Tiefe Beinvenen Thrombose Zurück
engl Bezeichnung + Abkürzungen
Deep-vein thrombosis
pelvic vein thrombosis
tvt = tiefe venen thrombose
Unter einer Venenthrombose versteht man die teilweise oder vollständige Verstopfung einer Vene durch ein Blutgerinnsel = Thrombus.
Bei Befall einer tiefen Vene spricht man von einer Tiefen Venenthrombose.
Davon abzugrenzen ist die meist harmlosere entzündliche Verlegung einer oberflächlichen Vene, was als oberflächliche Thrombophlebitis bezeichnet wird.
Die tiefe Venen Thrombose findet sich vor allem in den Bein - und Beckenvenen.
Einteilung nach der Lokalisation
1-2-3-4 Etagen Thrombose
Wadenvenenthrombose ( 1 Etage )
Wade und Kniekehle ( 2 Etagen )
Wade Kniekehle und Oberschenkel ( 3 Etagen )
Wade Kniekehle, Oberschenkel und Becken ( 4 Etagen )
isolierte Beckenvenenthrombose
Pfortaderthrombose
Armvenenthrombose
oberflächl.Thrombophlebitis
Sinus thrombose im Kopf
Einteilung nach der Zeit
frische Thrombose -
alte Thrombose
Einteilung nach der Ätiologie
spontane Thrombose -
Thrombose als Folge anderer Krankheiten
Einteilung nach der Ausdehnung
umschriebene, kleine Thrombose
ausgedehnte Thrombose zB Mehretagenthrombose
Virchowsche Trias :
Gefäßwandveränderung ,
Blutgerinnungsneigung ,
Stase = Stillstand des Blutflusses
Viele Faktoren können zu einer Venenthrombose beitragen:
1. Verletzung des Venenepithels, z.B.
durch liegende Katheter,
Injektion irritierender Substanzen,
Thrombangiitis obliterans und
septische Phlebitis,
Stumpfe oder scharfe Traumen, auch Bagatelltraumen
Lange Fußmärsche oder ungewohnte körperliche Belastung
Bestrahlung
Entzündliche Prozesse
Phlebographie
2. Hyperkoagulabilität
bei malignen Tumoren,
Blutdyskrasien,
oralen Kontrazeptiva und der
idiopathischen Thrombophlebitis und
3. Blutstase bei
postoperativen und postpartalen Zuständen,
Bettlägerigkeit
Dehydratation
Ruhigstellung einer Extremität zb im Gips
Kompression einer Vene durch einen raumfordernden Prozess
Herzinsuffizienz
Lange Flug oder Autoreisen
Zustand nach tiefer Beinvenenthrombose
Krampfadern
Bei der Entstehung einer tiefen Venenthrombose spielen 3 Faktoren - Stase, Venenwandschädigung und vermehrte Gerinnungsneigung - eine entscheidende Rolle. Unter Stase versteht man dabei die Verlangsamung oder den Stillstand des venösen Rückstroms.
Eine verlängerte Immobilisation der Beine während langer Reisen (besonders bei langen Flügen) ist sogar bei normalen, gesunden Personen ein Risikofaktor. Wahrscheinlich spielen alle diese Faktoren eine Rolle, d.h., durch eine Endothelverletzung wird Kollagen freigelegt, was eine Plättchenaggregation verursacht und Gewebsthromboplastin freisetzt.
Dadurch wird dann bei Vorliegen einer Stase oder Hyperkoagulabilität der Gerinnungsmechanismus ausgelöst.
Die tiefe Venenthrombose (TVT) ist mit einer jährlichen Inzidenz von etwa
3 : 1 000 eine relativ häufige Krankheit.
Verteilung im Körper
93 Prozent untere Körperpartien
1,5 Prozent in den Venen der oberen Extremität.
Verteilung links rechts
Altersverteilung
die Häufigkeit steigt ab 60 steil an
Geschlechtsverteilung
geschätzt 60 % Frauen , 40 % Männer , bei Menschen unter 60 wahrscheinlich höherer Frauenanteil.
saisonale und geografische Einflüße
Raucher - Nichtraucher
Raucher haben häufiger Thrombosen
Risikofaktoren
Rauchen
Pille
lange Unbeweglichkeit einer Extremität
Bettlägrigkeit
Gipsverband
Alter
Tumorkrankheit
Rechtsherzinsuffizienz
Genaue Angaben über die allgemeine Häufigkeit der Venenthrombose liegen nicht vor. In einem unselektionierten Obduktionsgut konnten tiefe Beinvenenthrombosen in einer Häufigkeit bis zu 35% nachgewiesen werden. Ausgehend von der Häufigkeit eines postthrombotischen Syndroms dürfte ca. 7% aller Menschen während ihres Lebens eine tiefe Beinvenenthrombose auftreten, d. h. pro 1000 Menschen muss mit ein bis zwei tiefen Beinvenenthrombosen pro Jahr gerechnet werden.
weißer Thrombus
roter Thrombus
organisierte Thrombose
Pathophysiologie
Symptome und Klinik
Viele Leute merken gar nichts von Ihrer Thrombose !
Umfangsvermehrung des betroffenen Beines
bläuliche Verfärbung (Zyanose) der betroffenen Gliedmaße,
speziell am Bein kommt ein Wadenschmerz (wie bei "Muskelkater"), Wadendruck- und -dehnschmerz hinzu.
tastbare Schwellung in der Wade
Die tiefe Beinvenenthrombose ist eine heimtückische Erkrankung. Die Symptome Schwellung, Schmerz und Rötung sind eher unspezifisch oder können ganz fehlen, sodass die Thrombose insbesondere bei älteren bettlägerigen Patienten oft nicht erkannt wird. Hier führt erst eine plötzlich aus Æheiterem Himmel" auftretende Lungenembolie zur Diagnose. Heimtückisch ist die Erkrankung aber auch, weil viele Menschen einen Gendefekt haben, welcher spontan oder in Risikosituationen eine Thrombose induzieren kann. Deshalb ist für die Praxis wichtig, auch bei unspezifischen Beschwerden die Möglichkeit einer Venenthrombose in Betracht zu ziehen.
Bei der Diagnostik hat die Sonographie in den letzten Jahren die Phlebographie weitgehend verdrängt, aber auch in das Behandlungskonzept ist erhebliche Bewegung gekommen.
Diagnostik
Anamnesefragen
Körperliche Untersuchung
Der tastbefund bei TVT ist wenig verläßlich .
Labor
Gerinnungsparameter
Blutbild
D-Dimer = das "lösliche Fibrin"
Dieser Nachweis von Fibrinkomplexen und Fibrinabbauprodukten kann zwar nicht zwischen einer Gerinnungsaktivierung und einer Fibrinolyseaktivierung unterscheiden, hat sich aber trotzdem in der Praxis als aussagekräftig zum Ausschluß einer Thrombose erwiesen.
Der 125-Jod-Fibrinogen- uptake-Test spielt wegen der geringen Sensitivität bei proximalen Thrombosen, der geringen Spezifität und der Gefahr der Übertragung infektiöser Partikel in der täglichen Routine keine Rolle mehr.
Sonstige Verfahren
Bei der Diagnostik der TVT hat die Sonographie in den letzten Jahren die Phlebographie weitgehend als ersteingesetzte Methode verdrängt.
Ultraschall ( schnell und gut) je nach Qualität des Gerätes
( Kompressionssonographie + Doppler + Farbdoppler)
gut in der Leiste
gut am OS
gut in der Kniekehle
gut bei der externen Beckenvenen
gut bei oberflächlicher Thrombophlebitis
gut bettseitig
nicht so gut am Unterschenkel
nicht so gut an der V.iliaca communis
nicht so gut bei Untersuchung unter Zeitdruck
nicht so gut bei ungeübtem Untersucher
nicht so gut bei Verbänden und Wunden
Phlebografie
etwas aufwendiger , bei bestimmten Fragestellungen immer noch sehr gut
gut am US und Kniekehlenbereich
gut beim postthrombotischen Syndrom
CT gut bei Beckenvenen und bei Lungenembolie
gut bei Pfortaderthrombose
( kann thrombosierte Abdominal- und Beckenvenen sicher identifizieren )
sie besitzt deutliche Vorteile gegenüber der Phlebographie in der Darstellung
großer Venen, der Differenzierung zwischen frischen und alten Thromben
sowie der Abgrenzung umgebender Strukturen )
Andere Methoden (Radionuklid-Venographie,
thermographische Verfahren, Messung des Venendrucks, transkutane
Sauerstoffdruckmessung und Laser-Doppler- Flowmetrie) befinden sich
im experimentellen Stadium oder tragen nicht wesentlich zur
Diagnose der tiefen Beinvenenthrombose bei.
Differential Diagnostik
periphere Ödeme
Bakerzyste
geplazte Bakerzyste
Hämatom
posttraumatische Schwellungen
Kompression von außen durch
- Tumor
- retroperitoneale Fibrose
- Aneurysma
- Muskelhämatom
- Baker-Zyste
- beengende Bandagen
- Leistenhernie
- Kavakompression bei Leberzirrhose
Insuffizienz der Muskelpumpe bei Paresen
primäres und sekundäres Lymphödem
Erysipel
hereditäres Angioödem
kardiale Ödeme
Ödem unklarer Ätiologie
Myositis ossificans
Akute Arthritis oder Hämarthrose des Knies
rasch wachsendes Sarkom
Abschnürung (z. B. Selbststau)
Bilder
Therapie
Kompression
allgemein üblich ist eine Kompression mit Kurzugbinden
nach Abschwellung des Beines Kompression mit angepassten
Kompressionsstrümpfen
Kurzzug - Langzug - Strümpfe - keine Kompression
wo kann man einen randomisierten Vergleich zwischen diesen
Verfahren nachlesen ?
Bettruhe
keine Bettruhe bei 1 oder 2 Etagenthrombose
strenge Bettruhe bei Thrombose und Lungenembolie
um den Sauerstoffverbrauch zu senken und das Herz zu
entlasten
Bettruhe bei Zusatzerkrankungen wie Herzinsuffizienz
ja - nein
ab welcher Höhe steigt die LE rate unter Mobilisation an ?
läßt sich die Mortalität und Lungenembolierate durch Bettruhe
senken ?
stationäre Krankenhausaufnahme
sinnvoll bei Lungenemboliegefährdung
( bei 3 und 4 Etagenthrombose ,
bei Thrombose und V.a. Lungenembolie )
nicht sinnvoll bei 1 oder 2 Etagenthrombose ,
es sei denn eine LE hat stattgefunden
läßt sich die Mortalität und Lungenembolierate durch die
Krankenhausaufnahme senken ?
Heparin sc
zb 3 * 10000 sc
niedermolekulares Heparin sc
gewichtsbezogen zb 0,5 - 0,8 ml Fraxiparin
50 kg ==> 0,5 ml
60 kg ==> 0,6 ml
70 kg ==> 0,7 ml
80 kg ==> 0,8 ml
Heparin iv
30000 E / 24 h bis 40000 E/ 24h im Perfusor
PTT sollte auf das 2 - 3 fache der Norm erhöht sein
Marcumar nach 2 Tagen beginnen, falls keine Kontraindikation
Marcumar Dauer
6 Monate TVT
12 Monate Lungenembolie
Ziel Quickwert 20 - 40 %
Lyse zb mit SK 9 Mio E in 6 h oder SK 1,5 Mio E in 1 h
bei (3) 4 Etagenthrombose
bei zusätzlicher Lungenembolie
bei jungem Patienten
bei Phlegmasia Coerulea
bei vorgeschädigter Lunge ,der man keine zusätzliche Belastung mehr zumuten kann
keine Lyse
bei Kontraindikation zur Lyse
frischer OP , Schwangerschaft, Entbindung
frisches Ulkus
bei 1 und 2 Etagen TVT
bei Apoplexgefährdung
bei sehr alten Patienten
bei TU Patienten
bei arteriellen Punktionen
Lyse der TVT
Lyse der TVT bei ausgedehnter Mehretagen Thrombose und Ausschluß von Kontraindikationen
SK : 9 Mio SK in 6 Stunden , ( 6 * HI Lyse ) meist an 3 tagen notwendig
oder Actilyse 0,05 mg / kg / h über 24 Stunden + Heparin
bei 80 kg ==> 4 mg / Stunde
Das Dogma von der Notwendigkeit einer strengen Bettruhe ist ins Wanken geraten, die Thrombolyse wird immer zurückhaltender eingesetzt und die Einführung der niedermolekularen Heparine hat die antithrombotische Therapie effektiver und sicherer gemacht. Die stationäre Behandlung kann deutlich verkürzt werden und ist in Einzelfällen sogar überflüssig - ein Gesichtspunkt von großer gesundheitsökonomischer Bedeutung.
Verlauf
ohne Therapie
geschätzte klinisch relevante Lungenembolierate
geschätzte Letalität im typischen intern.Krankengut
unter Standardtherapie
geschätzte klinisch relevante Lungenembolierate ca 2 - 3 %
geschätzte Letalität ca 1 % im typischen intern.Krankengut
Komplikationen
Lungenembolie
postthrombotisches Syndrom
Blutungen
HIT und HAT
( Heparin induzierte oder assozierte Thrombose)
Die wichtigste Frühkomplikation ist die Lungenembolie, die in über 95
Prozent durch eine Phlebothrombose verursacht wird. Das Risiko
der Lungenembolie nimmt mit der Ausdehnung der Thrombose zu. Die Hälfte
der Patienten mit einer proximalen Beinvenenthrombose haben eine
Lungenembolie, die meist oligo- oder asymptomatisch ist.
Zudem erleiden ein Drittel der Patienten, die der Diagnose der
Thrombose entgehen und nicht behandelt werden, symptomatische
Lungenembolien. Bei der Armvenenthrombose kommt es in weniger als zwei
Prozent zu einer Lungenembolie. Relevante Spätkomplikation der
Beinvenenthrombose ist das postthrombotische Syndrom, das nach 10 bis 15
Jahren bei 40 bis 60 Prozent der konventionell therapierten Patienten zu
beobachten ist. Bei jedem zehnten Patienten mit Beinvenenthrombose
entwickelt sich ein Ulcus cruris (20, 88).
Fälle
junge Frau mit Bein + BeckenvenenTVT in der Schwangerschaft
nach 15 Jahren typisches Postthrombotische Syndrom mit sekundärer
Varikosis
Kalkstreifen in der Vena femoralis
junge Frau mit LE und TVT bei Pille und Rauchen
( Krankenschwester , erfolgreich lysiert )
junge Frau mit Beckenvenenthrombose nach Appendizitis
Lungenembolie
guter konservativer Verlauf
Beinvenenthrombose und Lyse
Problemstellung: Bei einem 30jährigen Patienten besteht eine frische
Thrombose (Symptomatik seit 4 Tagen) des gesamten linken Beines, bis ins
Becken reichend, ausgelöst durch eine Immobilisierung nach
Sprunggelenksfraktur. Was tun?
Antwort: Beim Patienten besteht möglicherweise eine Lyseindikation
(Alter<60, 3-Etagen-Thrombose, keine KI). Empfehlenswert ist eine
Streptokinase-Lyse mit 9 Mio. I.E. Streptokinase über 6 h (d.h. 1,5 Mio. I.E./h)
und anschließend einer 18stündigen Pause. Nach Ende der Lysephase sollte
2-stündlich die PTT kontrolliert werden, wenn sie unter 90 sec. fällt, sollte mit
einer Vollheparinisierung begonnen werden (PTT zwischen 60 und 70
sec.). Die Lyse kann bis zu 5mal wiederholt werden unter täglicher
Venendoppler-Kontrolle des Befundes. Die Chance einer Wiedereröffnung
der Beinvenen liegt bei etwa 50%, das Blutungsrisiko bei 1%. Die Patientin
muß vor Behandlungsbeginn über das ca 0,5%ige Risiko einer Hirnblutung
aufgeklärt werden. Ohne Lyse ist das langfristige Risiko (10 bis 20 Jahre)
eines postthrombotischen Syndroms bei ca. 10-20%.
Experten + Krankenhäuser
Partsch
Breddin
Diehm
und viele mehr
Selbsthilfegruppen
Literatur
NEJM
1996: Volume 334:
Hyperhomocysteinemia as a risk factor for deep-vein thrombosis
NEJM 334 (12):759
den Heijer M, Koster T, Blom HJ, Bos GMJ, Briuet E, Reitsma PH,
Vandenbroucke JP, Rosendaal FR
Comparison of low-molecular-weight heparin administered primarily at
home with unfractionated heparin administered in the hospital for
proximal deep-vein thrombosis
NEJM 334 (11):677
Levine M, Gent M, Hirsh J, Leclerc J, Anderson D, Weitz J, Ginsberg J,
Turpie AG, Demers C, Kovacs M, Geerts W,
Kassis J, Desjardins L, Cusson J, Cruickshank M, Powers P, Brien W, Haley
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Deep-vein thrombosis
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Diagnosis of deep-vein thrombosis
NEJM 1994: Volume 330: (12):863 - Correspondence
Moser KM, Fedullo PF, Heijboer H, Buller HR, ten Cate JW
Low-molecular-weight heparin vs. warfarin for prophylaxis against deep-vein
thrombosis
NEJM 1994: Volume 330: (12):862 - Correspondence
Hirsh J, Lotke PA, Ecker ML, Hull RD, Pineo GF
Diagnosis and treatment of deep-vein thrombosis
NEJM 1993: Volume 329 (19):1418 - Editorial
Verstraete M
Comparison of subcutaneous low-molecular-weight heparin with warfarin
sodium for prophylaxis against deep-vein
thrombosis after hip or knee implantation
NEJM 1993: Volume 329 (19):1370
Hull R, Raskob G, Pineo G, Rosenbloom D, Evans W, Mallory T, Anquist K,
Smith F, Hughes G, Green D, Elliott CG,Panju A, Brant R
Comparison of real-time compression ultrasonography with impedance
plethysmography for the diagnosis of deep-vein
thrombosis in symptomatic outpatients
329 (19):1365
Heijboer H, Buller HR, Lensing AWA, Turpie AGG, Colly LP, ten Cate JW
Deep-vein thrombosis and the incidence of subsequent symptomatic
cancer
NEJM 1992: Volume 327: (16):1128
Prandoni P, Lensing AWA, Buller HR, Cogo A, Prins MH, Cattelan AM,
Cuppini S, Noventa F, ten Cate JW
Deficiencies of coagulation-inhibiting and fibrinolytic proteins in
outpatients with deep-vein thrombosis
NEJM 1990: Volume 323: (22):1512
Heijboer H, Brandjes DPM, Buller HR, Sturk A, ten Cate JW
A Comparison of Low-Molecular-Weight Heparin Administered Primarily
at Home with Unfractionated Heparin Administered in the Hospital for
Proximal Deep-Vein Thrombosis
Mark Levine, Michael Gent, Jack Hirsh, Jacques Leclerc, David Anderson,
Jeffrey Weitz, Jeffrey Ginsberg, Alexander G.
Turpie, Christine Demers, Michael Kovacs, William Geerts, Jeanine Kassis,
Louis Desjardins, Jean Cusson, Moira
Cruickshank, Peter Powers, William Brien, Susan Haley, Andrew Willan
Abstract
Background. Patients with acute proximal deep-vein thrombosis are usually
treated first in the hospital with intravenous standard (unfractionated)
heparin. However, the longer plasma half-life, better bioavailability after
subcutaneous administration, and more predictable anticoagulant response
of low-molecular-weight heparins make them attractive for possible home
use. We compared these two approaches.
Methods. Patients with acute proximal deep-vein thrombosis were randomly
assigned to receive either intravenous standard heparin in the hospital (253
patients) or low-molecular-weight heparin (1 mg of enoxaparin per kilogram of
body weight subcutaneously twice daily) administered primarily at home (247
patients). The study design allowed outpatients taking low-molecular-weight
heparin to go home immediately and hospitalized patients taking low-
molecular-weight heparin to be discharged early. All the patients received
warfarin starting on the second day.
Results. Thirteen of the 247 patients receiving low-molecular-weight heparin
(5.3 percent) had recurrent thromboembolism, as compared with 17 of the
253 patients receiving standard heparin (6.7 percent; P = 0.57; absolute
difference, 1.4 percentage points; 95 percent confidence interval, -3.0 to 5.7).
Five patients receiving low-molecular-weight heparin had major bleeding, as
compared with three patients receiving standard heparin. After
randomization, the patients who received low-molecular-weight heparin spent
a mean of 1.1 days in the hospital, as compared with 6.5 days for the
standard-heparin group; 120 patients in the low-molecular-weight-heparin
group did not need to be hospitalized at all.
Conclusions. Low-molecular-weight heparin can be used safely and
effectively to treat patients with proximal deep-vein thrombosis at home.
(N Engl J Med 1996;334:677-81.)
( Fragen zu diesem Artikel:
Wie wurde die TVT diagnostiziert, Wie ausgedehnt waren die Thrombosen ?
Welche Todesfälle traten auf ? )
Societies
The International Society on Thrombosis and Haemostasis is a non-profit
organization with over 2,000 members from 50 countries. It is based in North
Carolina (U.S.A.) at the Chapel Hill School of Medicine.
The Danish Society on Thrombosis and Haemostasis was initiated in
December 1993. DSTH is comprises over 200 active members from all over
Denmark, including 19 corporate members.
Research Groups
The Thrombosis Research Homepage is run out of Mount Sinai hospital.
The Sol Sherry Thrombosis Research Center has links to thrombosis
information for both physicians and the general public.
Images
For a large collection of thrombosis images check the Atherosclerosis and
Thrombosis Index from the WebPath, an "electronic laboratory" offering over
1800 archived images demonstrating gross and microscopic pathologic
findings associated with human disease states.
Urbana Atlas of Pathology
University of Illinois College of Medicine at Urbana-Champaign. This
resource was created for medical students, and contains many online
pictures of actual thrombosis cases.
Try the following:
Artery aneurysm, thrombosis, aneurysm
Abdominal aorta, aneurysm, thrombosis
Liver, tumor embolus
Lung embolus
Journal Searches
American Medical Association - Journal Search
The American Medical Association's online service requires that you register
with them (no charge is involved.) At this site you can search the abstracts of
journals published by the AMA, including the Journal of the American Medical
Assocation. Some articles are available in full.
Internetquellen
Geschichte der Krankheit
Diskussion und Fragen,Anmerkungen
Die Gretchen Frage der TVT :
Wie sinnvoll ist die Bettruhe ?
Wann muß ein Pat mit TVT Bettruhe einhalten ?
Wann darf er wieder mobilisiert werden ?
Soll eine TVT abschnürend gewickelt werden ?
Was ist die oberflächliche Thrombophlebitis für eine Entzündung ? bakteriell ? welche Bakterien ?
Wie häufig ist die isolierte Beckenvenenthrombose im Vergleich zur
OS,Poplitea und US Thrombose ?
Kurzzug - Langzug - Strümpfe - keine Kompression
wo kann man einen randomisierten Vergleich zwischen diesen Verfahren
nachlesen ?
Wer hat mehr Thrombosen , Frauen oder Männer ?
Wie ist die Altersverteilung tödlicher Lungenembolien ?
Wie ist die Geschlechtsverteilung tödlicher Lungenembolien ?
Wie ist die Einteilung nach Ursprungsgebiet der tödlichen LEs ?
Wie ist die Li - Re Verteilung tödlicher LEs ?
Wie häufig sind Beckenvenenthrombosen bei der Phlebo und wie häufig bei der US Untersuchung ?
Wie hoch ist die Mortalität der frischen TVT im zeitlichen Verlauf nach Diagnosestellung ?
