Rauchen                                                           Zurück

Rauchkrankheiten

Zuerst einmal möchte ich hier die faktische Seite des Rauchens aufzeigen.Welche Krankheiten werden durch das Rauchen verursacht bzw. mitverursacht ? (Ausserdem ein paar interessante Zahlen zu diesem Thema)

1.Bösartige Krankheiten

2.Herz- und Kreislauferkrankungen

3.Verschiedenes

Insgesamt ist das Rauchen zur Zeit die wichtigste faßbare Einzelursache für Krankheit und vorzeitigen Tod in den westlichen Ländern.

Ein starker Raucher ( mehr als 20 Zigaretten / Tag) verkürzt sein Leben um circa 8 - 12 Jahre gegenüber einem Nichtraucher.

Nikotin

Nikotin ist das Hauptalkaloid des Tabaks.Es ist stark giftig für höhere Tiere da es die Ganglien des vegetativen Nervensystems blockiert.Nikotin wird im Körper schnell oxidativ abgebaut d.h. eine chronische Nikotinvergiftung kann nicht auf einer Kumulation des Wirkstoffes beruhen.Das bedeutet im Klartext: Wir sterben nur deshalb nicht unmittelbar am Rauchen (tödliche Dosis: 0,5 bis 1 mg pro kg Körpergewicht)weil sich des Gift so schnell im Körper verteilt!

Der Nikotingehalt einer Lucky Strike,Marlboro (normale,die roten) oder ähnlichen beträgt etwa 12 mg.Zur Verdeutlichung: Wenn ein Kleinkind eine Zigarette erwischt und runterschluckt führt dies in den meisten Fällen zum Tod.

Benzpyren

Chemisch zählt Benzpyren zu den polyzyklischen Kohlenwasserstoffen.Er wurde 1933 von dem Chemiker Cook aus 2 Tonnen Teer destilliert und als eines der stärksten Karzinogene in biologischen Tests verwendet.Nach der Verfütterung von 3,4 Benzpyren wurden bei Mäusen Magen- und Lungentumoren neben Leukämien beobachtet.Die gesamte menschliche Umgebung ist heute Benzpyren-verseucht .Erdölrückstände, Autoabgase, Straßenstaub, Zigarettenrauch und sogar geräucherte Nahrungsmittel enthalten teilweise erhebliche Mengen dieses Stoffes.3,4 Benzpyren bindet an Proteine der Maushaut und an die DNA der Maushaut.Durch Bepinseln der Haut mit Teer läßt sich sehr schnell Hautkrebs erzeugen (bitte nicht ausprobieren).Karzinogene Wirkungen sind meist irreversibel!!!Das 1,2 Benzpyren dagegen führt wie Versuche zeigten zu Lebzeiten des Versuchstieres nicht zu Tumorbildung im Gegensatz zum stark tumorerzeugenden 3,4 Benzpyren.

Wem nützt eigentlich das Rauchen ?

So fragt man sich : Warum rauchen Menschen? Was nützt einem der blaue Dunst? Und wem nützen eigentlich die Raucher ?

Die letzte Frage läßt sich sehr einfach beantworten,hierzu ein paar Beispiele   : Das Rauchen nützt

1.Der Zigarettenindustrie ( >14 Mrd Einnahmen pro Jahr in der BRD)

2.Dem Staat ( >10 Mrd Einnahmen durch die Tabaksteuer in der BRD )

3.Den Medizinmännern ( Einnahmen durch die Raucher nicht genau zu          beziffern, außerdem kann man den Rauchern immer so schön ein            schlechtes Gewissen vermitteln )

4.Der Rentenversicherung( spart gewaltig an Altersrenten durch                    Minderung der Lebenserwartung im Durchschnitt 8 Jahre pro                    Raucher)

Und was nützt die Zigarette dem einzelnen Raucher ? Er hat sehr hohe unnötige Kosten ( ca. 2000 DM im Jahr die er für andere,viel brauch-und greifbarere Dinge ausgeben könnte ! ), leidet an Husten,schlechter Kondition und andern körperlichen Problemen und verliert viel Zeit seines Lebens, vor allem an dessen Ende. Was also bewegt gerade Jugendliche dazu sich all das anzutun?


D/Tabak/Gesundheit/Finanzen/Steuern/Haushalt/ZF

Raucher kaufen in Deutschland weniger Zigaretten

- Statistiker verweisen auf höhere Tabak-Steuern

Wiesbaden, 22. Januar 2002 (AFP) - Raucher in Deutschland haben im vergangenen Jahr 2001 weniger Zigaretten und andere Tabakwaren gekauft - aber die Kasse von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) weiter kräftig gefüllt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom Dienstag wurden im Jahr 2001 insgesamt Tabakwaren für 20,6 Milliarden Euro (40,3 Milliarden Mark) versteuert; dies waren 0,8 Prozent weniger als im Jahr 2000. Eichel dürfte sich aber über einen satten Netto-Erlös von rund 12,1 Milliarden Euro aus der Tabaksteuer freuen, sagte Destatis-Experte Klaus-Jürgen Hammer der Nachrichtenagentur AFP.

Viele Raucher hätten angesichts der jüngsten Tabaksteuer-Erhöhungen auf  Vorrat gekauft, betonte Hammer. Daher und wegen Überhängen durch nachträglich bezahlte Steuer-Banderolen aus dem Vorjahr sei bei den Steuer-Erlösen für das laufende Jahr "ein Rückgang zu erwarten". Die Tabaksteuer war zunächst Anfang November angehoben worden; zur Finanzierung des Anti-Terror-Paketes stieg sie zudem zum 1. Januar 2002 um einen Cent (knapp 1,96 Pfennig) pro Zigarette.

Eine weitere Erhöhung soll zum 1. Januar 2003 kommen.

Den Angaben des Bundesamtes zufolge sank der Absatz der versteuerten Zigaretten im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 136,7 Milliarden Stück. Zigarren und Zigarillos verzeichneten einen Absatz-Einbruch um rund ein Zehntel. Beliebter wurde dagegen das selbst Drehen - sowohl bei losem Tabak als auch bei Feinschnitt-Rollen zum Zusammenstecken stiegen die Absätze. pin/ul

Statistik

BRD: Den Statistikern zufolge raucht jeder vierte Bundesbürger über 15 Jahre regelmäßig. 25 % Raucher

Dabei greifen 35 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen zum Glimmstengel. Das männliche Geschlecht beginnt auch früher mit dem Rauchen: Beim ersten Zug sind Männer im Durchschnitt 19 Jahre alt, Frauen dagegen 20 Jahre.

Zu den Berufsgruppen mit dem höchsten Anteil an Rauchern zählen Bus-, Taxi- und Fernfahrer sowie Bauarbeiter mit jeweils 52 Prozent. Am wenigsten rauchen mit je 18 Prozent Ärzte, Apotheker und Lehrer.

Das Bundesamt ermittelte aber auch regionale Unterschiede: Demnach gibt es in den nördlichen Bundesländern mehr Raucher als in den südlichen: In Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern raucht etwa jeder dritte, in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg nur etwa jeder vierte Bürger.

Berlin, 18. Januar 2001  (AFP) - Die Deutschen haben im vergangenen Jahr 600 Millionen Mark (306,7 Millionen Euro) weniger für Tabak ausgegeben als 1999.  Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, wurden im  Jahr 2000 für Zigaretten, Zigarren, Zigarillos und andere Tabakerzeugnisse  40,6 Milliarden Mark (20,8 Milliarden Euro) ausgegeben. Der Großteil entfiel dabei mit 37,5 Milliarden Mark (19,2 Milliarden Euro) auf Zigaretten.

Allerdings bedeutet der Rückgang der Ausgaben für Tabak nicht zwangsläufig, dass weniger geraucht wurde. Vielmehr griffen die Deutschen einer unlängst veröffentlichen Erhebung des Tabakkonzerns British American Tobacco (BAT) zufolge im vergangenen Jahr genauso oft zum Glimmstengel wie in den Vorjahren. Es gibt aber einen Trend weg von den Markenzigaretten hin zu den so genannten Handelsmarken der Billig-Discounter, was die gesunkenen Ausgaben erklären würde.

Was ist schön am Rauchen ?

"Ich finde dass es einfach Spaß macht.Es ist eine Lieblingsbeschäftigung für mich geworden.Ich bin mir der Risiken voll bewusst aber im Moment möchte ich nicht aufhören weil ich für mich immer wieder merke ,daß Rauchen echt auch schön sein kann. In Streßsituationen beruhigt es, mit Freunden vermittelt es Gemeinsamkeitsgefühl,etc.Natürlich merke ich die Probleme auch ein bißchen. Man kommt leicht ausser Atem und so. Aber ich bin der Ansicht, richtig krank (z.B. Lungenkrebs) wird man nur dann wenn man Angst davor hat und das habe ich nicht.Ich will so leben daß ich Spaß habe und von mir aus zehn Jahre weniger."

Die Meinung einer überzeugten Raucherin.

Vom Qualm in der Umgebung

wird man erwiesenermaßen auch belastet.Manche behaupten sogar Passivraucher seien noch stärker gefährdet als Raucher an sich.Ein amerikanischer Professor zeigte aus mehreren epidemiologischen Studien, daß ein Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs sowie Herz- Kreislauferkrankungen bestehe.Studien zufolge gingen allein in den USA 3700 Todesfälle durch Lungenkrebs und 37 000 tödliche Herzinfarkte auf das Konto der indirekten Inhalation des Tabakdunsts.

Untersuchungen aus Japan hatten bereits 1981 Hinweise auf schädliche Wirkungen des Passivrauchens gegeben. Einige Jahre später nahm die zuständige Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft das Passivrauchen in die Liste 'Potentiell krebserregender Arbeitsstoffe' auf. Zahlreiche weitere Studien folgten.

/Gesundheit/Tabak/Rauchen/KORR

Für Passivraucher steigt das Lungenkrebsrisiko um 30 Prozent

- Aktion zum Weltnichtrauchertag gegen "Rauch aus zweiter Hand"

- Bundestag berät über Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz

Von Andrea Hentschel

Bonn, 29. Mai (AFP) - Blausäure, Kohlenmonoxid, Ammoniak und Formaldehyd -  im Tabakqualm stecken insgesamt 4000 Chemikalien, darunter 40 krebsauslösende  Stoffe. Mit dem blauen Dunst setzen sich aber nicht nur Raucher gefährlichen  Gesundheitsrisiken aus. Auch Passivrauchern, die die Giftstoffe ungewollt  inhalieren, drohen Folgeschäden. Nach Angaben der Koalition gegen das Rauchen,  einem Zusammenschluss von mehr als 80 Gesundsheitsinitiativen in Deutschland, verursacht unfreiwilliges Mitqualmen Atemwegserkrankungen und fördert die Entstehung von Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die Kampagne zum diesjährigen Weltnichtrauchertag am Donnerstag richtet sich daher gegen den "Second-hand smoke" - den "Rauch aus zweiter Hand". Auch in Deutschland sollen Nichtraucher künftig besser vor Qualm am Arbeitsplatz geschützt werden. Der Bundestag berät dazu passend zum Weltnichtrauchertag einen Gesetzentwurf.

Schätzungsweise 17 bis 20 Millionen Deutsche rauchen regelmäßig. Jedes Jahr sterben rund 110.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Infolge des Rauchens kann es zu Bluthochdruck, Impotenz, Herzinfarkt und Lungenkrebs sowie anderen Tumoren etwa am Kehlkopf und im Rachen kommen. Raucher leben durchschnittlich acht Jahre weniger als Nichtraucher. Aber auch Passivrauchen erhöht das Herzinfarkt-Risiko um 60 Prozent. Das Lungenkrebsrisiko passivrauchender Menschen ist nach Angaben der Deutschen Krebshilfe um etwa 30 Prozent erhöht. Menschen, die 15 Jahre lang in stark verrauchten Räumen arbeiteten, haben sogar ein fast doppelt so hohes Lungenkrebsrisiko wie nicht oder nur gering belastete Personen. Schätzungsweise rund 400 Passivraucher sterben jährlich daran. Studien zufolge muss gut jeder Fünfte zu Hause und am Arbeitsplatz unfreiwillig mitrauchen.

Um Nichtraucher besser vor den Gefahren des Tabakqualms am Arbeitsplatz zu  schützen, starteten Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen vor zwei Jahren  eine Initiative. Am Donnerstag wird das Parlament über den Antrag zur Änderung  der so genannten Arbeitsstättenverordnung beraten. Arbeitgeber sollen künftig  Regelungen treffen, damit Nichtraucher besser geschützt werden, wie der  CDU-Abgeordnete und Mitinitiator Werner Lensing betont. Gefordert wird ferner  ein Handbuch zur innerbetrieblichen freiwilligen Raucherentwöhnung. Sanktionen sind in dem Gesetzentwurf allerdings nicht vorgesehen.

Die Forderungen der Gesundheitsorganisationen gehen noch weiter. So soll  nach Ansicht der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren auch der Verkauf von Tabakwaren an Minderjährige verboten und die Tabakwerbung drastisch eingeschränkt werden. Gerade der Tabakkonsum bei Kindern und Jugendlichen nimmt teilweise erschreckende Ausmaße an. Nach einer neuen Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BGgA) liegt das Einstiegsalter beim Rauchen bei durchschnittlich 13,6 Jahren. Bei den Zwölf- bis 25-Jährigen rauchen insgesamt 38 Prozent. In der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen stieg der Tabakkonsum von 1993 bis 1997 von 20 auf 28 Prozent an.

"Die meisten haben als Jugendliche mit dem Rauchen begonnen, in einem Alter, in dem die Zigarette als Symbol von Stärke und Selbstbewusstsein gilt", sagt Uwe Prümel-Philippsen von der Koalition gegen das Rauchen. Haben Jugendliche erst einmal mit dem Rauchen begonnen, ist der Ausstieg sehr schwer. Erwachsene unternehmen meist bis zu zehn erfolglose Versuche, bis sie endgültig vom Nikotin loskommen. Nach Angaben von Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg verdoppelt heute die Kombination von verhaltenstherapeutischen Programmen und pharmakologischer Therapie mit Nikotinersatzstoffen, wie Kaugummis, Pflaster oder Nasenspray die Erfolgsaussichten bei der Raucherentwöhnung. Allerdings seien "persönliche Motivation und Eigenleistung" nach wie vor Voraussetzungen für einen erfolgreichen Rauchstopp."

+++Weitere Informationen zum Thema im Internet: www.weltnichtrauchertag.de/

www.bvgesundheit.de/www.bzga.de

hex/ul

Rauchen und das Gesetz

In USA sind die Anhänger des Nikotins inzwischen so etwas wie Aussätzige geworde. Präsident George Bush unterzeichnete (irgendwann einmal) ein Gesetz, das vom kommenden März an das Rauchen auf allen inneramerikanischen Flügen bis zu sechs Stunden Dauer verbietet. 44 US- Bundesstaaten haben Gesetze verabschiedet, die Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln, Theatern, Kinos, Krankenhäusern oder Restaurants entweder ganz verbieten oder massiv einschränken. Wer trotzdem seinem Verlangen nach Nikotin nachgibt, kann beispielsweise in New York vom 1. Januar an mit einer Geldstrafe von bis zu 1 000 Dollar belegt werden.

