der Psychologen mit allem Ernst erklärt: Bewußtsein gibt es nicht, es gibt nur Verhalten. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei und die Wissenschaftler besinnen sich auf ihre alten Tugenden: Zergliedern und in Teilfunktionen auflösen, wieder neu zusammensetzen und Modelle konstruieren, Experimente anstellen, Extremfälle suchen und krankhafte Zustände definieren. Und so kann man auch einer sehr komplexen Funktion, wie es das menschliche Bewußtsein darstellt, langsam näher kommen.

Allen theologisch und spirituell angehauchten Menschen, die meinen, wenn schon der menschliche Geist und die menschliche Seele als Kandidaten für Übersinnliches nicht mehr so ganz taugen, vielleicht ist ja das Bewußtsein das Objekt der übersinnlichen Begierde, denen sei gesagt: Auch das Bewußtsein taugt dazu nicht.

5 Basisaussagen über das Bewußtsein

Das menschliche Bewußtsein ist weit davon entfernt, auch nur einigermaßen durchschaut und verstanden zu sein. Dennoch kann man ein paar sichere Aussagen über das Bewußtsein treffen, die es ganz klar als Funktion unseres Gehirnes definieren:

1.Unser Bewußtsein erlischt jeden Tag im Schlaf und schaltet wieder an, wenn wir aufwachen.

2.Unser Bewußtsein läßt sich sehr leicht durch Medikamente innerhalb von Minuten abschalten. Dies funktioniert beispielsweise ohne Probleme beim wachen gesunden Menschen mit dem Stoff Midazolam ( = Dormicum). Gibt man diesen Stoff in ausreichender Dosis - natürlich nur, wenn dies medizinisch notwendig ist - dann wird das Bewußtsein innerhalb kürzester Zeit ausgeschaltet. Auch der umgekehrte Weg funktioniert problemlos.

Die Wirkung des Schlafmittels kann innerhalb von wenigen Minuten durch ein Gegenmittel wie z.B. Flumazenil ( = Anexate) wieder aufgehoben werden. Das Bewußtsein ist dann wieder angeschaltet.

3.Unser Bewußtsein ist sicher noch nicht in der befruchteten menschlichen Eizelle vorhanden. Es ist aber in einem gesunden, wachen erwachsenen Menschen zu finden. Irgendwo dazwischen muß es sich gebildet haben.

4.Das Bewußtsein ist sicher noch nicht in den Anfängen des Lebens, in den Einzellern, vorhanden. Es ist aber bei höheren Lebewesen wie den Menschen zu finden. Es muß sich also irgendwo dazwischen im Laufe der Evolution entwickelt haben. Das unbewußte Denken ist älter als das bewußte Denken .

5.Das Bewußtsein erlöscht mit dem Tod des menschlichen Gehirns.

Diese 5 Basisaussagen über unser Bewußtsein zeigen ganz klar: Das Bewußtsein ist eine Funktion des Gehirnes, wie beispielsweise auch die Steuerung der Atmung durch das Atemzentrum eine Funktion unseres Gehirnes ist. Das Atemzentrum steuert sich aber im wesentlichen selbst und läuft auch noch ohne unser Bewußtsein weiter. Trotzdem unterliegt auch das Atemzentrum und die Atmung einem Teil der obigen Basisaussagen.

Zeichen des wachen Bewußtseins bei Gesunden

Bewußtseinsklarheit ( klare geistige Verfassung):

Bewußtsein ist leises Sprechen mit sich selbst

Wenn man selber über das eigene Bewußtsein nachdenkt, dann merkt man, daß ein wesentlicher Teil des Bewußtseins ein leises, unhörbares Sprechen mit sich selbst ist. So hat sich vielleicht unser Bewußtsein entwickelt.

Erstaunlich ist es zum Beispiel, daß Kinder beim Lesen lernen, wenn sie ein Buch lesen, zunächst noch eine ganze Weile sich selbst laut vorlesen und dann erst auf unhörbares Lesen umschalten. Wie häufig ertappt man sich selbst auch dabei, daß man eigene Gedanken, wenn man allein ist, eben doch laut ausspricht.

Erstaunlich ist hier auch die Tatsache, daß das Bewußtsein sprachenabhängig ist. Ist man zum Beispiel ein Jahr lang in einem anderen Land und hat wenig Kontakt mit der eigenen Muttersprache, so schaltet man fast komplett auf die neue Sprache um. Man denkt in der neuen Sprache, ja man träumt sogar in ihr.

Bilder und Melodien und vieles andere mehr können auch Teil unseres Bewußtseins sein. Hier zeigen sich auch wichtige Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen. Leute, die viel sprechen, lesen und schreiben, haben vielleicht ein blasses Bilderbewußtsein und ein reiches Sprachbewußtsein. Versucht man sich bestimmte Bilder oder Landschaften vorzustellen, dann bleiben diese im Vergleich zur Realität ziemlich farblos, dunkel und begrenzt auf subjektiv als wichtig Empfundenes, vor allem dann, wenn man die Augen schließt. Das Sprechbewußtsein ist aber davon unabhängig, ob wir die Augen offen oder zu haben, ob wir unseren Mund benutzen oder nicht und ob wir unsere Ohren zuhalten oder nicht. Hier liegt meines Erachtens ein wichtiger Unterschied zwischen akustischen und optischen Bewußtsein. Vielleicht geht das optisch veranlagten Menschen aber ganz anders.

Der Mensch hat vorwiegend ein Sprechbewußtsein: Warum ist das so ? Beim Sprechen wird ein Informationskreis geschlossen: Alles, was der Mensch zu anderen Menschen sagt, hört er ja sofort wieder mit den eigenen Ohren, d.h.er hört sich ständig selbst und bekommt über die Ohren eine Rückmeldung darüber. Er produziert akustische Information, die sofort wieder ins Gehirn zurückläuft.

Dieser Informationskreis ist bei den anderen Sinnen bei weitem nicht so direkt geschlossen. So produzieren wir nicht ständig Bilder für andere Menschen, die wir auch sofort selbst wieder sehen. Wir produzieren nicht ständig Gerüche, die wir auch sofort selbst wieder riechen. Wir produzieren nicht ständig Geschmacksreize für andere, die wir selbst auch sofort wieder schmecken.

Wenn kein anderer Mensch in unserer Nähe ist, dann kann es passieren, daß wir uns trotzdem mit jemandem laut unterhalten. Wir erproben dann verschiedene Kommunikationsvarianten . Was wäre passiert, wenn ich etwas anderes gesagt hätte, als das, was ich wirklich gesagt habe ? Was würde passieren, wenn ich in einer wiederkehrenden Situation so etwas sagen würde ?

Ist ein anderer Mensch anwesend, kann diese Erprobung von Kommunikationsverhaltensweisen ebenfalls erfolgen. Man will etwas sagen. Kurz bevor man etwas sagt, zieht man aber die Bremse und sagt es doch nicht. Der Befehl an die Ausgabemuskulatur ist noch nicht frei gegeben, obwohl der Satz schon formuliert war. Man hört den Satz vielleicht auch schon leise vor sich hingesprochen, aber der Kommunikationspartner hört ihn noch nicht. Erst wenn der Gedanke mehrfach herumgedreht wurde, richtig formuliert ist oder die Situation passend ist, gibt man die Bahn frei an den Kehlkopf, und dann kommt er wirklich aus dem Mund. Bei den meisten Menschen wird allerdings nicht allzu lange oder gar nicht abgewogen, was sie sagen. Oft kommt es dem Sprecher selbst erst zum Bewußtsein, was er gesagt hat, wenn er sich selbst laut hat reden hören. Es muß also in unserem Kopf eine unbewußte Vorformulierungsinstanz geben.

Der Gehirnforscher Ernst Pöppel meint: "Als bewußt sollen nur jene psychischen Ereignisse angesehen werden, die kommuniziert werden können. Bewußtsein steht also immer in einem sozialen Rahmen. Ohne andere gibt es kein Bewußtsein." ( vgl Lit. E.Pöppel:

Gehirn und Bewußtsein VCH Verlag Weinheim S.2 )

In diesem Satz kann man leicht den Begriff Bewußtsein durch den Begriff Sprache und psychische Ereignisse durch Laute ersetzen, was die nahe Verwandtschaft der beiden Wörter Bewußtsein und Sprache zeigt: "Als sprachlich sollen nur jene Laute eines Lebewesens angesehen werden, die kommuniziert werden können. Sprache steht also immer in einem sozialen Rahmen. Ohne andere gibt es keine Sprache."

Etwas eingeschränkt, aber doch vergleichbar mit der Sprache, sind die Bewegungen der Hände. Sie machen ständig etwas, stehen zum Teil auch im Dienste der Kommunikation und wir sehen auch selbst sofort wieder, was wir machen.

Wir sollten also von unseren Fingern ein sehr plastisches Bewußtsein haben, da wir sie ständig sehen und ihre Tastinformationen bekommen, sie gleichzeitig auch jederzeit bewegen können. Allerdings dienen die Finger erst in zweiter Linie zur Kommunikation mit anderen Menschen. Wohingegen die Sprache und das Gehör außerordentlich wichtig für die Kommunikation mit anderen sind.

Abbildung: Auf dem Meer des unbewußten Denkens schwimmt ein kleines Segelboot : unser Bewußtsein.

Weitere Charakterisierungen des Wortes Bewußtsein

Bewußtsein ist das Jetzt des Denkens.

Bewußtsein ist Nachdenken. Ein Teil des Bewußtseins ist Nachdenken über sich selbst.

"Bewußtsein ist die Gewißheit der eigenen Person." Stimmt das ?

Bewußtsein ist die Einordnung in ein örtliches, zeitliches und soziales Gefüge.

Bewußtsein ist eine Lupe für unser Gedächtnis.

Ein Teil des Bewußtseins hängt stark mit der Sprache zusammen.

"Bewußtsein ist kein Ding, sondern ein Prozeß."

( diese Aussage stammt von dem amerikanischen Psychologen William James , 1842 - 1910)

( Analogie Gehirn ==> Bewußtsein, Beine ==> ein Schritt)

( Körperteil ==> Leistung des Körperteiles )

Zum Bewußtsein gehört sowohl die Aufmerksamkeit, als auch das Kurzzeitgedächtnis.

( auch dieses Zitat stammt von William James )

Bewußtsein verändert sich fortwährend.

Bewußtsein ist eine Funktion des Unterbewußtseins.

Das Unbewußte ist älter als das Bewußtsein.

Bewußtsein ist nicht einem einzelnen Gehirnteil zuzuordnen, spielt sich aber wahrscheinlich in der Großhirnrinde ab. Die ungezielte Aktivierung des Bewußtseins erfolgt durch die Formatio reticularis des Hirnstammes.

Bewußtsein ist nur ein kleiner Teil der Informationsverarbeitung im Gehirn.

Wachheit ist eine Voraussetzung von Bewußtsein.

Bei einer Bewußtlosigkeit ist das Gehirn nicht komplett abgeschaltet.

Bewußtsein ist chemisch beeinflußbar.

Bewußtsein kann gestört sein.

Bewußtsein kann

Beim Bewußtsein muß, wie in einem Atomreaktor, erst eine kritische Gehirnmasse zusammenkommen, so daß es zünden kann.

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Bewußtsein in Computern ?

Welche Voraussetzungen müßten bei einem Computer vorliegen, bei dem wir uns die Entstehung von Bewußtsein vorstellen könnten ?

1.Er muß ständig Neues lernen können.

2.Er muß ständig mit einem anderen denkenden Wesen kommunizieren.

3.Er muß im Wettstreit um bessere Lösungsmöglichkeiten für bestimmte Probleme mit jemandem liegen.

4.Er muß ständig das, was er selber produziert, wieder rückgekoppelt bekommen.

5.Es sollte ein emotionales oder existentielles oder evolutionäres Element bei seiner Entwicklung mitgeholfen haben.

Beispiel zu Punkt 1:

Speicherung in neuronalen Netzen oder ähnlichem.

Lernen durch Beispiele, nicht an Hand fester Regeln.

Lernen durch Evolutionsregeln:

Variation von Bewährtem und Ausprobieren in der Realität,

ob die neue Lösung besser ist als die bisher optimale Lösung.

Beispiel Punkt 2.

Kommunikation mit Menschen, die helfen, wichtiges auszuwählen und Fehler zu korrigieren.

Kommunikation mit anderen Computern, die dieselbe Aufgaben haben .

Beispiel Punkt 3:

Wettbewerbe zwischen Schachcomputern

Beispiele für Punkt 4 :

Ein Computer sieht über eine Videokamera ständig etwas, gleichzeitig projiziert er mit einem Laserlicht Bilder in den Raum, die er und andere Computer sehen. Kommt es dann soweit, daß der Computer so tut, als ob er ein Bild produziert, die Ausgabe aber doch blockiert, weil niemand ihn bedient oder niemand es sehen will, dann könnte man von bewußtem Bilderdenken sprechen. Er weiß sowieso, wie das aussehen wird, was er produzieren will und spart sich die Ausgabe, weil keiner zuschaut. Dann hat er so etwas wie Bilderbewußtsein.

Anderes Bewußtsein in Phantasielebewesen:

Hier wieder ein Beispiel, wie im Lexikon Bewußtsein definiert wird:

"Bewußtsein ist in der Psychologie die besondere Art des Erlebens, in der der Mensch seelische Vorgänge als gegenwärtig und in ihrer Zugehörigkeit zum Ich erfährt. Bewußtsein ist philosophisch die Gewißheit des "Ich selbst" im Denken und Wahrnehmen. Gesellschaftliches Bewußtsein ist ein Begriff des Marxismus für die Gesamtheit der gesellschaftlich vermittelten Ansichten, Gedanken, Ideologien; jeweils abhängig von der konkreten historischen Situation."

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Wortfeld Bewußtsein

Woher kommt das Wort Bewußtsein?

Welche Bedeutung hatte das Wort Bewußtsein früher ?

In welchen Sätzen wird das Wort Bewußtsein benutzt ?

Welchen Bedeutungswandel hat das Wort durchgemacht ?

Welche Worte gibt es in anderen Sprachen für den Begriff Bewußtsein?

Wie kann man das Bewußtsein untersuchen ?

Wachheit registrieren ?

Menschliches Verhalten ständig auf Video aufzeichnen.

( Aus der Sicht des Zuschauers, aus der Sicht eines Handelnden)

Alle Gedanken sofort auf ein Diktiergerät sprechen.

Alle Blicke mit Video gleichzeitig aufzeichnen.

Welche krankhaften Zustände des Bewußtseins gibt es ?

alle Arten von Bewußtlosigkeit

Halluzinationen

Fall des Patienten H.M., wie er von Kandel und Hawkins beschrieben wird: Ein Patient mit zerstörtem Hippocampus im Gehirn, somit Störung der Einspeicherung von neuen Gedächtnisinhalten, aber dennoch erhaltenem Bewußtsein.

Gibt es Krankheitserreger, die (nur) das Bewußtsein befallen können ?

