Entlastung der Stationsärzte         Zurück            Orginaltexte   Links                     


Einleitung :

Es werden Assistenzärzte gesucht. Stellen können nicht mehr besetzt werden. Der Beruf des Arztes im Krankenhaus wird zunehmend unattraktiv. Außerdem sind Arztstellen teuer, man muss sich überlegen, wie man Ärzte effizient einsetzt.

Was kann man dagegen tun ?

Wie kann man die Stationsärzte entlasten ?


Übernahme von ärztlicher Tätigkeit durch Schwestern, Pfleger und Arzthelferinnen

Blutentnahmen auf Station von den Schwestern machen lassen

Ultraschalluntersuchungen durch Schwestern machen lassen

Schrittmacherkontrollen durch Schwestern machen lassen

Die ersten drei Sätze der Anamnese + Leitsymptom + Einweisungsdiagnose von den Schwestern der ZPAU in den  PC eingeben lassen.

==> Entscheidend ist die Bürokratie Entlastung

( REHA Anträge stellen , Befunde schreiben , Briefe diktieren )

==> Sinnloses Herumtelefonieren zb um Befunde zu bekommen.


Bessere Stationsorganisation

Gute EDV   KIS Kriterien

AHB Anträge durch Sozialdienst machen lassen

Unterschriften reduzieren , bei ca 70 % der Briefe müßte m.E. die Unterschrift des Stationsarztes genügen

DRG Zettel Unterschriften reduzieren

Stationssekretärinnen,  die die Briefe vorbereitet

Vorläufiger Brief sollte zunehmend der endgültige Brief sein

Befunde als Kopie an den Brief anhängen

Fax und Kopierer auf jeder Station


Zeit und Geld:

Diktieren zu Hause / derzeit ca 70 % aller Briefe ) muß aufhören

Stechuhr: das Gemauschel mit den Überstunden muß aufhören

insgesamt bessere Bezahlung

Wochende und Abend besser besetzen und besser bezahlen

keine unbefristeten Stellen mehr

AIP abschaffen

Echtes Handy für den Diensthabenden und den Intensivdoktor

Bessere Bettenorganisation bei der Neuaufnahme:

mehr Betten für die Innere, jedesmal geht das Gewürge los , wenn ein paar Patienten mehr kommen

Pufferbereiche auf den Stationen , die man zu Stoßzeiten belegen kann

Studenten , Schwestern und Pfleger heranziehen

direkte Zusammenarbeit den Studenten anbieten


Was machen die Doktors gern ?

gute Diagnosen stellen

Erfolgreich medizinisch handwerklich tätig sein.

Neues lernen ( manche streuben sich auch dagegen)

Fälle diskutieren

Patienten gemeinsam anschauen

Ihr eigenes medizinisches Hobby pflegen

abendliche Fortbildungen

sich mit zufriedenen Patienten unterhalten


Was machen Doktors ungern ?

Briefe diktieren

in Hektik arbeiten ( zB Wochenende und Abends )

Formulare ausfüllen

immer wieder dasselbe aufschreiben

Befunde dokumentieren ( Schwester oder Arzthelfer daneben stellen und schreiben lassen )

langweilig immer wiederkehrendes machen

( dh Assistenten austauschen , Stationen wechseln , Aufgabenbereiche neu zuteilen )

Nachtdienst , Wochenenddienst ( hoch bezahlen )

eigene Fortbildungen vorbereiten


Links:

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,192952,00.html


Orginaltexte:

SPIEGEL ONLINE - 26. April 2002, 9:11

URL: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,192952,00.html

Junge Mediziner

Flucht aus der Klinik

In deutschen Krankenhäusern droht ein dramatischer Ärztemangel. Die Misere ist hausgemacht:

Extreme Belastung durch Überstunden, chaotische Arbeitsabläufe und Mobbing durch Chefärzte treiben

immer mehr junge Mediziner in andere Berufe.

Es gab einen Punkt in meinem Leben", erzählt Anna Bauer aus München*, "da dachte ich nur noch an Essen und

Schlafen." Das war vor vier Jahren, als sie noch als Assistenzärztin an einem angesehenen Lehrkrankenhaus in

Berlin arbeitete - bis an die Grenze zur totalen Erschöpfung.

