Tinnitus = Ohrensausen Zurück
engl Bezeichnung + Abkürzungen
Tinnitus aurium, Ringing in the ears
Subjective Idiopathic Tinnitus (SIT) = tinnitus ohne erkennbare Ursache
objektiver tinnitus =
Tinnitus = Pfeifen im Ohr = Ohrensausen
"Die verlorene Stille"
Ohrgeräusche, auch Ohrensausen oder Tinnitus genannt, werden als Rauschen, Sausen, Klingeln, Summen oder Maschinengeräusch wahrgenommen. Das Geräusch variiert in Lautstärke, Intensität und kann konstant oder periodisch auftreten. Bei einigen Menschen geht der Tinnitus mit verminderter Hörfunktion oder Schwindel einher.
Tinnitus aurium Ohrensausen, Ohrgeräusche;
störende, ton- oder geräuschartige endogene Schallempfindung, entweder als Wahrnehmung ohrnaher Muskel- u. Gelenkgeräusche, von Sekretknistern, Vibrationen etc. oder aber i.e.S. als rein subj. Empfindung (Brummen, Rauschen, Klingen, Pfeifen) infolge inadäquater Rezeptorenreizung.
Vork. v.a. bei gestörter Schalleitung (Zerumen, Otitis, Otosklerose, evtl. pulsierend)
bzw. bei Erkrankungen von Innenohr, Hörnerv oder -zentren (meist hochfrequent),
arterieller Hyper- u. Hypotonie.
nach dem Zeitpunkt des Auftretens
mit oder ohne Schwerhörigkeit
mit oder ohne Schwindel
nach der Symptomatik
Grundsätzlich unterscheidet man objektive von subjektiven Ohrgeräuschen. Sehr selten sind objektive Ohrgeräusche zu finden, hervorgerufen durch beispielsweise pathologische Kontraktionen von Mittelohr-, Rachen- oder Gaumenmuskulatur, Glomustumoren, sowie ausgeprägte pathologische Veränderungen der Hals- und Hirngefäße. In der Regel kann der Untersucher das Ohrgeräusch mithören, eine operative Intervention ist häufig möglich.
Bei der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich beim chronischen Tinnitus um ein subjektives Geräusch, das in verschiedenen Qualitäten auftreten kann. Dabei ist bedeutsam, dass subjektiver Tinnitus überwiegend peripher ausgelöst wird, und zentral massiv verstärkt werden kann.
Tinnitus ist ein Symptom und keine Krankheit. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von Ursachen, die sich nach modernen Klassifikationen einteilen lassen.
Die Klassifikation nach Zenner unterscheidet den
Konduktiver Tinnitus
Vibrationen, ausgehend vom Mittelohr, können durch Tubenventilationsstörungen oder pathologische Kontraktionen der Mittelohrmuskulatur entstehen. Diese Vibrationen werden an das Innenohr weitergegeben und nicht selten als tieffrequentes Ohrgeräusch empfunden.
Kochleärer Tinnitus
Störungen im Innenohr lösen einen kochleären Tinnitus aus.
Voraussetzung für den normalen Hörvorgang ist eine Auslenkung der Stereozilie. Wird ein solches Sinneshärchen umgelenkt, öffnet sich an der Spitze eine Pore (Ionenkanal), die sich bei der Rückstellung, also nach Weiterleitung des Signals, wieder schließt. Bleibt diese Pore beim Zurückstellen offen, strömen ununterbrochen geladene Ionen (Kaliumionen) ein, und es kommt zu einer andauernden Erregung der Haarzelle.
Stereozilien sind in der Regel relativ steif. Durch ständige Überlastung (zum Beispiel überhöhte Lärmeinflüsse) kann eine Stereozilie jedoch erweichen und somit deformiert und von der Teritorialmembran abgekoppelt werden. Somit kann eine Dauerbewegung der Sinneshärchen durch die Brownsche Molekularbewegung möglich werden. Durch die reizunabhängige Dauerbewegung kann es kontinuierlich zur Erzeugung eines Signals kommen.
Die Entladung der positiven Sensorpotenziale der Sinneszelle erfolgt durch Ionenkanäle der lateralen Seite der Haarzellen. Diese Poren können ihre Durchlässigkeit verändern. Das hat zur Folge, dass die Erregung dieser Sinneszelle zunimmt, und damit Ursache für ein Dauersignal sein kann.
Im Innenohr existieren etwa 17 000 kleine Motoren, die äußeren Haarzellen oder auch Motorzellen. Sie reizen indirekt die inneren Haarzellen, wenn man hört. Herrscht Stille, dann ruhen diese Zellen. Äußere Haarzellen können sich pathologisch jedoch spontan bewegen, wenn kein Schallereignis ansteht. Sie produzieren dadurch ein Signal im Innenohr, das durch die inneren Hörsinneszellen wahrgenommen und an den Hörnerven weitergeleitet wird.
Die efferente Hörbahn dient zur Steuerung der Motoraktivität der äußeren Haarzellen. Zu starke Aktivitäten können auf diese Weise unterdrückt werden. Kommt es zur Störung dieses Unterdrückungsmechanismus, bewegen sich die Motorzellen unkontrolliert, und es kommt zum Ohrgeräusch.
Bei einer Störung des Transformationsprozesses werden zum Beispiel zu viele Transmitter freigesetzt. Man kann sich den Rezeptor am Hörnerv als Schloss und den Transmitter als Schlüssel vorstellen. Wird nun zuviel Transmitter angeboten, können verstärkt Ca2+-Ionen in den Hörnerv dringen und diesen stark schädigen (so genannter Exzitationstinnitus nach Ehrenberger).
Zentraler Tinnitus
Man unterscheidet
Primärtumoren (zum Beispiel Akustikusneurinom), zentralnervöse Erkrankungen (zum Beispiel Multiple Sklerose) oder Traumata (zum Beispiel Schädel-Hirn-Traumen) können zu einer direkten Schädigung von Hörnerv und Hörbahn mit Dauersignalerregung führen (primär zentraler Tinnitus).
Ähnlich dem Phantomschmerz, kann sich ein ursprünglich peripherer Tinnitus zentral verselbständigen. Erfolgt eine Tinnitusfehlinformation vom Ohr über längere Zeit, dann kann die Wahrnehmung für den Tinnitus hoch aktiv sein, selbst wenn nur noch ein schwaches oder sogar kein Fehlersignal mehr vom Ohr an das Gehirn gesendet wird. Man kann von einer massiven zentralen Verstärkung (Amplifikation) durch eine pathologische kognitive Fokussierung sprechen (sekundär zentralisierter Tinnitus). Man nimmt an, dass sich die zur Amplifikation führenden Rückkopplungen zwischen dem Limbischen System (Emotion) und den kognitiven Arealen des ZNS aufbaut.
Massivste Beeinträchtigungen der Lebensqualität mit Schlafstörung und Depressionen bis hin zum Suizid im Einzelfall können die Folge sein. Dieser Teufelskreis kann durch präexistente Komorbiditäten exazerbieren.
Mit dem Lebensalter steigt auch die Zahl der Betroffenen;
um das 50. Lebensjahr erreicht sie ihren Höhepunkt.
bei älteren Leuten ca 10 % betroffen
Ursachen
seltene Ursachen:
Externe Ursachen
=> In etwa 70 Prozent aller Tinnitus-Fälle bleibt die Ursache unklar
Tinnitus
Tinnitus oder das Rauschen im Kopf - mit drei Millionen Erkrankten wird dieses Phänomen zu einer Zivilisationskrankheit. Wer fortwährend mit Reizen bombardiert wird - Handys, PCs, Telefone, Fernsehen, emotionaler Stress - muss sich nicht wundern, dass der Kopf von Empfang auf Senden umschaltet. Es piept und rauscht und lässt sich nicht abstellen.
Tinnitus ist der medizinische Fachausdruck für Ohrgeräusche oder Ohrensausen. Jeder Vierte von uns hat dieses Phänomen schon einmal erlebt: Plötzlich zischt, rauscht, pfeift oder summt es im Ohr und alle anderen Geräusche in der Umgebung werden übertönt.
Auslöser kann ein besonders stressiger Tag sein, ein lautes Rockkonzert oder Ärger mit den Nachbarn. Bei einigen hören die Geräusche im Ohr von selbst nach kurzer Zeit wieder auf. Bei anderen aber hält das "Konzert im Kopf" an. Knapp drei Millionen Menschen sind aktuell betroffen. 1,5 Millionen Menschen leiden sogar an einem chronischen Tinnitus.
Der Ton kommt von innen
Jeder weiß, wie stark ein tickender Wecker oder ein tropfender Wasserhahn in der Nacht die Nerven strapazieren kann - solche Geräusche können wir abstellen. Für einen Tinnitus aber gibt es in der Regel keine äußere Schallquelle, ihn können wir nicht einfach abstellen. Der Ton kommt von innen, aus dem eigenen Körper und wird - bis auf wenige Ausnahmen - nur von dem Betroffenen wahrgenommen. Die Ohrgeräusche nennt man deshalb auch "subjektiven" Tinnitus.
Individuelle Symptome
Die Lautstärke der Ohrgeräusche kann sehr unterschiedlich sein: Es gibt Betroffene, die die Geräusche nur einseitig hören, andere wiederum haben ein Rauschen auf beiden Ohren oder sogar im ganzen Kopf. Die Tinnitus-Symptome können schlagartig beginnen, oder sie setzen schleichend ein und steigern sich innerhalb weniger Stunden zu einem Dauerton.
Tinnitus - ein Symptom, keine Krankheit
Grundsätzlich gilt: Tinnitus ist keine Krankheit. Tinnitus ist zunächst ein Symptom - vergleichbar mit Schmerz. Das Rauschen, Knarren oder Piepen im Ohr weist darauf hin, dass irgendetwas im Körper oder im seelischen Bereich nicht stimmt.
Der Stress ist uns über den Kopf gewachsen - oder besser: auf die Ohren geschlagen. Ein Tinnitus ist immer Warnsignal, kürzer zu treten. Deshalb muss nicht das Symptom behandelt werden, sondern seine Ursachen. Sonst kann ein Tinnitus tatsächlich krankmachen: Nämlich dann, wenn die quälenden Töne bleiben und auf Dauer die Lebensfreude rauben.
Ursachen des Ohrenrauschens
Zu viel Verkehrslärm, laute Musik, Fernsehen und schreiende Kinder - die Ohren lassen sich nicht einfach zuklappen. Sie sind immer gefordert und aufnahmebereit. Als sensible Sinnesorgane mit feinsten Blutkapillaren sind sie äußerst anfällig. Ein Tinnitus signalisiert: Jetzt reicht es, ich kann nicht mehr - Seele und Körper wollen sich ausruhen. Wie und warum es plötzlich im Ohr knackt, piepst, summt oder pfeift ist Medizinern und Forschern bis heute unklar. Als unmittelbare Ursache von Tinnitus wird eine Durchblutungsstörung im Innenohr vermutet, die das Gehör beeinträchtigt. Ausgelöst wird diese durch extremen Lärm, wodurch die feinen Haarzellen im Ohr geschädigt werden. Einige Forscher meinen auch, dass ein Tinnitus vor allem durch Reizüberflutung und Stress zustande kommt.
Lärm als Ursache
Sicher ist: Lärm oder auch ein kurzes extrem lautes Geräusch - ein Knall - kann die Gehörzellen dauerhaft schädigen. Viele Betroffene berichten, dass ihr Tinnitus im Anschluss an ein "Knalltrauma" wie an Sylvester oder Karneval - aufgetreten ist. Die Ohrgeräusche werden häufiger bei Männern als bei Frauen festgestellt, weil
Männer oft in Berufen mit hoher Lärmbelastung arbeiten. Außerdem
haben Untersuchungen ergeben, dass Tinnitus bei Jugendlichen,
die regelmäßig sehr laute Musik hören, überdurchschnittlich oft
auftritt.
Organische Erkrankungen als Ursache
Neben Lärmschäden gibt es schätzungsweise rund 400 weitere
mögliche Ursachen oder Ursachenkombinationen für einen Tinnitus.
Ort des krankhaften Geschehens muss nicht in erster Linie das Ohr
sein. Systemische Störungen der Mikrozirkulation durch
pathologische Veränderungen des Blutes oder der Gefäße führen
ebenfalls zur Mangeldurchblutung des Innenohres.
Folgende organische Erkrankungen können der Grund für die
quälenden Töne sein:
Veränderungen an den Halswirbeln oder Kiefergelenken
Hals-Nasen-Ohren-Infektionen und Erkältungen
Nahrungsmittelallergie
Herz-Kreislauferkrankungen
Diabetes
Vergiftungen Tumore
Morbus Menière
eine Erkrankung des Innenohres mit Drehschwindel und
Schwerhörigkeit
Die gezielte Ursachenforschung und Auswahl der geeigneten
Behandlung liegt bei den behandelnden Fachärzten.
Stress als Ursache
Viele Betroffene sehen im alltäglichen Stress den eigentlichen
Auslöser ihres Leidens. Tag für Tag werden sie mit optischen und
akustischen Außenreizen bombardiert, die sich nicht einfach
ausschalten lassen. Das führt zu Stress und löst im Organismus
folgende Reaktionskette aus:
Das Stresshormons Kortisol wird vermehrt ausgeschüttet.
Kortisol verengt die Blutgefäße und verschlechtert damit die
Fließeigenschaften des Bluts.
Das Blut wird dicker und kann sogar gerinnen.
In den kleinen Gefäßen des Innenohres kann es so zum
Gefäßverschluss kommen.
Die Folge kann ein Tinnitus oder sogar ein Hörsturz (Infarkt
des Innenohres) sein, der im Krankenhaus behandelt
werden muss.
Die plötzlich erzwungene Ruhepause, die der Tinnitus mit sich
bringt, bietet dem Betroffenen oft endlich Gelegenheit, einmal
durchzuatmen und die Seele baumeln zu lassen.
Merke: Wenn der Tinnitus sich meldet, ist allerspätestens Erholung
oder - besser noch - ein Langzeiturlaub angesagt.
Tinnitus Program at Brasilia University Medical School.
Oliveira CA, Venosa A, Araujo MF
Department of Otolaryngology, Brasilia University Medical School, Brasilia, D.F., Brasil.
Over the last 6 months, all patients seen at the otologic clinic of Brasilia University Medical School answered a questionnaire designed to identify and describe the symptom of tinnitus. A total of 500 patients reported and described this symptom. They underwent physical examination, laboratory tests and audiological evaluation. In their order of frequency, presbycusis, chronic otitis media, otosclerosis, acoustic trauma, Meniere's disease, ototoxicity, and vestibular schwannoma were found. Tinnitus was rated as minor in 81%, moderate in 18%, and severely disabling in 1%. Those who requested treatment for tinnitus were treated medically. Central vasodilators, vestibular suppressants, calcium channel blockers, anticholinergic drugs, anticonvulsant drugs, and gingko biloba were used with variable results. Tinnitus maskers were not used, but hearing prostheses were fitted when indicated. Treatment failed in the 1% with severe disabling tinnitus, and they were entered in a double-blind, randomized protocol for intratympanic dexamethasone injection. Under topical anesthesia, 0.2 ml of a 4-mg/ml dexamethasone solution (0.8 mg per injection) or 0.2 ml of nornal saline was injected just posterior to the umbo. Patients remained supine for 20 minutes with the injected ear up and received four injections at 1-week intervals. Preliminary results are reported. Tinnitus is a very frequent symptom among our otologic patients, but most of them would not mention the symptom spontaneously, probably because for 81% it was mild. Curiously, the 5% of the severely disabling type tend to exhibit no clear cause, whereas the mild and moderate cases usually have an identifiable etiology.
PMID: 10753434
Die Punktprävalenz von Tinnitus in Deutschland liegt etwa bei 3,9 Prozent; die Zahl von 1,5 Millionen mittelschwer bis stark Betroffener ist höher als bisher angenommen. Etwas mehr als die Hälfte der Tinnituspatienten verspürten einen hohen Leidensdruck.
ca 250 000 neue chronische Tinnitusfälle pro Jahr
Altersverteilung ?
Geschlechtsverteilung ?
Berufsverteilung ?
Minnesota Multiphasic Personality Inventory in tinnitus disorders.
Audiology 1990;29(2):101-6
Collet L, Moussu MF, Disant F, Ahami T, Morgon A
Laboratoire d'explorations fonctionnelles neurosensorielles, Hopital Edouard-Herriot, Lyon, France.
The relation between Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI) and tinnitus was examined in 100 subjects with tinnitus disorders. The overall profile of tinnitus sufferers on the MMPI was normal. Higher scores on the depression scale were obtained in males. High hypochondria scores were related to long duration of tinnitus. High psychoasthenia scores were associated with hearing loss. Despite an analogy previously described between chronic pain and tinnitus, the psychometric parameters of tinnitus and of headaches are quite different.
PMID: 2350302
Tinnitus-Patienten leiden unter einem permanenten Geräusch im Ohr,
das vom leisen Piepsen bis zum lauten Rauschen reichen kann
Diagnostik
Prinzip : Ausschluß handfester Tinnitusursachen
Im Einzelfall
Differential Diagnostik
Standardisierte Fragebögen:
designed especially for the clinical assessment of tinnitus:
Greimel KV, Leibetseder M, Unterrainer J, Albegger K.