Wie kann man das tierische und menschliche Bewußtsein von außen beeinflussen ?

Welche Extrembeispiele gibt es für Bewußtsein ?

Welche Extremaussagen gibt es über das Bewußtsein ?

Jedes menschliche Bewußtsein ist sterblich.

Das Gedächtnis ist sicher mehr als das Bewußtsein.

Bewußtsein ist von Stimmungen und Anforderungen des Körpers, beispielsweise Hunger, abhängig.

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Internetlinks:

http://www.sprachkritik.de/drop/bewusst.html

http://bidok.uibk.ac.at/texte/beh6-98-bewusstheit.html

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/philo/anthro/anthrop3.htm#parag21

http://guenther.uni-klu.ac.at/kem_01wt.htm

http://www.meb.uni-bonn.de/institute/kliansint/ag/rehberg/ppframe.htm

Akustisch evozierte Potentiale 40 Hz-Oszillationen als Korrelate des Bewußtseins

Akustisch evozierte Potentiale sind Änderungen der elektrischen Aktivität des Gehirns nach einem akustischen Reiz, also z.B. einem über einen Kophörer applizierten Klicken.

Diese Potentiale kann man mit auf der Kopfhaut befestigten Elektroden messen, allerdings sind Mittelungsverfahren notwendig, um die akustisch evozierten Potentiale im Rauschen des EEGs erkennen zu können.

Im Wachzustand überlagern sich akustisch evozierte Potentiale bei einer Stimulation mit ca. 40 Hz zu einer Sinuswelle, bei anderen Frequenzen findet diese Überlagerung nicht statt, d.h. es existiert eine Art Resonanzfrequenz bei ungefähr 40 Hz, die möglicherweise Ausdruck des Vorhandenseins bewusster Wahrnehmung ist.

Rechts ist dieses Resonanzphänomen in Abhängigkeit von der Frequenz einmal für den Wachzustand und in flacher Narkose dargestellt.

In Narkose verschiebt sich die Resonanzfrequenz hin zu niedrigeren Werten und verschwindet schliesslich ganz, und möglicherweise ist das Ausdruck des Bewusstseinsverlustes in Narkose.

Welche Mechanismen diesen Oszillationen zugrundeliegen und wie diese durch Anästhetika beeinflusst werden, muss jetzt wieder in sehr komplexen in-vitro-Präparationen untersucht werden.

Positronenemissionstomographie PET: Abnahme der Hirndurchblutung in Narkose in spezifischen Hirnregionen

Mit Hilfe dieses Verfahrens kann man unter anderem die Hirndurchblutung zeitlich und räumlich relativ genau bestimmen.

In der Studie, aus der diese Abbildung stammt, wurden Probanden mit Propofol narkotisiert und bei verschiedenen Konzentrationen die Hirndurchblutung mit dem PET gemessen.

Die Falschfarbdarstellung markiert hier die Hirnareale, in denen die Abnahme der Hirndurchblutung mit der Zunahme der Propofolkonzentration korreliert, blau sind dabei die Gebiete dargestellt, bei denen diese Korrelation am engsten ist. Unterlagert ist dem ganzen noch ein kernspintomographisches Bild (midsagittal, die Nase wäre rechts), um die Regionen anatomisch zuordnen zu können.

Diese Korrelation zwischen Hirndurchblutung und Narkosetiefe ist deshalb interessant, weil die Hirndurchblutung mit dem Hirnstoffwechsel direkt gekoppelt ist und dieser wiederum von der Funktion der Nervenzellen abhängig ist.

D.h. mit gewissen Einschränkungen kann hier auf eine besonders starke Hemmung der Funktion der Nervenzellen in den markierten Gebieten geschlossen werden.

Welche Hirnareale werden nun in Narkose besonders beeinflusst? Besonders in Auge fällt zunächst aufgrund seiner Ausdehnung die parieto-okzipitale Hirnrinde, die neben der Verarbeitung visueller Funktionen auch eine Rolle bei der Integration aller sensorischer Informationen spielt.

Besonders interessant ist aber der Bereich des Thalamus, dem eine wichtige Funktion bei der Entstehung des Bewusstseins zugeordnet wird. Das heutige Paradigma der Theorie des Bewusstseins besagt, dass die Grundlage des Bewusstseins durch eine Rückkopplungsschleife zwischen Thalamus und Hirnrinde gebildet wird. In dieser Rückkopplungsschleife können Oszillationen mit Frequenzen um die 40 Hz entstehen, mit der Informationen aus verschiedenen Sinnesorganen zeitlich verbunden werden können, wodurch dann ein bewusstes Erleben der Umwelt entsteht.

Interessanterweise lassen sich solche 40 Hz-Oszillationen auch nichtinvasiv am Menschen nachweisen, unter anderem in Form sogenannter akustisch evozierter Potentiale.

Gut gemachte Internet Seite zum Thema

Kann eine Maschine denken? Künstliche Intelligenz und natürliche Dummheit

http://www.uni-ulm.de/~s_mbrusd/aturing.html


Literatur zum Thema Bewußtsein:

1. Intelligenz und Bewußtsein, Reihe Geo Wissen 1992 Gruner und Jahr ( lit 48)

2. Gehirn und Bewußtsein,

3. Spektrum der Wissenschaft Spezial : Gehirn und Geist

4.Arzt,Volker und Birmelin,Immanuel: Haben Tiere ein Bewußtsein ?


unbewußt Unterbewußtsein





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Orginaltexte

Das Unbewußte ist älter als das Bewußtsein.

http://www.sprachkritik.de/drop/bewusst.html

Bewußtsein

siehe auch empfindung, wahrnehmung, seele, irrational, logik, vernunft, wille, gefühl, denken, geist, erfahrung, gegenwart, subjektivität, raum und zeit

001 Luzifer ist der Licht- und Bewußtseinsbringer. Doch mit dem Bewußtsein kommt für den Menschen auch das Böse in die Welt, da erst durch das Bewußtsein eine Unterscheidung von Gut und Böse möglich ist.

002 Nichts kann dem Geist bewußt werden, was nicht vorher gefühlt wurde.

003 Das Charakteristikum das menschlichen Geistes ist, daß der Mensch sich seiner selbst bewußt ist. Geist ist vom Wesen her Selbstbewußtsein.

004 Denken, Fühlen und Wollen als Bewußtseinsbereiche.

005 Mit der Geburt des Bewußtseins und dem denkenden Ich beginnt die Menschwerdung.

006 Evolution der Menschheit ist die fortschreitende Entwicklung des Bewußtseins.

007 Erkenne die Leere deines Bewußtseins als Buddhaschaft.

008 Solange ein Mensch seinem Instinkt unterworfen ist, hat er nicht das Bewußtsein seiner Handlungen.

009 Unser Bewußtseinszustand gibt uns ein Gefühl der Dualität.

010 Das erste Bewußtsein ist Empfindung, das zweite Anschauung.

011 "Das Nadelöhr unseres Bewußtseins..."

012 Bewußtsein ist nichts anderes, als der Zusammenhang unserer Erinnerung.

013 Um eine unveränderliche, absolute Wahrheit zu finden, muß ein Mensch über die Grenzen seines eigenen Bewußtseins und seiner eigenen Existenz hinausgehen.

014 Der Kampf um die Emanzipation des Menschen ist der Kampf um die Befreiung seines Bewußtseins.

015 Die primitivste Form des Bewußtseins ist ein zusammenhangloses Chaos von Einzelempfindungen.

016 Wenn der Geist sich seiner selbst bewußt geworden ist, bildet er von sich aus seine Welt weiter.

017 Hypnose beweist, daß daß Bewußtsein gespalten werden kann.

018 Idealismus oder Materialismus - Sein oder Bewußtsein

019 Die Außenwelt kann keine vom individuellen Bewußtsein unabhängige Objektivität haben.

020 Aufgabe der Erziehung ist es, die Einheit des Bewußtseins herzustellen. ( ?? )

021 Für Husserl ist Wissenschaft die Verdinglichung des Bewußtseins.

022 Erfahrung der Bewußtseinserweiterung.

023 "Bewußtseinserweiterung ist der umgekehrte Prozess der Geburt, da Geburt Anfang, und die Erfahrung des Ichverlusts das Ende des Spiellebens ist."

024 Bei einer künstlichen Lähmung des Gehirns durch Narkose schwindet zuerst das Bewußtsein.

025 Bewußtsein als Bewußtsein vom Bewußtsein.

026 Der Unterdrückte als Behauser des Unterdrückers.

027 "Das Bewußtsein des Unterdrückten ist ein unterdrücktes Bewußtsein."

028 Die gesamte Politik der Linken ist auf die Massen gegründet und hängt von ihrem Bewußtsein ab. Ist dieses Bewußtsein verwirrt, verliert die Linke ihre Wurzeln.

029 Verschiedene Bewußtseinsebenen überschneiden sich.

030 Erleben ist immer das Neue, Denken immer das Alte.

031 Läßt das Bewußtsein davon ab zu vergleichen und zu verurteilen, dann verzichtet es auf seine Herrscherrolle.

032 Meditation als Mittel zur Reinigung das Bewußtseins.

033 Alles Trachten der Menschheit ging bisher nach Befestigung des Bewußtseins.

034 Unser Bewußtsein pendelt gewöhnlich zwischen Wachen und Schlafen.

035 Ideologie als falsches Bewußtsein.

036 Die Überzeugung ist kein momentaner Zustand das Bewußtseins, sondern eine Verhaltensweise des Verstandes.

037 Verantwortungsbewußtsein, Selbstbewußtsein, Unrechtsbewußtsein. Realitätsbewußtsein.

038 Bewußtwerdung verdrängter Impulse.

039 Bewußtseinsbeeinflußung durch Ekstase, Trance, Drogen, Fasten, sexuelle Exzesse, Tanzen etc.

040 Das Bewußtsein ist nie etwas anderes, als ein bewußtes Sein.

041 Die Menschen brauchen bloß ihr Bewußtsein verändern, damit auf der Welt alles in Ordnung ist.

042 Veränderung das Bewußtseins unabhängig von den Verhältnissen.

043 Ohne Bewußtsein vom Tod ist alles gewöhnlich, banal.  ( ??? )

044 Die Freiheit, über die ein Mensch verfügt sitzt in seinem Bewußtsein, nirgends sonst. ( ??? )

045 Der Körper kann die stärksten Schmerzen haben, ohne daß diese in das Bewußtsein vordringen.

046 Die Schattenseite der Seele entzieht sich der bewußten Einsicht.

047 Die Identität der Person besteht in der Identität des Bewußtseins.

048 Der Bereich das Bewußtseins ist ein weites Feld der Subjektivität.

049 Bewußtsein ist keine Frage des entweder-oder, sondern enthält zahlreiche Abstufungen.

050 "Das Bewußtsein vom Wahnsinn besteht nur auf dem Hintergrund nicht wahnsinnig zu sein."

051 Unendlichkeit ist eine Erfahrung, die bei großer Bewußtseinsklarheit gemacht wird.

052 die Revolutionierung das Bewußtseins.

053 Wo immer Bewußtsein ist, da ist vergleichendes Bewußtsein.

054 Der Geist spaltet den Eindruck.

055 Nur im Bewußtsein der Begrenztheit und Endlichkeit lebt man im Bewußtsein.

056 Es gibt keine Wirklichkeit außerhalb unseres Bewußtseins. ( ??? )

057 Mit der ersten Regung des Bewußtseins beginnt der Irrtum.

058 Bewußtsein als Quelle von Unruhe.

059 Bewußtseinsspaltung als Schizophrenie.

060 Es gibt keine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen dem Wachzustand und der hypnotischen Suggestion.

061 Entwicklungsgeschichtlich wurde das Bewußtsein aus dem Unbewußten entwickelt.

062 Die scheinbare Kontinuität des Bewußtseins ist eine anfechtbare Illusion.

063 Bewußtsein ist zu allen Zeiten begrenzt und konzentriert sich auf dieses oder jenes und wechselt von Augenblick zu Augenblick.

064 Mystik als Grenzzustand des Bewußtseins bei dem Subjekt und Objekt verschmelzen.

065 Alles Unbewußte ist als ein Nichtbewußtsein vom Bewußtsein her interpretiert.

066 Das Wesentliche das Bewußtseins ist die Gleichzeitigkeit des Wissens.

067 Das Bewußtsein faßt alle Sinneswahrnehmungen zusammen.

068 Handlung ist durch Bewußtsein vermittelt.

069 Das Bewußtsein kann in einem gegebenen Augenblick immer nur einige wenige Inhalte gleichzeitig festhalten.

070 Sprache ist nur ein oberflächliches Muster tieferer Bewußtseinsprozesse.

071 Der Hypnotiseur vermag dem Menschen angeblich seine sogenannte Persönlichkeit zu rauben und ihm sein Bewußtsein zu nehmen.

072 Eine Situation wird zum Problem, wenn sie nicht in das Bewußtsein integriert werden kann.

073 Aus der Einheit der Unschuld in die Polarität des Bewußtseins.

074 Problembewußtsein.

075 Bewußtsein ist nur ein höchst flüchtiger Zustand.

076 Herrschaft des Bewußten über das Unbewußte - der Ratio über die Instinkte.

077 Aus der Vielfalt von Dingen, von deren Existenz wir wissen, müssen wir eine Auswahl treffen und was wir auswählen und Bewußtsein nennen, ist nie dasselbe wie die Dinge selbst, denn durch den Auswahlprozess werden sie verändert.

078 Was wir als Ich kennen ist die Kontinuität unseres Bewußtseins.

079 Bewußtsein ist ein Ausdruck für die Dauer der Eindrücke.

080 Verdrängung ist ein seelischer Vorgang, der das Bewußtsein gegen unerwünschte Inhalte abschirmt.

081 Geschichte heißt im Grunde Geschichte des Bewußtseins.

082 Die Mystiker berichten von einem Bewußtseinszustand, wo alle Sinne in einer einzigen unaussprechlichen Wahrnehmung verschmelzen und Klang und Farbe als eins empfunden werden.

083 Ungemeine Irrtumsfähigkeit und Störbarkeit des Bewußtseins.

084 Das Bewußtsein wird durch Außerkraftsetzen der Automatismen frei.

085 Das mystische Bewußtsein besitzt die Gabe das reine, absolute Sein, das reinweg Transzendentale zu erfassen.

086 Der gewöhnliche Mensch ist sich gewöhnlich nur seines Körpers wirklich bewußt, nicht aber seiner Seele, oder seines Geistes.