Von morgens bis abends musste die junge Medizinerin Schwerkranke versorgen, und

nach Feierabend noch bis tief in die Nacht hinein im Labor forschen. "Sinnvolle

Ergebnisse", sagt sie, "konnten da nicht mehr rauskommen. Aber wenn ich wagte,

mich zu beschweren, bekam ich zur Antwort: 'Ich kann das Gejammere nicht mehr

hören. Machen Sie einfach!'"

Völlig hilflos war Bauer der Willkür des Chefarztes und der leitenden Oberärzte

ausgeliefert, die sie oft rücksichtslos aus ihrer dringenden Stationsarbeit herausrissen

und zu Hilfsdiensten im OP verpflichteten.

Wer stoppt die Ärzteflucht? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Usern!

Irgendwann reichte es ihr. Sie beschloss, dem Krankenhaus den Rücken zu kehren. Inzwischen arbeitet Bauer für

ein großes Pharmaunternehmen in München - und ist viel zufriedener als früher. "Man merkt einfach, dass der

Arbeitgeber in einen investiert", sagt sie. An ihren neuen Kollegen schätzt sie vor allem zwei Dinge: "Es ist

unglaublich angenehm, dass hier gewisse Grenzen der Höflichkeit eingehalten werden. Und außerdem wird bei der

Arbeit viel gelacht."

Warnungen vor dem Zusammenbruch der Kliniken

Tatsächlich denken immer mehr junge Mediziner wie Bauer und hängen den Weißkittel an den Nagel. 20 Prozent

der jährlich knapp 12.000 Studienanfänger im Bereich Humanmedizin brechen inzwischen ihr Studium ab; noch bis

vor wenigen Jahren lag diese Quote ziemlich konstant bei nur 3 Prozent. Weitere 20 Prozent satteln direkt nach

dem Examen um und gehen zu Unternehmensberatungen, in die Pharmaindustrie oder zu Versicherungen. Noch gar

nicht berücksichtigt sind dabei diejenigen, die nach ihrer Zeit als "Arzt im Praktikum" (AiP) den Beruf wechseln.

Die Folge: Obwohl genauso viele Frauen und Männer wie früher Medizin studieren, wird die Zahl der auf dem Markt

verfügbaren Mediziner immer geringer.

Vor allem die Krankenhäuser schlagen jetzt Alarm. Die Kliniken haben zunehmend Probleme, freie Stellen zu

besetzen. "Bei Ausschreibungen für Facharztstellen", beklagte soeben Heinz Lohmann, Vorstandssprecher des

Landesbetriebs Krankenhäuser Hamburg, "gab es früher oft 200 Bewerbungen, jetzt sind es manchmal nur 3" - eine

Quote freilich, mit der Unternehmen anderer Branchen noch höchst zufrieden wären.

Vergangene Woche schreckte auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Dachverband der

Krankenhausträger, die Öffentlichkeit auf. Vor einem "dramatischen Ärztemangel in den Kliniken" warnte

DKG-Präsident Burghard Rocke: "Was wir sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs - wenn wir nicht umgehend

handeln, ist ein Zusammenbrechen des Systems programmiert."

Angst macht den Krankenhausbetreibern vor allem ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Der EuGH

entschied im Oktober 2000, dass die Bereitschaftsdienste, wie sie Ärzte nachts und an den Wochenenden leisten,

voll auf die Arbeitszeit anzurechnen sind; bislang gelten sie in Deutschland als Ruhezeiten.

Miserable Arbeitsbedingungen, enorme Belastung

Würde die EuGH-Entscheidung auch in Deutschland umgesetzt (ein Grundsatzurteil hierzu wird demnächst

erwartet), würde dadurch die zulässige Gesamtarbeitszeit eines Krankenhausarztes erheblich sinken. 15 000 neue

Stellen, schätzt der Marburger Bund, die Vereinigung der Krankenhausärzte, müssten dann neu geschaffen

werden. Die DKG hat sogar einen Bedarf von 27 000 zusätzlichen Stellen errechnet - was jährlich bis zu 1,7

Milliarden Euro kosten würde.