Can tinnitus be measured? Methods for assessment of tinnitus-specific disability and presentation of the Tinnitus Disability Questionnaire.
HNO. 1999 Mar;47(3):196-201. German. No abstract available.
PMID: 10231705
HNO Ärztliche Untersuchung
Biochemical Evaluation of the Patient with Tinnitus.
Rubin W.
Int Tinnitus J. 1997;3(1):41-43.
PMID: 10753363
The use of muscle relaxants in the diagnosis of tinnitus.
Tousek P, Bzonek J.
Cesk Otolaryngol. 1966 Aug;15(4):215-7. Czech.
PMID: 5975184
Diagnostisch ist eine genaue Untersuchung der Ohren, der Nase und des Rachens erforderlich. Als sehr sinnvoll hat es sich erwiesen, im Rahmen der anschließenden audiologischen Diagnostik die Messung des Ohrgeräusches nach Frequenz, Lautstärke und Verdeckbarkeit durchzuführen. Für eine genaue und rekonstruierbare Beurteilung der Lautheit des Geräusches ist die Messung in einzelnen dB-Schritten durchzuführen. Die Erfassung der Unbehaglichkeitsschwelle ist erforderlich, um eine eventuelle Hyperakusis zu erkennen. Des Weiteren ist es meist not-wendig, bei der Suche nach der Grundkrankheit eine interdisziplinäre Diagnostik in die Wege zu leiten. Diese sollte aber nicht nach Checkliste erfolgen (zum Beispiel HNO-Arzt, Internist, Orthopäde, Neurologe, Radiologe, Labormediziner, Zahnarzt et cetera), sondern gezielt aufgrund der Erfahrung und ausführlichen Anamnese des Arztes.
In der Regel wird ein Ohrgeräusch nur mit 2 bis 10 dB über der jeweiligen Hörschwelle gemessen. Dieses Ergebnis kann in vielen Fällen benutzt werden, dem Patienten verständlich zu machen, dass sein laut empfundenes Ohrgeräusch durch eine zentrale Amplifikation lauter empfunden wird. Um den jeweiligen Leidensdruck zu Æmessen“, haben sich Fragebögen, (zum Beispiel nach Goebel-Hiller) zur globalen psychischen Belastung sowie zur Tinnitusbelastung bewährt. Diese können gut bei der Diagnostik, aber auch zur Therapiekontrolle eingesetzt werden.
Um eine pathologische psychische Reaktion auf den Tinnitus zu diagnostizieren und eine präexistente Komorbidität im psychischen Bereich zu sichern oder auszuschließen, kann nach Ansicht von Eberhard Biesinger, Traunstein, bei dekompensierten Fällen eine psychologische Diagnostik notwendig sein. Sie soll Klarheit darüber bringen, ob fehlende oder nicht initiierte Habituationsmechanismen zu einer Dekompensation mit pathologischer Fixierung auf das Geräusch geführt haben oder ob eine primäre Komorbidität (zum Beispiel primäre Angststörung, primäre Depression) mit sekundärer Verstärkung eines Tinnitus vorliegt. Entscheidend für eine moderne Tinnitusversorgung ist, den Patienten zur psychologischen Diagnostik nicht Æwegzuschicken“, sondern diese zusammen mit der medizinischen Diagnostik durchzuführen. Die Ergebnisse werden in einer Tinnituskonferenz gemeinsam besprochen, wobei die subjektiven Krankheitstheorien mit den Ergebnissen der psychologischen und der ärztlichen Diagnostik in Einklang gebracht werden sollen.
Sismanis A, Butts FM. Related Articles
A practical device for detection and recording of objective tinnitus.
Otolaryngol Head Neck Surg. 1994 Apr;110(4):459-62. No abstract available.
PMID: 8170696
Epley JM.
Electronic probe for eustachian tube patency and objective tinnitus.
Otolaryngol Head Neck Surg. 1981 Sep-Oct;89(5):854-5. No abstract available.
PMID: 6799921
Der akute Tinnitus hat eine hohe Spontanheilungsrate
Der chronische Tinnitus ist schwer zu behandeln
Stichworte
Ist der Tinnitus durch Erkrankungen des Mittelohrs bedingt, sollten diese behandelt werden.
Bei innenohrbedingtem Tinnitus kann man eine Infusionstherapie mit Lidocain versuchen .
Ein Akustikusneurinom muß operativ entfernt werden.
Tinnitus lässt sich bei gleichzeitiger Hörschwäche durch ein Hörgerät, das die Umweltgeräusche verstärkt, verringern.
Bei starkem Tinnitus und möglicher Suizidgfahr sind Beruhigungsmittel sehr wirksam und erforderlich.
Retraining ist eine Entwicklung des amerikanischen Neurophysiologen Pawell Jastreboff und des britischen HNO-Arztes Jonathan Hazell. Es besteht im Regelfall aus zwei Elementen:
1. Tinnitus Counselling, also individuelle Beratung über den Umgang mit den Ohrgeräuschen.
2. Einsatz von Rauschgeräten. Diese werden so leise eingestellt, daß sie den Tinnitus nicht wie ein Masker ganz verdecken, sondern in nur teilweise verdecken. Der Einsatz von Rauschgeräten ist nicht bei allen Tinnituspatienten erforderlich.
Durch diese Kombination soll das Hörzentrum des Gehirns dazu gebracht werden, den Tinnitus auf Dauer (in der Regel nach mehreren Monaten) zu ignorieren. Stell es Dir wie eine Armbanduhr vor. Die trägst Du am Handgelenk und kannst sie immer spüren. Tatsächlich bemerkst Du sie allerdings nur, wenn Du Dich drauf konzentrierst. Das gleiche soll beim Ohrgeräusch erzielt werden.
Retraining wird in der Regel ambulant durchgeführt. Nähere Infos gibt es unter:
http://www.tinnitus.org
Gruß Christian
Hallo marc,
bei mir ging es ähnlich, der Tinni ist schimmer geworden.
Beim Retraining kommen 2 Masker zum Einsatz, welche ein Rauschen produzieren. Die Dinger (wie Hörgeräte) soll man 4 Stunden täglich oder länger tragen. Das Gehirn soll dabei verlernen, sich auf den Tinni zu konzentrieren. Das ganze ist langwierig und ein Erfolg ist so nach einem halben Jahr eventuell zu verbuchen. Ich bin jetzt seit 2 Wochen dabei, aber am Anfang wird der Tinni noch schlimmer, aber das sei normal. Mal sehen, was draus wird.
Gruß harald
Therapieansätze, meinte Biesinger, zielen zunächst einmal auf die
ursächliche Beseitigung der meist im Innenohr liegenden
Ätiologie. Zuverlässige Behandlungsverfahren, die im Sinne
einer Differenzialindikation angewendet werden können, stehen allerdings
gegenwärtig nicht zur Verfügung. Vielmehr wird man bei Arzneimitteln
nach den statistisch am häufigsten zu einem Erfolg führenden Substanzen
greifen. Positive Doppelblindstudien liegen bisher nur für Lidocain
und Caroverin vor. Lidocain steht in Deutschland zur Verfügung und
wirkt offenbar auf Ionenkanäle, wie sie im Innenohr häufig zu finden
sind. Caroverin ist ein NMDA-Rezeptor-Blocker (Ehrenberger), der an der Synapse
zwischen inneren Haarzellen und afferenten Nervenfasern wirksam ist, in
Deutschland allerdings zur Routineversorgung nicht zur Verfügung steht.
Weitere wichtige Arzneimittel, für die Doppelblindergebnisse allerdings
noch ausstehen, sind Cortison und plasmaviskositätserniedrigende
Substanzen.
Der Einsatz der hyperbaren Sauerstofftherapie beruht auf der anatomischen Besonderheit, dass die zellulären Strukturen des Innenohres nicht direkt perfundiert werden. Eine Sauerstoffanreicherung über normobare Verhältnisse hinaus kann nur mittels Steigerung des physikalisch gelösten Sauerstoffs im Gewebe erreicht werden. Dies gelingt, experimentell bestätigt, am Innenohr mithilfe einer hyperbaren Sauerstoffanwendung.
Von den Kritikern der Hyperbarmedizin wird jedoch der Sauerstoffmangel als Ursache vieler Tinnitusbeschwerden infrage gestellt. Auch werden Studien mit Randomisierung und Verblindung erwartet.
Beim häufigen arzneimittelrefraktären, dekompensierten, chronischen, sekundär zentralisierten Tinnitus steht heute die zeitaufwendige neurophysiologische Tinnitus-Bewältigungs-Therapie (TBT, auch: Tinnitus-Care-Therapie, Neurodensibilisierung) im Mittelpunkt. Eine TBT ist eine ärztliche Therapie auf neurophysiologischer Grundlage und umfasst definierte, tinnitusspezifische neurodesensibilisierende Prozeduren, die den Teufelskreis der zentralen Verstärkung durch pathologische Fokussierung auf den Tinnitus im kognitiven Bereich aufbrechen sollen. Hinzu kommen Prozeduren der psychosomatischen Grundversorgung des Arztes.
Etwa 30 evidenzbasierte Prozeduren, zum Beispiel nach Kröner-Herwig, nach Jastreboff oder nach Hazell, stehen zur Verfügung. Beim einzelnen Patienten wird ein Teil dieser Prozeduren diagnosebasiert therapeutisch genutzt. Es handelt sich um einen in der Regel fünf bis 20 Sitzungen umfassenden Therapiezyklus, der zu einer auditiven Umlenkung zum Beispiel mittels physikalischer (Schall) und kognitiver Verfahren führt. Damit kann bei sehr vielen Patienten die zentrale Wahrnehmung (nicht jedoch die tatsächliche periphere Existenz) des Tinnitus herabgesetzt werden, sodass die Lebensqualität, obwohl peripher nicht geheilt, nachhaltig gebessert wird. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist eine Reintegration des Arbeitsunfähigen in die Arbeitswelt möglich.
Desensibilisierung durch neurophysiologisches Counselling
Bei dieser TBT-Komponente wird umfassend aufgeklärt wie und wodurch das Ohrgeräusch entstanden ist. Dieses Verfahren trägt sehr häufig zur emotionalen Desensibilisierung bei. Dem Patienten wird beispielsweise vermittelt, dass Tinnitus keine Krankheit ist, sondern ein Symptom darstellt und kein Grund vorhanden ist, in Panik zu geraten. Ferner wird darauf hingewiesen, dass die eventuell präexistente Komorbidität, welche zum Tinnitus beiträgt, gelöst werden muss. Dem Patienten wird erklärt, dass er lernen kann, sich willentlich auditorisch anderen Ereignissen als dem Tinnitus zuzuwenden (Defokussierung).
Desensibilisierung durch akustisches Retraining
Sich willentlich akustisch anderen Dingen zuzuwenden, das heißt die auditorische Aufmerksamkeit wieder bewusst auf die Umwelt zu richten, dient dem Abbau der Rückkopplung zwischen Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Bei dieser TBT-Komponente sind Geräusch- und Klangtherapie sowie bewusste Aufmerksamkeitslenkung auf Umweltgeräusche erfolgreiche Therapiemöglichkeiten. Dazu werden zum Beispiel Masker (auch Noiser oder Rauschgeräte genannt) in der Tinnitustherapie als akustische Hilfsmittel verwendet. Der Einsatz von solchen Rauschgeräten ist ein Teil der Tinnitus-Retraining-Therapie. Man wendet sich einer externen Schallquelle zu, um sich auf diese Art und Weise kognitiv von der eigenen ÆSchallquelle“, das heißt vom Tinnitus abzuwenden (Training der Aufmerksamkeitsumlenkung). Psychosomatische Therapiekomponenten können zum Beispiel emotionale Defokussierung, die Bewältigung von Komorbiditäten oder die Präventionsberatung sein.
Was tun, wenn es plötzlich piept?
Beunruhigend, wenn man ein
kontinuierliches Rauschen im Ohr
bemerkt - so kündigt sich ein Tinnitus an.
Schlaf und Ruhe sind jetzt wichtig, denn
Stressvermeidung ist der erste Schritt
zur Heilung. Wenn die Geräusche über
Stunden anhalten, ist ein sofortiger
Arztbesuch notwendig. Im schlimmsten
Fall hat der Arzt nur wenige Tage Zeit,
einen chronischen Tinnitus abzuwenden.
Tinnitus ist eine Volkskrankheit: Jeder Vierte in Deutschland hat
schon mal ein Rauschen, Klingeln oder Piepen im Ohr gehabt.
Grund zur Panik gibt es nicht, wenn Ohrgeräusche das erste Mal
auftreten. Es ist kein Hinweis auf eine schwerwiegende oder gar
lebensbedrohliche Krankheit. Oft verschwinden die Töne im Ohr
schon nach ein paar Stunden Ruhe von ganz allein. Wenn nicht, ist
es sehr wichtig, möglichst schnell zum Arzt zu gehen.
Was, wenn Ohrgeräusche plötzlich auftreten?
Wenn die Ohrgeräusche das erste Mal bei Ihnen auftreten, legen
Sie alles zur Seite, womit sie gerade beschäftigt sind: Egal ob Sie
auf der Arbeit sind, wichtige Termine oder andere Verpflichtungen
haben - verschieben Sie es! Das wichtigste, was Sie jetzt tun
können, ist zur Ruhe zu kommen. Versuchen Sie auszuschlafen. Oft
erholt sich das Ohr auf diese Weise sehr schnell.
Bei anhaltendem Ohrgeräusch so schnell wie möglich zum Arzt Falls
die Geräusche am nächsten Tag noch da sind, verlieren Sie keine
Zeit: Melden Sie sich bei einem HNO-Arzt oder auch bei Ihrem
Hausarzt als "Eilfall" an.
Stellt sich bei der ärztlichen Untersuchung nämlich eine Schädigung
der kleinen Haarzellen im Innenohr heraus, ist Eile geboten. Für
ihre Revitalisierung stehen nur einige Tage zur Verfügung. Sie
können sich das so vorstellen, dass Ihre Zimmerpflanzen aus
Wassermangel die Blätter hängen lassen. Auch sie müssen schnell
gegossen werden, um sie am Leben zu erhalten. Der Arzt wird
verdachtsweise von einem Innenohrschaden ausgehen und eine
Akutbehandlung einleiten.
In der Regel erhalten Sie durchblutungsfördernde Medikamente
oder Infusionen. Tatsächlich erweist sich der Verdacht auf einen
Innenohrschaden später meist als unbegründet.
Diagnose Tinnitus - was nun?
Stellt Ihr Arzt die Diagnose "akuter Tinnitus", dann sollten Sie
spätestens jetzt anfangen, etwas für sich zu tun. Hier ein paar
Tipps für den Umgang mit dem Klingeln im Ohr:
Eine Krankschreibung hilft, manchmal auch der Aufenthalt im
Krankenhaus. So können sie Abstand von beruflichen und
familiären Belastungen gewinnen.
Ruhe und positive Gedanken fördern den
Selbstheilungsprozess.
Fachärzte sollten die weiteren Ursachen des Tinnitus klären.
Keine Angst - die meisten Ursachen können behandelt oder
gar behoben werden.
Reduzieren Sie Nikotin, Koffein, Alkohol und chininhaltige
Getränke (wie zum Beispiel Tonic Water).
Verzichten Sie auf glutamathaltige Speisen.
Bauen sie Stress ab! Entspannungsverfahren wie Autogenes
Training oder Yoga helfen Ihnen zur Ruhe zu kommen.
Bei seelischer Belastung kann eine Psychotherapie sinnvoll sein
und den Heilungsprozess beim Tinnitus unterstützen.
Mit dem Klingeln im Ohr leben
Oft wird es nicht richtig ernst
genommen: das Dauerrauschen im Ohr.
Patienten und Angehörige können eine
Menge tun - Selbsthilfegruppen und der
Austausch mit anderen Betroffenen
nehmen eine zentrale Stelle ein.
Ein Tinnitus wird als chronisch
bezeichnet, wenn die Akutbehandlung
erfolglos geblieben ist und die
Ohrgeräusche mehrere Wochen, Monate
oder sogar Jahre andauern. Wenn der quälende Ton im Ohr sich
erst einmal eingenistet hat, beherrscht er bald den Alltag.
Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche oder Depressionen sind
die Folge. Schlimm ist das nicht nur für den Betroffenen, sondern
auch für seine Familie, Freunde und Kollegen.
Wenn Ohrgeräusche zur Seelenqual werden
Tinnitus ist keine Krankheit - sondern krank machendes Symptom:
Er übertönt Gespräche, Musik, Vogelzwitschern, einfach vieles, was
das Leben so schön macht. Tatsächlich ist bei Betroffenen die
Freizeit durch das Ohrgeräusch stark eingeschränkt. Die
zunehmende Lärmempfindlichkeit führt dazu, dass der Erkrankte
laute Orte meidet. Er geht nicht mehr in die Disko, zu Konzerten,
ins Fußballstadion oder ins Kino. Sport treiben ist nur noch bedingt
möglich, weil körperliche Anstrengung den Tinnitus verstärken
kann. Die Arbeit fällt oft viel schwerer als zuvor: Antriebskraft,
Konzentrationsfähigkeit und Selbstbewusstsein sind durch die
Ohrgeräusche beeinträchtigt. Das Einschlafen wird zur Qual.