087 Im mystischen Bewußtsein gibt es kein draussen oder drinnen.

088 Denken haftet an Name und Form. Bewußtsein führt zum Sehen des Unergründlichen.

089 Alles im Bewußtsein drängt auf Gewißheit und Unfraglichkeit.

090 Das Bewußtsein läßt wesensmäßig keine Unterscheidung von Schein und Wirklichkeit zu.

091 Das Abstrakte und damit bildlose Bewußtsein ist völlig situationsentlastet.

092 Die Sprache ist eine Zwischenwelt, die zwischen der Welt und dem Bewußtsein liegt und zugleich verbindet und trennt.

093 Richtet sich das Bewußtsein auf einen unbestimmten Sinn, so liegt Religion vor.

094 Gegenstände vom Wesen das Göttlichen gehören zu den Urgegebenheiten das menschlichen Bewußtseins.

095 Der Glaube ist an der Grenze des Wißbaren das Bewußtsein einer unbedingten Wahrheit.

096 Alles was ist, ist entweder als Ding, oder als Bewußtsein, ein Mittleres gibt es nicht.

097 Die Bedeutung der Initiation liegt darin, daß nur der mit Bewußtsein leben kann, dessen Leben zu Grund gegangen ist, d.h. der dem Tod ins Auge geblickt hat.

098 Die Freiheit muß zu Bewußtsein kommen, denn sie ist ihrem Begriff nach Wesen von sich.

099 Unser ideologisiertes Bewußtsein hat nicht für alle Realitäten ein Bewußtsein und Begriffe entwickelt.

100 Der Warenfetischismus ist eine klassenspezifische Bewußtseinsform.

101 Gegenkultur ist im wesentlichen Erforschen der Bewußtseinswirkungen.

102 Objektives Bewußtsein ist entfremdetes Leben, das als wissenschaftliche Methode eine höchst ehrenhafte Stellung erlangt hat.

103 Intentionalität ist die Grundstruktur des Bewußtseins.

104 Im Überbewußtsein des Schamanen gibt es keine leblosen Gegenstände.

105 Bewußtseinszustände sind immer an Individuen gebunden und damit subjektiv. Geistige Gehalte dagegen nicht.

106 Das Bewußtsein trennt die Menschen, der Geist verbindet.

107 Die Wahrnehmungsobjekte bestehen unabhängig vom Bewußtsein weiter.

108 Es gibt keine höhere Art von Realität, als die unmittelbare Erlebniswirklichkeit.

109 Im tiefen Bewußtseinszustand der Meditation erfahren wir, wie der Gegensatz von Absichtlichem und Spontanen verschwindet.

110 Das Gehirn wirkt als schützender Filter des Bewußtseins.

111 Illusionen und Täuschungen treten auf, weil das menschliche Bewußtsein fähig ist, aus geeigneten Reizen illusorische Erfahrungen herzustellen.

112 Bewußtsein ist immer auf einen ziemlich kleinen Ausschnitt des geistigen Prozesses begrenzt.

113 Ein großer Teil das bewußten Denkens ist im Sinne der Sprachlogik strukturiert.

114 Bewußtwerdung ist Weltwerdung durch Unterscheidung.

115 Das Unbewußte ist älter, als das Bewußte.

116 Was ins Bewußtsein gelangt, wird selektiert und ist eine systematische Auswahl von Informationen.

117 Ideale sind nichts als Wegweiser und niemals Ziele.

118 Die Wahrnehmung wird vom Bewußtseinsapparat beeinflußt.

119 Begriffe sind psychologisch und bewußtseinsabhängig.

120 Religiosität ist Bewußtsein vom Tod.

121 Bewußtsein ist immer nur Bewußtsein von etwas.

122 Der Raum ist eine grundlegende Eigenschaft unseres Bewußtseins.

123 Die Empfindungen hängen im Bewußtsein zusammen.

124 Die Funktion der Sprache ist eine Stabilisierung von Bewußtseinsvorgängen, indem sie Inneres an Symbolen festmacht und äußere Existenz verleiht.

125 Kein Erlebnis ist bewußt und kein Bewußtsein kann erleben.

126 Das Erlebnis hat den Charakter der Stetigkeit, das Bewußtsein ist eine Lückenreihe.

127 Bewußtsein kann nur trennen, es ist das Scheidewasser für alle Zusammenhänge.

128 Ein Schlag mit einem Polizeiknüppel ist bewußtseinserhellender als hundert Bücher.

129 "Jeder Bewußtseinszustand ist eine Einheit und nicht im echten Sinne analysierbar."

130 Elementarerlebnisse sind unzerlegbare Einheiten.

131 Kein sozialer Fortschritt ohne einen moralischen, d.h. die Reform des Bewußtseins sollte der Veränderung der materiellen Umstände vorangehen.

132 Ethik ist nur an bewußten Willenshandlungen interessiert.

133 Das Bewußtsein ist die Einheit des Ich.

134 Die Außenwelt wirkt auf das Bewußtsein erst, nachdem eine Reizschwelle überschritten ist.

135 Wo die Einheit das Bewußtseins fehlt, da fehlt auch der Tatbestand das Bewußtseins selber.

136 Jedes Bewußtseinsdatum ist etwas relatives und hat nur Dasein im Gegensatz und Beziehung zu anderen Bedeutung.

137 Solange wir bei Bewußtsein sind, ist immer Zeitempfinden vorhanden.

138 Das Schmerzgefühl ist ein Zustand unseres Bewußtseins und gehört der geistigen Sphäre an, nicht der materiellen.

139 Verrücktheit ist ein Zustand des Bewußtseins, bei dem nicht mehr zwischen Einbildung und Realität unterschieden werden kann.

140 Den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks noch hinzufügt.

141 Gegeben sind dem Bewußtsein nur Empfindungen; indem es ein Ding dazudenkt, dem diese Empfindungen als Eigenschaften angehören sollen, begeht das Denken einen kolossalen Fehler. Es macht die Empfindung, die doch nur ein Prozess ist, zu einer seienden Eigenschaft. Dadurch verändert das Denken die unmittelbare Empfindung und entfernt sich von der Wirklichkeit.

142 Ein Bewußtsein ohne Gegenstand ist kein Bewußtsein.

143 Die Identität der Person beruht auf der Identität des Bewußtseins.

144 Wahnsinn ist die völlige Zerrüttung das Bewußtseins.

145 Der Realismus ist die Lehre, die das Vorhandensein einer außerhalb das Bewußtseins liegenden Wirklichkeit behauptet.

146 Es gibt kein Bewußtsein ohne Empfindung.

147 Aus stofflichen Bewegungen läßt sich das Bewußtsein nicht erklären.

148 Für das Bewußtsein brauchen wir ein genügendes Band der Einheit für unsere Vorstellungen.

149 "Es gibt ein Blutbewußtsein, das unabhängig vom gewöhnlich geistigen Bewußtsein in uns existiert."

150 Dialektik als bewegende Kraft aller Momente des Bewußtseins.

151 Kunst, Religion und Philosophie als Etappen der Bewußtseinsentwicklung der Menschheit.

152 Die Entwicklung des individuellen Bewußtseins führt zu größeren Konflikten mit der "Wirklichkeit".

153 "Der Gegensatz zwischen der bewußten und bewußtlosen Tätigkeit ist notwendig ein unendlicher, denn wäre er je aufgehoben, so wäre die Erscheinung der Freiheit aufgehoben, welche einzig und allein auf ihm beruth."

154 Priorität des Seins vor dem Bewußtsein - der Überbau gehorcht dem Unterbau.

155 Das Leid treibt uns zum Handeln und das Leid ist es auch, das uns unsere Existenz bewußt macht.

156 Unter Hypnose hat der Proband keine Ahnung von dem, was geschehen ist; er weiß nicht einmal mehr, daß er gehorcht hat, sondern findet alle möglichen Gründe für sein Verhalten.

157 Die Dinge besitzen nur in Bezug auf Bewußtseinszustände einen 'Wert'.

158 Bewußtsein und Verantwortung sind die beiden Grundtatsachen unseres menschlichen Daseins.

159 Wahnsinn ist der ewig magisierte Bewußtseinszustand, übermagisiert bis in den letzten Alltagswinkel hinein.

160 Im Bewußtsein werden flüchtige Empfindungsdaten als beharrende Gegenstände aufgefasst.

161 "Unsere Urteile werden in jedem Augenblick durch unbewußte Urteile entstellt; wir sehen nur, was unsere Vorurteile uns zu sehen erlauben und unsere Vorurteile kennen wir nicht. Andererseits befinden wir uns in einem gewissen Zustand der Zerstreutheit, da die Aufmerksamkeit den Geist, indem sie ihn auf eine kleine Anzahl von Objekten konzentriert, von einer größeren Anzahl anderer ablenkt."

162 "Wer Denkformen mit "Seinsformen" gleichsetzt, sieht sich auch genötigt, in irgendeiner Form ein allgemeines Bewußtsein anzunehmen dessen Gedanken und Denkformen eben die Formen und Gesetze der Wirklichkeit sein sollen, wobei die menschlich-subjektiven Bewußtseine meist als weniger vollkommene Individuationen des allgemeinen Bewußtseins angenommen werden."

163 Die Materie als objektive, unabhängig vom Bewußtsein existierende Realität.

164 Im kartesianischen Modus nehmen wir die Alltagswirklichkeit in Form von getrennten Objekten wahr, im dreidimensionalen Raum und in linearer Zeit. In der transpersonalen Form werden die gewöhnlichen Grenzen der Sinneswahrnehmung und des logischen Denkens transzendiert und unsere Wahrnehmung verlagert sich von festen Objekten zu fließenden Energiemustern.

165 Es gilt das Bewußtsein der Menschen zu verändern.

166 Die Sprache ist das Medium unseres Selbstgefühls und unseres geistigen Bewußtseins.

167 Der Grund allen Seins liegt im Sollen, d.h. in der Zwecktätigkeit des Bewußtseins.

168 Die klassisch-naturwissenschaftliche Anschauung betrachtet die Materie als das Ursprüngliche und das Bewußtsein als eine Eigenschaft komplexer materieller Strukturen. Den mystischen Traditionen ist das Bewußtsein die primäre Wirklichkeit, das Wesen des Universums, der Urgrund allen Seins.

169 Alles Rechtsbewußtsein ist Teil des politischen Bewußtseins.

170 "Die Menschen werden 'frei' gedacht, um gerichtet, um gestraft werden zu können: folglich 'mußte' jede Handlung als gewollt, der Ursprung jeder Handlung im Bewußtsein liegend gedacht werden."

171 Für den Idealismus gibt es keine vom Bewußtsein unabhängige Gegenständlichkeit. Der Idealismus nimmt an, daß die Außenwelt nicht unabhängig vom Bewußtsein existiert.

172 Bewußtsein ist immer intentional. Es hat immer etwas "im Sinn" und ist auf Objekte gerichtet. Wir haben niemals ein Bewußtsein als solches, sondern immer ein Bewußtsein von etwas.

173 Zeitlichkeit ist die Domäne des Bewußtseins. Der Strom des Bewußtseins hat immer eine zeitliche Ordnung.

174 Wirklichkeit wird im Bewußtsein festgehalten.

175 Bewußtseinsvorgänge wie Erlebnisse, Denken, Empfinden oder Schmerzen lassen sich nicht

materialistisch analysieren.

176 Über materielle Vorgänge weiß man viel, nicht so über Bewußtseinsvorgänge.

177 Es ist das Meinen, das einem Satz Sinn gibt. Bedeutung und Verstehen sind Bewußtseinsvorgänge.

178 nichtintellektuelle Erfahrung als Zustand eines erweiterten Bewußtseins.

179 Die Welt besteht aus zwei Bereichen: der äußeren, materiellen und der inneren Bewußtseinswelt. Die Außenwelt ist nur indirekt erfahrbar, die Bewußtseinswelt direkt.

180 Die grundlegenden Strukturen der materiellen Wirklichkeit sind letztlich durch die Art und Weise bestimmt, wie wir die Welt sehen. Die beobachteten Strukturen der Materie sind Spiegelungen der Strukturen unseres Bewußtseins.

181 Wege zur inneren Befreiung durch Umformung das Bewußtseins.

182 Unser waches Bewußtsein ist nur eine dünne Schicht auf einem riesigen unbewußten Bereich.

183 Im Zen wird das Bewußtsein dem Unbewußten harmonisch angeglichen. Der Zenschüler muß lernen, entspannt und konzentriert zugleich zu sein.

184 "Sie sind (Geist und Materie) sich gegenseitig einfaltende Projektionen einer höheren 'Wirklichkeit', die weder Materie noch Bewußtsein ist."

185 Das letzte Begreifen des menschlichen Bewußtseins überschreitet Worte und Vorstellungen.

186 die Natur des Bewußtseins

187 Ein Ding ist weiter nichts, als eine konstante Summe von Empfindungen im Bewußtsein.

188 "Die libertäre Bewegung lehnt es ab, die Massen zu führen, sondern arbeitet daran, ihr Bewußtsein zu wecken."

189 "Unser bewußtes Leben ist nur dem Schlaf abgerungen."

190 Der Geist zerhackt den kontinuierlichen Strom das seelischen Erlebens und zerhackt es in eine Anzahl voneinander getrennter Gegenstände.

191 "Zur tiefsten Ursache jedes Herrschaftssystems gehört es, daß alle und jede Politik und Religion danach strebt, den Geist des Menschen in Unmündigkeit und Abhängigkeit zu halten."

192 "Das sogenannte Nationalbewußtsein ist eine religiöse Vorstellung: man ist Deutscher, Franzose oder Italiener, wie man Katholik, Protestant oder Jude ist."

193 Das Bewußtsein zeigt nach der Einnahme von LSD eine charakteristische qualitative Veränderung ähnlich dem Traumerleben. Es kann seine gewöhnlichen Grenzen überschreiten und Tiefen das Unbewußten erreichen, die sonst nicht zugänglich sind. Dieser Vorgang wird häufig als Bewußtseinserweiterung bezeichnet.

194 "Grof bezeichnet die transpersonale Erfahrung als Gefühl des Individuums, daß sich sein Bewußtsein über die gewöhnlichen Ich-Grenzen, sowie über die Grenzen von Zeit und Raum ausgeweitet hat."

195 Der Geist der Revolte ist die Weckung eines befreienden Bewußtseins und systemsprengender Einsichten.

196 Der Existenzialismus will die Bewußtseinsinhalte in ihrer Bedeutung erfassen. Der Grund für die Bewußtseinsinhalte liegt nicht mehr in den rationalen Gegenständen.

197 Ideologie ist falsches Bewußtsein.

198 "Reform des Bewußtseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewußtseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen."

199 Das Bewußtsein ist eine Sache, die man sich auch aneignen muß, wenn man nicht will.

200 "Die Frage das Bewußtseins ist das entscheidende Problem der Revolution."

201 Die Gesinnung entscheidet, nicht das Denken; denn erst in der Gesinnung wird das Denken Wirklichkeit und Quelle von Handlungen.

202 Das Bewußtsein scheidet die Welt in Traum und Wirklichkeit.

203 Musik führt das Bewußtsein zur Unmittelbarkeit.

204 "Das Problem der Bewußtwerdung wird gelöst werden, oder wir werden scheitern."