"Um diese Stellen besetzen zu können", so DKG-Pressesprecher Andreas Priefler,

"müssten wir als Ultima Ratio sogar die Einführung einer Green Card für Ärzte aus

Osteuropa fordern."

Über solche Vorschläge kann Frank Ulrich Montgomery allerdings nur lachen. "Die

Deutsche Krankenhausgesellschaft sollte besser Deutsche Klagegesellschaft heißen",

spottet der Vorsitzende des Marburger Bundes. Für Montgomery steht fest: Wenn es

gelänge, den Arztberuf wieder attraktiver zu machen, drohte hier zu Lande auch kein

gravierender Ärztemangel.

Um die Flucht aus der Klinik zu stoppen, müsste sich aber einiges ändern. Denn in den

vergangenen 15 Jahren, in denen der Markt mit Medizinern überschwemmt wurde, hat der Arztberuf erheblich an

Attraktivität eingebüßt - vor allem in vielen Krankenhäusern sind die Arbeitsbedingungen miserabel.

Willkürlich agierende Chefärzte, ständige Reibereien zwischen Ärzten und Pflegepersonal, eine Verwaltung, die

jeden Kostendruck von außen sofort an die Ärzte weitergibt und teilweise groteske Arbeitsabläufe sorgen für eine

Belastung, wie sie kaum sonst irgendwo anzutreffen ist. In vielen Kliniken sind Arbeitszeiten von 24 oder gar 36

Stunden am Stück und von 70 Stunden und mehr pro Woche an der Tagesordnung. Nicht selten werden dabei,

damit sich dies überhaupt mit den geltenden gesetzlichen Arbeitszeitregelungen vereinbaren lässt, die Dienstpläne

systematisch manipuliert.

"Die meisten Patienten sind ziemlich zäh"

Mit viel Phantasie unterlaufen die Kliniken die geltenden Arbeitszeitbestimmungen. Ein beliebter Trick besteht darin,

Ärzte vor Nachtdiensten für einige Stunden nach Hause zu schicken (oft auch nur auf dem Papier) - denn dann

dürfen sie nach dem Dienst legal den gesamten nächsten Tag weiterarbeiten.

"Natürlich sinkt durch all dies die Qualität der Patientenversorgung", sagt Montgomery. Nach 24 Stunden Arbeit

reagiert das Gehirn etwa so wie mit einem Promille Alkohol im Blut: Behandlungsfehler, zumindest kleinere, sind fast

unvermeidlich.

"Man kann nur froh sein", sagt eine Ärztin aus München, die inzwischen den Absprung aus dem Krankenhaus

geschafft hat, "dass die meisten Patienten ziemlich zäh sind und kleinere Behandlungsfehler in der Regel

wegstecken können."

Nach Schätzungen des Marburger Bundes leisten Ärzte jedes Jahr rund 50 Millionen Überstunden. Nur ein Bruchteil

davon - wahrscheinlich weniger als 20 Prozent - wird überhaupt aufgeschrieben; noch weniger wird tatsächlich

bezahlt oder in Freizeit abgegolten.

"Geisterärzte" arbeiten sogar umsonst

Auf dem Höhepunkt des Ärzteüberschusses haben in bestimmten Fachrichtungen - etwa in der Dermatologie, wo

Klinikstellen besonders knapp waren - sogar ganze Belegschaften als so genannte Gastärzte ganz umsonst

gearbeitet. "Eigentlich müssten sie Geisterärzte heißen", sagt Anna von Borstell, die beim Marburger Bund für

Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Auf immer noch 3000 wird die Zahl der Gastärzte in Deutschland geschätzt. Sie

tauchen in keiner offiziellen Statistik auf. Von Borstell: "Nur ganz selten meldet sich mal jemand bei uns - immer

anonym."

Die meisten, die ohne Gehalt schuften, tun das, damit diese Arbeitszeit auf ihre Ausbildung zum Facharzt

angerechnet wird. Immer wieder klagte die Bundesärztekammer über das "Gastarztunwesen" - geändert hat sich

wenig.