Wie hoch ist die Lungenembolierate der frischen TVT im zeitlichen Verlauf nach Diagnosestellung ?
Ist die oberflächliche Thrombophlebitis eine bakterielle oder eine abakterielle
Entzündung ?
wenn bakteriell , woher kommen die Bakterien , wie kommen sie an die betroffene Stelle und wie bleiben sie dort haften
wenn nicht bakteriell : Wie kann man sich den Pathomechanismus der Entzündung vorstellen
wie wird die Entzündung getriggert
Ist es sinnvoll die TVT nach dem Einmündungsgefäß oberhalb dem es wieder einen freien Fluß gibt zu benennen ?
Stichworte
Orginaltexte:
MSD Manual 5
Vorhandensein eines Thrombus in einer Vene.
Sieht man von den varikösen Venen ab, so sind die häufigsten venösen Erkrankungen, die den Patienten zum Arzt führen, die tiefe Venenthrombose, die Thrombophlebitis und die Folgen der chronisch-venösen Insuffizienz - Ödem, Stauungspigmentierung, Stauungsdermatitis und Stauungsulkus.
Außer der tiefen Wandvenenthrombose, bei der eine Venographie oder eine Markierung mit radioaktivem Fibrinogen notwendig ist, sind diese Erkrankungen in der Regel leicht zu diagnostizieren. Eine Thrombophlebitis ist eine akute Erkrankung, bei der sich die Symptome innerhalb von Stunden oder 1-2 Tagen entwickeln. Der Krankheitsprozeß ist im allgemeinen in sich begrenzt und dauert zwischen 1 und 2 Wochen, wenn der akute Prozeß abklingt und die schmerzhaften Symptome verschwinden.
Die Bezeichnungen Phlegmasia alba dolens und Phlegmasia coerulea dolens werden für eine ausgedehnte Thrombose der betroffenen Extremität benutzt (in Abhängigkeit von deren Hautfarbe). Der erste Begriff ist
veraltet und heute durch den der Ileofemoralthrombophlebitis ersetzt. Der
zweite Terminus ist weiterhin im Gebrauch und bedeutet eine massive
Venenthrombose, die oft zu einer venösen Gangrän und möglicherweise zum
Tod durch die zugrundeliegende Erkrankung, z.B. ein disseminiertes
Malignom, führen kann. Eigen- und Beinamen sind im Gebrauch, um
Venenthrombosen in bestimmten anatomischen Abschnitten zu beschreiben:
Die Mondorsche Erkrankung bedeutet eine Thrombose der oberflächlichen
Venen über der Milchdrüse oder der angrenzenden Brustwand, das Budd-
Chiari-Syndrom kennzeichnet die Folgen einer Leber-Venen-Thrombose,
die Phlebitis migrans stellt eine rezidivierende Venenthrombose,
vorwiegend der oberflächlichen Venen, gelegentlich aber auch der tiefen
Venen im Bereich der Extremitäten und anderer Körperabschnitte dar und ist
dann in der Regel die Folge eines zugrundeliegenden Malignoms. Die
'Effort'-Thrombose entwickelt sich in der Vena subclavia aufgrund einer
Venentraumatisierung im Bereich der oberen Thoraxapertur bei
ungewöhnlichen körperlichen Anstrengungen, bei denen der Arm vollständig
abduziert wird. Eine ischämische Phlebitis ist die Folge einer
Intimaschädigung, welche durch die Einführung eines Katheters oder
schädlicher Stoffe direkt in die Vene verursacht wird. Eine 'chronische
Thrombophlebitis' gibt es nicht. Thrombosen im Bereich der Beckenvenen,
der Mesenterialvenen, der Vena portae, der Nierenvenen, der Jugular- und
Mediastinalvenen werden hier nicht besprochen.
Ätiologie
Viele Faktoren können zu einer Venenthrombose beitragen:
1. Verletzung des Venenepithels, z.B.
durch liegende Katheter,
Injektion irritierender Substanzen,
Thrombangiitis obliterans und
septische Phlebitis,
2. Hyperkoagulabilität
bei malignen Tumoren,
Blutdyskrasien,
oralen Kontrazeptiva und der
idiopathischen Thrombophlebitis und
3. Blutstase bei
postoperativen und postpartalen Zuständen,
der varikösen Thrombophlebitis und der
Thrombophlebitis, die komplizierend nach langer Bettruhe bei
chronischen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Schlaganfall
und Trauma auftreten kann.
Eine verlängerte Immobilisation der Beine während langer Reisen
(besonders bei langen Flügen) ist sogar bei normalen, gesunden Personen
ein Risikofaktor. Wahrscheinlich spielen alle diese Faktoren eine Rolle, d.h.,
durch eine Endothelverletzung wird Kollagen freigelegt, was eine
Plättchenaggregation verursacht und Gewebsthromboplastin freisetzt.
Dadurch wird dann bei Vorliegen einer Stase oder Hyperkoagulabilität der
Gerinnungsmechanismus ausgelöst.
Pathophysiologie
Die meisten Venenthrombosen beginnen als ein Plättchennidus in
den Klappensegeln der tiefen Wadenvenen. Gewebsthromboplastin wird
freigesetzt, es bildet sich Thrombin und Fibrin, welches Erythrozyten
einlagert und damit nach proximal als roter Thrombus fortschreitet. Der rote
oder Fibrinthrombus ist morphologisch die überwiegende venöse Läsion. Der
weiße oder Plättchenthrombus ist die Hauptkomponente der meisten
arteriellen Läsionen. Die Entstehung und das Wachsen des Fibrinthrombus
können durch Antikoagulanzien wie Heparin oder Cumarinderivate verhindert
werden. Bisher ist nicht gezeigt, daß auch der Plättchenanteil des Thrombus
durch diese Substanzen in der üblichen therapeutischen Dosierung
beeinflußt werden kann. Darüber hinaus haben
Plättchenaggregationshemmer ebenfalls keine überzeugende Wirkung
gezeigt, obgleich sie derzeit ausgiebig untersucht werden.
Symptomatik
Die tiefe Venenthrombose kann asymptomatisch sein oder kann sich
im betroffenen Abschnitt durch verschiedene Kombinationen von Spannung,
Schmerz, Ödem, Wärme, bläulicher Verfärbung oder Hervortreten der
oberflächlichen Venen manifestieren. Bei Patienten mit tiefer
Thrombophlebitis im Bereich der Vena poplitea, Vena femoralis und Vena
iliaca kann ein Spannungsgefühl bestehen, und eine harte Schnur kann über
dem betroffenen Venenverlauf im Femoralisdreieck der Leiste, im medialen
Oberschenkelabschnitt oder in der Kniekehle tastbar werden. Bei der
Ileofemoralvenenthrombose treten in der Regel dilatierte oberflächliche
Kollateralvenen über dem Bein, dem Oberschenkel, der Hüftregion und dem
Unterbauch in Erscheinung. Bei der Untersuchung am Krankenbett kann man
die entsprechende Diagnose stellen, jedoch kommt es zu Schwierigkeiten bei
der Diagnose der tiefen Wadenvenenthrombose.
Da mindestens drei Hauptvenen dieses Gebiet drainieren, führt die
Thrombose nur einer Vene nicht zur venösen Stauung und so nicht zu
Schwellung, Hautzyanose oder dilatierten oberflächlichen Venen. Der Patient
klagt über Empfindlichkeit oder Schmerzen beim Stehen und Gehen, was
sich in der Regel durch Ruhe und Beinhochlagerung bessern läßt. Bei der
Untersuchung kann man eine Empfindlichkeit der tiefen Wadenmuskulatur
feststellen, jedoch ist eine Differenzierung von Muskelschmerzen oft
schwierig. Schmerzen muskulären Ursprungs machen sich bei Dorsalflexion
im Sprunggelenk bei gebeugtem Knie nicht oder kaum bemerkbar, sind
jedoch bei einer Dorsalflexion im Sprunggelenk und gleichzeitig gestrecktem
Knie oder angehobenem gestrecktem Bein maximal ausgeprägt (Homan-
Zeichen), deshalb ist dieser Test bei positivem Ausfall ein unsicheres
Zeichen für eine tiefe Beinvenenthrombose. Gelegentlich kann eine massive
tiefe Venenthrombose von einem Verlust der peripheren arteriellen Pulse
begleitet sein, jedoch kann eine Venenthrombose auch sekundär nach einem
akuten arteriellen Verschluß entstehen.
Oberflächliche Thrombophlebitis:
Eine thrombosierte oberflächliche Vene kann immer als eine lineare,
verhärtete Schnur getastet werden. Sie kann mit einer variablen
Entzündungsreaktion einhergehen, die sich durch Schmerzen,
Berührungsempfindlichkeit, Erythem und lokale Überwärmung zeigt. Der
Befund muß von einem akuten sekundären Lymphödem mit Infektion (s.
Lymphödem unten) unterschieden werden. Die Palpation einer Schnur im
Bereich der Wade zeigt den Verschluß einer oberflächlichen Vene an; die
Folgerung, daß dieser Befund per se eine tiefe Venenthrombose anzeigt, ist
nicht gerechtfertigt, da dies selten vorkommt.
Die chronisch-venöse Insuffizienz im Bein als Folge einer tiefen
Thrombophlebitis manifestiert sich durch Ödembildung und Dilatation oder
oberflächliche Venen. Der Patient kann entweder über Stauungsgefühl,
Schmerzen oder Müdigkeit im Bein klagen oder beschwerdefrei sein. Die
Beschwerden können im Stehen oder im Gehen auftreten und werden durch
Ruhe und Hochlagerung gebessert. Es findet sich keine Druckempfindlichkeit
über den tiefen Venen, die eine akute Thrombophlebitis anzeigen würde,
aber gewöhnlich kann aus der Anamnese eine frühere tiefe Thrombophlebitis
eruiert werden. Das Stase-Syndrom tritt bei Patienten mit chronisch-venöser
Insuffizienz auf, wenn das Ödem nicht durch eine elastische Stütze adäquat
behandelt wird. Im Lauf der Zeit kommt es zur Hautpigmentierung am Innen-
und manchmal auch am Außenknöchel und im unteren Beinabschnitt.
Weitere Komplikationen stellen Stauungsdermatitis und Stauungsulkus in
diesen Gebieten dar. Bei Patienten mit chronisch-venöser Insuffizienz
können Varizen entstehen, jedoch sind diese Folge der tiefen
Venenthrombose, häufig nicht sehr ausgeprägt, und haben die Funktion von
Kollateralgefäßen. Außer bei schweren Formen sollten sie chirurgisch nicht
entfernt werden. Die Symptomatik der Varizen wird weiter unten getrennt
besprochen.
Diagnostik
Die klinische Untersuchung erlaubt in der Regel eine Unterscheidung
zwischen akutem arteriellem und venösem Verschluß. Alle Fragen können
durch nichtinvasive Untersuchungen und, falls nötig, durch eine
Arteriographie oder Phlebographie beantwortet werden. In mehr als 50% der
Fälle läßt sich die Diagnose einer akuten, tiefen Venenthrombose allein
durch den klinischen Lokalbefund nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit
stellen. Bei der Diagnosestellung sollte man sich auf das Homansche
Zeichen nicht verlassen, und Ödeme können auch andere Ursachen haben.
Spezifische Befunde an den Gliedmaßen (z.B. Ödem, dilatierte oberflächliche
Venen), Zeichen einer Lungenembolie sowie das klinische Gesamtbild unter
Einschluß der Risikofaktoren (weiter oben unter Ätiologie genannt) erlauben
dem Arzt im Einzelfall, die Wahrscheinlichkeit einer tiefen Venenthrombose
abzuschätzen. Nichtinvasive Untersuchungen können hilfreich sein. Sofern
Zweifel bestehen, sollte eine Phlebographie durchgeführt werden. Nach
Lungenembolien kann man mittels der Lungenperfusionsszintigraphie
oder der Pulmonalisangiographie suchen. Das Übersehen einer
bestehenden Phlebitis kann den Tod durch Lungenembolie zur Folge haben,
andererseits kann die Verordnung von Antikoagulanzien ohne den Nachweis
eines intravaskulären Thrombus mittels Phlebographie oder
Perfusionsszintigraphie das Risiko einer ernsthaften Blutung in sich tragen.
Die Kontrastphlebographie ist die genaueste diagnostische Methode. Sie
wird viel genutzt, Komplikationen sind selten.
Eine Isotopenphlebographie kann durch Injektion von Natrium-Pertechnetat
(Tc 99m) in eine periphere Vene und Aufnahme des Beins mit einer Gamma-
Kamera durchgeführt werden. Diese Methode ist weniger schmerzhaft und
schneller durchzuführen, hat zwar nicht das Auflösungsvermögen der
konventionellen Phlebographie, ist jedoch eine wertvolle Alternative bei dem
Patienten, der Kontrastmittel nicht verträgt. Das Scanning nach Injektion von
125Jod-markiertem Fibrinogen stellt eine sehr empfindliche Screening-
Methode bei der tiefen Waden-, Popliteal- und distalen
Oberschenkelthrombose dar. Begrenzt wird der Einsatz dieser Methode
dadurch, daß die Schilddrüse blockiert werden muß, was einen Zeitraum von
24-36 h erfordert, und daß die Gabe von Heparin verzögert werden muß, da
eine aktive Thrombenbildung zur Inkorporation des Isotops notwendig ist. Da
außerdem Jod-125-Fibrinogen in Blut und Exsudat erscheint, ist diese
Methode nicht zuverlässig, wenn im Bereich des Beines heilende Wunden
oder Hämatome vorliegen, außerdem ist ein Nachweis von Thromben im
proximalen Oberschenkel- oder Beckenbereich nicht möglich. Nichtinvasive
Maßnahmen sind weniger genau als die Venographie, können aber in
Kombination in 90-95% der Fälle diagnostisch sein.
Doppler-Ultraschall erlaubt dem Untersucher, in verschiedenen
Abschnitten einer Extremität charakteristische Änderungen der spontanen
Flußgeräusche zu erkennen, die aufgrund einer neu aufgetretenen
kompletten Obstruktion der proximalen Venen (Vena poplitea und weiter
proximal gelegene Venen) zu hören sind. Der Untersucher horcht über der
Vena femoralis im Bereich der Leiste, der Innenseite des Oberschenkels und
der Kniekehle. Die normalen Geräusche ähneln dem des 'heulenden Windes'
und nehmen mit der Atmung zu und ab. Unterhalb eines Verschlusses
verschwindet die Atemschwankung, abnorme Geräusche können durch ein
Valsalva-Manöver nicht behoben bzw. durch die Beendigung eines Valsalva-
Manövers nicht verstärkt werden. Oberhalb des Verschlusses geht die
Verstärkung des venöses Geräusches durch distale Muskelkompression
(distale Oberschenkel oder Wade) verloren. Um verläßliche Resultate zu
erzielen, setzt diese Methode gründliche Übung voraus. Bei länger
zurückliegenden Erkrankungen mit gut ausgebildetem Kollateralkreislauf ist
eine solche Prüfung weniger zuverlässig. Thrombosen im Bereich der Wade
oder venöser Nebenäste sind damit nicht nachweisbar, da sie zu keiner
Verlegung des venösen Rückstroms führen. Eine negative Ultraschall-
Untersuchung reicht nicht aus, um eine tiefe Venenthrombose bei Vorliegen
verdächtiger klinischer Befunde zuverlässig auszuschließen. Die farbkodierte
Doppleruntersuchung ist eine neue Methode, um eine Venenthrombose mit
einer Genauigkeit, die an eine Phlebographie herankommt, festzustellen. Die
Dopplerdarstellung wird die Methode der Wahl zum Screening einer
Venenverschlußerkrankung.
Mit Hilfe der Plethysmographie läßt sich die Diagnose eines
thrombotischen Verschlusses von großen Gliedmaßenvenen mit akzeptabler
Genauigkeit stellen. Eine Unterschenkelvenenthrombose kann sie nicht
feststellen. Die Abnahme der venösen Volumenkapazität und der
Abflußgeschwindigkeit durch einen thrombotischen Verschluß einer
proximalen Vene führt sowohl zu Veränderungen der elektrischen Impedanz
als auch des Volumens und der Abflußgeschwindigkeit. Diese
Veränderungen können mit annähernd 95%iger Genauigkeit mit
entsprechenden Geräten gemessen werden: d.h. mit einem
Impedanzplethysmographen, einer Pulsvolumenregistrierung, der
Phleborheoplethysmographie sowie der
Quecksilberdehnungsstreifenplethysmographie. Die Plethysmographie ist
nichtinvasiv, relativ preisgünstig, setzt eine minimale Kooperation des
Patienten voraus und kann von einem geübten technischen Assistenten
durchgeführt werden. Häufig werden diese Methoden zusammen mit dem
Doppler-Ultraschall-Verfahren angewandt, die Kombination verbessert die
Genauigkeit der Diagnose. Patienten können behandelt werden, wenn einer
dieser beiden Tests positiv ist. Falls die Untersuchungsergebnisse negativ
ausfallen und eine tiefe Venenthrombose weiterhin vermutet wird, sollte eine
Phlebographie durchgeführt werden.
Prognose
Die tiefe Venenthrombose ist in der Regel benigne, endet gelegentlich
aber mit einer tödlichen Lungenembolie oder als chronisch-venöse
Insuffizienz. Eine oberflächliche Phlebitis allein führt, auch wenn sie
rezidivierend auftritt, nicht zu diesen ernsten Komplikationen, wenngleich
nichtletale Lungenembolien vereinzelt von oberflächlichen Venen
ausgegangen sein sollen. Die Möglichkeit einer septischen Phlebitis besteht
immer dann, wenn ein septischer Prozeß im Bereich der Extremität distal
oder auf Höhe des Venenverschlusses vorliegt. Septische Thromben können
getrennt vom infektiösen Fokus entstehen oder aber per continuitatem als
Teil einer infektiösen Gewebsentzündung auftreten.
Obwohl eine enge Beziehung zwischen oberflächlichen wie tiefen
Phlebitiden und Malignomen besteht, ist der Mechanismus unklar. Die
meisten klinisch festgestellten Fälle einer tiefen Phlebitis sind jedenfalls nicht
mit einem Malignom vergesellschaftet. Wenn das Tumorleiden den einzigen
Risikofaktor bei einem Patienten mit oberflächlicher oder tiefer
Venenthrombose darstellt, ist der maligne Prozeß fast ausnahmslos weit
fortgeschritten.
Prophylaxe (s. Kap. LUN, 9.)
Therapie
Eine oberflächliche Thrombophlebitis erfordert keine spezifische
Therapie, sondern nur Maßnahmen zur Behandlung der Beschwerden.
Warme Kompressen auf den betroffenen Venen und nichtsteroidale
entzündungshemmende Medikamente, z.B. Indometacin 25-50 mg viermal
täglich oral, sind wirksam. Eine Hospitalisation ist unnötig, und Antibiotika
werden nicht gebraucht. Bei einer tiefen Beinvenenthrombose ist das Ziel der
Behandlung die Verhinderung einer Lungenembolie (s. Kap. LUN, 9.) und der
chronisch venösen Insuffizienz. Bei Diagnose einer akuten tiefen
Venenthrombose sollte der Patient stationär aufgenommen,
heparinisiert und sein Bett am Fußende 15 cm hochgestellt werden. Die
Benutzung von Toilette oder Nachtstuhl kann sofort erlaubt werden. Als
Analgetika sollten Aspirin oder andere Substanzen, die mit der normalen
Plättchenfunktion interferieren, nicht angewandt werden. Medikamente wie
Phenylbutazon oder Kortikosteroide sind ebenfalls nicht routinemäßig
indiziert, Antibiotika sollten nur bei spezifischen Infektionen verabreicht
werden. Warme, feuchte Packungen sind lindernd, jedoch bei Patienten ohne
arterielle Insuffizienz auch entbehrlich.
Sofern keine absoluten Kontraindikationen vorliegen, sollte sofort die
antithrombotische Therapie mit Heparin eingeleitet werden. Verschiedene
Therapieschemata sind empfohlen worden; eine einfache und wirksame
Methode ist die folgende: Berechnung der Heparindosis nach dem
Idealgewicht des Patienten (zur Vermeidung einer Überdosierung bei
einem Übergewichtigen), wobei 500 E Heparin/kg/24 h als
Gesamttagesdosis veranschlagt werden. Diese Menge kann durch eine
kontinuierliche i.v. Tropfinfusion mittels einer steuerbaren Infusionspumpe
oder als i.v. Injektion in 4stündigen Abständen (intermittierende Methode)
gegeben werden. Zur Vermeidung einer Überdosierung wird die aktivierte,
partielle Thromboplastinzeit (APTT) einmal pro Tag kontrolliert. Falls die
APTT um mehr als das Doppelte der Normalzeit verlängert ist, wird die
Heparindosis entsprechend gesenkt (die Verabreichungsart jedoch dabei
nicht verändert). Wenn die APTT um weniger als das Zweifache der
Normalzeit verlängert ist, wird die Heparindosis nicht verändert. Die Dauer
der Heparinbehandlung variiert, liegt jedoch in der Regel bei 7-14 Tagen.
Die orale Therapie mit einem Cumarinderivat wird überlappend mit der
Heparintherapie begonnen. Z.B. können 10-20 mg Warfarin/Tag gegeben
werden, bis die Prothrombinzeit zwischen dem 1,5- bis 2,5fachen des
Kontrollwertes liegt (s.a. Kap. HKR, 4., Diskussion des internationalen
standardisierten Quotienten [INR] unter Standardisierung der
Prothrombinzeiten). Wenn dies erreicht ist, wird Heparin abgesetzt und die
Dosis von Warfarin entsprechend einer Erhaltungstherapie eingestellt. Die
Dauer der oralen Antikoagulanzienbehandlung ist ebenfalls unterschiedlich
und hängt vom Einzelfall ab. Bei einer einmaligen Phlebitis bei einem jungen,
aktiven Patienten ohne Risikofaktoren, die klinisch innerhalb von 3-6 Tagen
abklingt, kann ein zweimonatige Behandlungsdauer ausreichen, jedoch
können bei einem anderen Patienten mit nachgewiesener Lungenembolie
und weiterbestehenden Risikofaktoren sechs Monate Behandlung notwendig
sein.
Die therapeutische Wertigkeit anderer antithrombotischer Substanzen, wie
Schlangengifte, Plättchenaggregationshemmer und thrombolytische
Substanzen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht geklärt.
