Primär chronische Polyarthritis = Rheumatoide Arthritis      Zurück zur Übersicht

Titel

Primär chronische Polyarthritis, rheumatoide Athritis , PCP , CP


Krankheitsnummer ( ICD )

engl Bezeichnung + Abkürzungen

engl arthritis , rheumatoid C 20.111.199


Definition

 Die Primär chronische Polyarthritis ist eine chronische Entzündung der Gelenke , die vor allem die Finger, Hand- , Ellbogen- ,Knie- ,Fuß- und HWSgelenke symmetrisch d.h   seitengleich links und rechts befällt.

Die Ursache ist unbekannt . Wahrscheinlich ist die PCP eine Autoimmunerkrankung.

In schweren Verläufen führt sie zu einer kompletten Zerstörung der Gelenk- und Gelenknahen Strukturen und führt zu einer Fehlstellung und Gebrauchsunfähigkeit insbesondere der Finger.


Einteilungen

Einteilung nach dem Rheumafaktor im Blut

Einteilung nach dem Verlauf


Ätiologie

Ätiologie


Epidemiologie

Epidemiologie:


Kosten


Pathologie

Synovitis = Entzündung der Gelenkbinnenhaut ohne nachweisbaren Erreger


Pathophysiologie

Die Ursachen für die Entstehung der rheumatoiden Arthritis sind noch immer nicht endgültig geklärt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass zu Beginn des Krankheitsprozesses Zellen des Immunsystems aktiviert werden, welche sich in einem Autoimmunprozess gegen den eigenen Körper richten. Dieser läuft dabei in mehren Schritten ab:

Die sogenannten T-Lymphozyten, eine besondere Form der weißen Blutkörperchen, werden aktiviert. Bestimmte Oberflächenmoleküle kommen bei Patienten mit schwerer rheumatoider Arthritis besonders häufig vor. Daher ist auch eine genetische Veranlagung wahrscheinlich.

Im Verlauf der weiteren Krankheitsentstehung kommt es zu einer Entzündung der Gelenkinnenhaut, der sog. Synovialis, und zwar unter Einbeziehung fast aller Zellen des Immunsystems sowie der bindegewebigen Synovialzellen. Gesteuert wird diese Entzündung durch Botenstoffe des Immunsystems, die sog. Zytokine, mit deren Hilfe Zellen miteinander kommunizieren. Eine Senderzelle gibt Wirkstoffe (Zytokine) ab, die zur Zielzelle gelangen. An der Zellmembran der Zielzelle befinden sich Rezeptoren, an die Zytokinmoleküle in einem Schlüssel-Schloss-Prinzip andocken können. Dadurch werden Signale ins Zellinnere gesendet, die eine ganz bestimmte Antwort der Zielzelle auslösen. Als wichtigste Zytokine bei der Entstehung der rheumatoiden Arthritis gelten Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) und Interleukin-1 (IL-1).

Durch die Wirkung der Zytokine entsteht aus der Synovialis ein geschwulstartiges Gewebe, der sog. Pannus, welcher nach einer gewissen Zeit Knorpel, Knochen, Halteapparat und auch andere Strukturen des betroffenen Gelenks zerstört.

TNF-alpha scheint für den zerstörerischen Entzündungsprozeß verantwortlich zu sein. Ein neuer Behandlungsansatz, um diesen Mechanismus zu unterbinden, ist die gezielte Blockade von TNF-alpha durch Antikörper oder den löslichen TNF-Rezeptor.

Interleukin-1 (IL-1) fördert die Zerstörung von Knorpelgewebe und aktiviert die knochenabbauenden Zellen, die Osteoklasten. Diese Wirkung wird normalerweise im Organismus durch den IL-1 Rezeptorantagonisten IL-1Ra reguliert. IL-1Ra verhindert die Zielzellantwort, indem die Rezeptoren auf der Zellmembran durch Gegenspieler, d.h. Rezeptorantagonisten, blockiert werden. Sie bieten dem Schloss des Rezeptors einen passenden, stummen Schlüssel an. Die Schlösser, an die IL-1 andocken könnte, sind blockiert. Ein Signal ins Zellinnere unterbleibt. Die gefürchtete Zellantwort findet nicht statt. Dieses Gleichgewicht ist bei der rheumatoiden Arthritis gestört, da es zu wenig Moleküle des IL-1 Rezeptorantagonisten gibt.