205 Bewußtseinserweiterung durch Hypnose und Drogen.

206 Der Sozialismus ist ein Lernprozess, der sich nicht nur im Bewußtsein, sondern in der alltäglichen Praxis abspielt.

207 "Wir vergegenwärtigen das Bewußtsein in den Stufen seiner Helligkeit."

208 Die Veränderung des Bewußtseins muß von einer Veränderung der Institutionen begleitet werden.

209 Das Ichbewußtsein und der Wille gehören zusammen.

210 Der Standpunkt das natürlichen Bewußtseins ist der eines völlig hingegebenen Vertrauens an die äußere Wahrnehmung und das innere Erleben. Das naive Bewußtsein wird so zum zuverlässigen Führer im praktischen Leben und quasi zur Bürgschaft für die objektive Wirklichkeit.

211 Unzurechnungsfähigkeit durch Schlaf, Ohnmacht, Trunkenheit oder altersbedingte Geistesschwäche bezieht sich auf Eigenschaften des Bewußtseins.

212 Der Kern jeder Religion ist das Bewußtsein einer absoluten Realität, die uns umgibt.

213 Bewußtsein heißt Spaltung der Erfahrung in Subjekt und Objekt. Was nicht in diese Spaltung eingeht, ist für uns, als ob es nicht wäre.

214 Politische Bildung ist traditionell Bewußtseinsbildung.

215 Ein Gegenstand kann 'als solcher' niemals Bewußtseinsinhalt sein und ein Bewußtseinsinhalt 'als solcher' niemals ein Gegenstand.

216 Zeit und Bewußtsein sind nicht zu trennen. Was an der Zeit wirklich ist, ist eigentlich nur die Gegenwart, das unmittelbare Jetzt. Vergangenheit besteht nur in der Erinnerung, Zukunft nur in der Erwartung.

217 Die perforierte Retina empfängt eine Menge Informationen, die nicht ins Bewußtsein gelangen.

218 Die Prozesse der Wahrnehmung selbst sind dem Bewußtsein unzugänglich, allein die Produkte können bewußt sein.

219 Die Wahrnehmungsprozesse sind nicht bewußt.

220 "Die Prozesse der visuellen Wahrnehmungen sind dem Bewußtsein unzugänglich. Es ist auch unmöglich, von dem, was im einfachen Akt des Sehens vor sich geht, eine annehmbare Beschreibung zu geben. Die Sprache hat keine Ausdrucksmittel für das, was nicht bewußt ist."

221 Gegenwart und Nacheinander sind ausschließlich Bewußtseinserscheinungen.

222 Das Wesen der Religion ist es, die Grenzen des Bewußtseins zu erweitern.

223 Der Begriff "Bewußtsein" veranschaulicht einen Zustand, der über alle Worte und Symbole hinausweist.

224 Die Wirklichkeit ist eine Ebene des Bewußtseins.

225 Umweltbewußtsein

226 "Die äußere Welt und das Bewußtsein sind ein und dasselbe."

227 Das Bewußtsein ist bestimmt von einem System von Kategorien.

228 "Dein alltägliches, gewöhnliches Bewußtsein, das ist der Weg."

229 "Der große Haufen der Menschen lebt mit sehr geringer Besinnung."

230 Der natürliche und kindliche Realismus, in dem wir alle geboren sind.

231 "Ich bin der Krankste von Euch allen und umso bedauernswürdiger, da ich weiß, was Gesundheit ist. Ihr aber, ihr wißt es nicht, ihr Beneidenswerten! Ihr seid in der Lage zu sterben, ohne es selbst zu merken. Ja viele von Euch sind längst tot und behaupten, jetzt erst beginne ihr wahres Leben. Wenn ich solchem Wahnsinn widerspreche, dann wird man mir Gram und schmäht mich - und entsetzlich! die Leichen springen an mich heran und schimpfen, und mehr noch als die Schmähworte belästigt mich ihr Modergeruch."

232 Wahrnehmungen sind Vorstellungen mit Bewußtsein.

233 "Die Einheit des Bewußtseins ist die Bedingung aller Erkenntnis "unter der jede Anschauung stehen muß, um 'für mich' Objekt zu werden, weil auf andere Art und ohne diese Synthesis, das Mannigfaltige sich nicht in einem Bewußtsein vereinigen würde."

234 Es gibt unendliche Grade des Bewußtseins bis zum Verschwinden.

235 Die Welt ist eine individuelle Bewußtseinseinheit.

236 Das Bewußtsein ist die miteinander zur Einheit verbundene Gesamtheit aller seelischen Vorgänge.

237 Der Wille geht in den Gegensatz von bewußt und unbewußt ein.

238 Das Bewußtsein darf nicht örtlich betrachtet werden.

239 Vorstellung, Gefühl, Wille sind die Hauptzustände des Bewußtseins.

240 "Das Erlebnis ist der Modus von Bewußtsein überhaupt."

241 Die Welt des Bewußtseins ist Setzung, Entgegensetzung und Zusammenfassung.

242 Die im Bewußtsein auftretenden Tatsachen stehen jenseits des sicheren Wissens.

243 Nur die Fixierung einer bestimmten Bewußtseinslage durch die Aufmerksamkeit ruft den Schein der Dauer hervor.

244 Die Voraussetzung einer sinnvollen sozialen Veränderung ist die geistige Transformation der Menschen. Die Quelle der Staatsautorität liegt im blinden Autoritätsglauben der Menschen.

245 Der wirkliche Feind ist die desparate Situation des menschlichen Geistes, der in Bewegungslosigkeit, Routine und Abhängigkeit gefangen ist.

246 "Wenn der Mensch wahrhaft von Gott weiß, so weiß er auch wahrhaft von sich, beide Seiten entsprechen einander."

247 Die Religion ist die wahrhafte Wirklichkeit des Selbstbewußtseins.

248 "Das Moment des Unterscheidens ist im Geiste das, was Bewußtsein heißt."

249 "Die Religion hat ihre Realität als Bewußtsein."

250 "Der ganzen Menschheit steht der Übergang zu einer neuen Bewußtseinslage bevor."

251 "Alle logischen Kausalitätsvorstellungen müssen als psychologische Beziehungen im Bewußtsein aufgefaßt werden."

252 Werte haben kein Sein außerhalb des menschlichen Bewußtseins.

253 Bewußtsein ist unmittelbares Wissen.

254 Alles, was in der Zeit geschieht, unterliegt dem Gesetz der Verursachung. Auch unser Bewußtsein ist ein Geschehen in der Zeit.

255 Der Verstand füllt keineswegs den ganzen Bereich das Bewußtsein aus.

256 "Fortschritt menschlicher Entwicklung ist zuletzt Bewußtseinsfortschritt."

257 "Aller geistige Inhalt ist für uns notwendig an die Form des Bewußtseins und somit an die Form der Zeit gebunden. Er ist nur, sofern er sich in der Zeit erzeugt, und er scheint sich nicht anders zeigen zu können, als dadurch, daß er sogleich wieder verschwindet, um der Erzeugung eines anderen neuen Raum zu geben. So steht alles Bewußtsein unter dem Heraklitischen Gesetz des Werdens. Die Dinge der Natur in ihrem objektiv-realen Dasein mögen allenfalls einen festen 'Bestand', eine relative Dauer aufweisen: dem Bewußtsein ist ein solcher durch seine eigenste Natur versagt. Es besitzt kein anderes Sein als das der freien Tätigkeit, als das Sein des Prozesses. Und in diesem Prozess kehren niemals wahrhaft identische Bestandteile wieder. Hier findet nur ein stetiges Fließen statt, ein lebendiges Strömen, in dem alle feste Gestaltung, kaum daß sie gewonnen, wieder zergehen muß."

258 "Ein Bewußtsein, in welchem der Zusammenhang zwischen dem jetzigen Augenblick und dem früheren ganz gelöst wäre, in welchem nur einzelne Inhalte auftauchen und wieder verschwinden, ein solches Bewußtsein wäre in Wahrheit kein Bewußtsein mehr... Was dem Bewußtsein seine Einheit gibt und es über den ständig wechselnden Fluß seine Inhalte hinweg zusammenhält, das ist ja gar nichts anderes, als die Erinnerung. Im 'Begriff' des Bewußtseins liegt es also schon, daß seine einzelnen Momente nichts isoliertes sind, sondern daß sie gleichsam aneinanderhaften kraft der Erinnerung."

259 "Aber es scheint mir doch, als ob ich sähe, hörte, Wärme fühlte, das kann nicht falsch sein, das eigentlich ist es, was an mir Empfinden (sentire) genannt, und dies, genau so verstanden, ist nichts anderes als Bewußtsein."

260 Die Erhöhung das Gewahrseins, d.h. Bewußtseins ist stets ein Hauptziel der Psychoanalyse gewesen.

261 "Eine weitere Eigenschaft des gewöhnlichen Wachbewußtseins, die den Traum ausschließt, ist die, daß es verbal ist und die Abstraktion begünstigt - kaum erwacht, fangen wir sofort an, unsere abstrakten Zwecke zu verbalisieren: 'Wo bin ich? Was habe ich doch heute morgen vor? Wie spät ist es? Was hab ich geträumt?' Unser Erleben wird von derlei Abstraktionen geordnet. Der Traum aber ist konkret - nicht verbal und sinnlich - 'eidetisch'."

262 "Jede Person ist ein abgeschlossene Einheit des Bewußtseins."

263 Der Vorgang des Satori im Zen muß als der Durchbruch eines in der Ichform beschränkten Bewußtseins in die Form das nichtichhaften Selbst begriffen werden.

264 "Bewußt-Sein ist Beziehung auf das Ich."

265 "Die Tatsache der Bewußtheit, obwohl die Grundtatsache der Psychologie, kann wohl als vorhanden konstatiert aber sie kann nicht definiert, noch von etwas anderem abgeleitet werden."

266 Unsere Empfindungen sind immer schon irgendwie von unserem Gehirn bearbeitet worden, bevor sie ins Bewußtseins kommen.

267 "Je mehr Bewußtsein, desto mehr Selbst."

268 Eine teilweise Verwandlung das Bewußtseins ist nutzlos oder sogar schädlich, wenn sie nicht von einer Charakterwandlung begleitet wird.

269 Jeder Erscheinungsablauf verschwindet allmählich aus dem Bewußtsein, wenn er sich sehr oft ganz gleichartig wiederholt.

270 "Moralische Reform ist das Bemühen, den Schlaf abzuschütteln."

271 Satz der Immanenz: Alles Seiende existiert ausschließlich als Bewußtseinsinhalt.

272 Der an der sprachanalytischen Philosophie geschulte Leser muß oft viel Geduld aufbringen, wenn er überkommene, der älteren Bewußtseinsphilosophie verhaftete Texte studiert.

273 Zeit unseres Lebens müssen wir uns darum bemühen "wach" zu bleiben.

274 "Bewußtsein gibt es seiner Natur nach nur in der Einzahl. Ich möchte sagen: Die Gesamtzahl aller 'Bewußtheiten' ist immer bloß 'eins'."

275 Die sogenannten hypnagogischen Bilder treten an der Grenze zwischen Schlafen und Wachen auf.

276 "Eine neue Welt ist nur ein neuer Geist."

277 Menschliches Erkennen hat es nicht mit "Dingen", sondern mit Bewußtseinsinhalten zu tun.

278 Bewußtseinsinhalte sind Ganzheiten, die erst in einem spezielle abstraktive Aufmerksamkeit erfordernden Prozess in ihre "Elemente" zerlegt werden.

279 "...so ist ein mannigfaltiger zusammenhängender Inhalt des Bewußtseins um nichts schwerer zu verstehen, als der mannigfaltige Zusammenhang in der Welt."

280 Das Bewußtsein ist nur eine Beziehung.

281 Psychologie ist Wissenschaft von den psychischen Phänomenen, von den Tatsachen des Bewußtseins, von den Tatsachen der inneren Erfahrung.

282 "Dabei kommt nicht viel darauf an, ob wir von einem 'Gegebensein' oder einem 'Erlebtsein' oder einem 'Bewußtsein' des Unmittelbaren sprechen. Alle diese Worte verlieren in gleicher Weise ihren Sinn, wenn wir nicht ein 'Ich' annehmen, dem etwas gegeben ist, das etwas 'erlebt' oder dem etwas 'bewußt' ist."

283 Das Entstehen des Bewußtseins und des geistigen Lebens ist nicht aus den Atomen der Materie begreifbar.

etc etc


http://www.paranormal.de/jenseitskontakte/seele.htm

Unsere Seele

Definition: Als Seele oder Spirit bezeichne ich hier alles, was wir sind und was uns ausmacht, jedoch ohne unseren physischen Koerper. Somit hat unsere Seele einen Intellekt, Logik, Erinnerungen, Gefuehle, Freuden, Leiden, Aengste, Traumata, Sorgen, Selbstvorwuerfe, Beziehungen, und einen astralen Koerper, der verschiedene Formen annehmen kann, jedoch meist dem Aussehen unseres physischen Koerpers entspricht. Unsere Seele hat demnach keine

physischen Schmerzen und Empfindungen mehr, aber sehr wohl noch "seelische".

Aufgrund vieler Artikel, Forschungen und Erkenntnissen von Sehern, besteht unsere Seele ewig. Sie kommt vom Licht

und ist ein Teil des Lichtes, also ein Teil der Schoepfung, und vermutlich sogar ein Teil des Schoepfers selbst. Unsere

Seele existierte demnach bereits vor unserer Geburt, unserer Menschwerdung. Die Seele selbst ist kein exakt

begrenztes Gebilde, das sich in einem bestimmten Raum aufhaelt. Vielmehr kann man sagen, dass sie ueberall ist,

vergleichbar mit einem Elektron im Verhaeltnis zu dem Atom, zu dem es gehoert. Und so wie Heisenberg

Schwierigkeiten hatte, die exakte Position eines Elektrons zu bestimmen, so koennen auch wir nicht unsere Seele an

EINEM bestimmten Platz finden, sie ist ueberall! Vielfach wird anstelle von 'Seele' auch der Ausdruck 'Bewusstsein'

verwendet. Es ist ueberall.

Schaut man sich unsere Seele genauer an, so kann man von einer Ueberseele sprechen, die aus verschiedenen

Teilseelen, oder anders ausgedrueckt, Teilen dieser Gesamtseele, besteht. Alle Teile zusammen ergeben unsere

Ueberseele, also das, was wir sind, was jeder von uns ist.

Die Ueberseele waechst und reift an Erfahrung und an Bewusstsein. Dieser Prozess kann jedoch sehr lange dauern,

wobei man hier schlecht in Zeiteinheiten sprechen kann, da die Schoepfung dimensionslos ist, und es in ihr somit auch

keine Zeiteinheiten gibt. Dieses Bewusstseins-Wachstum geschieht sowohl im Jenseits, als auch durch die Geburt und

Wiedergeburt von Teilen unserer Ueberseele hier auf Erden. Unsere Seelenteile verbinden sich nach ihrem irdischen

Tod, angeladen mit ihren irdischen Erfahrungen, wieder mit unserer Ueberseele, und tragen so zum Reifeprozess

unserer Ueberseele bei. Der irdische Tod ist somit kein Ende, er ist nur eine Transformation, ein Uebergang unserer

Teilseele aus unserer irdischen Welt in die jenseitige Welt, ebenso wie unsere Geburt der Uebergang unserer Teilseele

aus der jenseitigen Welt in die irdische Welt war!