Die thrombolytische Therapie unter Verwendung von Streptokinase oder
Urokinase in Verbindung mit Antikoagulanzien stellt einen wesentlichen
Fortschritt bei der Behandlung der akuten Beinvenenthrombose der Vena
poplitea und der weiter proximalen Venen dar. Eine komplette oder partielle
Auflösung der Thromben tritt im allgemeinen innerhalb von 24 bis 48 Stunden
ein. Eine erfolgreiche Behandlung stellt die Anatomie der Venen wieder her
und verhindert so Klappenschäden und die Komplikationen einer chronischen
venösen Insuffizienz. Bevor die Enzyme eingesetzt werden, muß die
Diagnose durch Phlebographie gesichert sein, und die Kontraindikationen
und Nebenwirkungen, insbesondere Blutungen, und die genauen
Einzelheiten der Behandlung und der Überwachung müssen voll verstanden
werden. Details der Anwendung von thrombolytischen Medikamenten und die
chirurgische Unterbindung der Vena cava inferior werden in Kap. LUN, 9.
diskutiert
Während des akuten Ereignisses sollte der Patient strenge Bettruhe mit
Beinhochlagerung einhalten. Sobald die Antikoagulanzienbehandlung voll
wirksam ist, ist der Gang zur Toilette erlaubt. Nach Abklingen des Ödems
sollte beim Patienten Maß für festsitzende elastische Strümpfe genommen
werden, mit denen die zu erwartende Ödembildung bei ambulanten Patienten
beherrscht werden soll. Sie sollten die ganze Zeit über, die sich der Patient
außerhalb des Bettes befindet, getragen werden, um die postphlebitischen
Folgeerscheinungen der chronisch-venösen Insuffizienz zu vermeiden, wie
Schmerzen, Ödem, Hautpigmentierung und nachfolgende Stase und
Ulzeration. Wenn sich diese Komplikationen einstellen, wird die Behandlung
mit einem Unna-Stiefel (s. Kap. HAU, 4., Stauungsdermatitis) oder stationäre
Bettruhe mit Beinhochlagerung und Kompressionsverbänden in den meisten
Fällen zu einer Ulkusabheilung führen. Antibiotika sind in der Regel nur
indiziert, wenn das Ulkus von einer schweren, akuten Gewebsentzündung
umgeben ist. Kochsalzumschläge können bei der Aufweichung und Lösung
oberflächlicher Schorfe und Krusten von Nutzen sein. Große,
therapierefraktäre oder rezidivierende Ulzera müssen unter Umständen
exzidiert, die insuffizienten Perforansvenen ligiert und das Wundgebiet mit
Spalthaut versorgt werden
The Thrombosis Interest Group of Canada
A word about us...
Practical Treatment Guidelines
List of T.I.G.C. Members
Thrombosis Resources on the World Wide Web
Patient Information.
Disclaimer
Patient Information
Questions and Answers About Your Anticoagulant Medication
This publication is for patients taking Warfarin Sodium (Coumadin®)
Contents :
What Are Anticoagulants And What Do They Do?
Why Is A Clot Dangerous?
What Kind Of Medication Am I Taking?
How Much Anticoagulant Do I Need?
What If I Forget To Take My Medication?
How Long Will I Have To Take This Medication?
What Should I Be Aware Of?
What Should I Tell My Physician On My Regular Visits?
Who Should I Tell About Taking This Medication?
What About Pregnancy?
When Should I Stop Taking My Medication?
What About My Lifestyle?
When Should I Take My Anticoagulants?
Should I Expect Any Side Effects?
Can I Take Other Medication?
In Conclusion
What Are Anticoagulants And What Do They Do?
Anticoagulants are medicines that are prescribed specifically to prevent
and/or treat thrombosis. Thrombosis is the
medical word for the formation of a clot inside your blood vessels. There are
two types of anticoagulants.
Heparin:
Given by injection, usually at the beginning of treatment in hospital.
Oral Anticoagulant:
Taken by mouth. Warfarin Sodium (Coumadin®) is the most commonly
prescribed in Canada.
Why Is A Clot Dangerous?
A clot may form in veins or arteries. If the clot grows, it can branch into other
vessels and close them up. Rarely, it can also
break into fragments -- called emboli -- swept along by the blood.
Emboli from veins travel through the heart and lodge in lung vessels. These
are called pulmonary emboli. Emboli from the heart or arteries can cause a
stroke if they lodge in brain vessels, or gangrene if they obstruct vessels in
other organs or the limbs.
What Kind Of Medication Am I Taking?
The medication you are taking is Warfarin Sodium (Coumadin®).
How Much Anticoagulant Do I Need?
Dose:
The amount of anticoagulant medication needed differs among people.
Test:
To ensure that you have received the appropriate dose your blood must
be tested frequently. These tests may show
that your needs for anticoagulation have changed. The test results guide
your physician in modifying your dose
accordingly.
What If I Forget To Take My Medication?
If, for some reason, you forget to (or cannot) take your prescribed dose at the
usual time, take the dose as soon as you can
or as soon as you remember. If you remember ONLY THE NEXT DAY, carry
on with your regular dose schedule as
prescribed. DO NOT TAKE EXTRA MEDICATION OR DOUBLE YOUR DOSE
TO MAKE AMENDS. Taking too large an
amount at one time can be dangerous and cause bleeding.
If you do not take your medicine for two or three days, you should inform your
doctor at once. Your physician will then
advise you what to do.
If you take the dose incorrectly, just continue with the proper schedule of
medication.
If for any reason you have not taken your tablets as prescribed, remember to
mention this to your doctor at your next visit or
blood test appointment, so that the results of the test will make sense and
your dose schedule will not be changed
needlessly.
How Long Will I Have To Take This Medication?
The dose and the length of treatment will depend upon the illness which
caused your blood to form clots. Some patients
must take anticoagulant medication for the rest of their lives, while others
need only take it for 3 to 4 months.
What Should I Be Aware Of?
The following are warning signs that tell your physician that your needs for
anticoagulant are changing. You must tell your
physician as soon as you notice any of these signs:
Bruises or tender swellings without obvious cause
Severe and prolonged headaches
Nose bleeds
Coughing up blood
Bleeding heavily from your gums after brushing your teeth
Prolonged bleeding from small cuts
Heavy bleeding at menstrual periods -- such as twice the usual flow
Swelling and tenderness or pain in your abdomen
Vomiting red blood or material that looks like coffee grounds
Bowel movements that are loose or containing blood or that are black and
bad-smelling
Urine that contains red blood or that is dark brown or cloudy
Severe, prolonged back pain, without obvious cause
If you have a fall or blow to the head, even if you do not lose
consciousness or have a headache.
What Should I Tell My Physician On My Regular Visits?
You should report:
Any fall or any injury of the head or back
Fever and chills for more than 1-2 days
Vomiting, nausea or diarrhea for more than 1-2 days
Repeated severe chest pain
Persistent (for more than 1-2 days) swelling of feet and lower legs,
especially if painful
Yellow discoloration of eyes or skin or any changes to your general
physical health.
Who Should I Tell About Taking This Medication?
It is very important for you to tell your dentist or doctor at the beginning of
each visit that you are taking anticoagulant
medication. Simple treatments such as the insertion of an intrauterine device
(IUD), or even an injection, can be hazardous
for patients taking anticoagulant medication. It is wise to review with the
dentist or doctor all of your other medications
before treatment.
What About Pregnancy?
Oral anticoagulants are contraindicated for pregnant patients -- meaning you
should not take this medication because it will
affect the development of the fetus. If anticoagulation is required during
pregnancy, heparin may be used. Heparin has no
direct effect on the child or on the child's development.
A woman who is planning to become pregnant and is on anticoagulants
should tell her doctor so that the physician can
change her medication in time to prevent damage to the developing child.
When Should I Stop Taking My Medication?
You should not stop taking your medication on your own. Your doctor will
advise you when it is appropriate to do so.
What About My Lifestyle?
Oral anticoagulant therapy should not prevent you from leading a normal,
healthy lifestyle. Before making any drastic
changes to your current lifestyle (diet, alcohol consumption, exercise
program...) consult your physician.
Diet:
Good nutrition is important for every aspect of your health including the
process of clotting. For some patients who
need to eat a special diet, it is best to ask your physician to help you
arrange for a visit to a dietician for guidance. As a
rule, never start on a "fad" diet or any diet radically different than your
usual diet without first consuling with your
doctor.
Alcohol:
Any changes in alcohol consumption should be discussed with your
physician.
Physical Activities:
Patients taking anticoagulant medication can continue physical activities
which are usually safe; such as walking,
jogging, swimming and gardening. These and other exercise are beneficial
since they promote good blood circulation.
Support stockings help in this by promoting blood flow through the veins.
Patients should avoid body contact sports
and other activities in which injuries are more likely to occur. Discuss with
your physician to find out if your current
physical activities are safe enough to continue.
When Should I Take My Anticoagulants?
It is best to take medicine at the same time every day. This establishes a
routine which helps you remember your medicines
and their doses.
Should I Expect Any Side Effects?
Occasionally you many experience come nausea when taking anticoagulants,
as with any medicine, but this will be mild and
often will pass as you become accustomed to the medicine. Rarely, some
people may develop a skin rash or a mild loss of
hair and they should call this to their doctor's attention, at the next visit.
Can I Take Other Medication?
You should not take any other medications on your own. It is best to check
with your doctor or pharmacist before starting to
take any medicine including medications such as cough/cold remedies,
headache medicine, sleeping pills and vitamins as
they may affect your anticoagulant therapy. This is especially important while
your doctor determines the best oral
anticoagulant dose suited for you. Likewise, check with your doctor if you
stop taking any medicine since either starting or
stopping of medicine can easily change the way the anticoagulant acts.
In Conclusion
Anticoagulants have been prescribed for your present problem ONLY must
be taken as directed. Never share this
medication or any other.
Keep away from children--Keep all medications out of reach of children.
Keep your medications in their original bottles--Less chance of taking the
wrong medication.
If your doctor has told you to stop taking the anticoagulant, do as directed. If
there is any remaining, destroy it safely so it
will not be taken by mistake, by you or anyone else.
If any information in this pamphlet worries you, or if you would like to have
more details, please ask your doctor but do not
stop taking your medication unless you are bleeding or otherwise ill as
described in this booklet.
Supported by an educational grant from Du Pont Pharma, Mississauga,
Ontario.
August 29, 1996 -- Volume 335, Number 9
Unfractionated versus Low-Molecular-Weight Heparin for Deep Venous
Thrombosis
To the Editor:
The studies on low-molecular-weight heparin by Levine et al. and by
Koopman et al. (March 14 issue) (1,2)
addressed the safety and efficacy of low-molecular-weight heparin given at
home, as compared with standard heparin given in the hospital, for acute
proximal deep venous thrombosis. There did not appear to be any
differences between the two treatment groups in terms of bleeding,
pulmonary embolism, recurrent thromboembolic events, or death. The cost
savings to the health care system could be substantial. I have several
reservations about these studies, since many of the short-term and long-term
problems that develop from deep-vein thrombosis were not addressed.
Although venography and ultrasound examinations were used to
establish the diagnosis at the time of entry into the study, no data were
provided on the extent of the disease other than the statement that there was
involvement of the proximal veins. No further studies were done on the
patients who did "well." Some patients underwent plethysmography to monitor
the deep-venous system. Unfortunately, impedance plethysmography is a
very poor method for documenting changes in the deep-venous system. It will
show a change to normal with no change in the venous thrombi as venous
collaterals develop.
No data are presented on the status of the thrombi, the extent of
recanalization, the status of the venous valves, or the extent of residual
venous obstruction in the two groups of patients. In addition, no attempt was
made to stratify the severity of the venous involvement with regard to the form
of therapy. Do the authors suggest that iliofemoral venous thrombosis be
treated at home? Patients with this condition have a great deal of pain and
swelling and are most prone to serious and fatal pulmonary embolism.
I am also concerned that some patients may be deprived of ancillary
therapy that could be of great value in preventing the development of the
post-thrombotic syndrome. For example, there is increasing interest and
apparent success in the use of catheter-directed thrombolysis in patients with
proximal venous thrombosis. We know that with rapid lysis, preservation of
valve function and restoration of patency may be possible. (3,4,5) How
do we know that the two forms of therapy are indeed similar in terms of even
short-term outcome?
D. Eugene Strandness, Jr., M.D.
University of Washington School of Medicine
Seattle, WA 98195-6410
References
1. Levine M, Gent M, Hirsh J, et al. A comparison of low-molecular-
weight heparin administered primarily at home with unfractionated heparin
administered in the hospital for proximal deep-vein thrombosis. N Engl J Med
1996;334:677-81.
2. Koopman MMW, Prandoni P, Piovella F, et al. Treatment of venous
thrombosis with intravenous unfractionated
heparin administered in the hospital as compared with subcutaneous
low-molecular-weight heparin administered
at home. N Engl J Med 1996;334:682-7.
3. Meissner MH, Manzo RA, Bergelin RO, Markel A, Strandness DE Jr.
Deep venous insufficiency: the
relationship between lysis and subsequent reflux. J Vasc Surg
1993;18:596-608.
4. Meissner MH, Caps MT, Bergelin RO, Manzo RA, Strandness DE Jr.
Propagation, rethrombosis and new
thrombus formation after acute deep venous thrombosis. J Vasc Surg
1995;22:558-67.
5. Johnson BF, Manzo RA, Bergelin RO, Strandness DE Jr.
Relationship between changes in the deep venous
system and the development of the postthrombotic syndrome after an
acute episode of lower limb deep vein
thrombosis: a one- to six-year follow-up. J Vasc Surg 1995;21:307-13.
To the Editor:
The articles by Levine et al. and by Koopman et al. supporting the
therapeutic use of low-molecular-weight
heparin for venous thrombosis imply advantages over unfractionated
heparin with respect to convenience and the
opportunity to treat patients in a home setting. There is also an
advantage in a lower incidence of
heparin-induced thrombocytopenia -- believed to be approximately 1 to
2 percent, as compared with the 4 percent
observed in healthy men receiving porcine heparin, and 17 percent in
those receiving bovine heparin. (1)
Overlooked, perhaps, is the fact that heparin concentrate (40,000 units
per milliliter) can also provide therapeutic
levels of anticoagulant activity when administered subcutaneously, at a
dosage of 250 units per kilogram of body
weight every 12 hours. Daily monitoring is usually unnecessary after
the second or third day. (2) In addition, the
therapeutic dose of the concentrate can be provided in smaller volume
and is well tolerated for long-term
treatment. A comparison of subcutaneous unfractionated (not
concentrated) heparin with low-molecular-weight
heparin showed similar therapeutic responses, (3) and our experience
with concentrated heparin would indicate
equal benefit for the two products. The cost factor should therefore be
considered, inasmuch as concentrates of
unfractionated heparin cost several dollars a day, whereas low-
molecular-weight heparin costs 10 times as much.
John Penner, M.D.
Michigan State University
East Lansing, MI 48824-1315
References
1. Schwartz KA, Royer G, Kaufman DB, Penner JA. Complications of
heparin administration in normal individuals.
Am J Hematol 1985;19:355-63.
2. Penner JA, Hiss RG. Heparin therapy in the 70's. Univ Mich Med Ctr
J 1974;40:57-61.
3. Monreal M, Lafoz E, Olive A, del Rio L, Vedia C. Comparison of
subcutaneous unfractionated heparin with a
low molecular weight heparin (Fragmin) in patients with venous
thromboembolism and contraindications to
coumarin. Thromb Haemost 1994;71:7-11.
The authors reply:
To the Editor:
Dr. Strandness raises several points for discussion. In our study,
impedance plethysmography was not used to monitor venous valvular
function. It was used as one of three tests to confirm a diagnosis of clinically
suspected recurrent deep-vein thrombosis. The change from a negative to a
positive impedance plethysmogram is a validated method of diagnosing
recurrence. (1)
The most clinically relevant outcome measures -- recurrent deep-vein
thrombosis, pulmonary embolism, and bleeding -- were used in the trial. The
extent of recanalization, the status of the venous valves, or the extent of
residual venous obstruction may be of physiologic interest, but they are not
important clinical outcomes.
Patients with iliofemoral-vein thrombosis were not excluded from our trial
provided that their symptoms and family circumstances did not preclude
home treatment. There were no deaths from pulmonary embolism in the
patients who received low-molecular-weight heparin.
There is no evidence that thrombolytic therapy prevents the post-
thrombotic syndrome. We limit the use of thrombolytic therapy to young
patients with marked phlegmasia cerulea dolens who are at low risk of
bleeding.
In response to Dr. Penner, no difference was detected in the incidence
of heparin-associated thrombocytopenia between groups in our trial, and the
rates in both groups were extremely low.
We do not agree with Dr. Penner that unfractionated heparin
administered in a fixed dose subcutaneously should be considered a
standard regimen in patients with acute proximal deep-vein thrombosis, either
in the hospital or at home. There have been no randomized trials comparing
fixed-dose unfractionated heparin administered
subcutaneously with continuous intravenous heparin in patients with
acute deep-vein thrombosis. There have
been a number of randomized trials comparing continuous intravenous
unfractionated heparin with subcutaneous
unfractionated heparin adjusted to achieve a therapeutic activated
partial-thromboplastin time in hospitalized
patients. (2) It should be noted that in one double-blind trial, a starting
dose of 15,000 units of heparin
subcutaneously every 12 hours was associated with a high rate of
recurrent venous thrombosis. (3) Dr. Penner
uses the trial reported by Monreal and colleagues to support the use of
fixed-dose subcutaneous standard
heparin. (4) However, all the patients in that study initially received
intravenous unfractionated heparin in doses
adjusted to achieve a therapeutic activated partial-thromboplastin time,
and then immediately before discharge
from the hospital they were randomly assigned to receive
subcutaneous fixed-dose heparin or
low-molecular-weight heparin. This is a different question from the one
we addressed.
Mark Levine, M.D.
Jack Hirsh, M.D.
Michael Gent, D.Sc.
Hamilton Regional Cancer Centre
Hamilton, ON L8V 5C2, Canada
References
1. Hull RD, Carter CJ, Jay RM, et al. The diagnosis of acute, recurrent,
deep-vein thrombosis: a diagnostic
challenge. Circulation 1983;67:901-6.
Return to: Text
2. Hirsh J. Heparin. N Engl J Med 1991;324:1565-74.
Return to: Text
3. Hull RD, Raskob GE, Hirsh J, et al. Continuous intravenous heparin
compared with intermittent subcutaneous
heparin in the initial treatment of proximal-vein thrombosis. N Engl J
Med 1986;315:1109-14.
Return to: Text
4. Monreal M, Lafoz E, Olive A, del Rio L, Vedia C. Comparison of
subcutaneous unfractionated heparin with a
low molecular weight heparin (Fragmin) in patients with venous
thromboembolism and contraindications to
coumarin. Thromb Haemost 1994;71:7-11.
Return to: Text
acc
Phlebothrombose: Niedermolekulares Heparin versus
Standard-Heparin
in: Deutsches Ärzteblatt 93, Heft 21 (24.05.1996), Seite 1407
MEDIZIN: Für Sie referiert
In zwei großen prospektiven Multicenterstudien wurden Patienten mit
Phlebothrombosen, die mehrere Tage dauerten, untersucht. Es wurde eine
konventionelle stationäre Therapie mit intravenöser Vollheparinisierung
(Standard-Heparin) mit einer ambulanten Therapie mit subkutanem
niedermolekularem Heparin verglichen. Bei den insgesamt 900 Patienten der
Studien gab es keine signifikanten Unterschiede bezüglich rezidivierender
Thromboembolien und Blutungskomplikationen zwischen den beiden
untersuchten Gruppen. Die Gruppe der ambulant mit niedermolekularem
Heparin behandelten Patienten verbrachte signifikant weniger Zeit im
Krankenhaus (1,1 Tage im Gegensatz zu 6,5 Tage). Weiterhin war auch die
subjektive Einschätzung der Lebensqualität in dieser Gruppe deutlich
verbessert.
Die Autoren kommen zu dem Schluß, daß bei Patienten mit
Phlebothrombosen die ambulante Therapie mit subkutanem
niedermolekularem Heparin eine praktikable, effektive und sichere Alternative
zur bisher üblichen Standardtherapie mit intravenös verabreichtem Heparin
darstellt. acc
Koopmann MMW et al: Treatment of venous thrombosis with
intravenous unfractionated heparin administered in the
hospital as compared with subcutaneous low-molecular-weight heparin
administered at home. N Engl J Med. 1996; 334: 682-7
© 1996 Deutscher Ärzte-Verlag; entwickelt von MediaCom GmbH
mll
Weniger Fälle von Phlebothrombose nach totalendoprothetischem
Hüftgelenkersatz
in: Deutsches Ärzteblatt 93, Heft 49 (06.12.1996), Seite 3283
MEDIZIN: Für Sie referiert
Eine mögliche Komplikation nach totalendoprothetischem Hüftgelenkersatz
stellt die Phlebothrombose mit dem Risiko der
Lungenembolie dar. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer solchen
Erkrankung nach der stationären Entlassung
möglicherweise noch besteht, enden prophylaktische Maßnahmen häufig zu
diesem Zeitpunkt. Eine französische
Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dieser Fragestellung im Rahmen einer
randomisierten doppelblinden prospektiven
Studie.
Hierzu wurden 179 Patienten zum Entlassungszeitpunkt (13 bis 15 Tage
nach totalendoprothetischem Hüftgelenkersatz) in
zwei Gruppen randomisiert. Die erste Gruppe (90 Patienten) erhielt 21 Tage
Enoxaparin (40 mg entspricht 4000 IE) als
subkutane Injektion. Die zweite Gruppe (89 Patienten) wurde mit einem
Plazebo behandelt. Alle Probanden wiesen am
Entlassungstag keine Phlebothrombose der Beinvenen auf. Dies wurde
mittels Phlebographie nachgewiesen. Nach der
21tägigen Behandlungszeit wurde eine zweite Phlebografie angefertigt.
Die Auswertung der Phlebographien von 173 Patienten ergab signifikant
weniger Phlebothrombosen in der mit Enoxaparin
behandelten Gruppe (7,1 Prozent) im Vergleich zur Plazebo-Gruppe (19,3
Prozent). Eine distale Phlebothrombose wurde
bei einem behandelten Patienten (1,2 Prozent) und in zehn Fällen der
Kontrollgruppe (11,4 Prozent) gesehen. Eine
proximale Phlebothrombose zeigte sich in der Enoxaparin-Gruppe in fünf
Fällen (5,9 Prozent) und bei sieben Patienten
der Plazebo-Gruppe (7,9 Prozent). Es gab drei kleinere Blutungen in der
Enoxaparin-Gruppe und eine in der
Kontrollgruppe. Kein Patient entwickelte eine Lungenembolie oder starb
während der Studie.
Erhalten Patienten mit totalendoprothetischem Hüftgelenkersatz nach
Entlassung aus der stationären Behandlung keine
Thromboseprophylaxe, so besteht postoperativ mindestens über den
Zeitraum von 35 Tagen ein erhöhtes
Thromboserisiko. Dieses Risiko kann durch die kontinuierliche Gabe von
Enoxaparin effektiv reduziert werden. mll
Planes A et al.: Risk of deep-venous thrombosis after hospital discharge in
patients having undergone total hip
replacement: double-blind randomised comparison of enoxaparin versus
placebo. Lancet 1996; 348: 224-228
Dr. Planes, Clinique Radio-Chirurgicale du Mail, 17028 La Rochelle,
Frankreich
© 1996 Deutscher Ärzte-Verlag; entwickelt von MediaCom GmbH
Diehm, Curt; Stammler, Frank; Amendt, Klaus
Die tiefe Venenthrombose: Diagnostik und
Therapie
in: Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 6 (07.02.1997), Seite A-301
MEDIZIN: Zur Fortbildung
Die tiefe Venenthrombose ist nach dem Herzinfarkt und Schlaganfall die
dritthäufigste akut auftretende kardiovaskuläre Erkrankung. Nur die schnelle
Diagnose und Therapie der Thrombose verhindert effektiv Lungenembolien.
Bei symptomatischen Patienten kann auf der Basis einer positiven
Kompressionssonographie eine Antikoagulation eingeleitet werden. Bei
negativem Befund sollte unverzüglich eine definitive Diagnose mittels
Duplexsonographie oder Phlebographie angestrebt werden.