Tatsächlich ermittelt die Staatsanwaltschaft nur in wenigen Einzelfällen. Und auch die Gewerbeaufsichtsämter

kontrollieren eher lasch. Oft dienen die offiziell ausgefüllten Überstundenzettel und Dienstpläne als Grundlage der

Überprüfungen; mit den tatsächlichen Verhältnissen hat das kaum etwas zu tun. Die meisten Verstöße bleiben

unentdeckt.

Lesen Sie im zweiten Teil:

Besonders junge Mediziner werden häufig bis an die Grenzen des Erträglichen getrieben. Stefanie Arnold* zum

Beispiel kam vor Erschöpfung irgendwann kaum noch die Treppe rauf. Rund hundert Überstunden hatte sie im

ersten Monat geleistet, sechs Nächte und jedes Wochenende durchgearbeitet. Auf ihrem Schreibtisch stapelten

sich die Krankenakten, bergeweise Formulare waren auszufüllen, ständig drohte ein Notfall.

Arnold war Assistenzärztin in einer internistischen Abteilung eines renommierten

Lehrkrankenhauses. Obwohl eigentlich noch Anfängerin musste sie ohne Einarbeitung

vom ersten Tag an die Verantwortung für 20 Patienten einer Herz-Spezialstation

übernehmen. Sie musste die Schwerkranken im Eiltempo durch eine ganze Batterie von

Untersuchungen schleusen, am Wochenende bis zu 35 Entlassungsbriefe diktieren und

ständig für den Fall bereitstehen, dass es bei einem Patienten zum Herzstillstand

kommt. Als ihr Oberarzt in Urlaub ging, war sie ganz auf sich allein gestellt.

Irgendwann konfrontierte sie den Chef mit ihrer übermäßigen Arbeitsbelastung. Gegen

die Überstunden hatte der ein einfaches Rezept: "Reden Sie einfach weniger mit den

Patienten."

"Da kam ich mir vor wie ein Sklave", sagt Arnold. Nach nur zwei Monaten kündigte sie. Die fünf Tage Urlaub, die ihr

noch zustanden, durfte sie nicht nehmen ("Dafür ist keine Luft"). Von ihren Überstunden, rieten ihr die Kollegen,

solle sie allenfalls einen Teil aufschreiben: "100 Stunden akzeptiert der Chef sowieso nicht."

Mit Aufgaben allein gelassen, denen er noch nicht gewachsen war, wurde auch Matthias Will in seiner Zeit als Arzt

im Praktikum: "Die hohe Verantwortung fast ohne jegliche Unterstützung hat mich schockiert."

McKinsey statt Krankenhaus

Der Mediziner aus Köln kann sich inzwischen nicht mehr vorstellen, noch einmal im Krankenhaus zu arbeiten. Dabei

hatte er das zu Beginn seines Studiums durchaus vor. "Mich haben vor allem die biochemischen Zusammenhänge

an der Medizin fasziniert", sagt er, "deshalb hatte ich vor, klinische Tätigkeit mit Forschung zu verbinden."

Nach seinem Examen 1999 allerdings wurde Will schnell eines Besseren belehrt. Vor allem seine Erfahrungen als AiP

(Bruttogehalt: 1100 Euro) haben dazu beigetragen. "Ich hatte zusätzlich zu meiner Stelle in Eigeninitiative

Forschungsgelder beantragt und für zwölf Monate bewilligt bekommen", erzählt Will, "aber ich kam nicht dazu, sie

auszugeben: Erst zwei Monate vor dem Ende meiner AiP-Zeit durfte ich von der Patientenstation, wo ich zwölf

Stunden täglich sowie nachts und an Wochenenden geschuftet habe, ins Labor wechseln."

Will zog daraus seine Konsequenzen: Er hatte Angebote von verschiedenen Unternehmensberatungen und arbeitet

seit September vergangenen Jahres bei McKinsey. "Der neue Job", sagt er, "gefällt mir sehr. Es macht Spaß, mit

anderen gemeinsam im Team Probleme zu lösen. Und wir sehen Erfolge, das ist sehr befriedigend."

