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D/Gesundheit/DOK
Fehldiagnosen bei Schlaganfall und keine Erfolge bei Diabetikern
- Die Gutachter-Maengelliste zu den grossen Volkskrankheiten =
Berlin, 30. August (AFP) - Das Urteil der sieben Professoren ueber die Gesundheitsversorgung in Deutschland fiel vernichtend aus: Bei allen untersuchten Krankheiten wurden erhebliche Defizite festgestellt. Ob Krebs, Schlaganfall oder Diabetes - Ueberall stiessen die Gesundheitsgutachter auf erschreckende Maengel. Neben den Folgen fuer die Betroffenen verursacht die falsche Behandlung kranker Menschen auch erhebliche Kosten. Die untersuchten Krankheiten sind fuer etwa zwei Drittel der Krankheitsausgaben des Gesundheitswesens verantwortlich. Im Folgenden dokumentiert AFP die von den Gutachtern festgestellten Maengel:
HERZERKRANKUNGEN: Nur 5 Prozent der Behandelten werden laut Gutachten angemessen versorgt, es gebe ein "Nebeneinander von Ueber-, Unter- und Fehlversorgung". Obwohl zum Beispiel doppelt so viele Herzkatheter wie in anderen Laendern gelegt wuerden, liege Deutschland bei der Sterblichkeitsrate durch Herzerkrankungen international nur im mittleren Bereich. Praevention und Rehabilitation wuerden zugunsten von kostentraechtigen operativen Eingriffen vernachlaessigt. Den Experten zufolge koennten bei besserer Praevention die Kosten um drei bis vier Milliarden Mark gesenkt werden.
DIABETES: Die Versorgung der Diabetiker hat sich seit zehn Jahren nicht verbessert. Die Zielvorgaben, die 1989 international vereinbart wurden, konnten in Deutschland nicht erreicht werden. Dazu zaehlt, diabetesbedingte Erblindungen um mindestens ein Drittel zu reduzieren, die Zahl von Amputationen zu halbieren und das Schwangerschaftsrisiko diabetischer Frauen zu senken. Dabei seien alle medizischen Voraussetzungen fuer einen Qualitaetsdurchbruch gegeben. Warum er bislang ausblieb, sei vielen "raetselhaft". Ein Grund koenne sein, dass Erfolge aus zahlreichen Einzelprojekten wegen "organisatorischer und struktureller Schwierigkeiten" im Gesundheitswesen nicht flaechendeckend umgesetzt werden.
SCHLAGANFALL: Hier kritisieren die Gutachter vor allem den Zeitverlust zwischen dem Auftreten der Symptome und der Behandlung. Nur jeder zweite Patient mit Verdacht auf akuten Schlaganfall wird demnach binnen sechs Stunden nach den ersten Symptomen in einem Krankenhaus aufgenommen. Der fruehe Beginn der Behandlung bestimme aber das Ausmass bleibender Gesundheitsstoerungen. Ausserdem gebe es kein flaechendeckendes Netz von Einrichtungen zur Fruehrehabilitation. Auch bei dieser Krankheit werde die Praevention vernachlaessigt.
RUEKENSCHMERZEN: Zur "Volksseuche Rueckenleiden" bemaengeln die Gutachter die hohe Zahl an Bandscheiben-Operationen. Auf der anderen Seite gebe es eine deutliche Unterversorgung von chronisch an Rueckenschmerz leidenden Patienten mit Rueckenschulen. Stattdessen sollten die Kassen keine "primaerpraeventiven" Rueckenschul-Programme anbieten, also keine Massnahmen fuer Menschen ohne chronische Beschwerden. Der Rat empfiehlt den Ausbau der betrieblichen Gesundheitsfoerderung, was von rueckenschonenden Arbeitsplaetzen bis zur Einrichtung von Gesundheitszirkeln in Betrieben reicht.
ASTHMA: Bei Erwachsenen und Kindern mit Asthma und anderen chronischen Lungenerkrankungen fehlen laut Gutachten flaechendeckende Vereinbarungen zu Patientenschulungen. So muessten Eltern in Bezug auf Stillen sowie Vermeiden von Tabakrauch oder Hausstaub besser beraten werden. Ausserdem verlangt der Rat wie beim LUNGENKREBS nachdruecklich eine "Nationale Anti-Tabak-Kampagne" gegen das Aktiv- und Passivrauchen nach dem Vorbild erfolgreicherer Nachbarlaender.
BRUSTKREBS: Defizite gibt es hier laut Gutachten bei der gesamten Versorgung: bei Fr?erkennung, Diagnose, Behandlung und Nachsorge. Durch Reihenuntersuchungen w?e nach Expertenansicht die Krankheits- und Sterblichkeitsrate erheblich zu verringern. Der Rat dr?gt auf die Einf?rung systematischer Mammographien. Insgesamt h?t das Gremium die Potenziale f? die Pr?ention von Krebserkrankungen f? noch bei weitem nicht ausgesch?ft.
DEPRESSION: Bei mindestens einem Drittel der Betroffenen werde eine Depression nicht erkannt und bei mehr als der Haelfte nicht konsequent behandelt. Laut Gutachten muss die hausaerztliche Betreuung, die Therapie mit Medikamenten und die Versorgung in Alten- und Pflegeheimen verbessert werden.
cha/kah