Der Tinnitus fängt an das Leben zu beherrschen - er wird zum
Nerventerror, zum Seelenlärm. In dieser Phase ziehen sich viele
Betroffene zurück: Sie gehen nicht mehr aus, rufen niemanden
mehr an und fahren auch nicht mehr in den Urlaub. Zu hören
bekommen sie dann oft: "Du darfst Dich da nicht so
hineineinsteigern" oder "Lass Dich doch nicht so gehen". Im
Gegensatz zu einem Magengeschwür oder einer Krebserkrankung
wird der Tinnitus als Leiden von der Umwelt nur selten als
"richtige" Krankheit anerkannt. Dieses Unverständnis ist für die
Betroffenen besonders schlimm, erst recht, wenn es aus der
eigenen Familie kommt.
Selbsthilfe und Austausch sind besonders wichtig
Die Chance einen chronischen Tinnitus zu verlieren, ist dann am
größten, wenn der Betroffene lernt, die quälenden Geräusche
immer mehr an den Rand seiner Wahrnehmung zu drängen. Der
Volksmund würde sagen: "Ablenkung ist die beste Medizin!"
Für den Betroffenen ist es wichtig, einen Weg aus der Krise zu
finden, um nicht in die vollständige Isolation zu geraten. Sehr
hilfreich ist der Austausch mit anderen Betroffenen.
Die wichtigsten Regeln für Angehörige Auch Freunde und
Angehörige können dem Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite
stehen. Hier die wichtigsten Regeln:
Zeigen Sie Solidarität. Beschaffen Sie sich gemeinsam mit
dem Betroffenen Informationen über den Tinnitus und seine
Therapiemöglichkeiten (Spezialärzte konsultieren,
Entspannungsübungen erlernen).
Machen Sie Mut. Ermutigen Sie den Betroffenen dazu, wieder
am Leben teilzunehmen. Erinnern Sie ihn an Hobbies, die ihm
Freude bereitet haben. Überraschen Sie ihn mit einer
spontanen Einladung - kochen Sie etwas Gutes. Besorgen
Sie Kino- oder Konzertkarten oder unternehmen Sie eine
kleine Reise.
Ärzte Zeitung, 11.03.2002
Pulsierende Signale können Tinnitus lindern
Bei 70 Prozent der Patienten mit Ohrgeräuschen gingen Symptome zurück / Daten von 100 Teilnehmern ausgewertet
MÜNCHEN (zdo). Mit der Pulsierenden Signal Therapie (PST) lassen sich die Beschwerden bei Patienten mit chronischem Tinnitus nach den Ergebnissen einer Pilotstudie deutlich bessern oder sogar ganz beseitigen. Das trifft offenbar vor allem für diejenigen Patienten zu, bei denen die Ohrgeräusche mit Halswirbelsäulen- Erkrankungen und Kieferfehlstellungen einhergehen.
Mit der PST finde durch gepulste Signale eine Modulation pathologischer Prozesse in der Formatio reticularis statt, so Professor Rainer Breul aus München. "Da es sich bei derartigen pathophysiologischen Vorgängen jeweils um Nervenleitungsphänomene handelt, kann man sich gut erklären, daß geeignete elektromagnetische Felder in der Lage sind, diese Funktionsstörungen zu beheben", hat auch der Münchner Internist Dr. Knut Pfeiffer gesagt. Tinnitus ist häufig mit einem Halswirbel-Syndrom verbunden
Da zwischen 60 und 90 Prozent aller Tinnitus-Patienten auch ein Halswirbel-Syndrom haben, ist es sinnvoll, bei der Diagnostik auch früh diese Möglichkeit abzuklären. Der Zusammenhang mit Ohrgeräuschen erklärt sich dadurch, daß in der Formatio reticularis mit der zentralen Hörbahn auch alle Strukturen der oberen Halswirbelsäule und der Kopfgelenke repräsentiert sind.
Da zudem das Innenohr sehr nahe bei den Kiefergelenken und dem ersten Halswirbel liegt, wirken sich Verspannungen in diesem Bereich häufig auf die neurophysiologische Reizleitung zur zentralen Hörbahn und die Durchblutung der Cochlea aus.
Wie Pfeiffer auf einem Tinnitus-Symposium in München berichtete, würden bei der PST muskuläre Dysbalancen, die die Ohrgeräusche verursachten, behoben.
In einer Pilotstudie, über die Pfeiffer in München berichtet hat, sind etwa 300 Tinnitus-Patienten mit PST behandelt worden. Bisher sind die Daten von knapp 100 Studienteilnehmern ausgewertet. Alle litten seit Jahren an chronischem Tinnitus und hatten bereits mehrere Therapieversuche hinter sich. Bei nahezu 70 Prozent der Patienten hätten sich die Symptome durch die Therapie teilweise deutlich verringert, so Pfeiffer bei dem Symposium, zu dem das Unternehmen Tinnitus Signal Medizin eingeladen hatte. Bei etwa 20 Prozent seien sie sogar gänzlich verschwunden. Der Therapieerfolg habe sich auch in den sechs folgenden Monaten stabilisiert. Die Behandlung sei schmerzfrei, unerwünschte Wirkungen seien nicht bekannt. Außerdem wirke sie sehr entspannend, so Pfeiffer. Ärzte müßten die Patienten allerdings darauf hinweisen, daß der Erfolg mit PST manchmal zwar sofort - häufig jedoch erst nach etwa drei Monaten eintrete.
PST wird in der Orthopädie bei Arthrose-Patienten eingesetzt
In der Orthopädie ist die PST bereits seit längerem bekannt. In Europa wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 100 000 Patienten mit arthrotischen Gelenkerkrankungen mit gutem Erfolg behandelt. Der positive Effekt bei Tinnitus wurde eher zufällig entdeckt.
STICHWORT
PST-Liege
Zur SigMed-Tinnitus-Therapie wird vom Unternehmen Tinnitus Signal Medizin eine Liege mit Applikator und Generator vermietet. Die einstündigen Behandlungen finden an zwölf Tagen statt; unterbrochen werden kann bis zu zwei Tage. Zwölf Sitzungen kosten 884,88 EUR. Vor der Betriebsaufnahme werden Ärzte und Mitarbeiter vom Unternehmen geschult.
Weitere Infos gibt es bei: Tinnitus Signal Medizin GmbH,
Kobellstraße 2, 80336 München,
Tel. 089 / 2 109 74-0,
Fax: - 2 109 74-25
Die beste Prognose hat der akute Tinnitus
Ein Tinnitus verschlimmert sich nur selten und für nur selten zur Taubheit
meist bessert er sich im Lauf der Zeit etwas.
Fall Hans Knör
Vor 13 Jahren erwischte es Hans Knör - über Nacht. Er wachte auf mit diesem komischen Geräusch im Ohr, es klang, als wenn man aus einem aufgepumpten Fahrradschlauch das Ventil herausdreht und plötzlich alle Luft abläßt. Nur mit dem Unterschied, daß der Luftvorrat scheinbar unbegrenzt war: Das Geräusch hörte einfach nicht mehr auf. Bis heute nicht. Hans Knör erwacht damit, frühstückt damit, arbeitet, liest, sieht fern, schläft ein - und ständig begleitet ihn das Pfeifgeräusch.
Hans Knör leidet unter Tinnitus (Ohrensausen). Als das Zischen im Gehör auftrat, konnte ihm keiner helfen: Damals wußte noch kaum ein Arzt etwas über die Krankheit. Ohrensausen hatte etwa den Stellenwert von Schnupfen oder wurde gar als Einbildung diskriminiert, wenn sich organische Ursachen nicht feststellen ließen.
Ursache meistens unklar
Dieser Befund ist die Regel. In etwa 70 Prozent aller Tinnitus-Fälle bleibt die Ursache unklar. So auch bei Hans Knör. Die Folgen wogen um so schwerer: Der Jurist, der 30 Jahre lang ein Notariat geleitet hatte, konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben, mußte vorzeitig in den Ruhestand. Knör konnte sich nicht mehr konzentrieren, er fühlte sich hilflos und depressiv. Da kein Arzt und auch kein Wunderheiler ihn erlösen konnte, half Hans Knör sich kurzerhand selbst: Er gründete vor zehn Jahren die 'Deutsche Tinnitus-Liga' und ist heute Präsident dieser Selbsthilfe- Organisation, die mittlerweile 20 000 Mitglieder zählt.
Fall München RAINER GLÖCKL
Ende Februar dieses Jahres erlitt ich auf dem linken Ohr mehrmals einen Hörsturz und massiven Drehschwindel, und der Tinnitus-Lärm, der schon seit zehn Jahren in meinem linken Ohr piepst, war noch stärker. Ich erinnerte mich daraufhin an eine Geschichte einer Meditationsübung in der Zen-Literatur: Ein Zen-Mönch meditierte neben einem Wasserfall. Seine Besucher waren überrascht über diesen Ort. Das Rauschen des Wasserfalls machte für die Gäste fast jedes Gespräch unmöglich. Der Mönch zuckte mit den Achseln und meinte trocken: "Ich höre keinen rauschenden Wasserfall. Wenn man lange genug übt, erreicht man genau hier neben dem Wasserfall die Stille. Das Geräusch ist nur Illusion!" Nicht, daß die Ohrgeräusche durch Meditation bei mir weg wären, ich nehme sie meistens nur nicht wahr.
Seltene Fälle
A case of objective tinnitus
Adamiak G, Hermanowski M, Wojtkowski M, Olejniczak W. Related Articles
Otolaryngol Pol. 1997;51 Suppl 25:278-80. Polish.
PMID: 9757710
Decker TN, Fritsch JH. Related Articles
Objective tinnitus in the dog.
J Am Vet Med Assoc. 1982 Jan 1;180(1):74. No abstract available.
PMID: 7056668
Seidman MD, Arenberg JG, Shirwany NA. Related Articles
Palatal myoclonus as a cause of objective tinnitus: a report of six cases and a review of the literature.
Ear Nose Throat J. 1999 Apr;78(4):292-4, 296-7. Review.
PMID: 10224704
Pulsatile Audible Tinnitus and Metastatic Breast Carcinoma of the Temporal Bone.
Vasama JP, Pitkaranta A, Piilonen A
ORL J Otorhinolaryngol Relat Spec 2001 Jan;63(1):56-57
Department of Otorhinolaryngology, Helsinki University Central Hospital, Helsinki, Finland.
Metastases into the temporal bone are uncommon and typically present with trivial otological symptoms. We report a rare case of pulsatile audible tinnitus caused by metastatic breast carcinoma of the temporal bone. Copyright 2001 S. Karger AG, Basel
PMID: 11174064
More unusual cases of tinnitus.
No authors listed
Med J Aust. 1984 Nov 24;141(11):767.
PMID: 6503775
RöFo - Der interessante Fall
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Pulssynchroner Tinnitus als einziges Symptom einer fibromuskulären Dysplasie der zervikalen Arterien
C. Weihl A. Dörfler M. Forsting
Neuroradiologie, Universitätsklinik Essen
Ohrgeräusche gehören zu den häufigsten Beschwerden, die Patienten zum HNO-Arzt führen. Das pulsatile Ohrgeräusch ist dagegen relativ selten. Es entsteht häufig durch Turbulenzen im normalerweise laminären Blutstrom bei absoluten oder relativen Stenosen im Gefäßlumen. Die Ursachen des pulsatilen Tinnitus sind vielfältig. Häufig ist die Diagnose schwierig und bei vielen Patienten mit zahlreichen frustranen Konsultationen verschiedener Fachärzte verbunden. In Frage kommen vaskuläre Erkrankungen, erhöhtes Herzminutenvolumen bei Hyperthyreose oder Anämie, erhöhter intrakranieller Druck und gefäßreiche Tumoren. Bei den arteriellen Veränderungen kommen als Ursachen Aneurysmen der A.carotis interna (ACI), eine lateropositionierte oder im Mittelohr freiliegende ACI, arterielle Gefäßanomalien im Kleinhirnbrückenwinkel und stenosierende arteriosklerotische Plaques vor. Im venösen Schenkel des Blutkreislaufes ist ein hochstehender Bulbus venae jugularis bei enger Nachbarschaft zum Mittelohr manchmal Ursache des pulssynchronen Ohrgeräusches (Mahlo HW et al., Laryngo-Rhino-Otol 1991, 70: 675-677). Selten kann auch die Fibromuskuläre Dysplasie (FMD) der ACI (Waldvogel D et al., J Neurol 1998; 245: 137-142) oder der A. vertebralis (AV) als Ursache eines pulssynchronen Tinnitus nachgewiesen werden. Die Diagnose in unserem Fallbeispiel stützt sich auf angiographische Kriterien, eine histologische Klassifizierung liegt bislang nicht vor.
Fallbericht
Die 52jährige Patientin kam aufgrund eines seit 1½ Jahren bestehenden pulssynchronen Tinnitus rechts zur stationären Aufnahme in die HNO-Klinik. Bei der klinischen Untersuchung bestand eine etwa 1,5 cm große pulsierende Raumforderung im linken Kieferwinkel. Diese hatte die Patientin erstmalig vor etwa 2 Jahren bemerkt. Darüber hinaus waren die allgemeinmedizinische Untersuchung, die weitere HNO-Diagnostik (Audiogramm, Spiegelbefund) und die neurologische Untersuchung unauffällig. Anamnestisch und aktuell lag keine arterielle Hypertonie vor. In der auswärtigen Computertomographie war eine unklare KM-Anreicherung im Kieferwinkel links beschrieben worden. Zum Ausschluß eines Glomustumors wurde eine i. a. DSA der Karotiden durchgeführt. Statt eines gefäßreichen Tumors fanden sich jedoch beidseitig multiple kurzstreckige, konzentrische Stenosen der distalen extrakraniellen ACI-Segmente bei jeweils unauffälliger Darstellung der proximalen und auch der intrakraniellen Abschnitte (insbesondere ohne Nachweis von intrakraniellen Aneurysmen). Ferner konnten an der linken ACI zwei aneurysmatische Erweiterungen des Lumens und eine langstreckige mäßiggradige Stenose des dazwischenliegenden Gefäßabschnittes (Abb. 1a u. 1b), dargestellt werden. Das distale größere Aneurysma im subpetrösen Abschnitt der ACI entsprach der Lokalisation des tastbaren Tumors. Bei der nun geänderten Verdachtsdiagnose wurden eine Untersuchung der AV bds. und eine Übersichtsserie der Nierenarterien im gleichen Untersuchungsgang angeschlossen. Sowohl an den Vertebralarterien (Abb. 2a u. 2b) als auch an den Nierenarterien (Abb. 3) konnten gleichartige Gefäßveränderungen nachgewiesen werden. Nach angiographischen Kriterien (Osborn AG et al., Stroke 1977; 5: 617-626) wurde die Diagnose einer FMD der Hals- und Nierenarterien mit Z. n. spontaner, asymptomatischer ACI-Dissektion und Bildung von Pseudoaneurysmen links gestellt. Es wurde eine Antikoagulation der Patientin eingeleitet, um thrombembolische Komplikationen zu verhindern.
a
b
Abb. 1 Großes, sackförmiges (Pfeil) und kleineres, kaudal gelegenes (Pfeilspitze) Pseudoaneurysma
der linken A. carotis intema in AP- (a) und LAO- (b) Projektion. Dazwischenliegend stenosierter
Abschnitt nach mutmaßlicher spontaner Dissektion.
Zur weiteren Abklärung der Genese des Tinnitus wurden neben einem Kompressionsversuch an der rechten A.carotis communis auch selektive Kompressionen der AV und der A.occipitalis unter dopplersonographischer Kontrolle durchgeführt. Das Ohrgeräusch sistierte bei Kompression der rechten A. vertebralis.
a
b
Abb. 2 Perlschnurartig aneinandergereihte Stenosen alternierend mit Lumenerweiterungen der distalen
extrakraniellen A. vertebralis links (a) und rechts (b) (sog. »string of beads«-Sign).
Diskussion
Die Fibromuskuläre Dysplasie ist eine seltene, ätiologisch unklare stenosierende Erkrankung der Arterien, die überwiegend Frauen im mittleren Lebensalter befällt. Histologisch ist die FMD charakterisiert durch Proliferation von fibrösem Gewebe, Hyperplasie der glatten Muskelzellen einerseits und alternierend Zerstörung von elastischen Fasern in der arteriellen Gefäßwand mit konsekutiven Wandverdünnungen (Harrison EG et al., Mayo Clin Proc 1971; 46: 161-167).
Abb. 3 FMD-Befall auch der Nierenarterien mit typischem string of beads-sign.
Bei der FMD der zervikokranialen Arterien führen diese hyperplastischen Läsionen angiographisch zu verschiedenen Erscheinungsbildern: Am häufigsten (ca. 85% der Fälle) finden sich alternierende Stenosen des Gefäßlumens, die ein perlschnurartiges Erscheinungsbild (»string of beads«) der betroffenen Gefäße hervorrufen. Weniger häufig und weniger pathognomonisch finden sich langstreckige tubuläre Stenosen. Durch den Abbau von elastischen Fasern kann es zu spontanen Dissektionen und Pseudoaneurysmen der Gefäßwände, zur sogenannten »atypischen« FMD, kommen. Bei einem Befall intrakranieller Gefäße kann es zur Ausbildung von multiplen Aneurysmen kommen (Mettinger KL et al., Stroke 1982; 13: 46-52).
