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SI Einheiten und Größenbezeichnungen

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Datenbank der Medizinserver in Deutschland

Was bringt das Internet für Mediziner

E Leitlinien für den E-Mail-Versand in der Medizin

E Telematik Sammlung

E Elektronischer Arztausweis

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Orginaltexte

E Grundlagen der Medizinische Informatik

Medizinische Probleme der Computerarbeit

Von müden, roten und schmerzenden Augen allerdings können alle, die

mit dem Computer regelmäßig arbeiten, betroffen sein. Nach einem

langen Arbeitstag, Eingaben von Abrechnungsziffern, Einscannen von

Befunden und endlosem Drucken verschiedenster Formulare, flimmert

es mancher Arzthelferin vor den Augen. Bekannt ist, daß

Bildschirmarbeit auch zur Verspannungen der Augen- und

Gesichtsmuskulatur führen kann.

SOL-Massage ist eine einfache Übung zum Entspannen

Dagegen kann jede Arzthelferin selbst etwas tun. Eine gute Hilfe für

gestreßte Augen ist die SOL-Massage, eine einfache Übung zur

Entspannung der oberen Gesichtshälfte. SOL bedeutet

Stirn-Ohren-Linie. So gehen Sie vor: Legen Sie die beiden Mittelfinger

auf die Mitte Ihrer Stirn. Dann massieren Sie in kleinen

Kreisbewegungen unter leichtem Druck an einer gedachten Linie

entlang nach außen bis zu den Schläfen. Vor dort weiter zu den Ohren

und entlang den Ohren nach unten bis zum unteren Ohrenansatz. Es

reichen 20 Sekunden für einen Durchgang, den Sie fünfmal wiederholen

können.

Andere Übungen sind ebenfalls hilfreich, und können auch als Tip an

betroffene Patienten weitergegeben werden:

1. Die Brillenträger-Massage: Mit Daumen und Mittelfinger einer Hand

werden zu beiden Seiten der Nasenwurzel und der Zeigefinger ein

wenig darüber auf die Stirn gelegt. Nun massieren Sie diese Punkte für

etwa fünfzehn Sekunden! Die Finger beschreiben dazu kleine

kreisförmige Bewegungen auf der Stelle.

2. Das Konturenwandern: Bildschirmarbeit zwingt zum ständigen

Sehen auf stets gleiche Entfernung. Sie können diese schädliche

Monotonie durchbrechen, indem Sie zwischendurch einfach Ihren Blick

auf einen weit entfernten Gegenstand richten. Nach Möglichkeit weiter

als sechs Meter. Das ist die Entfernung, von der sich die Augenlinse auf

unendliche Entfernung einstellt. Folgen Sie nun einfach für einen

Moment den Konturen dieses entfernten Gegenstands!

Natürlich ist es eine verführerische Übung; nur allzuleicht verliert man

sich in Tagträumerei, und weder Chef noch Patienten haben

Verständnis für verlorene Blicke. Trotzdem braucht es nur wenig Zeit,

dem Auge etwas Ruhe zu gönnen oder gezielt zu trainieren.

Die Fähigkeit des Auges, sich durch Veränderung der Linsenkrümmung

auf nahe oder ferne Objekte einzustellen (Akkomodation), kann man

auch auf kurze Distanz gezielt trainieren.

3. Die Akkomodations-Übung: Bedecken Sie mit der rechten Hand das

linke Auge (und umgekehrt). Üben Sie dabei keinen Druck auf den

Augapfel aus. Dann bewegen Sie die andere (freie) Hand schnell auf

das offen Auge zu und wieder davon weg. Wiederholen Sie die Übung

zehnmal für jedes Auge!

4. Das Palmieren: Das hilft besonders gut, wenn die Augen schon

gerötet sind. Beide Augen werden ganz mit den Händen bedeckt,

wobei die Finger auf der Stirn ruhen. Es soll kein Licht mehr eindringen.

Doch drücken Sie keinesfalls mit den Handflächen gegen die Augäpfel!

Die Nasen-atmung darf nicht durch starken Druck gegen die

Nasenflügel behindert werden.

Am besten schließen Sie die Augen! Nun versuchen Sie sich ganz

intensiv etwas Schönes und möglichst Buntes vorzustellen! Das könnte

eine Erinnerung an den vergangenen Urlaub sein oder an ein anderes

besonders beeindruckendes Erlebnis. Wichtig ist, daß Sie Freude haben

an dem, was vor Ihrem geistigen Auge vorüberzieht und Sie können

diesen Eindruck für zwei bis drei Minuten aufrechterhalten. Dann

nehmen Sie die Hände vorsichtig nach vorne weg und öffnen langsam

wieder die Augen!

Der Wechsel von dunkel zu hell sollte langsam gehen

Der Wechsel von dunkel zu hell sollte nicht abrupt erfolgen. Schon

allein die Ruhephase für die Augen bei dieser Übung tut gut. Durch die

Vorstellungsübung werden gleichzeitig noch die Sehzentren des

Gehirns aktiviert, und das Bedecken führt zu einer Erwärmung der

Augenoberfläche. Wer zu geröteten Augen neigt, sollte diese Übung

mehrmals täglich wiederholen.

5. Kinesiologische Übungen: Die Kinesiologie ist eine ganzheitliche

Heil- und Behandlungsmethode, die das Stärkende sucht und das

Schwächende meidet. Mit kleinen Übungsprogrammen, die man unter

Anleitung eines erfahrenen Therapeuten (zum Beispiel an einer

Volkshochschule) erlernen kann, wird der Körper dabei unterstützt, die

Harmonie aufrechtzuerhalten, geistig und körperlich fit zu bleiben und

das allgemeine Energiepotential zu erhöhen.

Adressen von kinesiologischen Anwendern gibt es zum Beispiel bei der

Deutschen Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie, Dietenbachstraße

22 in 79199 Kirchzarten.

6. Energie atmen: Die Übung eignet sich für Ihre Tee- oder

Mittagspause. Kaum jemand atmet (noch) richtig. Richtig wäre die

Bauchatmung. Doch die meisten von uns sind hastige Flachatmer, die

verbrauchte Luft in den Atemwegen hin- und herschieben. Wenn es

mal wieder bei der Arbeit hoch hergeht, nutzen Sie die Pause zum

Energietanken!


Bei SAP kranken die Kliniklösungen

13.02.2003 um 13:32 Uhr

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In vielen Kliniken leidet die IT-Abteilung.

Neben den komplexen Arbeitsabläufen, die von Krankenhaus zu Krankenhaus

verschieden sind und sich nur schwer in der IT-Infrastruktur abbilden lassen,

bemängeln die Administratoren die meist mangelhafte Unterstützung der

Softwareanbieter. Dabei steht immer wieder SAP im Mittelpunkt der Kritik.

Im jüngsten Bericht des Bayerischen Rechnungshofes kommen die

Universitätskliniken in München, Regensburg, Erlangen und Würzburg nicht gut

weg, was ihre IT-Strategie betrifft. So sei es nicht gelungen, Entwicklungen und

Ressourcen effizient zu bündeln. Applikationen für die gleichen Aufgaben seien

mehrfach parallel entwickelt worden. Außerdem hätten es die Verantwortlichen

nicht geschafft, SAP-Anwendungen einheitlich an die klinikspezifischen Belange

anzupassen.

Foto: Argum

Probleme habe es den Rechnungsprüfern zufolge vor allem mit dem

SAP-Produkt IS-H (Industry Solution for Hospitals) gegeben, mit dessen

Hilfe Patienten ursprünglich einheitlich verwaltet und abgerechnet werden

sollten. Trotz dieser Pläne würden bei verschiedenen klinischen

Einrichtungen nach wie vor Subsysteme für diese Aufgaben eingesetzt.

