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Einleitung
Für viele Menschen verliert der Gottesglaube immer mehr an Bedeutung. Was aber tritt an dessen Stelle ? Hier ist für manchen eine neue Orientierung nötig. In dem vorliegenden Buch soll begründet werden, warum der Gottesglaube an Bedeutung verliert. Es soll die Grundlage für eine Neuorientierung an der Natur, an der Kultur und am menschlichen Zusammenleben erarbeitet werden.
In einer wichtigen Entwicklungsphase des Lebens, so etwa zwischen dem 13. und 20.Lebensjahr, fragen sich viele Jugendliche: Stimmt das eigentlich, was einem bisher so erzählt wurde ? Stimmt das mit der Realität überein, die Vorstellung von Gott, Jesus, dem Himmel, dem Teufel ? Ist das wirklich und wahrhaftig so ? Kann man dem vertrauen ? Oder gibt es da noch eine andere Seite der Medaille ? Eine Seite, die einem bisher vorenthalten wurde.
Wie kann man sich darüber informieren ? Wo bekommt man eine ehrliche Antwort, auch wenn es vielleicht nur eine andere Antwort ist und noch lange nicht die richtige ?
Viele Jugendliche sind an diesem Thema nicht sehr interessiert, weil der eigene Lebensplan heute nicht mehr so stark von dieser Frage berührt wird. Mich jedenfalls hat diese andere Seite der Vorstellung von unserer Welt sehr interessiert. Auch über Jahre hat mich dieses Thema weiter beschäftigt und ich habe deswegen die Antworten, die ich damals nach längerem Suchen gefunden habe, aufgeschrieben und aus meiner heutigen Sicht ergänzt. So entstand dieses Buch.
Es handelt vom Gottesglauben, insbesondere dem christlichen Gottesglauben.
Es handelt von den Grunddogmen des Gottesglaubens.
Es handelt von den Widersprüchen des Gottesglaubens.
Es fragt nach Inhalten, die an die Stelle der alten Wertvorstellungen treten können.
Es versucht, diese neuen Wertvorstellungen zu begründen und zu belegen.
Es zeigt insbesondere, dass die belebte Natur uns Leitlinien vorgibt, die wir zu beachten haben und die auch als Wertvorstellungen akzeptiert werden können.
Warum habe ich dieses Buch geschrieben ?
Weil ich die zugrunde liegenden Probleme seit Jahren mit mir herumtrage.
Weil ich eine ehrliche Gegenüberstellung heute gültiger Wertvorstellungen aufschreiben wollte.
Weil ich den Vorwurf der Haltlosigkeit und Gottlosigkeit satt habe.
Weil ich als junger Mensch für so eine Orientierungshilfe dankbar gewesen wäre.
Weil ich auch mal ein Buch schreiben wollte.
Weil ich eine sehr positive Erfahrung damit verband, endlich auf eigenen Füßen zu stehen, ohne Gott.
Weil ich zeigen will, dass man auch ohne den Gottesglauben eine feste Grundlage für das eigene Handeln finden kann.
Weil ich meine, dass wir ein neues Verhältnis zur Natur entwickeln müssen.
Vielleicht wird mancher, der diese Zeilen hier liest, sagen: Wozu die ganze Aufregung ? Es treten ja sowieso immer mehr Menschen aus der Kirche aus. Wozu dann noch die ganze Diskussion ?
Eine Diskussion über den Gottesglauben ist aber meines Erachtens immer noch solange notwendig, solange der Staat Milliardenbeträge für diese Institutionen als Steuern einzieht, solange der Staat kirchliche Kindergärten, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und andere Einrichtungen fördert und dort kirchliche Ideologie verbreitet wird, solange in den Schulen jede Woche 2 bis 3 Stunden Religionsunterricht gehalten wird, solange die Kirchen von Menschenrechten reden und diese selbst nicht immer einhalten und so lange sich Menschen durch den Gottesglauben so manipulieren lassen, dass sie mit ihm guten Gewissens an Eroberungskriegen und Glaubenskämpfen teilnehmen können, wie sich das im ehemaligen Jugoslawien und anderswo zeigt.
Dieses Buch ist kein persönlicher Angriff auf die vielen überzeugten, ehrlichen und rechtschaffenen Gottesgläubigen, die es innerhalb und außerhalb der Kirchen gibt. Einige von Ihnen habe ich kennen gelernt und mit Ihnen interessante Diskussionen geführt. Trotzdem will mein Buch auch überzeugte und überzeugende Gottesgläubige anregen, einmal über die Grundfesten ihres Glaubens nachzudenken und offen und kritisch zu prüfen, ob diese Grundfesten noch Gültigkeit besitzen. Welche anderen Inhalte würden an die Stelle des Gottesglaubens treten, wenn ihnen klar würde, dass Gott nicht real existiert?
Wie kann man dieses Buch lesen ?
von vorn nach hinten
nur den Abschnitt über die Natur
nur die Dogmenübersicht über die Religion, die Natur, die Kultur und das menschliche Zusammenleben
gar nicht.
Bevor man dieses Buch gar nicht liest, sollte man es vielleicht mit dem Fragebogen zu den eigenen Grundüberzeugungen beginnen und schon ist man mitten in der Diskussion.
Grundstruktur dieses Buches sind jeweils mehrere Leitsätze aus den Bereichen der Religion, der Natur, der Kultur und des menschlichen Zusammenlebens. Diese Leitsätze stehen am Anfang jedes Kapitels und halten sich in ihrer Aussage an die Gliederung, die bei den Grunddogmen der Religion vorgegeben wird. Die religiösen Grundüberzeugungen des ersten Kapitels werden in den folgenden Kapiteln mit oft konträrer oder neuer Bedeutung variiert.
Man kann also einfach die Leitsätze jedes Kapitels lesen und miteinander vergleichen und hat so einen wesentlichen Teil dieses Buches verstanden. Diese "Dogmen" sind dabei weder vollständig noch sind sie völlig richtig. Jeder kann sich daran beteiligen, sie zu korrigieren und zu ergänzen. Dennoch glaube ich, dass einige wesentliche Punkte erfasst sind.
Obwohl dieses Buch in einer durchaus ernsthaften Absicht geschrieben wurde, ist nicht alles, was in diesem Buch steht, ganz ernst zu nehmen. Wenn es immer nur ernst gemeint wäre, dann wäre es langweilig.
Am Ende der Einleitung möchte ich Immanuel Kant zitieren. In seinem Aufsatz über die Aufklärung schreibt er:
"Wenn denn nun gefragt wird: Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung. Dass die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im Ganzen genommen, schon imstande wären, oder darin auch nur gesetzt werden könnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines Anderen sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel. Allein dass jetzt ihnen doch das Feld geöffnet wird, sich dahin frei zu bearbeiten, und die Hindernisse der allgemeinen Aufklärung, oder des Ausganges aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit allmählich weniger werden, davon haben wir doch deutliche Anzeigen."
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