Politische Forderungen :

Die Tabaksteuer muß den Krankenkassen zufließen und ihre Höhe sollte sich nach der Höhe der Gesundheitsschäden des Rauchens bemessen.

Rauchen darf erst ab 18 erlaubt sein.

In öffentlichen Gebäuden sollte Rauchen völlig verboten werden.

Die EU subventioniert derzeit den Tabakanbau in der Union mit jährlich rund einer Milliarde Euro (knapp zwei Milliarden Mark). Diese Subvention muß gestoppt werden.

Aufhören mit dem Rauchen

Auf was sich Ihr Körper freuen darf , wenn Sie aufhören zu rauchen

Innerhalb von 20 Minuten

Nach ca. 8 Stunden

Innerhalb 24 Stunden

Innerhalb 48 Stunden

Nach ca. 72 Stunden

Innerhalb von 2 - 3 Monaten

In 1-9 Monaten

Innerhalb von 5 Jahren

Nach 10 Jahren

http://www.wellweb.com/smoking/what_happens__when_you_quit.htm

Wenn man sich jetzt entschieden hat aufzuhören und sich von all den Problemen zu befreien,dann hat man sich ein ganzes Stück Arbeit vorgenommen.Es ist hart-so die Meinung von vielen-aber es haben schon eine Menge Menschen vor mir geschafft und ich kann es auch.Dabei ist es nicht so gut,sich total unter Druck zu setzen und das ganze mit dem System "Willensstärke" durchzuziehen.Man wird dieses Verlangen nie ganz loswerden.Hier einige Tips für die Nichtraucher von morgen, die heute noch Raucher sind:

Tips zur Raucherentwöhnung

1.Man sollte sich vor einem Entwöhnungsversuch ausreichend über die Folgen des Rauchens informieren. Nur wer ausreichend informiert ist , bringt erfahrungsgemäß die Kraft für einen klaren Entschluß und seine Durchführung auf.

2.Schreiben Sie sich vielleicht die speziellen Gründe , warum Sie mit dem Rauchen aufhören wollen , selber auf.

3. Fangen Sie erst mit der Entwöhnung an , wenn Sie sich zu einem klaren Entschluß durchgerungen haben.

4.Am Besten ist vermutlich ,von heute auf morgen mit dem Rauchen ganz  und gar aufzuhören. Allmähliches Abgewöhnenwollen ist in der Regel viel schwerer .

5.Vernichten Sie alle Tabakwaren in Ihrer Umgebung.

6.Beginnen Sie nicht an einem Tag besonderer beruflicher Anspannung . Eine leichte Erkältung oder jeder andere Zeitpunkt , an dem eine Zigarette ohnehin nicht schmeckt , ist vorzuziehen.

7.Gehen Sie während der Entwöhnungszeit zeitig schlafen , man braucht dafür gute Nerven.

8.Vermeiden sollte man in der Entwöhnungszeit untätiges Sitzen vor dem Fernsehschirm,Alkohol in jeder Form , da er den Willen schwächt.

9.Einige Äpfel täglich helfen schon über das Verlangen hinweg,sie wirken der zeitweiligen Stuhlträgheit entgegen.

10. Falls Sie die Betätigung Ihres Mundes vermissen: Nehmen Sie Kaugummi , Dörrobst etc.

11.Meiden Sie in der ersten Zeit die Gesellschaft rauchender Kollegen. Ehepaare sollten möglichst gemeinsam aufhören.

12.Treiben Sie ausreichend Sport oder gehen Sie wenigstens jeden Tag eine halbe Stunde spazieren.Am besten ist eine kleiner Spaziergang nach jeder Hauptmahlzeit.

13.Körperliche Betätigung und Maßhalten im Essen ist der beste Schutz gegen eine Gewichtszunahme .

14.Wenn man die erste Woche ohne Zigaretten überstanden hat, wird jeder Tag danachleichter. Irgendwann wundert man sich dann , wieso man jemals Rauchen konnte.

15.Falls man einmal rückfällig geworden ist , sollte man nicht verzweifeln. Jedem erfolgreichen Entwöhnungsversuch gehen häufig 2 oder 3 nicht erfolgreiche Versuche voraus.

16. Medikamente können die erste Phase der Raucherentwöhnung überwinden helfen ,entscheidend ist aber , der feste Wille aufhören zu wollen. Erst sollte man einen Versuchohne Unterstützung versuchen , mindestens eine Woche . Treten darunter zu starke Entzugserscheinungen auf oder wird man wieder rückfällig , so kann man dann einen Versuch mit Medikamentenunterstützung machen.

2/2002 D/Gesundheit/Tabak/Jugendliche

Bei Nichtraucherkampagne sind bis zu 10.000 Euro zu gewinnen

- Organisatoren hoffen auf mehrere tausend Teilnehmer =

Berlin, 13. Februar (AFP) - Wer mindestens vier Wochen lang auf das Rauchen verzichtet, kann bei der diesjährigen Nichtraucherkampagne Bares gewinnen. Preise im Gesamtwert von bis zu 10.000 Euro (19.560 Mark) sind für diejenigen zu gewinnen, die ab dem 1. Mai mindestens vier Wochen lang nicht rauchen, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum am Mittwoch mitteilte. Ziel der Kampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei es, möglichst viele Raucher in Deutschland dazu zu bewegen, mindestens für diesen Zeitraum nicht mehr zu rauchen. In Deutschland wird die Initiative von der Koalition gegen das Rauchen umgesetzt, Schirmherrin ist Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

In Deutschland sterben nach Angaben Schmidts im Jahr rund 110.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Diese Zahl sei dramatisch und mache deutlich, "dass wir in unseren Anstrengungen gegen das Rauchen nicht nachlassen dürfen und nicht nachlassen werden", erklärte Schmidt zum Auftakt der Kampagne. Der Wettbewerb "Rauchfrei 2002" sei eine große Chance für den Einzelnen, mit dem Rauchen aufzuhören oder erst gar nicht anzufangen.

An der ersten Kampagne hatten vor zwei Jahren fast 25.000 Raucher teilgenommen. Zwölf Monate danach gaben 30 Prozent von ihnen an, seitdem Nichtraucher zu sein. In diesem Jahr werden erneut mehrere zehntausend Teilnehmer erwartet. Gewinnen können auch Nichtraucher, die Raucher zur Teilnahme motivieren.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unterstützt "mit Nachdruck" die Kampagne, mit der gerade auch jugendliche Raucher angesprochen werden sollten. Die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott, wies darauf hin, dass 38 Prozent der zwölf- bis 25-jährigen Jugendlichen rauchen. Vor allem in der Gruppe der zwölf- bis 17-Jährigen sei die Raucherquote Mitte der 90er Jahre angestiegen und seitdem auf einem hohen Niveau geblieben.

Nach Angaben des Krebsforschungszentrum liegt die Lebenserwartung von Rauchern deutlich unter der von Nichtrauchern. Während 80 Prozent der Nichtraucher das 70. Lebensjahr erreichten, gelinge dies nur 50 bis 70 Prozent der Raucher, erlärte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Die Lebenserwartung hänge von der Anzahl der gerauchten Zigaretten ab.

kah/lan


Medikamente zur Raucherentwöhnung :

      Nur auf Rezept:

Beispiel : Nicorette:2 und 4 mg

Starke Raucher ( mehr als 15 Zigaretten / Tag ) sollten mit dem 4 mg Nikotin enthaltenden Kaugummi anfangen.

Davon mindestens 6 bis 14 Stück jeden Tag .

Bei Rauchverlangen 1 Kaugummi ca 30 Min.langsam mit vielen Pausen kauen. Wird Nicorette zu schnell gekaut , kann sich der Geschmack unangenehm verstärken.Schluckauf und Kratzen im Mund sind die Folge.

Nach etwa 6 bis 8 Wochen kann auf den 2 mg Nikotin enthaltenden Kaugummi übergegangen werden.

Man muß mind. 7 Jahre durchhalten,solange dauert nicht nur die menschliche Zellerneuerung, sondern auch der schwer zu unterdrückende Rauchzwang starker Raucher(innen).

+++ Inhalieren statt Rauchen

"Es ist ganz einfach, das Rauchen aufzugeben. Ich selbst habe es schon hundert Mal geschafft." Mark Twains selbstironische Aeusserung zeigt: Starke Raucher, die die Zigaretten von einem Tag auf den anderen aufgeben wollen, haben die hoechste Rueckfallquote. Ein neues Verfahren kann ihnen helfen, von der Sucht los zu kommen: Ein neuer Nikotin-Inhalator daempft das Verlangen und ist der Anfang vom Ausstieg. In einer Studie der Universitaetsklinik Basel reduzierten 26 Prozent der Raucher, die den Inhalator verwendeten, ihren Zigarettenkonsum binnen vier Monaten um mindestens 50 Prozent. In der Kontrollgruppe schafften nur neun Prozent der Teilnehmer diesen Wert. Nach zwei Jahren hatten 9,5 Prozent der Inhalator-Benutzer, aber nur drei Prozent der Kontrollgruppe ihren Tabakgenuss dauerhaft reduziert.

Links Zum Abgewoehnen:

--> http://www.kantonsspital-basel.ch

--> http://www.unibas.ch

--> http://www.who.int

--> http://www.wctoh.org/


zyban

D/Gesundheit/Pharma/Medikamente

Ärzte und Bundesbehörde warnen vor Raucherentwöhnungsmittel Zyban

- TV-Magazin: Zahlreiche Nebenwirkungen und Todesfälle bekannt =

Berlin, 11. September (AFP) - Im Zusammenhang mit dem

Raucherentwöhnungsmittel Zyban sind nach Informationen des ZDF-Magazins

"Frontal 21" zahlreiche Nebenwirkungen und Todesfälle aufgetreten. Wie das

TV-Magazin am Dienstag berichtete, sind weltweit 69 Todesfälle im Zusammenhang

mit dem Medikament gemeldet worden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel habe

von vier Meldefällen in Deutschland berichtet, in denen eine "unerwünschte

Nebenwirkung auftrat, die tödlich verlief". Das TV-Magazin zitiert außerdem

Bruno Müller-Oerlinghausen von der Arzneimittelkommission der deutschen

Ärzteschaft mit den Worten: "Wir haben in Deutschland eine große Zahl von

teilweise schweren Nebenwirkungen, die uns gemeldet worden sind, und wir

werden dadurch in unserer Skepsis bestärkt." Der Hersteller GlaxoSmithKline

sieht demnach keinen Anlass für eine Marktrücknahme des Medikaments. Ein

Sprecher erklärte gegenüber "Frontal 21", die Nutzen-Risiko-Bewertung der

Substanz habe sich bisher nicht verändert.

Nach Angaben von Fachleuten reichten die Nebenwirkungen von Depressionen

bis hin zu Selbstmordabsichten. Knut-Olaf Haustein vom Erfurter Institut für

Nikotinforschung berichtet laut TV-Magazin über eine Reihe von Nebenwirkungen

auf das zentrale Nervensystem, was nach Ansicht des Mediziners auch zum

Herztod führen könne. Wolfgang Becker-Brüser vom Arzneitelegramm, einem

unabhängigen Informationsdienst für Ärzte und Apotheker, habe Zypan ebenfalls

negativ bewertet. Jedes Arzneimittel müsse eine Abwägung zwischen Nutzen und

Schaden haben. Dies sei bei Zyban "eindeutig negativ, weil der Nutzen für nur

wenige Personen wahrscheinlich ist, aber fast jeder Zweite mit Nebenwirkungen

zu rechnen hat", so Becker-Brüser.

D/Großbritannien/Gesundheit/Pharma/Chemie/Tabak

Antiraucher-Pille bleibt trotz Todesfällen auf Markt

- Britischer Konzern sieht keine Beweise für Zusammenhang =

Berlin, 20. Januar (AFP) - Der britische Pharmariese GlaxoSmithKline will

das Antiraucher-Mittel Zyban trotz zahlreicher Todesfälle, die möglicherweise

mit dem Medikament in Zusammenhang stehen, vorerest nicht vom Markt nehmen.

"Mir ist von solchen Überlegungen nichts bekannt", sagte ein Firmensprecher

dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Die staatliche Medikamentenaufsicht hatte

zuvor mitgeteilt, dass in Großbritannien 57 Menschen nach der Einnahme von

Zyban starben. Es lägen jedoch keine Beweise für einen direkten Zusammenhang

vor, erklärten Aufsichtsbehörde und Firmensprecher.

Zyban wird seit Juli 2000 von der britischen Pharmagruppe GlaxoSmithKline

vertrieben. Im ersten Jahr wurde es in Deutschland rund 330.000 Patienten

verschrieben, da es als Wundermittel gegen das Rauchen gilt. Nach Angaben des

Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte werden in Deutschland

bislang vier Todesfälle damit in Verbindung gebracht.

D/Großbritannien/Gesundheit/Pharma/Chemie/Tabak

Arzneimittelkommission fordert zurückhaltenden Einsatz von Zyban

- Raucherentwöhnungsmittel hat schwere Nebenwirkungen =

Köln, 8. Februar (AFP) - Die Arzneimittelkommission der deutschen

Ärzteschaft hat sich für eine kritische Abwägung beim Einsatz des

Raucherentwöhnungsmittels Zyban ausgesprochen. Schwere Nebenwirkungen zeigten,

dass mit der Verwendung des Mittels große Risiken verbunden seien, erklärte

die Kommission am Freitag in Köln. Zu den Nebenwirkungen gehörten schwere

Depressionen, psychotische Reaktionen, Krampfanfälle, Zittern und

Schlaflosigkeit, erklärte der Experte für Nikotinentwöhnung, Knut-Olaf

Haustein. Bei entsprechenden Vorerkrankungen und Begleitmedikationen hätten

die Patienten ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko.

Nach den vorliegenden Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und

Medizinprodukte (BfArM) sind in Deutschland bislang fünf Patienten verstorben,

die das Mittel eingenommen haben. Ein ursächlicher Zusammenhang sei allerdings

nicht gesichert. In Großbritannien starben nach der Einnahme des Mittels rund

60 Menschen. Auch dort liegen noch keine Beweise für einen direkten

Zusammenhang zwischen der Einnahme von Zyban und den Todesfällen vor. Nach

Angaben der Arzneimittelkommission hat das BfArM inzwischen die europäische

Zulassungsbehörde aufgefordert, das Nutzen-Risiko-Profil von Zyban neu zu

bewerten. Die Anti-Raucher-Pille der britischen Pharmagruppe GlaxoSmithKline

war im Sommer 2000 auf den deutschen Markt gekommen.

lan/cha/nau


Ein paar schlaue Sprüche...