Es gibt verschiedene Ansichten darueber, ob die Wiedergeburt unserer Teilseele zwingend ist, oder ob sie eher eine

freiwillige Entscheidung unsrer selbst ist. In der Literatur findet man Aussagen von "Experten" zu beiden Ansichten. Ich

persoenlich neige eher dazu, die Wiedergeburt als freiwilligen Akt anzusehen. Ich habe im Jenseits Forum Auschnitte

(und Links) von verschiedenen Artikeln zu diesem Thema gepostet, viele davon leider nur in Englisch. Dennoch kann

man davon ausgehen, dass es eindeutig eine Wiedergeburt gibt, und dass sich viele Menschen auch noch an Teile

ihres frueheren Lebens erinnern koennen. Das trifft besonders auf Kinder zu, die noch nicht in unser starres

gesellschaftliches Denkkonzept gepresst sind. So wird darauf verwiesen, dass Kinder im Alter zwischen 2 und 5 Jahren

sehr oft von ihrem frueheren Leben erzaehlen, was von uns Erwachsenen dann oft als Phantasie bezeichnet und

abgewuergt wird. Mit zunehmenden Lebensjahren jedoch verblasst die Erinnerung an unser frueheres Leben.

Unsere Menschwerdung erfolgt nach genauer Planung dessen, was durch sie erreicht werden soll, und durch welche

Erfahrungen unsere Ueberseele durch die Menschwerdung unserer Teilseele angereichert werden soll. Die Teilseele

bringt bei der Menschwerdung nicht die gesamte Persoenlichkeit der Ueberseele mit sich, sondern nur bestimmte

persoenliche Wesenszuege. Aus diesen ergibt sich dann ein unperfekter Mensch, der somit auch ein unperfektes Leben

fuehren kann, mit allen richtigen und falschen Entscheidungen, die dazu gehoeren. Obwohl die Wiedergeburt geplant

ist, stellt dieser Plan jedoch nur ein grobes Gerippe dar, mit verschiedenen, vorgegebenen Stationen, zwischen denen

wir jedoch voellige Entscheidungsfreiheit haben. Auch koennen wir uns nach unserer Geburt nicht mehr an diesen Plan

erinnern, oder kaum, und tappen somit mehr oder weniger im Dunklen, koennen sowohl gut oder boese sein,

anstaendige Menschen, oder das Gegenteil davon. Wenn medial begabte Menschen versuchen, unsere Zukunft

vorherzusagen, so versuchen sie unseren Plan zu lesen. Jeder Mensch traegt mit sich seinen Plan, auch wenn er fuer

uns Irdische nicht sichtbar ist!

Verlieren Eltern ein Kind, oder haben sie ein krankes, koerperlich oder geistig behindertes Kind, so stellt sich fast

immer die Frage nach dem 'Warum'. Warum musste mein Kind so frueh sterben, warum musste es so viel erleiden,

warum konnte es nicht laufen, sprechen, lernen, oder warum hatte es so grosse Schmerzen? Und viele Menschen

verlieren dabei oft den Glauben an ihren Gott, weil sie nicht verstehen koennen, wie ein angeblich barmherziger Gott

ihrem Kind oder Angehoerigen so viele Qualen zufuegen konnte. Unsere Religionen uebermitteln uns ein zum Teil

falsches Bild. Und dieses falsche Bild laesst uns dann glauben, dass wir unser Leben auf dieser Erde hier als einen

einmaligen Akt verstehen muessen, hinter dem dann irgendwann eine Auferstehung folgt, und eine Trennung nach Gut

und Boese, mit ewiger Glueckseeligkeit bzw. ewiger Verdammnis. Das ist falsch. Es gibt keine Einmaligkeit, und unser

Leben ist ein staendiger Lern-, ein Reifeprozess unserer Teilseele zum Wohle unserer Ueberseele. Somit ist ein kurzes

bzw. hartes Leben auch kein Verlust, etwas, was man zu tiefst bedauern muesste, es ist der erfuellte Plan unserer

Teilseele zum Wohle und zur Bewusstseinserweiterung unserer Ueberseele!

Falls das alles etwas abstrakt erscheint, so duerfen wir nicht vergessen, wie viele Jahre lang uns zum Teil halbrichtige

oder gar falsche Ideologien vermittelt wurden, und dass wir unser Denken nicht wieder so einfach von heute auf

morgen umstellen koennen. Jesus glaubte an, und die von ihm gegruendete christliche Religion beinhaltete die

Wiedergeburt als Wahrheit und Lehre. Die Wiedergeburt wurde erst im Jahre 553 in der zweiten Synode von

Konstantinopel aus der christlichen Lehre gestrichen. In ihr wurde ein Edikt erlassen, das die Lehre von frueheren

Leben bzw. einer Reinkarnation verwarf, obgleich Jesus dieser Lehre eine sehr hohe Bedeutung zugemessen hatte. Mit

Ruecksicht auf dieses Dekret verschwanden alle, mit Ausnahme der kaum noch erkennbaren Hinweise auf eine

Praeexistenz aus der Bibel. Dadurch wurde den Fruehchristen der wichtigste Pfeiler ihrer Religion genommen. Als

Ausgleich dafuer lehrte der Klerus, dass sie ihre Auferstehung erst am "Juengsten Tag im Fleische" erleben wuerden!

zurueck


DER SPIEGEL 1/2001 - 30. Dezember 2000

URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,109855,00.html

10.4. Gehirn und Bewusstsein

Demut vor dem letzten Rätsel

Mit der Erforschung des Bewusstseins stößt die Wissenschaft an ihre Grenzen: Ist das Gehirn des

Menschen mit seinem Gewirr von Milliarden Nervenzellen fähig, sich selbst zu erkennen?

Als Philipp Dörr aus der Narkose aufwachte, war links aus seinem Leben verschwunden. Unvermittelt standen die

Krankenschwestern, die von links in sein Zimmer traten, vor seinem Bett. "Sie waren aufgetaucht wie aus dem

Nichts", erinnert sich Philipp. Seine Eltern banden ihm eine Uhr ums linke Handgelenk und fragten ihn nach der Zeit.

"Woher soll ich das wissen", antwortete er ihnen genervt, "ich hab doch keine Uhr."

Links war nicht nur einfach weg. Philipp vermisste diese Hälfte nicht einmal. Dass sein linker Arm steif und

unbeweglich von der Schulter baumelte, kümmerte ihn ebenso wenig wie sein regloses linkes Bein, das er humpelnd

hinter sich herzog.

Auf dem Krankenhausflur rannte er alle Leute um, die von links seinen Weg kreuzten. Nach seiner Entlassung

kegelte er im Supermarkt von den Regalen auf der unsichtbaren Seite seiner Welt alles zu Boden. "Es war, als gäbe

es eine vierte, unsichtbare Dimension", erinnert sich der inzwischen 20-jährige Schüler.

Als die Ärzte ihm den Schädel öffneten, war Philipp gerade elf. Mehrere lange Narben auf der rechten Seite seines

kahlrasierten Kopfes blieben zurück. Lange Zeit trauten sich seine Eltern nicht, ihm die Wahrheit darüber zu sagen,

was genau die Ärzte mit ihm gemacht hatten.

Erst sechs Jahre nach der Operation - Philipp kam gerade in die Oberstufe, er wählte Geschichte und Biologie als

Leistungskurse - zeigten sie ihm die Aufnahmen aus dem Computertomografen: Dem Jungen fehlt die gesamte

rechte Großhirnhälfte; die Ärzte hatten sie ihm wegen einer schweren Epilepsie herausoperiert.

Nach dem schweren Eingriff litt der Teenager für einige Monate an einer Bewusstseinsstörung, die Hirnforscher

Neglect nennen und die dann auftritt, wenn Teile des Gehirns, die für die Verarbeitung von Sinneseindrücken

zuständig sind, chirurgisch entfernt werden.

Die Operation war unumgänglich gewesen. Denn die epileptischen Anfälle, unter denen Philipp seit frühester

Kindheit litt, waren lebensbedrohlich. Vor dem Entfernen der geschädigten Hirnhälfte bereiteten die Ärzte seine

Eltern darauf vor, dass er danach "möglicherweise nicht mehr der Philipp sei, wie sie ihn kannten", erinnert sich

Reinhard Werth, Neuropsychologe am Kinderzentrum München. Für ihn grenzt die erfolgreiche Schulkarriere, die

Philipp jetzt absolviert, an ein medizinisches Wunder: "Sein Gehirn war flexibel genug, so dass Fähigkeiten der

rechten von der linken Hirnhälfte übernommen werden konnten."

Philipps verbliebene linke Gehirnhälfte lernte, mit dem Verlust des linken Gesichtsfelds zu leben. Mit einem eigens

von Werth entwickelten Gerät, bei dem auf einem kreisrunden Plexiglasschirm verschieden helle Lichtpunkte

aufleuchten, gelang es sogar, sein Blickfeld wieder zu erweitern.

"Mir fehlen eine ganze Reihe von Erinnerungen, vor allem aus den letzten Jahren vor der Operation", berichtet der

Patient. Doch zum Erstaunen der Ärzte haben seine intellektuellen Fähigkeiten nicht gelitten. Sprechen und

Schreiben fallen ihm leicht - momentan arbeitet er an einem Buch über seine Krankengeschichte. Philipps

Intelligenzquotient ist überdurchschnittlich. Er spielt Schach, schreibt in den Schulklausuren Zweien und Dreien.

Für Neurowissenschaftler sind Hirnpatienten wie Philipp wertvolle Studienobjekte bei dem Bemühen, das letzte

große Rätsel der Menschheit zu verstehen: das Bewusstsein. Es bildet sich in den dreieinhalb Pfund hoch

spezialisierten, grauen Zellgewebes, im elektrischen Gebrabbel von 100 Milliarden Neuronen, irgendwo am

Wegesrand der eine halbe Million Kilometer langen Nervenbahnen.

In dieser "komplexesten Materie des Universums", so der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer, nistet irgendetwas,

das sich selbst als "Ich" wahrnimmt. Dieses Ich ist ätherisch. Der menschliche Geist lässt sich mit keiner Waage in

dem gräulichen Substrat nachmessen. Ganze Rechtssysteme, Weltanschauungen und Religionen wurden um dieses

flüchtige Etwas gebaut, ohne dass jemand es verstanden hätte. Und die meisten dachten, dass es dabei auch

bleiben würde. Das Bewusstsein könne "sich nicht selbst zum Objekt haben", befand Immanuel Kant.

Seit einiger Zeit bemühen sich Naturwissenschaftler dennoch um Konkretisierung. Sie haben den Begriff

Bewusstsein von seinem philosophischen Ballast befreit und definieren ihn zunächst schlicht als die Summe aller

bewussten Wahrnehmungsprozesse.

Ihr Ehrgeiz ist groß. Zuerst wollen sie die Teilsysteme verstehen: das Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken. Dann das

Gedächtnis, das Raum- und Zeitgefühl, die Fähigkeiten des Assoziierens, Bewertens und Erinnerns. Schließlich

suchen sie nach einer Theorie vom Ganzen, die erklären könnte, wie alle diese Funktionen zusammenlaufen und

wie der Mensch es fertig bringt, schlüssig zu denken und zu handeln.

Lassen sich die Grenzen der Erkenntnis im neuen Jahrhundert also doch noch einmal einreißen? Lässt sich das

Universum im Kopf, der in den sechs Sinnen beschlossene Geist, sichtbar machen? Und lässt sich das mit der Kraft

des Denkens bewerkstelligen, auch wenn es sich selbst dabei zuschauen muss?

Nach dem genetischen soll nun der neuronale Code, sollen Sprache, Grammatik, Syntax und Semantik der

Nervenzellen geknackt werden. Revolutionäre Fortschritte in der Medizin und Technik würden daraus folgen:

Wären die Wissenschaftler mit Landkarten und einem Lexikon des Geistes ausgestattet, könnten sie

Hirnkrankheiten heilen und Computer nach menschlichem Vorbild bauen. Die Evolution des Wissens würde

fortgeschrieben, die kreativen Fähigkeiten des Menschen könnten noch einmal entscheidend erweitert werden.

Die Stimmung der Neurowissenschaftler schwankt derzeit zwischen Euphorie und Bescheidenheit - angesichts der

ungeheuren Schöpfungskraft der Evolution, die sich im Hirn manifestiert. "Wir dürfen nicht die Komplexität des

Gehirns unterschätzen, die sich aus der Dynamik des Systems ergibt", warnt Wolf Singer, Direktor des

Max-Planck-Instituts für Hirnforschung.

Viele Erklärungsmodelle, die derzeit angeboten werden, gehen fehl. Der

amerikanische Wissenschaftskritiker John Horgan präsentiert in seinem neuesten

Buch "Der menschliche Geist" ein Panoptikum abstruser Ideen über das

Bewusstsein, darunter die Theorie des Oxford-Mathematikers Roger Penrose, der

den Geist als eine von winzigen Quanten organisierte Veranstaltung sieht. "Die

Gefahren wissenschaftlicher Selbstüberschätzung", höhnt Horgan, "sind am größten, wenn Wissenschaftler nicht

bloß ein Heilmittel gegen Krebs, sondern die endgültige Erklärung dafür suchen, wer wir sind."

Das kann den Optimismus anderer Forscher wie etwa des Neurologen Antonio Damasio nicht dämpfen. Der

Bestsellerautor und Wissenschaftsstar von der University of Iowa ist überzeugt: "Bald werden wir wissen, wie wir

Glück und Trauer, Lust und Schmerz erfahren, und selbst die Mechanismen des Bewusstseins werden uns keine

Rätsel mehr aufgeben."

Diese "Erfüllung eines Menschheitstraums" (Damasio) ist im Alltag der Forscher ein mühsames Vorhaben. Viele

Wissenschaftler nehmen für die Erforschung des Bewusstseins einen beschwerlichen Umweg über das Tierreich:

Sie zeigen Hunden, Katzen und Schimpansen auf Monitoren einfache Muster und messen die Reaktion der

Versuchstiere mittels Elektroden direkt an den Nervenzellen.

Ähnliches versuchen Neuropsychologen auch beim Menschen. Sie setzen Testkandidaten in spezielle Tonstudios

oder vor Computerbildschirme - mit dem Unterschied, dass die zu lösenden Aufgaben wesentlich komplexer, die

Nachweismethoden aber sanfter sind. Statt mit Elektroden im Hirn belauschen die Forscher das menschliche

Denkorgan bei seiner mentalen Arbeit millimetergenau mit Elektroenzephalografen, Magnet- und

Kernspintomografen. Dann studieren sie die charakteristischen Reizmuster, etwa während eine Versuchsperson

sich erinnert, spricht, Probleme löst oder frustriert ist.

