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Die Geschichte der Natur und der Menschen auf der Erde hat eine endgültige Bestimmung ?
An welchen Gott kann man heute noch glauben ?
Gott der Mathematiker
Göttliches in der Kunst
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Wenn man einem Verein oder einer Partei beitreten will, dann schaut man sich genau an, welche Grundlagen diese Gemeinschaft hat und welche Ziele sie verfolgt. Insbesondere wird man auch wissen wollen, welche Menschen Mitglieder in so einem Zusammenschluss sind.
Beim Gottesglauben ist
das anders. Man wird in diesen mehr oder weniger hinein geboren.
Bereits kurz nach der Geburt wird man getauft. Dann geht man mit den
Eltern in die Kirche, besucht einen christlichen Kindergarten, man
bekommt Religionsunterricht in der Schule und nimmt an der Kommunion
oder Konfirmation teil. Je nachdem wie die eigenen Eltern zu diesem
Bereich stehen, wird man intensiv oder weniger intensiv mit dem
Gottesglauben zusammengebracht, ohne dass man eigentlich bewusst und
kritisch darüber nachdenkt, da man ja noch ein Kind ist. Erst
mit Beginn der Jugendzeit fängt man an, sich über dieses
Thema eigene Gedanken zu machen.
Dabei bleiben die Grundsätze des Gottesglaubens versteckt in einer Vielzahl von Schriften. Die christlichen Glaubensinhalte findet man vor allem natürlich in der Bibel. Teilweise sind die Grundzüge des Gottesglaubens widersprüchlich und schwer verständlich dargestellt. Meistens werden sie auch sofort mit Anweisungen für praktisches Verhalten der Menschen vermischt. Das heißt, die Grunddogmen werden mit den Geboten vermischt.
Um etwas klarer diese Grundüberzeugungen des christlichen Gottesglaubens verstehen zu können, habe ich einmal versucht, diese zusammenzustellen. Dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und eine subjektive Auswahl mag auch zu bemängeln sein.
1.Es existiert ein reines Geistwesen, Gott.
2.Dieses reine Geistwesen ist der Schöpfer der Welt und des Lebens auf der Erde.
3.Dieser Gott hat mindestens dreimal direkt auf der Erde eingegriffen :
als Erschaffer der Erde
als Jesus und
als (Mit-?)Autor der Bibel.
Manche meinen auch, er war nur als Schöpfer tätig oder er greift ständig ins Weltgeschehen ein.
4.Gott ist in der Person Jesus Mensch geworden.
Jesus ist durch eine jungfräuliche Empfängnis gezeugt worden, ist gestorben und auferstanden von den Toten.
5.Es gibt einen Teufel - auch ein reines Geistwesen - der nur Böses wünscht und tut.
6.Der Mensch ist sündig.
Alle menschlichen Sünden auf Erden werden in einem jüngsten Gericht noch einmal verhandelt und bestraft oder vergeben.
7.Ein Teil des Menschen, die Seele, ist unsterblich. Sie lebt nach dem Tode des Körpers weiter.
8.Tiere und Pflanzen haben keine Seele und können nicht in den Himmel kommen.
9.Die Geschichte der Natur und der Menschen auf der Erde hat eine endgültige Bestimmung.
Einige weitere Dogmen des Christentums wären hier noch an zuführen: So zum Beispiel das Dogma von der heiligen Dreieinigkeit oder von der Existenz der Engel. Man kann sie in Lehrbüchern der christlichen Dogmatik nachlesen. Ich will mich hier auf die angeführten Grunddogmen beschränken.
Apostolisches Glaubensbekenntnis
Im Folgenden werde ich die Grunddogmen des christlichen Glaubens näher untersuchen.
Eines der wichtigsten Dogmen eines jeden Gottesglaubens lautet: Es existiert ein reines Geistwesen. Dieses Geistwesen ist Gott.
Ein erstes Problem im Verständnis taucht hier auf mit dem Begriff Geist, beziehungsweise mit dem Begriff der reine Geist. Siehe hierzu nkmdef
Was ist Geist ?
Was ist ein Geist ?
Was ist ein geistiges Wesen ?
Gibt es ein rein geistiges Wesen ?
Einem kritischen Menschen ist die Vorstellung, dass es ein rein geistiges Wesen geben soll, schwer verständlich zu machen. Auch wenn er kein Materialist ist, hat er Schwierigkeiten, überhaupt den Begriff Geist zu verstehen.
Ist Geist so etwas wie Information ?
Ist Geist so etwas wie Ordnung ?
Oder ist es mehr als das ?
Ist Geist nur in lebendigen Wesen zu finden ?
Ist Geist nur in menschlichen Wesen zu finden ?
Ist der Geist das Verarbeitungsorgan, also das Gehirn ?
Oder ist er nur das,was verarbeitet wird,der Informationsgehalt des Gehirns ?
Ist Geist trennbar vom Körper oder bilden sie eine untrennbare Einheit ?
Ist Geist eine Funktion und Leistung des Körpers ?
Steckt Geist auch in einem Buch oder in einer Musik ?
Steckt Geist auch in der biologischen Information in unserem Erbgut ?
Oder ist das nur Information ?
Muss Geist immer ein bewusster Geist sein ?
Die Begriffe Geist, Seele, Bewusstsein, Leben und Information werden oft überschneidend benutzt, was zu einer allgemeinen Unsicherheit im Gebrauch dieser Wörter führt. Im Kapitel 8 versuche ich mit Definitionen, diese Begriffsverwirrung etwas zu entflechten. ( siehe nkmdef ) Beim Begriff des Geistes kann man dabei eine enge Definition - Geist ist eine Funktion des menschlichen Gehirns- und eine sehr weite Definition - Geist ist dasselbe wie Information - unterscheiden.
Beschränken wir uns zunächst auf die enge Definition von Geist als Funktion und Leistung unseres Gehirns.
In unserem Alltagsleben erleben wir Geistiges in uns selbst. Wenn wir nachdenken, zum Beispiel über uns oder über andere, oder wenn wir etwas aus unserem Gedächtnis hervor kramen, dann ist da sicher ein geistiges Wesen tätig.
Erstaunlich und unserer Alltagslogik widersprechend ist bei diesem eigenen Nachdenken, dass das Denken irgendwo in uns, in unserem Kopf, stattfindet, ohne dass wir dabei ein materielles Geschehen mitverfolgen können. Äußerlich ändert sich, wenn wir nachdenken, häufig ja gar nichts an unserem Kopf. Es blinken keine Lampen, es kommt kein Ton heraus, es wird dabei keine Seite geschrieben, auch wenn der Gesichtsausdruck und die Körpersprache so manchen Gedanken erahnen lassen.
Man könnte meinen, es passiert rein gar nichts auf materieller Ebene. Vielleicht resultiert daher die Vorstellung, dass ein reines Geistwesen möglich ist.
Gleichzeitig lehrt uns unser Alltagswissen, dass Geist im weiteren Sinne - wenn man Geist gleichsetzt mit Information - eigentlich immer an eine materielle Grundlage gebunden ist. Auch wenn uns das manchmal nicht so offensichtlich erscheint, Geist braucht immer ein handfestes materielles Fahrgestell, um funktionieren zu können. In unserer gesprochenen Sprache sind es Schallwellen, in geschriebenen Sätzen ist es Tinte oder Druckerschwärze, im Computer sind es elektrische Ströme und Magnetfelder, die Information enthalten. Im biologischen Informationsstrom der Evolution ist es der genetische Code, der das unbewusste Wissen enthält. Hier ist zu fragen, ob wir Information mit Geist gleichsetzen dürfen, denn Information steckt immer in einer materiellen Verpackung. Information braucht immer einen Informationsträger, so lautet ein Grunddogma der Informationstheorie. Braucht dann auch Geist in Nervensystemen immer diese materielle Grundlage oder ist er etwas Besonderes?
Ein gutes Beispiel, wie man sich die Beziehung von Geist und Körper beim Menschen vorstellen kann, ist ein Buch und sein Inhalt. Der Inhalt eines Buches ist sicher weit mehr als das Papier und die Druckerschwärze, aus denen das Buch hergestellt wurde. Aber ohne diese materielle Grundlage kann der Inhalt eines Buches nicht überdauern. Wird ein Buch verbrannt oder vermodert es, dann geht auch sein Inhalt mit der materiellen Grundlage verloren.
Wie verwandt der Inhalt eines Buches und unser Geist im Gehirn sind, kann man daran ersehen, dass viele Menschen versuchen, ihren Geist dadurch gegen das Sterben und die Vergänglichkeit zu schützen, dass sie ihre Gedanken in Form eines Buches aufschreiben. In diesem Sinne wurde der Geist einiger Menschen "unsterblich", solange jedenfalls, wie es deren Bücher gibt und sie auch gelesen werden.
In zwei Faktoren unterscheiden sich unser Geist und der Inhalt eines Buches allerdings fundamental:
1.Unser Geist hat ein Bewusstsein, d. h. er kann über sich selbst nachdenken. Ein Buch kann natürlich nicht über sich selber nachdenken.
2.Der Inhalt unseres Geistes verändert sich ständig , der Informationsinhalt eines Buches bleibt gleich oder ändert sich höchstens von Auflage zu Auflage. Manchmal bleibt auch der Inhalt gleich, aber die Interpretation ändert sich.
Der Geist und die Seele des Menschen als Summe aller seiner Gedanken, seiner Gefühle, seines Wissens, seiner Fähigkeiten und seiner Erfahrungen ist nur vorhanden auf dem Boden eines funktionierenden Körpers und des dazugehörigen Gehirns.
Der Geist des Menschen ist sicher mehr als nur Nervenströme und biochemische Reaktionen an den Nervenendigungen. Aber ohne diese Grundlage kann der Geist nicht existieren und stirbt mit dem Körper.
Man lernt viel über die Funktionen des menschlichen Gehirns, wenn man sich klar macht, was an so einem Gehirn alles nicht funktionieren kann.
Ein ungeschriebenes Gesetz in der Medizin besagt, dass alles was gesund ist und funktioniert, auch vorübergehend oder endgültig ausfallen kann. Bezogen auf das Gehirn bedeutet dies:
Es kann zum Ausfall kleiner und größerer Teile des Gehirns kommen. Die Ausfälle können begrenzt auf eine spezielle Funktion sein oder es können komplexe, zusammengesetzte Störungen auftreten.
Für jeden dieser Ausfälle existiert ein spezielles Krankheitsbild und eine Fallbeschreibung, ein Mensch und ein Schicksal, bei dem genau so etwas aufgetreten ist. Einige Krankheitsbilder sind dabei sehr selten oder auch noch nicht beschrieben, andere sind sehr häufig.