Eine Generation von Kamelen geht ihren gefilterten Weg in den Westen.

Mark Twain meint:

Rauchen aufhören ist ganz einfach , im letzten Jahr habe ich es 365 mal geschafft.

Der Dichter dichtet:

Er hat geraucht und geschmaucht,

Er hat gehaucht und gefaucht ,

bis er nix mehr hat getaugt,

hät es das gebraucht ?

Herr Trittin aus Berlin sagt :

Was für die Bäume im Wald gut ist , ist auch für unseren Bronchialbaum gut :SAUBERE LUFT ZUM ATMEN

...und eine kleine Entwöhnungsgeschichte(von Hartmut Koch)

Es ergab sich, daß ich bei einer absolut rauchfreien Familie mehrere Tage zu Gast war.Man kommt sich mitunter schön recht blöd vor als einziger Raucher. Irgendwann kam ich zu dem Schluß: JETZT hör ich auf. Und das auch zu sagen! Und damit ging die Qual los.Hier Verlangen nach Zigaretten, dort die Blamage (wo ich doch so getönt hatte). Am schwersten waren die Abende in der Kneipe. Andere rauchen sehen zu müssen, ist echt gemein. Ich hatte es überall erzählt, und das war gut so.

Nach einer Woche hat man den akuten Notstand überstanden. Dann denkt man: Nach der harten Woche könntest du direkt mal wieder eine gönnen. Wenn man aber tatsächlich den Willen hat aufzuhören, kommt man zu der Überzeugung : Dann fängt das ganze Getue ja nur von vorne an.

Nach 2-3 Monaten habe ich mir Zigarillos bzw. Pfeife gegönnt, Zigaretten aber weiterhin strikt abgelehnt. Und nach 15 Monaten die erste Zigarette: Das Ding schmeckt scheußlich. Ich habe nie wieder eine angerührt.

Insider : Ein Film zum Thema Rauchen

Bücher zum Thema Rauchen

Der englische Bestseller-Autor und Nichtraucher-Guru ALLEN CARR hat über seine Methode,das Rauchen aufzugeben,ein Buch geschrieben (Endlich Nichtraucher.Mosaik-Verlag 14,90 DM), gibt Kurse -und war vor 17 Jahren selbst noch ein starker Raucher.Er möchte den Menschen helfen von der Zigarette loszukommen und er sagt : "Es ist ein Vergnügen nicht mehr zu rauchen.Die Sucht ist nicht wirklich ein Problem körperlicher Abhängigkeit sondern Ergebnis einer Gehirnwäsche." Ein Interview mit ihm ist zu finden im Stern Nr.18/2000 und weitere Infos unter www.allen-carr.de

Nachdenken über den blauen Dunst

Hans Martin Gauger, S.Fischer Verlag , DM 19.80

Raucherentwöhnung,

Prof.Dr.med.Ferdinand Schmidt, rororo Taschenbuch Nr 7833

DM 6.80

Grundlagen und Praxis der Raucherentwöhnung

Johannes C.Brengelmann, Gerhard Röttger Verlag München1984

ISBN 3-920190351( Nur für Fachleute interessant )

Wer raucht denkt nicht-wer denkt raucht nicht

Dr.med M.Bajog

Verlag R.S.Schulz 8136 Percha


Internetlinks

www.rauchfrei-online.de

http://www.surfmed.de/01-seelisches_wohlbefinden/li_rauchen.html

http://www.weltnichtrauchertag.de/

http://www.ni-d.de/

http://www.quitandwin.org

http://www.zyban.com/

http://www.dhs.de/

http://www.rauchen.de

www.allen-carr.de


Orginaltexte

Rauchen stoert Koerperchemie

Wer raucht, senkt die Werte seiner koerpereigenen chemischen Abwehrstoffe. Dies ermittelten schweizer Wissenschaftler in einer Studie mit fast 600 Patienten, die an den Herzkranzgefaessen erkrankt waren. Sie stellten bei den Rauchern deutlich verminderte Werte von Paraoxonase fest. Bei der Paraoxonase handelt es sich um ein Enzym, das so genannten "freien Radikalen" entgegenwirkt.

Die gefaehrlichen Molekuele koennen die Oxidation schaedlicher  Stoffe wie etwa Cholesterin einleiten. Dadurch werden Arterienverkalkung und Blutgerinnsel beguenstigt. Dies sei der Grund, warum Raucher ein doppelt so hohes Herzanfall-Risiko haben wie Nichtraucher, sagen die schweizer Forscher. Wer von der Zigarette loskommt, hat dagegen langfristig gute Karten: Die Paraoxonase-Werte ehemaliger Raucher stabilisieren sich innerhalb von zwei Jahren, ermittelten die Wissenschaftler.

Quelle: American Heart Association, 15.5.00

AU: Tonnesen P; Fryd V; Hansen M;Helsted J; Gunnersen AB;Forchammer H; Stockner M

TI: Effect of nicotine chewing gum in combination with group counseling on the cessation of smoking.

SO: N Engl J Med, 318 (1) 15-8 /1988 Jan 7/IMD=8804

AB: We studied the effectiveness of chewing gum containing nicotine, in combination with group counseling, for subjects who were attempting to stop smoking. We used the Horn-Russell scale, based on a smoking questionnaire, to measure dependence on cigarettes; 173 smokers were grouped as highly dependent on nicotine or as having medium to low degrees of dependence. In a randomized double-blind study, the 60 highly dependent smokers were given gum containing 4 mg of nicotine (n = 27) or 2 mg of nicotine (n = 33), and the 113 smokers with medium or low dependence were given gum containing 2 mg of nicotine (n = 60) or a placebo gum (n = 53). All smokers took part in group counseling. In the highly dependent group, abstinence from cigarettes was chemically verified after six weeks, one year, and two years; 81.5 percent, 44.4 percent, and 33.3 percent of the subjects given gum containing 4 mg of nicotine were abstinent after those follow-up periods; the rates of abstinence were 54.5 percent, 12.1 percent, and 6.1 percent, respectively, for the subjects given gum containing 2 mg of nicotine. In the group with medium or low dependence, the rates of abstinence after the same periods were 73.3 percent, 38.3 percent, and 28.3 percent for the subjects given gum containing 2 mg of nicotine and 41.5 percent, 22.6 percent, and 9.4 percent for those given placebo gum. The differences in outcomes were significant at the 5 percent level for all comparisons, with the exception of the 2-mg nicotine gum versus the placebo gum at one year. This study indicates that the effectiveness of nicotine gum is not due to a placebo effect and that it is related to dose. The use of nicotine gum in appropriate doses should be helpful to persons who are attempting to stop smoking.

Risiko für Infarkte

Erst die Zusammenfassung mehrerer Studien in 'Meta-Analysen', wie sie auch in Münster vorgestellt wurden, sind aussagekräftiger. Demnach hat ein dauerhafter Passivraucher ein 20 bis 40 Prozent höheres Risiko, an Lungenkrebs oder einem Herzinfarkt zu erkranken, als jemand, der den Tabakqualm meidet. Wer selbst aktiv Zigaretten genießt, geht ein 10- bis 20-fach höheres Risiko für diese Krebsart ein und erleidet mit zwei- bis dreimal größerer Wahrscheinlichkeit einen Infarkt, schätzte Keil.

Daß die Tabakabgase trotz Verdünnung in der Raumluft auch bei Nichtrauchern noch recht wirkungsvoll sind, führen Wissenschaftler auf den höheren Schadstoffgehalt im 'Nebenstromrauch' zurück, der zwischen den Zügen in die Luft entweicht. 'Die Zigarette kokelt dann mehr vor sich hin, so daß Substanzen wie beispielsweise Benzol oder Toluol in höherer Konzentration entstehen', sagte Keil. 85 Prozent der Schadstoffe gelangen auf diesem Weg in die Umwelt.

Die Wirkungen des blauen Dunsts auf den Körper von Raucher und Nichtraucher sind ähnlich. Kohlenmonoxid, Nitrosamine und benzolähnliche Verbindungen wie Benzpyren vermindern entweder die Transportfähigkeit des Blutes für Sauerstoff oder schädigen direkt das Endothel, die innere Auskleidung der Gefäße. Auch greift der Rauch in den Cholesterinstoffwechsel sowie in die Chemie des Nervensystems ein. Beispielsweise konnten Forscher aus den USA unlängst zeigen, daß Zigaretten im Gehirn den Abbau des Botenstoffs Dopamin hemmen (Nature, Bd. 379, S. 733, 1996).

Kaum Neuigkeiten gab es in Münster jedoch über genaue Mechanismen, mit denen der Qualm vor allem Herz und Kreislauf von Raucher und Nichtraucher beeinflußt. 'Das hängt damit zusammen, daß Tabakrauch ein Gemisch aus mehr als 4000 Substanzen ist', betonte Keil. Selbst  wenn Forscher daher einräumen, daß 'weitere Untersuchungen notwendig' sind, dürfe mit dieser Aussage kein Mißbrauch getrieben werden, um Schutzmaßnahmen zu verhindern: 'Es ist das Wesen der Wissenschaft, daß sie Einzelheiten herausfinden will. Aber ein Präventiv-Mediziner muß auch wissen, wann die Gewißheit überwiegt, daß man etwas tun muß.' Warum die Forschung über Passivrauchen in Deutschland nur wenig Beachtung findet, begründet Keil so: 'Die Politik reagiert nicht, weil man damit keine Wahlkämpfe gewinnen kann, weil unter Politikern selbst Raucher sind und auch die Parteien von der Tabakindustrie immer wieder Spenden bekommen.'

HOLGER WORMER SZ vom 15.11.1996

Nichtraucher-Gesetz

Mit einer interfraktionellen Gesetzesinitiative wollen 136 Bundestagsabgeordnete von CDU/CSU, FDP und SPD Nichtraucher vor gesundheitsschädigendem Qualm schützen: Raucher sollen sich in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln sowie an Arbeitsplätzen auf besondere Areale zurückziehen, andernfalls müssen sie mit einer Geldbuße von 100 Mark rechnen. Die Bündnisgrünen fordern in einem eigenen Gesetzentwurf außerdem Nichtraucherzonen in Gaststätten und ein Verbot von Zigarettenautomaten. Bisher existieren in Deutschland nur Empfehlungen und mittelbar anwendbare Gesetze. Bund, Länder und Gemeinden erlauben oder verbieten, beispielweise in U-Bahnen oder in den Zügen der Deutschen Bahn AG. Unternehmen und Betriebe regeln die Raucherfrage selbst. Für Behörden gilt ein Beschluß der Gesundheitsminister der Länder von 1988, der etwa das Rauchen in Gemeinschaftsräumen verbietet. Weltweit gibt es in mehr als 90 Staaten Nichtraucher-Gesetze, darunter in fast allen EU-Ländern. Abgesehen von Norwegen und Finnland werden Raucher aber fast überall in Europa toleriert, vor allem im Süden. Die Franzosen qualmen trotz geltender Gesetze ohne Hemmung. In Nordamerika dagegen sind die  anti-Raucher-Gesetze besonders radikal. In Vancouver, New York oder Kalifornien ist das Rauchen in nahezu allen öffentlichen Innenräumen verboten - in der texanischen Stadt Bellaire sogar im Park.

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Die letzte Zigarette: Beobachtungen unter Kandidaten auf der Kippe

von Horst Vetten

Die letzten dreihundert Meter geht der Delinquent auf einer anstaltseigenen Fußgängerstraße. Rechts und links diese drahtgeflochtenen Bänke. Der Betonklotz ragt hoch in den Himmel und macht nicht nur zarten Seelen angst. Die Schritte werden schwerer.

An den ersten Bänken sieht man noch nichts. Dann aber, bei der allerletzten, springt es ins Auge: Sie ist umsät von Zigarettenstummeln und Kippen und Hugos.

Hier sitzen sie und qualmen ihre letzte Zigarette. Drinnen, im Klinikum Großhadern, das ahnen oder wissen sie, herrscht striktes Rauchverbot. Also eine noch - werweißfürwielange. Das macht eine merkwürdige Mischung aus schlechtem Gewissen, Schuldbewußtsein und Trotz. "Denen" noch einmal eins auswischen!

Wer hier ankommt, fühlt sich flau. Großhadern bedeutet, durchschaut zu werden. Mehr als die Hälfte aller chronischen Krankheiten sind angefressen, angesoffen, angeschmokt oder anderen

Liederlichkeiten zu danken. Das wissen die

Ärzte, und die Patienten wissen, daß es die Ärzte wissen. Die Ankömmlinge sind von

ihren Haus- oder Fachärzten

hierhergeschickt worden, weil die Behandler nicht mehr weiterwußten. Großhadern

bedeutet Medizinfabrik; wer

hierherkommt, hat was. Lazarus, der du hier eintrittst, laß einiges von deinem Ich

fahren. Bei Regen inhalieren viele die

letzte unterm Schirm. Das sieht traurig aus.

Der SZ-Leser auf der Bank zur letzten Zigarette ist ein adrett gescheitelter, gepflegter

Mittsechziger. Er entfaltet das

Blatt und bringt es mit gekonntem Handkantenschlag in eine lesegerechte Form. Jetzt

kann er es mit links halten und

den Leitartikel lesen. Derweil fährt die freie Rechte automatisch zur Brusttasche,

fingert eine Zigarette heraus,

Marlboro, führt sie an die Lippen, alles freihändig, der Leitartikel hat ihn schon.

Nunmehr bewegt sich seine Rechte in

ihrem vegetativen Tun zur Hosentasche. Feuerzeug, knips, die Zigarette brennt. Der

Leitartikel muß es in sich haben:

drei Lungenzüge zum Anfang, der Mann raucht heiß.

Die Fallstudie lehrt, daß der Griff zur Zigarette kein vom Verstand gesteuerter

Willensakt ist. Die Eigenmechanik in

diesem Vorgang wird noch bedeutsamer dadurch, daß der Mann bei absoluter

Windstille die Hand über der Flamme

wölbt. (Viele Raucher tun das auch in geschlossenen Räumen.) Das würde bei Gary

Cooper in windiger Prärie einen

Sinn haben. Hier aber nicht.

Dem könnte nun jemand entgegenhalten, daß Raucher im Verlaufe der Vorbereitung

durchaus liebevoll bei der Sache

sein können. Es könnte die Landserlegende herangezogen werden, derzufolge

manches Frontschwein unter Beschuß

die Papyrossi einhändig in der Hosentasche gedreht habe. Doch das hieße, die

Ausgangssituationen zu verkennen:

hier der Wohlstandsgewohnheitsraucher, dort einer, dem die blauen Bohnen um die

Ohren fliegen. Der Mann auf der

Bank zur letzten Zigarette denkt gerade, was ihm der Leitartikler vorgedacht hat. Jener

dort denkt im Herzschlagtempo

immer nur: Zigarettezigarettezigarette. Das setzt Adrenalin frei. In solcher Situation hat

der Mensch schon Größeres

vollbracht, als einhändig eine Zigarette zu drehen.