Die tiefe Venenthrombose (TVT) ist mit einer jährlichen Inzidenz von etwa 3 :
1 000 eine relativ häufige Krankheit. 93 Prozent der Thrombosen entstehen
in der Vena cava inferior und den Becken-Beinvenen, 1,5 Prozent in den
Venen der oberen Extremität. Die wichtigste Frühkomplikation
ist die Lungenembolie, die in über 95 Prozent durch eine Phlebothrombose
verursacht wird. Das Risiko der Lungenembolie nimmt mit der Ausdehnung
der Thrombose zu. Die Hälfte der Patienten mit einer proximalen
Beinvenenthrombose haben eine Lungenembolie, die meist oligo- oder
asymptomatisch ist. Zudem erleiden ein Drittel der Patienten, die der
Diagnose der Thrombose entgehen und nicht behandelt
werden, symptomatische Lungenembolien. Bei der Armvenenthrombose
kommt es in weniger als zwei
Prozent zu einer Lungenembolie. Relevante Spätkomplikation der
Beinvenenthrombose ist das
postthrombotische Syndrom, das nach 10 bis 15 Jahren bei 40 bis 60 Prozent
der konventionell
therapierten Patienten zu beobachten ist. Bei jedem zehnten Patienten mit
Beinvenenthrombose
entwickelt sich ein Ulcus cruris (20, 88).
Die frühzeitige Erfassung gefährdeter Patienten und die rasche Diagnose der
tiefen Venenthrombose ist
unverändert eine ärztliche Herausforderung, da gerade in den Frühstadien
50 Prozent der Fälle
symptomlos oder beschwerdearm verlaufen.
Diagnostik
Wertigkeit der Anamnese und Klinik
Für die Entstehung der Phlebothrombose hat die von R. Virchow formulierte
Trias mit Veränderungen
der Gefäßwand, der Blutzusammensetzung und der
Strömungsgeschwindigkeit unverändert Gültigkeit.
Bereits mit Hilfe einer genauen Anamnese können erste Rückschlüsse auf
die Pathogenese der
Thrombose gezogen und wesentliche Prädispositionsfaktoren erfaßt werden
(Tabellen 1, 2).
Die Sensitivität der klinischen Untersuchung ist bei typischer Symptomatik
und gleichzeitigem Nachweis
thrombogener Risikofaktoren gut (94). Jedoch bei weniger als einem Drittel
der symptomatischen
Patienten präsentiert sich die Thrombose als klassisches Syndrom mit
Spannungsschmerzen der Wade,
Ödem, Erweiterung epifaszialer Venen ("Prattsche Warnvenen") und
Wadenschmerzen bei
Dorsalflexion des Fußes ("Homans-Zeichen"). Venöse Thrombosen sind zu
dem Zeitpunkt der initialen
Nachweisbarkeit mittels apparativer Methoden in der Regel klinisch stumm
(31). Klinisch verläßliche
Frühsymptome sind nicht beschrieben. Die Sensitivität der klinischen
Untersuchung liegt für ambulante
Patienten bei 50 bis 90 und für stationär Immobilisierte zwischen 0 und 40
Prozent. Umgekehrt läßt sich
bei weniger als 50 Prozent der Patienten der klinische Thromboseverdacht
mit objektiven Methoden
bestätigen (40, 44, 45). Die überwiegende Mehrheit der Thrombosen nehmen
ihren Ausgang in den
Muskelvenen der Wade mit passageren Schmerzen, aszendieren im weiteren
Verlauf und führen mit
Befall der strategischen Engpässe im Bereich der V. poplitea oder proximaler
Abschnitte zur plötzlichen
Schwellung. Bedingt durch anatomische Besonderheiten (Überkreuzung
durch die rechte A.iliaca
communis und fibröser Venensporn nach May) nehmen deszendierende
Thrombosen ihren Ausgang
doppelt so häufig von der linken im Vergleich zur rechten Beckenvene.
Deszendierende Thrombosen
zeigen meist eine schlagartige Symptomatik mit akuter Schwellung und livider
Verfärbung des gesamten
Beines.
Die Differentialdiagnose schließt alle Affektionen des Knies und der Wade
ein, die zu einem schmerzhaft
geschwollenen Bein führen (Textkasten: Differentialdiagnose) (45). Wegen
des schwankenden
prädiktiven Wertes der klinischen Untersuchung muß die klinische
Verdachtsdiagnose rasch durch ein
apparatives Verfahren mit hoher Sensitivität und Spezifität erhärtet werden.
Phlebographie
Die aszendierende Phlebographie (erstmals 1972 von Rabinov und Paulin
beschrieben und 1977 von
Hach modifiziert) gilt bislang als Referenzverfahren, an dem andere
apparative Methoden gemessen
werden (79). Die Stärken der Phlebographie liegen in der Darstellbarkeit von
Thrombosen der
Unterschenkelleitvenen bis zur V. femoralis und der übersichtlichen
Dokumentation. Ein sicheres
phlebographisches Thrombosekriterium ist ein scharf begrenzter
Füllungsdefekt, der sich in zwei Ebenen
darstellen läßt (Abbildung 1). Methodische Schwächen und Invasivität der
Phlebographie limitieren den
klinischen Einsatz:
! bei fehlender Darstellung ganzer Venengruppen (insbesondere am
Unterschenkel) liegt nicht selten eine
technisch unzureichende Kontrastmittelfüllung vor;
! wichtige Nebenschlußvenen (V. profunda femoris und V. iliaca interna)
werden nicht ausreichend
kontrastiert;
! Thrombosen mit gedoppelten Venen entgehen häufig dem Nachweis;
! Nachbarschaftsbeziehungen (Baker-Zyste, Lymphknoten, Tumoren) werden
nicht dargestellt;
! eine Interobserver-Varianz von 10 bis 20 Prozent schränkt die Aussagekraft
weiter ein;
! auch bei Verwendung neuer isoosmolarer, nichtionischer Kontrastmittel
werden in zwei bis drei
Prozent der Untersuchungen Thrombosen induziert, die meist
asymptomatisch bleiben (7, 8);
! wesentliche Nebenwirkungen (allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie,
Verschlechterung einer
vorbestehenden Niereninsuffizienz, Hyperthyreose, lokale Irritationen und
Strahlenbelastung) erfordern
eine sorgfältige Indikationsstellung;
! bei der Phlegmasia coerulea dolens und in der Schwangerschaft gilt die
Phlebographie als
kontraindiziert.
Nicht invasive Diagnostik
¿ Funktionelle Verfahren
Nicht invasive Methoden wiedie Venenverschlußplethysmographie (VVP) und
Continous-waveDopplersonographie (cw) haben als hämodynamische
Verfahren eine Sensitivität von
annähernd 90 Prozent in der Erfassung proximaler Thrombosen. Mit der
Venenverschlußplethysmographie wird der globale Funktionszustand
proximal des Meßortes beurteilt.
Den verschiedenen Techniken gemeinsam ist die kurzfristige Drosselung des
venösen Abstroms bei einer
definierten Okklusionszeit. Die cwDopplersonographie registriert und beurteilt
die Strömungssignale im
Seitenvergleich (typische Ableitungspunkte V. femoralis, V. poplitea und V.
tibialis posterior). Nachteile
ergeben sich durch die geringe Sensitivität beider Verfahren bei
asymptomatischen Patienten, die
mangelnde Treffsicherheit in der Diagnostik von
Unterschenkelvenenthrombosen und die geringe
Spezifität bei venösen Kompressionen im Beckenbereich. Die
Venenverschlußplethysmographie und
cw-Dopplersonographie spielen in der modernen Thrombosediagnostik daher
nur noch eine
untergeordnete Rolle (2).
À Kompressionssonographie
Bei symptomatischen Patienten kann mittels des Echtzeit-B-Mode-
Ultraschalls eine proximale
Thrombose mit einer Sensitivität von annähernd 100 Prozent nachgewiesen
werden (62). Die direkte
Sicht eines Thrombus ist oft möglich, jedoch nicht Voraussetzung einer
Diagnose. Das beste
diagnostische Kriterium ist die Inkompressibilität der betroffenen Venen bei
mäßigem externen Druck
(13). Bei ambulanten Patienten mit Verdacht auf Beinvenenthrombose hat die
mehrfach in Folge
durchgeführte Kompressionssonographie einen positiven Vorhersage-Wert
von 94 Prozent (32). Wie die
Venenverschlußplethysmographie eignet sich die Kompressionssonographie
kaum als
Screening-Methode bei asymptomatischen Patienten mit hohem
Thromboserisiko.
Á Duplexsonographie
Die Duplexsonographie kombiniert die hämodynamische und bildliche
Information der Doppler-
respektive BMode-Sonographie. Bei der farbkodierten Duplextechnik werden
die Dopplersignale in
Farbsignale umkodiert. Die Flußrichtung bestimmt die Farbgebung. Der
Farbdoppler verbessert indirekt
die morphologische und hämodynamische Information (Abbildung 2),
erleichtert das Aufsuchen von
Gefäßen, ermöglicht die Bestimmung der Flußrichtung und erlaubt die
semiquantitative Bestimmung der
Flußgeschwindigkeiten (Tabelle 3). Ein standardisierter Untersuchungsablauf
sowie technische und
personelle Mindesterfordernisse sind für einen optimierten Einsatz der Duplexsonographie zu fordern
(Textkasten: Untersuchungsablauf der Duplexsonographie).
In 35 publizierten Studien mit insgesamt 4 747 phlebographisch kontrollierten
Patienten betrug die
mediane Sensitivität und Spezifität 95 respektive 97 Prozent. In lediglich 9
der genannten 35 Studien
wurde auch nach Unterschenkelvenenthrombosen gefahndet mit einer
medianen Sensitivität von 89
Prozent und medianen Spezifität von 92 Prozent. Diese Zahlen belegen, daß
die diagnostische Lücke
bisheriger nicht invasiver Verfahren im Bereich der Unterschenkelvenen
durch die Duplexsonographie
geschlossen werden kann (52).
Die Tabelle 4 faßt die Vor- und Nachteile der Duplexsonographie im
Vergleich zu der Phlebographie
zusammen. Zusammenfassend ist ein definitiver Nachweis eines klinischen
Thromboseverdachts mittels
Phlebographie, Kompressions- oder Duplexsonographie anzustreben. Bei
alternativer Verfügbarkeit ist
die Phlebographie als invasives Verfahren mehrheitlich verzichtbar. Eine
primäre Phlebographie kann
indiziert sein bei:
! Nichtverfügbarkeit effizienter Ultraschallmethoden,
! ungünstigen Ultraschallbedingungen,
! gutachterlichen Fragen und
! fakultativ vor thrombolytischer und operativer Therapie.
Spezielle und experimentelle Verfahren
Die Computertomographie kann thrombosierte Abdominal- und Beckenvenen
sicher identifizieren,
darüber hinaus besitzt sie deutliche Vorteile gegenüber der Phlebographie in
der Darstellung großer
Venen, der Differenzierung zwischen frischen und alten Thromben sowie der
Abgrenzung umgebender
Strukturen (73). Wegen hoher Kosten und sehr limitierter Verfügbarkeit sollte
die Indikation zur
Magnetresonanz-Venographie aktuell nur in Ausnahmefällen gestellt werden,
wenn zum Beispiel
differenzierte anatomische Beziehungen für eine Therapieentscheidung
erforderlich sind. Für proximale
Thrombosen liegt die Sensitivität bei 100 und die Spezifität bei 98 Prozent
(24, 93). Der
125-Jod-Fibrinogen-uptake-Test spielt wegen der geringen Sensitivität bei
proximalen Thrombosen, der
geringen Spezifität und der Gefahr der Übertragung infektiöser Partikel in der
täglichen Routine keine
Rolle mehr. Die Verwendung von rekombinantem Fibrinogen oder vom
Schwein gewonnenem Plasmin
könnte in Zukunft eine Alternative darstellen. Andere Methoden
(RadionuklidVenographie,
thermographische Verfahren, Messung des Venendrucks, transkutane
Sauerstoffdruckmessung und
Laser-Doppler-Flowmetrie) befinden sich im experimentellen Stadium oder
tragen nicht wesentlich zur
Diagnose der tiefen Beinvenenthrombose bei (63, 77, 93).
Diagnostik des symptomatischen Patienten
Besteht aufgrund der Anamnese oder Klinik der Verdacht auf eine tiefe
Beinvenenthrombose, ist in
Abhängigkeit der Therapieoptionen zu einer Stufendiagnostik der
bildgebenden Verfahren zu raten. Bei
pathologischer Kompressionssonographie kann unmittelbar eine
Antikoagulation eingeleitet werden. Bei
vermuteter Thrombose und negativer Kompressionssonographie sollte eine
schnelle Klärung der
Diagnose mittels farbkodierter Duplexsonographie angestrebt werden. Bei
zweifelhafter oder nicht
verfügbarer Duplexsonographie ist die Indikation zur Phlebographie zu
stellen. Die serielle
Kompressionssonographie mit zweimaligen Kontrollen innerhalb einer Woche
bei initial negativem
Befund empfehlen wir wegen der Gefahren einer nicht diagnostizierten und
behandelten
Unterschenkelvenenthrombose nicht.
Diagnostik des asymptomatischen Patienten
Das Sreening asymptomatischer Hochrisikopatienten mittels nicht invasiver
Techniken ist wegen der
sehr schwankenden Sensitivität problematisch (Tabelle 5). Die
Sensitivitätsunterschiede der
nichtinvasiven Methoden bei symptomatischen und asymptomatischen
Patienten erklären sich
wahrscheinlich durch die differente Thrombuscharakteristik. Thromben
symptomatischer Patienten sind
gewöhnlich groß, okklusiv und reichen bis in proximale Venensegmente, die
der asymptomatischen
Patienten hingegen klein, nicht okklusiv und häufig auf die Wade begrenzt
(64, 65). Trotz der relativ
langen Untersuchungszeit bietet sich die nichtinvasive farbkodierte
Duplexsonographie als
Untersuchungsverfahren der ersten Wahl mit hoher Sensitivität und Spezifität
an. Indikationen zur
Diagnostik bei fehlender Lokalsymptomatik sind im Textkasten: Indikationen
zur Beinvenendiagnostik
zusammengefaßt.
Labordiagnostik: Hämostaseologische Parameter
Ein vielversprechender diagnostischer Parameter ist die Bestimmung der D-
Dimere, eines
Abbauprodukts des Fibrins. Mit der Entwicklung schneller Vollblutassays wird
die
D-Dimere-Bestimmung voraussichtlich zu einem Instrument der
Akutdiagnostik. Bei niedrigem
D-Dimeren-Spiegel kann eine proximale Thrombose mit einem negativen
Vorhersagewert von 98
Prozent ausgeschlossen werden. Die Sensitivität erhöhter Konzentrationen
liegt für proximale
Thrombosen bei > 90 und für distale Thrombosen bei 70 Prozent (95).
Labordiagnostik: Thrombophilie-Screening
Bei ätiologisch unklaren Thrombosen ist zur Abschätzung des Rezidiv-
Risikos und zur Therapieplanung
die Abklärung prokoagulatorischer Faktoren erforderlich. Das Verständnis
der hereditären
Thrombophilie wurde durch die Entdeckung der aktivierten Protein-C-(APC)-
Resistenz entscheidend
verbessert. Der Funktionsparameter "APC-Resistenz" ist in mehr als 80
Prozent der Fälle durch eine
einzige Punktmutation des Faktor-V-Gens (G 1691A) erklärt, die zu einer
Zerstörung der Bindungsstelle
für APC führt (Faktor-V-Leiden) (5). Die Folge ist eine mangelnde
Inaktivierung des Faktors V durch
aktiviertes Protein C mit Überwiegen der prokoagulatorischen Faktoren. Der
Vererbungsmodus ist
vermutlich autosomal dominant. Bei heterozygoten Trägern der Mutation ist
das relative Risiko einer
"primären" Thrombose siebenfach, bei homozygoten Merkmalsträgern 91fach
erhöht (81). Die familiäre
Thrombophilie ist in annähernd 50 Prozent durch eine APC-Resistenz
verursacht (16, 17). Die
Wahrscheinlichkeit eines Thromboserezidivs ist bei Vorliegen der Leiden-
Mutation vier- bis fünffach
erhöht (82). Weiterhin wird die Faktor-V-Mutation bei 60 Prozent der
Schwangerschaftsthrombosen
gefunden. Frauen, die zugleich orale Antikonzeptiva einnehmen und
Trägerinnen der Mutation sind,
haben ein 35fach erhöhtes Thromboserisiko (90). Auf der Basis der aktuellen
Datenlage raten wir zu
einem Screening der APCResistenz bei:
! Vorhandensein familiär gehäufter Thrombosen,
! einer erstmaligen primären Thrombose, unabhängig vom Alter der
Patienten,
! rezidivierender Thrombose,
! Schwangerschafts- und Wochenbetthrombose,
! geplanter Schwangerschaft und familiärer Thromboseneigung und
! bei einer geplanten oralen Antikonzeption.
Die Hyperhomocysteinämie (vererblich bei defekter Cystathioninbeta-
Synthetase, erworben bei Vitamin
B6- und B12- sowie Folsäure-Mangel) ist ein neuer unabhängiger venöser
Risikofaktor (18, 19). Weitere
bekannte prokoagulatorische Faktoren sind hereditäre Antithrombin- III-,
Protein-C- und S-Defizite mit
thrombotischem Erstereignis zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und
atypischer
Thromboselokalisation (Sinus-, Leber- und Armvenen) und die erworbenen
Antiphospholipid-Antikörper
(APL-Ak), die mit rezidivierenden klinischen Ereignissen (venöse und
arterielle Thrombosen, mehrfache
Aborte, Livedo) einhergehen (28).
Therapie
Höchste Priorität in der Behandlung haben die Hemmung des
Thrombosewachstums, die Beseitigung
der Thrombose mit dem Ziel einer restitutio ad integrum und die
Verhinderung der Lungenembolie sowie
des postthrombotischen Syndroms. Die Behandlungsstrategie basiert im
wesentlichen auf:
! Basismaßnahmen,
! einer sofortigen intravenösen oder subkutanen Antikoagulation mit Heparin,
übergehend auf eine meist
zeitlich befristete orale Antikoagulation,
! Thrombolyse in Einzelfällen
! und operativen Interventionen bei Spezialindikationen.
Basisbehandlung
Obwohl kontrollierte Studien über die Notwendigkeit der Immobilisierung
nicht vorliegen, entspricht es
der gängigen Lehrmeinung, allen Patienten mit Mehretagen- oder isolierter
proximaler Thrombose über
sieben bis zehn Tage Bettruhe zu verordnen (23). Dabei ist die Hochlagerung
der Beine zu empfehlen,
da hierdurch der venöse Rückstrom entscheidend verbessert wird. Bei
isolierter
Unterschenkelvenenthrombose ist keine Immobilisierung erforderlich, sofern
eine Kompression und
Antikoagulation insbesondere bei ambulanten Patienten gewährleistet ist.
Nach neueren Daten scheint
die sofortige Mobilisierung auch bei proximalen Thrombosen zu keinem
Nachteil hinsichtlich des
Neuauftretens von Lungenembolien zu führen (9, 72, 77). Bis zum Vorliegen
größerer kontrollierter
Untersuchungen sollten hieraus allerdings keine allgemein verbindlichen
Empfehlungen abgeleitet
werden.
Einen hohen Stellenwert in der Akutbehandlung der Thrombose besitzt die
Kompressionstherapie. Zur
optimalen Druckentfaltung müssen die Kompressionsverbände (Wickeln mit
Kurzzugbinden) täglich
erneuert werden. Wirkmechanismen der Kompressionstherapie sind die
Vermeidung einer weiteren
Thrombusapposition, die Fixierung flottierender Thrombusanteile, die
Beschleunigung des venösen und
lymphatischen Rückstroms (15). Kontraindikationen einer regelrechten
Kompressionsbehandlung sind
die periphere arterielle Verschlußkrankheit mit Knöchelarteriendrücken < 70
mm Hg und die seltene
Phlegmasia coerulea dolens. Auch die intermittierende pneumatische
Kompressionstherapie ist im
Stadium der akuten Thrombose kontraindiziert. Kompressionsstrümpfe sind
wegen des initial rasch
abnehmenden Beinödems in der Akutbehandlung ungeeignet und allenfalls
prophylaktisch am
nichtbetroffenen Bein verwendbar.
Medikamentöse Therapie
¿ Antikoagulation mit Standardheparin
Antikoagulans der ersten Wahl in der Akuttherapie der Thrombose ist
unverändert unfraktioniertes
Standardheparin (UFH). Von besonderer Bedeutung ist die adäquate
Antikoagulation innerhalb der
ersten 24 Stunden, da bei nicht ausreichender Intensität in bis zu 50 Prozent
der Patienten
Thromboserezidive auftreten (50). Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, den
antikoagulatorischen
Effekt der unfraktionierten Heparine zu monitorisieren und die Heparin-Dosis
individuell anzupassen
(39). Die Behandlung kann entweder als kontinuierliche intravenöse
Infusions- oder intermittierende
subkutane Injektionstherapie initiiert werden (46). Solange sich die partielle
Thromboplastinzeit (PTT)
im anzustrebenden Therapiebereich (Verlängerung der PTT auf das 1,5-
2,5fache des Kontrollwertes)
befindet, ist die Wirksamkeit beider Heparinapplikationen vergleichbar (84).
Jede Behandlung mit
unfraktioniertem Heparin wird mit einem intravenösen Bolus von 5 000 IE
(internationale Einheit)
gestartet (53). Es empfiehlt sich, die Therapie bereits bei
Thromboseverdacht, spätestens jedoch nach
Diagnosesicherung durch ein objektives Verfahren einzuleiten, sofern keine
manifesten
Kontraindikationen vorliegen. Unter kontinuierlicher intravenöser
Heparininfusion treten symptomatische
Lungenembolien in 0,5 bis 1 Prozent auf, die Letalität liegt unter 0,5 Prozent
(47). Eine Indikation zur
Antikoagulation sehen wir auch bei der Unterschenkelvenenthrombose, die
ohne Therapie in 20 Prozent
nach proximal aszendieren kann (78, 87).
Nach der Bolusgabe wird die kontinuierliche intravenöse Heparintherapie mit
einer Erhaltungsdosis von
30 000 bis 40 000 IE Heparin täglich fortgeführt (Tabelle 6) (50).
Dosismodifikationen werden bei
aktivierten partiellen Thromboplastinzeit-(APTT-)Werten
außerhalb des Zielbereiches erforderlich und sind schematisiert
vorzunehmen (Tabelle 7) (48). Die
Dauer der intravenösen Antikoagulation kann ohne Verlust der Sicherheit
oder Wirksamkeit auf fünf
Tage verkürzt werden, sofern die orale Antikoagulation bereits innerhalb der
ersten 48 Stunden
eingeleitet wird (47). Vorteile liegen in der Kostenersparnis durch kürzeren
Krankenhausaufenthalt und
in dem selteneren Auftreten der heparinassoziierten Thrombozytopenie Typ II
(3, 56). Bei Patienten mit
einem hohen Blutungsrisiko (posttraumatisch oder perioperativ) ist es ratsam,
die orale Antikoagulation
verzögert zu beginnen (47).
Nach der Publikation mehrerer kontrollierter Studien ist die subkutane,
gewichtsadjustierte Gabe von
unfraktioniertem Heparin im Vergleich zur kontinuierlichen intravenösen
Heparininfusion in der
Akuttherapie gleichrangig (Tabelle 6) (43, 46). Die Vorteile der subkutanen
Therapie im Vergleich zur
intravenösen Therapie liegen in der einfacheren Applikation,
Kostenersparnis, geringeren Rate an
Blutungskomplikationen und in der ambulant durchführbaren Therapie.