Dabei gebe es Probleme beim Datenaustausch mit dem SAP-System. Die

Folge sei, dass Daten zum Teil mehrfach erfasst würden oder ganz

verloren gingen. Außerdem lehnten es viele Ärzte wegen der

umständlichen Handhabung weitgehend ab, ihre Diagnosen und Leistungen

mit IS-H zu erfassen.

Ein weiteres Manko der SAP-Lösung sei laut dem Rechnungshofbericht

die fehlende Abrechnungsmöglichkeit ambulanter Kassenpatienten mit den

kassenärztlichen Vereinigungen. Da diese Abrechnungen aufgrund der

fehlenden Zertifizierung mit IS-H nicht akzeptierten, hätten für weit mehr

als 100 000 Euro ergänzende Individuallösungen angeschafft werden

müssen. Zusätzlich würden jährlich Zuschläge in Höhe von 1,5 Millionen

Euro an die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) fällig, da die

Abrechnungsdaten manuell eingereicht würden. Insgesamt hätten die

Unikliniken rund acht Millionen Euro in die Patientenverwaltung und

-abrechnung investiert. Davon hätte ein Großteil durch eine bessere

Abstimmung der verschiedenen Einrichtungen eingespart werden können,

lautet das Fazit des Rechnungshofes.

Neben IS-H kritisieren die Prüfer auch den Einsatz des

Personal-Management-Systems HR (Human Resources) von SAP. So

seien trotz jahrelanger Entwicklung von Seiten SAPs die Module für

Dienstplanung und Überstundenabrechnung nicht einsatzreif. Diese

müssten trotz der Investitionen in Höhe von 870000 Euro nach wie vor

manuell abgewickelt werden.

Kliniken wollen Eigenständigkeit wahren

Das für die Unikliniken zuständige Staatsministerium für Wissenschaft,

Forschung und Kunst weist die Vorwürfe zurück. Die verantwortlichen

Gremien hätten sich stets um eine möglichst weitgehende Einheitlichkeit

bemüht. Von Mehrfachentwicklungen für gleiche Aufgaben wisse man

nichts. Letztendlich seien die Universitätskliniken eigenständige

Staatsbetriebe, deren Vorstände die volle Verantwortung für die

Informationstechnik übernehmen müssten. Das Staatsministerium setze

jedoch auf "deren aus innerer Überzeugung getragene Zusammenarbeit",

heißt es in der Antwort auf den Bericht.

Damit ist es jedoch nicht weit her. Birgit Tege, die die IS-H-Systeme an

der Uniklinik in Regensburg betreut, weiß nichts von einem Austausch

zwischen den einzelnen Einrichtungen. Es wäre aus ihrer Sicht durchaus

sinnvoll, sich in Sachen Standardfunktionen zusammenzutun. Dies

scheitere jedoch meist an den individuellen Vorstellungen der

Verantwortlichen, was letztlich wieder auf Einzelentwicklungen

hinauslaufe.

Spiele um Macht und Kompetenzen

Virtuelles Krankenhaus simuliert Arbeitsabläufe

In Braunschweig hat der weltweit erste Krankenhaussimulator seinen Betrieb aufgenommen. Das virtuelle Hospital soll helfen, Arbeitsablaeufe  besser zu organisieren. Bevor man sie in die Praxis umsetzt, koennen neue Modelle im Computer geuebt, getestet und bewertet werden. Die Urauffuehrung des Krankenhaussimulators ist im Rahmen der Weltausstellung EXPO2000 fuer August 2000 vorgesehen.

Entwickelt und erprobt wird das Programm bis dahin am Institut fuer Medizinische Informatik der TU Braunschweig. Beteiligt ist auch das Staedtischen Klinikum Braunschweig; es ist das groesste in Niedersachsen.  

Am Beispiel seiner Frauenklinik werden zunaechst die einzelnen Taetigkeiten  ermittelt, die bei der Betreuung von Patientinnen ablaufen. Sie werden computergerecht aufbereitet und im virtuellen Modell abgebildet.

Moegliche Verbesserungen sollen dann mit animierten Simulationen am  Computer geuebt und bewertet werden. AEhnlich wie bei einem Flugsimulator  koennen die AEnderungen anschaulich fuer alle Mitarbeiter dargestellt und mit dem gegenwaertigen Zustand verglichen werden. Es wird rein virtuell  geprueft, wie sich neue Diagnose-, Therapie- und Pflegeverfahren auf die  taegliche Arbeit auswirken wuerden.

Quelle: Technische Universitaet Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, 22.11.99


Krebszentrum stellt Krankheits-Management ins Netz

Das MD Anderson Cancer Center der Houston University in Texas hat ein Patientenverwaltungssystem ins Internet gestellt. Ziel dieses Projekts ist die Standardisierung der Gesundheitsfuersorge in allen Abteilungen des MD Anderson Cancer Center. Die IT-Abteilung des Zentrums hat mit dem Unternehmen iKnowMed eine vertragliche Vereinbarung fuer die Erstellung verschiedener, angeschlossener Websites zum Krankheits-Management getroffen. Nach Eingabe der Patientendaten ueber das Internet wird eine Liste mit den Behandlungsmethoden fuer die verschiedenen Krankheitsstadien angezeigt. Fuer die Erstellung der Internetseiten wurde ein Arzt engagiert, der den IT-Experten die medizinischen Fachausdruecke und Zusammenhaenge erlaeutert hat. Die Website wurde 1999 von MD Anderson in Orlando offiziell eroeffnet, der Zugriff auf die Website erfolgt ueber eine T1-Verbindung zu dem Server in Houston. MD Anderson plant die Erstellung aehnlicher Websites fuer weitere Krankheiten, die langfristig in eine elektronische Krankenakte integriert werden sollen. Weiterhin sollen separate elektronische Datenbanken fuer die Bereiche Forschung und Berichtswesen erstellt werden. (Health Data Management, April 2001)

MD Anderson Cancer Center

(http://www.mdanderson.org/ )

iKnowMed

(http://www.iknowmed.com/ )


Heller, Christian

Medizinische Informatik: Open Source erreicht die Medizin

Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 23 vom 08.06.01, Seite 18 [SUPPLEMENT: Praxis Computer]

Projekte freier, nichtkommerzieller Software etablieren sich zunehmend auch für den Einsatz in der Medizin. Der Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle Entwicklungen.

Der Grundgedanke der Open-Source-Initiative beruht darauf, dass der Programmcode einer Software frei verfügbar ist, sodass sich jeder an der Weiterentwicklung der Software, die Gemeinschaftseigentum“ ist, beteiligen kann. Da Open-Source-Projekte von Entwicklern vieler Länder bearbeitet werden, die über das Internet miteinander kommunizieren, sind von vornherein Kommunikationsfähigkeit und Internationalisierung, aber auch Sicherheit und Stabilität der Software wesentliche Aspekte des Entwicklungsprozesses. Die Medizin-Projekte sollen – im Gegensatz zu kommerziellen Produkten – zu allgemein akzeptierten Lösungen und gegebenenfalls auch Standards führen. Der Schwerpunkt gegenwärtiger Aktivitäten liegt in der Entwicklung elektronischer Patientenakten. Im Wesentlichen lassen sich zurzeit zwei Strömungen beziehungsweise Projektgruppen unterscheiden.

Ansatz von unten

Die eine möchte möglichst praxisnah von unten beginnen und dann Schritt für Schritt durch Anpassungen eine größere Software erstellen. Das ist ein in der Open-Source-Gemeinde bewährtes Konzept; es wird viel ausprobiert und wieder verworfen, bis sich schließlich eine ausgereifte Lösung einstellt. Im Bestreben, möglichst plattformneutral, das heißt betriebssystemunabhängig zu sein, setzt die Mehrheit dieser Projekte auf Web-Technologien, wie die Kombination aus Script-Sprache und Application-Server. Während auf Script-Sprachen basierende Anwendungen auf ein Interpreter-Programm (zum Beispiel Internet-Browser) angewiesen sind, das für die Ausführung der Anwendungen sorgt, werden mit klassischen Programmiersprachen erstellte Programme übersetzt und sind dann sofort startbereit und als Systemprozess selbstständig lauffähig.