Der Mann auf der Bank raucht im Zwanzigminutentakt - wie die S-Bahn einfährt und

neue Raucher bringt. Sein

Kilometerstand an Zigarettenlängen muß beträchtlich sein. Das räumt er ein. Mit

siebzehn angefangen, beim

Volkssturm. Jeden Tag zehn Stück Sondermischung. Ein Labsal war das für die

Jungen. Sie mußten Leichen bergen.

Erst haben sie wegen der Leichen gekotzt. Dann wegen der Zigaretten. Mit den

Leichen war mal Schluß. Mit den

Zigaretten nimmermehr.

Seine Frau schimpft immer, weil er so hastig ißt. Er ißt so hastig, damit er nur ja ganz

schnell wieder seine

Ritualzigarette rauchen kann. Die Nach-dem-Essen-Zigarette. Niemand weiß, wie viele

Ritualzigaretten es gibt. Die

Nach-dem-Kino-Zigarette. Die Mitten-in-der-Nacht-Zigarette. Die Vor-dem-Frühstück-

Zigarette. Die Zigarette nach der

Erleichterung im Darmbereich. Oder auch die dazu. Die Nach-dem-Zahnarztbesuch-

Zigarette, obwohl doppelt

verboten. Die nach dem Geschlechtsverkehr. Die Zwischen-Suppe-und-Braten-

Zigarette. Die hat eine Autorin im

Zentralorgan für essen & trinken einmal tröstlich "Pausenzigarette" genannt. Heiliger

Lukullus! Essen, um zu rauchen!

Wie jeder weiß, wo er Schwimmen gelernt hat, jede sich an den Jungfernkuß erinnert,

so weiß jeder Raucher, auch

mancher Nichtraucher, von seiner ersten Zigarette. Ziemlich scharf sogar, diese

Erinnerung. Vielleicht auch deshalb,

weil sie meistens mit getrübtem Wohlbefinden einhergeht. Es war 1945 im Sommer.

Wir klauten im amerikanischen

Camp. Baked beans in Tomatensoße, eiserne Rationen von Schinken, Käse, Butter in

papierdünnem Weißblech. Und

eine Minipackung Lucky Strike. Die Bohnen erwärmten wir auf dem Kanonenofen einer

Bootshütte. Wir verschlangen

sie mit dem Hunger dieser Zeit. Dann die erste Zigarette. Sie bewirkte, was sie fast

immer bewirkt. Als wir uns über die

Brüstung der Terrasse beugten, konnten wir im Wasser erkennen, daß wir die Bohnen

nicht ordentlich gekaut hatten.

Es schwammen äußerst gelassen Karpfen herbei mit goldfarbenen Schuppen an den

Bäuchen. Heute noch sehe ich

die Bohnen in ihren kreisrunden Mäulern verschwinden. Nie mehr in meinem späteren

Raucherleben habe ich Karpfen

gegessen.

Dem SZ-Leser auf der Bank zur letzten Zigarette haben sich zwei kichernde Teenies

zugesellt - und Schmerbauch. Die

Girlies sind schon mit brennenden Zigaretten von der S-Bahn gekommen,

Schmerbauch vergewissert sich vor dem

Hinsetzen, ob die HB in der Brusttasche stecken, wo sie sollen, und an beiden

Hosentaschen, ob das Feuerzeug sitzt,

wo es soll. Jetzt rauchen alle. Eine Rauchersolidarität läßt sie mit blauem Atem ihre

Geschichten austauschen.

Schmerbauch haben sie vor sechs Monaten die rechte große Zehe abgenommen.

"Was brauche ich den?" hat er

vorher getönt (Zehe, bayer. masc.). Dann hat er erfahren, wie er ihn doch braucht.

Abrollen konnte er den Fuß nicht

mehr. Einen Wehdam hat er gehabt, monatelang. Jetzt ist er mit links dran. Morgen.

"Dreißge" raucht er heute noch

und rauchte er jeglichen Tag nach der ersten Operation. Von morgen an ist erst mal

wieder Ruhe. Aber sobald er

wieder hatschen kann . . .

Alle auf der Bank nicken Verständnis. Der SZ-Leser hat Kehlkopfkrebs. Wenn er Pech

hat, setzen sie ihm eine

Prothese ein. "Dann pfeife ich aus dem letzten Loch", scherzt er. Da kichern die

Teenies noch einhelliger. Beide

rauchen Reval. Sie haben sich hier auf der Bank kennengelernt. Beide sind zur

Beobachtung hier. Die Blonde hat was

im Mund. Da werden jetzt Abstriche gemacht. Die Rothaarige hustet chronisch. "Aba

auf da Lunge fahlt nix, vielleicht

auf de Bronchien", erklärt sie im Tone einer Kundigen.

Der Buchhandel bietet fünfzig Titel über Rauchen, Nichtrauchen und

Davonloskommen an. Wer beim

Robert-Koch-Institut in Berlin Material zum Thema anfordert, kriegt drei Kilo Post. Das

"Jahrbuch Sucht" von der

Hauptstelle gegen Suchtgefahren in Hamm enthält immer auch einen

hochwissenschaftlichen Aufsatz über das

Rauchen. Die wichtigsten Universitäten der Welt haben ihr Wissen beigesteuert. Wer

alle durchackern wollte, müßte

75 Abhandlungen lesen.

Rührende Mühe gibt sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln.

Sie strampelt gleichsam mit

Händen und Füßen, um vor allem an die gefährdeten Kinder heranzukommen.

Aufklärerisch in zeitgemäßer Optik,

auch Comics nicht verschmähend, gibt es sogar einen Sticker, den sich die Kids aufs

stinkende Hinterteil vom Mofa

kleben können. Alles mit dem Schlachtruf: "Ohne Rauch geht's auch".

Jedes Jahr sterben in der Europäischen Union 500 000 Menschen an den Folgen des

Genusses und der Wirkung von

Nikotin. Das ist alle Jahre einmal Düsseldorf. Die haben alle gewußt, was sie tun. Sind

sie durch Schrift, Bild, Plakat,

Sticker, Comics, Fernsehen, Aufrufe, Gesetze zu beeinflussen? Global lassen sich die

Rauchertoten nur schätzen, weil

aus Asien, vor allem China, Daten fehlen. Aber rechnet man das westeuropäische

Massengrab auf die Erdbevölkerung

hoch, kommt man auf fünf Millionen Rauchertote jährlich. Einmal die Schweiz, p. a.

"Der Wind bläst den Rauchern ins Gesicht", befand Herbert Rosendorfer in einer

Laudatio auf den "Pfeifenraucher des

Jahres", Michael Ende, 1986. Das muß als ungewöhnlich weitsichtig bezeichnet

werden. Konnte er damals schon

ahnen, daß die Wogen des Schlachtengetümmels zwischen Rauchern und

Nichtrauchern zehn Jahre später von

Amerika nach Europa schwappen würden? Da manche Trends aus Amerika sich

hierzulande erst Jahre später

breitmachen, läßt sich voraussehen, was uns bevorsteht. Faustkämpfe in Restaurants,

Handgemenge zwischen

Taxifahrern und Fahrgästen, Jumbo-Notlandungen wegen militanter Raucher an Bord .

. . Was zur Zeit bei uns

passiert, sind nur die anfänglichen Scharmützel der Apokalypse. In Glaubenskriegen

sind wir den Amerikanern über.

Chirurgen im Münchner Klinikum Großhadern erzählen sich diese Geschichte:

Professor operiert Jagdfreund an einem Karzinom im Rektum. Darmkrebs. Chirurg zum

Patienten: "Du hast eine

Neunzig-Prozent-Chance. Versprich, daß du nach der Operation nicht wieder mit dem

Rauchen anfängst."

Patient: "Wenn du mir einen künstlichen Ausgang legst, erschieße ich mich sowieso.

Wenn nicht, rauch' ich weiter."

Der Patient übersteht den Eingriff ohne künstlichen Ausgang. Am siebten

postoperativen Tag hinterläßt er auf der

Toilette einen blauen Dunst. Daraufhin entscheidet sich der Chirurg für die Methode

Holzhammer (in Kollegenkreisen

nicht unumstritten). Er gewährt seinem Freund Einblick in jenes Gefäß, das man im OP

den "Kübel" nennt. Dort kommt

hinein, was am Menschen weggesäbelt wird. In dem hier beschriebenen Fall handelte

es sich um den schon

quantitativ beeindruckenden Rest einer Raucherlunge. Der Jägersmann tat einen Blick

auf das verkrebste Gewebe

und fürderhin nicht einen Lungenzug mehr.

Ein eingängiger Spruch, der aber nur Nichtraucher überzeugt, sagt: "Wer denkt, raucht

nicht. Wer raucht, denkt nicht".

Kommt man damit einem einigermaßen beschlagenen Stinker, wie es der SZ-Leser auf

der Bank zur letzten Zigarette

ist, ballert der nur so heraus: "Kisch. Moltke. Torberg. Thomas Mann. Strawinskij.

Brahms. Wilhelm Busch. Böll.

Wehner. Churchill." Lauter Hartnickel, wenn sie auf ihre Sucht angesprochen wurden.

Winston Churchill sagte über

einen gegnerischen abstinenten, gottesfürchtigen Nichtraucher: "Er hat alle Tugenden,

die ich hasse, und keine der

Unarten, die ich bewundere." Und der Heerführer Helmuth von Moltke, der einmal den

Unterschied zwischen Mensch

und Tier beschreiben sollte, meinte: "Kein Tier raucht."

Solcher Galgenhumor ist bildungsunabhängig und widerlegt den obigen Spruch. Die

auf der Bank sind jetzt in der

albernen Zone angelangt, in die sich nahezu jeder Raucher mal flüchtet.

Schmerbauch, dem sie morgen auch die

zweite große Zehe abschneiden werden, meint, er habe dann ja noch immer acht. Der

SZ-Leser, dessen Kehlkopf in

Gefahr ist, steuert bei: "Singen konnte ich eh nie." Am rothaarigen Teenager probiert

der hier den Rauchern

nachspürende Nichtraucher eine Masche aus, die ihm schon viel Idiosynkrasie

eingetragen hat: Raucherinnen, sagt

er, küsse er nie, sie röchen ihm zu streng. Solche Aussage zieht auf jeder Gesellschaft

einige Blutrachen

die regelmäßig Tabakrauch ausgesetzt waren, stieg das Risiko einer Herzattacke um 88

Prozent. Das Risiko

einer Kreislauferkrankung nahm sogar um 91 Prozent zu.

Professor Ichiro Kawachi, der Leiter der Studie, geht davon aus, daß jährlich bis zu 50

000 Amerikaner an

Herzattacken sterben, die durch Passivrauchen verursacht wurden. Damit würden

deutlich mehr Passviraucher

durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu Tode kommen als durch Lungenkrebs.

"Rauchen aus zweiter Hand"

gefährde das Herz durch Reduzierung der Sauerstoffzufuhr und durch eine Schädigung

der Arterien, so Kawachi.

Eine Stunde Passivrauchen am Tag über einen längeren Zeitraum reiche aus,

erhebliche Schäden zu

verursachen.

Rauchen gilt insbesondere in Amerika zunehmend als "politisch nicht korrekt". Und

auch Englands neue

Labour-Regierung kündigte als eine ihrer ersten Amtshandlungen ein Verbot der

Tabakwerbung im Fernsehen

und sogar des Sponsorings von Sportveranstaltungen durch Zigarettenkonzerne an.

Allein für die Werbung bei

Formel-1-Rennen gibt die Tabakindustrie weltweit 280 Millionen Mark jährlich aus.

Gesundheitsminister Frank

Dobson: "Die Tabakindustrie tötet allein in England jährlich 120 000 ihrer Kunden." Die

gesamten Auswirkungen

der jüngsten US-Studie sind daher noch kaum abzusehen. "Diese Studie gibt allen

gesetzgeberischen Organen

eine rechtliche Handhabe, gegen das Rauchen vorzugehen", prophezeit Edward

Sweda, juristischer Chefberater

beim Forschungszentrum zur Bekämpfung des Rauchens an der Northeastern

University in Boston. Besonders in

Restaurants und Bars, wo die Tabakindustrie in enger Zusammenarbeit mit der

Gastronomie bislang ein

gesetzliches Rauchverbot verhindert hat, ergebe sich nun die Möglichkeit,

Beschränkungen durchzusetzen.

Die Studie, so glauben Juristen, könnte auch Auswirkungen auf den Verlauf eines

Prozesses haben, den

Stewardessen mehrerer Fluggesellschaften vor einem Gericht in Florida gegen ihre

Arbeitgeber und den

Tabakkonzern Philip Morris angestrengt haben. Sie klagten, weil sie an ihrem

Arbeitsplatz gezwungen worden

waren, jahrelang in den Raucherabteilen der Jets zu arbeiten.

Copyright: DIE WELT, 22.5.1997

Abhängige Babys durch qualmende Mütter

Beratungen über ein Nichtraucherschutzgesetz

Von DIRK FÖRGER

Berlin - Obwohl sie selbst nicht rauchen, müssen 22 Prozent der Deutschen zu Hause

den blauen Dunst

einatmen. Bei den unter 15jährigen sind es nach Angaben der "Pharmazeutischen

Zeitung" sogar 51 Prozent.

Auch jeder fünfte Nichtraucher, der in einem geschlossenen Raum arbeiten muß, hat

Kollegen, die ständig eine

glimmende Zigarette in der Hand halten. Ab heute soll nun in Bonn im

Gesundheitsausschuß über ein mögliches

Nichtraucherschutzgesetz beraten werden.

Aus neueren Untersuchungen ist bekannt, daß sich fast die Hälfte aller Nichtraucher in

Deutschland durch den

Zigarettenqualm in öffentlichen Gebäuden und Restaurants gestört fühlen. Vier von

zehn Nichtrauchern fürchten

auch um ihre Gesundheit, wenn sie dem blauen Dunst ausgesetzt sind. So lauten

zumindest die Ergebnisse einer

Umfrage der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK). Aber während immerhin

fast 90 Prozent der

Tabakfreunde bejahen, daß in Gaststätten und in öffentlichen Verkehrsmitteln

präventive Maßnahmen zum

Schutz der Nichtraucher getroffen werden sollten, stimmt dem am Arbeitsplatz nur ein

Drittel zu.

Ein ebenso großer Anteil aller Raucher bekennt sich offensiv zum blauen Dunst und

will nicht vom Nikotin lassen.

Deshalb haben diese Tabakanhänger auch noch keinen Versuch unternommen, mit

dem Rauchen aufzuhören.