Eine dritte Wissenschaftlergruppe macht sich den Umstand zu Nutze, dass das Gehirn, biologisch betrachtet, ein

Organ wie jedes andere ist. Genauso, wie Nieren, Leber und Herz versagen, können entweder Teile des Hirns oder

kann im schlimmsten Falle sogar das gesamte Bewusstsein ausfallen. Nach den Fortschritten in der Rettungs- und

Intensivmedizin wächst die Zahl der Hirnpatienten, die sich für diese Art von Forschung eignen.

"Jedes Jahr kommen rund 100 000 neue Hirnpatienten dazu", konstatiert Yves von Cramon, Direktor des

Max-Planck-Institutes für Neuropsychologie in Leipzig. Viele von ihnen geraten in einen seltsamen

Schwebezustand zwischen Wahn und Wirklichkeit, Wachheit und Koma. Wer sich mit ihnen beschäftigt, taucht in

eine gespenstische Parallelwelt.

Martin W., ein kräftiger Mann in den Vierzigern, erkennt sich selbst nicht im Spiegel. "Sie können ihn fragen, wer

das da gegenüber sein könnte", erzählt Cramon, "er weiß keine Antwort." Auch im Alltag wirkt der Mann unsicher.

An Arbeit ist nicht zu denken.

Sein Gehirn kann Objekten, die er sieht, keine Bedeutung mehr zuordnen. Sein visuelles Verarbeitungssystem

nimmt Gegenstände zwar noch wahr, doch die Verbindung zu den Gedächtnisinhalten ist seit seinem Schlaganfall

gestört. Diagnose: Agnosie. Häufig findet sich bei Agnosie-Patienten ein Defekt im Hinterhauptlappen, wo die

Verarbeitung neuronaler Impulse aus Richtung der Netzhaut stattfindet. Aber der Schaden bleibt von dem

Bewusstsein unbemerkt. "Im Gehirn gibt es keine Instanz, die, wenn irgendetwas schief läuft, Alarm schlägt",

erläutert Cramon.

Gleiches gilt auch für das Leiden von Michael R.; er war ein junger hoffnungsvoller Mediziner, als bei ihm eines

Tages wie aus heiterem Himmel eine Hirnblutung auftrat. Die Ärzte konnten den Kollegen retten. Doch der zeigte,

nachdem er wieder auf die Beine gekommen und äußerlich völlig normal war, ein seltsames Verhalten. "Der Mann

lief über die Station und hielt bei seinen Mitpatienten die Visite ab", berichtet Cramon. Der Professor konfrontierte

den Kranken damit, dass er nicht mehr Therapeut, sondern selbst Patient sei. "Ach so? Na ja. Gut, wenn das so

ist", stammelte R., etwas durcheinander, setzte aber nach kurzer Zeit seinen Rundgang durch die Station fort.

Bei dieser Sonderbarkeit blieb es nicht. "Er zeigte eine erschreckende Teilnahmslosigkeit", erinnert sich Cramon:

"Sie hätten ihm erzählen können, seine Frau habe Krebs im Endstadium. Dann hätte er uns

Dosierungsempfehlungen für die Chemotherapie gegeben. Vielleicht hätte er sogar gesagt, das sei ja traurig",

berichtet Cramon. Doch zu wirklicher Trauer ist R. nicht fähig. "Er koppelt die Bedeutung von Worten nicht an eine

angemessene Bewertung", analysiert der Leipziger Forscher.

Die Aufmerksamkeit der Forscher konzentriert sich auf die Großhirnrinde, jene nur 1,5 bis 4 Millimeter dicke,

zerfurchte Schicht, die sich wie eine Badekappe über das gesamte Großhirn stülpt. Der so genannte Cortex cerebri

ist der evolutionär jüngste Teil des Organs. Er unterscheidet den Menschen in seinem Ausmaß anatomisch von

seinen tierischen Vorfahren und wird als jene Region angesehen, die durch auffällig intensive Verschaltung

menschliche Eigenschaften wie Bewusstsein, Kreativität und Intelligenz hervorgebracht hat.

In einem vorderen Bereich der Großhirnrinde, gleich hinter der Stirn, könnte der Schlüssel zur Teilnahmslosigkeit

von Patient R. liegen. Dort schätzt der Mensch offensichtlich die Konsequenzen seines Handelns ab, dort bewertet

er Positives und Negatives. Die Entstehung von Gefühlen kann diese Hirnregion allein allerdings nicht erklären.

Ganze Ensembles von Nervenzellen einschließlich des limbischen Systems zur Regulierung der Drüsenhormone

geraten bei Gefühlsregungen in Aktion. "Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchungen lautet:

Bewusstseinszustände sind nicht eindeutigen Regionen im Gehirn zuzuordnen", sagt Cramon.

Wie soll man verstehen, was der zehnjährige Mario mit seinem Körper anstellt? Als herrschten fremde Mächte in

ihm, stürzt er sich regelmäßig mit dem linken Arm zuerst aus seinem Bett und bricht sich die Knochen. "Gewöhnlich

verletzt sich der Mensch nicht selbst einzelne Organe", erzählt Cramon. Was Marios Verhalten noch mysteriöser

macht: Sein Arm ist seit einer Hirnoperation gelähmt, kommt also in seinem wachen Bewusstsein gar nicht vor.

"Dennoch ist der unbewusste Teil des Bewusstseins in der Lage, ein Gefühl des Hasses auf den betreffenden

Körperteil zu entwickeln", sagt der Forscher.

Bei Patienten mit einer Lähmung einzelner Gliedmaßen ist Cramon Überraschungen gewöhnt. Manche leugnen, dass

der Arm oder das Bein zu ihnen gehöre. Dafür haben sie eindrucksvolle Erklärungen parat wie etwa: Das linke Bein

gehöre dem Schwager oder dem Mann im Krankenbett nebenan. Ein anderer behauptet, irgendjemand habe ihm

"das Bein nachts angenagelt". Cramon weiß: "Das Gehirn legt sich ständig Erklärungen parat." So verhindert es,

dass die Seele entgleist, das Bewusstsein bleibt im Einklang mit sich selbst - wobei es sich in abstruse

Widersprüche mit der Wirklichkeit verwickelt.

"Es ist schon erstaunlich, wie viele psychische Auffälligkeiten wir mittlerweile physiologisch erklären können", sagt

Cramon. Nicht selten kommen Patienten aus der Psychiatrie zu ihm. Was als geistige Störung, als Psychose oder

Schizophrenie diagnostiziert wurde, stellt sich dann als Folge eines organischen Leidens heraus. Ähnliche

Erfahrungen hat auch Erich Kasten gemacht.

Der Neuropsychologe am Universitätsklinikum Magdeburg erforscht Halluzinationen. Sie sind die typischen

Symptome einer Schizophrenie, können aber auch bei Schlaganfallpatienten wie dem 56-jährigen Peter N.

auftauchen. Nach dem Hirninfarkt war sein rechtes Sehfeld zu einem Viertel erblindet. Doch in diesem schwarzen

Feld schillerten seltsame Szenen aus Gemälden von Picasso. Im Gegensatz zu Schizophrenen wusste der Patient,

dass diese Bilder irreal waren. Dennoch wagte er lange nicht, sich zu offenbaren. Das Zögern war berechtigt: "Bei

solchen Patientenberichten tippen selbst Ärzte und Psychologen allzu leicht auf bestimmte Formen des

Verrücktseins", beklagt Kasten.

Neurowissenschaftler hingegen verstehen immer mehr über die Entstehung solcher Trugbilder. Sie setzen sich

vermutlich aus wirr kombinierten Gedächtnisinhalten zusammen, die sich bei der Ausbreitung von Spontanimpulsen

einzelner Nervenzellen bilden. Im gesunden Gehirn hemmen umliegende Neuronen die unkontrollierte Aktivität dieser

Zellen. Außerdem steuert der Assoziationscortex, eine Region im Stirnhirn, welche Gedächtnisinhalte gerade ins

Bewusstsein strömen können und welche nicht. "Diese Hirnregion ist stets beim Denken aktiv", so Kasten.

Ist sie defekt, können sich Trugbilder vor dem geistigen Auge breit machen - ein Vorgang, der auch beim Träumen

eine Rolle spielt: Dann schläft auch der Assoziationscortex und lässt Gedächtnisinhalte unkontrolliert durchs Gehirn

wabern.

Beim gesunden Menschen laufen neuronale Prozesse unbewusst ab. Niemand könnte von sich behaupten, die

Verarbeitung eines Sinneseindrucks erlebt zu haben. Er könnte auch nicht die Zeit angeben, die er dafür benötigt

hat. Übrig bleibt lediglich der Eindruck, die Gedanken und Gefühle gehörten einem selbst. Bei Patienten mit

Hirnschäden ist dieser verborgene Bewusstwerdungsvorgang gestört. "Mit experimentellen Untersuchungen an

neurologischen Patienten können wir den Mechanismus, wie es zu Bewusstsein kommt, Stück für Stück

aufdecken", hofft Hirnforscher Damasio.

Das "Selbst" entsteht bei einem gesunden Menschen durch einen permanenten Reality-Check: Immerfort melden

die Sinnesorgane, in welchem Zustand sich der Körper und dessen Umgebung befinden. Bewusstsein wäre

demnach in Wahrheit primär die Fähigkeit, Wissen aus der Perspektive des eigenen Körpers zusammenzutragen,

auszuwählen und zu überblicken. Damasio unterteilt diese kognitive Leistung: "Das Kernbewusstsein vermittelt dem

Organismus das Gefühl, dass seine Gedanken seine eigenen sind und dass er nach diesen Gedanken handeln kann."

Das erweiterte Bewusstsein stellt diese geistigen Inhalte in eine individuelle Perspektive. Es vermag Ereignisse,

Eindrücke und Überlegungen in eine episodische, zeitliche Reihenfolge einzuordnen.

So weit könnten sich noch viele Neurowissenschaftler einigen. Doch dabei bleibt das Rätsel unbeantwortet,

welcher physiologische Vorgang im Gehirn aus den vielen, weit verstreuten Verarbeitungsprozessen das alles

vereinende Gefühl des "Ich" bewirkt. Für dieses alte Leib-Seele-Problem gibt es in der bunten Gemeinde von

Neuropsychologen, Biologen und Mathematikern die schillerndsten Erklärungen.

Das Erklärungsmodell mit der wohl größten wissenschaftlichen Anziehungskraft geht auf eine erstaunliche

Entdeckung zurück: Neuronen in weit verstreuten Gehirnteilen entladen sich gelegentlich mit ein und derselben

Frequenz, nämlich etwa 40-mal in der Sekunde. Nach dieser Theorie würden sich zusammengehörende

Gedächtnisinhalte und Sinneseindrücke dadurch zu erkennen geben, dass sie gleichzeitig "blinken".

Erste experimentelle Hinweise scheinen dieses Bindungsprinzip zu bestätigen. Vorerst bleibt die Hypothese heftig

diskutiert, aber die Forscher sind hoffnungsfroh: "Wenn es uns gelänge", sagt der deutschstämmige

Neurowissenschaftler Christof Koch vom California Institute of Technology, "dieses Bindungsproblem zu verstehen,

dann hätten wir einen großen Schritt in Richtung einer Lösung des Bewusstseinsproblems getan."

GERALD TRAUFETTER

© DER SPIEGEL 1/2001

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Zum Thema:

Im Internet:

·

Max-Planck-Institut für Hirnforschung

http://www.mpih-frankfurt.mpg.de/global/dmpihome.htm

·

Neurologe Ph. D. Antonio Damasio

http://www.uiowa.edu/~neuro/damasio.htm


DER SPIEGEL 1/2001 - 30. Dezember 2000

URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,109856,00.html

10.4. Gehirn und Bewusstsein

Das falsche Rot der Rose

Was geschieht im Kopf, wenn die Augen etwas sehen? Wie entsteht Bewusstsein, wie die Vorstellung

vom "Ich"? Hirnforscher Wolf Singer beschreibt das Zentralorgan als ein "extrem dezentral organisiertes

System". Die Idee des freien Willens hält er für ein kulturelles Konstrukt.

SPIEGEL: Herr Professor Singer, können Sie beschreiben, was Sie hier sehen?

Singer: Das ist eine Kröte aus Holz mit einem Stock im Maul. Wirklich sehr hübsch geschnitzt. Wo ist die denn

her?

SPIEGEL: Ein Souvenir aus Kambodscha. Können Sie uns sagen, was gerade in Ihrem Kopf vorgegangen ist?

Singer: Zunächst entsteht ein zweidimensionales Bild auf der Netzhaut mit unterschiedlichen Grauwerten. Die

Ganglienzellen der Netzhaut verwandeln dieses Bild in Erregungsmuster, die dann von Nervenzellen in der

Großhirnrinde analysiert werden: Sie reagieren auf einfache Merkmale, Orientierungen, Kontraste, Texturen. Jetzt

beginnt das Gehirn ein kombinatorisches Spiel, vergleicht diese Informationen mit bereits gespeicherten

Gedächtnisinhalten. Wenn dort etwas Ähnliches vorhanden ist, stellt sich plötzlich ein stabiler Zustand ein, der

dann nicht nur zu der bewussten Wahrnehmung führt: "Hier ist eine Kröte", sondern auch vom Sprachzentrum

aufgegriffen werden kann und dort unter den vielen möglichen Benennungen die richtige raussucht. All das ist in

ein paar hundertstel Sekunden erledigt gewesen - war ja auch ein einfaches Objekt.

SPIEGEL: Langsam, langsam! Nehmen Sie die Kröte ruhig einmal in die Hand. Können Sie sich vorstellen, dass sie

noch für irgendetwas anderes gut ist?

Singer: Das ist sehr schönes Holz, erstaunlich hart. Offensichtlich Ebenholz (zieht den Stock aus dem Maul und

schlägt auf die Kröte). Da entsteht ein beachtlich lauter Klang - ja, das ist ein Musikinstrument!

SPIEGEL: Gratulation, so schnell haben wir nicht geschaltet.

Singer: Sie haben auch nicht unter Experimentierstress gelitten, so wie ich. Mein Gehirn hat Widersprüche

entdeckt, das kombinatorische Spiel erweitert und erkannt: "Das sind vermutlich zwei Gegenstände." Jetzt habe

ich also zwei Dinge und mache mich auf die Suche nach irgendwelchen Beziehungen. Das ist der Gestaltungsdruck

der Seele - das Gehirn sucht ständig nach Gründen, Zwecken und Bezügen ...

SPIEGEL: ... eine angeborene Neugierde ...

Singer: ... ich würde es hier als spielerische Versuchsphase bezeichnen. Das Nächstliegende ist eben, beide

Gegenstände miteinander in Berührung zu bringen. Und das auditorische System erkennt: "Das sind Klänge, und

zwar keine banalen." Und dann kommt wahrscheinlich die Sinnzuschreibung, dass der Zweck dieses Systems die

Erzeugung von Lauten ist.