Symptome und Klinik

Kriterien der chronischen Polyarthritis

ARA-Kriterien der chronischen Polyarthritis von 1958

(Ropes und Bennett 1958)

Bewertung:

Typische Symptome sind

Im weiteren Krankheitsverlauf können sich die folgenden typischen Veränderungen der Gelenke entwickeln

Aber nicht nur die Gelenke sondern auch andere Organe können betroffen sein.

Diese extraartikulären Manifestationen sind:


Diagnostik

         Anamnesefragen

       Körperliche Untersuchung

         Labor

         Sonstige Verfahren

         Differential Diagnostik

Hauptproblem ist bei dem oft schleichendem Beginn möglichst bald eine richtige Diagnose zu stellen oder einen kompetenten Rheumatologen einzuschalten.

         Anamnesefragen

Wo sind die Schmerzen lokalisiert ?

Wie lange bestehen die Schmerzen schon ?

Erstmaliger Schub der Krankheit oder wiederholter Schub ?

Plötzlicher oder schleichender Beginn ?

Welche Tages - und Nachtzeit bevorzugen die Schmerzen ??

Besteht oder bestand zusätzlich Fieber ?

Bestehen oder bestanden zusätzlich Hauterscheinungen ?

Bestehen oder bestanden zusätzlich Herzbeschwerden ?

Bestehen oder bestanden zusätzlich Darmbeschwerden insbes Durchfälle ?

Wie wurden die Schmerzen bisher behandelt ?

Bestehen rheumatische Erkrankungen in der Familie ?

Körperliche Untersuchung

Bewegungschmerz

Funktion

Klopfschmerz

Hauterscheinungen

Herzbefund

Temperatur

Labor

                   unspezifische Entzündungsparameter

    Rheumafaktor , Titer des Rheumafaktors

Typische Veränderungen der Blutwerte sind:

Zu beachten ist jedoch, dass der Rheumafaktor nur bei ca. 80% der Patienten mit rheumatoider Arthritis nachweisbar ist, und dass der Rheumafaktor auch bei einigen anderen Krankheiten und sogar bei Gesunden vorliegen kann. Er ist daher nicht allzu spezifisch.

Sonstige Verfahren

Szintigrafie, Ultraschall, CT , NMR , Röntgen der Gelenke

                    Knochenszintigrafie

Röntgen der Gelenke

Entsprechend dem gelenkzerstörenden Verlauf der rheumatoiden Arthritis kann man meist nach einigen Jahren typische Veränderungen im Röntgenbild der Gelenke finden:

Punktat eines Gelenkes

Die Synovialflüssigkeit, die während der aktiven Gelenkentzündung immer anomal ist, zeigt sich trüb und steril und enthält 3000-50000 Leukozyten/mm3.

Differential Diagnostik

Kriterien bei denen man an etwas anderes als an PCP denken muß:

1.Typisches Schmetterlingserythem bei LED

2.Hohe LE ZellKonzentration bzw andere eindeutige Hinweise auf LED

3.Histologischer Nachweis einer Periarteriitis nodosa

4.Schwäche oder persistiernde Schwellung von Nacken-, Stamm - oder Pharynxmuskulatur ( Polymyositis , Dermatomyositis )

5.Gesicherte Sklerodermie , nicht auf die Finger beschränkt.

6.Typisches klinisches Bild des rheumatischen Fiebers mit wandernder Gelenkbeteiligung und Hinweisen auf eine Endokarditis

7.Typisches klinisches Bild einer Arthritis urica mit akuten schmerzhaften Schwellungen eines oder mehrerer Gelenke , besonders wenn die Schmerzen durch Colchicin gebessert werden.

8.Gichttophie

9.Typisches klinisches Bild einer infektiösen Arthritis , bakterieller oder viraler Ätiologie mit Schüttelfrost , Fieber und akuten Gelenkbeteiligungen , meist anfangs wandernd.

10.Bakteriologische und histologische Hinweise auf eine GelenkTBC

11.Typisches klinisches Bild eines Reitersyndromes mit Urethritis , Konjunktivitis und akuter Gelenkbeteiligung , meist zunächst wandernd.

12.Typisches klinisches Bild eines Schulter Hand Syndromes mit einseitiger Beteiligung von Schulter und Hand und diffuser Schwellung der Hand mit nachfolgender Atrophie und Kontrakturen.