An den Halsarterien manifestiert sich die FMD meist an den distalen, aber extrakraniellen Abschnitten der Karotiden und der AV, oft auf Höhe des ersten und zweiten Halswirbels. Die Karotisbifurkation und das proximale AV-Segment bleiben ausgespart.
Klinisch macht sich die FMD der Halsarterien meist durch transitorische ischämische Attacken (TIAs), zerebrale Infarkte oder, bei intrakraniellem Befall, durch eine subarachnoidale Blutung (SAB) bemerkbar. Tinnitus ist mitunter als Begleitsymptom bei rezidivierenden TIAs und Schwindel beschrieben worden. Berichte über Tinnitus als einziges Symptom der FMD (in unserem Fall hervorgerufen durch turbulente Strömungen in der rechten AV) konnten wir in der Literatur nicht finden. Da in unserem Fall alle drei der von Osborn beschriebenen Typen der FMD zu finden sind, kann mit großer diagnostischer Sicherheit auch ohne histologischen Beleg die Diagnose allein angiographisch gestellt werden.
Therapeutisch stehen zur Behandlung der Stenosen und Aneurysmen der zervikalen FMD prinzipiell neben der Operation die endovaskulären Interventionsoptionen Angioplastie, Stenting, Coiling oder die Kombination Stenting und Coiling bei Pseudoaneurysmen der ACI zur Verfügung. Anders als bei traumatischen Pseudoaneurysmen der ACI bleibt aber aufgrund der generellen Pathologie der Gefäßwand bei der FMD die operative oder endovaskuläre Intervention lediglich komplizierten Einzelfällen vorbehalten. Bei asymptomatischen Patienten kann die Therapie auf eine Antikoagulation zur Vorbeugung thrombembolischer Komplikationen beschränkt bleiben, denn bei der FMD besteht im spontanen Verlauf bei ACI-Stenosen durch Dissektionen eine Tendenz zur Normalisierung des Gefäßlumens (Manninen HI et al., AJNR 1997, 18: 1216-1220).
Obwohl meist blande verlaufend, können die zerebrovaskulären Komplikationen der Erkrankung in Form von Ruptur intrakranieller Aneurysmen und thrombembolischen Hirninfarkten lebensbedrohend sein. Deshalb ist die Fibromuskuläre Dysplasie der kraniozervikalen Arterien bei der Abklärung von Tinnitus in die Differentialdiagnose einzubeziehen.
C. Weihl, A. Dörfler, M. Forsting, Essen
jeder HNO Arzt kennt das Problem und kann erste Untersuchungen durchführen
jeder Neurologe kennt das Problem und kann erste Untersuchungen durchführen
in jeder HNO Klinik sollte sich ein Doktor finden der sich mit dem Tinnitus auskennt
Tinnitus Klinik in Bad Arolsen
Professor Hasso von Wedel von der Universitätsklinik Köln
HNO Klinik Gießen
Freiburger Tinnitus-Expertin Serena Preyer
Wuppertal HANS KNÖR Deutsche Tinnitus-Liga
Harald Feldmann, Experte für Tinnitus an der Universität Münster
Christian Desloovere vom Zentrum der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Universität Frankfurt
Herwig Edlinger, Praxis und Sanatorium für HNO-Krankheiten, Zentrum für Tinnitusbetroffene in Feldbach, Österreich
Dr. med. Harald Seidler, Tinnitus Retraining Therapie
Elisabeth Wallhäußer-Franke von der Abteilung für Neuroakustik an der TU Darmstadt.
Gerald Langner, Leiter der Abteilung für Neuroakustik. TU Darmstadt
Professor Rainer Breul aus München
Tinnitus Centrum Ulm
Internet: http://www.tinnitus-centrum-ulm.de
TTC Chemnitz-Mittweida
Tinnitus Centrum Stuttgart
Tinnitus Centrum Wien
Tinnitus Centrum Mosbach
Tinnitus Centrum Northeim
Eberhard Biesinger, Traunstein
Deutsche Tinnitus-Liga,
Vierteljahreszeitschrift "Tinnitus-Forum"
Tinnitus. Ciba Found Symp. 1981;85:1-325. PMID: 6915831
Int Tinnitus J = International Tinnitus Journal
Reviews:
Chronic tinnitus.
Haid M.
Internist (Berl). 1998 Jun;39(6):655. German. No abstract available.
PMID: 9677526
Zenner HP.
Systematics for mechanisms of tinnitus development.
HNO. 1998 Aug;46(8):699-704. Review. German. No abstract available.
PMID: 9773325
Tinnitus: its causes, diagnosis, and treatment.
Luxon LM.
BMJ. 1993 Jun 5;306(6891):1490-1. No abstract available.
PMID: 8518671
Surftipp: Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
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Die Deutsche Tinnitus-Liga ist Selbsthilfeorganisation und Lobby der Tinnitus- Hoersturz- und Morbus Menihre-Patienten, ihrer Angehoerigen und von Fachleuten. 22.000 Mitglieder macht sie zum groessten Tinnitus-Zusammenschluss der Welt und zum anerkannten Partner des Gesundheitswesens in Deutschland.
Auf ihrer professionell gestalteten Website informiert sie ausfuehrlich ueber das Krankheitsbild und Moeglichkeiten der Rehabilitation bei Tinnitus und bietet auch ein Gespraechsforum, einen Belastungstest und eine Terminuebersicht.
Unter: http://www.tinnitus-liga.de
http://f17.parsimony.net/forum29426/index.htm
http://home.tinnitus-klinik.de/tinnitus-klinik
http://www.tinnitus-centrum-ulm.de/ttc/
http://www.pasteur.fr/other/computer/FAQ/medicine/tinnitus-faq
Newsgroup: de.etc.selbsthilfe.gehoer (deutsch)
Newsgroup: alt.support.tinnitus (englisch)
+++ Tinnitus: Entspannung online +++
Ob lautstarkes Rock-Konzert oder dröhnende Maschinen - die Folge ist unter Umständen die selbe: Tinnitus. Ständiges Pfeifen, Klingeln oder Rauschen im Ohr wird für die Betroffenen zur Qual. Nicht immer hilft eine Behandlung; die Patienten müssen dann lernen, sich mit den Phantomgeräuschen zu arrangieren. Ein spezielles Ablenkungs- und Entspannungstraining (AET) erleichtert den Umgang mit der Krankheit. Die Universität Trier, an der das AET entwickelt wurde, hat nun eine Online-Version ihres Programms erstellt. Damit müssen Tinnitus- Patienten zum Training nicht mehr in die Klinik, sondern können es am heimischen PC absolvieren.
Die technischen Voraussetzungen sind gemessen an der heute üblichen Geräteausstattung bescheiden: Teilnehmer benötigen einen Rechner mit Soundkarte, CD-ROM-Laufwerk sowie 35 MB freiem Festplattenspeicher, außerdem einen Internet-Zugang und eine E-Mail-Adresse. In einem Pilotprojekt will die Universität Trier nun prüfen, wie die Behandlungsergebnisse dieses Verfahrens zum herkömmlichen Training ausfallen.
http://www.psychologie.uni-trier.de/fpp/Projekte/Tinnitus_neu.html
Problem schon in der Antike beschrieben
Diskussion und Fragen,Anmerkungen
Welche Ähnlichkeiten hat der Tinnitus mit dem Meniere ?
Wer hat öfter Tinnitus Frauen oder Männer ?
Kann man den akuten Tinnitus mit Tegretal , Mexitil , Lidocain beeinflußen ?
Kann man den akuten Tinnitus mit Alkohol dämpfen ?
Gibt es einen Einfluß von Wärme oder Kälte auf den Tinnitus ?
Gibt es eine jahreszeitliche Häufung des akuten Tinnitus im Sommer oder Winter ?
Was hilft Cortison beim akuten Tinnitus ?
Wer führt randomisierte Versuche zum Tinnitus durch ?
Die Region im Gehirn, welche für den Tinnitus verantwortlich ist, konnte jetzt lokalisiert werden.
Tinnitus-Patienten leiden unter einem permanenten Geräusch im Ohr, das vom leisen Piepsen bis zum lauten Rauschen reichen kann. In Amerika, wo rund zehn Prozent der älteren Menschen vom Tinnitus betroffen sind, konnten Wissenschaftler jetzt mit Hilfe der Tomographie die verantwortlichen Regionen im Gehirn bestimmen.
Offenbar existiert eine Verbindung zwischen dem Gehör und jenen Hirnteilen, welche für Emotionen zuständig sind. Die Wissenschaftler vermuten, beim Tinnitus handle es sich um eine akustische Variante der Phantom-Schmerzen.
Die Lokalisierung der verantwortlichen Gehirnbereiche sei ein erster Schritt zur genauen Bestimmung der Krankheit. Bisher kann Tinnitus kaum behandelt werden.
Quelle: University of Buffalo, 22.1.98
SPIEGEL-Archiv 43/96
Seite 210-213
Das Ohrenleiden Tinnitus breitet sich immer stärker aus.
Manche Opfer der Lärmfolter finden in Spezialkliniken Hilfe.
Wieviel Lärm hält der Mensch im Kopf aus? Kann er damit leben, daß ein Intercity durch seine Gehörbahn rast, sobald er sich bückt oder hinlegt? Bleibt er bei Sinnen, wenn es in seinem rechten Ohr ununterbrochen pfeift und im linken in immer kürzeren Abständen klingelt?
Offenbar nicht. "Ich war mit den Kräften völlig am Ende", sagt Anita Berger, 35**. "Mein Kreislauf versagte. Ich hatte Heulkrämpfe und Zusammenbrüche. Auch mit starken Beruhigungsmitteln habe ich nur noch zwei Stunden am Stück geschlafen. Dann war ich von dem Krach wieder wach."
Am Ende des viermonatigen Martyriums verfolgte die Münchner Rundfunkangestellte nur noch ein Gedanke: "Wenn dieser bösartige Wahnsinn in meinem Kopf nicht aufhört", redete sie sich ein, "dann springe ich aus dem Fenster."
Jeder zehnte Bundesdeutsche hat die verheerende Lärmattacke im Kopf schon einmal erlebt. Die Störgeräusche bleiben bei den meisten ein paar Stunden, womöglich einen Tag oder eine Woche.
Doch bei etwa einer Million Menschen zieht das Gewitter im Ohr - medizinisch: Tinnitus aurium*** - nicht mehr ab. Die Geräuschschrapnelle fauchen, schwirren, krachen, orgeln oder poltern ohne Unterlaß durch die Hörbahn. Mitten im Kopf pfeifen rund um die Uhr Teekessel, Fahrradreifen verlieren zischend die Luft, Schulglocken scheppern, defekte Radios piepsen, rauschen und kratzen.
"Tinnitus breitet sich aus wie eine Epidemie", erklärten Experten vor wenigen Wochen auf einer Tagung in Bad Rappenau nahe Heilbronn. Das schon in der Antike bekannte Geräuschleiden sucht sich nicht mehr wie bisher seine Opfer fast ausschließlich unter den 40- bis 60jährigen. Auch unter 5000 überwiegend jungen Menschen, darunter Studenten, Soldaten und Lehrlinge, fanden Gießener HNO-Spezialisten vor kurzem schon bei jedem 20. die Störgeräusche.
Jeder dritte Tinnitus, so schätzen die Fachleute, stammt von einem akuten Lärmtrauma. Stundenlanges Wummern von Lautsprechern kann schon zuviel sein für die 15 000 bis 20 000 zarten Haarzellen, die im Innenohr unablässig die mechanischen Schallschwingungen in elektrische Nervenimpulse umwandeln.
Die verletzlichen Schallempfänger quellen auf, im schlimmsten Fall verklumpen sie oder reißen ganz ab. Ähnlich wie gekappte Nervenleitungen, die noch Jahre nach einer Amputation Phantomschmerzen auslösen können, übermitteln die Haarzellen dann Geistergeräusche ans Gehirn.
In anderen Fällen entsteht das Geräuschleiden nicht erst im Ohr, sondern direkt in der Hörbahn im Gehirn (siehe Grafik Seite 213).
Die genauen Gründe dafür liegen im dunkeln. Mediziner glauben, daß Alkohol, Nikotin und Psychostreß am Ausbrechen des Leidens beteiligt sein können.
Die Begleiterscheinungen des Kopflärms sind ebenso vielfältig wie die oft unerklärlichen Ursachen. Die meisten Tinnitus-Kranken hören nur noch eingeschränkt (taub sind sie aber nicht). Andere wiederum sind extrem geräuschempfindlich.
Beim "frischen Tinnitus", wie die Mediziner das Ohrgeräusch in den ersten ein bis zwei Wochen nennen, liegen die Chancen, die verlorene Ruhe wiederzufinden, relativ hoch. Bei 60 bis 80 Prozent der Geräuschkranken läßt der Terror nach, wenn sie Infusionen mit durchblutungsfördernden Mitteln erhalten; auch simulierte Tauchgänge in Überdruckkabinen ("Sauerstoffüberdrucktherapie") und ein paar Tage Ruhe können helfen.
Was das Abebben der Symptome dabei letztlich herbeiführt, ist ungewiß. "Vermutlich", so die Freiburger Tinnitus-Expertin Serena Preyer, "therapieren wir mit den Medikamenten in die Spontanheilungsrate hinein und reklamieren sie als Therapieerfolg."
Wenn der Störsender im Kopf auch nach drei bis sechs Monaten noch funkt, kommt in der Regel jede Hilfe zu spät: Die Stille ist bei diesen Kranken für immer zerrissen. Die Lärmfolter zerschleißt das Nervenkorsett. Die Tinnitus-Opfer fühlen sich zermürbt, in die Enge getrieben - oder fürchten, wahnsinnig zu werden.
Auch das Verständnis der Umwelt für die nicht greifbare Bedrohung bröckelt. "Meine Bekannten haben nur noch den Kopf geschüttelt", erinnert sich Anita Berger. "Nach ein paar Wochen lagen alle meine Beziehungen brach."
SPIEGEL-Archiv 45/96
Das Geräusch ist nur Illusion
(Nr. 43/1996, Medizin: Gewöhnungstherapie gegen das Ohrenleiden Tinnitus)
Es ist gut, daß Sie sich der Problematik der acht Millionen Tinnitus- Betroffenen angenommen haben. Allerdings: In der von Ihnen dargestellten dramatischen Form leiden weit weniger als fünf Prozent der Betroffenen, schon gar nicht mit Suizidfolge. Heute braucht kaum noch ein Tinnitus-Betroffener zu verzweifeln: Er hat über 90prozentige Aussicht, früher oder später geheilt oder gebessert zu werden, wenn er selbst dazu beiträgt.
Wuppertal HANS KNÖR Deutsche Tinnitus-Liga
Ende Februar dieses Jahres erlitt ich auf dem linken Ohr mehrmals einen Hörsturz und massiven Drehschwindel, und der Tinnitus-Lärm, der schon seit zehn Jahren in meinem linken Ohr piepst, war noch stärker. Ich erinnerte mich daraufhin an eine Geschichte einer Meditationsübung in der Zen-Literatur: Ein Zen-Mönch meditierte neben einem Wasserfall. Seine Besucher waren überrascht über diesen Ort. Das Rauschen des Wasserfalls machte für die Gäste fast jedes Gespräch unmöglich. Der Mönch zuckte mit den Achseln und meinte trocken: "Ich höre keinen rauschenden Wasserfall. Wenn man lange genug übt, erreicht man genau hier neben dem Wasserfall die Stille. Das Geräusch ist nur Illusion!" Nicht, daß die Ohrgeräusche durch Meditation bei mir weg wären, ich nehme sie meistens nur nicht wahr.
München RAINER GLÖCKL
Sie hätten noch auf die Ohr-Akupunktur nach Nogier hinweisen sollen, ein der Fußsohlenreflexmassage ähnelndes, auf Reflexmechanismen beruhendes Therapieverfahren, das effektiv, billig und nebenwirkungsfrei sich als Alternative zu den beschriebenen aufwendigen und teuren Therapien des Tinnitus anbietet und das nicht nur von Scharlatanen und Beutelschneidern angewandt wird.
Bochum PROFESSOR M. WEHR Klinik für Kardiologie und Angiologie
Da der Tinnitus in den meisten Fällen mit Schwerhörigkeit einhergeht (zum Beispiel nach Hörsturz), kann die Versorgung mit einem beziehungsweise zwei Hörsystemen durchaus helfen. Die frequenzabhängige Verstärkung der Hörgeräte überlagert die Ohrgeräusche, so daß diese nicht mehr hörbar sind. Dies gilt natürlich nur für die Zeit, in der die Geräte auch tatsächlich im Ohr getragen werden. Zwei weitere apparative Varianten sind der Tinnitusmasker (Rauschgenerator mit Lautstärkesteller und Tonblende -
Hintergrund: Fremde Geräusche werden angenehmer empfunden als das eigene Ohrgeräusch) oder das Tinnitus-Instrument (Tinnitusmasker und Hörgerät in einem Gerät). Zwei Hörgeräte beziehungsweise Tinnitusmasker für circa 3000 Mark vom Hörgeräteakustiker dürften um vieles preiswerter sein als wochenlange Klinikaufenthalte.