Script-Sprachen-Lösungen:

Hierzu zählt als nicht webbasierter Vertreter zunächst Tkfp (Tk_familypractice). Das Programm bietet mehrere Module mit unterschiedlichen Funktionen – wie Patientenverwaltung, Verordnung, Terminplanung, Abrechnung – an und speichert die Daten in einer XML-Datenbank. Als eines von wenigen medizinischen Open-Source-Paketen wird es von einem Arzt in der Praxis bereits eingesetzt.

Ähnlich gelagert, jedoch webbasiert, ist FreeMED, das die Sprache PHP benutzt und die relativ schwer zu administrierende MySQL-Datenbank benötigt. Ein Apache-Webserver gewährleistet hier die Plattformneutralität.

Die Kombination Python als Sprache und Zope als Application-Server sowie PostgreSQL als Datenbank wird von gleich zwei Projekten eingesetzt, die zunehmend enger zusammenarbeiten:  FreePM (Free Practice Management)  und OIO (Open Infrastructure for Outcomes). Beide bieten eine Online-Demo – OIO nur nach Registrierung. FreePM legt den Schwerpunkt auf die administrative Seite medizinischer Abläufe – im Unterschied zu anderen, eher klinisch orientierten Projekten. Es ist leicht zu installieren und zu konfigurieren und macht in letzter Zeit große Fortschritte. OIO ermöglicht dem Nutzer die Erstellung von webbasierten Formularen mit dahinterliegenden automatisierten Datenbehandlungsroutinen. Die Funktionen lassen sich per Mausklick bedienen, ohne dass auch nur eine Befehlszeile geschrieben werden muss. OIO und FreePM wollen künftig mit Tkfp kooperieren.

Lösungen mit klassischen Programmiersprachen:

Ein ins Stocken geratenes Projekt ist Littlefish. Wegen der Ähnlichkeit der Ziele ist eine Verschmelzung mit den Projekten FreePM bzw. OIO künftig möglich. Littlefish hat sein Konzept in der Sprache Delphi“ realisiert. Dadurch ist das entstandene Programm nur auf Windows-Plattformen einsetzbar. Auch wird eine proprietäre Datenbank verwendet. Immerhin ist der offene Standard GEHR für elektronische Patientenakten berücksichtigt.

Das von einem nach Australien ausgewanderten, deutschen Arzt gegründete Projekt GNUMed verwendet zurzeit die bewährte Sprache C++ und die Open-Source-Datenbank PostgreSQL. Die Entwickler betonen, ausschließlich auf frei verfügbare Technologien zu bauen. Ein speziell entworfener Server garantiert robuste Transaktionen und Sicherheit – bis hin zur kompletten Verschlüsselung. Seit kurzem ist GNUMed von Richard Stallman (Gründer der Free Software Foundation) als offizielles GNU-Projekt akzeptiert.

Im Projekt Circare entschied man sich ebenfalls dafür, C++ als Programmiersprache mit PostgreSQL zu verwenden.

Das Ziel, verteilte Informationen über Patienten einem regionalen Netzwerk zugänglich zu machen, soll hier über den Apache-Webserver realisiert werden. Dafür sollen auch Schnittstellen nach den Standards HL7 und CORBAmed PIDS angeboten werden. Das 1999 mit kommerzieller Unterstützung gestartete und bis Mitte 2000 aktive Projekt ruht zurzeit wegen mangelnder Ressourcen. Als größten Verdienst bisher hat Circare aber dieÆOpen Health Mailing List hervorgebracht, in der zahlreiche Entwickler, interessierte Ärzte, Projektmanager und politische Vertreter der EU ihre Meinungen austauschen. Hier kommen neben technischen Details zunehmend auch allgemeine und politische Themen, wie die Diskussion um die Einführung von Software-Patenten etc., zur Sprache.

DOCScope ging als weitere Anstrengung aus Circare hervor. Dabei handelt es sich um den Versuch, eine elektronische Patientenakte mithilfe von Open-Source-XML-Komponenten zu realisieren.

Komplexer Ansatz

In einer anderen Strömung versuchen die Entwickler, modernste Konzepte und Technologien einzusetzen und eine Software zu entwickeln, die vom Krankenhaus-Informationssystem bis zum kleinen Praxisprogramm alles abdecken kann. Der Nachteil ist eine längere Vorlaufzeit, bis ein einsatzfähiger Prototyp bereitsteht. Der Vorteil: Man erhält ein von Grund auf durchdachtes Konzept, das es ermöglicht, die Software bis ins Kleinste anzupassen. Diese modernen Technologien werden noch kaum in kommerziellen Programmen verwendet.

OpenEMed als ein Vertreter dieser Strömung ging aus dem langjährigen Telemed-Projekt des Los Alamos National Laboratory hervor. Es setzt auf den Quasi-Standard CORBAmed und will Anwendungen schaffen, über die – vereinfacht gesagt – Inhalte weltweit ausgetauscht werden können.

Diese Technik der verteilten Objekte und Komponenten gilt als nächster Schritt nach dem Boom der objektorientierten Programmierung in den neunziger Jahren. Für verschiedene Anwendungsbereiche wurden eindeutige Schnittstellen in der Sprache IDL definiert. So dient das Modul PIDS zum weltweiten Auffinden von Patienten, das Modul COAS der Erfassung von Daten für die Patientenkartei, CIAS ist ein Modul für die medizinische Bildverarbeitung etc. Das Projekt hat damit ein hohes Abstraktionsniveau und bringt einen ebenso hohen Einarbeitungsaufwand für neue Interessenten mit sich. Dies kann aber zum Teil durch die eingesetzte, einfach zu erlernende und dennoch umfassende und fortschrittlichste Sprache Java ausgeglichen werden.

Res Medicinae als einziges Projekt deutschen Ursprungs verfolgt ähnliche Ziele wie OpenEMed. Nach dem Start im April 2000 ging die Entwicklung über die Erstellung einer Homepage, das Sammeln von Standards, die Kommunikation mit anderen Projekten und das Modellieren erster Ideen nicht hinaus. Der Grund dafür, dass noch kein Programmcode geschrieben wurde, ist unter anderem auf den erheblichen Einarbeitungsaufwand in CORBAmed und andere Standards zurückzuführen. Wegen gleichartiger Ziele entwickelt Res Medicinae zurzeit an OpenEMed mit. Ein späteres Wiederaufleben als deutsche Distribution ist aber möglich, um den Ärzten beispielsweise spezielle Module – etwa für die Abrechnung – zur Verfügung zu stellen.

Letztlich ist es sinnvoll, ein System zu entwickeln, das so flexibel ist, dass es keine Rolle spielt, ob sein Einsatzort ein Klinikum, eine Arzt-, Zahnarzt- oder gar Tierarztpraxis sein wird. Für den Quick Quack Medical Manager wurde schon in den achtziger Jahren eine umfassende Liste mit Anforderungen erstellt, die seither weiter aktualisiert und vervollständigt wird.