13.Typisches klinisches Bild einer hypertrophischen Osteoarthropathie mit Verdickung der Finger oder hypertrophischer Periostitis entlang der Diaphysen der langen Röhrenknochen , insbesondere wenn entsprechende Lungenveränderungen oder verwandte Erkrankungen vorhanden sind.

14.Typisches klinisches Bild einer Neuroarthropathie ( zB Charcot - Gelenk ) mit Verschmelzung und Zerstörung der Knochen der beteiligten Gelenke und zugehöriger neurologischer Befunde.

15.Homogenitinsäure im Urin (Alkaptonurie)

16.Histologische Hinweise auf eine Sarkoidose

17.Multiples Myelom

18.Charakteristische Hautveränderungen eines Erythema nodosum

19.Leukämie oder Lymphom

20.Agammaglobulinämie


Bilder


Therapie

Die Therapie der PCP befindet sich derzeit ( 1999) in einer Umbruchsphase , da eine Reihe von neuen Medikamenten getestet und einggeführt wird.

Ärzte Zeitung, 26.03.2002

Anakinra - eine neue Option bei rheumatoider Arthritis

Europaweite Zulassung des ersten IL-1-Rezeptorantagonisten

BERLIN (wma). Für Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA), die auf Methotrexat nicht genug ansprechen, ist voraussichtlich ab dem 1. April der erste Interleukin-1-Rezeptorantagonist Anakinra im Handel. Vor wenigen Tagen wurde der Wirkstoff zur Kombinationstherapie mit Methotrexat europaweit zugelassen .

Außer TNF-alpha ist Interleukin-1 (IL-1) eines der wichtigsten Zytokine bei der Pathogenese der RA, so Professor Gerd-Rüdiger Burmester von der Charité in Berlin auf der Einführungs-Veranstaltung von Anakinra (Kineret®). TNF-alpha scheint hauptsächlich ein Entzündungsmediator zu sein. Interleukin-1 aber sei wahrscheinlich entscheidend für die Knochen- und Knorpeldestruktion.

Anakinra ist die rekombinante Form des körpereigenen IL-1-Rezeptorantagonisten. In klinischen Studien wurden bereits mehr als 2000 Patienten damit behandelt, sagte Dr. Andrea Rubbert aus Köln auf der Veranstaltung von Amgen in Berlin.

In einer Studie erhielten 472 Patienten mit schwerer RA über sechs Monate Anakinra in unterschiedlicher Dosis oder Placebo. Bei der Verum-Gruppe hatten sich die radiologischen Kriterien Gelenkspaltverschmälerung und Erosion am Ende signifikant verringert. In einer Studie mit 501 Patienten, bei der Methotrexat plus 100 mg Anakinra oder Placebo gegeben wurden, gab es mit dem Verum-Präparat viel mehr Patienten mit einer 20-prozentigen Verminderung der Gelenkbeschwerden (38 Prozent) als mit Placebo (acht Prozent).

An unerwünschten Wirkungen gab es bei zwei Dritteln der Patienten Hautreaktionen am Einstich. Wie aus den Studienergebnissen zu schließen war, erhöht das Mittel zudem leicht das Risiko für schwere Infektionen.


Verlauf

"Wir wissen heute, daß das größte Ausmaß an Gelenksdestruktion während der ersten beiden Erkrankungsjahre auftritt"

Remissionskriterien der chronischen Polyarthritis (Pinals et. al. 1981)

Zusätzlich dürfen keine Zeichen aktiver systemischer Manifestationen wie z.B. Perikarditis, Pleuritis oder Vaskulitis vorliegen. Eine Remission liegt vor, wenn mehr als 5 Kriterien über mehr als 2 Monate Dauer erfüllt sind.

Kompliziernde Faktoren

Felty-Syndrom: Das Felty-Syndrom ist eine besondere Verlaufsform einer chronischen Polyarthritis mit positivem Rheumafaktornachweis, Verminderung weißer Blutkörperchen (Leukopenie) und Vergrößerung der Milz (Splenomegalie). Es ist sehr selten.


