Heparin induzierte Thrombozytopenie     Zurück   


Orginaltexte

Maßnahmen bei Heparin - induzierter Thrombozytopenie (HIT)

Bei einer kleinen Zahl von Patienten kommt es unter der Gabe von Heparin zu einer Thrombozytopenie. Bei diesen Patienten ist eine entsprechende Diagnostik auf HIT empfehlenswert.

Bei Bestätigung der Diagnose ist ein Gerinnungstherapie ohne jegliches Heparin zu veranlassen.

HIT Typ I:

HIT Typ II:

Diagnostik:

Therapie:

Orgaran®-Therapie:

Beginn mit Bolus von 1500 IE i.v.

dann Orgaran® - Perfusor 1500 IE/50 ml NaCl 0,9%

Steuerung nach Hep - Zeit (zwischen 70 und 100 s)

tägl. 2 mal Hep - Zeit bestimmen

Hirudin®-Therapie:

bei Kreuzreaktion Heparin/Orgaran®

bei normaler Nierenfunktion

kontinuierliche i.v.-Gabe von 0,1 mg/kg KG/h

(Perfusor mit 1 Amp. Hirudin® auf 50 ml NaCl 0,9%)

alle 4 h PTT kontrollieren (Richtwert 60-80 s)

täglich Kreatinin Kontrolle

Orginaltexte:

Pneumonologie DER INTERESSANTE FALL Jahrgang 55 (Heft 1/2001), Seiten 44-50

Heparininduzierte Thrombo-zytopenie Typ II als Ursache eines schweren Rezidivs einer Lungenembolie

F. Nickels1, T. Müller1, C. Schulz1, C. Nabel1, A. Sigel1, W. Notheis1, F. Muders1, M. Reng2, G.A. J Riegger1, M. Pfeifer1

1Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II (Direktor: Prof. Dr. G. A. J. Riegger), Bereich Intensivmedizin, Klinikum der Universität Regensburg

2Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I (Direktor: Prof. Dr. J. Schölmerich), Klinikum der Universität Regensburg

Zusammenfassung:

Die heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) stellt eine seltene Komplikation einer Heparintherapie dar. Die schwere Form HIT II ist gekennzeichnet durch eine Thrombozytopenie und thrombotische und thromboembolische Ereignisse. Wir berichten über einen 24-jährigen Mann, der initial auf unserer Intensivstation mit einer zentralen, rechtsseitigen Lungenembolie und einer Beinvenenthrombose der rechten V. femoralis superficialis aufgenommen, und anschließend einer systemischen Urokinase-Lysetherapie über 7 Tage zugeführt wurde. Darunter kam es zu einer fast vollständigen Rückbildung der pulmonalen Emboli. Anschließend erfolgte die Verlegung des Patienten auf eine periphere Station, wo eine Heparintherapie und eine überlappende Marcumartherapie weitergeführt wurde. Nach 6 Tagen wurde die Wiederaufnahme des Patienten auf die Intensivstation erforderlich. Der Patient bot hierbei das klinische Bild einer hämodynamisch wirksamen, im CT-Thorax bestätigten, beidseitigen zentralen Lungenembolie. Weiterhin zeigte sich eine Zunahme der Beinvenenthrombose rechtsseitig bis in Höhe der V. iliaca externa. Auffallend war zudem, dass die Thrombozytenzahl, die zuletzt vor 3 Tagen kontrolliert wurde, von 112 000/µl auf nun 35 000/µl abgefallen war. Klinisch bestand der Verdacht auf eine HIT II. Mittels ELISA konnte der positive Nachweis von Antikörpern gegen PF4-Heparin-Komplexe erbracht werden. Nach Implantation eines temporären V.-cava-Schirmes und unter erneuter Lysetherapie und Umstellung der Heparintherapie auf Lepirudin stabilisierte sich der klinische Zustand mit fast vollständiger Normalisierung der pulmonalen Druckwerte. Die Thrombozytenzahl normalisierte sich bereits innerhalb von 3 Tagen unter Lepirudintherapie. Die HIT II stellt eine schwere Komplikation einer Heparintherapie dar. Neben der Darstellung der Kasuistik wird auf die Früherkennung, Differenzial-Diagnosen, insbesondere zur HIT I und die Therapie eingegangen.

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