Über die Hälfte der Nikotinabhängigen sind allerdings schon mindestens einmal daran

gescheitert, sich das

Rauchen abzugewöhnen. 29 Prozent haben es bereits mehrmals ohne Erfolg versucht.

Daß Aktivrauchen mit einer zehn- bis 25fach erhöhten Anfälligkeit für Lungenkrebs

einhergeht, ist inzwischen

durch zahlreiche Studien belegt. Darüber hinaus gibt es aber auch viele

Untersuchungen, die zum Beispiel

beweisen, daß sich das Lungenkrebsrisiko nichtrauchender Frauen verdoppelt, sobald

der Ehemann eine

Schachtel Zigaretten pro Tag verbraucht. Denn immerhin drei Viertel des gesamten

Qualms geht vom Raucher

"ungenutzt" in die Umgebungsluft. Für einige schädliche Substanzen - etwa Stickoxide

oder Formaldehyd - ist die

Belastung des Passivrauchers ebensogroß wie die des Aktivrauchers.

Erst in den letzten Jahren wurde auch im ganzen Umfang deutlich, welchen negativen

Einfluß das Rauchen auf

Zeugung, Geburt und Kindheit hat. Denn der blaue Dunst wirkt sich unter anderem

negativ auf den weiblichen

Hormonspiegel und die Durchgängigkeit der Eileiter aus. Neben der verminderten

Fruchtbarkeit der Frauen

provoziert Rauchen ebenfalls eine herabgesetzte Zeugungsfähigkeit bei Männern.

Werdende Mütter, die nicht von der Zigarette lassen können, gefährden ihr Babys. So

besteht das Risiko eines

geschädigten Erbguts. Oft kommen die Kinder auch mangelernährt, zu früh oder gar tot

zur Welt. Bei Säuglingen

finden sich häufiger Mißbildungen, Mittelohrentzündungen und Atemwegskrankheiten.

Nach einer Untersuchung

in den Regierungsbezirken Münster und Detmold verachtfacht der Qualm von 15

Zigaretten am Tag zudem das

Risiko für den Plötzlichen Kindstod. Der blaue Dunst ist damit der wichtigste

beeinflußbare Faktor.

Ein weiterer Grund, warum werdende Mütter nicht rauchen sollten: Da sie über die

Plazenta mit Nikotin versorgt

wurden, leiden die Kinder nach der Geburt an Entziehungsqualen. Belgische

Wissenschaftler fanden im Urin

neugeborener Kinder dieselbe Konzentration von Cotinin, einem Abbauprodukt von

Nikotin, wie bei ihren

rauchenden Müttern. Letztlich kommen die Babys als Abhängige auf die Welt. Sie sind

gereizt, nervös und

schlecht gelaunt, weil sie plötzlich vom Nikotin abgeschnitten werden.

Copyright: DIE WELT, 4.6.1997

Nikotinentwöhnung: der erste Tag zeigt es…

Das Rauchverhalten am ersten Tag eines Entwöhnungsversuchs kann darauf

hinweisen, ob die Fortsetzung einer geplanten Entwöhnungstherapie sinnvoll ist. In

zwei Versuchsreihen mit 159 bzw. 48 gesunden Freiwilligen, die täglich mindestens

1 Päckchen Zigaretten rauchten, wurde untersucht, welche Faktoren für ein

erfolgreiches Abschließen einer 6-monatigen Entwöhungstherapie mit

Nikotinpflastern bzw. Nikotinpflaster + Nikotinantagonist (Mecamylamin) sprechen.

Wesentlich scheinen demnach das Rauchverhalten an dem Tag, ab dem die

Probanden nicht mehr rauchen wollten, und das Maß der Nikotinabhängigkeit zu

sein. Abstinenz am Stichtag erhöhte die Wahrscheinlichkeit der Abstinenz nach 6

Monaten signifikant um das 4,1fache bei Rauchern mit leichter Nikotinabhängigkeit

und um das 1,2fache bei schwerer Abhängigkeit (n.s.). Durch das Aufschieben

einer Nikotinpflastertherapie bei Patienten, die es nicht schaffen, am Stichtag nicht

zu rauchen, könnten die Kosten dieser Therapie gespart werden. (ChR)

Westman E et al: Smoking behavior on the first day of a quit attempt. Arch Intern

Med 1997; 157: 335-40.

Diagnose

Lob des Rauchens

Von Michael Emmrich

Raucher sind wirklich altruistische Menschen. Und wenn es eine Bevölkerungsgruppe

gibt, die ernsthaft den

Gürtel enger schnallt, chronische Haushaltslöcher stopft und zur Solidarität in der

Gemeinschaft beiträgt, dann

sind es die Glimmstengelsüchtigen. Vordergründige Kritik wie: Raucher stinken,

verpesten die Luft und machen

sich und andere zum Schaden der Volkswirtschaft krank, können deshalb getrost an

ihnen abprallen.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ist auf einem Auge blind, wenn sie

darüber jammert, daß der

Weltwirtschaft durch das Rauchen jährlich ein Schaden von 340 Milliarden Mark

entsteht und daß sich Raucher

im Vergleich zu Enthaltsamen deutlich öfter krankmelden.

Die Wahrheit sieht doch ganz anders aus: Alleine die deutschen Raucher spülen

durch ihren Konsum jährlich

mehr als 20 Milliarden Mark in die Bundeskasse, die für segensreiche soziale

Leistungen ausgegeben werden

können. Der Mega-Deal zwischen US-Zigarettenfirmen und 40 US-Staaten zeigt

zudem, daß der Raucher für die

Folgen seines Tuns selbst aufkommen will. Denn die halbe Milliarde Mark, mit der die

Industrie Aufklärung und

Entzugsprogramme finanziert und sich so von Schadenersatzansprüchen loskauft,

wird doch zuerst durch erhöhte

Tabakpreise wieder eingespielt werden.

Die Raucher haben die Zeichen der Zeit längst erkannt: Sie sichern in Deutschland

nicht nur 13 000

Arbeitsplätze, sondern verkürzen ihr Leben auch zugleich mit jeder Zigarette um fünf

Minuten und 30 Sekunden.

Das hat der japanische Wissenschaftler Suketami Tominaga ausgerechnet. Und das

schafft wiederum Jobs, Jobs,

Jobs.

Die 110 000 Menschen, die in Deutschland der Tabak jedes Jahr dahinrafft, treten

schließlich auch im vollen

Bewußtsein ihrer Leistung ab. Denn jeder Tote wird im Schnitt immerhin durch 180 000

Mark

Tabaksteuereinnahmen versilbert. Was sind dagegen schon die läppischen 25 000

Mark, die ein an Krebs

erkrankter Raucher pro gewonnenem Lebensjahr die Gemeinschaft kostet?

Denn der Raucher nimmt den Generationenvertrag schließlich noch ernst: Jeder

zweite, der ständig gequalmt hat,

verabschiedet sich vor dem 70. Lebensjahr aus dieser Welt und verhindert so den

endgültigen Zusammenbruch

der Sozialkassen, des Arbeitsmarktes und die Absenkung des Rentenniveaus auf 60

Prozent. Deshalb: Neue

Raucher braucht das Land.

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Medizin:

Zigarettenrauchen schädigt Blutgefäße im Gehirn

(Meldung vom 23.7.1997)

Eine Forschergruppe um Todd Lasner von der

Universitätsklinik Pennsylvania hat herausgefunden, daß

Raucher ein fünfmal höheres Risiko haben, daß Gehirnarterien

sich anfallsartig verkrampfen. Weil durch diese Krämpfe

Gehirnregionen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff

versorgt werden, kann es zu ähnlichen Symptomen kommen wie

bei einem Schlaganfall - also zu Sprechstörungen, oder

Gesichtslähmungen.

Gefährlich sind solche Gefäßkrämpfe deshalb, weil in der

Folge häufig die Gefäßwände an Schwachstellen, vor allem an

sackartigen Austülpungen - sogenannten Aneurysmen - platzen,

und es kommt zu lebensbedrohlichen Blutungen in den

Schädelraum. Die Ergebnisse der Studie werden im September

im Fachblatt für Neurochirurgie veröffentlicht. Warum

Raucher häufiger Gefäßkrämpfe im Gehirn bekommen sei noch

unbekannt.

[Quelle: mawi, Pennsylvania University]

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Erschienen: 970920

Ein Journalist im Kampf mit seinem Zigarettenkonsum:

Welchen Wert hat denn das

Nichtrauchen?

Reinhold Dey, geboren 1928 in Danzig, war bis 1986 als

Journalist tätig. Er wohnt in Hamburg und arbeitet als

Übersetzer. Das folgende Interview mit ihm steht in dem

Buch ,,Nie wieder'' - ,,Zwanzig Wege mit dem Rauchen

aufzuhören''

*

Du hast noch nie aufgehört zu rauchen. Warum nicht?

Weil ich gern rauche.

Einfach so?

Nein, nicht einfach so. Ich habe angefangen zu paffen mit

vierzehn oder fünfzehn Jahren. Damals rauchte man in

Mitteleuropa vorwiegend Orient- Zigaretten ohne Filter, am

besten mit einem goldenen Mundstück. Das war in der

Kriegszeit, so 1942/43, und zum Soldaten, zum Manne,

gehörte die Zigarette oder die Pfeife. Richtig angefangen zu

rauchen habe ich 1944, als ich Luftwaffenhelfer war. Weil es

auch dort einfach dazugehörte, als Zeichen der Männlichkeit.

Und dann habe ich es beibehalten.

In der Nachkriegszeit waren Zigaretten sehr schwer zu

bekommen. Sie waren die Währung für alles, Lebensmittel

und so weiter. Übrigens ein Zeichen dafür, daß es keine

Hungersnot gab, denn in wirklichen Hungerperioden ist Brot

die Währung. Jedenfalls kosteten die Zigaretten - vorwiegend

Ami-Zigaretten - teilweise zehn Reichsmark pro Stück.

Das wurde anders im Sommer 1948, als die D-Mark kam.

Bald danach hat dann die amerikanische Virginia-Zigarette

den Markt erobert, und die Orient-Zigarette, die auch etwas

Mystisches hatte, verschwand. Seitdem rauche ich Virginia-

Zigaretten. Ich habe damals unbegrenzt geraucht, und das

habe ich beibehalten bis Anfang der siebziger Jahre.

1956 habe ich geheiratet. Meine Frau ist auch Raucherin, sie

rauchte damals schon mehr als ich, sie ist eine

Nervositätsraucherin. Wir lebten in Finnland und rauchten

erst eine finnische Marke ohne, dann, dank meiner

Schwiegermutter, die uns immer wieder Zigaretten mit Filter

schenkte, fingen wir an, Filterzigaretten zu rauchen.

Anfang der siebziger Jahre habe ich das Rauchen reduziert.

Ich lag in Scheidung, und, ohne mich als Alkoholiker zu

bezeichnen, muß ich sagen, ich habe ziemlich kräftig

getrunken. Wenn man abends viel trinkt, vor allem Whisky,

hat man morgens einen verdammt schlechten Geschmack im

Mund, und keine Zigarette schmeckt. So kam es mehr oder

weniger zufällig so weit, daß ich vor dem Mittagessen keine

Zigarette rauchen mochte.

Ich versuchte also, jeden Morgen auf die Zigaretten zu

verzichten, und stellte bald mit Freuden fest, daß - auch wenn

ich keinen schweren Kopf hatte, keinen Kater - es mir sehr

gut tat, erst mittags die erste Zigarette zu rauchen. Früher

hatte ich nach dem Frühstück die erste geraucht, jetzt kam ich

den ganzen Vormittag gut ohne aus. Darum versuchte ich,

das Rauchen noch weiter in den Nachmittag

hineinzuschieben, und setzte mir das Ziel, bis abends gar

nicht zu rauchen.

Abgezählte Menge

Dieser Prozeß hat drei bis vier Jahre gedauert, also bis Mitte

der siebziger Jahre. Bei meiner Arbeit als Journalist, der ja

auch Nachrichten aufnimmt, war es dann ganz natürlich, daß

ich mir die Abendnachrichten im Fernsehen als Zeitgrenze

setzte. Das heißt also, gegen neunzehn, neunzehn Uhr dreißig

rauchte ich die erste Zigarette, und das habe ich bis heute

beibehalten. Ich trank dann schon erheblich weniger, aber

man verliert ja beim Trinken, wie auch beim Rauchen, die

Kontrolle über die Menge. Man weiß nicht mehr, habe ich

heute abend vier Flaschen Bier oder fünf getrunken. Deshalb

billigte ich mir für den Abend zehn Zigaretten zu. In den fünf

Stunden zwischen neunzehn und vierundzwanzig Uhr konnte

ich also zwei Zigaretten pro Stunde rauchen, die legte ich mir

auf den Tisch. Dadurch sah ich auch, wie sich die Menge

verkleinerte, ob ich zu schnell rauchte, andersrum freute ich

mich, wenn ich ein oder zwei Zigaretten zurück war.

Das habe ich mit ziemlicher Konsequenz durchgehalten. Ich

habe nie längere Rückfälle gehabt, höchstens wenn ich mal

Besuch hatte oder wenn ich ausgegangen bin, dann kam ich

vielleicht auf fünfzehn Zigaretten am Abend. Aber ich

glaube, über fünfzehn bin ich seit damals nie mehr

gekommen, also seit über zwei Jahrzehnten.

Hattest du damals das Ziel, ganz aufzuhören?

Nein. Als dieses ganze, wie man später einsah, berechtigte

Krebsgerede begann, sagte ich mir: Entweder hat es dich

schon erwischt - dann hat es sowieso keinen Zweck mehr

aufzuhören. Oder es hat dich noch nicht erwischt, dann

werden dir diese paar Zigaretten auch nicht mehr schaden.

Die Aufklärungsbewegung gegen das Rauchen begann in

Skandinavien in den siebziger Jahren. Die Skandinavier sind

ja sehr gesundheits- und umweltbewußt, besonders die

Schweden, aber auch die Finnen. Deshalb sagte man dort

schon sehr bald, daß man die Zusammenhänge von Rauchen

und Gesundheit näher untersuchen müsse.

Vorher hattet ihr euch noch keine Gedanken über die

Schädlichkeit des Rauchens gemacht?

Nein. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, daß während der

zweiten Schwangerschaft meiner Frau, 1967, zum erstenmal

der Gedanke aufkam, das Rauchen zu reduzieren, um den

Embryo nicht zu schädigen. Während ihrer ersten

Schwangerschaft - unsere älteste Tochter wurde 1959

geboren - haben wir daran überhaupt noch nicht gedacht.

Meine Frau hat während beider Schwangerschaften geraucht,

ohne große Bedenken. Man war darüber einfach noch nicht

informiert.

Die Angst vor Krebs scheint heute ganz entscheidend dafür

zu sein, ob jemand aufhört zu rauchen.