Fälle

http://www.med.uni-muenchen.de/rheuma/fall-hom.htm

http://www.med.uni-muenchen.de/rheuma/fall1-1.htm

http://www.med.uni-muenchen.de/rheuma/fall2-1.htm

http://www.med.uni-muenchen.de/rheuma/fall3-1.htm


Experten + Krankenhäuser

Forschungsranking in Sachen Rheumatologie :

http://f-und-r.fr.belwue.de/biotech/rubric/ranking/R00.4/rheuma.html

Joachim R. Kalden

Andreas Radbruch

Joachim Sieper

Jürgen Braun (Uni-Klinikum Benjamin Franklin FU Berlin)

Steffen Gay (Rheumatologie Universitätshospital Zürich )

Thomas Dörner (Klinikum Charité HU Berlin)

Gerd-Rüdiger Burmester

Wolfgang L. Gross (Rheumaklinik Med Uni Lübeck)

Henning Zeidler (Rheumatologie MH Hannover)

Hans-H. Peter (Rheumatologie Med. Klinik Uni Freiburg)

Renate E. Gay (Rheumatologie Universitätshospital Zürich )

Ulf Müller-Ladner (Med. Klinik Uni Regensburg)

Klaus von der Mark (Exp. Medizin Uni Erlangen)

Falk Hiepe (Klinikum Charité HU Berlin)

Ulrich Eggens (Uni-Klinikum Benjamin Franklin FU Berlin)

Bernhard Lang (Med. Klinik Uni Regensburg)

Max Löhning (Deutsch. Rheumaforschungszentrum Berlin)

Hendrik Schulze-Koops (Med. Klinik Uni Erlangen)

Thomas Kamradt (Deutsch. Rheumaforschungszentr. Berlin)

Thomas Aigner (Pathologie Uni Erlangen)

Beat A. Michel (Rheumaklinik, Universitatsspital Zürich)

Gerold Stucki (Rheumaklinik, Universitatsspital Zürich)

Alan Tyndall (Rheumatologie Kantonsspital Basel

Rainer H. Straub (Med. Klinik Uni Rgensburg)

Rudolf A. Manz (Deutsch. Rheumaforschungszentr. Berlin)

Erika Gromnica-Ihle (Rheumaklinik Berlin-Buch)

Elisabeth Märker-Hermann (Med. Klinik Uni Mainz)

Matthias Schneider (Rheumazentrum Uni Düsseldorf)

Elena Csernok (Rheumaklinik Med Uni Lübeck)

Martin Rudwaleit (Uni-Klinikum Ben. Franklin FU Berlin)

Klinikdirektor: Prof. Dr. med. Gerd R. Burmester

Humboldt-Universität zu Berlin

Medizinische Klinik und Poliklinik III

Schwerpunkt: Rheumatologie und Klinische Immunologie


Selbsthilfegruppen

Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband

Rheinallee 69

53173 Bonn

Tel.: 0228-95 75 00

Fax.: 0228-95 75 20

Kontakbüro "Patientenschulung in der Rheumatologie"

c/o pcm

Wormser Str. 81

55276 Oppenheim

Tel.: 06133-2022

Fax.: 06133-2024

Karte der BMG geförderten Rheumazentren in der BRD

http://www.rheumanet.org/id/rz/rhzmap.htm

Rheumazentrum München e.V. (RZM e.V.)

Anschrift:

Rheumaeinheit der Ludwig Maximilian Universität

Pettenkoferstr. 8a

80336 München

Tel: 089 / 51603578

Fax: 089 / 592446

Ansprechpartner:

Priv. Doz. Dr. K. Krüger (Koordinator des RZM)


http://www.rze.med.uni-erlangen.de/


Rheumazentrum Jena e.V. am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität

Weitere Rheumazentren unter

http://www.rheumanet.org/ID/rz/21rhz.htm


Literatur

Bücher:

Kaiser H.

Chronische Polyarthritiden Differentialdiagnose und Therapie

Enke Verlag 1985 110 Seiten DM 44.-

ISBN 3 432 94991 X

W.A.Katz

Chronische Polyarthritis Diagnostische Leitlinien

Sehr gute Broschüre über die Firma Smith Kline Dauelsberg zu bestellen

Ratgeber Gesundheit: Rheuma - Arthrose-Gicht

Verlag Stiftung Warentest 1992, 191 Seiten

ISBN-Nr.: 3-924286-67-1

Rheuma hat viele Namen und ebenso viele Formen. Wer als Patient oder Angehöriger erstmals mit einer rheumatischen Erkrankung konfrontiert wird, findet in dem Ratgeber Gesundheit der Stiftung Warentest eine gute Orientierungshilfe. Das Buch begleitet aber auch auf dem Weg von der ärztlichen Untersuchung bis zur Diagnosestellung und gibt ausführliche Hinweise zur Therapie rheumatischer Erkrankungen einschließlich unkonventioneller Heilverfahren. Eingegangen wird auch auf psychologische Aspekte sowie auf das Thema "Leben mit Rheuma". Es kann jedem empfohlen werden, der seriöse und verständliche Informationen zumThema "Rheuma" sucht.