À Niedermolekulare Heparine
Die hervorragende Bioverfügbarkeit der verschiedenen niedermolekularen
Heparine (low molecular
weight heparin, LMWH) mit längerer Halbwertszeit erlaubt eine
gewichtsadjustierte Dosierung mit einer
geringen Anzahl erforderlicher Injektionen (1, 35, 49, 75). Neuere
pharmakodynamische Daten belegen,
daß bestimmte LMWH bei ein- bis zweimaliger Injektion einen anhaltenden,
24 Stunden währenden
antikoagulatorischen Effekt zeigen und auf ein Labor-Monitoring verzichtet
werden kann (86). Eine
Metaanalyse von 16 randomisierten Studien mit verschiedenen
niedermolekularen Heparinen wie
Tinzaparin, Enoxaparin, Nadroparin und Dalteparin belegt die mindestens
ebenbürtige Wirksamkeit in
der Thrombosetherapie, verglichen mit dem unfraktionierten Heparin (61).
Allerdings ergeben sich für die untersuchten LMWH deutliche Unterschiede
bezüglich der Häufigkeit
thromboembolischer Komplikationen und Blutungen, folglich können die
Ergebnisse einer Substanz
nicht auf andere Präparate übertragen werden. Wichtige Vorteile ergeben
sich durch die deutlich
geringere Inzidenz unerwünschter Nebenwirkungen (Tabelle 8). Die
unmittelbar bevorstehende
Zulassung bestimmter niedermolekularer Heparine in Deutschland eröffnet
die attraktive Perspektive, die
Akuttherapie der Thrombose durch eine ein- bis zweimalige Injektion ohne
Laborkontrollen erheblich zu
vereinfachen. Aktuelle Studien belegen zudem, daß eine häusliche
Thrombosetherapie mit LMWH
ebenso wirksam und sicher sein kann wie die stationäre Therapie mit
unfraktioniertem Heparin (58, 69).
Sehr wahrscheinlich werden ausgewählte niedermolekulare Heparine die
klassische Heparintherapie in
Zukunft ersetzen.
Á Antikoagulation mit Markumar
Die Umstellung der antithrombotischen Therapie auf Kumarine muß
überlappend mit Heparin über
mindestens vier bis fünf Tage erfolgen. Obwohl der Quickwert bereits nach
zwei bis drei Tagen in einem
therapeutischen Bereich sein kann, entfalten orale Vitamin-K-Antagonisten
erst nach drei bis vier Tagen
ihre volle antikoagulatorische Wirkung, da zu Beginn der Kumarinbehandlung
das ebenfalls
Vitamin-K-abhängige Protein C mit kürzerer Halbwertszeit rascher sinkt als
die Gerinnungsfaktoren.
Deshalb überwiegt zunächst das thrombogene Potential. Patienten, die allein
mit Kumarinen ohne
begleitende Heparinisierung behandelt werden, entwickeln in 20 Prozent eine
symptomatische
Thromboseausdehnung (10). Zudem steigt das Risiko der Kumarinnekrose
mit der Dosis zu Beginn der
Antikoagulation. Es wird daher heute empfohlen, die Kumarintherapie
langsam einzuschleichen und eine
initiale Dosis des in Deutschland vorwiegend verwendeten Phenprocoumons
von 6 bis maximal 9
Milligramm täglich zu wählen. Ein praktikables Schema zur oralen
Antikoagulation ist der Beginn mit
2-2-2-2 oder 3-3-2 Tabletten Phenprocoumon während der ersten vier
respektive drei Tage.
Die "international normalized ratio" (INR) ist das Resultat internationaler
Bemühungen, den Grad der
Antikoagulation unabhängig vom verwendeten Testsystem zu bestimmen
(71). Bis zur breiten
Etablierung des INR-Systems ist es im Sinne der ärztlichen Kommunikation,
Quick- und INRWert
parallel anzugeben. Eine Antikoagulation mittlerer Intensität mit einem INR-
Wert zwischen 2 und 3 wird
für die Behandlung der erstmaligen primären und sekundären venösen
Thrombose empfohlen (51),
obgleich eine wesentlich geringere Intensität noch ausreichend wirksam zu
sein scheint (4). Bei
rezidivierenden Thromboembolien unklarer Genese oder in Folge einer nicht
beeinflußbaren
Thrombophilie (hereditär oder erworben) ist eine intensivierte Antikoagulation
mit einem INR-Wert
zwischen 3 und 4,5 (Quick 20 bis 15 Prozent) erforderlich (70, 78). Zwar
steigt das Blutungsrisiko bei
zunehmender Intensität der Antikoagulation exponentiell an, andererseits
korreliert das Risiko schwerer
Blutungen invers mit der Dauer der Antikoagulation und fällt nach dem ersten
Jahr der Antikoagulation
von monatlich 3 Prozent auf 0,3 Prozent (59).
Während deutliche Fortschritte in der Frage der optimalen Intensität
festzustellen sind, bleibt die
optimale Dauer der oralen Antikoagulation noch immer Thema aktueller
Studien (68, 85). Obwohl
kontrollierte Untersuchungen in ausreichender Größe fehlen, ist die
Antikoagulation bei tiefer
Venenthrombose über drei bis sechs Monate verbreitet. Das Problem der
optimalen Dauer liegt in der
Heterogenität der Thrombosen hinsichtlich der Ätiologie, des Verlaufes und
des Rezidivrisikos (38).
Prospektive Studien zeigen seltener Thromboserezidive bei reversiblen und
passageren Risikofaktoren
(perioperativ und posttraumatisch) im Vergleich zur idiopathischen
Thrombose oder beim Vorliegen
nicht beeinflußbarer und permanenter Risikofaktoren (Karzinom, hereditäre
und erworbene
Thrombophilie) (68, 80, 85). Die Daten der 1995 veröffentlichten DURAC-
Studie (duration of
anticoagulation trial study group) belegen die Überlegenheit einer
halbjährigen im Vergleich zur
sechswöchigen Kumarintherapie bei erstmaliger idiopathischer oder
erstmaliger sekundärer Thrombose
mit permanentem Risikofaktor mit einer Reduktion der Thromboserezidive um
annähernd 50 Prozent
(85). Auf der Basis der aktuellen Datenlage sind die bisherigen
Empfehlungen zur Dauer der
Kumarintherapie zu revidieren und weiter zu differenzieren (Tabelle 9) (38,
68, 85).
 Thrombolyse
Lediglich die medikamentöse Thrombolyse führt zu einer hohen
Reperfusionsrate, wobei vermutlich die
komplette Rekanalisation mit Erhalt der Klappenfunktion zur Prävention des
postthrombotischen
Syndroms entscheidend ist. Die Erfolgsquoten der Fibrinolyse hängen
wesentlich vom Alter der
Thrombose ab und sinken bei mehr als einer Woche alten Thrombosen
deutlich ab (34, 83). Nur in
wenigen prospektiven Studien wurde der Verlauf des postthrombotischen
Syndroms über einen
Zeitraum von zehn oder mehr Jahre beschrieben, wobei Ulcera cruris noch
bei sieben Prozent der
erfolgreich fibrinolysierten Patienten aufbrechen (20, 25). Zudem treten
Lungenembolien unter
Thrombolyse keineswegs seltener auf als unter konventioneller
Antikoagulation (74). Hinzu kommt das
zwei- bis vierfach erhöhte Risiko intrakranieller Blutungen unter
fibrinolytischer Therapie (67). Die
Letalität der akuten Phlebothrombose wird unter adäquater Heparintherapie
mit 0,4 bis 1,6 und unter
Fibrinolyse mit 1 bis 2,4 Prozent angegeben (15).
Die Indikation zur fibrinolytischen Therapie kann elektiv gestellt werden bei:
! Mehretagenthrombose,
! einem vermutlichen Thrombosealter von weniger als sieben bis zehn Tagen,
! sicherem Ausschluß von Erkrankungen, die das Erleben des
postthrombotischen Syndroms
unwahrscheinlich machen und
! Überprüfung sämtlicher Kontraindikationen (Tabelle 10).
Es wird geschätzt, daß bei strikter Beachtung der Kautelen allenfalls 10 bis
20 Prozent der Patienten mit
proximaler Thrombose für eine Lysetherapie in Betracht kommen. Nach
umfangreicher Aufklärung
entscheiden sich zudem mehr als 50 Prozent der Patienten gegen eine
Thrombolyse (12). Ob
Modifikationen der Thrombolyse hinsichtlich der Dauer und Dosis
(ultrahochdosierte Kurzzeitlyse mit
Streptokinase) (Tabelle 11), der verwendeten Substanz (Urokinase, rt-PA,
APSAC), der Applikation
(lokoregionäre Lyse, Katheterlyse) und der Begleitmaßnahmen (passagere
Cava-Filter) die
Nutzen-/RisikoRelation verbessern, wird in gegenwärtigen Studien geprüft.
Operative Eingriffe
Der Stellenwert der Thrombektomie wird trotz günstiger Frühergebnisse (62
Prozent komplette, 38
Prozent partielle Thrombusentfernung) restriktiv diskutiert, da die operativ
bedingte venöse
Endothelverletzung und inkomplette Thrombusentfernung in den meisten
Fällen noch während des
stationären Aufenthaltes zu einer Rethrombose führt (60, 91). Außerdem
scheint die Inzidenz des
postthrombotischen Syndroms postoperativ nicht geringer zu sein (42).
Akzeptierte Indikation zum
operativen Eingriff ist lediglich die sehr seltene Phlegmasia coerulea dolens.
Die Thrombektomie kann
im Einzelfall bei isolierter, bis zur Krosseneinmündung deszendierender
Beckenvenenthrombose und bei
über die Krosse in das tiefe Venensystem mündender Thrombose der Vena
saphena magna
("Kragenknopfthrombose") (Abbildung 3) diskutiert werden, stellt aber keine
Routinebehandlung dar
(Tabelle 12).
Wenn trotz adäquater oder bei kontraindizierter Antikoagulation
Lungenembolien auftreten, ist die
Indikation zur Implantation eines Cava-Schirmes gegeben, der von
transjugulär eingeführt werden kann
(29). Alternativ kommen die chirurgische Ligatur, Plikation oder
Kompartimentalisation der Vena cava
inferior zum Einsatz (6).
Therapie der Axillar-Subklavia-Venenthrombose
Die Thrombose der V. axillaris (Paget-von-Schroetter-Syndrom) imponiert
klinisch durch die Trias von
Unterarm-, Oberarm- und Schulterschmerz, Schwellung und Zyanose.
Ursächlich kommen das häufig
bilateral auftretende Schultergürtel-Kompressions-Syndrom, zentralvenöse
Katheter, die intravenöse
Infusion von Medikamenten (Zytostatika, hypertone Lösungen), Malignome,
thrombophile Zustände
und körperliche Anstrengung ("par effort") in Betracht. Komplikationen wie die
Phlegmasia coerulea
dolens und eine Ulzera als Folge der Armvenenthrombose spielen kaum eine
Rolle. Die Diagnostik
erfolgt nach den auch bei Beinvenenthrombose gültigen Strategien. Die
anzuwendenden therapeutischen
Maßnahmen orientieren sich sowohl an dem Beruf als auch an dem Alter des
jeweiligen Patienten.
Gewöhnlich bilden sich die Symptome unter konservativer Therapie
(kurzfristige Ruhigstellung,
Hochlagerung, Kompression und therapeutische Heparinisierung) binnen
weniger Tage zurück. Es wird
empfohlen, eine anschließende Therapie mit Kumarin über einen Zeitraum
von drei Monate
anzuwenden. Eine Thrombolyse ist nur in Ausnahmefällen zu diskutieren
(beispielsweise bei jüngeren
Sportlern mit erheblicher Stase). Eine Thrombektomie sollte nicht
durchgeführt werden, da bei dieser in
0,6 Prozent der behandelten Fälle mit einem möglichen Verlust von
Extremitäten gerechnet werden muß
(41).
Therapie in Schwangerschaft und Wochenbett
Standardheparin ist das Antikoagulans der Wahl, da es nicht plazentagängig
ist und beim Fetus oder
Neugeborenen keine schädlichen Wirkungen entfaltet. Ziel ist die
therapeutische Heparinisierung.
Zunächst wird Heparin intravenös über fünf bis zehn Tage, später subkutan
appliziert (89). Nachteil der
Heparintherapie ist der dramatische Anstieg der Osteoporose bei einer
Applikation von mehr als 20 000
IE Heparin täglich über mehr als fünf Monate (36). Da die niedermolekularen
Heparine ebenfalls nicht
Sandmann, Prof. Dr. med. Wilhelm; Grabitz, Prof. Dr. med. Klaus;
Pillny, Dr. med. Michael
Die tiefe Venenthrombose: Andere
Erfahrungen
in: Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 33 (15.08.1997), Seite A-2140 (Zu dem
Beitrag von Prof. Dr. med.
Curt Diehm Dr. med. Frank Stammler Dr. med. Klaus Amendt in Heft 6/1997)
MEDIZIN: Diskussion
Das Thema "Die tiefe Venenthrombose - Diagnostik und Therapie" verheißt
eine umfassende und
objektive Darstellung der Problematik. Nicht in allen Punkten werden die
Autoren diesem Anspruch
gerecht. Die gesicherten Indikationen für die Thrombektomie umfassen nicht
nur die Phlegmasia
coerulea dolens. Nach unserer Erfahrung stellen ebenso die embolisierenden
tiefen Venenthrombosen,
die proximalen Thrombosen mit Beteiligung der unteren Hohlvene, isolierte
Cava- und
Beckenvenenthrombosen sowie Vieretagenvenenthrombosen eine
chirurgische Indikation dar. Nicht nur
während der Schwangerschaft, sondern auch peri- und postpartal ist die
Thrombektomie bei unseren
Patienten eine sehr erfolgreiche Methode zur kompletten Wiederherstellung
der tiefen Venen, zur
Beseitigung der Emboliequelle und zur Vermeidung des postthrombotischen
Syndroms (1). Bei
Vorliegen von Kontraindikationen zur Fibrinolyse ist die operative Entfernung
der Gerinnsel ohnehin die
einzige effektive Methode, und aus eigener Erfahrung weisen wir darauf hin,
daß Feststellungen zur
allgemeinen und lokaltechnischen Operabilität immer im direkten Kontakt mit
einer diesbezüglich
erfahrenen gefäßchirurgischen Klinik getroffen werden sollten.
Thromboembolische Komplikationen bei
und durch Cavafilter, insbesondere Cavathrombosen,
Lungenarterienembolien trotz Cavafilter und
deszendierende Ileofemoralvenenthrombosen bei Cavafilter sind nach
eigener Erfahrung ebenfalls
gefäßchirurgisch erfolgreich therapierbar (2), erfordern aber große Erfahrung
in der
Wiederherstellungschirurgie der tiefen Venen (3). In diesem Zusammenhang
fordern wir eine wesentlich
kritischere Indikationsstellung zur Implantation von Cavaschirmfiltern als
derzeit in Mode. Die
chirurgische Ausräumung der Emboliequelle erscheint nicht nur nach eigener
Erfahrung, sondern auch
unter Berücksichtigung der Thromboserisikofaktoren in Anlehnung an die
Virchowsche Trias wesentlich
physiologischer als das Einbringen eines Metallgerüstes in eine zarte
Hohlvene! Daß Cavaschirmfilter
eine erhebliche Eigenkomplikationsrate haben, wird in der Literatur erst
allmählich evident (4, 5, 6, 7).
Wie in dem Artikel von Diehm und Mitarbeitern erwähnt, sind zirka 95
Prozent der Thrombosen in der
V. cava inferior und den Beckenbeinvenen lokalisiert. Bis zu 20 Prozent sind
embolisierend. Deshalb ist
eine rasche und sichere Beseitigung der Thromben wünschenswert. In
diesem Zusammenhang ist uns
völlig unverständlich, woher die Autoren wissen, daß die operativ bedingte
venöse Endothelverletzung
und inkomplette Thrombusentfernung durch die chirurgische Thrombektomie
in den meisten Fällen
noch während des stationären Aufenthaltes zu einer Rethrombose führen
soll. Bei unseren Patienten
beträgt die primäre Offenheitsrate nach Thrombektomie der unteren
Hohlvene 87,1 Prozent und für
Thrombosen im ileofemoralen Bereich 80 Prozent (8, 9). Bei Thrombosen mit
Ausdehnung in den
Unterschenkelbereich sind die Zahlen für Re- oder Postthrombosen natürlich
höher, weil
Unterschenkelvenen nur bedingt chirurgisch erreichbar sind (10). Unter
Berücksichtigung der Reeingriffe
bei Frühverschluß ergab sich bei unseren engmaschig kontrollierten
Patienten eine Offenheitsrate bei
Entlassung von 98 Prozent! Natürlich dürfen Eingriffe am tiefen Venensystem
nicht mit der gleichen
operativen Technik durchgeführt werden wie am Arteriensystem. Der
Gebrauch von Klemmen,
Pinzetten und anderen quetschenden Instrumenten an den zarten
Venenwänden ist völlig obsolet,
insofern wird bei der Operation keine venöse Endothelverletzung gesetzt,
zumal sich bei richtiger
Indikationsstellung die Thromben aus den tiefen Beinvenen durch
mehrmalige
Kompressionsthrombektomie komplett entfernen lassen, ohne daß
Instrumente in das Venensystem
eingeführt werden. Das Einbringen eines venösen Ballonkatheters in die
Beckenvenen sowie in die
untere Hohlvene, ja sogar das Abstreifen der Thromben von der Beckenwand
und der V. cava inferior
mit Hilfe von gerundeten Metallsonden schafft sicherlich keine venöse
Endothelverletzung, welche zur
Rethrombose bereits zum Zeitpunkt des stationären Aufenthaltes führt.
Die optimale Behandlung der tiefen Becken-Beinvenenthrombose richtet sich
in erster Linie nach dem
Thrombosealter, der Ausdehnung und dem Verlauf der Thrombose und
berücksichtigt die
Risikofaktoren und Kontraindikationen von Fibrinolyse und operativer
Thrombektomie. Sowohl für die
Fibrinolyse als auch für die operative Thrombusentfernung werden die
Erfolgsaussichten mit
zunehmendem Thrombosealter schlechter. Grundsätzlich besteht aber für die
Thrombektomie noch eine
gute Aussicht zur kompletten Wiederherstellung der Strombahn, wenn die
Erfolgsaussichten der
Lysetherapie bereits gering sind oder die Fibrinolyse versagt hat (11, 12).
Gerade bei Einsatz der
Fibrinolyse wird geflissentlich übersehen, daß die Thrombusapposition
konzentrisch und longitudinal
geschieht und die anamnestisch feststellbare Thrombosekomplikation
(Beinschwellung,
Lungenarterienembolie) das tatsächliche Thrombosealter immer unterschätzt.
Häufig sind zum
Therapiezeitpunkt überwiegende Thrombusanteile schon wesentlich älter und
durch zelluläre Reaktion
wandadhärent. Darauf begründet sich nach eigener Erfahrung im Umgang mit
Fibrinolyseversagern die
Reocclusion nach zunächst erfolgreich verlaufender Fibrinolyse. Die
mechanische Thrombusablösung ist
zu diesem Zeitpunkt in erfahrenen Händen allerdings häufig noch möglich.
Selbstverständlich gelingt es auch der chirurgischen Thrombusentfernung
nicht immer, die Gerinnsel
komplett zu beseitigen. Insbesondere bleiben nichtoccludierende
Thrombusinseln im Bereich von
Klappentaschen und Strömungsverteilern gelegentlich zurück. Aus diesem
Grund ist die Thrombektomie
immer mit einer protektiven arteriovenösen Fistel, je nach Ausdehnung der
Thrombose auf Stufe
Kniekehle, Oberschenkel oder Leistenbeuge, zu versehen. Dadurch werden
die
Strömungsgeschwindigkeit und die Stromstärke in den thrombektomierten
Venen erhöht und einer
Reocclusion wirksam vorgebeugt. In Verbindung mit einer konsequenten
Antikoagulation unter
Berücksichtigung der heute bekannten plasmatischen Thrombosefaktoren
lassen sich die benannten
eigenen, von Diehm und Mitarbeitern deutlich abweichenden
Behandlungsergebnisse zwanglos erklären.
Das immer wieder kontrovers diskutierte Vorgehen kann nicht entweder
chirurgisch oder internistisch,
sondern nur durch Selektion des geeigneten Patienten für die geeignete
Therapie unter Berücksichtigung
und Nachweis der eigenen Behandlungsergebnisse und nicht unter
Berücksichtigung der Ergebnisse in
der Literatur gelöst werden.
Die Thrombektomie hat unseren Ermessens folgende Vorteile gegenüber der
nicht operativen Therapie:
1 Sichere Beseitigung der Emboliequelle,
1 kein Einbringen von Fremdmaterial (permanente Endothelschädigung!),
1 keine Spätfolgen durch Fremdmaterial,
1 geringer Anteil an intraoperativen Lungenembolien,
1 Sperrmaßnahmen im Bereich der V. cava inferior nicht notwendig,
1 Möglichkeiten zur Erhaltung der Klappenfunktion in zirka 50 Prozent und
1 ganz geringe Anzahl von rezidivierenden Lungenembolien.
Insofern sollte die venöse Thrombektomie mit protektiver temporärer
arteriovenöser Fistel gegenüber
der alleinigen Antikoagulation wie auch gegenüber der Fibrinolyse als
bessere, primäre
Behandlungsalternative in Erwägung gezogen werden und die Fibrinolyse
nur in Fällen mit optimalen
Erfolgsaussichten bevorzugt werden, soweit keine Kontraindikationen
vorliegen. Die alleinige
Antikoagulation mit Kompression sollte nur Patienten mit
Unterschenkelvenenthrombosen vorbehalten
bleiben sowie inoperablen Patienten, zumal konservativ behandelte
Thrombosen im Ileofemoral- und
Popliteastromgebiet bei Patienten mit erhöhtem plasmatischen
Thromboserisiko im weiteren Verlauf des
Lebens immer Ausgangspunkt einer Rezidivthrombose mit Lungenembolie
werden können. Aufgrund
eigener Operationsergebnisse, auch bei Patienten mit vorausgegangener
erfolgloser Fibrinolysetherapie,
empfehlen wir Diehm und Mitarbeitern, ihre Behauptung, die operativ
bedingte venöse
Endothelverletzung und inkomplette Thrombusentfernung würde in den
meisten Fällen noch während
des stationären Aufenthaltes zu einer Rethrombose führen, zurückzunehmen.
Literatur bei den Verfassern
Prof. Dr. med. Wilhelm Sandmann
Prof. Dr. med. Klaus Grabitz
Dr. med. Michael Pillny
Klinik für Gefäßchirurgie und Nierentransplantation
Medizinische Einrichtungen der
Heinrich-Heine-Universität
Moorenstraße 5 · 40225 Düsseldorf
© 1996,97 Deutscher Ärzte-Verlag; entwickelt von MediaCom GmbH
Die tiefe Venenthrombose: Bedeutung der
Kompressionssonographie
in: Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 33 (15.08.1997), Seite A-2141 (Zu dem
Beitrag von Prof. Dr. med.
Curt Diehm Dr. med. Frank Stammler Dr. med. Klaus Amendt in Heft 6/1997)
MEDIZIN: Diskussion
Sehr zu begrüßen ist, daß in der lesenswerten Abhandlung die große
Bedeutung der bildgebenden
Sonographie bei der Diagnostik der symptomatischen akuten tiefen
Venenthrombose dargestellt wird.
Durch ihren Einsatz hat sich gegenüber der "Phlebographieära" die Zahl der
entdeckten
Beinvenenthrombosen im Alltag des Klinikarztes etwa verdoppelt! Dies ist
aber nur möglich, wenn die
Methode freizügig beim geringsten klinischen Verdacht eingesetzt wird.