Als Beispiel kann man das Korsakowsyndrom anführen. Es ist durch einen Gedächtnisverlust gekennzeichnet. Zugrunde liegt eine Zerstörung oder Beeinträchtigung der Mamillarkörper meist durch Alkohol, den Geist der aus der Flasche kam. Die Mamillarkörper sind ein kleiner Teil des Gehirns und sie sind paarig, nämlich links und rechts angelegt.
Auch Schlaganfallpatienten zeigen die verschiedensten Ausfälle ihres Zentralnervensystems. Da der Schaden dabei meist plötzlich eintritt, kann der Vergleich mit dem Normalzustand vorher deutlicher erfolgen als bei der allmählichen Entwicklung einer Störung.
Eine wichtige Erfahrung, die man aus diesen Fallbeispielen ableiten kann, lautet: Das Kranke lehrt uns das Gesunde besser verstehen. Und so waren es als erstes Ärzte, die selbstbewusst feststellten: "Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten." Schon zu diesem Zeitpunkt wurde der Begriff Geist das erste Mal entmystifiziert und auf den Boden der Tatsachen gebracht.
Ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Geistes und unserer Seele ist unser Gedächtnis.
Bis heute weiß man nicht genau, wie die Speicherung von Informationen in unserem Gehirn funktioniert. Erfolgt sie in Form von neu geknüpften Nervenverbindungen ? Oder erfolgt sie in Form von chemischen Molekülen ? ( Lit 51.Baddeley, Alan : "So denkt der Mensch" )
Ist das Gedächtnis auf das ganze Gehirn verteilt oder sitzt es nur in bestimmten Gebieten des Gehirns ? Gibt es mehrere Gedächtnisse in unserem Gehirn ? Wird alles, was wir je erlebt, gesehen und gehört haben, gespeichert ? Wenn nicht, wie erfolgt die Auswahl ? Kann man wirklich etwas völlig vergessen ?
Für viele Leute ist das Gedächtnis ein relativ banaler Teil unseres Gehirns, und wenige Leute werden dort den Sitz der Seele vermuten. Erstaunlich ist auch, dass sich viele Philosophen über den Geist, die Seele und das Körper-Geist-Verhältnis tief schürfende Gedanken gemacht haben. Nur wenige haben sich aber mit dem so wichtigen Teil unseres Gehirns, unserem Gedächtnis, auseinander gesetzt. Vielleicht erschien dessen Funktion als allzu selbstverständlich. Dies ist aber sicher nicht der Fall. Ohne Gedächtnis funktioniert wenig in unserem Gehirn.
Was wir alles in unserem Gedächtnis an Informationen abgelegt haben, ist uns die meiste Zeit nicht bewusst. Der Gedächtnisinhalt ist aber auf einen inneren oder äußeren Anstoß hin mehr oder minder schnell ins Bewusstsein zu holen. Manche längst vergessen geglaubte Begebenheit kann durch den richtigen Zugangsweg doch noch erinnert werden.
Schlimm ist es, wenn man Teile seines Gedächtnisses verliert. Einige interessante Fallbeispiele finden sich in dem Buch von Oliver Sacks ( Lit 50 Sacks, Oliver "Der Mann, der seine Frau mit dem einem Hut verwechselte " ) .
Eine Äußerung von Luis Bunuel, dem französischen Filmregisseur, schätzt die Unersetzbarkeit des Gedächtnisses richtig ein: "Man muss erst beginnen, sein Gedächtnis zu verlieren, und sei es nur stückweise, um sich darüber klar zu werden, dass das Gedächtnis unser ganzes Leben ist. Ein Leben ohne Gedächtnis wäre kein Leben... Unser Gedächtnis ist unser Zusammenhalt, unser Grund, unser Handeln, unser Gefühl. Ohne Gedächtnis sind wir nichts..."
Als Schlussfolgerung ergibt sich, dass nur das wohl abgestimmte Funktionieren aller Teile des Gehirns auch die Gewähr für das Vorhandensein oder Funktionieren des menschlichen Geistes bietet.
Schon die vorübergehende Abschaltung des Bewusstseins bei einem kurzfristigen Herzkreislaufstillstand und die langsame Rückkehr aller Systeme des Gehirns bis zur vollen Funktion zeigen auch : Ohne körperliche Grundlage funktionieren unser Geist und unser Gefühlsleben nicht.
Die körperlichen Strukturen, die Geist erst ermöglichen, sind Nervenzellen mit Nervenbahnen, Nervenströme und chemische Reaktionen an den Nervenendigungen, Hormonsysteme, Sinnesorgane und Muskulatur, Blutversorgung mit Sauerstoff und Blutzucker.
Ein Extrembeispiel für den kompletten Ausfall unseres Gehirns ist der so genannte dissoziierte Hirntod, wie man ihn nach schweren Schädelhirnverletzungen sehen kann. Das ganze Gehirn ist zerstört, nicht mehr funktionstüchtig, obwohl der Körper noch weiterleben kann, wenn man den Ausfall des Atemzentrums durch künstliche Beatmung wettmacht und den Körper ernährt. Der Geist und das Gefühlsleben sind unwiederbringlich verloren, aber der restliche Körper kann noch funktionieren.
Nach medizinischem und juristischem Verständnis ist mit dem völligen Ausfall des Gehirns der Tod des gesamten Menschen eingetreten und man ist nach sorgfältiger Prüfung berechtigt, Teile des noch funktionierenden Körpers zu entnehmen und einem anderen kranken Menschen zu transplantieren. Dann darf man die Beatmungsmaschine abschalten, so dass auch der restliche Körper des Hirntoten sterben kann.
Nur, wann soll in so einem Fall nach religiöser Auffassung der unsterbliche Teil des Geistes - die Seele - den Körper verlassen ? Verlässt die Seele den Körper zum Zeitpunkt des Gehirnausfalles oder zum Zeitpunkt des Todes des restlichen Körpers ? In ganzheitlicher Sicht, dass nämlich die Seele im ganzen Körper zu finden sei, ist ein solcher Fall eigentlich undenkbar.
Der restliche Körper kann mit Unterstützung von außen noch länger weiterleben. Das, was wir Geist und Seele nennen, ist aber an ein funktionstüchtiges Gehirn gebunden.
Körper und Geist des Menschen sterben entweder gleichzeitig oder der Geist stirbt schon vor dem Körper. Dass der Geist oder die Seele den Körper überdauern und vielleicht später sterben, ist mit dieser Auffassung eigentlich nicht zu vereinbaren.
Was soll von einem Menschen als Seele weiterleben, wenn er durch eine Krankheit, wie beispielsweise einen Schlaganfall, lange vor seinem Tode wesentliche Teile seines Geistes verloren hat ?
Was soll von einem Menschen als Seele weiterleben, wenn sich seine Persönlichkeitsstruktur ohne eigene Schuld durch eine Krankheit völlig geändert hat ? So kommt es beispielsweise beim Morbus Alzheimer zu einem zunehmenden Verlust des Gedächtnisses und zu einer Verarmung des Gefühlslebens.
Viele Christen werden dann sagen, dass das als Seele weiterlebt, was da war, als der Mensch noch völlig gesund war. Nur ist hier zu bedenken, dass vielleicht gerade ein Schlaganfall den Seelenzustand eines Menschen auch positiv beeinflussen kann. Vor der Krankheit war ein Mensch vielleicht recht hartherzig. Durch die bei ihm notwendige Pflege hat er dann gemerkt, wie wichtig menschliche Zuneigung und Hilfe ist und ändert seine Hartherzigkeit in ein Gefühl der Dankbarkeit. Welche Seele soll dann weiter leben , die Seele 1, die noch komplett war aber hartherzig oder die Seele 2, teilweise zerstört aber im christlichen Sinne geläutert ?
Ziehen wir wieder unser Beispiel vom Buch und seinem Inhalt heran: Bei einem Buch würde der Gedanke des Weiterlebens seines Inhaltes bedeuten, dass die Information das Buch beim Vermodern oder Verbrennen verlässt und weiter existiert ohne materielle Grundlage. Das ist widersinnig, denn Information ist zwar etwas anderes als Materie und Energie, nur ohne diese Vehikel, diese Informationsträger, kommt Information nicht aus. Nackte Information , wie der Buchinhalt ohne das dazugehörige Buch, ist schwer vorstellbar.
Wie eng die Persönlichkeit und damit der Geist mit der materiellen Struktur des Gehirns verzahnt ist, erkennt man auch, wenn man die Methoden der heutigen Medizin mit ihren Herz- und Nierenverpflanzungen von einem Menschen auf den anderen einmal in die Zukunft projiziert.
Kann man sich jemals eine Gehirntransplantation vorstellen ?
Aus mehreren Gründen ist dies wahrscheinlich nicht machbar :
1.Rein medizinisch ist es wahrscheinlich unmöglich, die vielen Millionen Nervenverbindungen des Gehirns zum Körper neu zu knüpfen.
2.Das transplantierte Gehirn würde aber auch seine Struktur und damit seine Identität bewahren.
Es wäre also richtiger zu sagen, dass der ganze restliche Körper transplantiert wird. Und aus dem Gehirnspender würde in Wirklichkeit ein Körperempfänger.
Es gibt in unserer Alltagswelt kein Beispiel für die Existenz eines reinen Geistes, eines reinen Geistwesens, auch wenn es nicht Gott wäre. Dies macht den Glauben an Gott schwer verstehbar.
Weiterhin ist zu fragen, ob ein reines Geistwesen jederzeit materialisieren kann oder auch Materie direkt verändern kann. Die meisten Christen würden diese Frage bejahen. Den meisten Ungläubigen wäre das schwer verständlich zu machen. Hätten Sie vielleicht den Gedanken an reine Information und damit an einen reinen Geist als Denkmodell versuchsweise akzeptiert, dann würde ihnen die Rückwirkung dieses reinen Geistes auf die Materie als ziemlich schwer verdauliche Denkart vorkommen. Die Struktur von Materie, dass heißt also die Information die in einer besonders angeordneten Materie steckt, kann sehr wohl auf die benachbarte Materie Einfluss nehmen. Im kleinen Maßstab zeigt dies zum Beispiel ein Eiskristall, der die benachbarten noch flüssigen Wassermoleküle dazu anregt sich der einmal vorgegebenen Ordnung anzuschließen. Auch über die Schwerkraft kann eine große Ansammlung von Materie auf die Umgebung Einfluss nehmen, auch wenn keinerlei offensichtliche Verbindung zwischen den beteiligten Materieansammlungen auszumachen ist. So zieht die Erde den Mond an, ohne dass sich beide direkt die Hände reichen oder sonst wie materiell verbunden sind.
Gott als reines Geistwesen ist meines Erachtens zunächst nur eine Vorstellung der Menschen. Die Frage ist, ob diese Vorstellung auch unabhängig vom menschlichen Denken existiert.
Braucht Gott die Menschen für seine Existenz ?
Oder existiert er unabhängig von den menschlichen Gedanken und schriftlichen Aufzeichnungen über ihn ?