Internetquellen

http://www.m-ww.de/monatsthema/02/april/index.html

  1. Gut verständliche umfassende Information über die PCP

http://www.rheuma-zentrum.com

http://www.rheumanet.org

http://www.rheuma-online.de

www.rheumatoide-arthritis.de

http://www.medicinenet.com/mainmenu/encyclop/ARTICLE/Art_R/RHEUARTH.htm

( englisch )

http://www.med.uni-muenchen.de/rheuma/homepage.html

Rheumatologischer Auskunftsdienst der Universität München

http://www.gsf.de/MED_STAT/rkg-b001.htm

( Rheuma-Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen )

http://www.medizin-forum.de/forum/rheuma/blick.htm

( Deutsche Rheuma-Liga Saar e.V.)

+++ Jung-Rheumatiker

Im Bewusstsein der Oeffentlichkeit ist Rheuma eine Alterskrankheit. Doch schon Kinder koennen an entzuendlichen Gelenkerkrankungen leiden. Deren Behandlung ist um so erfolgreicher, je frueher sie erkannt werden. Um gegen die weit verbreitete Unwissenheit und die Vorurteile ueber Rheuma im Kindesalter anzugehen, startete die Kinder - Rheumastiftung Website "Rheumakids". Sie richtet sich einerseits an Betroffene und deren Eltern, andererseits an Aerzte. Neben Informationen zu den Erscheinungsformen des Kinder-Rheumas und den Gegenmassnahmen bietet die Site weiterfuehrende Adressen on- und offline. In der "Kontaktboerse" haben Kinder und Eltern Gelegenheit, miteinander zu chatten. Ausserdem koennen sie Fragen an einen Rheuma-Experten richten.

http://www.rheumakids.de

http://www.dgrh.de

ist die Homepage der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie mit Adressen der 25 Rheumaforschungszentren.

http://www.rheuma-liga.de

wird vom Bundesverband der Deutschen Rheuma-Liga betrieben. Hier gibt es Broschüren zum Anfordern und Herunterladen von der Website.

Folgende Tabelle wurde übernommen von http://www.dgrh.de/links.html

Rheumatologische Gesellschaften

Selbsthilfegruppen

Rheumatologie im Internet

Journals - Rheumatologie


Geschichte der Krankheit

eine der ersten Beschreibungen der chronischen Polyarthritis durch Sir Alfred Garrod 1858


Diskussion und Fragen,Anmerkungen


Stichworte


Orginaltexte:

+++ Tag der Rheumakranken

Rund die Haelfte der Erwachsenen in Deutschland leidet unter rheumatischen Stoerungen. Unter diesen Begriff fallen etwa 450 Krankheitsbilder, die eines gemeinsam haben: Sie sind schmerzhaft und erfordern eine langwierige Therapie. Obwohl die Ursachen von Arthritis, Weichteilrheumatismus & Co. nicht genau bekannt sind, sind sich Fachleute einig, dass eine fruehzeitige und kontinuierliche Behandlung eine nachhaltige Besserung bewirkt. Wichtig ist dabei staendiges Ueben, um die Beweglichkeit zu erhalten. Die Deutsche Rheuma-Liga bietet spezielle Gymnastikgruppen an. Zur spezifischen medizinischen Betreuung stehen im Bundesgebiet bereits 21 Rheumazentren zur Verfuegung, weitere sind geplant. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, findet am 12. Juni der Tag der Rheumakranken statt. Wer glaubt, an Rheuma zu leiden, sollte sich umgehend von einem Arzt untersuchen lassen.