Was viele trotz allem motiviert, Arzt zu werden, ist das immer noch hohe Ansehen, das Mediziner in der

Bevölkerung genießen. Im Krankenhaus ist der Schock für die jungen Ärzte dann groß: Dort stehen die

Berufsanfänger am untersten Ende der Hierarchie.

Frühstück neben der Leiche

Selbst die Telefonzentrale ist in der Regel luxuriöser ausgestattet als das beste Arztzimmer. Und wenn die

Mediziner sich nicht wehren, wird kaum eine Grenze respektiert. "Jahrelang war es hier sogar üblich, nachts

Patienten zum Sterben ins Arztzimmer zu schieben", berichtet zum Beispiel eine Ärztin an einem großen

Lehrkrankenhaus in Köln. "Kam ich morgens zur Arbeit, musste ich mich dann neben einer Leiche oder einem

Sterbenden umziehen und mein Frühstücksbrötchen essen." Schwestern und Oberarzt, darauf angesprochen,

fanden nichts dabei.

Zwar sind extreme Arbeitszeiten für Krankenhausärzte schon seit langem üblich. Doch früher stand am Ende der

Blut-Schweiß-und-Tränen-Zeit immerhin die realistische Chance, nach ein paar Jahren zum Einkommensmillionär

aufzusteigen. Heute hingegen müssen Jungärzte damit rechnen, einmal eine Praxis mit hohen Schulden und

unsicherem Einkommen am Hals zu haben - oder als Oberarzt mit mittelmäßigem Gehalt ein Leben lang der Willkür

des Chefs ausgesetzt zu bleiben.

Solche Zukunftsaussichten machen empfänglich für Alternativen außerhalb des Medizinbetriebes. Als Anfang der

neunziger Jahre mehr und mehr Ärzte arbeitslos wurden, begannen Arbeitsämter, Ärztekammern, Privatfirmen und

Universitäten systematisch, Schulungen in Krankenhausmanagement oder in Medizininformatik abzuhalten - mit

durchschlagendem Erfolg. "Eigentlich müssten wir das jetzt alles sofort stoppen", meint Thomas Kopetsch von der

Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Ob das allerdings noch so ohne weiteres möglich wäre, ist indes mehr als fraglich. Denn inzwischen sind Ärzte in

vielen Unternehmen sehr gefragt.

Zeitverschwendung durch Verwaltung

"Die Krankenhäuser müssen eben eigene Anreize schaffen, um die Ärzte zu gewinnen und zu halten", sagt

Montgomery. So geht er davon aus, dass derzeit allein Tausende Ärztinnen nur deswegen nicht arbeiten, weil sich

Kinder und Krankenhaus so gut wie nie vereinbaren lassen. Montgomery: "Wenn Ärzte dringend gebraucht werden,

muss ein Krankenhaus dann eben auch mal so flexibel sein und Ärztinnen mit Kindern vom Nachtdienst befreien."

Auch sonst könnten die Mediziner schon durch kleine Veränderungen entlastet, der Arztberuf attraktiver und die

Kosten gesenkt werden. Oft sind die Arbeitsabläufe zum Beispiel dermaßen schlecht organisiert, dass viele Ärzte

jeden Tag mehrere Stunden mit eigentlich unnötigen Verwaltungsaufgaben vertun müssen.

So gibt es in vielen Krankenhäusern bis heute kein einheitliches Computersystem. Befunde müssen deshalb - von

der Aufnahme bis zur Entlassung des Patienten - wieder und wieder abdiktiert werden; ein einfaches Kopieren per

Mausklick funktioniert nicht.

Verzweifelte Ärzte, die mit dem Diktieren der Entlassungsbriefe einfach nicht mehr hinterherkamen, haben, wie

Montgomery berichtet, schon ganze Koffer voller alter Krankenakten einfach in einen tiefen See versenkt oder

verbrannt.