Was ich unter dem Begriff Geist, Seele und Information verstehe, ist dem Kapitel Definitionen zu entnehmen. Siehe nkmdef
Und so werden sie nicht aufhören, fort und fort nach den Ursachen der Ursachen zu fragen, bis man zum Willen Gottes seine Zuflucht nimmt, d.h. zum Asyl der Unwissenheit. -
[Spinoza: Ethik, S. 82. Digitale Bibliothek Band 2: Philosophie, S. 16806 (vgl. Spinoza-Ethik, S. 74-75)]
Ein sehr wichtiges Argument für die Existenz Gottes ist für viele Leute der Gedanke, dass jemand unsere Welt erschaffen haben muss. Diese erste Ursache soll dann Gott gewesen sein.
Denkt man etwas über diese Aussage nach, so kommen einem allerdings sehr bald Zweifel:
Die Welt existiert, das ist klar und braucht nicht weiter hinterfragt werden. Wer die Existenz der Welt bezweifelt, sollte sich unter seine Dusche stellen und das kalte Wasser auf drehen !
Wenn ich Gott als Schöpfer dieser Welt ansehe, dann stelle ich eine Ursache- Wirkungsbeziehung auf. Solche Ursache-Wirkungsfolgen sind ein sehr beliebtes und erfolgreiches Denkschema für den Menschen.
Allerdings kann man meist längere Ursache-Wirkungsketten nachweisen. Wenn also Gott der Schöpfer der Welt ist, muss man sofort fragen : Wer hat dann Gott erschaffen ?
Wenn ich die Ursache-Wirkungskette nach Postulation Gottes als erster Ursache abbreche, bin ich genauso berechtigt, dies auch schon ohne Gott zu tun und zu sagen: Wie die Welt angefangen hat, wissen wir nicht. Vielleicht war die Welt auch schon immer vorhanden. Diese Ansicht ist genauso berechtigt. Vielleicht ist sie auch von alleine entstanden. Hier stoßen wir einfach an die Grenzen unseres Wissens und müssen das akzeptieren. Ob man für dieses Fragezeichen der ersten Ursache dann Gott einsetzt, mag jedem selbst überlassen bleiben.
Am Anfang
Die Bibel :
Am Anfang war das Licht.
Die Bibel 2
Am Anfang war das Wort.
Goethe
Am Anfang war die Kraft.
Anaximandros aus Milet: Fragment
Der Anfang der Dinge ist das Unendliche.
unbekannter Autor
Am Anfang waren viele verschiedene Anfänge.
Für viele gläubige Menschen ist Gott nicht nur der Schöpfer der Welt, also nach heutiger Ansicht der "Urknaller" gewesen, sondern auch der Schöpfer der belebten Natur auf der Erde. Es fällt offensichtlich vielen Menschen schwer zu glauben, dass sich Lebewesen aus nicht belebter Materie ohne schöpferische Hand entwickelt haben sollen. Der Beginn des Lebens auf der Erde hat aber zu einem späteren Zeitpunkt stattgefunden als der Urknall.
Ein weiteres Mal war Gott nach Ansicht vieler Gläubigen schöpferisch tätig, als er sein Lieblingskind, den Menschen, geschaffen hat.
Die einzig logische Antwort wäre, dass Gott ständig weiter schöpferisch tätig ist, wie das im fortschreitenden Evolutionsprozess zum Ausdruck kam und kommt. Dennoch meinen viele Gottesgläubige auch heute noch, es wäre alles ( Erde, Leben auf der Erde und die Menschen) auf einen Schlag erschaffen worden. Letztere Ansicht widerspricht aber einer Unzahl naturwissenschaftlicher Erkenntnisse.
Heute gültiges Zeitschema
|
Urknall |
vor ca 15 - 20 Mrd. Jahren |
|
Entstehung der Erde |
vor ca 5 Mrd. Jahren |
|
Entstehung des Lebens auf der Erde |
vor ca 2-3 Mrd. Jahren |
|
Entstehung des Menschen |
vor ca 2- 5 Mio.Jahren |
|
Erstes Auftreten des Homo Sapiens |
vor ca 0,5 - 0,2 Mio Jahren |
|
Aufblähung der Sonne zum Roten Riesen |
in ca 6 - 10 Mrd. Jahren |
Bindet man seinen Gottesglauben an die Schöpferkraft Gottes für das Leben, so setzt man sich einem ständigem Abwehrkampf gegen die moderne biologische Forschung aus. Die Biologie hat sich von den religiösen Vorstellungen befreit und versucht die Lebensentstehung und die Weiterentwicklung des Lebens ohne äußeren Einfluss zu erklären. Und dies tut sie zunehmend besser und verstehbarer.
Es scheint nicht unmöglich, den Prozess der Entstehung des Lebens auf niedrigster Stufe künstlich nachzuvollziehen, auch wenn dies mit dem historischen Ablauf sicher nie ganz übereinstimmen wird. Schon die Raum- und Zeitdimension ist bei Experimenten viel stärker eingeengt, als bei dem tatsächlich abgelaufenen Geschehen. Typisch für den Ablauf der Evolution ist eine sehr langsame Veränderungsgeschwindigkeit, jedenfalls wenn man es mit menschlichen Maßstäben misst.
Nach heutiger Mehrheitsmeinung sammelte sich auf der Erde anfangs ein Ursuppe aus Aminosäuren und anderen organischen Substanzen an. An Stellen ständiger Energiefreisetzung aus dem Erdinneren oder Energieeinstrahlung von der Sonne entstanden im Rahmen einer chemischen Evolution Lebensvorstufen wie z.B. die Nukleinsäuren und die Aminosäuren.
Dann kam zur Nukleinsäurekette als Informationsträger die Aminosäurekette als Funktionsträger. Hier streiten sich die Biologen noch heftig, wer zuerst da war:
die Nukleinsäuren ( = der Informationsträger ) oder
die Aminosäuren ( = der Funktionsträger).
Schon auf dieser Stufe gibt es also so etwas wie ein Körper-Geist Problem.
Möglicherweise hatten die ersten Nukleinsäuren gleichzeitig Informationsspeicher- und Enzymfunktion und haben letzeres dann an die Aminosäuren abgegeben. Enzyme sind dabei biochemische Werkzeuge oder auch Katalysatoren, die den Kopierprozeß der Erbinformation auf die nächste Generation beschleunigen können.
Verwandte der ersten Zellen, Archebakterien, findet man auch heute noch an sauerstofffreien Orten, beispielsweise im Kuhmagen, im Sumpf, in Kläranlagen und in Schwefelquellen.
Die Entwicklung des Lebens auf der Erde ist heute ein sehr spannender und auch sehr ergiebiger Forschungszweig der Biologie, der Biochemie, der Geologie, der Chemie und der Paläontologie mit vielen neuen Erkenntnissen in den letzten Jahren und Jahrzehnten.
Trotzdem sind viele Konzepte und Erklärungen natürlich noch sehr umstritten und werden sicher auch noch mehrfach geändert oder ergänzt werden. Um es salopp auszudrücken, wird noch manches Ursüppchen angerührt werden müssen.
( lit 35 John L.Casti "Der Verlust der Wahrheit Streitfragen der Naturwissenschaften ")
Ein ganz neuer Wissenschaftszweig hat sich dabei herausgebildet, der sich ganz allgemein mit der Selbstorganisation von höheren Ordnungen aus dem Chaos beschäftigt. Vergleiche etwa die sehr lesenswerten Bücher und Arbeiten von Prigogine ( lit 31 Prigogine, I." Dialog mit der Natur " ) , von Eigen ( lit 42 Eigen, M. "Das Spiel " ) und Cramer ( lit 32 Cramer,F. "Chaos und Ordnung " ) .
Wie konnten sich aber die heutigen komplizierten Tier - und Pflanzenarten aus den Anfängen des Lebens weiterentwickeln ? Die Antwort gibt uns die Evolutionstheorie.
Die Evolutionstheorie von Charles Darwin, ein entscheidender Meilenstein in der menschlichen Geistesgeschichte, wird zwar von einigen Vertretern der Schöpfungstheorie immer noch bekämpft und für nicht richtig gehalten. Hier kann die Evolutionstheorie aber getrost auf ihr eigenes Prinzip warten: Unangepasstes stirbt aus und wird von besser Angepasstem verdrängt. Dies gilt natürlich auch für das Wissen und die Wissenschaft des Menschen. Die Mehrzahl der gebildeten Menschen heute hat die Evolutionstheorie als richtig akzeptiert ( lit 38 Dawkins, R. "Der Blinde Uhrmacher" und lit 39.Darwin, Ch. "Die Entstehung der Arten " ).
Einige Streitpunkte aus der Diskussion Evolutionstheorie gegen Schöpfungstheorie möchte ich anführen :
Contra Evolutionstheorie:
Warum gibt es so scharf getrennte Arten und keine Zwischenformen ?
War die Zeit für die Entwicklung nicht viel zu kurz ?
War die Entwicklung hin zu höheren Ordnungen entgegen dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik ( Alles strebt zu mehr Unordnung ) überhaupt möglich ?
Wie konnte sich so etwas Kompliziertes, wie z.B. ein Auge, sich rein zufällig entwickeln ?
Pro Evolutionstheorie:
Warum gibt es so viele ausgestorbene Arten ?
Warum gibt es so viele Verwandtschaftsbeziehungen ?
Warum gibt es eine universelle genetische Sprache ?
Warum sind die Arten so ungleich auf der Erde verteilt ?
Da die Evolutionstheorie ein entscheidendes Konzept der belebten und unbelebten Natur ist, gehe ich im Kapitel Definitionen noch einmal ausführlicher auf ihre Inhalte ein. Viele Menschen wissen wenig über die Evolutionstheorie, auch wenn sie die Theorie im wesentlichen als richtig akzeptieren.
Viele Menschen können sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass der Mensch vom Affen abstammt. Ich kann mich auch nicht an diesen Gedanken gewöhnen, denn er ist falsch.
Der Mensch und der Affe haben gemeinsame Vorfahren. Aber sie stammen nicht voneinander ab.
Dass auch die andere Seite Probleme mit dieser Vorstellung haben könnte, darauf hat Bertrand Russel hingewiesen, wie folgende Geschichte von ihm belegt:
Da fragt ein Gorillakind seine Mama: " Du, Mama, stimmt es wirklich, dass die Menschen und wir Gorillas dieselben Vorfahren haben ? " Die Gorillamama wird darauf ganz böse und antwortet: "Willst du mich beleidigen, mein Kind ?"
Ein sehr lesenswertes Buch über unsere engen Verwandten, die Affen, ist im Geo Verlag erschienen ( lit 57 Sommer, V. "Die Affen. Unsere wilde Verwandtschaft" ). Darin fand ich den treffenden Satz: "Von den Affen kann man vielleicht mehr lernen als von manchen Philosophen."
