Taoismus

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Der Taoismus ist ursprünglich aus unterschiedlichen Traditionssträngen entstanden. Die Grundlagen legten die Schamanen und die Meister der Techniken (des Himmels) sie waren für Geisterbeschwörungen,praktizierten Exzorzismus und Kontaktaufnahme zu den Göttern und Verstorbenen zuständig. Durch Lao-tse, der c.a. spätes 4. bis frühes 3.Jh. v. Chr. gelebt hatte, wurde der Taoismus populär. Später in der Ming- und Tangdynastie wurde der Taoismus zur Volksreligion. Aus der Ming- und Tangdynastie gibt es auch am meisten Aufzeichnungen, was den Taoismus angeht. Es war die Blütezeit des Taoismus und das Zentrum der taoistischen Aktivitäten. Um ca. 180 n. Chr. wurde Lao-tse, nachdem er einige Male als Ratgeber auf die Erde zurückgekehrt war als Gott verehrt. Um das Jahr 1369 n. Chr. wurde die drei Denkweisen ( Taoismus,Buddhismus und Konfuzianismus) zusammengeführt. Zu dieser Zeit wurden auch erstmals große Organisationen von Menschen gegründet, die sich dem Taoismus angliederten. Der Taoismus hat weltweit schätzungsweise 400 Millionen Anhänger, die genaue Anzahl ist aufgrund der verschienden Ausprägungsformen und der unklaren Abgrenzung zu anderen Religionen nur schwierig zu erfassen.

Der Taoismus entstand in der Zeit vom 6. - 4. Jahrhundert v. Chr. in China, die legendenumwobene Gründergestalt ist Lao-Tse. Ihm wird das grundlegende Werk Tao Te King (Buch vom Dao und vom De, Buch vom Weltgesetz und seinem Wirken) zugeschrieben.

Das zweite Hauptbuch des Taoismus ist das Nan Hua Chen Ching (das wahre Buch vom südlichen Blütenland) in dem Dschuang Dsi (365 - 290 v. Chr) das Wesen des Taoismus in Parabeln und Anekdoten erläutert.

 
Als der Buddhismus im 5. Jahrhundert nach China kam (der Legende nach durch Bodhidharma) entwickelte sich unter starkem Einfluss des Taoismus der Chan-Buddhismus (?), der dann später in Japan zum Zen wurde.

Im chinesischen Volk waren lange Zeit taoistische Richtungen mit weniger philosophischem als vielmehr alchemistischem und magischem Charakter recht verbreitet, wie z.B. die Ch'üan Chen Schule (Schule der vollkommenen Verwirklichung) im 13. Jahrhundert nach Christus. Dieser Volkstaoismus verbreitete sich bis in die heutige Zeit in weiten Teilen Asiens, u.a. in Indien, und wurde immer mehr zu einer eher undurchsichtigen Religion mit vielen verschiedenen Geistern und Zauberriten. Es gab diverse gegenseitige Beeinflussungen mit dem Buddhismus und Konfuzianismus, sowie verschiedenen lokalen Kulten.

Ein Abkömmling der magischen Linie des Taoismus ist das Feng Shui.

Die philosophische Richtung des Taoismus hat auch im Westen eine gewisse Beachtung und Anhängerschaft gefunden, u.a. da sie mit der naturwissenschaftlichen Weltsicht gut vereinbar scheint. (Logiker Raymond N. Smullyan). Berühmte Anhänger und Kenner des Taoismus waren z.B. Hermann Hesse, Paul Ernst und Elias Canetti.

Dao als das zentrale Element des Taoismus wird oft wörtlich-konkret als "Weg" oder "Straße" übersetzt. Besser ist es jedoch, das Dao als eine unübersetzbare Definition eines umfassenden Weltprinzips zu verstehen, das dem Menschen rein rational nicht zugänglich ist. Der Mensch soll dieses Prinzip möglichst wenig durch bewusstes Handeln und Streben stören, sondern in mystisch-intuitiver Weise im Einklang mit diesem Gesetz leben. Dabei spielt der Grundsatz des "Handelns durch Nichthandeln" (wei wu wei) eine entscheidende Rolle. Der Begriff des "Nichthandelns" heißt aber nicht automatisch, dass gar nichts getan werden soll. Es bedeutet vielmehr, nicht gegen das Dao, also das Weltprinzip zu handeln.

Der zweite Teil des Tao-Te-King handelt von dem sogenannten De (Wesen oder auch Tugend). Vereinfacht könnte man sagen, das De ist das, wodurch das Dao erreicht wird.

Sowohl der Ausdruck Dao als auch das wu wei finden sich auch im Konfuzianismus. Dort steht jedoch Dao eher für den moralisch richtigen Weg, und der Grundsatz des Nicht-Handelns wird primär auf das Verhalten des Herrschers bezogen: So wird in den Gesprächen des Konfuzius (Lunyu, II, 1) der Herrscher mit dem Polarstern verglichen, um den sich alle übrigen Sterne zu drehen scheinen. Das Ideal des Herrschens besteht darin, nicht aktiv einzugreifen, sondern vor allem durch das Vorbild zu wirken.

Taoismus und Konfuzianismus gelten als Antipoden, wobei der Gegensatz erst mit den Jahren deutlicher herausgearbeitet wurde. Taoisten kritisieren besonders die strengen Riten des Konfuzianismus. In einigen taoistischen Gleichnissen, deren Echtheit im Konfuzianismus aber bezweifelt wird, erkennt Konfuzius die Überlegenheit des Laotse an. "Konfuzius sprach:'Ich habe diesmal wirklich einen Drachen gesehen. ... Sprachlos stand ich mit offenem Mund daneben. Wie hätte ich es da anfangen sollen, den Laotse zurechtzuweisen?' " (Dschuang Dsi " Das wahre Buch vom südlichen Blütenland", Eugen Diederichs Verlag 1992)

Inhaltsverzeichnis
1 Siehe auch:

Unterschiedliche Transskriptionen (Pinyin fett)

Tao - Dao - Dau
Taoismus - Daoismus - Dauismus
Lao-Tse - Laotse - Laudse - Laozi - Laulaidse - Lau Dan - Li Er
Tao-te-king - Daudedsching - Daodejing
Dschuang Dsi - Zhuangzi - Chuang-tzu

Literatur

Lao-Tse: Tao Te King, München 1994, ISBN 3-424-01230-0
Viktor Kalinke: Studien zu Laozi - Eine zweisprachige (deutsch/chin.) Ausgabe des Daodejing, Edition Erata, ISBN 3-934015-15-8
Dschuang Dsi: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, München 1969
Zhuangzi. Das klassische Buch daoistischer Weisheit. Übers. Victor H. Mair, Frankfurt/M. 1998.
Fritjof Capra:Das Tao der Physik, ISBN 3426773244
Raimond N. Smullyan: Das Tao ist Stille, Frankfurt 1994, ISBN 3-8105-1858-1
Theo Fischer: Lass dich vom Tao leben, Hamburg 2002, ISBN 3-499-60699-2
Theo Fischer: Wu wei, Hamburg 2002 , ISBN 3-499-19174-1

Weblinks


Siehe auch:

Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus

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