SPIEGEL: Was lernen wir dabei über den Aufbau des Gehirns?

Singer: Dass sehr viel Vorwissen gespeichert sein muss. Irgendwann müssen die Konzepte Kröte und

Klangerzeugung von meinem Gehirn gelernt worden sein, und gerade eben hat sie mein Gehirn miteinander

verbunden. Das führt zur Metabeschreibung "Musikinstrument". Wahrscheinlich könnte man im Kernspintomografen

sogar nachvollziehen, wie sich die Gehirnaktivitäten im Laufe dieses Prozesses über das Seh- und Hörzentrum zum

Sprachzentrum verlagert haben.

SPIEGEL: Sie haben bei vielen Gelegenheiten betont, Wahrnehmung sei stets ein aktiver Prozess, keineswegs

bloßes passives Aufnehmen von Sinneseindrücken. Können Sie an diesem Beispiel erläutern, was Sie damit meinen?

Singer: Wahrnehmung ist immer die Folge eines erwartungsgesteuerten Suchprozesses. Bestes Beispiel ist unser

Sehsystem: Das Auge bewegt sich ständig auf der Suche nach etwas Interessantem. Die erste aktive Leistung,

die ich hier vollbracht habe, war, unter all den Dingen in diesem Zimmer meine Aufmerksamkeit auf die Kröte zu

lenken, mich darauf zu konzentrieren, das Objekt vom Hintergrund abzugrenzen und nach irgendwelchen sinnvollen

Beziehungen zu suchen. Dabei habe ich sicher viele Hypothesen aufgestellt, bestimmte Beziehungen gegenüber

anderen bevorzugt und dafür gesorgt, dass jene Neuronengruppen abgefragt werden, die Signale entsprechend

meinen Erwartungen ausgesendet haben.

SPIEGEL: Trotzdem bilden wir uns ein, dass die objektive Wahrheit über die Welt in uns eindringt. Davon, dass wir

uns diese Wahrheit zuvor selbst im Kopf zusammensetzen, kriegen wir nichts mit. Gaukelt unser Gehirn uns also

etwas vor?

Singer: Wir tun sehr vieles aus Motiven, die uns nicht bewusst werden. Denn

vieles von dem, was verarbeitet wird und nicht ins Bewusstsein gelangt, ist

natürlich trotzdem wichtig für das Handeln. Deshalb erfinden wir häufig nachträglich

Motive für etwas, was wir getan haben. Wahrscheinlich eine Folge der begrenzten

Kapazität unseres Bewusstseins.

SPIEGEL: Das letzte große Rätsel der Menschheit ist doch, wie aus vielen

Sinneseindrücken das Bewusstsein entsteht. Haben Sie eine Antwort parat?

Singer: Früher dachte man noch, die Antwort sei einfach. Man glaubte, im Gehirn gebe es an einer bestimmten

Stelle eine Art innerer Leinwand, auf der das Abbild eines Sinneseindruckes entsteht. Und dieses für Neuronen

aufbereitete Bild würde dann von einem inneren Betrachter angeschaut, der mit mentalen Eigenschaften

ausgestattet ist und "Ich" sagt.

SPIEGEL: Klingt schön.

Singer: Ja. Nur leider wissen wir inzwischen, dass diese Vorstellung falsch ist. Heute können wir Hirnaktivitäten

messen - und nirgends ist so ein Zentrum für den letztendlichen Auswertungsprozess zu entdecken. Es gibt

offensichtlich keinen einzelnen Ort, wo alle Informationen zusammenlaufen, wo aus den verschiedenen

Sinnessignalen schlüssige Bilder der Welt gefertigt werden, wo Entscheidungen fallen, wo das Ich "Ich" sagt.

Stattdessen sehen wir uns einem extrem dezentral organisierten System gegenüber, in dem an vielen Orten

gleichzeitig visuelle, auditorische oder motorische Teilergebnisse erarbeitet werden. Und diese koordiniert das

Gehirn auf geheimnisvolle Weise zu einer zusammenhängenden Deutung von Welt. Wie es kommt, dass dieses

System über sich selbst Protokoll führt, so dass es sich seiner selbst bewusst wird, zählt zu den spannendsten

philosophischen Fragen unserer Zeit.

SPIEGEL: Und wie viel wissen die Forscher heute über die Antwort?

Singer: Im Laufe der Jahrmillionen sind die Strukturen der verschiedenen Gehirnbereiche gleich geblieben.

Vergrößert hat sich auf dem Weg vom niederen Wirbeltier zum Menschen nur das Volumen einiger Strukturen, allen

voran das der Großhirnrinde. Dadurch hat sich die Verarbeitungskapazität dramatisch vermehrt. Die im Laufe der

Evolution neu hinzugekommenen Hirnrindenareale sind in zunehmendem Maße nicht mehr direkt an die

Sinnesorgane gekoppelt, sondern beziehen ihre Informationen hauptsächlich aus den vorhandenen Hirnarealen. Sie

verarbeiten vorwiegend die Ergebnisse, welche die mit den Sinnesorganen verbundenen Bereiche bereits erzielt

haben. Weil die Daten aus den verschiedenen Sinnessystemen das gleiche Format besitzen, haben die neu

hinzugekommenen Areale keine Schwierigkeiten, die an verschiedenen Orten erarbeiteten Teilergebnisse zu

vergleichen und zu zunehmend abstrakteren Metabeschreibungen zusammenzubinden.

SPIEGEL: Und wie entsteht nun ein Gesamtbild im Kopf?

Singer: Sie sprechen eines der Kernprobleme der Neurowissenschaften an, das so genannte Bindungsproblem.

Wenn ich wieder auf die Kröte zurückkomme, lautet die Frage: Wie verknüpfe ich eigentlich die vielen Teilaspekte

dieses Objektes zu einem Gesamteindruck? Auch wenn ich mit diesem Tier sehr viel Erfahrungen sammeln könnte,

würden sich wohl keine Zellen in meinem Gehirn ausbilden, die spezifisch auf genau diese Kröte mit dem Stock im

Maul ansprächen. Mit großer Wahrscheinlichkeit aktiviert dieses Holztier ein Ensemble von weit verstreuten Zellen,

die sich ad hoc zu einem zusammenhängenden Ganzen verbinden. Wir überprüfen derzeit die Hypothese, dass sich

die entsprechenden Nervenzellen für die Zeit, in der die Aufmerksamkeit auf die Kröte gerichtet ist, zu einem

synchron schwingenden Ensemble verbinden.

SPIEGEL: Und es braucht dann niemanden, der sagt: "Das und das und das schwingt jetzt gerade gleichzeitig."

Singer: Nein. Das organisiert sich selbst, wegen der Systemarchitektur, auf Grund des Vorwissens, das schon im

System gespeichert ist.

SPIEGEL: Wofür ist das Bewusstsein überhaupt gut?

Singer: Es muss für das Überleben einen Vorteil gebracht haben, sonst hätte es sich nicht entwickelt. In vielen

Situationen ist es sinnvoll, wenn das Gehirn zwischen der primären Verarbeitung von Sinnesinformation und den

daraus abgeleiteten Reaktionen noch Zwischenstufen einschieben kann. Diese zusätzlichen Verarbeitungsschritte

erlauben es uns, dank früher gemachter Erfahrungen Überlegungen anzustellen oder Voraussagen zu machen über

das, was eintreten wird, wenn dieses oder jenes der Fall ist. So können wir Gefahren aus dem Weg gehen, ohne

uns ihnen durch Ausprobieren auszusetzen. Ein Gehirn, das in der Lage ist, sich vorzustellen, was wäre wenn,

kann natürlich auch versuchen zu ergründen, was im Gehirn einer anderen Person in einem bestimmten Moment

vorgeht. Auch sehr vorteilhaft, vor allem für das Zusammenleben. Wenn sich das Gehirn aber ein Modell von den

Vorgängen eines anderen machen kann, kann es das Erkannte auch auf sich selbst beziehen. Es kann sich in den

Beurteilungen des anderen spiegeln und sich seiner selbst vergewissern. So könnte das, was wir Bewusstsein

nennen, in die Welt gekommen sein.

SPIEGEL: Kommt damit zugleich in die Welt, was wir als unsere Freiheit empfinden, zu tun, was wir wollen?

Singer: Diese besondere Ausprägung von Bewusstsein halte ich für ein kulturelles Konstrukt, das eng mit der

Erfahrung von Individualität verbunden ist. Diese gewinnt der Mensch aus dem Blick in den Spiegel der

Wahrnehmungen des Gegenüber. Erfahrungen der Individualität und Freiheit können also erst entstanden sein, als

Dialoge zwischen Gehirnen möglich wurden wie "Ich weiß, dass du weißt, was ich weiß", und als sich diese

entwickelten, schlug die biologische Evolution in die kulturelle um.

SPIEGEL: Sie behaupten also, der freie Wille sei nichts als eine nette Illusion?

Singer: Nicht ganz. Er wird von uns als Realität erlebt, und wir handeln und urteilen so, als gäbe es ihn. Der freie

Wille, oder besser, die Erfahrung, einen solchen zu haben, ist somit etwas Reales, extrem Folgenreiches. Insofern,

als sich die Mehrheit der gesunden Menschen zu dieser Erfahrung bekennt, ist sie also keine Illusion wie etwa eine

Halluzination. Aber aus Sicht der Naturwissenschaft ergibt sich die mit der Selbstwahrnehmung unvereinbare

Schlussfolgerung, dass der "Wille" nicht frei sein kann. Dieser Vorgang lässt sich in der Kindesentwicklung

wunderbar nachvollziehen: Am Anfang trennen die Kleinen nicht zwischen sich und draußen. Für sie ist der Wille

der Mutter ihr eigenes Anliegen. Sie empfinden sich nicht als Individuum und schon gar nicht als eines, das frei

entscheiden kann. Doch das Baby ist eingebettet in ein soziales Umfeld, in dem es immer wieder hört: "Tu das

nicht, sonst mache ich das." Nolens volens muss das Kind daraus schließen, es habe die Freiheit, Entscheidungen

zu treffen. Dieser ganze Lernvorgang vollzieht sich während der ersten drei Lebensjahre. Weil sich in dieser Zeit

noch kein episodisches Gedächtnis entwickelt hat, erinnern wir uns nicht mehr, was die Erfahrung, frei zu sein,

verursacht hat.

SPIEGEL: Ist eine Struktur im Gehirn zuständig für den freien Willen?

Singer: Vermutlich nicht. Auf dem Weg von einfachen zu hoch entwickelten Nervensystemen hat nur die

Komplexität zugenommen. Die Funktionsweise der Nervenzellen ist gleich geblieben. Zwischen der Nervenzelle in

unserer Großhirnrinde und der eines Plattwurms bestehen keine wesentlichen Unterschiede. In der Evolution gibt

es keine erkennbaren Diskontinuitäten, die durch irgendetwas Zusätzliches bewirkt worden wären.

SPIEGEL: Und irgendwann - plop - waren Bewusstsein und freier Wille da?

Singer: Durch die zunehmende Komplexität ist offenbar das passiert, was in komplexen Systemen nicht

ungewöhnlich ist: Quantitative Vermehrung führt zu neuen Qualitäten.

SPIEGEL: Wenn, wie Sie sagen, uns unser Gehirn so vielerlei vortäuscht, können wir uns dann überhaupt

irgendwelcher Wahrheiten über die Welt außerhalb unseres Kopfes sicher sein?

Singer: Richtig ist, unsere Wahrnehmungssysteme sind in hohem Maße interpretativ. Die Bilder, die sie erzeugen,

stimmen nicht unbedingt mit physikalischen Gegebenheiten überein. Unser Gehirn erkennt zum Beispiel eine Rose im

frühen Morgenlicht, mittags und abends gleichermaßen als rot - obwohl sie wegen der unterschiedlichen Spektren

des Lichtes zu jeder Tageszeit anders aussehen müsste. Das Gehirn opfert hier Objektivität aus gutem Grunde: Die

vielen verschiedenen Farben der Rose würden das Erkennen des Unveränderlichen erschweren.

SPIEGEL: Trotzdem halten wir es für objektiv wahr, dass die Rose wächst und irgendwann verwelkt, dass sie

Wurzeln hat, einen Stängel, Dornen und eine Blüte. Alles nur Einbildung?

Singer: Uns gilt es als Wahrheitsbeweis, wenn wir ausprobiert haben, ob eine Sache so funktioniert, wie wir sie

voraussagen. In der Wissenschaft ist der Wahrheitsbeweis das Experiment. Ob wir die Dinge so beschreiben, wie

sie wirklich sind, bleibt dabei offen. Alle naturwissenschaftlichen Beschreibungssysteme kreisen um sich selber,

weil sie zur Testung dessen, was sie voraussagen, wiederum ihre eigene Methode einsetzen.

SPIEGEL: Trotzdem ist unser angeblich so subjektiv deutendes Gehirn vermessen genug, selbst in der

Quantenwelt und in der Welt der Galaxien, die direkter sinnlicher Erfahrung gar nicht zugänglich sind, von

objektiver Wahrheit zu sprechen.

Singer: Ich glaube, das traut sich heute niemand mehr so recht.

SPIEGEL: Die Mehrheit der Physiker ist davon überzeugt, dass das, was sie entdecken, objektive Wahrheit ist.

Dass, wenn man den Menschen auslöschen würde, trotzdem noch das Newtonsche Gesetz gelten würde.

Singer: Es würde dann jemand, der wiederkäme, das gleiche Gesetz finden, wenn er sich den gleichen Vorgang

anschauen würde. Das schon.

SPIEGEL: Woher nehmen wir den Mut, das anzunehmen?

Singer: Weil zum Beispiel die Satelliten, die wir ins All schicken, genau das tun, was wir vorher berechnet haben.

Aber es wird Ihnen auch jeder Physiker konzedieren, dass es zurzeit im ganz Großen wie im ganz Kleinen Probleme

gibt, für die wir keine Lösung sehen. Und dass selbst dann, wenn sie gelöst werden sollten, wir möglicherweise zu

unbegreiflichen Aussagen kommen. Oder können Sie sich ein Universum vorstellen, das sich in einen grenzenlosen

Raum ausdehnt, in dem es möglicherweise noch andere Universen gibt, die aus einem Urknall hervorgegangen sind?

Dass man mit solchen Theorien etwas erfassen würde, was im Kantschen Sinne die nicht weiter hinterfragbare

absolute Wahrheit wäre, das traut sich niemand zu behaupten.

SPIEGEL: Das wohl größte Rätsel bleibt wohl das Gehirn selber. Glauben Sie, dass der neuronale Code, also das

Prinzip, nach dem Bewusstseinszustände entstehen, geknackt werden kann?

Singer: Wir haben ja nicht einmal die simple Frage vollständig geklärt, wie eigentlich Wahrnehmungen im Gehirn

neuronal verwirklicht werden. Zudem sehen wir das Nervensystem immer noch viel zu sehr als ein im Grunde

lineares, stationäres System, das als Reiz-Reaktions-Maschine funktioniert, was wahrscheinlich ganz falsch ist.