Wer sich mit den Forschungen über Vor- und Frühmenschen beschäftigen will, dem seien die spannend geschriebenen Bücher von D.Johanson (lit 37 D.Johanson, M. Edey " Lucy Die Anfänge der Menschheit" ) und das Buch von Josef Reichholf ( lit 36 Reichholf, J. H. "Das Rätsel der Menschwerdung " ) empfohlen.
Wenn es einen Gott gibt, ist eine entscheidende Frage, ob dieser Gott ins Weltgeschehen eingreift oder nicht ? War er nur als Schöpfergott tätig und hat dann den Lauf der Geschichte sich selbst überlassen oder greift er in das geschichtliche Geschehen der Menschen ein ?
Falls Jesus Gottes Sohn ist, wie die christliche Kirche dies behauptet, dann hat er ja offensichtlich ins Geschehen eingegriffen und es ist dann nicht einzusehen, warum er dies nicht auch heute tun sollte.
Die Frage nach dem Wirken Gottes auf der Erde kann man auch ganz direkt stellen. Man muss sich nämlich fragen : Wenn er auf der Erde eingreift, warum hat er dann nicht die Massenvernichtung der Juden in Auschwitz verhindert ?
Viele gläubige Christen, die das Dritte Reich miterlebt haben, waren nach dem Ende des Krieges und der Aufdeckung der Nazigreueltaten tief erschüttert in ihrer Persönlichkeit und auch in ihrem christlichen Glauben.
Zu Recht fragten sie sich: Wie konnte Gott, wenn es einen Gott gibt, so etwas zulassen? Wie kann das Leid, das beispielsweise völlig unschuldigen, wehrlosen Kindern angetan wurde, je wieder gut gemacht werden ?
Hier stockt meistens die Antwort des gläubigen Christen und dann kommt als Ausflucht häufig folgende Antwort: "Er hätte schon eingreifen können, er hat aber nicht eingegriffen und unser menschlicher Verstand reicht einfach nicht aus, seine Gründe dafür zu erkennen."
Doch in solchen Situationen völlig sinnloser Grausamkeit gibt es nichts mehr zu verstehen oder zu erkennen. Wer hier nicht fühlt, dass Unrecht geschieht, hat jede moralische Glaubwürdigkeit verloren. Da ist jede noch so weit her geholte höhere Erklärungsmöglichkeit, die man als Entschuldigung für Gottes Nichteingreifen anführen könnte, fehl am Platz.
Schon der geringste menschliche Anstand sagt einem, dass beim wahllosen Umbringen von Menschen und unschuldigen Kindern etwas faul ist und das hier Menschenrechte, Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe völlig außer Kraft gesetzt werden. Wenn hier ein gütiger, liebender und gerechter Gott nicht eingreift, hätte er denn die Macht dazu, dann entbehrt das jeglicher Logik und jedem Mitgefühl, denn dann hat Gott seine eigenen Prinzipien überhaupt nicht begriffen.
Hier hört jede Diskussion auf. Hier hätte gehandelt werden müssen. Wenn der christliche Gott nicht schon vorher "tot" war, in Auschwitz ist er endgültig "gestorben". Hier hat er unschuldige Kinder in der Stunde der höchsten Not allein gelassen. Allein gelassen in ihrer Todesangst und grausamen Misshandlung und das ist auch in einer ewigen Seligkeit im Paradies nicht mehr wett zumachen. ( lit 61 Stasius, H. "Menschenrechte Gesetze ohne Gewähr" ) .
Es gibt also nur zwei menschlich vertretbare Antworten:
1.Entweder es gibt keinen Gott, der dies verhindern hätte können.
2.Oder Gott hat zwar die Welt geschaffen, kann aber nicht in ihren Ablauf eingreifen.
Schon der griechische Philosoph Epikur hatte dieses Problem erkannt und zusammengefasst: "Will er Übel verhüten und kann nicht? Dann ist er unmächtig. Kann er und will er nicht ? Dann ist er übel wollend. Will er und kann er ? Woher dann das Übel ?"
Der Gott des Alten Testaments hat übrigens die Nazigreuel schon vorweggenommen, als er den Juden seine göttliche Überlegenheit über die ägyptischen Götter dadurch beweisen wollte, dass er alle ägyptischen Knaben um brachte. Wahrscheinlich hat Adolf Hitler als Gefreiter im 1.Weltkrieg nur die Bibel als geistige Rückenstärkung mitbekommen und die vielen grausamen Kapitel daraus besonders intensiv gelesen.
Viele gläubige Christen, welche die Bibel als Buch der Bücher hochhalten, wissen nicht welche Grausamkeiten und Gemeinheiten darin von Gott selbst oder seinen Gläubigen begangen werden. Die Bibel ist deswegen zumindest in Teilen ein unmenschlicher Text.
Beispiele siehe lit 6 Buggle, F, "Denn sie wissen nicht, was sie glauben"
Früher als noch weitaus mehr Dinge für den Menschen unverständlich und unbeeinflussbar waren, als dies heute der Fall ist, war der Glaube an einen aktiven, schöpferischen und eingreifenden Gott noch eher verstehbar. Heute aber sind die Hauptprobleme der Menschen von uns selbst erzeugt. Überbevölkerung, Kriegsgefahr und Umweltzerstörung sind nur vom Menschen selbst ein zudämmen, da wird uns kein Gott helfen.
Hat man einmal akzeptiert, dass Denken ein materielles Vehikel als Grundlage braucht, dass auch in unserem Kopf beim Denken elektrische Ströme, Magnetfeldänderungen und biochemische Reaktionen bei jedem Denkvorgang ablaufen, dann fällt einem die Vorstellung eines reinen Geistwesens schwer.
Genauso schwer fällt einem der Gedanke, dass ein reines Geistwesen in einen materiellen Körper nach Belieben hinein und wieder heraus kann.
Natürlich gerät unser Gehirn manchmal ins Träumen und Wandern. Im Geiste sind wir an anderen Orten und in einer anderen, meist früheren Zeit. Etwas salopp gesagt, heben wir ab. Auch beim Träumen passiert so etwas ähnliches. Es laufen Denkvorgänge ab, die den Bezug zur Realität teilweise verloren haben.
Aber immer kann man dabei in unserem Gehirn gleichzeitig Denkvorgänge feststellen, beim Träumen beispielsweise bestimmte EEG Wellen ( = elektrische Hirnströme ) ableiten. Beim Erwachen sind wir dann sehr schnell wieder mit der Realität konfrontiert. Das fängt schon beim mühsamen Aufstehen aus dem warmen Bett an. Da trifft viele die Wirklichkeit hart und unerbittlich.
Erstaunlich ist ferner, dass durch chemische Stoffe solche Träumereien erst richtig in Schwung gebracht werden können. Eine Vielzahl von Drogen nehmen Einfluss auf unsere Stimmung und bei einigen werden Halluzinationen und Träume ausgelöst. Dennoch bleibt unser Körper auf dem Fußboden und hebt nicht mit ab. Ohne ein funktionierendes Gehirn werden diese Rauschzustände auch sofort unterbrochen.
Ein Beispiel für eine Geisteswanderung gibt es aber nicht. Man könnte sich ja vorstellen, dass der Geist eines Menschen in den Körper eines anderen Menschen übergeht. Auch hier erkennt man sehr schnell, dass der Geist eines jeden Menschen etwas in langen Jahren an Hand von Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken gewachsenes, völlig einmaliges ist. Ein Wandern von einem Menschen zum anderen widerspricht völlig unserem Alltagswissen und Realitätssinn. So etwas gab es und gibt es nicht.
Auch die Seelenwanderung von einem Tier zu einem Menschen und umgekehrt, an die manche Völker glauben, scheint einem modernen Menschen sehr weit weg von all seinen Erfahrungen und Überzeugungen zu sein.
Wenn man unter Geist auch die Information versteht, die in einem Gehirn gespeichert ist, dann können natürlich kleine Teile eines menschlichen Geistes an einen anderen Menschen weitergegeben werden. Dies geschieht zum Beispiel wenn ein Lehrer einen Sachverhalt, den er in seinem Kopf hat, an einen Schüler weitergibt, so dass dieser ihn auch versteht und im Gedächtnis behält.
Um das Leben von Jesus ranken sich Beschreibungen, die wiederum unsere Alltagserfahrung auf den Kopf stellen. Eine jungfräuliche Empfängnis gibt es beim Menschen nicht. Es sei denn, sie ist künstlich durch einen medizinischen Eingriff herbeigeführt worden.
Es gibt viele Eigenheiten der Fortpflanzung und eine ungeschlechtliche Fortpflanzung existiert sehr wohl bei niedrigen Lebensformen. Beim Menschen gibt es so etwas nicht.
Möglicherweise beruht die Vorstellung von der jungfräulichen Empfängnis, die manchem Theologen Kopfzerbrechen bereitet hat, auch nur auf einer falschen Übersetzung der Orginalbibel. Heute wird von manchen statt "Jungfrau" "junge Frau" übersetzt und schon ist das Problem beseitigt.
In diesem Zusammenhang ist es auch interessant, dass es aus religiöser Sicht eigentlich keine plausible Erklärung für die Zweigeschlechtlichkeit vieler Lebewesen und des Menschen gibt. Die ganze Diskussion um das Zölibat, den vorehelichen Geschlechtsverkehr, die Scheidung und sonstige sexuelle "Sünden", hätte man sich doch ersparen können, wenn es Menschen nur in einer Geschlechtsform geben würde.
Aber wahrscheinlich wollte Gott nur seine Menschenkinder prüfen : Wer von Ihnen kann die höchsten Weihen der Liebe erklimmen und wehe es kommt dabei ein sexueller Gedanke auf. Das wäre keine Liebe mehr, das wäre ja eine Sexualität, wie Herr Faßbinder in einem seiner Filme gesagt haben soll.
Die Biologie kann für die Zweigeschlechtlichkeit eine erste Erklärung bieten, denn durch die Zweigeschlechtichkeit und die Durchmischung der Erbinformation bei jeder Fortpflanzung werden die vielen Varianten des Erbgutes geschaffen, aus denen die Selektion dann die bestangepassten auswählt. Komplett verstanden wird das Problem der Zweigeschlechtlichkeit aber auch von der Biologie noch nicht.
Eine Beispiel für die maximale Unzucht ist übrigens der Regenwurm. Er ist gleichzeitig männlich und weiblich und wenn er sich paart, kann er die Sexualität immer von beiden Seiten erleben.
Auch die körperliche Wiederauferstehung von Gestorbenen akzeptieren nur noch einige wenige Menschen als realistische Vorstellung. Ein Mensch, der gestorben ist, kann nicht wieder zum Leben erweckt werden.