Lüdenscheid STEFAN KLEIN Hörakustik-Meister
SZ vom 3.9.1996, Ressort Gesundheit
Leben mit dem Mann im Ohr
Tinnitus: Rätselhafte Geräusche aus dem Gehörgang
Vor 13 Jahren erwischte es Hans Knör - über Nacht. Er wachte auf mit diesem komischen Geräusch im Ohr, es klang, als wenn man aus einem aufgepumpten Fahrradschlauch das Ventil herausdreht und plötzlich alle Luft abläßt. Nur mit dem Unterschied, daß der Luftvorrat scheinbar unbegrenzt war: Das Geräusch hörte einfach nicht mehr auf. Bis heute nicht. Hans Knör erwacht damit, frühstückt damit, arbeitet, liest, sieht fern, schläft ein - und ständig begleitet ihn das Pfeifgeräusch.
Hans Knör leidet unter Tinnitus (Ohrensausen). Als das Zischen im Gehör auftrat, konnte ihm keiner helfen: Damals wußte noch kaum ein Arzt etwas über die Krankheit. Ohrensausen hatte etwa den Stellenwert von Schnupfen oder wurde gar als Einbildung diskriminiert, wenn sich organische Ursachen nicht feststellen ließen.
Ursache meistens unklar
Dieser Befund ist die Regel. In etwa 70 Prozent aller Tinnitus-Fälle bleibt die Ursache unklar. So auch bei Hans Knör. Die Folgen wogen um so schwerer: Der Jurist, der 30 Jahre lang ein Notariat geleitet hatte, konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben, mußte vorzeitig in den Ruhestand. Knör konnte sich nicht mehr konzentrieren, er fühlte sich hilflos und depressiv. Da kein Arzt und auch kein Wunderheiler ihn erlösen konnte, half Hans Knör sich kurzerhand selbst: Er gründete vor zehn Jahren die 'Deutsche Tinnitus-Liga' und ist heute Präsident dieser Selbsthilfe- Organisation, die mittlerweile 20 000 Mitglieder zählt.
Als Folter empfunden
In Deutschland sind bereits rund acht Millionen Menschen von einem Tinnitus betroffen, eine Million leidet unter schweren Störgeräuschen, die teilweise als regelrechte Folter empfunden werden. Die akustische Attacke aus dem eigenen Ohr tritt in verschiedenen Formen auf: hubschrauberartiges Knattern, Brummen wie bei einem Schiffsmotor. Häufig pulsieren die Geräusche im Rhythmus des eigenen Herzschlags, etwa als Klopfen, Tuten oder explosionsartiges Knallen.
Lauschen in die falsche Richtung
Tinnitus beruht meistens auf einer Fehlfunktion der feinen Haar Sinneszellen im Innenohr. Normalerweise hört der Mensch seinen eigenen Körper nicht; zahlreiche Geräusche entstehen offenbar, weil der eigene Herzschlag oder das Rauschen des Blutes gehört werden. Warum die Sinneszellen in die falsche Richtung lauschen, bleibt in den meisten Fällen rätselhaft. Nur bei rund 30 Prozent der Betroffenen läßt sich ermitteln, was die Hörzellen irritierte. Meistens ging dann übermäßiger Lärm der Störung voraus.
Workaholics häufig betroffen
Als zweithäufigster Tinnitus-Verursacher gilt der Hörsturz. Auch davon sind immer mehr junge Menschen betroffen - hierbei bleibt die Ursache aber meistens auch im dunkeln. Seltener läßt sich Ohrensausen direkt auf körperliche Ursachen zurückführen. In Frage kommen Durchblutungsstörungen, Schäden an der Halswirbelsäule, Erkrankungen des Kiefergelenks, Tumore im Ohr oder Verwachsungen der Gehörknöchelchen. Meistens aber stellt der Arzt gar nichts fest.
Das typische Ohrensausen tritt spontan, ohne erkennbaren Grund auf. Hans Knör beobachtete allerdings, daß ein bestimmter Typus von Menschen häufiger betroffen ist: 'Sehr viele unserer Mitglieder sind sehr leistungsorientierte Leute, die oftmals vor der Erkrankung 15 Stunden täglich gearbeitet haben.'
Bei akutem Ohrensausen sofort zum Arzt
Bei akutem Ohrensausen, das länger als wenige Stunden dauert, muß sofort der Ohrenarzt aufgesucht werden. Denn die besten Heilungschancen bestehen innerhalb der ersten Tage - durch Infusionen oder Sauerstofftherapie lassen sich schlappe Hörzellen noch wiederbeleben. Pfeift oder klingelt es erst einmal Wochen oder gar Monate, läßt sich das nur selten wieder abstellen.
Greift die Akutbehandlung nicht und besteht der Tinnitus nach drei Monaten immer noch - was häufig vorkommt - beginnt die schwierigste Phase für die Patienten. 'Hier herrscht praktisch der Notstand, denn die Nachbehandlung ist allein vom behandelnden Arzt abhängig, und da gibt es leider große Unterschiede. Gerade in der Phase kommt es darauf an, daß der Patient vernünftig informiert und psychologisch betreut wird, damit die aufsteigenden Ängste vor Arbeitsplatzverlust und Isolation abgebaut werden. Die Betroffenen müssen wissen, daß sich ein Tinnitus in den seltensten Fällen verschlimmert oder gar zur Taubheit führt, sondern sich im Lauf der Zeit verbessert. Man kann lernen, mit dem Mann im Ohr zu leben', sagt Hans Knör.
Unerwünschtes ausblenden
Zur Behandlung eines chronischen Tinnitus werden zahlreiche Therapien eingesetzt, da bislang keine Methode sicheren Erfolg verspricht. Versucht wurde schon fast alles: Akupunktur, Homöopathie, Neuraltherapie, Bioresonanztherapie, Lasertherapie.
Diese Angebote sollte der Patient mit Vorsicht genießen, rät Professor Hasso von Wedel von der Universitätsklinik Köln: 'Manchmal werden den verunsicherten Patienten wunderbare Erfolge versprochen. Wer aber viel Geld für eine Lasertherapie oder Akupunktur ausgeben will, sollte wissen, daß die Erfolgsquote nicht höher liegt als die Spontanheilungsrate ohne Behandlung', betont der Audiologe.
Den Tinnitus "zurücktrainieren"
Große Hoffnung setzt Hasso von Wedel in eine ganz neue Behandlungsmethode, die sogenannte Retraining-Therapie. Der Name sagt schon, worum es dabei geht: Der Tinnitus wird zurücktrainiert. Dem liegt die Annahme zugrunde, daß sich das Ohrgeräusch im Lauf der Jahre gewissermaßen ins Gehirn einbrennt wie die Schrift auf dem Computer-Monitor, wenn der Bildschirmschoner ausfällt. Durch Retraining soll der Patient sein Leiden gewissermaßen vergessen: Über ein bis zwei Jahre arbeitet er mit einem Hörberater und einem Team aus Ärzten und Psychologen. Zur Therapie gehören Information, Gespräche, Ursachenforschung, psychologische Beratung. Eine Art Hörgerät, das ständiges Rauschen etwa in der Lautstärke des Tinnitus erzeugt, hilft, den Hörfilter im Hirn wieder zu aktivieren, mit dem Gesunde unerwünschte Geräusche ausblenden können. In den USA, wo Retraining schon länger angewendet wird, berichten seriöse Quellen über gute Erfolge. Bis sich diese Methode in Deutschland etabliert, wird allerdings noch viel Zeit vergehen, meint Hans Knör: 'Bis die Kassen dafür mal bezahlen, das wird dauern.
Im Moment geht der Trend doch in die andere Richtung, durch die Gesundheitsreform können Ärzte noch nicht einmal die normale Beratung und Behandlung aufrechterhalten. Die Vorbeugung von Hörschäden wird in Zukunft keine Kassenleistung mehr sein. Wenn das so weitergeht, sind wir in 30 Jahren ein Volk von Hörgeräteträgern'.
ANDREAS GESCHUHN
Gegen das Pfeifen im Ohr Ohrensausen nach dem Lustgewinn
SZ vom 9.6.1993, Ressort Wissenschaft
Gegen das Pfeifen im Ohr
Entspannung wirkt ebenso gut gegen Tinnitus wie Medikamente / Heilung noch nicht möglich
Nach einem Manöver stellte sich bei einem jungen Bundeswehrsoldaten ein Pfeifen im Ohr ein, das ihn Tag und Nacht nicht mehr in Ruhe ließ. Als das extrem laute Klingeln in seinem Hörorgan einfach nicht mehr aufhören wollte, kam er schließlich völlig entnervt in die Sprechstunde eines Hals-Nasen-Ohren- Arztes. Die Unmöglichkeit, dem plötzlich einsetzenden Dauerton zu entfliehen, macht den für Tinnitus typischen Streß aus.
Bereits den Griechen bekannt
Solche Dauergeräusche waren bereits den alten Griechen als Krankheitssymptom bekannt. Doch erst in den letzten Jahren ist das Ohrensausen zu einem Forschungsthema geworden. 35 bis 45 Prozent aller Erwachsenen haben irgendwann in ihrem Leben schon einmal Tinnitus wahrgenommen. Mit dem Lebensalter steigt auch die Zahl der Betroffenen; um das 50. Lebensjahr erreicht sie ihren Höhepunkt. Tinnitus kann leise oder unerträglich laut, beständig oder wechselnd sein und in Form eines Pfeifens, Zischens, Brausens oder Rauschens auftreten. Dabei kann der Ton oder das Geräusch 'im Kopf' auf nur einem Ohr oder auch auf beiden Ohren wahrgenommen werden.
Angst vor dem Wahnsinn
Bei 0,5 Prozent der 400 000 betroffenen Menschen in Deutschland 400 000 wird der Tinnitus so stark, daß er die Lebensqualität beeinträchtigt, Konzentrations- und Schlafstörungen verursacht, zu Depressionen und insbesondere auch zu Angstreaktionen führt. 'Viele Patienten mit Tinnitus, die in meine Sprechstunde kommen, haben Angst, wahnsinnig zu werden; sie deuten ihre Beschwerden als frühe Zeichen einer Schizophrenie. Andere befürchten taub zu werden', berichtete Harald Feldmann, Experte für Tinnitus an der Universität Münster, kürzlich bei der Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf und Halschirurgie in Münster. Er wies darauf hin, wie wichtig es sei, dem gestreßten und ängstlichen Patienten zu erklären, wie ein Tinnitus entstehe.
Leiden meist subjektiv
In seltenen Fällen ist Tinnitus auf krampfartige Zuckungen der feinen Mittelohrmuskeln zurückzuführen. Weiterhin können Ohrgeräusche auch durch krankhaft veränderte ohrnahe Blutgefäße entstehen, in denen sich Turbulenzen des Blutstroms bilden. Bei diesem objektiven Tinnitus kann der Arzt die Ohrgeräusche ebenfalls hören. Meistens aber ist das Leiden subjektiv - nur der Betroffene kann das Dauergeräusch wahrnehmen.
Tinnitus am Neujahrstag
In 30 Prozent der Fälle liegt den lästigen Symptomen eine Schädigung der feinen Sinneszellen (Hörzellen) im Gehörorgan durch Lärm zugrunde. Dies gilt häufig bereits für Jugendliche: Fünf bis zehn Prozent von ihnen klagen über Ohrenpfeifen oder -klingeln. Nach lauter Walkman-Musik, nach Disco-Lärm oder einem Rock-Konzert kommen Jugendliche oft mit mit der Klage über einen schrillen Dauerpfeifton im Kopf zum Arzt. Auch Knalleinwirkungen, beispielsweise an Silvester oder bei der Jagd, können Tinnitus verursachen.
Vielfältige Ursachen...
Weitere auslösende Ursachen sind chronische Durchblutungsstörungen aufgrund von Arterienverkalkungen oder wegen akuter Durchblutungsstörungen beim Hörsturz, Beeinträchtigungen des Innenohrstoffwechsels, die Meniere sche Krankheit (ein Drehschwindel), eine Geschwulst am Hörnerv oder gehörschädigende Medikamente.
Aber auch wenn jemand regelmäßig mehr als acht Tabletten Aspirin mit jeweils 500 Milligramm Wirkstoff täglich schluckt, können ihm irgendwann einmal die Ohren dröhnen. Und wer 'zuviel um die Ohren hat', kann aufgrund streßbedingter, nervöser Fehlsteuerungen Ohrgeräusche wahrnehmen.
...erschweren Suche nach richtiger Behandlung
'Es gibt derzeit viele Behandlungsansätze, doch leider bringt keine den durchschlagenden Erfolg', betonte Feldmann auf dem Münsteraner Kongreß. Dies liege vor allem daran, daß es zahlreiche Arten des Tinnitus mit ganz unterschiedlichen Ursachen gebe. Deshalb müsse in jedem Einzelfall nach individuellen Lösungen gesucht werden, sagte Feldmann. Viele Patienten erhofften sich eine schnelle und vollständige Beseitigung ihres Ohrgeräusches. Bei derartig hohen Erwartungen sei die Enttäuschung schon programmiert. Die besten Therapieerfolge erzielten Mediziner bei akuten Beschwerden, die noch nicht länger als drei Monate bestehen. Bei chronischem Tinnitus, Ohrgeräuschen also, die länger als drei Monate existieren, könne es in vielen Fällen nur noch darum gehen, einen unerträglichen Tinnitus in einen erträglichen zu verwandeln. Bewährt haben sich dabei vor allem Entspannungsübungen sowie Lärm- und Streßvermeidung.
Medikamente helfen nur selten
Es sei sehr schwierig, den Tinnitus medikamentös zu beeinflussen, betonten etliche Experten auf der Jahresversammlung in Münster. Lidocain beispielsweise ist ein Medikament, das einen Einfluß auf die sogenannten Neurotransmitter ausübt.
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die im Nervensystem elektrische Impulse auf chemischem Wege weiterleiten. Die Arznei kann sowohl bei akuten wie auch bei chronischen Beschwerden zu einer vorübergehenden Besserung führen. Ihre Wirkung beruht auf einer Stabilisierung der Erregungsleitung. Einige Ärzte wenden Lidocain auch in Kombination mit einem Pflanzenextrakt des Ginkgo-Baumes und einem niedrig dosierten Laser an, der in etwa ein bis zwei Zentimetern Entfernung vom Kopf des Patienten angesetzt wird. Zwar hat diese Behandlung chronisch leidenden Patienten nicht sehr viel weiter geholfen; manche Menschen mit einem akuten Tinnitus sollen jedoch davon profitiert haben.
Entspannung und Sauerstofftherapie ebenbürtig
Eine Renaissance erlebt derzeit die sogenannte hyperbare Sauerstofftherapie, bei der die Patienten in einer speziellen Kammer Druckverhältnissen wie mehrere Meter unter der Wasseroberfläche ausgesetzt sind. Zu dieser
Einschätzung kam der Mediziner Christian Desloovere vom Zentrum der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Universität Frankfurt. Mit Hilfe der Sauerstoff Überdrucktherapie konnte er 25 Prozent der Langzeit- Patienten dauerhaft helfen - ihre Beschwerden besserten sich.
Bei dieser Behandlung sind Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, Schwindel oder Angst in der engen Druckkammer nicht auszuschließen. Die Ärzte vermuten, daß die Wirksamkeit dieser Behandlung von den großen Mengen an physikalisch gelöstem Sauerstoff ausgeht, welcher der Gehörschnecke dabei zugeführt wird. Falls die Beschwerden sich trotz vieler Behandlungsversuche nicht bessern, kann ein Tinnitus-Masker helfen. Dabei produziert ein kleiner Apparat, ähnlich einem Hörgerät, ein Geräusch, das sogar Ohrensausen überdeckt. Wie Harald Feldmann betonte, hat man mit Hilfe der neueren Behandlungsmethoden bisher allerdings keinen deutlich größeren Erfolg erzielen können als mit autosuggestiven und Entspannungs-Methoden.
Rat und Hilfe bietet auch die Deutsche Tinnitus-Liga, eine gemeinnützige Selbsthilfeorganisation für Menschen, die unter einem Hörsturz oder an Ohrgeräuschen leiden. Kontaktadresse:
Erbschlöer Str. 22, 5600 Wuppertal 21,Tel. 0202/464584
Die deutsche Tinnitus-Liga
Kurzinfo:
Die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. ist ein privater, im Jahre 1986 auf Initiative ihres jetzigen Vorsitzenden von einigen wenigen Tinnitusbetroffenen gegründeter gemeinnütziger Verein. Nur aus eigener Kraft und sehr mühselig hat sie sich zur weltweit zweitgrößten Tinnitusorganisation mit über 18 000 Mitgliedern entwickelt. Über 650 Ärzte, Psychologen und Hörgeräteakustiker traten als fördernde Mitglieder bei. Hilfe für ihre Mitglieder bieten inzwischen über 100 Selbsthilfegruppen, ein Netz von 130 Telefonpartnern und die als weltweit beste Spezialpublikation bezeichnete Vierteljahreszeitschrift "Tinnitus-Forum". Hilfe für alle Mitbetroffenen bietet in einem eigenen Hause die Wuppertaler Bundeszentrale nebst Informationszentrum mit acht Mitarbeiterinnen und eine mit drei Mitarbeiterinnen besetzte Kontaktstelle in Berlin.