--> http://www.rheumanet.org/

Neues Medikament stoppt bei Rheuma Gelenk-Entzündung

Berlin — Mit Hilfe einer völlig neuen Wirksubstanz können jetzt Gelenkzerstörungen bei einer schweren rheumatoiden Arthritis erstmals gestoppt werden. Das berichtete Professor Erika Gromnica-Ihle von der Rheumaklinik Berlin-Buch auf dem Deutschen Ärztekongress in Berlin. Dies sei eine Ægeradezu revolutionäre Entwicklung“. Mit den bisherigen Medikamenten konnte das Fortschreiten der Erkrankung lediglich gebremst, nicht aber verhindert werden. Die neue Substanzgruppe mit dem Namen Biologicals, so Gromnica-Ihle, wirke ganz gezielt auf den Botenstoff der Entzündung und zwar auf TNF alpha. Dieser spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung einer rheumatoiden Arthritis und ist ganz wesentlich an der Gelenkzerstörung beteiligt. Wird TNF alpha blockiert, geht auch die Entzündung zurück.

Den eigentlichen Fortschritt sieht Gromnica-Ihle aber in der Wirkung auf die Gelenkstruktur. Die Röntgenbilder zeigten, dass die Biologicals die Gelenkzerstörung stoppen können. In Deutschland ist seit diesem Jahr bislang ein TNF-alpha-Blocker auf dem Markt. Die Zulassung eines weiteren Medikaments wird für Juni erwartet. Welche Patienten von dem Fortschritt profitieren werden, ist noch nicht endgültig geklärt. ÆJede Therapie hat ihren Preis“, sagte die Rheumatologin. Die Behandlung mit dem neuen Blocker koste pro Tag über 70 Mark, die herkömmliche Therapie nur 83 Pfennig.

Nach einer Empfehlung der Gesellschaft für Rheumatologie sollen mit der neuen Substanz vor allem Patienten mit schweren Krankheitsverläufen behandelt werden. Dies sind etwa zehn Prozent der Erkrankten. Etwa ein Prozent der Bundesbürger leidet an einer rheumatoiden Arthritis. Die Krankheit kann bereits im Kinderalter auftreten. Bei schweren Verläufen kommt es zu erheblichen Deformierungen der Gelenke. Die Betroffenen können ihre Finger kaum noch bewegen, so dass einfachste Tätigkeiten wie Zähneputzen kaum noch möglich seien. Aber auch die Behandlung Æleichterer“ Arthritis-Fälle hat sich nach Darstellung von Gromnica-Ihle verbessert. ddp



NEJM: Rituximab in der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis

Die maßgebliche Studie wurde in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine (NEJM 2004; 350: 2572-2581) vorgestellt. Die hochsignifikanten Ergebnisse bedeuten neue Hoffnung für Tausende von Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA), die auf die derzeit erhältlichen Therapien wie Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs (DMARDs) nicht oder nur unzureichend ansprechen.

In der Multizenterstudie konnte gezeigt werden, dass ein einziger Therapiezyklus mit 2 Infusionen Rituximab im Abstand von 2 Wochen und in der Kombination mit Methotrexat (MTX) die Symptome von Patienten mit schwerer RA signifikant bis zu 70% verbessert. Mit dem einmaligen Therapiezyklus waren die Ansprechraten auch in der Nachbeobachtung nach 48 Wochen noch hochsignifikant besser als im Kontrollarm mit MTX und Placebo. Die außergewöhnliche Dauer der Wirksamkeit erklärt sich aus dem völlig neuen Therapieansatz. Im Gegensatz zu anderen Medikamenten in der Therapie der RA richtet sich der monoklonale Antikörper Rituximab selektiv gegen eine Gruppe von B-Zellen, die nach neuesten Erkenntnissen eine Schlüsselrolle in der Entstehung dieser chronisch, entzündlichen Erkrankung spielen.

"Diese Studie gibt uns einen eindeutigen Beleg für die Hypothese, dass B-Lymphozyten eine zentrale Rolle in der RA spielen und dass Therapien, die auf B-Lymphozyten zielen, ein signifikantes Potential haben", sagte der leitende Prüfarzt der Studie, Prof. Jonathan Edwards vom University College in London, England.

Rituximab war nach Angabe der Prüfärzte in allen Studienarmen gut verträglich. Das Sicherheitsprofil der Studie war in den Beobachtungszeiträumen von 24 und 48 Wochen auch in Bezug auf Infektionen zwischen den Rituximab Armen und dem Kontrollarm vergleichbar verteilt.

Über die Studie

Die Studie wurde multizentrisch, randomisiert, doppel-blind und kontrolliert durchgeführt. Es wurden insgesamt 161 Patienten aus 11 verschiedenen Ländern eingeschlossen. Die rekrutierten Patienten litten an einer schweren, aktiven RA mit einem langen Krankheitsverlauf von im Median 10,4 Jahren und hatten auf viele andere Therapien nicht mehr angesprochen.