Unter gestorben verstehe ich das Vorliegen der sicheren Zeichen des Todes wie der Leichenstarre, der Leichenflecke oder der Verwesung über eine Zeitspanne von einigen Stunden. Alle Beschreibungen von "Wiederauferstehungen" von menschlichen Wesen waren Wiedererweckungen von Scheintoten oder tief Schlafenden.
Übrigens gibt es heute solche "Wunder" viel häufiger als früher. Ein Mensch, der eigentlich schon 5 Minuten tot war (mit Herz und Atemstillstand und Kreislaufstopp im Gehirn), kann heute mit einiger Aussicht auf Erfolg wieder ins Leben zurückgerufen werden. Aber dies ist nur bei einigen Krankheitsbildern und unter Einsatz einer Menge Technik und mit effektiven Wiederbelebungsmassnahmen möglich.
Ist aber eine längere Zeit verstrichen, so können vielleicht noch einzelne Organe wiederbelebt werden und in einem anderen Körper weiter funktionieren. Das Gehirn, der wesentlichste Teil unserer Persönlichkeit und unseres Geistes, stirbt sehr schnell, wenn kein Blut mehr fließt.
Der Tod ist ein endgültiges Ereignis und bedeutet das unwiderrufliche Ende eines menschlichen Wesens. So etwas ähnliches wie eine Unsterblichkeit gibt es nur bei niedrigen Lebewesen wie Einzellern, wenn ein ungestörtes Wachstum möglich ist und wenn die Fortpflanzung nicht durch Verhungern oder gewaltsamen Tod unterbrochen wird.
Viele Menschen haben Angst vor dem Tod. Das eigentliche Problem ist aber nicht der Tod, sondern der Weg dorthin. Angst müssen wir also vor dem Leiden und dem Sterben haben. Der Tod ist dann eigentlich völlig indifferent, das Ende, der endgültige Frieden. Die ständige Unruhe in unserem Kopf und Körper, der Zwang für das eigene Leben zu arbeiten und zu sorgen findet ein Ende. Wir haben endlich unsere Ruhe.
Die früher weit verbreitete Angst, lebendig begraben zu werden, ist heute viel weniger wichtig geworden, da die meisten Menschen der Medizin zutrauen, den Tod sicher festzustellen.
Die Angst vor Schmerzen und vor einem langen Leiden ist dagegen real begründet, und vielleicht nur langsam abzubauen, wenn sich insbesondere ältere Leute bewusster mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen und das eigene Sterben selbst bestimmen.
Das heißt nicht, dass man als älterer Mensch sein Leben mit einem Selbstmord beenden muss, um voraussehbarem Leiden kurz vor dem eigenen Tode zu entgehen. Viel wichtiger ist es, sich als älterer Mensch zu überlegen, solange man noch den klaren Verstand dazu hat, welche medizinischen Möglichkeiten man noch wahrnehmen möchte und welche nicht. Man kann beispielsweise festlegen, dass man nicht mehr operiert, beatmet oder an der künstlichen Niere behandelt werden will. Oder man kann festlegen, dass man auf keinen Fall mehr ins Krankenhaus geht, wenn man mit dem eigenen Hausarzt vereinbart hat, dass er einem in den Stunden des Sterbens durch Schmerz- oder Beruhigungsmittel eine Erleichterung verschafft.
In diesem Zusammenhang finde ich übrigens die von religiöser Seite geäußerte Ansicht, erst durch das Leiden würde die Seele geläutert, einen unzutreffenden Unsinn. So etwas kann man einem älteren Menschen von über 70 Jahren nicht erzählen. Ein Mensch, der so viele Jahre hinter sich gebracht hat, hat in seinem Leben genügend Erfahrungen auch des Leidens gehabt und braucht auch nicht mehr "geläutert" werden. Er braucht menschliches Mitgefühl und eine ausreichende Schmerzbehandlung, wenn man merkt, dass die Schmerzen oder Ängste für ihn schwer erträglich sind.
Eine Vorstellung vom Tod bekommt man durch den Schlaf. Das Bewusstsein ist abgeschaltet. Glücklich kann man sich schätzen, wenn man einfach so einschlafen kann beim Sterben, so wie man das jeden Abend tut, wenn man sich zur Nachtruhe hinlegt.
Ein entscheidender Unterschied besteht übrigens zwischen dem Sterben eines jüngeren Menschen und dem Sterben eines alten Menschen. Ein alter Mensch hat sein Leben gelebt. Er ist müde. Er hat genug gekämpft. Er hat doch schon eine Reihe von körperlichen Gebrechen, vieles ächzt und knirscht, so dass er sich manchmal den Tod und damit seine Ruhe herbeisehnt, wenn er das noch bewusst kann.
Der Begriff "alt" hat dabei nur bedingt etwas mit der Jahreszahl des Alters zu tun. Mancher der Jahreszahl nach eigentlich schon alte Mensch kann sich durchaus noch lebensfroh und gesund fühlen.
Bei jüngeren Menschen empfinden wir das Sterben und den Tod immer grausam und unverständlich. Der Tod ist hier nicht zu akzeptieren, auch wenn uns gerade der Tod von jungen Leuten im Straßenverkehr, bei Selbstmordversuchen oder durch Drogensucht kaum zu interessieren scheint.
Aus religiöser Sicht ist es auch ziemlich unerklärlich, dass Kinder oder auch Jugendliche an einer bösartigen Krankheit erkranken oder sterben müssen. Wenn man als Erklärung meint, dass die Betroffenen ihr Schicksal irgendwie selber verschuldet haben, dann ist das einfach eine lächerliche Erklärung.
Die Biologie kann das als selten vorkommende Fehler in der Weitergabe von genetischer Information oder als Infektionserkrankung verstehbar machen. Menschlich erträglich wird es dadurch auch kaum, aber man mutet einem Betroffenen wenigstens kein schlechtes Gewissen für seinen eigenen Zustand zu.
Ein sehr lesenswertes Buch über den Tod und das Sterben hat Norbert Elias geschrieben. (lit 11 Elias,N. " Über die Einsamkeit der Sterbenden " )
Bd.772 Elias, Norbert: Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen. 8. Aufl. 1995. 99 S.. Gebunden. 168gr.
ISBN: 3-518-01772-1, 18.80 DM
Erstaunlich ist die Tatsache, dass immer weniger Christen an den Teufel glauben. Der Teufel geht den Weg aller unsinnigen geistigen Vorstellungen des Menschen, er stirbt langsam aus.
Gruner-und-Jahr Meldung 1.11.1991:
"Der Teufel lebt in Amerika! Wo dort? In 52 Prozent der US-Köpfe: So viele Amis glauben an den Teufel. Das Paradies für Exorzisten entdeckte GALLUP durch eine Umfrage."
Nur noch ca 30 % aller Christen in der BRD glauben an den Teufel als geistiges Wesen und es werden immer weniger. Offensichtlich fällt es ziemlich leicht, die Vorstellung von der Existenz eines Teufels über Bord zu werfen. Sie hat einen ja sowieso nur unnötig bedrückt und geängstigt. Viel schwerer fällt da schon der geistige Kehraus mit der Gottesvorstellung. Sie ist noch fest eingenistet. Ihr Verlust würde eine geistige Leere erzeugen und eine völlige Neuorientierung nötig machen. Das ist dann doch zu anstrengend für viele Leute.
Auch wenn nur noch so wenige Christen an den Teufel glauben, so ist er doch immer noch Teil der offiziellen Kirchenlehre: " Es gibt den Teufel, den Vater der Lüge. Er ist der Versucher, der uns den Himmel vergällen und verstellen will." ( lit 15 Seite 111 Deutsche Bischofskonferenz " Katholischer Erwachsenen Katechismus, Das Glaubensbekenntnis der Kirche" ).
Hier wird man bald erleben, wie die offizielle Kirchenlehre ihr Mäntelchen in den allgemeinen Wind hängt und sich irgendwann an das allgemeine Denken ihrer Kirchenmitglieder anpasst. Der Teufel wird dann immer seltener erwähnt. Aus der Person des Teufels als einem unabhängigen geistigen Wesen wird einfach die abstrakte Vorstellung vom allgemeinen Bösen konstruiert.
Vielleicht ist der Teufelsglaube auch deswegen entbehrlich geworden, weil immer mehr Menschen erkennen, dass die Hauptprobleme der heutigen Menschheit selbst verursacht sind. Umweltzerstörung, Kriege und Überbevölkerung, alles ist von Menschen gemacht und kann nur von den Menschen selber eingedämmt werden.
In der Natur gibt es mehrere "Teufel". Einmal gibt es in Tasmanien den Beutelteufel, ein nachtaktives Beuteltier, der wegen seines unheimlichen Grunzens seinen Namen verpasst bekam.
Abbildung: Der Beutelteufel aus Tasmanien
Auch in Südamerika gibt es einen Teufel, den Schlammteufel. Und so gibt es in der Natur noch viele Teufelsvorstellungen. Sie reichen von der Teufelskralle bis zum Teufelsauge. Auch Viren, die ja keine Lebewesen sondern wildgewordene biologische Information sind, könnte man als Erfindung des Teufels bezeichnen, da sie eigentlich nur Schaden verursachen. Aber bei Viren hilft leider keine Teufelsaustreibung, sondern nur solide biologische Forschungsarbeit.
Nach christlicher Vorstellung werden alle menschlichen Sünden auf Erden in einem jüngsten Gericht noch einmal verhandelt. Sie werden bestraft, jedenfalls muss man für seine Sünden büßen. Falls die Sünden nicht allzu schwer waren, werden sie vergeben und man kommt in den Himmel und darf neben Gott Platz nehmen.
Offensichtlich fällt es vielen Menschen schwer, die Ungerechtigkeiten auf dieser Erde zu akzeptieren. Manche Menschen müssen sich sehr anstrengen, kommen nie auf einen grünen Zweig, werden von Krankheiten heimgesucht oder von anderen Menschen ausgenutzt, schließlich sterben sie arm und hoffnungslos.
Anderen fällt das Glück schon mit ihrer Geburt in den Schoß. Sie werden als Kind reicher Eltern geboren. Sie nehmen das Leben sehr locker, nützen andere Menschen aus und begehen vielleicht einige schlimme Verbrechen. Trotzdem können sie ungeschoren davonkommen und sterben nach einem genusssüchtigen Leben erst in hohem Alter.
Wie kann das mit rechten Dingen zugehen ?
Die Vorstellung von einer letzten göttlichen Gerechtigkeit scheint da viele Menschen zu beruhigen und mit ihrem eigenen Schicksal zu versöhnen.
Aber immer mehr Menschen hinterfragen auch dieses Wunschbild und merken, dass die Gerechtigkeit unter den Menschen nie perfekt sein kann. Die Gerechtigkeit muss immer wieder neu erkämpft werden, auch wenn uns schriftlich festgelegte Gesetze und ein institutionalisierter Rechtsstaat sehr zu Hilfe kommen können und zumindest extreme Ungerechtigkeiten verhindern.