Verfolgt man diese Strategie, so
wird die "Beinvenensonographie" zu einer der häufigsten organbezogenen
Einzelanforderungen im
Ultraschalllabor. Bei den großen Untersuchungszahlen spielt naturgemäß die
zu erwartende
Untersuchungsdauer eine große Rolle. Diese liegt, wie angegeben, bei der
farbkodierten
Duplexsonographie (FKDS), die primär auf die Darstellung der Offenheit des
Gefäßlumens abzielt, bei
etwa 20 Minuten pro Bein. Da bei einer Untersuchung prinzipiell beide Beine
(zirka 20 bis 30 Prozent
der Thrombosen sind beidseitig) geschallt werden sollten, ist eine Dauer von
40 Minuten zu
veranschlagen, was viele Ultraschalllabors bei zu erwartenden mehrfachen
täglichen Anforderungen an
den Rande der personellen Dekompensation bringen kann.
In diesem Zusammenhang und auch unter der Kenntnis, daß nicht überall ein
Farbdopplergerät zur
Verfügung steht, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß die mit dem
alleinigen B-Bild-Sonogramm
durchführbare Kompressionssonographie ein Verfahren ist, mit dem, wie
Studien zeigen (1-4), auch im
Unterschenkel symptomatische akute Thrombosen mit einer Sensitivität von
zirka 90 Prozent und einer
Spezifität von über 95 Prozent dargestellt werden können. Da im Gegensatz
zur FKDS nicht das offene,
sondern das verschlossene Lumen ("nicht komprimierbarer, echoarmer
Strang an typischer Stelle")
aufgesucht wird, liegt die Untersuchungszeit im Vergleich zur FKDS bei etwa
der Hälfte. Prinzipiell kann
eine Venensonographie bei der Suche nach einer akuten Thrombose ohne
Verlust an Treffsicherheit so
konzipiert werden, daß mit dem Ultraschallgerät zunächst mit der Technik der
Kompressionssonographie eine eventuelle Thrombose aufgespürt wird und
die Farbe erst eingeschaltet
wird, um einen Verschluß näher hämodynamisch zu charakterisieren
(Randfluß, flottierendes
Thrombusende, Kollateralen und anderes). An dieser Stelle sollte auch
erwähnt werden, daß die im
Unterschenkel liegenden Venen des Musculus gastrocnemius und soleus,
welche bei bettlägerigen
Patienten durch Thrombosierung häufig als Starter eines Verschlusses der
tiefen Leitvenen fungieren,
mit der FKDS wegen des inkonstant nachweisbaren Flusses nur unsicher auf
Offenheit geprüft werden
können. Verschlüsse in diesem Bereich sind aber ab einem Durchmesser von
zirka 0,5 cm allein durch
die Kompressionssonographie gut erkennbar. Unabhängig von diesen
Überlegungen bleibt festzuhalten,
daß jede Ultraschallmethode ein untersucherabhängiges Verfahren ist,
dessen Interpretation speziell bei
der Untersuchung der Unterschenkelvenen wegen der dort vorliegenden
komplexeren Anatomie einer
größeren Erfahrung bedarf, die durch strukturierte Ausbildung und Übung
gewonnen werden muß.
Literatur
1 Elias A, Le Croff G, Bouvier JL et al.: Value of real-time B-mode ultrasound
imaging in the diagnosis
of deep vein thrombosis of the lower limbs. Intern Angiol 1987; 6: 175-182.
2 Habscheid W, Landwehr P: Diagnostik der akuten tiefen
Beinvenenthrombose mit der
Kompressionssonographie. Ultraschall 1990; 11: 268-273.
3 Krings W, Adolf J, Diedrich S et al.: Diagnostik der tiefen Becken-Bein-
Venenthrombose mit
hochauflösender Real-time- und cw-Dopplersonographie. Radiologe 1990;
30: 525-531.
4 Yurcel KE, Fisher JS, Egglin ThK et al.: Isolated calf venous thrombosis:
Diagnosis with compression
vs. Radiology 1991; 179: 443-446.
Priv-Doz. Dr. med. W. Habscheid
Medizinische Klinik
Paracelsus-Krankenhaus Ruit
Heldelfingerstraße 166
737690 Ostfildern
© 1996,97 Deutscher Ärzte-Verlag; entwickelt von MediaCom GmbH
Kroener, Dr. med. Dieter
Die tiefe Venenthrombose: Psychosomatische
Ursachen
in: Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 33 (15.08.1997), Seite A-2142 (Zu dem
Beitrag von Prof. Dr. med.
Curt Diehm Dr. med. Frank Stammler Dr. med. Klaus Amendt in Heft 6/1997)
MEDIZIN: Diskussion
Der Artikel geht leider mit keinem einzigen Wort auf mögliche
psychosomatische Zusammenhänge ein.
Die Anamnese beginnt mit Beginn der Beschwerden, und das Krankheitsbild
wird rein
chemischmechanistisch gedeutet. Nachdem ich seit Jahren in meiner
proktologisch ausgerichteten Praxis
viele perianale Thrombosen behandle, habe ich im Zuge einer ganzheitlichen
Anamneseerhebung auch
nach Thrombosen an anderen Körperstellen gefragt. Dabei mußte ich die
überraschende Feststellung
machen, daß viele Patienten in der Vergangenheit bereits
thromboembolische Geschehen an anderen
Organen hatten: Beinvenenthrombosen (mit oder ohne Varizen), Herz- und
Lungeninfarkte,
apoplektische Insulte oder Augenhintergrunds-Thrombosen. Die
Beobachtung legt den Schluß nahe, daß
es sich bei Thrombosen an unterschiedlichen Körperstellen nur um
topographische Varianten einer
erhöhten Gerinnungsbereitschaft handelt, also um eine psychosomatische
Konditionierung.
Bei den perianalenThrombosen als frischem Geschehen ist es fast
ausnahmslos möglich, mit wenigen,
für den Patienten nachvollziehbaren Fragen ein akutes biographisches
Ereignis (live event) zu finden, das
als Stressor angesehen werden kann. Ich ziehe als Anhaltspunkt die
Streßpunkteliste nach Holms und
Rahe heran.
Angesichts des mangelhaften Körperbezugs der meisten Patienten pflege ich
zu fragen: "Hat sich in
diesen Tagen in Ihrem Leben etwas ereignet, das geeignet war, eine
Stimmungslage zu erzeugen, von
der der Volksmund sagt ,Jetzt bin ich stocksauer'; ,Da stockt einem das Blut
in den Adern'?"
Der Patient stellt häufig überrascht die Gegenfrage: "Meinen Sie, Herr
Doktor, daß das auch etwas
Seelisches sein kann?" Dann erzählt er seine aktuelle Lebenssituation
beziehungsweise das akute
Ereignis, in dessen Anschluß er einen Knoten am Enddarm entdeckt hat.
In diesem Zusammenhang war es mir dann auch vielfach möglich, den
psychosomatischen
Zusammenhang bei lange zurückliegenden thrombotischen Ereignissen
abzuklären. Sie ereignen sich
aber auch im Rahmen einer psychosovegetativen Erschöpfungsdepression;
dann fehlt im allgemeinen das
akute Ereignis.
Ich denke, daß die von den Autoren angegebenen Erklärungen zur Genese
der tiefen Venenthrombosen
Hilfskonstruktionen sind, die einer psychosomatischen Nachprüfung nicht
standhalten dürften. Über das
vegetative Nervensystem drücken wir nun einmal ständige innere und äußere
Stressoren aus (Eustreß
wie Distreß).
Dr. med. Dieter Kroener
Rheinstraße 26
55116 Mainz
© 1996,97 Deutscher Ärzte-Verlag; entwickelt von MediaCom GmbH
Diehm, Prof. Dr. med. Curt; Stammler, Dr. med. Frank
Die tiefe Venenthrombose: Schlußwort
in: Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 33 (15.08.1997), Seite A-2142 (Zu dem
Beitrag von Prof. Dr. med.
Curt Diehm Dr. med. Frank Stammler Dr. med. Klaus Amendt in Heft 6/1997)
MEDIZIN: Diskussion
Zum Leserbrief von Sandmann, Grabitz und Pilny
Es bleibt festzuhalten, daß die von W. Sandmann et al. favorisierten
Indikationen zur Thrombektomie
nicht der Auffassung einer allgemein akzeptierten Fachgesellschaft
entsprechen, sondern die persönliche
Meinung der Arbeitsgruppe reflektieren. Selbst von namhaften
Gefäßchirurgen wird bis heute die
Thrombektomie bei tiefer Venenthrombose äußerst zurückhaltend diskutiert.
Wir zitieren beispielhaft aus einem gefäßchirurgischen Standardwerk (1):
"Although the operative results
are impressive, venograms obtained prior to discharge from the hospital show
rethrombosis in most
patients, and there does not seem to be any lesser incidence of the
postthrombotic syndrome.
Consequently, the procedure is now usually reserved for limb salvage in the
presence of phlegmasia
cerulea dolens and impending venous gangrene." (dt. Übersetzung: "Obwohl
die operativen Ergebnisse
[der Thrombektomie] beeindruckend sind, zeigen die vor Entlassung
durchgeführten Phlebographien bei
den meisten Patienten eine Rethrombose, und die Inzidenz des
postthrombotischen Syndroms scheint
nicht verringert. Konsequenterweise ist dieses Verfahren lediglich bei der
Phlegmasia coerulea dolens
und drohender venöser Gangrän zum Erhalt der Extremität einzusetzen.")
Auch wir zeigen uns von den Ergebnissen der Arbeitsgruppe um Sandmann
mit einer ungewöhnlich
hohen Offenheitsrate von 98 Prozent nach Thrombektomie zum Zeitpunkt der
Entlassung beeindruckt.
Neben der offensichtlich besonders endothel-schonenden Operationstechnik
dürfte die regelmäßige
Anlage einer arteriovenösen Fistel für das exzellente Ergebnis verantwortlich
sein. Bereits 1984
berichteten Plate et al. bei Patienten mit proximalen Thrombosen über eine
Offenheitsrate von 76
Prozent und einem Stauungssyndrom von gerade sieben Prozent, sechs
Monate nach Thrombektomie
bei simultaner Anlage einer arteriovenösen Fistel (5). Es ist uns daher
unverständlich, warum nicht selten
selbst in gefäßchirurgischen Zentren noch ohne passagere Fistelanlage
thrombektomiert wird.
Allerdings ist es unzulässig, auf der Basis einer guten Offenheitsrate auf die
Überlegenheit der
Thrombektomie hinsichtlich der klinisch entscheidenden Endpunkte
Lungenembolie, postthrombotisches
Syndrom und Letalität im Vergleich zur konventionellen Antikoagulation zu
schließen. Bei den von
Sandmann et al. thrombektomierten Patienten lag zum Beispiel die
Krankenhaus-Letalität mit zwei und
vier Prozent deutlich höher im Vergleich zu der in der Literatur
beschriebenen Letalität bei effektiv
Nummer:
51
UhrZeit:
14.15 - 14.27
Titel:
Intermittierende regionale versus systemische
Thrombolyse mit rt-PA-Norddeutsche Multicenterstudie TVT
Referenten:
G. Schwieder 1, W. Grimm 1,
H.J. Siemens 1, B. Flor 2, A. Hilden 3,
E. Gmelin 4, H.J. Friedrich 1 und T. Wagner 1, 1Lübeck, 2Stralsund,
3Göttingen/Weende und 4Hannover
Problemstellung: Timmermann und Mitarb. haben 1992 erstmals über die
intermittierende lokoregionäre
rt-PA-Lyse berichtet und sehr hohe Lyseraten angegeben. Da die
lokoregionäre Applikation in dieser
unizentrischen Studie deutlich wirksamer war als die Thrombolyse mit den
"klassischen" Substanzen
Streptokinase und Urokinase, entschlossen wir uns, in einer prospektiven
randomisierten Studie
multizentrisch dieses Therapiekonzept zu überprüfen.
Methode: Nach Phlebographie wurden unter Beachtung der üblichen
Kontraindikationen 20 mg rt-PA in
4h entweder über eine Fußrückenvene des straff gewickelten, betroffenen
Beines oder eine beliebige
Armvene über 4-7 Tage infundiert. Parallel wurde Heparin unter Kontrolle der
aPTT (Verlängerung auf
das 1,5 bis 2-fache) appliziert. Danach erfolgte obligat eine erneute
Phlebographie zur Dokumentation des
Lyse-Erfolges. Die Röntgenfilme wurden anschließend zentral und
unabhängig ausgewertet: Progression,
keine Lyse <50 %, Lyse >50 %, komplette Lyse.
Ergebnisse: 162 Patienten wurden randomisiert und 137 Lysen waren
auswertbar (lokal 69, systemisch
68). Die Lyseraten waren in beiden Gruppen nicht unterschiedlich: in der
lokalen Gruppe war nur bei 21
Patienten (30,4 %) und in der systemischen Gruppe bei 22 Patienten (32,4
%) ein Lyse-Erfolg
nachweisbar. Demzufolge lag die Rate der unzureichenden Lysen lokal bei
48 Patienten (69,9 %) und
systemisch bei 46 Patienten (67,6 %).
Schlußfolgerung: Diese Ergebnisse sind sowohl den Lyseraten bei
kontinuierlicher systemischer
Applikation von rt-PA (66 %) als auch mit ultrahoch dosierter Streptokinase
(UHSK, 70 %) unterlegen.
Die Blutungskomplikationen in dieser Studie lagen mit 35 % (lokal) und 22 %
(systemisch) relativ hoch.
Eine Fortführung der Studie erschien somit nicht sinnvoll, da den Patienten
durch die Teilnahme hieran
möglicherweise eine effektivere Therapie vorenthalten wurde. Die
lokoregionäre Lyse mit 20 mg rt-PA
über 4h ist für die routinemäßige klinische Anwendung aufgrund ihrer
niedrigen Effektivität nicht geeignet.
Nummer:
35
UhrZeit:
10.07 - 10.17
Titel:
Häufigkeit bisher nicht bekannter maligner
Erkrankungen bei tiefen Bein- und Beckenvenenthrombosen
Referenten:
C. Fahrig, H. Heidrich und C. Penninger, Berlin
Bei 318 Patienten (155 Männer, 163 Frauen) mit einem Durchschnittsalter
von 58,5 Jahren (16 - 97
Jahre) wurde in einer Retrospektivstudie untersucht, wie häufig bei Patienten
mit einer phlebographisch
oder duplexsonographisch gesicherten tiefen Bein- und
Beckenvenenthrombose eine maligne, bisher nicht
bekannte Erkrankung vorlag. Es zeigte sich, daß bei 7,5 % aller Patienten
eine maligne Erkrankung
nachgewiesen werden konnte. Am häufigsten fanden sich
Bronchialcarcinome (16 %), Colon- und
Nierencarcinome (je 12 %) sowie Prostata- und Pankreascarcinome (je 8 %).
87,5 der Patienten mit einer malignen Erkrankung waren älter als 50 Jahre.
Diese Tatsache zeigt, daß eine
akute Phlebothrombose häufiger als bisher angenommen wurde
paraneoplastisches Frühsymptom
maligner Erkrankungen ist und deshalb Patienten über 50 Jahre
grundsätzlich einem Tumor-Screening zu
unterziehen sind.
TVT
Lowenbergzeichen
RR Manschette an beiden US Aufpumpen
wann tuts es weh ? ab welchem RR ?
bei tiefen beinvenenthrombosen ist das betroffene Bein deutlich früher schmerzhaft
Nummer:
41
UhrZeit:
12.09 - 12.21
Titel:
Aktivierungsmarker der Hämostase: Hilfe
bei Diagnostik und Therapiekontrolle der tiefen
Beinvenenthrombose?
Referenten:
M. Spannagl, W. Schramm und F.A. Spengel, München
Zur Erfassung einer akut ablaufenden Aktivierung der Hämostase bietet sich
die Konzentrationsmessung
von zellulären Freisetzungsprodukten, Aktivierungspeptiden und Enzym-
Inhibitor-Komplexen der
Haemostasefaktoren sowie Spaltprodukten aus Fibrinogen bzw. Fibrin in
Plasma an. Die unsicheren
klinischen Zeichen sowie die aufwendige apparative Diagnostik akuter
Thromboembolien könnten durch
sensitive und/oder spezifische Laborparameter ergänzt werden. In einer
prospektiven Studie fanden wir
bei 155 konsekutiven Patienten, die ambulant mit Verdacht auf
Phlebothrombose vorgestellt wurden, bei
54 duplexsonographisch einen thrombotischen Verschluß der tiefen
Beinvenen. Bei der Bestimmung von
Aktivierungsmarkern (unmittelbar bei Aufnahme und Verlauf abgenommen)
wurden unter Verwendung
der jeweils oberen Normalbereichsgrenze folgende Sensitivitäten bzw.
Spezifitäten berechnet:
Prothrombinfragment F1+2 (81 %/45 %), Thrombin-Antithrombin Komplex (52
%/76 %), Fibrin
Monomer (85 %/58 %), D-Dimer (94 %/43 %). Insgesamt fand sich also eine
hohe Spezifität, jedoch
durchwegs eine unzureichende Sensitivität. Somit eignen sich
Umsatzprodukte aus Fibrinogen und Fibrin
zur Ausschlußdiagnostik thromboembolischer Erkrankungen. Die Möglichkeit
einer Therapiekontrolle auf
der Aktivierungsebene der Hämostase erscheint vielversprechend, ohne daß
bis jetzt kontrollierte klinische
Daten zur Verfügung stehen.
Nummer:
52
UhrZeit:
14.33-14.45
Titel:
Lokoregionale Lyse mit rt-PA versus lokoregionale
Lyse mit Urokinase - eine Pilotstudie
Referenten:
J. Schweizer, A. Henkel. Ch. Stelzner, A. Graf
und E. Altmann, Dresden
Zielsetzung: In der vorliegenden prospektiven Untersuchung sollte geklärt
werden, welche Vorteile die
lokoregionale Lysebehandlung mit rt-PA und Urokinase gegenüber eine
Kontrollgruppe nach einem
halben Jahr zeigen.
Methodik: 45 Patienten, die sowohl phlebografisch als auch farbduplex-
sonografisch frische
Beinvenenthrombosen (klinisch nicht älter als drei Tage) im Bereich des
Konfluens der tiefen
Unterschenkelvenen, im Bereich der V. poplitea und im Bereich von
mindestens vier subfaszialen
Unterschenkelvenen zeigten, wurden randomisiert in drei Gruppen zu je 15
Patienten eingeteilt. Eine
Gruppe erhielt lokoregional in die Fußrückenvene über vier Stunden 20 mg
rt-PA bei zusätzlicher i.v.
Vollheparinisierung (24000 IE in 24 h) und Kompressionstherapie. Die zweite
Gruppe erhielt über 48
Stunden lokoregional stündlich 100.000 IE Urokinase mit zusätzlicher
Vollheparinisierung und
Kompressionstherapie, und die dritte Gruppe wurde nur mit
Vollheparinisierung und
Kompressionstherapie behandelt. Alle Patienten wurden für ein halbes Jahr
auf orale Antikoagulanzien
und Kompressionsbehandlung eingestellt. Nach einem halben Jahr wurden
alle Patienten
farbduplex-sonografisch nachkontrolliert. Patienten mit Plasminogendefekten
wurden ausgeschlossen.
Resultat: Nach der Lyse zeigte sich in der rt-PA-Gruppe bei 20 % der
Patienten eine komplette
Wiedereröffnung, dagegen fand sich in der Urokinasegruppe bei 47 % eine
komplette Wiedereröffnung.
ein signifikanter Plasminogenabfall auf 60 % war nur in der Urokinasegruppe
unter Lyse nachweisbar.
Nach einem halben Jahr zeigten sich bei 53 % der Patienten der rt-PA-
Gruppe pathologische Refluxe im
Farbduplex über der A. poplitea, in der Urokinasegruppe bei 40 % und in der
Gruppe ohne
Lysebehandlung bei 47 % über der A. poplitea.
Schlußfolgerungen: Nach den vorliegenden Untersuchungen läßt sich ein
Langzeiterfolg hinsichtlich der
Ausbildung von pathologischen Refluxen nur in der Urokinasegruppe
belegen. Inwieweit ein
postthrombotisches Syndrom verhindert werden kann, müssen Studien mit
größeren Fallzahlen und
längeren Beobachtungszeiträumen klären.
Nummer:
54
UhrZeit:
15.09 - 15.21
Titel:
Ambulante versus stationäre Therapie der
tiefen Venenthrombose (TVT) - eine randomisierte Studie
Referenten:
W. Flättler, Zürich, Schweiz
Die ambulante Behandlung der TVT könnte gegenüber der stationären
Vorteile aufweisen.
Beobachtungsstudien, welche eine effektive Antikoagulation mit
Kompressionstherapie und verordnetem
Gehen kombinierten, bewiesen ihre Durchführbarkeit und Sicherheit. Wir
unternahmen die vorliegende
randomisierte, prospektive Studie.
Achtundzwanzig ambulante, vor der Randomisierung aufgeklärte Patienten
erhielten entweder die
stationäre (sT) oder die ambulante Therapie (aT). Die sT beinhaltete die
sofortige Hospitalisation, strikte
Bettruhe und die Dauertropfinfusion von konventionellem Heparin (Liquemin).
Die aT bestand in
Kompressionstherapie (Sigvaris 504, Wadenstrümpfe), kontrolliertem Gehen
und einer täglichen Injektion
von Dalteparin (LowLiquemin, 200 anti-Xa U/kg KG). Beide Therapien
dauerten 7 Tage. Die orale
Antikoagulation wurde am ersten Tag eingeleitet.
Lungenszintigraphien zeigten initial Embolien (LE) bei 7 Patienten in der sT-
und 9 in der aT-Gruppe.
Kontrollen nach 7 Tagen zeigten 1 neue LE. Phlebographien zeigten initial
eine femorale TVT bei 12
respektive 13 Patienten. Kontrollphlebographien erfolgten nach 7 und 90
Tagen. Die blinde Auswertung
nach Marder ergab keinen Unterschied zwischen der sT und der aT
(durchschnittliche Scores 21 vs 21,
17 vs 19 und 11 vs 12). Der klinische Verlauf war problemlos in beiden
Gruppen. Die aT führte jedoch
zu einem viel schnelleren Verschwinden der klinischen Symptome, gemessen
mit dem Lowenberg-Test
um mindestens 3 Tage. Die Zufriedenheit der Patienten betrug 100 % in der
aT-, aber nur 38 % in der
sT-Gruppe. Die Arbeitsunfähigkeit dauerte 10,4 respektive 15,7 Tage. Die
Studie wurde vorzeitig
beendet, weil der Grossteil der geeigneten Patienten eine Randomisierung
ablehnte, um die
Behandlungsart selbst zu wählen.
Konklusion: Die ambulante Behandlung ambulanter Patienten mit akuter TVT
mittels Dalteparin und
Kompressionsstrümpfen ist ebenso effektiv wie die herkömmliche stationäre.
Sie führt jedoch zu einer
schnelleren Besserung der klinischen Symptome, bedingt einen kürzeren
Arbeitsausfall und ist erheblich
billiger.
Nummer:
55
UhrZeit:
15.27 - 15.39
Titel:
Lungenemboliefrequenz bei ileofemoraler Thrombose
unter Dalteparin und Mobilisation
Referenten:
H. Partsch, B. Kechavarz, A. Mostbeck, H. Köhn
und C. Lipp, Wien
Zielsetzung: Erfassung der Lungenemboliefrequenz bei konsekutiven
Patienten mit
Iliofemoralvenenthrombose bei Aufnahme in das Krankenhaus sowie 10 Tage
nach Therapie mit
niedermolekularem Heparin, Kompressionsverbänden und Vermeidung von
Bettruhe.
