Mononukleose         Zurück                                

Titel

Krankheitsnummer ( ICD )

engl Bezeichnung + Abkürzungen


Definition


Pfeiffersches Drüsenfieber, auch infektiöse Mononukleose genannt, ist eine Viruserkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird. Das Virus infiziert die Schleimhäute von Nase, Mund, Rachen und eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (so genannte B-Lymphozyten).






Einteilungen


Ätiologie

Das Epstein-Barr-Virus wird durch Speichelkontakt übertragen, etwa in Kindergärten oder beim Küssen ("kissing-disease"). Die Infektion kann auch auf indirektem Wege erfolgen, z.B. durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen). Die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten erster Krankheitszeichen (Inkubationszeit) beträgt etwa 10 bis 50 Tage.

Der Erreger der Erkrankung, das Epstein-Barr-Virus, ist ein DNA-Virus aus der Familie der Herpesviridae und wurde 1964 in London von M.A. Epstein und Y.-M. Barr entdeckt.




Epidemiologie

Besonders häufig sind junge Menschen im Alter zwischen vier und 15 Jahren betroffen. Die Mononukleose ist weit verbreitet. Über 95 Prozent der Erwachsenen haben sich bis zum 30. Lebensjahr infiziert. Im Rahmen der Infektion werden Antikörper gegen das Virus gebildet. Dadurch gewinnt man eine lebenslange Immunität, das heißt, dass Menschen mit einem gesunden Immunsystem nur einmal an Mononukleose erkranken können.

Eine Isolierung akut Erkrankter ist nicht notwendig.


Kosten


Pathologie


Pathophysiologie

Nach der Infektion befällt das Virus zunächst das lymphoepitheliale Gewebe des Rachenraums. Es kommt dann sekundär zur Infektion der im Blut zirkulierenden B-Lymphozyten, die sich zu Lymphoblasten transformieren. Diese Lymphoblasten können sich unbegrenzt teilen. Bei Immunkompetenten wird dieser rasch proliferierende B-Lymphozyten-Zellklon durch virusspezifische zytotoxische T-Lymphozyten und natürliche Killerzellen eliminiert.

Wie auch bei anderen Infektionen durch Herpesviridae persistiert EBV nach der durchgemachten akuten Erkrankung. Das Virus lässt sich dann in B-Lymphozyten nachweisen. Reaktivierungen sind jederzeit, z. B. im Rahmen einer anderen Infektion, bei immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation, möglich.


Symptome und Klinik



Fieber (bei etwa 93 Prozent der Erkrankten in den ersten zwei Wochen)

Halsentzündung mit geschwollenen Mandeln, auf denen sich ein dicker weißer Belag bildet (bei etwa 82 Prozent)


Auffällig ist bei den Patienten ein fauliger Mundgeruch.

Bei etwa 95 Prozent der Erkrankten schwellen die Lymphknoten an Hals, Nacken und seltener auch in den Achselhöhlen oder am ganzen Körper schmerzhaft an.

Müdigkeit (kann einige Monate anhalten)

Muskelschmerzen und Kopfschmerzen

Seltener sind:

Übelkeit und Oberbauchbeschwerden, die ein Zeichen für eine Milzvergrößerung sein können (in etwa 50 Prozent der Fälle

Lebervergrößerung bei etwa elf Prozent und Gelbsucht (Ikterus) bei zirka fünf Prozent der Erkrankten

Ausschlag, vor allem nach antibiotischer Behandlung mit Ampicillin.

Im Erwachsenenalter kann dem eigentlichen Krankheitsausbruch, der sich mit Fieber ankündigt, eine Phase von bis zu zwei Wochen mit grippeähnlichen Symptomen wie Müdigkeit, Halsschmerzen, Muskelschmerzen und Schwellung der Hals-Lymphknoten vorangehen. Bei Kleinkindern verläuft die Erkrankung meist ohne Symptome.




Diagnostik

         Anamnesefragen

       Körperliche Untersuchung

         Labor

         Sonstige Verfahren

         Differential Diagnostik

Anamnesefragen

Körperliche Untersuchung

Labor

typischen Blutbildveränderungen (Nachweis von sogenannten Pfeiffer-Zellen).

Ein spezieller Antikörper-Test gibt gegebenenfalls Sicherheit darüber, ob eine infektiöse Mononukleose vorliegt. Da die Antikörper, insbesondere bei Erkrankungsbeginn, noch nicht bei allen Erkrankten nachweisbar sind (nach einer Woche in 40 Prozent und nach drei Wochen in etwa 90 Prozent der Fälle), müssen unter Umständen wiederholte Tests durchgeführt werden.

Mononukleose Schnelltest der Firma Unipath Clear View

Antikörper gegen EBNA = EBV-spezifisches nukleares Antigen,






Sonstige Verfahren

Ultraschall:



Schneider K, Harms K, Fendel H.

The increased echogenicity of the pancreas in infants and children: the white pancreas.

Eur J Pediatr. 1987 Sep;146(5):508-11.



Ishibashi H, Okumura Y, Higuchi N, Morioka E, Kimura H, Shirahama M, Kurokawa S, Miyanaga O.

Differentiation of mononucleosis from hepatitis by sonographic measurement of spleen size.

J Clin Ultrasound. 1987 Jun;15(5):313-6.



Feith GW, Keuning JJ, Reuwer JH.

[Spontaneous subcapsular splenic hemorrhage in infectious mononucleosis; diagnosis and therapy]

Ned Tijdschr Geneeskd. 1986 Nov 22;130(47):2132-3. Dutch. No abstract available.