Glaubt man an das jüngste Gericht, dann treten schwierige Fragen auf: Ab wann ist ein Verbrechen noch sühnefähig und abbüssbar ? Ab wann ist man ewig verdammt ? Kann eine Sünde so schlimm sein, dass eine ewige Verdammnis gerechtfertigt wäre ? Ist Gott gerecht oder gütig ?
Ich habe es als große Erleichterung erlebt, endlich diese ständige Sündenvorstellung aus dem Kopf zu bekommen. Ich glaube, dass trotz aller menschlicher Unzulänglichkeit die Gerechtigkeit bei unabhängigen Richtern und in festgeschriebenen Gesetzen besser aufgehoben ist als im Himmel. Es braucht dazu natürlich auch Menschen, die ihr Recht kennen, wahrnehmen und sich nicht ausnutzen lassen.
Die Gerechtigkeit, die nicht auf Erden erreicht wird, wird nirgendwo sonst mehr erreicht.
Ein Teil der Menschen, die Seele ist unsterblich und lebt nach dem Tode des Körpers weiter, so lautet ein weiteres Grunddogma der christlichen Religion.
Weshalb kam der Mensch darauf, dass er etwas besonderes aus dem Tierreich herausragendes besitzen müsste, wie eine Seele ?
Er ist offensichtlich das einzige Tier mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein, also einem Bewusstsein seiner selbst.
Er besitzt die Fähigkeit über sich selbst nachzudenken. Da war es einfach schwer zu verstehen, dass so ein ungewöhnliches Instrument wie das menschliche Bewusstsein einfach mit dem Tode aufhören sollte. Nach jedem Schlaf springt es ja auch wieder an und es träumt dazwischen auch noch, wenn man die Träume auch zum Bewusstsein zählen will.
Das Bewusstsein war aber dann doch zuwenig, was unsterblich werden sollte. Denn es ist uns in einem Moment ja immer nur sehr wenig präsent. Anderes muss nach und nach wieder aus unserem Gedächtnis herausgeholt und neu durchdacht werden.
Deswegen wurde dafür die Seele erfunden, die Gesamtheit des Denkens und Fühlens, der Erfahrungen und der Erlebnisse eines Menschen .
Diese Gesamtheit stellt nach heutiger Kenntnis keine konstante Größe dar, sondern verändert sich ständig. Vieles verliert man aus dem Gedächtnis, vieles verwischt sich langsam und wird durch neue Eindrücke ersetzt. Welche Seele soll dann weiterleben? Das was zum Schluss im Alter noch von der eigenen Seele übrig geblieben ist ?
Stellen wir uns nochmal einen Menschen vor, der durch einen Schlaganfall Teile seines Erinnerung verloren hat. Würde bei ihm dann nur eine amputierte Seele weiterleben ?
Wenn man die Erinnerung und das Gedächtnis nicht zur Seele dazurechnet, kommt man mit der christlichen Vorstellung vom Jüngsten Gericht zu einem neuen Problem. Man konfrontiert eine Seele mit Sünden, von denen sie nichts mehr weiß. Kann man sie dann überhaupt dafür bestrafen ? Jedes menschliche Gericht würde das Verfahren wegen verminderter Schuldfähigkeit einstellen.
Die Definition der Seele überlappt sich in weiten Teilen mit der Auffassung vom menschlichen Geist.
Wo hört die Seele auf und wo fängt der Geist an ?
Was bleibt vom Geist im Körperlichen verhaftet und wird nicht unsterblich ?
Diese Fragen sind sehr schwierig zu beantworten und sie tauchen gar nicht auf, wenn man die Sterblichkeit unseres Geistes und unseres Gefühlslebens akzeptiert. Was ich unter den Begriffen Seele und Geist verstehe, findet sich im Kapitel 8.4. Definitionen.
Welche verständlichen Gründe gibt es an ein Weiterleben der Seele nach dem Tode zu glauben?
1.Man erhofft im Jenseits einen Ausgleich für die Ungerechtigkeiten dieser Welt.
2.Man möchte diejenigen, die man liebt, nach dem Tode wiedersehen.
3.Man möchte die Unabänderlichkeit des eigenen Todes nicht akzeptieren und die Angst vor dem Sterben vermindern, durch den Glauben an das danach Kommende.
Dies sind sehr menschliche Wünsche im Angesicht der Unausweichlichkeit des eigenen Todes und des Todes naher Angehöriger und angesichts der Ungerechtigkeit unserer Welt.
Ob es tatsächlich ein Weiterleben nach dem Tode von einem Teil unseres Geistes oder unserer Seele gibt, ist naturwissenschaftlich nicht zu beantworten. Ehrlich ist es zu sagen: Wir wissen es nicht und es ist wohl sehr unwahrscheinlich.
Ein für alle verstehbares Weiterleben des Menschen nach dem Tode findet folgendermaßen statt:
In der Erinnerung anderer Menschen
In den eigenen Leistungen:
in geschriebenen Büchern
in Filmen
in Musik
in Bauwerken
in wissenschaftlichen und sozialen Leistungen
Nur solange es Menschen gibt, gibt es also in diesem Sinne ein Weiterleben nach dem Tode. Immanuel Kant hat wohl Ähnliches gemeint als er schrieb: "Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird."
Eine Unsterblichkeit der Seele gibt es nicht. Das müssen wir akzeptieren, auch wenn es uns schwer fällt. Es würde unserer gesamten biologischen Erfahrung als sterbliche Lebewesen und damit einem Grundsatz der belebten Natur auf dieser Erde widersprechen. Welche unserer affenähnlichen Vorfahren hätten noch keine unsterbliche Seele gehabt und ab welcher Stufe der Menscheitsentwicklung wäre die Seele unsterblich geworden, müsste man fragen, wenn man sowohl den Unsterblichkeitsgedanken und auch die Evolutionstheorie ernst nehmen wollte.
Ein weiteres Problem des Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele ist der Gedanke an den Ort, wo diese Seelen dann weiterexistieren sollen, an das Jenseits.
Interessant sind die Vorstellungen vom Jenseits, die sich die Menschen in den früheren Zeiten machten. Der Phantasie waren da bisher keine Grenzen gesetzt. Eine ausführliche Darstellung der menschlichen Beschreibungen des Jenseits findet sich in dem Buch von Lang und McDannell ( lit 10 Lang,B., McDannell, C. " Der Himmel " ).
Unter Jenseits im naturwissenschaftlichen Sinne kann man all das verstehen, was wir noch nicht wissen, was wir nie wissen werden, was außerhalb unseres Sinnhorizontes liegt oder auch was in der Zukunft liegt. Allerdings ist der Begriff mit seiner religiösen Bedeutung vorbelastet und wird deswegen im nichtreligiösen Bereich kaum angewendet.
Der Gedanke, dass Tiere keine Seele haben sollen, ist eine Vorstellung, die mir als Jugendlicher erhebliche Probleme bereitet hat. Es war einer der wesentlichen Punkte, die mich am Gottesglauben zweifeln ließen.
Gerade als Kind hat man oft ein sehr intensives Verhältnis zu Tieren. Man fühlt sich von den Erwachsenen oft unverstanden und dann ist die Freundschaft mit einem Tier für viele Kinder und Jugendliche ein fester Halt.
Ich besaß in meiner Jugendzeit einen Hund. Mit diesem bin ich viel spazieren gegangen und habe mit ihm gespielt. Es gab und gibt für mich eigentlich keine Frage, dass auch ein Hund ein sehr intensives Gefühlsleben = Seelenleben hat.
In der christlichen Vorstellung hat angeblich nur der Mensch eine Seele. Sehr schön schildert diesen Widerspruch C.F.Weizsäcker in seinem Buch " Der Garten des Menschlichen". Im Konfirmandenunterricht wollte ihm der Pfarrer beibringen, dass Christen nicht an die tierische Abstammung des Menschen glauben dürfen, denn im Gegensatz zum Menschen hätten die Tiere keine Seele. "Mit tiefer Empörung fragte ich mich, wie diesem Pfarrer beim Jüngsten Gericht zumute sein werde, wenn er zusammen mit einem Pferd vor Gottes Gesicht ( Gericht ? ) werde erscheinen müssen."
Leider habe ich aber sonst von C.F.Weizsäcker kaum eine kritische Auseinandersetzung mit der Religion gefunden. Gerade von ihm wäre eine Abgrenzung, was am christlichen Glauben noch akzeptierbar und was aus naturwissenschaftlicher Sicht abzulehnen ist, sehr interessant gewesen.
Abbildung: Der Hund darf nicht in den Himmel, denn er hat angeblich keine Seele
Zieht man sich auf die Vorstellung einer unsterblichen Seele zurück, wie das auch der gottesgläubige C.F.Weizsäcker tut, so endet man in einem neuen Widerspruch. Diese unsterbliche Seele - der innerste Kern der Persönlichkeit eines Menschen - wird nicht richtig beschrieben. Vermeintlich äußere Teile des Gefühlslebens wie Aggression oder der Sexualtrieb fallen in der christlichen Vorstellung einfach unter den Tisch. Jedenfalls können solche "niederen" Eigenschaften nicht mit auferstehen. Die Seele muss erst geläutert werden. Biologisch ist das eine entscheidende Verarmung des Gefühlslebens. Der Sexualtrieb beispielsweise ist sicher einer der ältesten Gefühle überhaupt, gehört also zum innersten Kern unserer Seele.
Bei vielen Mädchen entwickelt sich die Tierliebe intensiver als bei Jungen. Viele gottesgläubige Mädchen antworten ohne zu zögern auf die Frage, ob Tiere in den Himmel kommen mit Ja. Wenn Menschen in den Himmel kommen, dann auch Tiere, so lautet ihre Antwort. Mit dieser Meinung stehen sie aber im Widerspruch zur christlichen Dogmatik.
Wenn man den Tieren eine unsterbliche Seele zubilligt, dann gerät man in ein neues Dilemma: Welche Tiere haben eine Seele und kommen in den Himmel ? Kommen nur die liebgewonnenen Haustiere wie Hunde, Katzen, Pferde etc in den Himmel oder auch Ratten, Mäuse oder gar Fische und Ameisen. Auch Ratten und Mäuse haben ein intensives Gefühlsleben. Und was wissen wir schon über das Gefühlsleben der Ameisen.
Ein schönes Zitat zu diesem Thema gibt es bei Cicero in dem II. Buche seiner Gesetze
"Was kann es Thörichteres, Anmaassenderes und Ungehörigeres für einen Menschen geben, als wenn er meint, er allein habe eine Seele"
Vielen Christen fällt es schwer zu akzeptieren, dass irgendwann das Leben auf der Erde zu Ende gehen wird. Dies ist zwar eine Aussage, die in die Zukunft reicht und sie könnte theoretisch angezweifelt werden. Jeder vernünftig denkende Mensch muss aber auch seinen eigenen Tod als sicheres Ereignis in der Zukunft akzeptieren. Genauso sicher, auch wenn es noch sehr weit von uns entfernt ist, ist das Ende allen Lebens auf der Erde. Das Leben auf der Erde endet spätestens dann, wenn die Sonne ausgebrannt ist und sich zu einem roten Riesen aufbläht.