Früher sagte man eher: Der verraucht sein Eigenheim. Für

die vielen Zigaretten hätte man sich ja ein Haus bauen

können. Auch wenn die Zigaretten damals erheblich billiger

waren, weil die Steuern darauf geringer waren: Die Häuser

waren es ja auch. Zum Beispiel durch die Eigenleistungen

der Familien beim Hausbau und so weiter. Ich würde sagen,

die ursprüngliche Motivation - vor dem Zweiten Weltkrieg -,

das Rauchen aufzugeben, war, Geld zu sparen. Dann kamen

in den sechziger und siebziger Jahren die Krebsangst und das

Wissen über die allgemeine Gesundheitsschädlichkeit hinzu.

Ich erinnere aber auch, daß in der Hitlerzeit - oder besser in

der deutschnationalen Zeit, denn das war nicht nur eine Frage

der Hitler-Weltanschauung - die Lehrer den Mädchen immer

wieder sagten, sie sollten nicht rauchen, weil das nicht gut

für ihre Gebärfunktionen wäre - die ja damals als sehr

wichtig angesehen wurden. Also man war sich auch damals

schon darüber im klaren, daß Rauchen der Gesundheit

abträglich ist. Aber man dachte, daß es einem gesunden Mann

nicht viel ausmachen würde.

Die heutige Skepsis gegenüber dem Rauchen entstand

eigentlich erst, als man den Zusammenhang zwischen Krebs

und Rauchen entdeckte. Diese Information kam wie alle

Segnungen der Zivilisation Mitte der sechziger Jahre aus den

USA. Die Zigarettenindustrie, die ja bekanntlich sehr gut

verdient, hat natürlich sofort Gegengutachten eingeholt,

Kampagnen organisiert, aber sie konnte sich auf die Dauer

nicht durchsetzen, weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse

immer eindeutiger wurden.

Dann, in der ersten Hälfte der siebziger Jahre, brachte der

Spiegel eine mehrteilige Serie über das Rauchen, mit bösen

Bildern von Leuten mit Raucherbein, humpelnd oder ganz

ohne Bein, Röntgenbildern von gesunder und kranker Lunge

und so weiter. Die Darstellungen waren auch für

Spiegel-Verhältnisse ungewöhnlich hart, so daß damals

Tausende in Deutschland das Rauchen einstellten. Ich kenne

übrigens auch einen Kollegen, der daraufhin aufhörte zu

rauchen. Er sagte mir damals, das wäre ja etwas, wovon jeder

Journalist träumt: einen Artikel zu schreiben, der so viel

bewirkt wie diese Spiegel-Serie.

Um auf meine persönliche Geschichte zurückzukommen, ich

blieb also bei meiner Devise: Jede Zigarette, die ich nicht

rauche, tut mir gut. Ich habe mich eisern an das

Zehn-Zigaretten-Prinzip gehalten. Wenn ich einmal mehr

rauchte, strafte mich sozusagen der Körper, meine Zunge war

am nächsten Tag pelzig, dick geschwollen, und ich fühlte

mich nicht wohl. Der Körper gewöhnt sich einfach an den

reduzierten Nikotinkonsum. Insofern war ich sehr stolz auf

meine Regelung und dachte, dabei kann ich bleiben.

Erst jetzt, im fortgeschrittenen Alter, fange ich an, mich zu

fragen, müssen es eigentlich unbedingt zehn Zigaretten sein?

Reichen nicht auch acht oder sechs? Das ist ein Problem, das

mich im Moment beschäftigt, aber ich löse es so, daß ich

eben keins daraus mache, sondern versuche, auf acht oder

sechs Zigaretten runterzugehen.

Mein Vater war Zigarrenraucher. Mit Mitte sechzig hat er das

Rauchen aufgegeben. Die Frage, ob ich das selbst auch tun

soll, habe ich mir auch schon gestellt, aber ich habe es bisher

abgelehnt, vielleicht, weil ich Angst davor habe, es nicht zu

schaffen und zu versagen. Zum anderen, weil ich meine, mein

Konsum ist so mäßig, daß mir eigentlich nichts Besonderes

mehr passieren kann.

Eine Nichtraucherideologie. Irgendeinen Wert im

Nichtrauchen gibt es für dich nicht?

Ein Wert an sich im Nichtrauchen? Nein. Genußmittel sind

schon immer verdammt; sie sind aber auch immer von den

Menschen gebraucht worden. Ohne Zweifel ist der Tabak, der

ja einen gewissen Rausch erzeugt, eine Sucht, aber warum

soll man dem Menschen gerade diese Sucht wegnehmen?

Warum nicht lieber den Alkohol? Der richtet zumindest

volkswirtschaftlich einen größeren Schaden an, auch auf dem

Gebiet der Kriminalität. Daß ein Mensch unter Tabakeinfluß

kriminell wird, ist eigentlich recht selten, unter Alkohol

hingegen häufig der Fall.

Es gibt Menschen, die aus vollem Herzen Nichtraucher

sind. Die wollen nicht nur ihre Gesundheit schonen oder

ihr Geld sparen, sondern sie sehen einen gewissen Wert im

Verzicht, in der Askese.

Nur keine Askese!

Ich bin ein Typ, der für Askese überhaupt nichts übrig hat. Ich

bin der Meinung, daß Asketen Unmenschen sind. Zum

Menschen gehört für mich auch die Genußfähigkeit, und ein

Asket ist ja bewußt nicht genußfähig. Man kann einen

Asketen, zum Beispiel Johannes den Täufer, durchaus

verehren. Der hat ja nun wirklich keinen Schaden angerichtet,

im Gegensatz zu Adolf Hitler, der ja auch ein Asket war.

Aber mit der Genußfeindlichkeit geht auch immer Erotik-

und Sexualitätsfeindlichkeit einher. Und zur

Genußfeindlichkeit gehörte fast immer der Wunsch, den

Menschen zu kontrollieren und zu manipulieren.

Dahinter liegt aber auch eine bestimmte Vorstellung von

Genuß. Die Nichtraucher halten ja frische Luft für einen

Genuß.

Das ist etwas anderes. Wenn mir einer sagt, er verzichte auf

die Zigarette, weil er frische Luft brauche, dann kann ich das

sehr gut verstehen und respektieren. Wenn aber jemand sagt,

er verzichte auf die Zigarette, weil das etwas Schlechtes sei

und weil man nicht rauchen solle, also aus einer abstrakten

asketischen Haltung heraus argumentiert, dann würde ich

sagen, der ist plemplem.

\ Titelseite \ Leserbrief \

Erschienen: 970920

Eine Geschichte ohne Ende

Der Schmacht steigt

Es ist 14.00 Uhr: Erste Tasse Kaffee ohne Zigarette.

Katastrophenstimmung. Man möchte die Zeiger der Uhr

vorrücken, damit dieser elende Tag vorbeigeht. Erst zwei Uhr

- wie langsam plötzlich die Zeit vergeht! So wird es nun

immer gehen, von jetzt ab. Die Zeit wird stillstehen. Meine

Hände sind fahrig, sie haben nichts zu tun. Ich sitze an

meinem Küchentisch und esse Salat. Der Zug brachte mich in

ein sonniges Nichtraucher-Hamburg. Der Schmacht steigt

wie Schmerz durch den Körper. Sehnsucht. Was ist

Sehnsucht? Ein romantisches Gefühl, zugehörig zur Gruppe

Heimweh/Fernweh. Verlustschmerz.

Da war doch noch was... schon ist er wieder da: der Gedanke

an die Zigarette. Nicht an eine Zigarette, irgendeine. Sondern

an DIE Zigarette. Ebendiese, die ich jetzt nicht rauchen darf.

Ich möchte sie malen, liebkosen, aber meine Hände sind leer.

Meine Finger fühlen sich glatt und trocken an, viel zu sauber.

Ganz deutlich sehe ich die nächsten zehn Jahre meines

Lebens vor mir: Nie wieder werde ich ruhig auf einem Stuhl

sitzen können. Nie wieder gemütlich in meiner Küche am

Tisch hocken und nachdenken. Ohne Hast. Nichtraucher

springen gleich nach den Mahlzeiten auf, räumen den Tisch

ab, waschen das Geschirr. Sie wissen sonst nichts mit ihren

Händen anzufangen. Sie sind immer hektisch.

Die Sehnsucht liegt wie ein breiter, fester Gurt um mein

Herz. Sie wird ohne Ende sein und immer neue Gesichter

zeigen, auf meine allerbesten Ideen kommen und all meine

Reserven plündern.

Ich stehe auf. Ich muß einkaufen gehen. Ich wasche meinen

Teller ab und plane den Einkauf. Ich werde das Fahrrad

nehmen. Zu kompliziert. Ich werde laufen. Laufen, laufen,

laufen.

\ Titelseite \ Leserbrief \

Chinas bedrückendste Lust

Nirgends ist der Drang zur Zigarette größer - 340 Millionen Raucher

Von FRITZ WIRTH

Berlin - So kennt ihn seine Nation: ein kleiner Mann mit großer Lunge. Eine Zigarette

im

Mundwinkel, Rauchschwaden, die sein Haupt umnebelten. Denn er war einer der

ausdauerndsten und hartnäckigsten Kettenraucher Chinas: Deng Xiaoping, lange

Jahre der

erste Mann im Staat.

Die Nation verehrte ihn. Doch plötzlich, anderthalb Jahre nach seinem Tode, ist er,

ebenso wie

der legendäre Mao, nicht mehr unbedingt in jeder Hinsicht ein nachahmenswertes

Vorbild.

Beide Staatsmänner wurden jenseits ihrer politischen Taten zu Symbolfiguren der

bedrückendsten Lust und Seuche der Nation: des Rauchens. Denn die Volksrepublik

China ist

heute das größte und gefährlichste Tabak-Schlachtfeld auf diesem Erdball. Jede dritte

Zigarette, die zur Stunde in der Welt angezündet wird, geht in China in Rauch auf.

Und der Preis dieser Nikotinlust ist schrecklich. Rauchdefekte sind heute die bei

weitem

häufigste Todesursache im Reich der Mitte. 500 000 Menschen unter den 900 Millionen

erwachsenen Bürgern werden jährlich in China zu Rauchopfern. Und wenn die Gier

nach

diesen Glimmstengeln weiterhin so steigt wie in den letzten zehn Jahren, wird die Zahl

der

Rauchtoten in China bis zum Jahre 2025 auf zwei Millionen jährlich gestiegen sein,

sagt das

Zentrum für Krankenkontrolle in Atlanta (USA) voraus.

Tatsächlich hat der Drang zur Zigarette heute in der Volksrepublik China ein Ausmaß

erreicht,

wie es in den fünfziger Jahren in den USA anzutreffen war. Der Unterschied: In

Amerika ging

der Anteil der Raucher auf heute 24 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zurück.

China aber

ist heute mit 340 Millionen erwachsenen Rauchern der intensivste und gierigste

Tabakkonsument der Welt. Denn diese 340 Millionen rauchen durchschnittlich 16

Zigaretten

am Tag. Vor zehn Jahren genügten ihnen noch zwölf.

Das sind natürlich gute Nachrichten für jeden Zigarettenproduzenten. Was das

Problem jedoch

in diesem Lande so schizophren macht: Die größte Zigarettenfirma in China ist die

Regierung.

Sie produziert mehr Zigaretten als jeder andere Tabakfabrikant dieser Welt. Und nun

sieht sie

sich einem Problem konfrontiert: Sie muß einerseits so viele Zigaretten wie möglich

produzieren, denn sie sind für den Staat lebenswichtig. Der Profit aus dieser

Produktion deckt

immerhin zehn Prozent des gesamten chinesischen Staatsetats. Andererseits muß sie

die

gefährdeten Bürger aufrufen, die Glimmstengel aus der Hand zu legen.

Tatsächlich ist heute bereits in 71 Städten Chinas in öffentlichen Gebäuden,

Restaurants und

Zügen das Rauchen untersagt. Der Haken: Die Masse der 340 Millionen chinesischen

Raucher

ignoriert es, zumal die Strafen mit zehn Yuang pro Sünder gering sind. Doch selbst

Todeswarnungen helfen da nicht. "Schaut doch auf Deng Xiaoping. Er rauchte wie wild

und

wurde 92 Jahre alt", argumentieren sie. Schlimmes Schicksal: Der einstige kleine große

Herr

Chinas droht zur Ikone chinesischer Rauchopfer zu werden.

Copyright: DIE WELT, 14.11.1997

Streß als erster Schritt zum Nichtrauchen

Streß kann ein Auslöser sein, mit dem Rauchen aufzuhören. Dies ergab eine

amerikanische Studie mit 220 Fabrikarbeitern. Demnach löst beruflicher Streß

bei 60 Prozent der Befragten den Wunsch aus, das Rauchen aufzugeben. Private

Probleme wurden dagegen nur zu 43 Prozent als Auslöser genannt.

Mit der neuen Studie widersprechen die Wissenschaftler Vermutungen von

Rauchern, unter Streß erst recht nicht das Rauchen aufgeben zu können.

Natürlich verursache auch die Abstinenz zu Beginn Streßgefühle, so die

Forscher. Meistens werde den Rauchern aber gerade unter starkem Druck ihr

hoher Tabakkonsum erst richtig bewußt.

Quelle: Ohio State University, 24.11.97

Raucher aller Länder: vereinigt

Raucherinnen und Raucher aus 14 Ländern trafen sich am vergangenen

Wochenende in Amsterdam auf einem Weltkongreß, um für ihr Recht auf Rauch zu

kämpfen.

"1,2 Milliarden Erwachsener haben sich weltweit entschieden, zu rauchen. Wir

wollen dies auch weiterhin tun in einer Atmosphäre der gegenseitigen

Toleranz und Freundlichkeit", so das Haupt-Statement des Treffens.

Der Kongreß wandte sich gegen die Diskriminierung von Rauchenden am

Arbeitsplatz und in öffentlichen Räumen. Denn die Menschen-Rechte gälten für

alle, auch für Raucher.

Der italienische Abgeordnete des EU-Parlaments, Danilo Poggiolino, wünschte

sich, daß "gegenseitiges Verständnis ein Gleichgewicht schaffen sollte

zwischen dem politischen Bedürfniss, Tabak-bedingte Krankheiten verhindern

zu wollen und dem Schutz der Bürgerrechte, die sowohl für Raucher wie für

Nicht-Raucher gelten".

N ando Net, 24.11.97

Ein Tabakwerbeverbot würde zu Preiskämpfen

führen und damit den Konsum noch anheizen

"Widersinnige Regulierungswut"

DIE ZEIT: Herr Staby, der EU-Ministerrat hat sich auf ein europaweites

Tabakwerbeverbot

geeinigt. Auch Deutsche und Österreicher, die sich lange dagegen gewehrt haben,

sollen künftig auf

den Marlboro-Cowboy oder die flotten West-Kinospots verzichten. Sie sind derzeit

Präsident des

Verbands der Cigarettenindustrie, wie sieht der Notfallplan der Branche aus?