"Mittelalterliche Arbeitsabläufe"

"Jeden Tag bin ich fast eine Stunde allein damit beschäftigt, Röntgenbilder oder Krankenakten zu suchen, die

irgendwo im Haus verloren gegangen sind", stöhnt eine Ärztin aus Köln. "Mittelalterlich", kritisiert der Mediziner und

Arbeitsforscher Walter Friesdorf von der TU Berlin die Arbeitsabläufe in den Kliniken, die er in mehreren Studien

gründlich untersucht hat: "Krankenhäuser geben nur ungefähr ein Zehntel so viel wie die Autoindustrie für eine

effiziente Arbeitsorganisation aus - dabei hätten die Kliniken es viel dringender nötig."

Mittlerweile verbringen Krankenhausärzte zwischen 30 und 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Papierkram. Und mit

steigendem Kostendruck wird der Bürokratismus immer schlimmer: Seit Anfang des Jahres müssen die Ärzte jeden

Handgriff, den sie am Patienten verrichten, im Computer verschlüsseln - für jeden wieder eine unbezahlte

Überstunde pro Tag mehr.

"Wenn man selbst mit drinsteckt in diesem System, macht man mit und hält das für normal", sagt Bauer

rückblickend zu dem alltäglichen Wahnsinn, den sie als Krankenhausärztin erlebte. "Wenn man aber von draußen

draufguckt, denkt man nur noch: Die spinnen ja alle."

VERONIKA HACKENBROCH


SPIEGEL ONLINE - 04. April 2002, 12:13

URL: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,190096,00.html

Ärzteschwund

"Die Besten gehen nach Amerika"

In deutschen Krankenhäusern grassiert der Ärztemangel - immer mehr Stellen bleiben frei. Angehende Mediziner können beim Berufsstart inzwischen wählerisch sein, doch den Standesvertretern bereitet der Aderlass Kopfzerbrechen.

Etwa jeder fünfte Medizinstudent lässt den Abschluss sausen, und die besten jungen Ärzte wandern ins Ausland ab, vor allem in die USA. Das beklagt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Ärztemangel in Deutschland drohe nicht, sondern sei längst Wirklichkeit, sagte der Vorsitzende Jürgen Meyer am Mittwoch kurz vor Beginn eines Internistenkongresses in Wiesbaden.

Für Abiturienten gilt die medizinische Ausbildung offenbar nicht mehr als besonders reizvoll. Neben dem "langen und arbeitsintensiven Medizinstudium" sehen die Internisten auch die unsicheren Berufsperspektiven als Grund für den Ärzteschwund. Durch Einschränkungen der Niederlassungsfreiheit gebe es kaum noch Möglichkeiten, sich mit einer eigenen Praxis selbständig zu machen. Zudem seien die Zeiten blendender Verdienstmöglichkeiten längst passé, betonte DGIM-Generalsekretär Hans-Peter Schuster.

Bessere Forschungsbedingungen im Ausland

Nach Auffassung von Schuster erlebt Deutschland in der Medizin offenbar einen ähnlichen Aderlass wie in anderen wissenschaftlichen Arbeitsfeldern: Die USA böten jungen Top-Medizinern weitaus bessere Arbeitsbedingungen.

Dort könnten sie viel unbelasteter von täglichen Routineaufgaben ihren Interessen in der Forschung folgen.

"Die Besten gehen nach Amerika", bestätigte auch Jürgen Meyer. Die Zahl der Approbationen und der Ärzte im Praktikum sei seit 1994 um ein Viertel gesunken. Zudem brechen nach Angaben Meyers derzeit rund 2400 der jährlich 12.000 Medizinstudenten ihr Studium ab. Ein großer Teil des Nachwuchses wandere in fachfremde Berufe oder ins Ausland ab, beschrieb er den "Brain Drain". Und wer erst einmal einige Jahre in den Vereinigten Staaten gearbeitet habe, bleibe häufig für immer dort.

Die Krankenhäusern melden bereits reichlich offene Stellen, mit steigender Tendenz. Auf rund 2000 Ärzte bezifferte Meyer die momentane Lücke. Abwanderungstendenzen hoch qualifizierter Akademiker seien aber nicht nur bei Medizinern, sondern auch bei Chemikern, Physikern und Ingenieuren zu beobachten.

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Junge Mediziner: Klare Tendenz zum Workaholic (08.06.2001)

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,138417,00.html

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