Auch wenn viele Christen diese Tatsache als logische Schlussfolgerung aus unseren astronomischen Kenntnissen über das "Leben und Sterben" von Sternen wahrscheinlich doch einsehen werden, behalten sie sich immer vor, dass ja die Seelen der Menschen dann schon auferstanden und damit gerettet sind.
Genauso sinnlos wie das individuelle Leben ohne Weiterleben nach dem Tode für den Christen erscheint, so sieht mancher Christ auch das Schicksal der Menschheit als sinnlos an, wenn alle Natur und Kultur auf dieser Erde letztendlich zerstört werden.
Die Schlussfolgerung, dass die Menschheit, so wie auch jeder einzelne Mensch, aus der zur Verfügung stehend Zeit das Beste machen sollte und dass der Sinn des Lebens im diesseitigen Leben selbst liegt und nicht im Weiterleben nach dem Tode, fällt offensichtlich nicht leicht.
Abbildung : Kometen Krater Nördlinger Ries Ausschnitte Geologische Karte Bayern
Orginaltext: Wenn die Erde verdampft
In etwa fuenf Milliarden Jahren wird sich die Sonne zu einem roten Riesenstern aufblaehen - was wird dann aus der Erde? Neue Modellrechnungen eines polnischen und eines belgischen Astronomen zeigen nun, dass unser Planet vermutlich in die Sonne stuerzen und dort verdampfen wird. Es gebe lediglich eine kleine Wahrscheinlichkeit dafuer, dass die Erde die turbulenten Ereignisse am Lebensende der Sonne uebersteht, so die Forscher.
Bisherige Berechnungen der Endphase unseres Sonnensystems hatten zu unterschiedlichen Ergebnissen gefuehrt: Waehrend einige Astronomen voraussagten, dass sich die Erde von der Sonne entfernt und so ueberlebt, sahen andere Wissenschaftler sie im sich aufblaehenden Zentralgestirn verschwinden.
Das Schicksal der Erde haengt nicht nur davon ab, wie weit die Sonne sich genau ausdehnen wird. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. So wird die Sonne einen Teil ihrer aeusseren Huelle ins All abstossen - dadurch wird ihre Schwerkraft geringer und die Bahnen der Planeten wandern nach aussen. Andererseits wird die Erde sich durch die duenne Gashuelle des roten Riesensterns bewegen und deshalb durch Reibungskraefte abgebremst werden – so wandert sie also nach innen, auf die Sonne zu.
In der jetzt im Fachblatt "Icarus" veroeffentlichten Untersuchung beruecksichtigen die Astronomen erstmalig einen weiteren Effekt, die so genannte Gezeitenreibung. So wie der Mond Flutberge auf der Erde erzeugt, wird auch die Erde einen kleinen Flutberg auf der aufgeblaehten Sonne erzeugen - und dadurch Bahnenergie verlieren.
Auch dieser Effekt fuehrt also zu einer Annaeherung an die Sonne. Und das gibt nach Meinung der beiden Forscher den Ausschlag dafuer, dass die Erde keine Überlebenschance hat: Auf einer spiralfoermigen Bahn wird sie in die Sonne stuerzen und schliesslich verdampfen.
Neben den religiösen Grunddogmen stehen die moralischen Grundsätze, wie sie beispielsweise für den christlichen Glauben in den Zehn Geboten und in der Bergpredigt stehen.
Zehn (11) Gebote:
Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.
Du sollst dir kein Gottesbild machen.
Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen.
Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
Gedenke, dass du den Sabbat heiligst.
Du sollst Vater und Mutter ehren.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht ehebrechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut, deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh und Alles, was sein ist.
An den Zehn Geboten des Alten Testamentes fällt auf, dass die ersten vier Gebote nur dazu dienen, den Gottesgedanken abzusichern. Es darf keiner auf die Idee kommen, diese geistige Instanz abzuschaffen. Für die Einschätzung als Mensch sind diese vier ersten Gebote eigentlich völlig überflüssig. Wenn sich ein Mensch an die sechs letzten Gebote hält, dann reicht dies völlig aus. Er wird weder vor seinem eigenen Gewissen noch im Zusammenleben mit anderen Menschen Probleme haben.
Weiterhin fällt auf, dass die Frau im letzten Gebot als Eigentum des Mannes betrachtet wird. Dies muss als ein Zeichen der Diskriminierung der Frau gegenüber dem Mann aufgefasst werden.
Erstaunlich an der Bergpredigt ist, dass viele religiöse Leute sie als den moralischen Kern des Christentums ansehen ( Literatur z.B. C.F. Weizsäcker, Der Garten des Menschlichen, München Wien 1977 ). Gleichzeitig bereitet aber einerseits die Radikalität, andererseits die Widersprüchlichkeit der Aussagen der Bergpredigt allen Christen erhebliche Probleme. Es gibt wenige Christen die ehrlich eingestehen, dass sie durch die Bergpredigt überfordert sind und diese nicht verwirklichen können und wollen.
Ein relativ harmloses Beispiel für die Widersprüche ist die Forderung der Bergpredigt: "Du sollst nicht schwören !" Wenn man sich dann die Vereidigungen in unserem öffentlichen Leben ansieht, so heißt dort der Text : "Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe." Man ruft also den christlichen Gott zur Hilfe an, obwohl er eigentlich verboten hat zu schwören.
Diese Widersprüche und harten Forderungen der Bergpredigt haben dazu geführt, in vielerlei Weise an ihren Aussagen herumzudeuten, sie zu verändern und - um es mal salopp zu sagen - sie zu verbiegen und weich zu kneten.
Meiner Ansicht nach muss man aber die Bergpredigt in ihrer Aussage erst einmal so verstehen, wie sie dasteht. Dann erkennt man auch die Unerfüllbarkeit ihrer Maßstäbe. Dies haben übrigens auch die Evangelisten erkannt, denn sie schrieben : "Als Jesus diese Rede beendet hatte, entsetzte sich das Volk über seine Lehre." In der unten zitierten Übersetzung der Bergpredigt heißt es etwas abgemildert:" Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre;"
Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Problem der Bergpredigt aus der Sicht eines gläubigen Christen ist in dem lesenswerten Buch von Eike Christian Hirsch beschrieben, (E.C.Hirsch, Expedition in die Glaubenswelt, dtv sachbuch 11047, Seite 106. Die Bergpredigt, ein unmöglicher Text ) auch wenn ich in Sachen Gottesglaube mit dem Autor nicht übereinstimme.
Den Text der Bergpredigt aus der Einheitsübersetzung füge ich hier an. So kann sich jeder ein Bild machen, ob er deren Aussagen versteht und ob er sie akzeptieren will.
Überlegen Sie einmal genau , wo Sie dem Text der Bergpredigt zustimmen können und wo Sie den Text ablehnen. Ich kann zum Beispiel dem Abschnitt "Vom Töten und Versöhnen" nicht zustimmen. Er ist überzogen und unrealistisch streng. Auch der Abschnitt "Von den falschen Propheten" enthält mit seinem Bild von den früchtetragenden und nicht früchtetragenden Bäumen eine Schwarzweißmalerei der Menschen. Da wird unterteilt in gute und schlechte Menschen und die schlechten werden ins Feuer der ewigen Verdamnis geworfen. Nur so einfach sind die Menschen eben nicht einzuteilen.
Der Gottesgedanke - ein Ideenvirus
Der Gottesgedanke ein Ideenvirus
Der Gottesgedanke kann als eine Art Ideenvirus aufgefasst werden. Er nutzt die Weitergabe von Informationen von einem Menschen zum anderen aus. Er vermehrt und verändert sich in den Köpfen der Menschen, so wie biologische Viren den Vermehrungsmechanismus der Zellen ausnutzen oder Computerviren sich immer wieder auf der Festplatte eines Computers vervielfältigen. War Gott anfangs eine Erklärung für viele unerklärbare Phänomene der Natur, so ist er heute als Folge unseres immer tieferen Verständnisses der Natur ganz abstrakt und unangreifbar geworden. Er musste sich ständig verändern, da allzu grobe Widersprüche mit dem naturwissenschaftlichen Denken allmählich aussortiert wurden.
Es wird auch versucht, den Gottesgedanken möglichst früh in die Köpfe der Kinder zu bringen. Dies geschieht in einer Entwicklungszeit des Gehirnes, in der es noch Widersprüche als zwar unerklärbar aber akzeptierbar annehmen kann, da sie auch von den eigenen Eltern oder Lehrern vertreten werden. Jeder Erwachsene hat dann ein schlechtes Gewisssen, diese frühkindlichen Prägungen über Bord zu werfen, denn sie sind stark gefühlsmäßig verankert. Tritt man aus der Kirche aus oder heiratet man ohne kirchlichen Segen, dann hat man das Gefühl, die eigenen Eltern zu hintergehen.
Kaum jemand würde die Widersprüche des Gottesglaubens akzeptieren, käme er erst als Erwachsener mit dem Gottesglauben in Berührung und hätte man ihn schon frühzeitig auf die Gefahr fehlerhafter, allzu einfacher Erklärungen hingewiesen. Bezeichnend ist, wie kritisch jeder Christ anderen Konfessionen gegenübersteht. Obwohl beispielsweise der Islam mit dem Christentum nahezu identische Wurzeln hat, lehnen wir ihn alle fast ausnahmslos ab, da der Islam den Anblick einer intoleranten und gewalttätigen Ideologie bietet. Da sieht man den Splitter im Auge der fremden Ideologie sofort, erkennt aber den Balken im eigenen ideologischen Auge nicht.
Sehr schön wird das Prinzip der egoistischen Ideenviren von Richard Dawkins in dem lesenswerten Buch "Einsicht ins Ich" von D.R.Hofstadter und D.C.Dennett beschrieben. (lit 54 Hofstadter, D.R., Dennett, D.C. "Einsicht ins Ich, Fantasien und Reflexionen über Selbst und Seele" ). Beispiele für andere Ideenviren sind die Astrologie, die den Einfluss der Gestirne auf unser Verhalten postuliert, oder auch die Homöpathie, die die Möglichkeit einer Krankheitsbehandlung mit extrem verdünnten Stoffen propagiert.
Siehe auch Die Macht der Meme von Susan Blackmore , Spektrum Akademie Verlag.