Als erste Open-Source-Initiative im Medizinbereich hat kürzlich SPIRIT die Zusage der EU über eine Förderung von 450 000 Euro für ein 15-monatiges Projekt bekommen. Welche Strömung auch immer zuerst zu einem akzeptablen Medizinprogramm führt – die Entwickler tauschen untereinander Informationen aus, stellen sich Programmcode-Fragmente zur Verfügung und suchen in Internet-Diskussionsforen gemeinsam nach Lösungen. Es ist sogar höchst wahrscheinlich, dass in einigen Monaten oder Jahren eine Verschmelzung stattfinden wird, wie es bereits schon einige gab. Dabei könnten die bisherigen Lösungen beider Strömungen sinnvoll miteinander kombiniert werden. Der CORBAmed-Standard beispielsweise ist unabhängig von Betriebssystem und verwendeter Programmiersprache und könnte so für den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Programmen verwendet werden, indem er diese in Module kapselt. Andere Projekte, wie GEHR oder CEN (und entfernt HL7), versuchen, die Architektur elektronischer Patientenakten zu standardisieren.

Weitere Entwicklung

Künftig werden es die kommerziellen Anbieter medizinischer Software zunehmend schwer haben, sich auf dem Markt zu behaupten. Keine Firma kann mit ihrer Entwicklungsabteilung auf Dauer das Gleiche leisten wie tausende von weltweit arbeitenden Enthusiasten. Durch den für jeden zugänglichen Programmquelltext können Fehler binnen Stunden behoben, Sicherheitslücken innerhalb von Tagen geschlossen und Anwenderwünsche in wenigen Wochen in einer Folgeversion berücksichtigt werden.

Auch bei den Anwendern setzt sich die Einsicht immer mehr durch, dass es nicht sinnvoll sein kann, kommerzielle Software mit geschlossenen Quellen wie eine Katze im Sack zu kaufen, sondern auf tausendfach getestete und bewährte, freie Software zu setzen. Vorerst bleibt die Medizin eine große Herausforderung an die Open-Source-Software-Bewegung. Dabei kommen vor allem zwei Faktoren erschwerend hinzu: der große Umfang des medizinischen Sektors einerseits und das geringe Interesse der Entwickler, medizinische Software zu programmieren, andererseits. Insgesamt machen die meisten Projekte jedoch gute Fortschritte. Unterstützung, beispielsweise durch die Teilnahme an den Diskussionen der Open Health Mailing List oder durch Mitentwicklung eines Projekts, ist sehr erwünscht. Entwicklung muss hierbei nicht Programmieren bedeuten.

Tätigkeiten wie das Schreiben von Dokumentationen, das Testen und Übersetzen der Programme in andere Landessprachen oder das Pflegen der Homepage tragen auch zum Erfolg eines Projekts bei. Für deutschsprachige Interessenten wurde die Mailing List resmedicinae-deutsch@lists.sourceforge.net eingerichtet. Eine Anmeldung ist unter http://lists.sourceforge.net/lists/listinfo/resmedicinae-deutsch möglich.

Christian Heller

Kontaktadresse: Dipl.-Ing. Christian Heller (Gründer des Res Medicinae-Projekts), Institut für Theoretische und Technische Informatik, Fakultät für Informatik und Automatisierung, Technische Universität Ilmenau, E-Mail: christian.heller@theoinf.

tu-ilmenau.de

Tkfp – Tk_familypractice > www.psnw.com/~alcald/#informatics

FreeMED > www.freemed.org

FreePM – Free Practice Management > www.freepm.org

OIO – Open Infrastructure for Outcomes > www.txoutcome.org

Littlefish > www.paninfo.com.au/intro/littlefishproject_homepage.htm

GNUMed > www.gnumed.org

Circare > www.openhealth.com/circare/index.html

Openhealth Mailing List > openhealth-list-request@minoru-development.com

DocScope > www.openhealth.com/docscope/index.html

OpenEMed > www.openemed.org

Res Medicinae > www.resmedicinae.org

ResMedicinae Mailing List > resmedicinae-deutsch@lists.sourceforge.net

QuickQuack > http://lorenzo.uwstout.edu/QQMIM/qq4.html

SPIRIT > www.openhealth.com/en/press/05jan01.html

Weitere Übersichten:

www.omp.de.vu

www.mobilix.org/med_linux.html

www.linuxmednews.com/projects/

www.openhealth.com/en/healthlinks.html

http://sourceforge.net/

www.berlios.de

CEN – Comité Européen de Normalisation

(europäisches Standardisierungsgremium)

GEHR – Good Electronic Health Record (aus ei-nem EU-Projekt der CEN hervorgegangene Initiative, die eine

komplette, theoretische Definition elektronischer Patientenakten anstrebt; verwandtes Projekt: OpenEHR)

GNU – rekursives Akronym für ÆGNU's Not

Unix!“ (freies UNIX-Betriebssystem, das mittlerweile in mehreren Varianten mit Linux Kernel existiert)

HL7 – Health Level Seven (Medizinischer Quasi-Standard, der ein Software-Framework definiert)

CORBAmed – Common Object Request Broker Architecture for Medicine (Medizinischer Quasi- Standard zum

Kapseln verschiedenster Programmbausteine, die ein weltweit verteiltes Arbeiten ermöglichen)

PIDS – Person/Patient Identification Service (eines von vielen CORBAmed Modulen)

COAS – Clinical Observation and Access Service

CIAS – Clinical Image Access Service


Bludau, Hans-Bernd; Koop, Andreas; Herzog, Wolfgang

Mobile Computer im Gesundheitswesen: Nützliche Werkzeuge für den Arzt

Deutsches Ärzteblatt 98, Heft 23 vom 08.06.01, Seite 22 [SUPPLEMENT: Praxis Computer]

Der Einsatz mobiler Computer in medizinischen Anwendungen kann Vorteile im Diagnose- und

Behandlungsprozess bringen. Stand der Entwicklung, medizinische Einsatzbereiche und neue Forschungsansätze

von mobilen Computern sind Thema des folgenden Beitrags.

Die Bezeichnung Æmobiler Computer“ wird heute für unterschiedlichste Geräteklassen verwendet. Dies reicht vom

Laptop bis hin zum ÆCommunicator“, einem mobilen Telefon mit den Eigenschaften eines kleinen Rechners. Der

persönliche digitale Assistent (PDA) oder auch Handheld-Computer ist in seiner Ausstattung, Größe und Funktion

zwischen diesen Geräteklassen anzusiedeln, wobei die Grenzen zwischen Mobilfunkgerät und PDA fließend sind.

Üblicherweise findet man auf PDA vorinstallierte Funktionen zur persönlichen Organisation, wie ein Termin- und

Adressverwaltungstool, einen Notizblock und ÆToDo-Listen“. Immer mehr PDA stellen einen Internet-Browser zur

Verfügung und ermöglichen das Empfangen und Versenden elektronischer Post. Der Datenabgleich mit einem PC ist

über eine serielle Schnittstelle, zum Teil durch ein in einen PC-Card-Slot einschiebbares Modem, möglich (Abbildung

2).

Daten werden in der Regel mittels Stift auf einem Touchscreen eingegeben und abgerufen. Zum Teil ist eine

Handschrifterkennung integriert, die mit ein wenig Übung passable Ergebnisse ermöglicht. Für umfangreichere

Texteingaben eignen sich jedoch eher Geräte mit eingebauter Tastatur (siehe Abbildung 3).

Die Größe der PDA variiert: Die Abmessungen von Geräten mit Tastatur liegt bei 18 x 9 x 3 cm; tastaturlose Geräte

sind etwa 8 x 12 x 2 cm groß. Das Gewicht liegt zwischen 130 g und 500 g. Diese Maße schaffen den eigentlichen

Vorteil der PDA: ihre Mobilität. Man kann sie jederzeit bei sich tragen und verfügt so über ein leicht einsetzbares

Dateneingabe- und -ausgabegerät.

Einsatz mobiler Geräte

Von Routineapplikationen zu sprechen, wäre verfrüht, jedoch stellen mobile Computer ihre Vorteile in immer mehr

Bereichen unter Beweis.