Die Patienten wurden in 4 verschiedene Arme rekrutiert. Die Kontrollgruppe erhielt Methotrexat (MTX) (>=10 mg wöchentlich) und Placebo. Rituximab wurde den drei anderen Gruppen in gleicher Dosierung nur am Anfang der Studie in 2 Infusionen von 1g im Abstand von 2 Wochen gegeben. Arm B erhielt dazu Placebo, Arm C bekam als Kombination Cyclophosphamid (2 Infusionen mit 750mg) und Arm D wurde zusätzlich mit MTX (>=10mg wöchentlich) behandelt. Begleitend erhielten alle Gruppen über 17 Tage Kortikosteroide.

Die Ansprechraten wurden nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) und der European League Against Rheumatism (EULAR) erhoben. Nach 24 Wochen zeigte sich, dass der erste Endpunkt, der Anteil an Patienten, deren Symptome sich um mindestens 50% verbessert hatten (ACR 50), hochsignifikant besser für die Kombinationsarme mit Rituximab war.

Der Kombinationsarm von Rituximab mit MTX zeigte in der Studie besonders lang anhaltende Ansprechraten, die ohne weitere Therapie nach 24 Wochen und nach 48 Wochen alle hochsignifikant besser ausfielen als der Kontrollarm mit MTX alleine:

- ACR 20 (Verbesserung der Symptome von mindestens 20%) bei 73% der Patienten (p=0.003) und nach 48 Wochen noch 65% (p<0.001)

- ACR 50 (Verbesserung der Symptome von mindestens 50%) bei 43 % der Patienten (p=0.005) und nach 48 Wochen noch 35% (p=0.01)

- ACR 70 (Verbesserung der Symptome von mindestens 70%) bei 23 % der Patienten (p=0.048) und nach 48 Wochen noch 15% (p=0.03)

Im Vergleich dazu hatten Patienten mit MTX alleine nach 24 Wochen Ansprechraten von 38% ACR 20, 13% ACR 50, 5% ACR70 und nach 48 Wochen noch 20% ACR 20,5% ACR 50 und 0% ACR70.

Auffällig war eine selektive Verbesserung des Rheumafaktors, der im Kombinationsarm Rituximab mit MTX über die Dauer der Nachbeobachtung konstant niedrig blieb. Die Serumspiegel der Immunglobuline dagegen, die für die Infektabwehr entscheidend sind, blieben im normalen Bereich.

Nach Aussage der Prüfärzte zeigten sich die verschiedenen Therapien während der Studie vergleichbar gut verträglich. Die Mehrzahl der mit Rituximab in Zusammenhang gebrachten unerwünschten Ereignisse war mild oder moderat und trat während der ersten 14 Tage auf. In den Beobachtungszeiträumen von 24 und 48 Wochen waren Anzahl und Art der Ereignisse zwischen den Rituximab Armen und dem Kontrollarm vergleichbar.

Über Rituximab

Rituximab (MabThera®) ist ein gentechnisch hergestellter, chimärer, monoklonaler Antikörper der sich spezifisch mit dem CD20 Protein auf der Oberfläche von B-Zellen verbindet und dann die körpereigene Immunabwehr zur Abtötung der Zellen nutzt. Die frühen Entwicklungsstufen der B-Lymphozyten, die Stammzellen, tragen kein CD20, so dass sich nach einigen Monaten alle B-Zellen wieder im Normbereich befinden. Die ausgereiften B-Lymphozyten, die Plasmazellen, die für die Immunabwehr entscheidend sind, tragen ebenfalls kein CD20 und bleiben unangetastet.

Mit diesem hochselektiven Zielantigen CD20 ist Rituximab für die therapeutische Anwendung gegen B-Lymphozyten sehr gezielt einsetzbar. Bei RA Patienten wird es verwendet, weil neueste Erkenntnisse auf eine Schlüsselrolle von B-Zellen in der Krankheitsentstehung von RA hinweisen. Das Ziel der Behandlung mit Rituximab in RA ist, die chronische Entzündungskaskade zu durchbrechen, die vor allem in den Gelenken der Betroffenen zu Knorpel- und Knochenschäden führt.

Zurück zur Übersicht