PMID: 3540687 [PubMed - indexed for MEDLINE]



Stahlknecht T, Majewski A.

[Asymptomatic subcapsular splenic hematoma in infectious mononucleosis (Pfeiffer disease)]

Rontgenblatter. 1986 Sep;39(9):264-5. German.

PMID: 3534993 [PubMed - indexed for MEDLINE]







Differential Diagnostik

Streptokokken Angina

Hepatitis

Leukämie

Morbus Hodgkin




Bilder









Therapie

Wichtig für die Therapie sind:

Körperliche Schonung

Fiebersenkende sowie schmerzlindernden Maßnahmen

Für das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt es bis jetzt kein spezielles Medikament.

Bei etwa zehn Prozent der Erkrankten kommt es zu einer nachfolgenden Infektion der Mandeln mit Strepptokokken-Bakterien, die dann antibiotisch behandelt werden muss. (Vorsicht: Ampicillin verursacht dann häufig Hautausschläge.)

In seltenen Fällen ist die Behandlung mit Kortison nötig, z.B.

Bei einem Milzriss muss unter Umständen durch eine Notfalloperation die Milz entfernt werden.

Neuerdings werden andere Medikamente wie z. B. Interferon (ein Eiweiß, das Virus-Infektionen entgegenwirkt) auf Ihre Wirksamkeit bei Pfeifferschem Drüsenfieber untersucht.


Verlauf

Pfeiffersches Drüsenfieber dauert üblicherweise zwei bis drei Wochen und heilt unkompliziert aus. Selten nimmt die Krankheit einen ernsthaften Verlauf.

elten nimmt die Krankheit einen ernsthaften Verlauf oder geht mit Komplikationen einher. Diese sind unter anderem:



Drohender Verschluss der oberen Atemwege mit Luftnot

Lungenentzündung mit so genanntem Pleuraerguss. Unter Pleuraerguss versteht man eine Flüssigkeitsansammlung in dem spaltförmigen Raum zwischen Rippenfell und Lungenfell, der Pleurahöhle.

Milzruptur (Zerreißen der Milz): Diese Komplikation kommt bei weniger als 0,5 Prozent der Erkrankten vor. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Bei einer Milzruptur besteht Lebensgefahr!

Krankheiten des Zentralnervensystems (z.B.: Gehirnhautentzündung, Gehirnentzündung), die allerdings meistens ohne Folge-Erscheinungen ausheilen.

Entzündung desHerzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Pericarditis)

Krankheiten des Blutsystems: Blutarmut (hämolytische Anämie) und herabgesetzte Anzahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie)

Nierenentzündungen (interstitielle Nephritis)

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, z.B. HIV-Infizierte, sind von den nachstehenden, seltenen Komplikationen bedroht:

Tumore der Lymphknoten (B-Zell-Lymphome, Burkitt-Lymphom)

Karzinom im Bereich des Nasen-Rachen-Raumes (Nasopharynxkarzinom)

Schmincke Tumor

Gutartige Gewebe-Neubildung am Zungenrand (orale Haarleukoplakie).

Eine Infektion mit EBV im frühen Kindesalter verläuft meist inapparent, also ohne durch Symptome in Erscheinung zu treten. Gelegentlich kann auch das Bild eines grippalen Infektes "nachgeahmt" werden, und zwar mit Husten, Halsschmerzen und Übelkeit. Man spricht dann von einer abortiven, also abgeschwächten, EBV-Infektion und nicht von einer Mononukleose.

Es werden jedoch auch chronische Verläufe beschrieben, bei denen die Betroffenen dann monatelang und sogar noch länger unter Fieber, einer allgemeinen Abgeschlagenheit sowie einem starken Krankheitsgefühl leiden und oft nicht die Ursache dieses Zustands erkennen. Eine Infektion mit dem EBV wurde als Ursache eines "chronischen Müdigkeitssyndroms" (Chronic Fatique Syndrom, CFS) diskutiert, aber ein Zusammenhang kann in den meisten Fällen nicht schlüssig, z.B. durch serologische Analysen, nachgewiesen werden.

Außerdem nimmt man an, dass das EBV auch als Kofaktor an der Entstehung einiger bestimmter bösartiger Tumoren in Afrika sowie Asien beteiligt ist. Dabei handelt es sich einerseits um das Burkitt-Lymphom, einen Tumor des Ober- bzw. Unterkiefers, der fast ausschließlich in begrenzten Gebieten Afrikas auftritt, sowie andererseits um ein Nasen- Karzinom, das vorwiegend bei Männern in Südchina diagnostiziert wird.


Fälle



Experten + Krankenhäuser


Selbsthilfegruppen


Literatur


Internetquellen


http://www.m-ww.de/krankheiten/infektionskrankheiten/mononukleose.html


http://www.medscape.com/content/2003/00/45/83/458301/458301_fig.html




Geschichte der Krankheit


Dieser Name geht auf den deutschen Internisten und Kinderarzt Emil Pfeiffer (1846-1921) zurück, der von den beiden Hauptsymptomen der Erkrankung Fieber und generalisierter Lymphknotenschwellung die Bezeichnung Drüsenfieber ableitete.


Der Erreger der Erkrankung, das Epstein-Barr-Virus, ist ein DNA-Virus aus der Familie der Herpesviridae und wurde 1964 in London von M.A. Epstein und Y.-M. Barr entdeckt.



Diskussion und Fragen,Anmerkungen


Stichworte


Orginaltexte:

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