Monatlich werden von hier aus mit einem erheblichen Kostenaufwand bis zu 2 000 Anfragen beantwortet, in der Regel durch diese Informationsbroschüre. 25 % der Anfrager schließen sich der DTL als Mitglied an. Die DTL hat seit 1986 für eine durchgreifende Verbesserung der therapeutischen und sozialrechtlichen Situation der Tinnitusbetroffenen gesorgt.
Unter anderem hat sie die Einrichtung zahlreicher Tinnituskliniken bzw. Tinnitusabteilungen in psychsomatischen Kliniken bewirkt. Für ihre künftige Arbeit ist sie auf die aktive Unterstützung aller Mitbetroffenen angewiesen. Der Jahresmindestbeitrag beträgt 85 DM. Er kann auf Antrag ermäßigt werden.
Wenn Sie Mitglied bei der DTL werden, unterstützen Sie deren erfolgreiche Arbeit im öffentlichen und medizinischen Bereich und sorgen dafür, daß hunderttausende von Mitbetroffenen wieder hoffen dürfen. Sie erhalten dann die Vierteljahreszeitung Tinnitus-Forum als weltgrößte Spezialpublikation mit einer Auflage von 28 000 und nehmen am DTL - Informationsdienst teil.
Als Mitglied erhalten Sie Listen von Ärzten und sonstigen Fachleuten, von Tinnituskliniken, Selbsthilfegruppen und Telefonpartnern.
Als Mitglied sitzen Sie immer in der ersten Reihe und werden über alle aktuellen Behandlungsmöglichkeiten informiert und vor ebenso teuren wie nutzlosen oder sogar schädlichen Therapien bewahrt. Die Arbeit der DTL dient auch den Interessen der von Morbus Menière (Drehschwindel) betroffenen Mitbürger.
Kontaktadressen:
Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
gegen Hörsturz, Ohrgeräusche und Morbus Menière
Bundeszentrale:
Deutsche Tinnitus-Liga e.V.
Postfach 349
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Telefon: 0202 / 24 65 20 (Zentrale)
Telefax: 0202 / 46 70 932
Ohrgeräusche - Beispiele hören: 0202 / 19701 oder 030 / 19431
Konto:
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Schiffbauerdamm 13
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Telefon: 030 / 28 07 876 + 2833468
Telefax: 030 / 2807876
geschäftsführender Vorstand:
Vorsitzender: Hans Knör, Wuppertal
stv. Vorsitzender: Jochen Czischke, Wuppertal
Schatzmeister: Werner Jansen, Hamburg
Schriftführerin: Henny Juchem, Koblenz
International Tinnitus Support Association (ITSA)
International Federation of Hard of Hearing Europe (IFHOH)
Zeitschrift:
Tinnitus-Forum (TF), Auflage: 28.000 - 1/4-jährlich
Redaktion: Hans Knör, Elke Knör
Mitglieder der Liga können außer Betroffenen und ihren Familienangehörigen alle Mitbürger werden, die unsere wichtige Arbeit unterstützen wollen (auch ausländische Mitmenschen). Sie gilt nicht nur den Tinnitus- und Morbus Menière-Betroffenen, sondern auch der Krankheitsverhütung im Lärmbereich, also vor allem auch dem Schutz von Jugendlichen und am Arbeitsplatz.
Wenn Sie Mitglied der DTL werden wollen, so schreiben sie eine Postkarte, ein kostenloses Fax oder rufen sie sie an. Es sei noch angemerkt, daß Ärztelisten und Adressen nur an Mitglieder ausgegeben werden (Thema "Weitergabe persönlicher Daten") und Sie diese mit Ihrer Beitrittserklärung bestellen können.
Sie können auch diese Beitrittserklärung ausdrucken und vollständig ausgefüllt und unterschrieben mit der Post an die DTL senden. (Die Beitrittserklärung stimmt im Wortlaut mit der in der Tinnitus-Erstinfo abgedruckten Erklärung überein)
Auf diesen Seiten möchte ich Ihnen als Betroffener das Krankheitsbild Tinnitus näherbringen und Personen, die Hilfe suchen Kontaktadressen nennen. Die Deutsche Tinnitus Liga e.V. (DTL) spielt dabei eine große Rolle. Die Informationen dieser Seiten sind der Zeitschrift Tinnitus-Info entnommen, der Erstinfo der DTL, und die Veröffentlichung ist von ihr genehmigt worden.
Die Texte unterliegen nachwievor dem Copyright der DTL!
Was Sie vorweg wissen sollten
Bei akutem Tinnitus, etwa bis zu einem halben Jahr, lesen Sie bitte sofort die Akut-Info. Aus monatlich bis zu 2 000 Anfragen und von monatlich bis zu 400 neuen Mitgliedern bei der DTL ist bekannt, wie groß das Bedürfnis der Mitbetroffenen nach umfassenden Informationen über Tinnitus und an solchen ist, wie man ihm wohl zu Leibe rücken und ihm seine Giftzähne ziehen kann.Dieses Bedürfnis kann man - wie Sie sicher verstehen werden - weder durch eine persönliche Antwort auf Ihre Fragen noch durch diese WWW-Seiten befriedigen. Sie ist aber eine wichtige Hilfe für Ihre Weiterbildung zu einem mündigen Patienten.
Sollte Ihnen ein Arzt gesagt haben, bei Tinnitus könne man nichts machen, da müsse man mit leben, so ist das eine heute in dieser Form absolut nicht mehr vertretbare Prognose.
Auch Ärzte und andere Therapeuten sowie Hörgeräte-Akustiker können sich an die DTL wenden und bekommen von dort Unterlagen zum Thema!!
Was ist Tinnitus ?
Wie wirkt Tinnitus ?
Leiden viele Menschen unter Tinnitus ?
Wo kommen die Geräusche her ?
SOS aus dem Innenohr. Mögliche Ursachen für Tinnitus
Sind Ohrgeräusche gefährlich ?
Was kann man tun ?
Welche Möglichkeiten bieten die Methoden der alternativen
Therapie bzw. der Naturheilkunde ?
Die sozialrechtliche Situation
Wie sind die weiteren Aussichten ?
Was muss geschehen ? ZehnPunkte
Therapieprinzipien bei Tinnitus.
Psychische Beschwerden bei chronischem Tinnitus, z.B.
Depressionen
Maskierung: Eine Behandlungsmethode
Ratschläge für Tinnitus-Kranke
Menière Krankheit
Multidisziplinäres Therapiekonzept bei chronischem Tinnitus
Ein akuter und subakuter Tinnitus sind kein wirkliches therapeutisches Problem.
Prognostisch sind sie im Sinne einer vollkommenen Restituierung sehr günstig. Für einen chronischen Tinnitus ist eine Therapiephilosophie zu fordern, welche nur Platz für ganzheitliches therapeutisches Vorgehen bietet und therapeutischem Nihilismus eine Absage erteilt. Prim. Dr. Herwig Edlinger, Praxis und Sanatorium für HNO-Krankheiten, Zentrum für Tinnitusbetroffene in Feldbach, skizziert die Grundzüge des modernen Tinnitus-therapiekonzeptes.
Welches Vorgehen ist beim chronischen dekompensierten Tinnitus notwendig?
EDLINGER: Beim chronischen primär kompensierten Tinnitus sollte eine Intensivtherapie in erster Linie vom Bedürfnis des Patienten abhängig gemacht werden. Der chronische dekompensierte Tinnitus erfordert größtes therapeutisches Engagement. Simultan sollten medikamentöse, physikalische, apparative, diätetische, psychotherapeutische sowie beratende und aufklärende Maßnahmen eingesetzt werden. Dadurch kommt es zu einem therapeutischen "Reizakkord" mit einer Addition einzelner Therapieeffekte und so zu höherer Wirksamkeit.
Welche Erfolgschancen hat dieser multidisziplinäre Therapieansatz?
EDLINGER: Die Erfahrung zeigt, daß ein akuter und subakuter Tinnitus fast ausnahmslos kurativ beherrschbar sind. Der chronische Tinnitus wird in einem hohen Prozentsatz quantitativ und qualitativ günstig beeinflußt. Ist dies nicht möglich, so gelingt es mit diesem Konzept fast ausnahmslos, einen dekompensierten Tinnitus in einen kompensierten zurückzuführen. Die Lebensqualität der Patienten wird deutlich verbessert.
Wann ist eine Tinnitus-Retraining-Therapie indiziert und wie wird sie durchgeführt?
EDLINGER: Nur jene geringe Zahl an Patienten, bei denen weder eine kurative Beeinflussung noch eine Kompensation erzielbar ist, sollte der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) nach Hazell und Jastreboff zugeführt werden. Die TRT (auch Habituationstraining) setzt im zentralen Anteil des auditiven Systems an, wobei die beim Tinnitus angenommene gestörte zentrale Hörverarbeitung zwischen Hörzentrum, Hirnstamm und Limbischem System angesprochen wird. Dieses Modell liefert den therapeutischen Ansatz in Form einer "Sensibilisierung und Desensibilisierung" zentraler Prozesse.
Es sollte durch entsprechendes "Retraining" der Tinnitus nicht mehr störend empfunden werden bzw. im Idealfall nicht mehr wahrgenommen werden. Die TRT muß in Form eines "Maßnahmenpaketes" zur Anwendung kommen:
1.apparative Versorgung mittels Rauschgenerator (Noiser)
bzw. Tinnitusinstrument
2.langfristige individuelle Psychotherapie in Verbindung mit allgemein psychotherapeutischer Beratung und Erlernen entsprechender Kompensationstrainingsmethoden
3.Psychopharmaka
4.ausführliches Counselling
Es kommen Rauschgeneratoren zum Einsatz, welche ein leises Breitbandrauschen (weißes Rauschen) erzeugen. Dieses wird zum bestehenden Tinnitus dazugeschaltet (Sensibilisierungseffekt). Es ist leiser als der Tinnitus, es erfolgt keine Maskierung. Dieses Breitbandrauschen soll ein bis zwei Jahre täglich vier bis sechs Stunden wahrgenommen werden. Im Laufe der Zeit kommt es durch Gewöhnung an dieses Rauschen über Beeinflussung zentraler Prozesse auch zu einer Gewöhnung an den Tinnitus. über diese "Desensibilisierung" sollte eine Habituation erfolgen, der Tinnitus also nicht mehr störend empfunden bzw. nicht mehr wahrgenommen werden.
Liegt ein Tinnitus in Verbindung mit einer Innenohrschwerhörigkeit und Diskriminationsproblemen vor und hat noch keine Hörgeräteversorgung stattgefunden, kommt es zum Einsatz eines Tinnitusinstrumentes. Diese Kombination aus Hörgerät und Noiser führt zur Hörverbesserung, Diskriminationssteigerung, Besserung des Richtungshörens und Maskierung und ermöglicht ein apparatives Retraining. Der Rauschgenerator sollte zu einer ruhigen Tageszeit verwendet werden, der Hörgeräteanteil dann, wenn Hören und Diskriminieren für ihn besonders wichtig ist.
Begleitend ist eine individuelle langfristige Psychotherapie sowie allgemein psychotherapeutische Maßnahmen empfehlenswert. Dabei sollten die Akzente auf Streßvermeidung und Streßabbau, Erzielen innerer Ausgeglichenheit, auf den persönlichen "Kampf gegen die Opferrolle", auf eine geregelte Lebensweise, auf eine psychovegetative Entkoppelung gesetzt werden. Zusätzlich sollten mit dem Patienten Kompensationstrainingsmethoden erarbeitet werden, wie z.B. autogenes Training nach Schultz sowie musik-therapeutische Methoden der Stereotiefen-, Hypno- und Klangsuggestion nach Svoboda & Stein und Klang-therapie mittels Tinnicur 3000. Häufig ist unterstützend ein Psychopharmakon erforderlich. Ein wesentliches Element der Tinnitus-Retraining-Therapie stellen Aufklärung, Beratung und Motivation des Betroffenen dar.
Wo können Tinnituspatienten nach diesem ganzheitlichen Therapieansatz behandelt werden?
EDLINGER: Mit dem therapeutischen Reizakkord und der TRT haben wir Strategien in der Hand, mit denen wir bei jedem Grad von Betroffenheit Hilfe anbieten können. Diese multidisziplinären Therapiestrategien können nur durch ein Team von Spezialisten erfolgen, wie auch von der Deutschen Tinnitusliga gefordert. In diesem Zusammenhang darf ich mein Haus erwähnen, wo schon seit vielen Jahren der Tinnitusbetroffene multidisziplinär betreut wird. Dieses Team besteht aus einem HNO-Arzt, einem Facharzt für Neurologie und Psychiatrie - von mir zwecks besserer Patientenakzeptanz als Neuropsychologe bezeichnet - einem Allgemeinmediziner mit Zusatzausbildung in Psychotherapie, einem Manualmediziner bzw. Chirotherapeuten, Spezialisten in physikalischer Medizin, einem Hörgeräte- bzw. Masker- bzw. Noisertechniker, einer Diplomlogopädin, Diplomkrankenschwestern, einer Diätassistentin, Musiktherapeuten usw.
Dieses Team ist bemüht, größtmögliche Individualität im Umgang mit den Betroffenen zu pflegen. In meinem Haus erfolgt die Tinnitus-therapie in jedem Stadium, wobei bei Notwendigkeit auch die "therapeutische Weichenstellung" bzw. Einschulung für eine erfolgreiche Tinnitus-Retraining-Therapie erfolgt. Ich bin bemüht, eine Anlaufstelle für die Betroffenen zu sein. In diesem Zusammenhang möchte ich Hans Knör, Präsident der Deutschen Tinnitusliga, zitieren, der in jeder Ausgabe des Tinnitus Forums Zentren bzw. Anlaufstellen für die Tinnitustherapie fordert. Eine Forderung, der ich mit der Installierung meines Zentrums für Tinnitusbetroffene schon vor Jahren nachgekommen bin.
Interview: ÄRZTE WOCHE, 12. Jg., Nr. 7, Seite 8
1998 © cyberdoc
Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)
Tinnitus akzeptieren lernen
Viele Umweltgeräusche werden unbewußt einfach klaglos hingenommen. Nicht so ein Tinnitus. Aber man kann sich Æumpolen“ lassen und den Tinnitus akzeptieren lernen.
Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) geht auf den Londoner HNO-Arzt J. Hazell zurück. Für ihn ist Tinnitus, insbesondere chronischer Tinnitus, weniger ein Problem des Hörmechanismus als der Hörwahrnehmung. Viele Geräusche unserer Umgebung, wie Herz-, Kaugeräusche, Geräusche eines Lüfters, Computers, Versorgungsleitungen im Haus, werden subkortikal verarbeitet.
Jedes neue Geräusch wird zunächst bewußt wahrgenommen und mit einem emotionalen Etikett versehen und entweder als angenehm oder unangenehm empfunden.
Neue unbekannte Geräusche wie ein Tinnitus, die in ihrer Bedeutung nicht eingeschätzt werden können, bekommen das Etikett unangenehm und werden zusätzlich verstärkt empfunden. Dieser Zustand kann phobischen Charakter annehmen, so daß die Betroffenen massiv in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt werden. Es hat sich gezeigt, daß der Tinnitus sich bessert bzw. als leiser und akzeptabler empfunden wird, wenn die negativen Gefühle überwunden werden.
Umschulen und Wiedererlernen
Die TRT beruht auf Umschulung (Retraining) und Wiedererlernen (Relearning). Dabei soll der Tinnitus zunächst seine unheimliche Bedeutung verlieren. Der Betroffene muß seine negativen Assoziationen mit dem Tinnitus ändern. Dazu wird ihm bewußt gemacht, daß sich hinter dem Tinnitus keine gefährliche Erkrankung verbirgt und der Tinnitus nicht zur Ertaubung führt.
Weiterhin muß eine umfassende Diagnostik durchgeführt werden, die orthopädische, internistische, neurologische, dentogene und HNO-ärztliche Ursachen ausschließt. Wurde keine Ursache gefunden und führen medikamentöse Maßnahmen nicht zum Erfolg, bietet die TRT eine wichtige Hilfe.
Das unbewußte Gehör wird geschult, den Tinnitus als etwas zu akzeptieren, das natürlich vorkommt. Bei Hörverschlechterung sollten Hörgeräte angepaßt werden. Auch kann ein sog. Generator für weißes Rauschen angeboten werden. Anders als ein Tinnitus-Masker, der ein alternatives Geräusch liefert, wird der Tinnitus nicht verdeckt. Das Ohrgeräusch soll weiterhin gehört werden, um bewußt erlebbar werden zu lassen, daß es die Lebensqualität nicht bedroht.
Ein weiterer Schritt ist die Habituation. Normalerweise bedeutet die Anwesenheit eines ständigen Stimulus eine Gewöhnung (Habituation), wenn der Betroffene nicht negativ auf den Stimulus reagiert.
Achselzucken statt Stöhnen
So kann man den Betroffenen zum Umdenken ermuntern: ÆDas nächste Mal, wenn Sie Ihren Tinnitus wahrnehmen, versuchen Sie es doch mit Achselzucken statt mit Stöhnen.“
So wird beispielsweise das bewußte Hinhören auf den Tinnitus trainiert, wenn man entspannt ist. Weitere Ziele des Habituationstraining sind:
Unterschieden wird die Habituation der Reaktionen, d. h., die emotionale Reaktion wird geringer, und die Habituation der Wahrnehmung, d. h., der Tinnitus wird leiser und zu einem natürlichen Teil der Hintergrundgeräusche. Die im multidisziplinären Team durchgeführte TRT dauert mindestens zwei Jahre.