Methodik: Verifizierung der Beinbeckenvenenthrombose mittels
Isotopenphlebographie, Q/V
Lungenscan sowie Wiederholung des Lungenszintigramms nach 10 Tagen
bei 140 konsekutiven
Patienten, Randomisierung nach 1x tgl. 200 E pro kg Körpergewicht Fragmin
s.c. (Gruppe 1) versus 2x
tgl. 100 E pro kg 2x tgl.
Resultate: Lungenemboliefrequenz im Baseline-Scan in der Gruppe 1 (n=76)
47,7 %, in Gruppe 2
(n=64) 45,3 %, davon symptomatisch 14,5 % bzw. 12,5 %. Nach
Dalteparintherapie in Gruppe 1
Verschwinden der Lungenembolien bei 2 Patienten und Auftreten von neuen
Embolien bei 2 Patienten. In
Gruppe 2 Auflösung der Embolien bei 8, neue Embolien bei 1 Fall (Mc Nemar
Chi Quadrat Test:
p<0,05).
Schlußfolgerung: Die Behandlung der gehenden Iliofemoralvenenthrombose
mit 2x tgl. Dalteparin
scheint sicherer und effektiver zu sein als mit 1x tgl. 200 E pro kg. Gehende
Patienten können mit
Kompressionsverbänden weiter mobil gehalten werden.
Nummer:
61
UhrZeit:
16.15 - 16.27
Titel:
Diagnostik von Beckenvenenthrombosen mit
Magnetresonanztomographie
Referenten:
Ch. S. Richter, Frankfurt/O.
Die Bein und Beckenvenen wurden mit Magnetresonanzangiographie (MRA)
in "time of flight"-Technik
bei 11 Probanden und 20 Patienten dargestellt. Bei den Probanden waren in
allen Fällen die Vv. iliacae
externae, Vv. iliacae internae, Vv. gluteae superiores und Vv. gluteae
inferiores differenzierbar. Die
Ergebnisse der MRA bei Patienten mit Beckenvenenthrombosen wurden mit
denen der Phlebographie (7
mal), der Duplexsonographie (6 mal) und der CW-Doppleruntersuchung (11
mal) verglichen. Die MRA
erwies sich in der Diagnostik von Thrombosen der Vv. iliacae internae allen
anderen Methoden überlegen.
Bei zwei Patienten wurden mit MRA Thrombosen der Vv. iliacae communes
und externae und V. cava
inf. nachgewiesen, die der Duplexsonographie entgangen waren. Nach
unseren Erfahrungen läßt sich die
MRA in zweidimensionaler "time of flight"-Technik als zuverlässige nicht
invasive Untersuchung zur
Diagnostik der Becken- und Oberschenkelvenenthrombose einstufen.
Nummer:
63
UhrZeit:
16.51 - 17.03
Titel:
Die Folgen von Verschlüssen proximaler
Venen - Klinik und Indikation zur Stenteinlage
Referenten:
W. Blättler, Zürich, Schweiz
Verschlüsse proximaler Venen können akut oder klinisch stumm auftreten.
Wenn die Beinvenen durch
den thrombotischen Prozess nicht betroffen sind, so entwickelt sich als mittel-
bis langfristige Folge nicht
das klassische Bild der chronisch-venösen Insuffizienz, sondern vielmehr
können drei typische, einzeln
oder kombiniert vorkommende Folgezustände klinisch diagnostiziert und
pathophysiologisch erklärt
werden: (1) Als Claudicatio venosa bezeichnet man ein Syndrom von
Schmerz, Muskelkrampf,
Berstungsgefühl und anderen Mißempfindungen, welches relativ spät unter
erheblicher Belastung (Gehen,
Radfahren) im Oberschenkel oder ganzen Bein auftritt und auf Beendigung
der Anstrengung nur langsam
und vorzugsweise unter Hochlagerung der Extremität verschwindet. Die
Claudicatio venosa ist bedingt
durch Kongestion der Muskulatur, welche unter Anstrengung vermehrt
durchblutet, wegen proximaler
Obstruktion aber ungenügend drainiert wird. (2) Die Kollateralisation bei
proximalen Venenverschlüssen
geht nicht selten durch den lumbalen Spinalkanal. Unter Bedingungen
vermehrter Drainage aus dem
betroffenen Bein oder bei Beeinträchtigung eines bestehenden
suprapubischen oder pelvinen
Kollateralkreislaufes schwellen die spinalen Venen an, was klinisch zu einem
Syndrom des engen
Spinalkanals führen kann. Die Patienten beklagen Rücken- und
(pseudo)radikuläre Schmerzen, eine
Schwäche in beiden Beinen und die Notwendigkeit, absitzen zu müssen. Die
durch venöse
Raumforderung im Spinalkanal verursachten Beschwerden verschwinden, im
Gegensatz zu rein
anatomisch bedingten Symptomen, erst sehr lange nach der Belastung und
können durch Lageänderung
nicht gebessert werden. (3) Wenn Verschlüsse proximaler Venen die
Drainage aus beiden Extremitäten
beeinträchtigen, so resultiert bei sportlicher Anstrengung gelegentlich eine
systemische Hypovolämie. Die
Patienten berichten über ein schockähnliches Zustandsbild mit allgemeiner
Schwäche. Schwarzwerden
vor den Augen, Übelkeit und kaltem Schweiß. Sie müssen die Anstrengung
sofort beenden, um nicht
ohnmächtig zu werden.
Liegt bei einem Patienten mit einer proximalen venösen Drainagestörung
eines dieser Symptome vor, so
kann im Hinblick auf die transluminale Einlage eines endoluminales Stentes
anatomisch abgeklärt werden.
Aufgrund bisheriger Erfahrungen sollte zuerst sichergestellt werden, daß die
peripheren Venen suffizient
sind, sonst ist das Prozedere nicht nur ohne Erfolg, sondern es kann eine
chronisch-venöse Insuffizienz
eventuell sogar verschlechtert werden. Sodann ist abzuklären, ob und wie ein
Stent technisch plaziert
werden kann. Schließlich ist die Indikation mit dem Patienten eingehend zu
besprechen. Der Eingriff
selbst hat zwar einige Risiken und Tücken, ist aber nicht besonders
schwierig. Die bisherigen Resultate
sind über die Erwartungen günstig.
Nummer:
64
UhrZeit:
17.09 - 17.21
Titel:
Angioplastie und Stent-Implantationen bei Beckenvenensporn
Referenten:
J. Weber, Hamburg
Der Beckenvenensporn ist nach May und Thurner eine intra vitam erworbene
Intima-Proliferation der
linksseitigen V.iliaca com., verursacht durch die Pulsationen der
überkreuzenden rechten A.iliaca com.
(seltener der Aorta). Phlebographisch läßt sich der Befund durch
seitengetrennte transfemorale
Serion-Venographie optimal darstellen und klassifizieren. Seine funktionelle
Bedeutung kann durch die
Kombination mit direkter zentraler blutiger Venendruckmessung quantifiziert
werden (Weber). Für die
Indikationsstellung zu einer kompensierenden Bypass Operation (z.B. Veno-
venöser Saphena-Bypass
nach Palm u. Esperon) wird ein Druckgradient gefordert, der den 3fachen
Ruhedruck unter Belastung
ausmachen soll. (May). Wohl bedingt durch einen schrittweise ausgebauten
präsakralen Kollateralkreislauf
werden jedoch meist niedrigere Druckgradienten registriert, die - im Falle des
venenchirurgischen Eingriffs
- das Risiko des Bypass-Verschlußes beinhalten.
Wir haben in dieser Situation bei 12 Patienten eine venöse Angioplastie und
Stent-Implantation
(Strecker und Palmaz-Stent) durchgeführt. Die Indikation wurde vor dem
Hintergrund klinischer
Rückstau-Zeichen (Stauungsgefühl, Bein- und Fußödem, primäre Varikose)
und einem deutlichen
Leidensdruck gestellt. In 10 Fällen kam es zu einer deutlichen Rückbildung
der Klinischen
Symptomatik und in der phlebographischen Kontrolle zur Reduktion der
Kollateralisation. Zweimal
traten thrombotische Komplikationen auf, die sich jedoch infolge erhaltener
Kollateralisation
hämodynamisch nicht negativ auswirkten. Die Patienten wurden
durchschnittlich für 1 ? Jahre
antikoaguliert.
Nummer:
131
UhrZeit:
???
Titel:
Familiäre Thrombophilie und Resistenz
gegenüber aktiviertem Protein C (APC)
Referenten:
E. Runge, G. Siegert, C. Döke, H. Gerisch,
A. Scholz, H.-E. Schröder und D. Ockert, Dresden
Die tiefe Venenthrombose (TVT) ist eine Erkrankung, die jährlich ca. einen
von 1000 Menschen betrifft
und zu tödlichen Komplikationen führen kann. Die Kenntnisse der Umstände
und Risikofaktoren, die zu
Thrombosen prädisponieren, ist Voraussetzung für die Indikationsstellung
und Planung einer geeigneten
Thromboseprophylaxe.
Als die wesentlichsten genetischen Defekte, die zu einer Verminderung
physiologischer
Gerinnungsinhibitoren führen und damit zu einer TVT disponieren, waren
bisher der Protein C-, Protein
S-, AT III-Mangel und die Dysfibrinogenämie beschrieben.
1993 wurde die hereditäre APC-Resistenz erstmalig von Dahlbäck als ein
entscheidender pathogenetischer
Faktor der familiären Thrombophilie beschrieben. Im Gegensatz zu den
anderen genetischen Defekten
(Prot. C-, Prot. S- und AT III-Mangel), weist die APC-Resistenz eine hohe
Prävalenz in der
Normalbevölkerung auf. Sie wird in Westeuropa von verschiedenen Autoren
mit ca. 3,7 % angegeben.
Material und Methodik
Eine Familie (3 Generationen, 12 Probanden) - Eltern: Mutter PTS, bd. Eltern
pAVK; Söhne: ein Sohn
TVT mit Lungenembolie; ein Sohn pAVK mit akuter arterieller
Thrombosierung, ein Sohn bisher ohne
Gefäßerkrankung - wurde hinsichtlich einer APC-Resistenz, DNA-Analytik
Faktor V AS 506, Prot. C-, S-
und ATIII-Mangel sowie APA und Lupusantikoagulanz untersucht.
Ergebnisse
Eine pathologische APC-Ratio wiesen 8 Familienmitglieder auf, 7x zeigte die
DNA-Analyse eine
heterozygote F Va Leiden-Mutation.
Schlußfolgerung
Wir sehen die Ursache der rezidivierenden thrombembolischen Ereignisse
bei unseren untersuchten
Familienmitgliedern in der nachgewiesenen APC-Resistenz bei Faktor Va-
Mutation. In zusätzlichen
Risikosituationen (z.B. Op) müssen die Familienmitglieder adäquat
antikoaguliert werden. Den weiblichen
Familienmitgliedern empfehlen wir, alternativ zu den hormonellen andere
kontrazeptive Maßnahmen zu
nutzen.
ummer:
55
UhrZeit:
15.27 - 15.39
Titel:
Lungenemboliefrequenz bei ileofemoraler Thrombose
unter Dalteparin und Mobilisation
Referenten:
H. Partsch, B. Kechavarz, A. Mostbeck, H. Köhn
und C. Lipp, Wien
Zielsetzung: Erfassung der Lungenemboliefrequenz bei konsekutiven
Patienten mit
Iliofemoralvenenthrombose bei Aufnahme in das Krankenhaus sowie 10 Tage
nach Therapie mit
niedermolekularem Heparin, Kompressionsverbänden und Vermeidung von
Bettruhe.
Methodik: Verifizierung der Beinbeckenvenenthrombose mittels
Isotopenphlebographie, Q/V
Lungenscan sowie Wiederholung des Lungenszintigramms nach 10 Tagen
bei 140 konsekutiven
Patienten, Randomisierung nach 1x tgl. 200 E pro kg Körpergewicht Fragmin
s.c. (Gruppe 1) versus 2x
tgl. 100 E pro kg 2x tgl.
Resultate: Lungenemboliefrequenz im Baseline-Scan in der Gruppe 1 (n=76)
47,7 %, in Gruppe 2
(n=64) 45,3 %, davon symptomatisch 14,5 % bzw. 12,5 %. Nach
Dalteparintherapie in Gruppe 1
Verschwinden der Lungenembolien bei 2 Patienten und Auftreten von neuen
Embolien bei 2 Patienten. In
Gruppe 2 Auflösung der Embolien bei 8, neue Embolien bei 1 Fall (Mc Nemar Chi Quadrat Test:
p<0,05).
Schlußfolgerung: Die Behandlung der gehenden Iliofemoralvenenthrombose
mit 2x tgl. Dalteparin
scheint sicherer und effektiver zu sein als mit 1x tgl. 200 E pro kg. Gehende
Patienten können mit
Kompressionsverbänden weiter mobil gehalten werden.
Nummer:
61
UhrZeit:
16.15 - 16.27
Titel:
Diagnostik von Beckenvenenthrombosen mit
Magnetresonanztomographie
Referenten:
Ch. S. Richter, Frankfurt/O.
Die Bein und Beckenvenen wurden mit Magnetresonanzangiographie (MRA)
in "time of flight"-Technik
bei 11 Probanden und 20 Patienten dargestellt. Bei den Probanden waren in
allen Fällen die Vv. iliacae
externae, Vv. iliacae internae, Vv. gluteae superiores und Vv. gluteae
inferiores differenzierbar. Die
Ergebnisse der MRA bei Patienten mit Beckenvenenthrombosen wurden mit
denen der Phlebographie (7
mal), der Duplexsonographie (6 mal) und der CW-Doppleruntersuchung (11
mal) verglichen. Die MRA
erwies sich in der Diagnostik von Thrombosen der Vv. iliacae internae allen
anderen Methoden überlegen.
Bei zwei Patienten wurden mit MRA Thrombosen der Vv. iliacae communes
und externae und V. cava
inf. nachgewiesen, die der Duplexsonographie entgangen waren. Nach
unseren Erfahrungen läßt sich die
MRA in zweidimensionaler "time of flight"-Technik als zuverlässige nicht
invasive Untersuchung zur
Diagnostik der Becken- und Oberschenkelvenenthrombose einstufen.
Nummer:
63
UhrZeit:
16.51 - 17.03
Titel:
Die Folgen von Verschlüssen proximaler
Venen - Klinik und Indikation zur Stenteinlage
Referenten:
W. Blättler, Zürich, Schweiz
Verschlüsse proximaler Venen können akut oder klinisch stumm auftreten.
Wenn die Beinvenen durch
den thrombotischen Prozess nicht betroffen sind, so entwickelt sich als mittel-
bis langfristige Folge nicht
das klassische Bild der chronisch-venösen Insuffizienz, sondern vielmehr
können drei typische, einzeln
oder kombiniert vorkommende Folgezustände klinisch diagnostiziert und
pathophysiologisch erklärt
werden: (1) Als Claudicatio venosa bezeichnet man ein Syndrom von
Schmerz, Muskelkrampf,
Berstungsgefühl und anderen Mißempfindungen, welches relativ spät unter
erheblicher Belastung (Gehen,
Radfahren) im Oberschenkel oder ganzen Bein auftritt und auf Beendigung
der Anstrengung nur langsam
und vorzugsweise unter Hochlagerung der Extremität verschwindet. Die
Claudicatio venosa ist bedingt
durch Kongestion der Muskulatur, welche unter Anstrengung vermehrt
durchblutet, wegen proximaler
Obstruktion aber ungenügend drainiert wird. (2) Die Kollateralisation bei
proximalen Venenverschlüssen
geht nicht selten durch den lumbalen Spinalkanal. Unter Bedingungen
vermehrter Drainage aus dem
betroffenen Bein oder bei Beeinträchtigung eines bestehenden
suprapubischen oder pelvinen
Kollateralkreislaufes schwellen die spinalen Venen an, was klinisch zu einem
Syndrom des engen
Spinalkanals führen kann. Die Patienten beklagen Rücken- und
(pseudo)radikuläre Schmerzen, eine
Schwäche in beiden Beinen und die Notwendigkeit, absitzen zu müssen. Die
durch venöse
Raumforderung im Spinalkanal verursachten Beschwerden verschwinden, im
Gegensatz zu rein
anatomisch bedingten Symptomen, erst sehr lange nach der Belastung und
können durch Lageänderung
nicht gebessert werden. (3) Wenn Verschlüsse proximaler Venen die
Drainage aus beiden Extremitäten
beeinträchtigen, so resultiert bei sportlicher Anstrengung gelegentlich eine
systemische Hypovolämie. Die
Patienten berichten über ein schockähnliches Zustandsbild mit allgemeiner
Schwäche. Schwarzwerden
vor den Augen, Übelkeit und kaltem Schweiß. Sie müssen die Anstrengung
sofort beenden, um nicht
ohnmächtig zu werden.
Liegt bei einem Patienten mit einer proximalen venösen Drainagestörung
eines dieser Symptome vor, so
kann im Hinblick auf die transluminale Einlage eines endoluminales Stentes
anatomisch abgeklärt werden.
Aufgrund bisheriger Erfahrungen sollte zuerst sichergestellt werden, daß die
peripheren Venen suffizient
sind, sonst ist das Prozedere nicht nur ohne Erfolg, sondern es kann eine
chronisch-venöse Insuffizienz
eventuell sogar verschlechtert werden. Sodann ist abzuklären, ob und wie ein
Stent technisch plaziert
werden kann. Schließlich ist die Indikation mit dem Patienten eingehend zu
besprechen. Der Eingriff
selbst hat zwar einige Risiken und Tücken, ist aber nicht besonders
schwierig. Die bisherigen Resultate
sind über die Erwartungen günstig.
Nummer:
64
UhrZeit:
17.09 - 17.21
Titel:
Angioplastie und Stent-Implantationen bei Beckenvenensporn
Referenten:
J. Weber, Hamburg
Der Beckenvenensporn ist nach May und Thurner eine intra vitam erworbene
Intima-Proliferation der
linksseitigen V.iliaca com., verursacht durch die Pulsationen der
überkreuzenden rechten A.iliaca com.
(seltener der Aorta). Phlebographisch läßt sich der Befund durch
seitengetrennte transfemorale
Serion-Venographie optimal darstellen und klassifizieren. Seine funktionelle
Bedeutung kann durch die
Kombination mit direkter zentraler blutiger Venendruckmessung quantifiziert
werden (Weber). Für die
Indikationsstellung zu einer kompensierenden Bypass Operation (z.B. Veno-
venöser Saphena-Bypass
nach Palm u. Esperon) wird ein Druckgradient gefordert, der den 3fachen
Ruhedruck unter Belastung
ausmachen soll. (May). Wohl bedingt durch einen schrittweise ausgebauten
präsakralen Kollateralkreislauf
werden jedoch meist niedrigere Druckgradienten registriert, die - im Falle des
venenchirurgischen Eingriffs
- das Risiko des Bypass-Verschlußes beinhalten.
Wir haben in dieser Situation bei 12 Patienten eine venöse Angioplastie und
Stent-Implantation
(Strecker und Palmaz-Stent) durchgeführt. Die Indikation wurde vor dem
Hintergrund klinischer
Rückstau-Zeichen (Stauungsgefühl, Bein- und Fußödem, primäre Varikose)
und einem deutlichen
Leidensdruck gestellt. In 10 Fällen kam es zu einer deutlichen Rückbildung
der Klinischen
Symptomatik und in der phlebographischen Kontrolle zur Reduktion der
Kollateralisation. Zweimal
traten thrombotische Komplikationen auf, die sich jedoch infolge erhaltener
Kollateralisation
hämodynamisch nicht negativ auswirkten. Die Patienten wurden
durchschnittlich für 1 ? Jahre
antikoaguliert.
Nummer:
131
UhrZeit:
???
Titel:
Familiäre Thrombophilie und Resistenz
gegenüber aktiviertem Protein C (APC)
Referenten:
E. Runge, G. Siegert, C. Döke, H. Gerisch,
A. Scholz, H.-E. Schröder und D. Ockert, Dresden
Die tiefe Venenthrombose (TVT) ist eine Erkrankung, die jährlich ca. einen
von 1000 Menschen betrifft
und zu tödlichen Komplikationen führen kann. Die Kenntnisse der Umstände
und Risikofaktoren, die zu
Thrombosen prädisponieren, ist Voraussetzung für die Indikationsstellung
und Planung einer geeigneten
Thromboseprophylaxe.
Als die wesentlichsten genetischen Defekte, die zu einer Verminderung
physiologischer
Gerinnungsinhibitoren führen und damit zu einer TVT disponieren, waren
bisher der Protein C-, Protein
S-, AT III-Mangel und die Dysfibrinogenämie beschrieben.
1993 wurde die hereditäre APC-Resistenz erstmalig von Dahlbäck als ein
entscheidender pathogenetischer
Faktor der familiären Thrombophilie beschrieben. Im Gegensatz zu den
anderen genetischen Defekten
(Prot. C-, Prot. S- und AT III-Mangel), weist die APC-Resistenz eine hohe
Prävalenz in der
Normalbevölkerung auf. Sie wird in Westeuropa von verschiedenen Autoren
mit ca. 3,7 % angegeben.
Material und Methodik
Eine Familie (3 Generationen, 12 Probanden) - Eltern: Mutter PTS, bd. Eltern
pAVK; Söhne: ein Sohn
TVT mit Lungenembolie; ein Sohn pAVK mit akuter arterieller
Thrombosierung, ein Sohn bisher ohne
Gefäßerkrankung - wurde hinsichtlich einer APC-Resistenz, DNA-Analytik
Faktor V AS 506, Prot. C-, S-
und ATIII-Mangel sowie APA und Lupusantikoagulanz untersucht.
Ergebnisse
Eine pathologische APC-Ratio wiesen 8 Familienmitglieder auf, 7x zeigte die
DNA-Analyse eine
heterozygote F Va Leiden-Mutation.
Schlußfolgerung
Wir sehen die Ursache der rezidivierenden thrombembolischen Ereignisse
bei unseren untersuchten
Familienmitgliedern in der nachgewiesenen APC-Resistenz bei Faktor Va-
Mutation. In zusätzlichen
Risikosituationen (z.B. Op) müssen die Familienmitglieder adäquat
antikoaguliert werden. Den weiblichen
Familienmitgliedern empfehlen wir, alternativ zu den hormonellen andere
kontrazeptive Maßnahmen zu
nutzen.
ummer:
55
UhrZeit:
15.27 - 15.39
Titel:
Lungenemboliefrequenz bei ileofemoraler Thrombose
unter Dalteparin und Mobilisation
Referenten:
H. Partsch, B. Kechavarz, A. Mostbeck, H. Köhn
und C. Lipp, Wien
Zielsetzung: Erfassung der Lungenemboliefrequenz bei konsekutiven
Patienten mit
Iliofemoralvenenthrombose bei Aufnahme in das Krankenhaus sowie 10 Tage
nach Therapie mit
niedermolekularem Heparin, Kompressionsverbänden und Vermeidung von
Bettruhe.
Methodik: Verifizierung der Beinbeckenvenenthrombose mittels
Isotopenphlebographie, Q/V
Lungenscan sowie Wiederholung des Lungenszintigramms nach 10 Tagen
bei 140 konsekutiven
Patienten, Randomisierung nach 1x tgl. 200 E pro kg Körpergewicht Fragmin
s.c. (Gruppe 1) versus 2x
tgl. 100 E pro kg 2x tgl.