LUDGER W. STABY: Der Beschluß des Gesundheitsministerrats widerspricht eindeutig

dem im

Maastrichter Vertrag fixierten Grundsatz, daß nach dem Subsidiaritätsprinzip die

Zuständigkeit für

die Gesundheitspolitik bei den einzelnen Mitgliedsstaaten liegt und die EU allenfalls für

die

Koordination zuständig ist.

ZEIT: Fakt ist aber, daß Ihre Lobbyarbeit dieses Mal in Brüssel nicht funktioniert hat.

STABY: Wir wußten zwar, daß die Briten nach dem Labour-Wahlsieg für ein

Werbeverbot sind

und in deren Gefolge auch die Holländer. Doch nachdem sich die Spanier und Dänen

enthalten

haben, waren wir sicher, daß der Vorstoß wieder abgelehnt wird. Daß ausgerechnet

Griechenland,

das acht Jahre ganz vorne in der Abwehrfront stand, in der entscheidenden Nacht

plötzlich umkippt,

obwohl das Land den Löwenanteil der rund zwei Milliarden Mark EU-Subventionen für

den

Tabakanbau kassiert, haben wir nicht vorausgesehen.

ZEIT: Aber

Anti-Raucher-Pille Zyban kommt Mitte Juli in die Apotheke

- Experten fordern zusätzlich psychotherapeutische Therapie =

Berlin, 28. Juni (AFP) - Die Anti-Raucher-Pille Zyban wird ab Mitte Juli in

deutschen Apotheken erhältlich sein. Wie die Herstellerfirma GlaxoWellcome am

Mittwoch in Berlin mitteilte, soll das Präparat nach einer etwa siebenwöchigen

Therapie dazu führen, dass der Raucher kein Verlangen nach einer Zigarette

mehr hat. In einer wissenschaftlichen Studie habe sich gezeigt, dass etwa 30

Prozent der Zyban-Anwender nach einem Jahr noch immer abstinent seien. Damit

liege die Erfolgsquote höher als bei anderen Mitteln gegen die Tabak-Sucht,

wie Nikotin-Pflaster oder Kaugummi.

Suchtexperten betonten jedoch, dass eine Anwendung von Zyban unbedingt

durch eine psychotherapeutische Therapie ergänzt werden müsse, um seine

Wirkung zu entfalten. Dadurch sollen die Raucher lernen, im Alltag ohne den

gewohnten Griff zur Zigarette auszukommen. Empfohlen wird das

verschreibungspflichtige Mittel von den Suchtexperten vor allem für Patienten,

bei denen andere Therapien fehlgeschlagen sind.

Zyban besteht aus dem Wirkstoff "Bupropion", der an der selben Stelle in

den Stoffwechsel des Gehirns eingreift, an dem auch das Nikotin seine Wirkung

entfaltet. Dadurch wird zum einen das Verlangen nach Tabak eingeschränkt, zum

anderen werden die bei Nikotin-Abstinenz normalerweise auftretenden

Entzugserscheinungen wie Nervosität und Konzentrationsstörungen abgeschwächt.

Als mögliche Nebenwirkungen nennt der Hersteller Schlafstörungen, Schwindel

und trockenen Mund. Die Therapie kostet täglich täglich rund fünf Mark, was

etwa dem Preis einer Schachtel Zigaretten entspricht.

jp/jes

+++ Rauch-Stopper

Drei Jahre nach ihrer Einfuehrung in den USA kommt die "Pille gegen das Rauchen" unter dem Namen "Zyban" auf den deutschen Markt. Das Medikament ist das erste nikotinfreie Mittel gegen das Rauchen. Es wirkt im Genusszentrum des menschlichen Gehirns, dem Limbischen System. Nikotin erhoeht dort die Konzentration der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, jedoch mit starken Schwankungen. Sinkt der Pegel, draengt es den Raucher zur Zigarette. Zyban daempft dieses staendige Auf und Ab. Gleichzeitig senkt es die anregende Wirkung des Nikotins und vermindert Entzugserscheinungen. In klinischen Studien waren ueber 30 Prozent der Teilnehmer noch nach einem Jahr rauchfrei. Die Kosten - fuer eine Tagesdosis etwa so viel wie fuer eine Schachtel Zigaretten - werden vorerst noch nicht von den Krankenkassen bezahlt. Die Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS) forderte dagegen, dass die Kassen die Kosten uebernehmen muessten, da  Tabakabhaengigkeit als Krankheit anerkannt sei.

--> http://www.zyban.com/

--> http://www.dhs.de/

--> http://www.rauchen.de

USA/Tabak/Gesundheit

Studie: Zahl der Raucher könnte in den USA halbiert werden

- Gesundheitsexperte fordert strengere staatliche Maßnahmen =

Chicago, 9. August (AFP) - Die Zahl der Raucher in den USA könnte einer US-Studie zufolge binnen zehn Jahren halbiert werden. Dafür müsse der Staat aggressiv der Werbung der Tabakindustrie entgegensteuern, sagte der Gesundheitsexperte des Weißen Hauses, David Satcher, als er am Mittwoch die Studie des Zentrums für Kontrolle und Prävention von Infektionskrankheiten (CDC) auf der elften Weltnichtraucherkonferenz in Chicago vorstellte. Allein im Jahr 1998 habe die Tabakindustrie 6,7 Milliarden Dollar (rund 14 Milliarden Mark) für Werbekampagnen ausgegeben. Als Gegenmaßnahmen schlage das CDC unter anderem eine Erhöhung der Tabaksteuer und Zollgelder vor sowie Aufklärungskampagnen in den Schulen und eine   Anti-Tabak-Werbung. Daneben müsse das Rauchverbot in Gebäuden verstärkt werden. Die Hersteller sollten zu dem Aufdruck eines Warnhinweises auf Zigarettenschachteln verpflichtet werden.

Satcher sagte weiter, derzeit rauche ein Viertel der US-Bevölkerung. Bundesweit solle der Anteil bis zum Jahr 2010 auf zwölf Prozent reduziert werden. Unter den Folgen der Tabaksucht litten vor allem Arme, Minderheiten und Jugendliche. Mehr als vier Millionen Jugendliche unter 18 Jahren griffen regelmäßig zur Zigarette.

USA/Tabak/Gesundheit/KORR

"Rauchen ist eine chronische Krankheit"

- Weltnichtraucherkonferenz in Chicago berät über Gegenstrategien

Von Louise Daly

Chicago, 7. August (AFP) - Auf die großen US-Tabakkonzerne könnten neben  den Schadenersatzprozessen der vergangenen Monaten im eigenen Land nun auch  weltweite Probleme zukommen. In dieser Woche beraten in Chicago mehr als 4000  Ärzte, Experten und Gesundheitspolitiker aus 120 Ländern auf der elften Weltnichtraucherkonferenz über eine weltweite Anti-Zigaretten-Kampagne. "Wir  müssen dem Tabak die gleiche Aufmerksamkeit entgegenbringen wie der Kinderlähmung in den 50er und 60er Jahren," sagt der stellvertretende Präsident der Konferenz, Thomas Houston, und betont, dass dank dieser Anstrengungen Kinderlähmung heute nahezu vollständig verschwunden sei.

"Rauchen ist eine chronische Krankheit, die immer wiederkehren kann," warnt  Houston, der als Arzt im US-Medizinerverband (AMA) die Abteilung Forschung und  Öffentliche Gesundheit leitet. Das Argument, Raucher griffen aus freiem Willen  zur Zigarette, lässt er nicht gelten. "Rauchen erzeugt wie beim Kokain eine  körperliche Abhängigkeit, die geheilt werden kann," sagt er. Die meisten  erwachsenen Raucher würden ihrer Sucht am liebsten ein Ende bereiten.

Mehr als vier Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums. An der Spitze der Krankheiten stehen Lungenkrebs und  Herzkrankheiten. Wenn sich die "Krankheit Rauchen" mit der derzeitigen Geschwindigkeit verbreite, werde die Zahl der Todesfälle in den nächsten 30 Jahren auf zehn Millionen steigen, prognostiziert Houston.

Vor allem für die Entwicklungsländer seien die Folgen fatal. Ihre Gesundheitssysteme seien nicht ausreichend entwickelt, um die Fälle der tabakbedingten Krankheiten aufzufangen. Bis zum Jahr 2030 würden davon 70 Prozent in unterentwickelten Ländern auftreten. "Länder wie Bangladesch und Kenia sind natürlich weitaus weniger in der Lage, Anti-Tabak-Kampagnen zu organisieren, als die USA, wo einige Staaten sehr wirksame Aufklärungskampagnen gefahren haben," erläutert Houston.

Ein Paradebeispiel ist der US-Bundesstaat Massachusetts. Seit 1993 hat Massachusetts die Tabaksteuer um das Dreifache erhöht. Kostete ein Päckchen Zigaretten vor sieben Jahren im Schnitt noch 1,85 Dollar (etwa vier Mark), liegt der Preis heute bei 4,25 Dollar. Zusätzlich zu einer aggressiven Anti-Tabakkampagne mit drastischen Schilderungen der Folgen des Rauchens bietet der Staat Ausstiegshilfen. Wer von der Zigarette loskommen will, kann sich kostenlos beraten lassen und in Therapien einsteigen.

In den vergangenen sieben Jahren ist der Verkauf von Zigaretten in Massachusetts um ein Drittel zurückgegangen. Wie im Bundesstaat Utah liegt der Anteil der erwachsenen Gewohnheitsraucher hier bei unter 15 Prozent. "Das zeigt, dass ein finanziell gut abgesichertes Programm hervorragende Ergebnisse erzielen kann," bilanziert Gregory Connolly, der für das Tabakkontrollprogramm der staatlichen Gesundheitsbehörde verantwortlich ist. Allerdings gebe es keine Wunderlösung, räumt Connolly ein.

mey/br

D/Gesundheit/Tabak

Geschiedene greifen häufiger zur Zigarette als Verheiratete

- Jeder vierte Bundesbürger über 15 Jahre raucht regelmäßig

Wiesbaden, 27. Juli (AFP) - Nach einer gescheiterten Ehe ist die Lust auf  eine Zigarette offenbar größer als während der Beziehung. Wie das Statistische  Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, zählen Geschiedene mit 44 Prozent weitaus häufiger zu den Rauchern als Verheiratete mit nur 26 Prozent.

Den Statistikern zufolge raucht jeder vierte Bundesbürger über 15 Jahre regelmäßig. Dabei greifen 35 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen zum Glimmstengel. Das männliche Geschlecht beginnt auch früher mit dem Rauchen:

Beim ersten Zug sind Männer im Durchschnitt 19 Jahre alt, Frauen dagegen 20 Jahre.

Zu den Berufsgruppen mit dem höchsten Anteil an Rauchern zählen Bus-, Taxi-  und Fernfahrer sowie Bauarbeiter mit jeweils 52 Prozent. Am wenigsten rauchen  mit je 18 Prozent Ärzte, Apotheker und Lehrer. Das Bundesamt ermittelte aber  auch regionale Unterschiede: Demnach gibt es in den nördlichen Bundesländern  mehr Raucher als in den südlichen: In Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern raucht etwa jeder dritte, in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg nur etwa jeder vierte Bürger.

Der Anteil der Raucher an der Bevölkerung steigt laut Bundesamt mit zunehmenden Alter zunächst an und erreicht in der Altergruppe der 35- bis 40-Jährigen mit 41 Prozent den höchsten Wert. Später sinkt der Anteil stufenweise auf 18 Prozent bei den 60- bis 65-Jährigen.

syx/ul

T A B A K K O N S U M I N D E U T S C H L A N D

Marlboro-Men fahren Bus oder Taxi

Berufskraftfahrer und Bauarbeiter greifen am häufigsten zum Glimmstängel. Ärzte, Apotheker und Lehrer üben sich in Zurückhaltung.

Wiesbaden -

© DPA

Jeder vierte Deutsche qualmt

Das Statistische Bundesamt teilte am Donnerstag die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage vom April 1999 mit. Demnach sind Berufskraftfahrer und Bauarbeiter mit 52 Prozent die stärksten Raucher im Land. Ärzte, Apotheker und Lehrer mit 18 Prozent rauchen am wenigsten.

Insgesamt bezeichneten sich bei der Umfrage 28 Prozent der erwachsenen und jugendlichen Bundesbürger (ab 15 Jahren) als Raucher, gleich viele wie bei der letzten Umfrage 1995. Bevorzugt werden dabei Zigaretten verqualmt (97 Prozent), Zigarillos, Zigarren oder Pfeifen paffen nur 3 Prozent. Von den regelmäßigen Zigarettenrauchern gaben sieben Prozent an, weniger als fünf Zigaretten am Tag zu verbrauchen. 19 Prozent kamen dagegen auf mehr als 20 Zigaretten pro Tag. Die übrigen Raucher liegen dazwischen.

Die Männer greifen im Durchschnitt mit 19 Jahren zum Glimmstängel, die Frauen mit 20. Die Altersgruppe zwischen 35 und 40 Jahren verzeichnet mit 41 Prozent den höchsten Raucheranteil, aber ab 40 scheint doch mehr Vernunft einzukehren. In dieser Gruppe nimmt die Raucherquote stufenweise ab.

Im Dunst der Einsamkeit

Interessant auch die Tatsache, dass 44 Prozent der Geschiedenen rauchen, aber nur 25 Prozent der Verheirateten. Arbeitslose qualmen mehr als Berufstätige, das Verhältnis beträgt hier 47 zu 36 Prozent.

Bei der so genannten Mikrozensus-Zusatzbefragung, bei der alle vier Jahre 0,5 Prozent der Bevölkerung Auskunft über ihre Lebensgewohnheiten geben, zeigte sich außerdem, dass in den nördlichen Bundesländern häufiger geraucht wird als im Süden. Am höchsten sind die Raucheranteile mit Werten zwischen 36 und 33 Prozent in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Es folgten Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 32 Prozent. Am wenigsten wird in Sachsen (25 Prozent) sowie in Bayern und Baden-Württemberg (jeweils 26 Prozent) geraucht.

USA/Gesundheit

Tod einer Raucherin kostet Zigarettenhersteller 200.000 Dollar =

Miami, 13. Oktober (AFP) - Der Zigarettenhersteller R.J. Reynolds muss für  den Krebs-Tod einer Raucherin insgesamt 200.000 Dollar (rund 450.000 DM)  Entschädigung an ihren Mann zahlen. Der Konzern wurde aber entgegen der  Forderung des Klägers nicht zu einer Geldbuße verurteilt, gab das Gericht am Freitag in Tampa in Florida bekannt.