Aus der Medizin weiß man, dass gegen Viruskrankheiten oft Impfungen mit ähnlichen, aber weniger gefährlichen Viren schützen. Wie kann also ein heute noch akzeptierbarer Gottesgedanke als ein Beispiel eines relativ ungefährlichen Ideenvirus aussehen ?
Meines Erachtens muss man den christlichen Gott der Bibel schon rein gefühlsmäßig ablehnen, denn er ist - beurteilt man ihn an Hand der Bibeltexte - gewalttätig und unberechenbar. Er ist intolerant Andersdenkenden gegenüber. Er propagiert Kollektivstrafen und Kollektivmord. Er treibt seinen eigenen Sohn sinnlos in einen grausamen Tod. Er ist Schwarzweißmaler und spielt sich zum ewigen Richter auf. ( lit 6.Buggle, F. "Denn sie wissen nicht,was sie glauben")
Gibt es neben der christlichen Gottesvorstellung , die man aus vernünftigen und ethischen Gründen ablehnen muss , andere Ansichten von Gott, die einigermaßen verträglich sind mit einer kritisch rationalen Weltanschauung . Ein Hauptproblem ist dabei die Ansicht der meisten Religionen , dass Gott eine Person sei . Diese "persönliche " Vorstellung von Gott ist mit dem naturwissenschaftlichen Denken kaum zu vereinen. Im folgenden habe ich Gottesvorstellungen aufgeführt, die mit einem kritisch-naturwissenschaftlichen Denken vereinbar erscheinen:
Wenn man schon an Gott glauben will, dann wäre Gott vielleicht der Urknaller . Das wäre auch von rational denkenden Menschen zu akzeptieren, denn am Anfang wird es immer eine Grenze unseres Wissens geben. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass so ein Gott nur ein anderes Wort für das eigene Nichtwissen ist. Dieser Gott wäre nie und würde auch nie auf der Erde aktiv. Dieser Gott wäre nie ein Richter über Menschen und es gäbe in dieser Vorstellung auch kein Leben nach dem Tode außer in der Erinnerung anderer Menschen. Auch die Menschwerdung Gottes ist bei so einer Gottesvorstellung undenkbar.
Gott , der Gesetzgeber der Natur
Eines der stärksten Argumente für eine tiefere ( göttliche?) Ordnung in der Welt ist die Existenz der Naturgesetze. Immer fester und besser wird unser Verständnis dieser Gesetze und immer erstaunlicher wird ihre universelle Gültigkeit, auch wenn noch lange nicht alle Widersprüchlichkeiten erforscht und beseitigt sind .
Die physikalische Theorie von der großen Vereinheitlichung hat sich allerdings als sehr widerspenstig und zäh erwiesen. Im Meer des Unwissens gibt es zwar mittlerweile einige recht stabile Inseln. Viel Nebel und tiefe Gräben liegen aber noch zwischen diesen Inseln, das sollte man nicht verkennen.
E = M*c*c (Einstein) E = h*ny (Planck)
Gott ein Mathematiker
Die Mathematik ist die Königsdisziplin der Geisteswissenschaften , gleichzeitig schlägt sie die Brücke zu den Naturwissenschaften. Sie ist vermeintlich sehr exakt. Sie kann in Ihren geometrischen Anwendungen sehr schön sein. Sie kann völlig nutzlos interessant sein. Sie wird wahrscheinlich universell verständlich auch für Lebewesen anderer Kulturen sein. Zusammenfassend kann man sagen , wenn es Gott gibt, muss er eine mathematische Ader gehabt haben.
Doch dann schleichen sich Probleme und Ungereimtheiten ein. Sperriges wie die Primzahlen, Widersprüchliches wie die Antinomien der Mengenlehre und Gödels Unvollständigkeitssatz. Auch das Parallelenaxiom zeigt Zeichen der Beliebigkeit und Willkür. So bekommt die göttliche Mathematik wieder ein paar Kratzer des Irdischen.
Meine Mathematikseite findet sich hier.
Wer sich in die Grenzen der Mathematik vertiefen will, der findet sie zb in diesem Buch:
The Limits of Mathematics
A course on information theory and the limits of formal reasoning
G. J. Chaitin (IBM Research)
Springer-Verlag Germany
(1998, xii + 148 pp., ISBN 981-3083-59-X).
This book presents the final version of Chaitin's course on the limits of mathematical reasoning. This course uses algorithmic information theory to show that mathematics has serious limitations, and features a new more didactic approach to algorithmic information theory using LISP and Mathematica software. The thesis of the book is that the incompleteness phenomenon discovered by Gödel is much more widespread and serious than hitherto suspected. Also Gödel and Einstein's views on the foundations of mathematics are discussed, and it is suggested that mathematics is quasi-empirical and that experimental mathematics should be used more freely. The software for this book can be downloaded from MathSource at Wolfram Research at http://www.wolfram.com by querying for ``0208-820''.
Kunstwerke können göttlich sein
"Die Musik von J.S.Bach und A.Vivaldi ist ein Beweis für die Existens Gottes."
Hoimar von Ditfurth
Setzen Sie einmal für den Begriff Gott den Begriff der Musik ein. Dann merken Sie , das die Idee der Musik eigentlich dem naiven Gottesglauben weit voraus ist. Jeder hat seine eigene Musik , die er mag . Musik hat einen direkten Zugang zu unserem Seelenleben. Sie bringt unser Gefühlsleben in Schwingungen ohne Worte zu benutzen. Sie predigt uns nichts , keine Moralvorstellungen , keine Gebote . Sie ist als Instrumentalmusik weitgehend ideologiefrei. Für mich ist die Musik somit etwas sehr wertvolles , wenn man so will etwas göttliches.
Dieselben Gedanken kann man zu allen anderen Kunstrichtungen anstellen . Auch die Malerei , die Literatur , die Filmkunst bringt großartige Werke hervor , die man durchaus als etwas sehr wertvolles verehren kann.
Gott in den Köpfen
Nietzsche meinte am Anfang des 20.Jahrhunderts , den Tod Gottes verkünden zu müssen. Er hat sich gewaltig getäuscht. Gott existiert weiter . Er existiert in Millionen menschlichen Köpfen als Idee und Leitlinie. Diese Idee hat viele Varianten und Ausprägungen . Aber sie existiert als geistiges Geschöpf und es wird wohl noch sehr lange brauchen , bis diese Vorstellung bei einer Mehrheit der Menschen im Kopf verblasst.
Pantheismus
Der Pantheismus ist für jemanden , der wie ich die Natur verehrt und als sehr wichtigen Lebensinhalt begreift , zunächst einmal eine sympathische Vorstellung . Alle Natur ist göttlich . Gott lebt in allen Geschöpfen . Leider liegt dem Pantheismus eine allzu romantische Naturauffassung zu Grunde. Bei Krankheiten , extremen aber immer noch natürlichen Verhaltensweisen , bei unglaublichen Grausamkeiten der Natur und bei Lebewesen wie zB Zecken oder Bandwürmern , die man nur ablehnen kann , stößt er schnell an seine Grenzen.
Die Mutterliebe , eine göttliche Eigenschaft ?
Herr Drewermann meint , dass das Göttliche in der Natur am ehesten in der Mutterliebe verwirklicht ist. Die Liebe der Mutter zu Ihren Kindern ist ein sehr starkes Prinzip. Dieses Prinzip hat eine biologische Grundlage und kann auch extreme Probleme überwinden. Ich zweifle aber daran, dass man es zu einem göttlichen Prinzip erheben sollte. Auch bei Ratten und bei Dinosaurierfamilien gibt es Mutterliebe , vielleicht auch bei Kakerlaken. Das Prinzip führt auch manchmal zu Mord und Totschlag, wenn eine Mutter ihrem Nachwuchs alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen will. Wer sich sachlich und umfassend zum Thema Mutterliebe in der Natur informieren will , dem sei folgendes Buch ans Mutterherz gelegt:
Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution.
von Hrdy, Sarah Blaffer: 2000. 773 S. ISBN: 3-8270-0240-0,- BERLIN VERLAG- 68.00 DM
Gott - ein Dialogpartner in Sachen Menschenrechte
Vielleicht wäre Gott auch als ein innerer Dialogpartner zu akzeptieren, bei dem man ab und zu Rat erfragen könnte. Dieser Dialogpartner müsste aber den Menschenrechten verpflichtet sein. Der biblische Gott ist dies leider nicht und ist deswegen als Dialogpartner abzulehnen. Man kann so einen inneren Dialogpartner auch als Gewissen oder Über-Ich bezeichnen und man sollte sich im klaren sein, dass man sich nur mit sich selbst oder in Gedanken mit anderen Menschen unterhält.
Schlussfolgerungen
Das sind Vorstellungen von einem Gott, wie sie heute vielleicht noch vertretbar sind. Den christlichen Gott muss man aus Gründen der Vernunft ablehnen, da er in vielerlei Weise dem gesunden Menschenverstand und den Erkenntnissen der Wissenschaft widerspricht. Man muss ihn aber auch gefühlsmäßig ablehnen, da die Menschenrechte bei ihm nicht gut aufgehoben sind.
Das Wort Gott wird von den Ideologen der Konfessionen in meinen Augen falsch und negativ besetzt. Deswegen sollte man lieber auf den Gottesglauben verzichten. Man sollte sich dann lieber mit Herz und Verstand einen Atheisten nennen. Das ist ehrlicher !
Dazu 2 Zitate von Ernst Mayr, dem großen Biologen des 20.Jahrhunderts:
"Es gibt nichts, was die Vorstellung von einem persönlichen Gotte unterstützen könnte. Ich bin Atheist. Es gab große Evolutionsbiologen, die an Gott geglaubt haben. Aber ich habe nie verstanden, wie man im Gehirn zwei völlig getrennte Fächer haben kann, und in einem liegt die Wissenschaft und im anderen die Religion."
"Ich glaube nicht an etwas Übernatürliches, aber ich glaube auch nicht, dass wir nur auf der Welt sind, um Spaß zu haben. Wir sind auf der Welt, um die Menscheit ein Stück besser zu machen."
Abschließen möchte ich dieses Kapitel mit einem Gedicht von Joseph Weinheber. Gedichte haben den Vorteil, dass man sich die Interpretation immer so zurecht legen kann, wie sie einem ins eigene Denken passt:
Einsame Zwiesprache von Joseph Weinheber
Kannst du zürnen, wenn ich dich frage, wo du wärst ohne mich?
Du wagtest mich erst am sechsten Tage, ich schuf mit einem Gedanken dich.
Und mit einem Gedanken tilge ich dein Sein,
reiße ich Bund und Schranken zwischen mir und dir wieder ein.
Siehe,du musstest ruhen, als das Werk du beendet in mir.
Ich baue in Sehnsucht und Liebe noch immer an dir.
Und darum nur bist du stärker und überragest mich:
Weil meine Sehnsucht und Liebe größer ist als ich.
( Aus Joseph Weinheber "Vereinsamtes Herz")
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