M Studienprotokolle

So wurden Handheld-Computer bei einer nasalen Provokationsstudie zur Überprüfung eines Antiallergikums gegen

Placebo eingesetzt (9). An vier Untersuchungstagen wurden subjektive Beschwerden von einem Tagebuchprogramm

abgefragt. Erkenntnisse aus dem Umgang der Nutzer mit dem Programm am ersten Untersuchungstag wurden zur

Verbesserung der Software eingesetzt. Die zwölf beteiligten Probanden hatten die Aufgabe, über 4,5 Stunden hinweg

alle 15 Minuten ihre aktuellen Beschwerden zu registrieren. Sie lieferten 903 Datensätze, bestehend aus fünf Fragen,

also 4 515 Daten-

werte ab. Es konnte gezeigt werden, dass der Einsatz von Handheld-Computern eine Erhöhung der Datenqualität und

eine erhebliche Beschleunigung der Studie zur Folge hatte.

Ebenfalls realisiert ist die patientenseitige Dokumentation therapierelevanter Daten in einem Forschungsprojekt zum

Thema Schmerz (12). Hier wurde ein elektronisches Schmerztagebuch auf Psion-Basis zur Verlaufsdokumentation bei

Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom über einen Zeitraum von mehreren Wochen eingesetzt. Viermal täglich gab das

Gerät einen Alarmton und forderte den Patienten zur Beantwortung von zehn Fragen auf. Bislang unveröffentlichte

Ergebnisse weisen auf eine sehr gute Akzeptanz bei den Patienten hin, und dies gerade in einem Bereich, in dem die

Compliance für das Ausfüllen von Fragebögen mehrmals täglich und über mehrere Wochen stark gefordert wird. Hier

ist die Datenkonsistenz, ähnlich wie in Projekten mit Diabetes-Patienten, essentiell. Ein nachträgliches Ausfüllen des

Tagebuches – kurz vor dem Arztbesuch – ist nicht möglich. Über Zeitreihenanalysen können so detailliert

Zusammenhänge der Schmerzvarianz mit individuellen Therapieformen beschrieben werden.

M Psychometrische Verfahren

Standardisierte Fragebögen zur Selbsteinschätzung von Beschwerden können in Form eines mobilen

Datenerfassungsgerätes vorgelegt werden. Zwar ist zu bedenken,

dass die direkte Eingabe von Sachinformationen durch den Patienten in ein mobiles Gerät durch die fachspezifische

Gewichtung und Bündelung der Angaben einerseits und die Bedeutung der Arzt-Patienten-Beziehung andererseits

begrenzt ist. Dennoch ist die Erhebung von Routinefragen, etwa zu Vorerkrankungen, bestehenden Allergien und

aktuellen Medikamenten, möglich.

Diese Fragebögen sind in klinischen Untersuchungen sehr wichtig. Im Rahmen eines psychosomatischen Konsils

werden Angaben zum Befinden und zum Umgang mit der Erkrankung thematisiert. Objektivierende

Erhebungsinstrumente sind testpsychologische Fragebögen, die beispielsweise die Ausprägung einer depressiven

Stimmungslage oder das aktuelle Erleben von Angst messen. Bisher werden den Patienten Papierfragebögen zur

Beantwortung vorgelegt, die wieder eingesammelt und manuell ausgewertet oder hierzu von einer dritten Person in

einen lokalen PC eingegeben werden. Erst dann stehen diese Informationen für den Konsiliardienst zur Verfügung.

Jedoch läge der ideale Zeitpunkt für die Beantwortung und unmittelbare Auswertung der Fragebögen bereits vor

dem ersten Arzt-Patienten-Gespräch, sodass die Ergebnisse dem Arzt zum Interview vorliegen. Ermöglicht wird dies

durch die Ausgabe eines mobilen Gerätes, das einen einfach zu beantwortenden Fragebogen enthält.

Rose et al. (14) setzten PDA (Psion 3a) ein, um eine direkte Beantwortung der Fragebögen in elektronischer Form zu

realisieren. Sie konnten zeigen, dass sich durch die mobile computerisierte Erhebung circa zwei Drittel des

Dokumentationsaufwandes einsparen lassen. Darüber hinaus ließ sich die Datenorganisation, hinsichtlich eines

schnelleren Zugriffs für klinische und wissenschaftliche Fragestellungen, verbessern. Hervorzuheben ist auch, dass

die Datenstruktur keiner Stabilitäts- oder Verteilungsveränderung unterlag. Seitens der Patienten erwies sich der

Umgang mit den Handheld-Computern als problemlos. Lediglich schwer sehgestörte Patienten gaben aufgrund des

kleinen Displays Schwierigkeiten beim Lesen an.

In einem eigenen Projekt haben wir ein Screening-Instrument für Angst und Depression (HADS hospital anxity and

depression scale) (6) in einer digitalen Version auf dem Psion Net book mittels HTML implementiert (4). Ob sich

hierbei die positiven Ergebnisse von Rose verifizieren lassen, ist noch abzuwarten.

M Befund- und Leistungsdokumentation

Die Vollständigkeit erbrachter Leistungen, insbesondere anhand der Diagnosen, die im pauschalierten

Vergütungssystem ab 2003 als Basis für die Finanzierung der Krankenhäuser gelten soll (DRGs – Diagnose related

groups), hat auch zur Entwicklung entsprechender mobiler Tools geführt.

So berichten Walter et al. (18) über eine in C++ unter EPOC (Betriebssystemsoftware der Psiongeräte) realisierte

Software, die es ermöglicht, über einen Dialogbaum Daten patientenspezifisch zu erfassen. Analog zur ärztlichen

Tätigkeit können Informationen über die Anamnese, den aktuellen Status im Verlauf bzw. spezielle Informationen aus

der täglichen Visite erfasst werden. Interessant erscheint die Option, dass einzelne Untersuchungsbefunde nach

Synchronisation mit dem Zentralrechner über eine Auswahlliste mit möglichen Diagnosen korreliert werden. Dies soll

eine umfassendere Diagnosendokumentation ermöglichen.

Darabi et al. (5) stellen ein System unter Palm OS vor, das über Blue-tooth-Technologie (Funktechnologie für den

Datentransfer und die Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten) auf zentrale Datenbanken zugreift. Eine

Installation in der neurochirurgischen Universitätsklinik Mainz ermöglicht neben der Dokumentation von

anamnestischen Daten, Medikamenten und Diagnosen auch Untersuchungsergebnisse. Ergebnisse bezüglich einer

verbesserten Verschlüsselungsqualität liegen derzeit noch nicht vor, jedoch berichten die Autoren über eine kurze

Einlernzeit und hohe Akzeptanz auf Seiten der Benutzer.

Eigene Ansätze im Bereich der mobilen Dokumentation greifen Erfahrungen aus früheren Studien auf (1,

15), in denen die Anwender mit einem multifunktionalen Gerät deutlich überfordert waren. Die größte

Herausforderung liegt weniger in der technologischen Umsetzung als vielmehr in der Gestaltung der Schnittstelle

zwischen Mensch und Computer, also der Benutzeroberfläche (10). Daher haben wir, in einer plattformunabhängigen

Entwicklungsumgebung (Java 2 Micro Edition – J2ME), den Schwerpunkt auf eine einzige, spezifische und

übersichtlich organisierte Aufgabe gelegt. In

drei bis maximal vier Ebenen kann der Arzt eine spezifische Leistung patientenorientiert dokumentieren. Weitere

Aufgaben mit anderen Geräten sind zum Beispiel die Dokumentation von Vitalparametern durch die Pflegekräfte. So

werden die mobilen Geräte zum integralen Bestandteil der digitalen Patientenakte, wobei ein Gerät jeweils eine

spezifische Funktion übernimmt. Erst wenn der Anwender die Gerätefunktion im Detail und routiniert beherrscht,

sollen zusätzliche Funktionen, zum Beispiel zusätzliche Informationsangebote, installiert werden.