Quelle: Dr. med. Harald Seidler, Tinnitus Retraining Therapie
(TRT), HNO-Mitteilungen 3/1997.
© MMV Medizin Verlag GmbH München, D-81664 HNO-Highlights
23.04.98
Wissenschaft
Das Phantom in der Hirnrinde
Wissenschaftler halten die Theorie für überholt, daß Tinnitus-Geräusche im Ohr selbst entstehen
Wer hat nicht schon mal Geräusche vernommen, die sonst niemand hören konnte? Etwa das Pfeifen im Ohr nach einem lauten Konzert. Doch bei etwa 2,4 Millionen Deutschen sind solche Phantomgeräusche keine Ausnahme; sie leiden an Tinnitus. Etwa 400 000 sogar so stark, daß sie behandelt werden müßten. Doch wie soll man eine Krankheit behandeln, von der nicht einmal genau bekannt ist, wie sie entsteht?
Die bisher gängige Theorie führt die lästigen Geräusche auf eine Fehlfunktion der etwa 15 000 Haar-Sinneszellen im Innenohr zurück. In aktuen Fällen versuchen Ärzte deshalb, die Durchblutung im Ohr zu verbessern. Der Patient erhält Infusionen mit gefäßerweiternden Substanzen allerdings meist mit unbefriedigendem Erfolg. Kein Wunder, denn seit den 60er Jahren ist bekannt, daß das Ohr nicht allein Verursacher der Phantomgeräusche sein kann. Damals ließen sich taube Patienten den Hörnerv durchtrennen, hatten aber anschließend immer noch Tinnitus. Der Verdacht fiel auf das Gehirn als Urheber.
Hörstörung durch Aspirin
Doch die Forschung litt darunter, daß keine Tierversuche möglich waren.
Denn kein Tier konnte zeigen, daß es Tinnitus hatte. Bis eine amerikanische Arbeitsgruppe um Pavel Jastreboff Ratten darauf konditionierte, Stille mit Aversion zu verbinden. Nun benötigte man nur noch ein Mittel, mit dem die Tiere von der Stille erlöst werden konnten. Dafür erwies sich Salicylsäure als geeignet, chemisch eng verwandt mit dem Wirkstoff des Aspirins: Menschen, die große Mengen des Schmerzmittels einnehmen, bekommen vorübergehend Tinnitus. Tatsächlich fühlten sich die Ratten nach Einnahme der Substanz besser, obwohl es in ihrer Umgebung weiter absolut still war.
Auf der Basis dieses Wissens haben Zoologen der Technischen Universität Darmstadt versucht, den Ort der Tinnitus-Entstehung zu bestimmen. Bei zwei Gruppen von Mäusen erzeugten sie dazu Tinnitus: Einmal mit Hilfe von Salicylsäure und einmal, indem sie mit Spielzeugpistolen ein Knalltrauma erzeugten. Mäuse aus den entsprechenden Kontrollgruppen bekamen statt des Salicylats nur ein wirkungsloses Lösungsmittel gespritzt oder hörten einen Sinuston.
Dann erhielten alle Tiere radioaktiv markierte ÆDesoxy-Gukose“, die von den Nervenzellen aufgenommen wird. Von normalem Glukose-Zucker unterscheidet sich die Desoxy-Variante nur durch das Fehlen eines kleinen Molekülbestandteils, einer ÆAlkoholgruppe“. Die Folge: Der Stoff wird nicht abgebaut, sondern bleibt in den Zellen.
Da aktive Neuronen mehr Glukose aufnehmen als nichtaktive, konnten die Forscher die aktiven Gehirngebiete identifizieren. Dazu froren sie die Hirne der getöteten Versuchstiere ein, schnitten sie in Scheiben und legten diese zwei Wochen lang in lichtdichten Kassetten auf Röntgenfilme. ÆDa die radioaktiv markierte Desoxy-Glukose den Film mit Strahlung bombardierte, schwärzte er sich an den Stellen, wo das Gehirn eine hohe Aktivität aufwies“, erläutert Elisabeth Wallhäußer-Franke von der Abteilung für Neuroakustik an der TU Darmstadt.
Das Ergebnis überraschte die Fachleute: Der Hirnstamm, den jede Hör-Information aus dem Ohr passieren muß, hinterließ anders als in den Kontrollgruppen keinerlei Spuren auf dem Film. Das Salicylat und das Knalltrauma hatten offenbar eine vorübergehende Hörstörung ausgelöst. Im Æauditorischen Cortex“ aber (dem für das Hören zuständige Bereich der Hirnrinde) waren die Neuronen dennoch aktiv; die Mäuse nahmen also ein Geräusch wahr. Da sie dieses Geräusch nicht wirklich hörten sonst hätte die Information den Hirnstamm passieren müssen litten die Tiere tatsächlich unter Tinnitus. ÆDa der nicht im Innenohr entstanden sein kann, muß er im Gehirn entstehen“, schließt Wallhäußer-Franke.
Gestützt werden diese Ergebnisse durch Untersuchungen amerikanischer Wissenschaftler, die Tinnitus-Patienten mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie, einem bildgebenden Verfahren, untersucht hatten (SZ, 26. 2. 98). Die verbreitete Ansicht, eine Erregung der Haar-Sinneszellen sei die häufigste Ursache für den Tinnitus, halten die Darmstädter Forscher daher für überholt.
Dennnoch kann eine Verschlechterung des Hörvermögens zu Tinnitus führen, was auch das Darmstädter Modell nicht in Frage stellt. ÆDas Gehirn versucht dabei, Hörstörungen auszugleichen, so daß es zu einer Überkompensation kommen kann, die sich als Tinnitus äußert“, erläutert Gerald Langner, Leiter der Abteilung für Neuroakustik. Die ärztlichen Akutmaßnahmen nach einem Hörsturz sind also durchaus sinnvoll: ÆDiese Therapien beeinflussen zwar nicht direkt den Tinnitus, sie verbessern aber wahrscheinlich das Resthörvermögen“, ergänzt Wallhäußer- Franke.
Heilung nicht in Sicht
Doch ein medizinisches Verfahren, mit dem sich Tinnitus heilen ließe, ist nicht in Sicht. Für erfolgversprechender halten Fachleute psychologische Methoden, wie die ÆRetraining-Therapie“: Hierbei lernen die Patienten die Phantomgeräusche zu akzeptieren, so daß sie an Bedrohlichkeit verlieren.
Auch andere auf die Psyche abzielende Therapien fördern eine emotionale Toleranz gegenüber dem Tinnitus, wie eine Studie der Universitäten Essen und Göttingen zeigte. Hierbei wurden knapp 150 Betroffene mit Æalternativen“ ambulanten Verfahren behandelt. Besonders gut schnitt dort das ÆTinnitusbewältigungsprogramm“ ab, bei dem die Therapie der eigenen Ängste im Vordergrund steht. 31 von 43 Teilnehmern gaben an, daß sie die Phantomgeräusch nach der Behandlung besser ausblenden konnten als vor der Therapie.
ÆDas Vorderhirn, also auch der Hör-Cortex, hat einen direkten Draht zu dem für Emotionen und Aufmerksamkeit zuständigen limbischen System“, erläutert Langner. Beim Hörsystem scheint diese Verbindung besonders stark zu sein. Das erkläre sich aus Sicht der Evolution: ÆHörsignale sind oft die ersten Warnsignale, die ein Lebewesen von seiner Umwelt bekommt und müssen mit einer allgemeinen Aktivierung verbunden sein, damit eine Flucht eingeleitet werden kann.“
Vielleicht auch eine Erklärung dafür, so die Darmstädter Wissenschaftler, daß Tinnitus häufig in Streßsituationen auftritt. GÜVEN PURTUL
Süddeutscher Verlag GmbH, München
Copyright © 1997, 1998 - Süddeutsche Zeitung. 22.04.98
SCHWINGUNGEN GEGEN TINNITUS
Eine kleine Sonde hinter dem Ohr koennte Tinnitus-Patienten von staendigen Stoergeraeuschen befreien. Das ÆAurex-3“ genannte Geraet wird den Betroffenen implantiert und erzeugt Schwingungen, die vom Trommelfell verarbeitet werden koennen. Mittels einer Fernsteuerung wird die Frequenz der Schwingungen justiert. Der Patient kann so die exakt entgegengesetzte Frequenz zu derjenigen erzeugen, die sein Gehoer belastet. Dadurch heben sich die Geraeusche gegenseitig auf. Noch ist die Technik in der Entwicklung, berichtet der britische ÆNew Scientist“. Zumindest kurzzeitige Erfolge liegen bereits vor. Die Entwickler sind zuversichtlich, dass Patienten auch langfristig durch die Schwingungssonde von Tinnitus-Geraeuschen befreit werden. Weitere klinische Versuchen sollen jetzt folgen.
Quelle: New Scientist, 6.8.98
Tinnitus
Do you have Tinnitus (ringing in the ears)?
Ringing in the ears is a subjective symptom, a sound heard by the
patient that cannot be
recorded by today's instruments, much like pain. If it is very loud it
can distract from sleep
and thinking. It can be caused by Meniere's disease - an increase in
fluid pressure in the
inner ear. It is treated by reducing that presage. High blood
pressure may cause tinnitus, and
lowering the pressure is effective. Loud noise and associated
hearing loss is a causal factor
too. Large doses of aspirin and certain aspirin products may bring it
on. Avoid these if they
are the cause. Stress is not a cause, but once tinnitus becomes
annoying the person feels
stressed.
Treatment
For tinnitus that fails other treatment, Vitamin B6 ( Pyridoxine)
100 milligrams twice
a day is worth trying for 3 months. I personally have had little
success with Niacin in
doses large enough to cause a flush, but it may be worth trying. I
was first to publish
about the use of muscle biofeedback in the 70's for tinnitus. It is
successful because
when the muscles are relaxed, you stop making it worse by
tension and anxiety. You
cannot feel anxiety when the muscles are fully relaxed! This is
done by the patient at
home as follows: sit comfortably in a chair with a large mirror in
front of you. Practice
relaxation by breathing in at the count of 4 and out at the count of
6. As you exhale, let
a signal go through your to relax. Look at your face - you should
see your facial
muscles relax. You use the mirror as a form of visual feedback to
learn how to relax
properly. Do this 20 minutes a day. Then, every hour on the hour
do the breathing
exercise without the mirror for 2 minutes. By doing this
relaxation, you break the
anxiety reinforcement cycle. You may still have the tinnitus, but
you aren't making it
worse by anxiety reinforcement. Some doctors prescribe Xanax
pills to accomplish
this, but my patients do fine with the mirror and breathing
exercise. Certain tinnitus
patients respond to masking and might benefit by a sound that
"covers" the tone or
discharges the neural source of the tinnitus. Whether tinnitus is
the type that can be
masked or not can be tested by an audiologist.
Tinnitus Matching
The first step is to measure the tinnitus. First the audiogram
(hearing test) is
performed, then the patient is asked to identify which of the tones
of the audiometer
match the ringing. Then the volume or loudness is matched by
introducing the sound at
various loudness levels. To avoid confusion, loudness is
measured in our office with a
slightly different sound tone.
Tinnitus Masking
The sound is then heard by the patient for a variety of time
periods starting with 5
minutes and the patient may report a true masking phenomenon.
This is analogous to
having a light shine in your eyes (discharging the rods and
cones), and then you can't
see for a while. If the patient expresses relief, we make a 30
minute tape of the tinnitus
sound which he then uses at home with a portable type of tape
player and a single ear
piece into the affected ear. The success of masking varies
widely. Some patients may
get relief with short periods of masking and others require longer
exposure to the same
sound. This differs from using music or white noise for masking
in that the same
sound is used as the tinnitus. (Coleus) The advantage of this
masker is the price; we are
using a single tape and the portable tape players every
household with a child already
owns. Another is that the volume is easily adjusted. And socially,
so many people
nowadays work and play with a Walkman c type instrument, that
many patients prefer
this to the standard masking device in the ear. If the masking is
needed for periods
longer than 30 minutes the tape can be rewound.
Nerve Enhancement
In another group of patients this same tape device can be used
as a type of biofeedback
device to reduce tinnitus. I call this nerve enhancement. Here the
user places the tape
sound into the unaffected ear, again using a single ear piece,
and rests in a comfortable
chair. It is best to be fully relaxed. Now he adjusts the tape
volume of the tinnitus
sound so that it is LOWER than in the affected ear. He than
suggests that the body
match the volume of tinnitus of the affected ear with that of the
tape player. Ideally, the
body SEES what to do and proceeds to reduce the volume in the
affected ear. Over
time, the volume is reduced until the patient is asymptomatic.
What the actual
physiology of this method is, is unknown. But then, similar
processes take place in
Biofeedback: the hand is warmed or cooled by showing the
subject a reading on a dial
of minute temperature changes. People learn to change
temperature, heart rate, brain
waves when they see the readings on the dial and are instructed
to tell the body to
change the temperature or the brain wave. And remember, rats
can do the biofeedback
changes as well as humans, which demonstrates that the "body"
does the work
independent of intelligence.
Reinforcement
Reinforcement is one of the most important factors that bring
patients to my office for
tinnitus symptoms. In a reinforcement cycle, the more it itches,
the more you scratch
-the more the anxiety - the more it itches. Whether this involves
contact lenses that
result in spasm of the eye muscles, or the itch, or the dentures
that don't fit well -
anxiety can reinforce and make the symptoms much worse. This
is particularly true in
tinnitus when the annoyance or worry, may cause tight muscles
and reduced circulation
and increased awareness of the tinnitus and then more tinnitus,
more worry and so on.
When I published the first article on using biofeedback for
tinnitus in 1975 (Grossan
1975) I described the benefits of breaking the reinforcement
cycle. Performing nerve
enhancement does this because in the relaxed state -muscle
relaxation that is - anxiety
is reduced and the reinforcement cycle can be broken. But
experience has shown that
an additional factor is at work here. By showing the body what to
do right -reducing
the tinnitus volume - the body proceeds to do it. My patients are
instructed to do this
process 15 minutes a day. The relaxation instructions are the
same as in my 1976
article. (Grossan 1976) Breathe in at the count of 4 and out at the
count of 6. As you
exhale let that be a signal to relax your entire body. Or
progressively relax from the
feet, the legs, etc. to finally the jaw. Or visualize a relaxed scene.
Science has shown
that you cannot have anxiety if your muscles are fully relaxed.
And you reduce or
eliminate the need for drugs (Relaxation Excercises) The tape of
the individual tinnitus
sound can be prepared by the audiologist or my office can
prepare them for you by
having the audiologist perform a tinnitus match test and then
sending us the results.
The same tape can be used for masking or for the enhancement.
It is necessary to use a
single ear piece, in the affected ear for masking, and in the
normal or unaffected ear for
nerve enhancement.!
Sometimes the major benefit of this tape is that the patient can
take charge of his own
treatment, using either the enhancement or the masking. Indeed
Dr Murai describes
having the patient measure his own tinnitus and masking effect!
http://www.ent-consult.com/ears.html#tinnitus
Magnetfelder gegen Ohrensausen
Einer der häufigsten Volkskrankheiten, dem Ohrensausen (Tinnitus), hat ein Kärntner Erfinder den Kampf angesagt. Der aus Spittal/Drau stammende Elektronikfachmann Gerald Neuwirth, der selbst elf Jahre an schwerem chronischen Tinnitus litt, entwickelte ein Gerät, das laut Angaben des Erzeugers bereits ausgezeichnete Erfolge erzielte. Konkret werden dabei mit Hilfe von Magnetfeldern die Eigenfrequenzen der funktionsgestörten Haarzellen im Innenohr synchronisiert.
Das Gerät mit Namen TI-EX ("Tinnex") besteht aus einem Basisteil im Ausmaß von 15 mal acht mal drei Zentimetern und einem Kopfteil. Die im Basisteil erzeugten Impulse werden im Kopfteil in pulsierende niederfrequente Magnetfelder umgewandelt und ins Innenohr übertragen. Die Dauer der Therapie - zwei Behandlungen täglich zwischen 20 und 30 Minuten - beträgt bei den meisten Betroffenen zwischen zwei Wochen und vier Monaten.
Die Technik, auf der TI-EX beruht, wurde nach Angaben der von Neuwirth gegründeten Firma "Tinnitronics GmbH" an der Universitätsklinik Liverpool und das Gerät selbst am Joanneum Research Institut in Graz getestet. Auch verfüge das Gerät bereits über das Zertifikat hinsichtlich der Erfüllung der EU-Richtlinien für medizinische Produkte.
Neuwirth selbst konnte laut eigener Aussage seinen Tinnitus mit dem von ihm entwickelten Apparat entfernen. Auch der Klagenfurter Polizist Theo Kelz, der 1994 bei einem Bombenanschlag beide Hände verlor und seither an starkem Ohrensausen litt, wurde erfolgreich therapiert. Kelz konnte nach eigenen Angaben mit Hilfe von TI-EX den Tinnitus nach mehrwöchiger Behandlung völlig beseitigen, während zuvor sämtliche gängigen Behandlungsmethoden nichts geholfen hätten.