SPIEGEL: Vor 50 Jahren knackten die Biologen den genetischen Code - und hatten die Sprache vor sich, in der

alles Lebendige verfasst ist. Glauben Sie, dass es für Bewusstseinsprozesse einen ähnlichen Generalschlüssel gibt?

Singer: Innerhalb der Grenzen, die uns bei der Erklärung des Ursprungs des Universums und der Entstehung des

Lebens gesetzt sind, werden wir auch die Entwicklung von Bewusstsein verstehen. Trotzdem bleiben ungeklärte

Fragen: Was in aller Welt hat Energie dazu gebracht, sich nach dem Urknall genauso in Materie und Elemente zu

kristallisieren, wie wir sie in unserer Welt beobachten? Weil ein paar Naturkonstanten genau eingestellt waren?

Beim Bewusstsein wird die Antwort ähnlich unbefriedigend sein. Sie wird lauten: Es ist das Werk der blinden

Evolution.

SPIEGEL: Wird es einen präzisen Zeitpunkt geben, an dem man wird sagen können: So, jetzt haben wir den

neuronalen Code geknackt?

Singer: Dieser Zeitpunkt wird nicht so scharf definiert sein, wie er es beim genetischen Code war. Denn die

Situation in unserem Fall ist viel, viel komplexer ...

SPIEGEL: ... die Genetiker wussten vorher auch nicht, wie einfach die Antwort auf das Rätsel der Vererbung sein

würde.

Singer: Also gut. Lassen Sie mich mal in Utopien denken: Es müsste uns gelingen, einen Systemzustand zu

definieren, der eine schlüssige Beschreibung für den kognitiven Inhalt unseres Bewusstseins ist. Das mag ein

oszillierendes Ensemble sein, das hochsynchron schwingt, oder ein bestimmter Zustand in einem

hochdimensionalen Raum, den ein nichtlineares System aufsuchen kann, oder es kann irgendeine andere, sehr

komplizierte Beschreibung von in jedem Falle dynamischen Zuständen sein. Wenn wir also das Alphabet dieser

dynamischen Zustände und ihrer Übergänge entschlüsselt hätten und durch Messen dieser Zustände immer genau

sagen könnten: "Aha, jetzt befindet sich das Gehirn wieder in so einem Zustand, also muss es jetzt eine

bestimmte Vorstellung haben", dann hätte ich die Ingredienzien für Bewusstsein so weit beschrieben, wie die

Molekularbiologen die Ingredienzen des genetischen Codes beschrieben haben.

Bleibt das Problem, vor dem auch die Genetiker noch stehen: Sie haben zwar vollständige DNS-Sequenzen, aber

sie wissen oft nicht, welche Proteine diese herstellen und was sie genau bewirken. Zudem treten die Gene in

komplexer Weise miteinander in Wechselwirkung. Statt abgeschlossener Codierungseinheiten sieht man sich

riesigen Sätzen gegenüber, in denen sich jedes Wort auf jedes andere bezieht. Mit den gleichen Problemen werden

auch die Neurowissenschaften noch zu tun haben - nur auf einer sehr viel höheren Komplexitätsebene.

SPIEGEL: Welche Konsequenzen hätte die Entschlüsselung des neuronalen Codes?

Singer: Wir könnten Störungen besser identifizieren und kausale Erklärungen für gestörte Hirnfunktionen finden.

SPIEGEL: Epilepsie, Parkinson, Alzheimer. Alles heilbar?

Singer: Ich denke da an noch diffizilere Probleme. An die Frage zum Beispiel, warum ein Mensch Depressionen oder

Denkstörungen hat. Wenn wir den Code hätten, dann könnten wir sehr viel präzisere Hypothesen formulieren, wo

die Ursachen dieser Leiden zu suchen sind.

SPIEGEL: Nach der Entdeckung des genetischen Codes entzündete sich eine heftige Debatte darüber, ob nun das

Erbgut manipuliert werden kann und darf. Stünde nach der Entdeckung des neuronalen Codes dieselbe Debatte bei

der Frage der Manipulation von Bewusstseinsvorgängen ins Haus?

Singer: Die Debatte sollte doch längst entbrannt sein - und zwar aus nahe liegenderen Gründen. Denken Sie an

Drogen, deren Gebrauch die Menschheit seit eh und je hervorragend beherrscht und mit denen

Bewusstseinszustände nachhaltig manipulierbar sind. Denken Sie an die erschreckende Wirksamkeit von

Indoktrination und Demagogie, mit denen Millionen dazu gebracht werden können, Abscheuliches zu tun. Das sind

Instrumente der Verhaltenssteuerung, die jeden Naturwissenschaftler zum Dilettanten werden lassen. Klar kann

man manipulativ eingreifen, und zwar umso gezielter, je mehr man weiß. Seit wir wissen, dass Hirne elektrisch

erregbar sind und dass Nervenzellen sich über elektrische Signale austauschen, implantiert man in zunehmendem

Maße Elektroden bei Patienten, um motorische oder künftig auch sensorische Störungen zu behandeln.

SPIEGEL: Beim Plattwurm können Wissenschaftler schon heute von einem Aktivitätsmuster von Nervenzellen auf

eine Reaktion schließen. Wäre Ähnliches auch beim Menschen denkbar?

Singer: Sie denken jetzt an Gedankenlesen? Nein, dafür sind die Bedingungen bei uns viel zu komplex. Ich sehe in

einer für mich interessanten Zukunft keine realistische Möglichkeit für solche Optionen.

SPIEGEL: Aber der neuronale Code könnte im Computer programmiert und Bewusstsein auf diese Weise simuliert

werden?

Singer: In bescheidenen Ansätzen geschieht das ja schon. In den neueren Rechnerarchitekturen verwendet man

schon Algorithmen, die der Biologie näher sind.

SPIEGEL: Sie meinen die so genannten neuronalen Netzwerke?

Singer: Genau. In naher Zukunft wird es hier wohl Durchbrüche geben, dann nämlich, wenn sich

Verarbeitungsprinzipien, die wir im Gehirn zu erkennen beginnen, in Rechnerarchitekturen umsetzen lassen.

Allerdings erfordert das eine andere Hardware. Mit herkömmlichen Digitalrechnern lässt sich das nicht machen. Man

muss Chips bauen, die analog rechnen, die also so ähnlich funktionieren wie Nervenzellen. Das wird in relativ

überschaubarer Zukunft zu Systemen führen, die wesentlich bedienerfreundlicher und fehlertoleranter sind.

Außerdem werden sie Muster und Sprache besser erkennen. Trotzdem werden es nichts anderes als komfortable

Rechenschieber sein. Ich fürchte mich vor denen nicht - selbst wenn sie im Schach gegen mich gewinnen.

SPIEGEL: Sie sagten vorhin, unser Gefühl, frei entscheiden zu können, entstehe durch sozialen Austausch. Das

könnte auch für kommunizierende Rechner gelten. Kann ein Computer, sozusagen übers Internet sozialisiert, zum

eigenen Ich finden?

Singer: Wenn Sie einen Rechner mit der nötigen Komplexität versehen; wenn Sie ihm dann das nötige Vorwissen

mitgeben, das wir zum Zeitpunkt der Geburt schon haben auf Grund unseres während der Evolution erworbenen

und in den Genen abgespeicherten Wissens; wenn Sie ihn so appetitlich gestalten, dass ihm Zuwendung gewährt

wird und dass er gestreichelt, emotional eingebunden wird, und wenn Sie ihn dann in die Schule schicken - kurz

und gut: wenn Sie ihm halt all das zugestehen, was wir Menschenkindern auch zugestehen, dann könnte ich mir

durchaus vorstellen, dass er ein passabler Zeitgenosse wird.

SPIEGEL: Da ist es wohl einfacher, gleich ein Kind aus Fleisch und Blut aufzuziehen. Ist zu erwarten, dass es

Schnittstellen zwischen Computer und Hirn geben wird, über die sich beide austauschen können?

Singer: Ich könnte mir vorstellen, dass man Hirnaktivität abgreift, diese mit Hilfe von sehr schnellen

Parallelrechnern dekodiert und zum Beispiel zur Prothesensteuerung einsetzt.

SPIEGEL: Es gibt Versuche, Piloten über Hirnaktivität eine Flugsimulator steuern zu lassen.

Singer: Ich würde da lieber nicht mitfliegen ...

SPIEGEL: Ihre Zweifel am freien Willen des Menschen haben auch etwas Gespenstisches an sich: Würde sich,

wenn sich diese Vorstellung durchsetzt, unser Menschenbild nicht völlig verändern?

Singer: Sicherlich, nur wäre das Menschenbild, das dabei entstünde, nicht ein gespenstisches, sondern ein im

Vergleich zum heutigen vermutlich humaneres. Im vergangenen Jahrhundert wurden viele abnorme Hirnzustände

entmystifiziert. Man hat zum Beispiel gelernt, dass Epilepsie keine Besessenheit ist, sondern einfach eine

Entgleisung von Hirnstoffwechselprozessen. Zu ähnlichen Schlüssen werden wir auch im Hinblick auf abnorme

Verhaltensweisen kommen. Nämlich dass es Störungen im Gehirn geben kann, die Menschen zu unangepasstem

Verhalten veranlassen.

SPIEGEL: Aus Ihrer Vorstellung von der Nichtexistenz eines freien Willens folgen auch rechtliche Überlegungen:

Der Mensch wäre nicht mehr verantwortlich für sein Tun. Müssen Sie dann nicht das Prinzip von Schuld und Sühne

über Bord werfen?

Singer: Ja, ich halte dieses Prinzip für verzichtbar. An unserem Verhalten würde sich auch gar nicht viel ändern:

Wir würden nach wie vor unsere Kinder erziehen, weil wir wüssten, dass wir ihnen und der Gesellschaft durch

Erlernen sozialen Verhaltens das Leben erleichtern.

SPIEGEL: Aber ist dann nicht jede psychiatrische Feststellung von Schuldfähigkeit unsinnig, wenn man sowieso

unterstellt, dass niemand schuldfähig ist?

Singer: Richtig. Unsere Sichtweise von Übeltätern würde sich eben ändern müssen. Man würde sagen: "Dieser

arme Mensch hat Pech gehabt. Er ist am Endpunkt der Normalverteilung angelangt." Ob nun aus genetischen

Gründen oder aus Gründen der Erziehung, die gleich mächtig in die Programmierung von Hirnfunktionen eingehen,

ist unerheblich. Ein kaltblütiger Mörder hat eben das Pech, eine so niedrige Tötungsschwelle zu haben.

Das heißt natürlich nicht, dass man deshalb tatenlos zusehen sollte. Natürlich muss die Gesellschaft reagieren:

Einmal muss versucht werden, seine Hemmschwelle anzuheben, also Schulungs- oder Therapieprogramme

anzuwenden. Außerdem muss sich die Gesellschaft vor gefährlichen Mitmenschen schützen, indem sie deren

Freiraum begrenzt. Auch das Strafmaß bliebe variabel, man würde allerdings nicht mehr vom "Strafmaß" sprechen,

sondern vom "Verwahrungsmaß" oder "Schutzmaß". Es müsste sich nach der Schwere der Normverletzung richten,

aber auch danach, wie niedrig die Schwelle zum Fehlverhalten eingeschätzt wird.

SPIEGEL: Demokratie und Aufklärung basieren auf der Idee eines freien Menschen. Stellen Sie nicht all das in

Frage, wenn Sie nun plötzlich behaupten: Alles bloße Illusion, was die sich in der Französischen Revolution

ausgedacht haben?

Singer: Überhaupt nicht. Dass wir uns Freiheit zugestehen, ist eine Realität. Sie ist zwar nur aus der eigenen

subjektiven Perspektive heraus erfahrbar. Aber das hat sie mit anderen kulturellen Realitäten gemein. Mit

Wertesystemen verhält es sich genauso. Wie real diese Konstrukte sind, lässt sich aus ihrer Wirksamkeit schließen,

etwa bei der Französischen Revolution.

SPIEGEL: Wenn der Einzelne keinen freien Willen besitzt, wo verankern wir dann die Menschenwürde?

Singer: Vielleicht entsteht eine ganz andere Vorstellung von Würde. Wir kämen durch die Aufgabe dieses

unverbrüchlichen, aber auch mit sehr viel Selbstbewusstsein und gelegentlich Arroganz behafteten

Freiheitsbegriffes wohl zu einer demütigeren, toleranteren Haltung - einer weniger rechthaberischen Attitüde, weil

wir vieles relativieren müssten, auch unser eigenes apodiktisches Tun. Wir müssten uns als in die Welt geworfene

Wesen betrachten, die wissen, dass sie ständig Illusionen erliegen und keine wirklich stimmigen Erklärungen über

ihr Sein, ihre Herkunft und noch viel weniger über ihre Zukunft abgeben können.

SPIEGEL: Eine deprimierende Einsicht, die unser Selbstbewusstsein kränkt?

Singer: Ich könnte mir vorstellen, dass dabei humanere Systeme entstehen, als wir sie jetzt haben. Auch würden

all jene unglaubwürdig werden, die vorgeben, sie wüssten, wie das Heil zu finden ist. Den mächtigen Vereinfachern

würde niemand folgen wollen. So könnte ein kritisches, aber gleichzeitig von Demut und Bescheidenheit geprägtes

Lebensgefühl entstehen, das durchaus Grundlage einer sehr lebbaren Welt sein könnte.

SPIEGEL: Herr Professor Singer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Gespräch führten die Redakteure Johann Grolle und Gerald Traufetter.

© DER SPIEGEL 1/2001

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Radio gaga: Das Gehirn ist ein Radiosender

LONDON - Verschiedene Theorien geistern zum menschlichen Geist durch den Äther. Nach Ansicht von britischen Forschern baut unser Gehirn ein Feld aus Radiowellen auf: Im wechselseitigen Austausch mit den Nervenzellen sollen dabei nicht Töne entstehen, sondern Bewusstsein. Die mentalen Radiowellen rufen dies angeblich hervor, indem sie im Gehirn gespeicherte Informationen zu einem erlebbaren Gesamtbild zusammenfügen. Was die These stützt? Zusammen gehörige Informationen werden an verschiedenen Orten der Großhirnrinde abgelegt und können meist problemlos wieder verbunden werden. Visuelle Eindrücke können beispielsweise mit Namen oder Gerüchen verknüpft werden, obwohl all diese Informationen in unterschiedlichen Gehirnschubladen abgelegt sind. Forscher der Uni Arkansas hingegen glauben an eine andere Theorie: Nicht Wellen, sondern die Verbindung von Zwischenhirn und Hirnrinde sorgen für Bewusstsein. Wer weiß.....

MT-Online D, SW - Journal of Consciousness Studies 2002, Vol. 9, Nr. 4,

Samstag, 25. Mai 2002


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