Auch unabhängig von abrechnungsrelevanten Anforderungen spielt die Befunderfassung mittels mobiler Computer

zunehmend eine Rolle. So wurde bereits 1998 (8) ein mobiles System zur Befunderfassung bei der Untersuchung von

Patienten mit kraniomandibulären Dysfunktionen vorgestellt. An diesem System ist die gelungene Integration

grafischer Interaktionselemente hervorzuheben, die es jedem Benutzer rasch ermöglicht, das Gerät zielgerichtet

einzusetzen. Mittlerweile liegen Ergebnisse aus einer multizentrischen Untersuchung vor, die zeigen, das

Handheld-Computer eine gewohnte papierbasierte Datenerfassung ersetzen können (10).

Forschung mit mobilen Computern

M Visualisierung medizinischer Sachverhalte

Bei dieser Methode nutzt der Arzt während des Gespräches mit dem Patienten die grafische Darstellung

medizinischer Sachverhalte auf mobilen Computern, um dem Patienten interaktiv ein schnelles und umfassendes

Verständnis medizinischer Inhalte zu vermitteln (3). Wichtig ist, dass der

Arzt das System selbst bedient und seinem Patienten ausgewählte (maximal fünf) Bilder vorführt (Abbildung 1).

Dabei sind bei Bedarf kleine Textelemente aufrufbar, die auch bei eventuellen Sprachbarrieren eine hinreichende

Erklärung der Sachverhalte ermöglichen.

M Komplexe Systeme

Nicht nur für die Dokumentation eignen sich mobile Computer. Neueste Forschungsansätze machen sich die

Kommunikationsfähigkeit der Geräte, insbesondere auch die drahtlose Datenübertragung, zunutze und binden

Patienten in ausgefeilte Überwachungssysteme ein. So wird im Verbundprojekt ÆMOBTEL“ (mobiler Einsatz von

Telemedizin bei der neuropsychologischen Therapie hirngeschädigter Patienten mit Gedächtnis- und

Exekutivfunktionsstörungen) im Teilprojekt ÆMEMOS“ eine interaktive Gedächtnishilfe für hirngeschädigte Patienten

entwickelt (siehe PC 1/01) (17).

Die Integration mobiler Computer in die Rettungskette der Notfallmedizin wird ebenfalls vorhergesagt (7). In der

prozessorientierten Betrachtung der Notfallrettung werden diverse Einsatzbereiche aufgezeigt. Dies reicht vom

Navigationssystem über die Online-Übermittlung von Vitalparametern an den Notarzt bis hin zu

Telepräsenz-Anwendungen, zum Beispiel für ländliche Gebiete. Im Ansatz sind solche Geräte bereits kommerziell

erhältlich. Beispiele sind das Herzhandy von Vitaphone oder das Teleaid-System von Mercedes-Benz.

Weitere Forschungen in diesem Bereich findet man im European Media Laboratory, Heidelberg (11). Hier wird zurzeit

an einem tragbaren Computersystem gearbeitet, das, mit unterschiedlichen Sensoren verbunden, kontinuierlich

Daten wie Vitalparameter, Gewicht, Position etc. des Trägers erfasst. In einem PDA werden die Daten kombiniert,

über Funk an eine Zentrale weitergeleitet und dort mittels Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Likelihood-Modellen

in Abhängigkeit von den physikalischen Aktivitäten überprüft. Bei Abweichungen von einem so genannten

Normalfall geht eine Warnung an den Träger oder gegebenenfalls an seinen Betreuer. Diese Kombination mit Namen

ÆDr. Feelgood“ ist nicht nur für Patienten gedacht. Auch Sportler oder ältere Menschen gelten als potenzielle

Endnutzer. Ziel ist der Einsatz der Sensoren als kleines, unauffälliges Kleidungsstück (zum Beispiel Uhr oder

Armband), sodass ÆDr. Feelgood“ auch unter Alltagsbedingungen getragen werden kann.

M Entscheidungsunterstützung

Selbst die künstliche Intelligenz hat mobile Computer entdeckt – zumindest im weiteren Sinne. So berichten

Spreckelsen et. al. (16) über den Einsatz mobiler Assistenten bei der Standardisierung pädiatrischer Medikation.

Klinische Erfahrungen über die Abhängigkeit einer geeigneten Medikamentendosis von individuellen

Patientenparametern werden unter Berücksichtigung von Indikation und Kontraindikation genutzt, um eine

entsprechende Dosisempfehlung zu generieren – ein sinnvoller Ansatz vor dem Hintergrund, dass gerade für den

pädiatrischen Einsatz vieler Medikamente keine speziellen Dosierungsangaben der Hersteller, geschweige denn

kontrollierte klinische Studien vorliegen.

Auch im PC-Bereich bereits etablierte Applikationen wie D3 (13) migrieren über den Umweg einer Web-Applikation in

den Bereich des Mobile Computing. Auf dieser Basis arbeitet derzeit die Gruppe um Baumeister (2) an einem

intelligenten Assistenzsystem zur Datenerfassung und Diagnoseunterstützung für PDA-Geräte.

Ausblick

Die Diskrepanz zwischen technischen Möglichkeiten und praktischem Einsatz der mobilen Technologie überrascht.

Im Alltag sind mobile, tragbare Kommunikationsgeräte bereits selbstverständlich, werden SMS-(Short Message

Service-)Nachrichten verschickt, und es wird über WAP (Wireless Application Protocol) mobil im Internet gesurft.

Die denkbaren Anwendungsbereiche im Gesundheitswesen sind vielfältig, praktische Anwendungen finden sich

jedoch bislang nur spärlich.

Künftige Entwicklungen müssen sich auf Basisapplikationen konzentrieren. Erst wenn die mobilen Geräte über

spezielle, einfach zu bedienende, berufsgruppen- bzw. personenspezifische Anwendungen verfügen und ihren Platz

in der EDV-Welt des Gesundheitswesens eingenommen haben, sollten weitere Funktionen schrittweise eingeführt

werden. Neben der Datenerfassung und Dokumentation stehen hier in erster Linie Informationsangebote auf der

ÆTo-Do-Liste“. Bessere Übertragungsgeschwindigkeiten (Beispiel: UMTS) oder die generelle Einbindung kleiner

Endgeräte in ein universelles Kommunikationsnetz (Beispiel: Bluetooth) werden den Funktionsumfang von

Handheld-Computern deutlich erweitern.

Bis dahin müssen jedoch Aspekte der psychosozialen Verträglichkeit, die mögliche Beeinflussung von

Kommunikationsverhalten oder -anspruch sowie die Veränderung der Arbeitsergonomie vor einer breiten Einführung

dieser neuen Technologie untersucht werden. Denn immer noch ist unklar, welchen Einfluss die Nutzung von

unterstützenden technischen Systemen durch den Arzt auf die Wahrnehmung des Patienten und sein Vertrauen in

die Kompetenz des Arztes hat – eine wesentliche Frage, die bei reduzierten Zeitressourcen des Fachpersonals im

Gesundheitswesen viel zu selten gestellt wird. Hans-Bernd Bludau,

Andreas Koop,

Wolfgang Herzog

Anschrift für die Verfasser: Dr. med. Hans-Bernd Bludau, Universität Heidelberg, Ludolf-Krehl-Klinik, Innere

Medizin, Abteilung II, Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin, Bergheimerstraße 58, 69115 Heidelberg,

Telefon: 0 62 21/56 86 11, Fax: 0 62 21/56 57 08, www.mobi-doc.de, E-Mail:

Hans-Bernd_Bludau@med.uni-heidelberg.de

Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis, das bei den Verfassern oder über das Internet

(www.

aerzteblatt.de) erhältlich ist.