Suzanne Jones war 1995 im Alter von 62 Jahren gestorben, nachdem sie 40  Jahre lang jeden Tag ein Paket Zigaretten geraucht hatte. Sie stellte den  Zigarettenkonsum auch nicht ein, als Ärzte ihre Krebserkrankung  diagnostizierten. Die Jury sprach ihrem Ehemann Bob 141.000 Dollar Entschädigung für die Kosten der Medikamente und des Begräbnisses zu und weitere 59.000 Dollar für den Verlust seiner Frau. Im vergangenen Juli waren fünf Zigarettenkonzerne von einem Gericht in Miami (US-Bundesstaat Florida) zu einer Zahlung von 145 Milliarden Dollar Entschädigung an Raucher verurteilt worden.

EU/Tabak/Gesundheit

EU-Parlament beharrt auf drastischen Maßnahmen gegen das Rauchen

- Weniger Schadstoffe und größere Warnhinweise auf Packungen =

Straßburg, 13. Dezember (AFP) - Das Europaparlament beharrt angesichts des steigenden Tabakkonsums vor allem bei jungen Leuten auf härteren Maßnahmen  gegen das Rauchen. Die EU-Volksvertretung verabschiedete am Mittwoch in  zweiter Lesung einen Richtlinienentwurf, der unter anderem große und  abschreckende Warnhinweise auf den Packungen sowie eine deutliche Reduzierung  der Schadstoffe in den Zigaretten vorsieht. Außerdem verlangte die Straßburger  Versammlung ein Verbot von Stoffen wie Ammoniak, die die Abhängigkeit fördern sollen. Über diese Forderungen werden nun Parlament und Ministerrat in einem  Vermittlungsverfahren verhandeln. Das Europaparlament hat in dieser Frage ein  Mitbestimmungsrecht.

Die geplante Richtlinie sieht vor, ab dem Jahre 2004 den Höchstwert für Teer von bisher zwölf auf zehn Milligramm zu reduzieren. Erstmals sollen ab diesem Zeitpunkt auch Grenzwerte für Nikotin (ein Milligramm) und Kohlenmonoxid (zehn Milligramm) eingeführt werden. Ab diesem Jahr sollen in der Union nur noch Zigaretten hergestellt und vermarktet werden, die diese Richtwerte einhalten. Damit soll auch der Export von Zigaretten mit höheren Werten in Drittstaaten untersagt werden.

Das Parlament fordert ferner große Warnhinweise, die mindestens 30 Prozent der Packungen bedecken müssen. Raucher sollen mit Slogans wie "Rauchen tötet jährlich eine halbe Million Menschen in der Europäischen Union" oder "Rauchen verursacht Krebs und Herzkrankheiten" auf die Gefahren der Sucht hingewiesen werden. Vorgesehen ist auch ein Hinweis, der vor den Folgen des Passivrauchens vor allen für Kinder warnt.

Außerdem sollen die Unionsländer noch strengere Warnhinweise vorzuschreiben dürfen - auch den Abdruck von abschreckenden Fotos, etwa von Raucherbeinen oder Mundkrebs. Der niederländische Liberale Jules Maaten verwies auf entsprechende Experimente in Kanada. Untersuchungen hätten dort gezeigt, dass ein Foto 60 mal mehr Aufmerksamkeit errege als ein Text. Die Forderung der EU-Kommission, irreführenden Kennzeichnungen wie "light", "mild" oder "leicht" ganz zu untersagen, fand im Parlament allerdings keine Mehrheit. Nach dem Willen der Abgeordenten sollen solche Begriffe weiter erlaubt sein, wenn sie zu den eingeführten Markennamen gehören.

Auf erheblichen Widerstand stößt die Richtlinie vor allem bei deutschen Abgeordneten von CDU/CSU und SPD. Sie verwiesen auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), der Anfang Oktober auf Antrag der Bundesregierung das EU-weite Takakverbot aufgehoben hatte. Der Luxemburger Gerichtshof hatte dies mit der mangelnden Zuständigkeit der EU in Sachen Gesundheitsschutz begründet. Dies gelte auch für die neue Richtlinie, meinte der CDU-Abgeordnete Werner Langen. Auch sie werde vom EuGH gekippt werden. Die EU subventioniert derzeit den Tabakanbau in der Union mit jährlich rund einer Milliarde Euro (knapp zwei Milliarden Mark).

jh/mt

D/Tabak/Gesundheit

DHS: Verkaufsverbot von Zigaretten an Jugendliche reicht nicht aus - Teil der Tabaksteuer müsste für Prävention ausgegeben werden=

Hamm, 5. Januar (AFP) - Das geplante Verkaufsverbot von Zigaretten an  Jugendliche ist nach Ansicht der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) nicht ausreichend. Auch ein Teil der Tabaksteuer müsse für die Prävention ausgegeben werden, forderte der Geschäftsführer des Verbandes, Rolf Hüllinghorst, am Freitag in Hamm. Mit den Geldern könnten Kampagnen finanziert werden, die Kinder und Jugendliche vor den Gefahren des Tabakkonsums warnten.

Auch die Zahl der bundesweit rund 800.000 Zigarettenautomaten müsse verringert werden, verlangte Hüllinghorst. "Je mehr Angebot da ist, um so mehr wird konsumiert."

Laut DHS greifen inzwischen schon Kinder im Alter zwischen elf und zwölf  Jahren erstmals zum Glimmstengel. Vor allem bei jungen Mädchen gebe es einen  "dramatischen Anstieg", sagte Hüllinghorst. Die Bundesregierung plant noch in dieser Legislaturperiode eine Novellierung des Jugendschutzgesetzes. Dabei soll der Verkauf von Zigaretten an Jugendliche unter 16 Jahren verboten werden.

syx/mt

18.07.2001 10:22

Tabak

Vom wirtschaftlichen Nutzen des Rauchens

Ein Tabakkonzern versucht in Tschechien zu belegen, dass Zigaretten der Staatskasse nutzen, weil sie den Menschen schaden.

Von Michael Frank

(SZ vom 18.07.2001) - Wer sich zu Tode raucht, nützt der Volkswirtschaft. Auf diesen bemerkenswerten Zusammenhang sind Wirtschaftswissenschaftler im Auftrag des Tabakweltkonzerns Philip Morris gestoßen, meldet die französische Agentur AFP. Raucher stürben früher und entlasteten damit die Sozialversicherung, sagt demnach eine Studie des amerikanischen Tabakriesen, was zweifellos von volkswirtschaftlichem Nutzen sei.

Das Gleiche gelte für die erkleckliche Ersparnis, weil die durch Ableben der bezugsberechtigten Raucher hinfälligen Renten- und Pensionszahlungen in der Kasse blieben. Tabakkonsum soll nicht beschönigt werden Als Unternehmenssprecher Remi Calvet diese kühnen Erkenntnisse jetzt in Lausanne von sich gab, wurde ihm offensichtlich selbst etwas mulmig zumute: Es sei nicht die Absicht der Studie, den Tabakkonsum zu beschönigen. Calvet räumte ein, dass Formulierungen der Studie Æziemlich schockierend“ wirken könnten. Die Berechnung ist angestellt worden, weil tschechische Politiker den Tabakkonsum und damit die Tabakindustrie als schwere Last für die öffentlichen Finanzen des Landes zu erkennen glaubten.

Auch in diesem tabakversessenen Land hat sich herumgesprochen, dass die ökonomischen Schäden durch gesundheitliche Folgen des Rauchens in die Milliarden gehen können. Diesem Argument sollte die Ausarbeitung von Philip Morris nun offenbar die Spitze nehmen. Dass sich der Konzern angesprochen fühlt, ist kein Wunder: Er hält in Tschechien, aber auch in einigen anderen Nachbarstaaten des früheren kommunistischen Mitteleuropa die absolute Marktführerschaft auf dem Zigarettensektor.

Der Tod bringt Einsparungen von 71 Millionen Mark Nach Angaben der amerikanischen Zeitung Wall Street Journal kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der frühzeitige Tod von Rauchern der Tschechischen Republik 1999 Einsparungen von umgerechnet rund 71 Millionen Mark an Behandlungskosten, Renten und Wohnraumentgelten erspart habe. Würden die beträchtlichen Einnahmen durch die Tabaksteuern berücksichtigt sowie die Allgemeinkosten der Nikotinsucht abgezogen, habe Tschechien einen jährlichen ÆNettogewinn“ von etwa 345 Millionen Mark für die Staatskasse. Irgendwie fühlt man sich an makabre Witze aus der Fahrschulzeit erinnert: Am Zebrastreifen sei immer zu halten, nur dann nicht, wenn ein Rentner die Straße quere, der Sozialversicherungsbilanz wegen. Viele Tschechen rauchen noch immer wie besessen. Hier und in anderen postsowjetischen Gesellschaften ist das eine beinahe unausrottbare liebe Gewohnheit aus Zeiten nur schmaler sozialistischer Konsummöglichkeiten, als das Rauchen eines der wenigen uneingeschränkt auslebbaren Luxusbedürfnisse befriedigte. Dicke Luft in den Kneipen Heute noch sind Prags und Brünns Kneipen geschwängert vom Qualm der unzähligen Zigaretten, ja, die ausgeprägt Ædicke Luft“ gilt manchen nachgerade als Merkmal ausgeprägter Gemütlichkeit eines Etablissements. Unter Oppositionellen und Dissidenten der KP-Zeit war exzessives Rauchen besonders verbreitet, oft als psychologische Folge von politisch bedingter Haft. Vaclav Havel, einstiger scharfer Systemkritiker und heute Präsident der Republik, war eines der markantesten Beispiele. Er wäre 1997 beinahe zu Tode gekommen an den Folgen dieser wahnhaften Qualmerei, leidet heute noch schwer daran, obwohl er damals nach einer schweren Lungenoperation das Rauchen eingestellt hat. Innige Verbindung von Patriotismus und schlechter Luft Just in Böhmen und Mähren hat solcher Zynismus wie man ihn aus der Studie erkennen mag, einen nochmals bittereren Beigeschmack, denn Patriotismus und schlechte Luft hatten dort immer eine innige Verbindung: In den Nordregionen des Landes verpesteten zu KP-Zeiten – mancherorts tun sie das noch heute – riesige völlig ungefilterte Braunkohlekraftwerke und Chemiekombinate die Atmosphäre. Menschen, die sich solcher Tortur als Arbeitskräfte auszusetzen bereit waren, bekamen wegen der gesundheitlichen Belastungen beträchtliche Sonderprämien, die der Volksmund schlicht ÆSterbegeld“ nannte. In diesen trostlosen Industrie-Gegenden des Landes wurde natürlich zusätzlich auch, oder erst recht, exzessiv geraucht. Die Tabakindustrie versucht uns offenbar nun zu lehren, dass es sich da um lauter Patrioten handeln muss, die die Rentenbilanz der Tschechischen Republik nicht allzu lange belasten wollten.


Raucher arbeiten weniger

Raucher arbeiten weniger und sind dabei auch weniger produktiv. Das behauptet jetzt eine amerikanische Studie. Die Raucher waren danach fast dreimal so haeufig krank wie ihre nichtrauchenden Kollegen und bei der Arbeit haeufig nicht praesent. Die Forscher untersuchten 300 Personen, jeweils hundert Raucher, Ex-Raucher und Nichtraucher. Alle arbeiteten fuer eine grosse amerikanische Luftfahrtgesellschaft. Ueberprueft wurde nicht nur, wie haeufig die Mitarbeiter wegen Krankheit fehlten, sondern auch, wie produktiv sie waren. Das ermittelten die Wissenschaftler unter anderem anhand von Verkaufszahlen und der Telefonpraesenz der Mitarbeiter.

Neben den hoeheren Krankenstaenden entdeckten die Forscher auch deutliche Defizite bei der Produktivitaet der Raucher. Gaben die Tabakkonsumenten das Rauchen auf, nahm ihre Produktivitaet wieder zu. Dieser Effekt trat erst nach einem Jahr ein, war dann jedoch statistisch signifikant.


D/EU/Großbritannien/USA/Gesundheit/Tabak/Werbung

"The Lancet": Kohl und Bangemann gezielt von Tabaklobby beeinflusst

- Industrie versorgte Politiker mit Argumentations-Leitfäden

London, 11. April (AFP) - Die Tabakindustrie hat deutsche Spitzenpolitiker

lange Jahre als "verlässlichste Gegner" eines Werbeverbots für Tabak in der EU

angesehen und mit entprechenden Argumentationshilfen ausgestattet. Dies

berichtet das Wissenschaftsmagazin "The Lancet", für das Forscher der

Universität von Kalifornien seit kurzem zugängliche Archive der Industrie aus

den Jahren 1978 bis 1994 ausgewertet haben. Die vom Zentrum für Tabakkontrolle

der Uni in San Francisco ausgewerteten 15.000 Aktenseiten belegen den

Forschern zufolge, dass die Lobby-Arbeit gegen das Werbeverbot "koordiniert

und effizient" war.

"Allen erdenklichen Einfluss auf Deutschland nutzen, um eine Schwächung der

Blockade zu verhindern", heißt es demnach in einem Strategie-Papier des

US-Tabakkonzerns Philip Morris von 1993. Um eine EU-Direktive gegen die

Tabak-Werbung zu verhindern, müsse direkt mit dem damaligen Bundeskanzler

Helmut Kohl (CDU) "zusammengearbeitet" werden. Auch der damalige EU-Kommissar

für Industrie, der FDP-Politiker Martin Bangemann, habe zu den "Zielen" des

Industrie-Lobbyings gehört.

Die Argumentationshilfen seien von der damaligen Bundesregierung genutzt

worden, um die Zuständigkeit der EU anzuzweifeln und die 1998 schließlich doch

angenommene Direktive inhaltlich abzuschwächen. Die Autoren empfehlen ihre

Studie allen Anhängern von Rauch- und Tabakwerbeverboten sowie der

Weltgesundheitsorganisation (WHO), um sich mit den Vorgehensweisen der

Tabaklobby vertraut zu machen. Außer den Einzelfirmen habe sich auch der

Europäische Dachverband CECCM massiv in das Gesetzgebungsverfahren

eingeschaltet.

Die Diskussion um das Tabak-Werbeverbot in der EU ist bis heute nicht

abgeschlossen: Im Oktober 2000 erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die

zwei Jahre zuvor beschlossene EU-Direktive auf Antrag der Bundesregierung für

unzulässig. Zum Monatsbeginn warf EU-Verbraucherkommissar David Byrne der

Bundesregierung vor, sie blockiere weiterhin die Bemühungen der EU gegen das

Rauchen. Dahinter sei Lobbying der Tabakindustrie zu vermuten. "Deutschland

behindert die EU-Kommission in ihrem Kampf insbesondere gegen die

Tabakwerbung", sagte Byrne der "Berliner Zeitung". Auch versuche Berlin, die

Verhandlungen von über 190 Staaten in der WHO über noch weitreichendere

Abkommen gegen das Rauchen zu bremsen.


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