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Tinnitus und der Blick zur Seite
Millionen Menschen sind vom Tinnitus betroffen, einem dauerhaften, stoerenden Geraeusch im Ohr. Nicht nur der Hoernerv, auch die Verarbeitung von visuellen Reizen ist von dieser Stoerung betroffen. Dies entdeckten jetzt amerikanische Forscher bei acht Tinnitus-Patienten. Die Betroffenen leiden an einer abgekuerzt GET (gaze-evoked tinnitus) genannten Variante. Dabei veraendern sich Lautstaerke und Tonhoehe des Stoergeraeusches, wenn die Patienten zur Seite blicken.
Als die Forscher die Hirnstroeme der Patienten untersuchten, stiessen sie auf ein unerwartetes Ungleichgewicht zwischen Hoer- und Sehzentrum im Gehirn. Beide Zentren kommunizieren staendig miteinander, um je nach Situation dem akkustischen oder dem visuellen Reiz Prioritaet in der Wahrnehmung zu geben. Der Blick zur Seite hat nach Aussage der Forscher normalerweise Vorrang vor dem Hoeren.
Bei den GET-Patienten ist dies aber offenbar nicht der Fall.
Die Tatsache, dass ein Sinnesreiz den anderen nicht planmaessig unterdruecken kann, koennte fuer das Tinnitus-Phaenomen insgesamt von Bedeutung sein. Die Forscher muessen allerdings einraeumen, die genaue Bedeutung dieses Zusammenhangs noch nicht zu kennen.
Quelle: American Academy of Neurology, 26.2.01
Forschung: Alan H. Lockwood, State University of New York,
Buffalo, in Neurology, 27.2.01
Manfred Pilgram, Detmold, stellte die von ihm repräsentativ ermittelten Daten zur Häufigkeit von Tinnitus vor. Danach beträgt die Punktprävalenz von Tinnitus in Deutschland 3,9 Prozent; die Zahl von 1,5 Millionen mittelschwer bis stark Betroffener ist höher als bisher angenommen. Etwas mehr als die Hälfte der Tinnituspatienten verspürten einen hohen Leidensdruck. 250 000 neue chronische Tinnitusfälle pro Jahr hält Pilgram für eine medizinische Herausforderung, die aber auch eventuell ein gesellschaftspolitisches Umdenken verlangen.
Grundsätzlich unterscheidet man objektive von subjektiven Ohrgeräuschen. Sehr selten sind objektive Ohrgeräusche zu finden, hervorgerufen durch beispielsweise pathologische Kontraktionen von Mittelohr-, Rachen- oder Gaumenmuskulatur, Glomustumoren, sowie ausgeprägte pathologische Veränderungen der Hals- und Hirngefäße. In der Regel kann der Untersucher das Ohrgeräusch mithören, eine operative Intervention ist häufig möglich.
Bei der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich beim chronischen Tinnitus um ein subjektives Geräusch, das in verschiedenen Qualitäten auftreten kann. Dabei ist bedeutsam, dass subjektiver Tinnitus überwiegend peripher ausgelöst wird, und zentral massiv verstärkt werden kann.
Tinnitus ist ein Symptom und keine Krankheit. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von Ursachen, die sich nach modernen Klassifikationen einteilen lassen. Die Klassifikation nach Zenner unterscheidet den Mittelohrtinnitus (konduktiver Tinnitus), den kochleären Tinnitus Typ 1 bis 4 und den zentralen Tinnitus (primär, sekundär).
Konduktiver Tinnitus
Vibrationen, ausgehend vom Mittelohr, können durch Tubenventilationsstörungen oder pathologische Kontraktionen der Mittelohrmuskulatur entstehen. Diese Vibrationen werden an das Innenohr weitergegeben und nicht selten als tieffrequentes Ohrgeräusch empfunden.
Kochleärer Tinnitus
Störungen im Innenohr lösen einen kochleären Tinnitus aus.
Voraussetzung für den normalen Hörvorgang ist eine Auslenkung der Stereozilie. Wird ein solches Sinneshärchen umgelenkt, öffnet sich an der Spitze eine Pore (Ionenkanal), die sich bei der Rückstellung, also nach Weiterleitung des Signals, wieder schließt. Bleibt diese Pore beim Zurückstellen offen, strömen ununterbrochen geladene Ionen (Kaliumionen) ein, und es kommt zu einer andauernden Erregung der Haarzelle.
Stereozilien sind in der Regel relativ steif. Durch ständige Überlastung (zum Beispiel überhöhte Lärmeinflüsse) kann eine Stereozilie jedoch erweichen und somit deformiert und von der Teritorialmembran abgekoppelt werden. Somit kann eine Dauerbewegung der Sinneshärchen durch die Brownsche Molekularbewegung möglich werden. Durch die reizunabhängige Dauerbewegung kann es kontinuierlich zur Erzeugung eines Signals kommen.
Die Entladung der positiven Sensorpotenziale der Sinneszelle erfolgt durch Ionenkanäle der lateralen Seite der Haarzellen. Diese Poren können ihre Durchlässigkeit verändern. Das hat zur Folge, dass die Erregung dieser Sinneszelle zunimmt, und damit Ursache für ein Dauersignal sein kann.
Im Innenohr existieren etwa 17 000 kleine Motoren, die äußeren Haarzellen oder auch Motorzellen. Sie reizen indirekt die inneren Haarzellen, wenn man hört. Herrscht Stille, dann ruhen diese Zellen. Äußere Haarzellen können sich pathologisch jedoch spontan bewegen, wenn kein Schallereignis ansteht. Sie produzieren dadurch ein Signal im Innenohr, das durch die inneren Hörsinneszellen wahrgenommen und an den Hörnerven weitergeleitet wird.
Die efferente Hörbahn dient zur Steuerung der Motoraktivität der äußeren Haarzellen. Zu starke Aktivitäten können auf diese Weise unterdrückt werden. Kommt es zur Störung dieses Unterdrückungsmechanismus, bewegen sich die Motorzellen unkontrolliert, und es kommt zum Ohrgeräusch.
Bei einer Störung des Transformationsprozesses werden zum Beispiel zu viele Transmitter freigesetzt. Man kann sich den Rezeptor am Hörnerv als Schloss und den Transmitter als Schlüssel vorstellen. Wird nun zuviel Transmitter angeboten, können verstärkt Ca2+-Ionen in den Hörnerv dringen und diesen stark schädigen (so genannter Exzitationstinnitus nach Ehrenberger).
Zentraler Tinnitus
Man unterscheidet den primären vom sekundären zentralen Tinnitus.
Primärtumoren (zum Beispiel Akustikusneurinom), zentralnervöse Erkrankungen (zum Beispiel Multiple Sklerose) oder Traumata (zum Beispiel Schädel-Hirn-Traumen) können zu einer direkten Schädigung von Hörnerv und Hörbahn mit Dauersignalerregung führen (primär zentraler Tinnitus).
Ähnlich dem Phantomschmerz, kann sich ein ursprünglich peripherer Tinnitus zentral verselbständigen. Erfolgt eine Tinnitusfehlinformation vom Ohr über längere Zeit, dann kann die Wahrnehmung für den Tinnitus hoch aktiv sein, selbst wenn nur noch ein schwaches oder sogar kein Fehlersignal mehr vom Ohr an das Gehirn gesendet wird. Man kann von einer massiven zentralen Verstärkung (Amplifikation) durch eine pathologische kognitive Fokussierung sprechen (sekundär zentralisierter Tinnitus). Man nimmt an, dass sich die zur Amplifikation führenden Rückkopplungen zwischen dem Limbischen System (Emotion) und den kognitiven Arealen des ZNS aufbaut.
Massivste Beeinträchtigungen der Lebensqualität mit Schlafstörung und Depressionen bis hin zum Suizid im Einzelfall können die Folge sein. Dieser Teufelskreis kann durch präexistente Komorbiditäten exazerbieren.
Diagnostisch ist eine genaue Untersuchung der Ohren, der Nase und des Rachens erforderlich. Als sehr sinnvoll hat es sich erwiesen, im Rahmen der anschließenden audiologischen Diagnostik die Messung des Ohrgeräusches nach Frequenz, Lautstärke und Verdeckbarkeit durchzuführen. Für eine genaue und rekonstruierbare Beurteilung der Lautheit des Geräusches ist die Messung in einzelnen dB-Schritten durchzuführen. Die Erfassung der Unbehaglichkeitsschwelle ist erforderlich, um eine eventuelle Hyperakusis zu erkennen. Des Weiteren ist es meist not-wendig, bei der Suche nach der Grundkrankheit eine interdisziplinäre Diagnostik in die Wege zu leiten. Diese sollte aber nicht nach Checkliste erfolgen (zum Beispiel HNO-Arzt, Internist, Orthopäde, Neurologe, Radiologe, Labormediziner, Zahnarzt et cetera), sondern gezielt aufgrund der Erfahrung und ausführlichen Anamnese des Arztes.
In der Regel wird ein Ohrgeräusch nur mit 2 bis 10 dB über der jeweiligen Hörschwelle gemessen. Dieses Ergebnis kann in vielen Fällen benutzt werden, dem Patienten verständlich zu machen, dass sein laut empfundenes Ohrgeräusch durch eine zentrale Amplifikation lauter empfunden wird. Um den jeweiligen Leidensdruck zu Æmessen“, haben sich Fragebögen, (zum Beispiel nach Goebel-Hiller) zur globalen psychischen Belastung sowie zur Tinnitusbelastung bewährt. Diese können gut bei der Diagnostik, aber auch zur Therapiekontrolle eingesetzt werden.
Um eine pathologische psychische Reaktion auf den Tinnitus zu diagnostizieren und eine präexistente Komorbidität im psychischen Bereich zu sichern oder auszuschließen, kann nach Ansicht von Eberhard Biesinger, Traunstein, bei dekompensierten Fällen eine psychologische Diagnostik notwendig sein. Sie soll Klarheit darüber bringen, ob fehlende oder nicht initiierte Habituationsmechanismen zu einer Dekompensation mit pathologischer Fixierung auf das Geräusch geführt haben oder ob eine primäre Komorbidität (zum Beispiel primäre Angststörung, primäre Depression) mit sekundärer Verstärkung eines Tinnitus vorliegt. Entscheidend für eine moderne Tinnitusversorgung ist, den Patienten zur psychologischen Diagnostik nicht Æwegzuschicken“, sondern diese zusammen mit der medizinischen Diagnostik durchzuführen. Die Ergebnisse werden in einer Tinnituskonferenz gemeinsam besprochen, wobei die subjektiven Krankheitstheorien mit den Ergebnissen der psychologischen und der ärztlichen Diagnostik in Einklang gebracht werden sollen.
Therapieansätze, meinte Biesinger, zielen zunächst einmal auf die ursächliche Beseitigung der meist im Innenohr liegenden Ätiologie. Zuverlässige Behandlungsverfahren, die im Sinne ei-
ner Differenzialindikation angewendet werden können, stehen allerdings gegenwärtig nicht zur Verfügung. Vielmehr wird man bei Arzneimitteln nach den statistisch am häufigsten zu einem Erfolg führenden Substanzen greifen. Positive Doppelblindstudien liegen bisher nur für Lidocain und Caroverin vor. Lidocain steht in Deutschland zur Verfügung und wirkt offenbar auf Ionenkanäle, wie sie im Innenohr häufig zu finden sind. Caroverin ist ein NMDA-Rezeptor-Blocker (Ehrenberger), der an der Synapse zwischen inneren Haarzellen und afferenten Nervenfasern wirksam ist, in Deutschland allerdings zur Routineversorgung nicht zur Verfügung steht. Weitere wichtige Arzneimittel, für die Doppelblindergebnisse allerdings noch ausstehen, sind Cortison und plasmaviskositätserniedrigende Substanzen.
Der Einsatz der hyperbaren Sauerstofftherapie beruht auf der anatomischen Besonderheit, dass die zellulären Strukturen des Innenohres nicht direkt perfundiert werden. Eine Sauerstoffanreicherung über normobare Verhältnisse hinaus kann nur mittels Steigerung des physikalisch gelösten Sauerstoffs im Gewebe erreicht werden. Dies gelingt, experimentell bestätigt, am Innenohr mithilfe einer hyperbaren Sauerstoffanwendung.
Von den Kritikern der Hyperbarmedizin wird jedoch der Sauerstoffmangel als Ursache vieler Tinnitusbeschwerden infrage gestellt. Auch werden Studien mit Randomisierung und Verblindung erwartet.
Beim häufigen arzneimittelrefraktären, dekompensierten, chronischen, sekundär zentralisierten Tinnitus steht heute die zeitaufwendige neurophysiologische Tinnitus-Bewältigungs-Therapie (TBT, auch: Tinnitus-Care-Therapie, Neurodensibilisierung) im Mittelpunkt. Eine TBT ist eine ärztliche Therapie auf neurophysiologischer Grundlage und umfasst definierte, tinnitusspezifische neurodesensibilisierende Prozeduren, die den Teufelskreis der zentralen Verstärkung durch pathologische Fokussierung auf den Tinnitus im kognitiven Bereich aufbrechen sollen. Hinzu kommen Prozeduren der psychosomatischen Grundversorgung des Arztes.
Etwa 30 evidenzbasierte Prozeduren, zum Beispiel nach Kröner-Herwig, nach Jastreboff oder nach Hazell, stehen zur Verfügung. Beim einzelnen Patienten wird ein Teil dieser Prozeduren diagnosebasiert therapeutisch genutzt. Es handelt sich um einen in der Regel fünf bis 20 Sitzungen umfassenden Therapiezyklus, der zu einer auditiven Umlenkung zum Beispiel mittels physikalischer (Schall) und kognitiver Verfahren führt. Damit kann bei sehr vielen Patienten die zentrale Wahrnehmung (nicht jedoch die tatsächliche periphere Existenz) des Tinnitus herabgesetzt werden, sodass die Lebensqualität, obwohl peripher nicht geheilt, nachhaltig gebessert wird. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist eine Reintegration des Arbeitsunfähigen in die Arbeitswelt möglich.
Desensibilisierung durch neurophysiologisches Counselling
Bei dieser TBT-Komponente wird umfassend aufgeklärt wie und wodurch das Ohrgeräusch entstanden ist. Dieses Verfahren trägt sehr häufig zur emotionalen Desensibilisierung bei. Dem Patienten wird beispielsweise vermittelt, dass Tinnitus keine Krankheit ist, sondern ein Symptom darstellt und kein Grund vorhanden ist, in Panik zu geraten. Ferner wird darauf hingewiesen, dass die eventuell präexistente Komorbidität, welche zum Tinnitus beiträgt, gelöst werden muss. Dem Patienten wird erklärt, dass er lernen kann, sich willentlich auditorisch anderen Ereignissen als dem Tinnitus zuzuwenden (Defokussierung).
Desensibilisierung durch akustisches Retraining
Sich willentlich akustisch anderen Dingen zuzuwenden, das heißt die auditorische Aufmerksamkeit wieder bewusst auf die Umwelt zu richten, dient dem Abbau der Rückkopplung zwischen Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Bei dieser TBT-Komponente sind Geräusch- und Klangtherapie sowie bewusste Aufmerksamkeitslenkung auf Umweltgeräusche erfolgreiche Therapiemöglichkeiten. Dazu werden zum Beispiel Masker (auch Noiser oder Rauschgeräte genannt) in der Tinnitustherapie als akustische Hilfsmittel verwendet. Der Einsatz von solchen Rauschgeräten ist ein Teil der Tinnitus-Retraining-Therapie. Man wendet sich einer externen Schallquelle zu, um sich auf diese Art und Weise kognitiv von der eigenen ÆSchallquelle“, das heißt vom Tinnitus abzuwenden (Training der Aufmerksamkeitsumlenkung). Psychosomatische Therapiekomponenten können zum Beispiel emotionale Defokussierung, die Bewältigung von Komorbiditäten oder die Präventionsberatung sein.
- Heidelberger Neuropsychologin testet erfolgreich Gehirntraining
Heidelberg/London, 20. März (AFP) - Durch intensives Gehirntraining können quälende Ohrgeräusche (Tinnitus) offenbar gelindert werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Heidelberger Neuropsychologin Herta Flor, deren Studie am Samstag im britischen Wissenschaftsmagazin "New Scientist" erscheint. Tinnitus-Patienten leiden unter einem andauernden Ton oder ständigen Geräuschen im Ohr. Flor bringt diesen Ton mit der Vergrößerung eines Teils des "auditorischen Kortex", des Hörzentrums im Gehirn, in Zusammenhang, die sie bei Tinnitus-Patienten feststellte. Eine Verkleinerung dieses Bereichs müsste ihrer Überzeugung nach den andauernden Geräuschpegel im Ohr reduzieren oder gar beseitigen.
Erste Erfolge hatte Flor dabei mit einem Gehirntraining, bei dem die Patienten spezielle Töne unterscheiden müssen. Mit zwei Stunden Training täglich über einen Zeitraum von vier Wochen konnten die Beschwerden bei neun Test-Patienten um 35 Prozent gelindert werden. Jetzt soll eine breiter angelegte Studie die Möglichkeiten dieser neuen Therapieform weiter testen.
www.zi-mannheim.de/neuropsych/lerstnp_abs2.htm +++