Ärzte Zeitung, 18.04.2002

Praxis-Management

Dem Modernisierungswahn zum Trotz: Auch ein alter Computer entlastet Ärzte

Von Dr. Bernd Alles

Gestern gekauft, übermorgen veraltet. Das ist das Los aller PC, Laptops, Handhelds, Drucker, Scanner und Genossen. Rasant ist das Entwicklungstempo, rasant der Preisverfall. Der Praxismanager als Homo oeconomicus erliegt schon lange nicht mehr den sofort

fälligen Verlockungen nach mehr Gigaherz, Pixel oder Baud. Er wägt

ab, was für die anstehenden Aufgaben ausreichend, sicher und

preiswert ist. Warum den 386er zur Entsorgung freigeben, wenn er

noch hinreichend schnell arbeitet?

Wichtig ist dabei allerdings: Der Praxissoftware-Partner muß die

angeblich veralteten Systeme pflegen, ein Nebeneinander der

DOS-PC-Dinosaurier mit 2-Gigaherz-Maschinen ermöglichen. Wait and

see statt buy and pay!

Rationalisierungsmöglichkeiten muß man konsequent nutzen

Noch immer gibt es viele Praxen, die außer dem elektronischen

Karteiblatt weiter ihre konventionelle Karteikarte pflegen. Und damit

auf den größten Rationalisierungseffekt einer gut funktionierenden

Praxis-EDV verzichten - das Rein- und Raussortieren der Karteikarten.

Das Abnabeln von der geliebten Hardcopy fällt zwar schwer, aber es

funktioniert auch ohne die Pappe.

Klar, daß auf dem Weg zur papierlosen Praxis die Absturzsicherheit der

EDV garantiert sein muß - oder ein Ersatzsystem beim Server-Gau

parat steht. Die tägliche Datensicherung ist somit ein absolutes Muß.

Und die periodische Sicherung auf ein externes Medium, zum Beispiel

per Brenner auf CD-Rom oder auf einen Laptop, der außerhalb der

Praxis aufbewahrt wird, ist gewiß empfehlenswert. Denn nicht nur in

anderen Praxen wird eingebrochen.

Dann wäre noch ein Ablagesystem für die Befunde zu organisieren, die

bislang in der Karteikarte Platz fanden. Modern wäre ein elektronisches

Archivsystem mit der Möglichkeit, Dokumente einzuscannen. Hier gibt

es schnelle, komfortable und zuverlässige Systeme auf dem Markt.

Fragen Sie dazu bei Ihrem Praxis-EDV-Partner nach! Ersatzweise kann

man alle eingehenden Befunde mit einer laufenden Nummer versehen

(Hilfsmittel: Paginierstempel) und mit dieser Nummer in der

elektronischen Karteikarte auf das Dokument verweisen.

Das Problem mit den Hausbesuchen ist lösbar

Wäre dann noch das Problem der Hausbesuche, bei denen die

Karteikarte bestes Informations- und Dokumentationsmedium ist. Wer

den Laptop und/oder die Synchronisationsarbeit mit der stationären

Praxis-EDV scheut, kann sich Laufzettel für die zu besuchenden

Patienten ausdrucken. Aus diesen müssen die Medikation, Diagnosen

und die aktuelleren Befunde ersichtlich sein. Auf diesen Laufzetteln

wird der Hausbesuch dokumentiert (Laufzettel können für mehrere

Besuche verwendet werden) und in der Praxis in den PC eingegeben.

So machen das heute schon viele Praxen und fahren gut damit.

Terminkalender, Drucker (möglichst mit der Option des

Blankoformulardrucks) an allen Arbeitsstationen (damit auch Chefin

oder Chef Termine vergeben und Formulare drucken können),

Datenfernübertragung der Laborbefunde und Online-Banking mit

gleichzeitiger Buchführung sollten genauso obligatorisch sein wie das

Bemühen des Praxisinhabers, die PC-Tastatur mit 10 Fingern blind zu

beherrschen. Auch das lohnt sich.

Mediziner sollten auch nicht abseits stehen, wenn es darum geht, den

Fortschritt in der Kommunikationswelt zu nutzen. Wir leben im

Handyzeitalter. Das ist - besonders für den Landarzt und seine

Patienten - von großem Nutzen. Verbindet man eine

ISDN-Telefonanlage mit der Möglichkeit der Rufumleitung auf das

Handy, kann man - falls es gewollt wird - ständig erreichbar sein.

Daneben gibt es natürlich noch den guten alten Anrufbeantworter und

sein moderneres Äquivalent, die Mailbox. SMS, Internetzugang, E-Mail-

und Organizerfunktionen runden die neuesten technischen

Möglichkeiten der kleinen Störenfriede ab. Nebenbei kann man - so der

Anrufer seine Nummer mitsendet - noch feststellen, wer in

Abwesenheit angerufen hat - was durchaus nützlich sein mag.

Parallel zu den mobilen Kommunikationsmöglichkeiten außer Haus geht

es kommunikationstechnisch auch in den Praxisräumen kräftig zur

Sache. Die Segnungen digitaler Telefontechnik (wie zum Beispiel lange

Warteschleifen mit Musikuntermalung) sind zwar hin und wieder

ätzend, doch Telefonkonferenzen und weitere sinnvoll Extras können

einen Kommunikationsgewinn bescheren.

Haben Sie eigentlich schon das schnurlose Telefon mit Headset am

Empfang eingeführt? Das ist wirklich lohnenswert, denn die Helferin

kann überall in der Praxis Telefonate annehmen und hat außerdem

auch noch beide Hände frei. Das spart eine Menge Laufarbeit.

Für die interne Kommunikation kann man auch noch eine stille Variante

nutzen, die über das EDV-Netzwerk. So können Nachrichten an andere

Personen und andere Zimmer versandt werden, ohne daß lästiges

Klingeln stört.

Datenaustausch unter Kollegen steckt in den Kinderschuhen

Abschließend kommen wir zum ganz großen Ding, dem Datenaustausch

zwischen Kollegen. Auch dem mit Apotheken und Krankenkassen,

Versicherungen und Versorgungsamt. Technische Plattformen gibt es,

die VCS-Schnittstelle zum Beispiel. Genutzt wird sie noch wenig. Fragen

des Datenschutzes seien auch noch klärungsbedürftig. So lautet die

Auskunft aus dem Haus von DocExpert, einem der führenden

Praxis-Softwarehäusern. Schnell sollten hier die Arbeiten

vorangetrieben werden. Denn es gilt, ein Stück Bürokratie im ärztlichen

Alltag rationeller zu bewältigen. Schließlich wartet auf uns

Niedergelassene noch mehr Papierkrieg. Die DMP lassen grüßen.

FAZIT

Moderne Kommunikations- und

Datenverarbeitungstechniken für Arztpraxen, die viel

Arbeit abnehmen und Kommunikation in früher nicht

gekanntem Ausmaß erlauben, sind heute auf dem Markt.

Bei weitem noch nicht alle niedergelassenen Ärzte nutzen

alle Möglichkeiten. Sie sollten aber darüber nachdenken,

ob die Segnungen der Technik nicht auch ihnen Vorteile

bescheren.


USA/Wissenschaft/Medizin/Gesellschaft

Familie in Florida lässt sich Microchips einpflanzen

- Digitaler Ausweis im Körper soll Schwerkranken helfen =

Boca Raton, 10. Mai (AFP) - Eine Familie im US-Bundesstaat Florida hat sich

Microchips einpflanzen lassen, mit denen ihre medizinischen Daten für den

Notfall verfügbar gemacht werden sollen. In einer 20-minütigen Prozedur, die

US-Fernsehsender am Freitag live übertrugen, wurde der nadelkopfgroße Chip den

den drei Familienmitgliedern in den Arm gespritzt. Vater Jeffrey Jacobs, ein

früherer Zahnarzt, sagte danach, die Behandlung sei "einfacher und weniger

schmerzhaft" gewesen als seinerzeit in seiner Praxis. Der so genannte

VeriChip, der mit einem Scanner abgelesen wird, ist zunächst nur für

medizinische Zwecke gedacht, jedoch heftig umstritten: Bürgerrechtler und

Datenschützer in den USA warnen, dass damit dem Überwachungsstaat der Weg

gebahnt werden könnte.

Der 14-jährige Derek Jacobs, der seine Eltern für den Chip begeisterte,

betonte jedoch, er sehe darin eine "großartige Technologie", die seinem Vater

im Fall eines Zusammenbruchs vielleicht das Leben retten könnte. Jeffrey

Jacobs hat jahrelang gegen den Krebs gekämpft und leidet außerdem an den

Folgen eines schweren Unfalls. Der von der Firma Applied Digital Solutions

(ADS) in Palm Beach hergestellte VeriChip ist besonders für Patienten gedacht,

die Risiko laufen, bewusstlos oder sprechunfähig ins Krankenhaus eingeliefert

zu werden.

Der digitale Ausweis im Körper ist so groß wie ein Nadelkopf und sendet ein

Radiosignal aus, das der Scanner aus bis zu etwa 1,20 Metern lesen kann. Die

Jacobs bekamen auf ihre Chips persönliche Kennnummern eingespeichert. Nach

Ablesen kann diese Nummer in eine Datenbank eingegeben werden, wo medizinische

Informationen über den Patienten zu erhalten sind. Der Chip bietet jedoch Raum

für 128 Buchstaben, so dass in einer späteren Stufe die medizinischen Daten

auch direkt auf ihm gespeichert werden können. Mit Implantation kostet der

VeriChip etwa 450 Dollar (490 Euro). Den Scanner will ADS zunächst kostenlos

an Krankenhäuser abgeben.

ADS will die Anwendungsmöglichkeiten des Chips jedoch in Zukunft erweitern,

etwa auf die Überwachung von Straftätern mit Bewährung oder Ausgang. Gespräche

mit Gefängnisbetreibern würden bereits geführt. Auch kann der VeriChip nach

Angaben der Firma dafür verwendet werden, die Opfer von Entführungen

aufzuspüren. Aus mehreren südamerikanischen Ländern sei bereits Interesse

signalisiert worden. Um den Aufenthaltsort von Menschen bestimmen zu können,

soll der Chip mit dem Satelliten-gestützten Navigationssystem GPS kombiniert

werden. Vertreter von Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisationen haben in den

vergangenen Wochen nachdrücklich vor dem Missbrauch der neuen Technologie

gewarnt.

dja/jpf

USA/Wissenschaft/Medizin/Gesellschaft/KORR

"Big Brother" schlüpft unter die Haut

- US-Firma pflanzt dreiköpfiger Familie Microchips ein

- "So ähnlich wie Raumschiff Enterprise"

Von Daniel Jahn =

Washington, 11. Mai (AFP) - Für die einen ist er ein Lebensretter, für die

anderen ein Vorbote des totalen Überwachungsstaats. Unter großem Medienrummel

ließ sich am Freitag im US-Bundesstaat Florida eine dreiköpfige Familie den

"VeriChip" einpflanzen. Der Microchip im Arm ist eine Art Personalausweis, der

mit einem Scanner abgelesen wird. Er ist zunächst für den medizinischen

Gebrauch gedacht. Der Chip soll Patienten identifizieren, die etwa bewusstlos

ins Krankenhaus eingeliefert werden. Doch die Herstellerfirma Applied Digital

Solutions (ADS) hat weiter reichende Pläne - so könne der Chip künftig etwa

auch helfen, entflohene Straftäter oder illegale Einwanderer aufzuspüren.

Die Prozedur in Boca Raton dauerte nur 20 Minuten. Familie Jacobs rollte

die Ärmel hoch und bekam ohne Narkose die Chips eingespritzt. Vater Jeffrey

Jacobs sagte danach, es sei harmloser gewesen als beim Zahnarzt. Er muss es

wissen: Schließlich war er früher selber einer. Der 48-Jährige hat lange gegen

den Krebs gekämpft und glaubt, dass bei einem Kollaps der Chip sein Leben

retten könne. Der 14-jährige Sohn Derek, ein Computerfreak, hatte seine Eltern

für den Chip begeistert. Ihre Familie sei Pionier einer Technologie, "die die

Welt verändern wird", schwärmte Mutter Leslie. Sie fühlt sich schon seit

Wochen wie in einem Science-Fiction-Film: "Es ist so ähnlich wie Raumschiff

Enterprise."

Der digitale Ausweis im Körper ist so groß wie ein Nadelkopf und sendet ein

Radiosignal aus, das der Scanner aus bis zu etwa 1,20 Metern lesen kann.

Ähnliche Chips gibt es schon seit längerem für Hunde, Katzen oder Kühe - sie

helfen, das entlaufene Tier wiederzufinden. Die Firma ADS in Palm Beach hofft

nun auf reißenden Absatz ihres Chips für den Menschen. In den vergangenen

Monaten gingen bei bei der Firma in Palm Beach Tausende von Anfragen ein -

allerdings großteils von Teenagern, die den Chip einfach "cool" finden.

Zielgruppe von ADS sind zunächst Patienten, die leicht orientierungslos

werden oder kollabieren können. Der Chip kann bis zu 128 Buchstaben speichern.

Neben Namen und Adresse können Angaben über Allergien, Prothesen oder den

Hausarzt eingespeichert werden. Die Jacobs bekamen als erste Stufe der

Anwendung allerdings nur persönliche Kennnummern eingespeichert. Nach Ablesen

kann diese Nummer per Telefon oder Internet in eine Datenbank eingegeben

werden, wo medizinische Informationen über den Patienten zu erhalten sind.

Der VeriChip kostet mit Implantation etwa 450 Dollar (490 Euro). Den

Scanner will ADS zunächst kostenlos an Krankenhäuser abgeben. Und die Firma

denkt bereits über eine Weiterentwicklung des Chips nach. Er könnte künftig

mit dem Satelliten-gestützten Navigationssystem GPS kombiniert werden, um den

Aufenthaltsort von Menschen zu bestimmen. Ein ähnliches System mit dem Namen

"Digitaler Engel" hat die Firma bereits auf dem Markt. Der "Engel" wird aber

nicht eingepflanzt, sondern wie eine Armbanduhr getragen. So können zum

Beispiel die Wege von Alzheimer-Patienten mit Hilfe des Geräts von Verwandten

am Computer verfolgt werden.

Für die Zwecke der Strafverfolgungsbehörden hätte der VeriChip aus Sicht

von ADS den Vorteil, dass er nur per Operation entfernt werden kann. Der Chip

könnte benutzt werden, um Straftätern auf die Spur zu kommen, die sich während

des Ausgangs abgesetzt haben. Oder die Opfer von Entführungen könnten

aufgespürt werden - laut ADS gibt es in Südamerika großes Interesse an der

Technologie. Firmenchef Richard Sullivan schlug sogar vor, Einwanderern den

Chip einzupflanzen, um sie besser kontrollieren zu können.

Durch solche Visionen sehen sich Datenschützer und Bürgerrechtler

allerdings in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Die Vorstellung, dass

"Big Brother" den VeriChip benutzen könne, "um unwissende Bürger zu beobachten

und persönliche Daten zu sammeln, ist nicht zu allzu weit hergeholt", warnte

etwa das Zentrum für Individuelle Freiheit (CFIF) in Alexandria bei Washington.

+++ Weitere Informationen im Internet unter:

- www.adsx.com/prodservpart/verichip.html (ADS zum VeriChip)

- www.adsx.com/prodservpart/digitalangel.html. (ADS zum "Digitalen Engel")

- www.cfif.org/5_8_2001/Free_line/current/big_brother.htm (CFIF zum

VeriChip)

dja/jpf

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