Resultate: Lungenemboliefrequenz im Baseline-Scan in der Gruppe 1 (n=76)
47,7 %, in Gruppe 2
(n=64) 45,3 %, davon symptomatisch 14,5 % bzw. 12,5 %. Nach
Dalteparintherapie in Gruppe 1
Verschwinden der Lungenembolien bei 2 Patienten und Auftreten von neuen
Embolien bei 2 Patienten. In
Gruppe 2 Auflösung der Embolien bei 8, neue Embolien bei 1 Fall (Mc Nemar
Chi Quadrat Test:
p<0,05).
Schlußfolgerung: Die Behandlung der gehenden Iliofemoralvenenthrombose
mit 2x tgl. Dalteparin
scheint sicherer und effektiver zu sein als mit 1x tgl. 200 E pro kg. Gehende
Patienten können mit
Kompressionsverbänden weiter mobil gehalten werden.
Chirurgische Klinik am St. Martinus Hospital
Olpe
Thrombose, wie wir das machen...
Unter einer Thrombose versteht man eine Gerinnselbildung in einer Vene.
Blutgerinnsel können sich grundsätzlich in jeder Vene bilden, am häufigsten
(90%) kommt es jedoch zu Thrombosen im Einflußgebiet der unteren
Hohlvene, davon betreffen 30% die Becken- und 60% die tiefen Beinvenen.
( ??)
Die Ursachen einer Venenthrombose lassen sich zurückführen auf:
venöse Strömungsverlangsamung mit daraus folgender Aktivierung
des Gerinnungssystems,
z.B. bei: Krampfaderbildung,
eingeschränkter Betätigung der Beinmuskeln (fehlende Wirkung der
"Muskelpumpe") bei Ruhigstellung eines Beines im Gipsverband, Schonung
nach Verletzungen (z.B. Muskelfaserriß, Knieverrenkungen), längerem Sitzen
z.B. im Auto, Flugzeug... oder nach Operationen.
Veränderungen (Aufrauhungen oder Einrisse) der Gefäßwand z.B. bei:
Venenentzündung, Krampfaderbildung, stattgehabte Verletzungen und
ungewohnte, übermäßige Anstrengung.
Veränderungen der Blutzusammensetzung z.B. bei: Angeborenen
Blutbildungs- oder Gerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen,
bösartigen Tumoren oder schweren Infektionserkrankungen.
Entsprechend dem durch die verschlossene Vene behinderten Blutrückstrom,
verbunden mit einem Reizzustand der Venenwand, lassen sich die
Untersuchungsergebnisse bei einer Thrombose erklären:
Umfangsvermehrung und bläuliche Verfärbung (Zyanose) der
betroffenen Gliedmaße, speziell am Bein kommt ein Wadenschmerz (wie bei
"Muskelkater"), Wadendruck- und -dehnschmerz hinzu.
Im Idealfall kann die Therapie die Durchgängigkeit der betroffenen Venen
wiederherstellen, in erster Linie dient sie jedoch dazu, das weitere
Anwachsen eines bestehenden Gerinnsels zu vermeiden sowie ein Ablösen
und Abschwemmen eines Gerinnselteils mit den daraus resultierenden
Komplikationen (Lungenembolie) zu verhindern. Eine lebenslange
Behandlung mit Kompressionsstrümpfen dient der Vermeidung von erneuten
Thrombosen sowie der Bildung von Krampfadern, Hautveränderungen und
Geschwüren durch eine chronische Überbeanspruchung der Hautvenen,
welche bei thrombotischem Verschluß der tiefen Venen als Umleitung genutzt
werden.
Bereits bei begründetem Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT),
welcher durch die Schilderungen der Beschwerden durch den Patienten und
die körperliche und ggf. Ultraschalluntersuchung gestellt wird, wird die
Therapie mit Bettruhe, intravenöse Gabe eines gerinnungshemmenden
Medikamentes (Heparin als Dauerinfusion), Hochlagerung und
Kompressionsbehandlung des betroffenen Beines begonnen.
Ziel der Behandlung ist die Vermeidung von (u. U. lebensbedrohlichen)
Komplikationen wie z.B. einer Lungenembolie durch abgelöste
Gerinnselstückchen.
Baldmöglichst wird eine Venographie veranlaßt. Hierbei wird eine Fußvene
punktiert und Kontrastmittel eingegeben. An dem Verteilungsmuster des
Kontrastmittels im Bein kann auf angefertigten Röntgenbildern auf das
Vorliegen und Ausmaß der Thrombose geschlossen werden. Mit diesem
Verfahren kann die Existenz komplett verschlossener Venen nicht immer
erfaßt und deren Verschluß somit nicht nachgewiesen werden, dies muß
bei einer Diskrepanz zwischen klinischem Befund und unauffälliger
Venographie berücksichtigt werden.
Bei gesicherter Thrombose sind in der Mehrzahl der Fälle lediglich die tiefen
Unterschenkelvenen betroffen, hierbei wird die begonnene und o.g.
Therapie für 10 Tage fortgeführt.
Bei einer Thrombose bis in die Oberschenkelvenen, die nicht älter als 7-10
Tage ist, oder eine Thrombose der Beckenvenen ist zusätzlich eine
Lysetherapie angezeigt. Dabei wird über eine Fußvene ein
gerinnungslösendes Medikament gespritzt, welches den Verschluß
auflösen (=lysieren) soll. Da sich das Medikament mit dem Blutstrom im
ganzen Körper verteilt und überall seine Wirkung entfaltet, kommt diese
Therapie nicht bei jedem Patienten in Betracht.
Ein operatives Ausräumen eines venösen Thrombus ist extrem selten
angezeigt.
Nach ca. 10tägiger Therapie wird mit der Mobilisation begonnen, aber erst,
nachdem ein Kompressionsstrumpf (Kompressionsklasse III) am betroffenen
Bein angelegt wurde. Dieser Strumpf dient der Vermeidung der o.g.
Spätkomplikationen und muß daher lebenslang getragen und dreimonatlich
erneuert werden.
Bei Oberschenkel- oder Beckenvenenthrombose wird zudem eine
gerinnungshemmende Therapie mit Marcumar®-Tabletten eingeleitet, welche
zumindest 6 Monate, fallweise auch länger, durchgeführt werden sollte.
Während dieser Zeit sind regelmäßige Kontrollen der Gerinnungswerte durch
den Hausarzt notwendig (Weiterführende Information und Grundlagenwissen
für Patienten bietet z. B. die Homepage Gerinnungshemmer von Dr.
Hiendlmayer).
Da eine Thrombose nicht selten Ausdruck eines bisher unentdeckten
bösartigen Tumors sein kann, wird während des stationären Aufenthaltes ein
Tumor-Suchprogramm mit Laborkontrollen mit Tumormarkern, Sonographie,
rektale Untersuchung, Haemocult und ggf. Magen/Dickdarmspiegelung
durchgeführt.
Aufgrund neuerer Untersuchungen scheint bei Unterschenkelthrombosen die
10tägige Immobilisation und Heparin-Dauerinfusion gegenüber schnellerer
Mobilisation und Gabe von Fertigspritzen mit speziell aufgearbeitetem
Heparin gleichwertig. Sollte sich das bestätigen, werden wir unsere
Behandlungsform entsprechend anpassen.
Thromboseprophylaxe
Die beste Möglichkeit, thrombosebedingte Komplikationen oder
Folgeschäden zu
vermeiden besteht selbstverständlich darin, Thrombosen selbst zu
vermeiden.
Zur Vorbeugung einer Thrombose werden alle Patienten mit erhöhtem
Thromboserisiko mit
niedermolekularem Heparin (z. B. Mono Embolex NM®) behandelt. Zu den
gefährdeten
Patienten gehören alle, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind: sei es durch
Operationen
oder die Gehfähigkeit vorübergehend einschränkende Verletzungen oder
Gipsverbände am
Bein. Die Prophylaxe sollte mindestens bis zur vollständigen
Wiederherstellung der
Gehfähigkeit andauern, besser jedoch noch einige Tage darüber hinaus.
Während der Dauer der Prophylaxe wird die regelmäßige (2 x wöchentlich)
Kontrolle des
Blutbildes empfohlen, um ein durch Heparin ausgelöstes Absinken der
Blutplättchen
(Heparininduzierte Thrombozytopenie I und II) zu erkennen.
© 1997 Chirurgische Klinik, St. Martinus Hospital Olpe gGmbH
Wir sind immer für Sie zu erreichen
Letzte Überarbeitung Freitag, 26. September 1997
Hallo !
In Ihren Thrombose Infos schreiben Sie:
"Bei einer Thrombose bis in die Oberschenkelvenen, die nicht älter als 7-10
Tage ist, oder eine Thrombose der Beckenvenen ist zusätzlich eine
Lysetherapie angezeigt. Dabei wird
über eine Fußvene ein gerinnungslösendes Medikament gespritzt, welches
den Verschluß auflösen (=lysieren) soll. "
da steckt bei "oder eine Thrombose der Beckenvenen " ein
Rechtschreibfehler . "Oder einer Thrombose der Beckenvenen " hört sich
besser an.
Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Zahl der isolierten
Beckenvenenthrombosen ? Würden Sie auch bei der isolierten
Beckenvenenthrombose lysieren ?
Meines Erachtens ist der Spontanverlauf bei der isolierten
Beckenvenenthrombose , was das postthrombotische Syndrom betrifft ,
günstig einzuschätzen . Ich würde also hier auf eine Lyse verzichten und evt
eher einen passageren Filter einsetzen um die Gefahr der Lungenembolie zu
reduzieren .
Mfg R.Ho
A W M F online
Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Leitlinie zur Bein- und Beckenvenenthrombose
(Leitlinie zu Diagnostik und Therapie der akuten Thrombose der tiefen Bein-
und Beckenvenen)
Vorbemerkungen
Thrombosen der tiefen Leitvenen stellen ein großes sozialmedizinisches
Problem dar. In Deutschland werden pro Jahr 600.00 Menschen wegen
Thrombosen und ihrer Folgeerscheinungen behandelt. In den
USA tritt jährlich bei 48 von 100.000 Einwohnern eine akute Thrombose der
tiefen Leitvenen des Beines und des Beckens auf.
Etwa 12% aller stationären Patienten entwickeln klinisch erkannte tiefe
Bein- oder Beckenvenenthrombosen.
Etwa 20 bis 30% aller aIlgemeinchirurgischer Patienten und mehr als
50% aller Patienten nach orthopädisch/unfallchirurgischen Eingriffen
erleiden tiefe Beinvenenthrombosen, wobei bei ca. 1% dieser Patienten
eine Lungenembolie mit klinischer Symptomatik auftritt.
Virchow hat schon im Jahr 1856 die Trias von
Stase,
Gefäßwandalteration und
Hyperkoagulabilität
als auslösende Faktoren beschrieben.
Als klassische Risikofaktoren für Thrombosen der tiefen Leitvenen gelten
somit Immobilisierung, besonders im Rahmen von Verletzungen und
Operationen, Schwangerschaften mit Abflußstörungen in den Beckenvenen,
maligne Tumoren mit paraneoplastischer Erhöhung der Koagulabilität,
bestimmte Östrogentherapien sowie Ovulationshemmer, Adipositas, Sepsis
und venöse Mißbildungen (popliteale Venenaneurysmen, Cavaanomalien).
Eine besondere Situation stellen der angeborene Mangel an Antithrombin III
sowie an Protein C dar, die zu einer Hyperkoagulabilität des Blutes mit hoher
Thromboseneigung führen.
Symptome und Befunde
Charakteristisch ist der oft symptomlose und unspezifische Krankheitsbeginn.
Schmerzen und Spannungsgefühl, insbesondere in den Waden, finden sich
bei ca. der Hälfte der Patienten. Die klassische Symptomatik besteht in
Blaufärbung, Überwärmung, Schwellung und vermehrter Füllung der
oberflächlichen Venen. Typischerweise können spezifische klinische Zeichen
ausgelöst werden (z.B. Wadenkompressionsschmerz,
Fußsohlenkompressionsschmerz, Hohmann'sches Zeichen).
Unter Phlegmasie versteht man eine ausgedehnte, ilio-femorale
Venenthrombose mit Verlegung des gesamten venösen Querschnitts einer
Extremität mit Ödembildung und konsekutiver Kompression der
arteriellen Ausstrombahn.
Die Phlegmasia coerulea dolens (blaue Phlegmasie) beinhaltet eine vital
gefährdete untere Extremität mit Blaufärbung, massiver Schwellung, ggf.
petechialen Einblutungen und Blasenbildung. Im Spätstadium
finden sich neurologische und motorische Ausfälle als Zeichen der nervalen
und muskulären Nekrose.
Endstadium ist die sogenannte venöse Gangrän. Die Mortalität der
Phlegmasie caerulea dolens liegt bei ca. 40%, die Amputationsrate bei ca.
20%.
Bei der Phlemasia coerulae alba (weiße Phlegmasie) findet sich bei der
klinischen Untersuchung ebenfalls eine vital gefährdetete Extremität mit
auffälliger Blässe und Schwellung.
Apparative Diagnostik
cw-Doppler-Sonographie
Ableitung des Strömungssignals über der V.femoralis communis, V.femoralis
superficialis, V. poplitea und V. tibialis posterior. Stets Ableitung von
spontanen (S-Sounds) und augmentierten (A-Sounds) durch
distale / proximale Kompression und Dekompression. Thrombosezeichen:
fehlender Fluß über der verschlossenen Vene, atem-unabhängiger Fluß in
Kollateralen, fehlende Atemabhängigkeit, fehlender Fluß bei distaler
Kompression. Sensitivität 83%, Spezifität 88%.
Der Nachteil der Methode liegt in der fehlenden Unterscheidungsmöglichkeit
zwischen frischer und alter Thrombose, sowie Rezidivthrombose.
Sonographie (B-Scan):
Die klassische Ultraschalluntersuchung ermöglicht die Visualisierung der
Klappenfunktion, die Darstellung und Beurteilung der Echogenität des
thrombotischen Materials und der Venenwandung. Sicherer Hinweis für eine
Thrombose des untersuchten Venenabschnitts ist die fehlende
Komprimierbarkeit der Vene.
Duplex-Sonographie (B-Scan plus PW-Doppler):
Die Farbkodierung ermöglicht ein leichtes Auffinden der zu untersuchenden
Venenabschnitte im Unterschenkelbereich. Überprüfung der betroffenen
Venenabschnitte und Auslösung von A-Sounds und
S-Sounds. Wie die CW-Dopplersonographie ist die Methode extrem
untersucherabhängig.
Sensitivität 88 bis 98%, Spezivität 86 bis 95%.
Die Duplexsonographie stellt die initiale Untersuchungsmethode bei Verdacht
auf tiefe Beinvenenthrombose vor der Phlebographie dar.
Aszendierende Phlebographie:
Diese gilt heute noch als "Goldstandard" der venösen Diagnostik. In halb
aufrechter Position des Patienten wird eine Fußrückenvene unter
Kompression des oberflächlichen Venensystems punktiert und
Kontrastmittel injiziert.
Radiologische Thrombosezeichen sind konstante Füllungsdefekte,
Darstellung von Kollateralen (meist korkenzieherartig), sowie sogenannte
Radierungsphänomene.
Zum Ausschluß einer Cava-Thrombose bei Beinvenenthrombose kann eine
Punktion des kontralateralen
Venensystems mit Darstellung der kontralateralen Beckenvene und der
V.cava inferior notwendig sein.
Computertomographie mit i.v. KM-Gabe:
Zwingend erforderlich zur Diagnostik von Cavathrombosen zur Beurteilung
der kranialen Thrombusausdehnung, der Diffentialdiagnostik zwischen
Cavathrombose und Cavaanomalie, sowie Ausschluß bzw. Dokumentation
von extravasalen Tumoren.
Plethysmographie:
Indirekte, nicht invasive Diagnostik mittels Volumenmessung der betroffenen
unteren Extremität durch
Änderung der elektrischen Impedanz mit einer Sensitivität von 92% und einer
Spezifität von 88%.
Radio-Jod-Test:
Es handelt sich um einen Screening-Test bei prospektiven Studien ohne
Bedeutung für den klinischen Alltag.
Indikation und Therapie
Ziel jeder Therapie ist zum einen die Beseitigung der akuten
Lungenemboliegefahr und zum anderen die Vermeidung eines
postthrombotischen Syndroms.
Konservative Therapie
Hauptziel einer (alleinigen) Therapie mit Heparin ist die Verhinderung einer
Thromboseprogression (ideale Indikation bei Popliteal- und
Unterschenkelvenenthrombosen) sowie die Minderung der Gefahr einer
Lungenembolie.
Kontraindikation sind intracranielle Blutungen, Zustand nach
neurochirurgischen Eingriffe und eine vorbestehende Blutungsneigung.
Indikation zur konservativen Therapie mittels Heparin: Thrombose älter
als 14 Tage, isolierte Unterschenkel- bzw. Waden-Muskelvenenthrombose,
bestehende Kontraindikation zur aggressiven Therapie
(Lyse/Thrombektomie).
Die Durchführung einer Heparintherapie erfolgt in der Regel stationär, ist
aber auch ambulant möglich.
5000 bis 20000 I.E. (100 bis 200 I.E. pro kg Körpergewicht) werden
intravenös als Bolus injiziert.
Anschließend erfolgt eine intravenöse kontinuierliche Gabe über Perfusor
(ca. 20000 I.E. pro 24 Std.) 600 bis 2000 I.E. pro kg Körpergewicht über 24
Std.
Therapeutisches Ziel ist die Erhöhung der pTT auf das zwei- bis dreifache
des Normalwertes (Normalwert 30 bis 55 sec) innerhalb von 12-24 Stunden.
Ab dem 2. bis 3. Tag sollte bei fehlenden Kontraindikationen ein
überlappender Umstieg auf Marcumar stattfinden.
Komplikationen der Heparintherapie: Blutungen aus lokalisierten
anatomischen Quellen (Polypen/Ulzera), insbesondere bei vorbestehender
Blutungsneigung durch Thrombozytopenie, bzw. Urämie (Häufigkeit der
Komplikationen: 10 bis 20% bei kontinuierlicher intravenöser Gabe).
Therapie einer Blutungskomplikation: sofortige Beendigung der
Heparinbehandlung, ggf. Protamingabe, ggf. gezielte Blutstillung
(endoskopische Umspritzung von Magen-ulzera etc.).
Cave: Heparininduzierte Thrombozytopenie (siehe Leitlinie "Perioperative
Thromboseprophylaxe",
s.S.....).
Aufgrund des verzögerten Wirkungseintritts wird Marcumar meist im
Anschluß an eine Heparinbehandlung eingesetzt. Nachteil ist die schlechte
Steuerbarkeit, die eine hohe Compliance des Patienten erfordert.
Hauptindikation besteht in der Sekundärprophylaxe nach abgelaufener
Thrombose. Der therapeutische Idealwert ist extrem laborabhängig
(Quickwert meist zwischen 14 und 25%).
An Komplikationen treten schwere behandlungsbedürftige Blutungen in 3-7%
und tödliche Blutungen bei 0,3% der Marcumarpatienten ein.
Thrombolyse
Unter Thrombolyse versteht man die Auflösung eines Thrombus mit dem Ziel
der Wiederherstellung der intakten venösen Strombahn unter Erhalt der
Klappenfunktion. Die Behandlung sollte nur unter stationären Bedingungen
durchgeführt werden und die Therapie so kurz wie möglich (kurzfristige
Doplex-sonographische Thrombuskontrollen) gehalten werden.
Zur Verfügung stehende Thrombolytika
Streptokinase: Produziert von ß-hämolysierenden Streptokokken C mit
hoher antigener Potenz.
Streptokinase wandelt Plasminogen in Plasmin um.
Urokinase: Herstellung aus menschlichem Urin, daher kaum antigen
wirksam.
RTPA: Durch RTPA wird Plasminogen zu Plasmin aktiviert ( in
Fibringerinnungsprodukten), somit mangelnde Aktivierung von zirkulierendem
Plasminogen und daher im Vergleich zu anderen Thrombolytika nur
reduzierte Blutungsinduktion.
Therapieerfolg
Bei Beginn einer Lysetherapie innerhalb von 5-7 Tagen nach
Thromboseentstehung kann bei 26 bis 57 % der Patienten eine (Teil)-Lyse
der bestehenden Thromben erreicht werden. Es besteht eine statistisch
signifikante erhebliche Abhängigkeit des Lyseerfolges vom Alter der
Thrombose!
Cave: Bei Lyse von Cavathrombosen besteht erhöhte Gefahr von
Lungenembolien!
Ggf. kann bei Durchführung einer Katheterlyse durch interventionelle
Applikation eines venösen Katheters in den Thrombus die Dosierung der
Thrombolytika reduziert werden.
Hauptkomplikation der lytischen Therapie besteht in der Auslösung von
Blutungen aus lokalisierten Blutungsquellen (z.B. Ulzera), sowie von
intracraniellen Blutungen.
Kontraindikationen zur Lyse
absolute: Aktive Blutungen aus lokalisierten Blutungsquellen (z.B. Ulcera,
Polypen), ischämischer Insult, Zustand nach Augenoperation, bestehende
intracranielle Tumoren, Allergie auf Lysesubstrat, weniger als
zwei Wochen zurückliegender operativer Eingriff.
relative Kontraindikation: mehr als zwei Wochen zurückliegende OP,
stattgehabte Traumen, Zustand nach Reanimation, aktives Magenulcus,
extensive arterielle Hypertension, Gravidität, diabetische
Retinopathie.
Thrombektomie
Prinzipiell gelten für Lyse und Thrombektomie die gleichen Indikationen,
wobei die operative Therapie,
insbesondere bei Kontraindikation zur Lyse in den Vordergrund tritt.
Differentialtherapeutischer Grenzpunkt in vielen Kliniken ist die Einmündung
der V. femoralis profunda in die V. femoralis superficialis. Unterhalb dieser
Ebene ist eher ein Vorgehen durch Lyse anzustreben
(Oberschenkelthrombosen). Oberhalb dieser besteht eher die Indikation zum
operativen Vorgehen, wobei die Diff.-Indikation stark von den häuslichen
Gegebenheiten abhängig ist (aktiver Lytiker / aktiver Operateur).
Die Indikation zur operativen Thrombektomie besteht klassischerweise bei
deszendierenen Mehretagenthrombosen innerhalb von 6 Tagen,
embolisierenden, iliofemoralen Thrombosen,
flottierenden Thromben im Bereich der V.femoralis sup. und V. popl.
isolierten Beckenvenenthrombose innerhalb von 10 Tagen,
Phlegmasia coerulea dolens et alba,
septischen Venenthrombosen und
bei kontraindizierter oder bei erfolglos gebliebener Lyse.
Relative Indikationen:
Inkomplette, distale, femoro-popliteale Thrombose, vorbestehende AVK,
embolisierende Unterschenkelvenenthrombose, Phlegmasia migrans
(ascendierende Thrombophlebitis), Thrombose der Nierenvene mit
Cavazapfen bei Hypernephrom.
Eine sekundäre venöse Thrombektomie nach erfolgloser Lyse ist oft sehr gut
möglich (sogenanntes Frischhalte-Phänomen des Thrombus durch die Lyse).
Die Indikation besteht insbesondere bei jüngeren Patienten mit
Gesamtthrombosealter < 14 Tage. Die operativen Wiedereröffnungsraten
nach erfolgreicher Lyse der V.iliaca communis liegen bei 60 %, bei operativer
Wiedereröffnung nach erfolgloser Lyse der V.femoralis bei ca. 50 bis 55 %.
Bei 50 - 55 % der Patienten kann eine funktionelle Restitutio ad integrum bei
sekundärer Thrombektomie erreicht werden, wobei die besten Ergebnisse bei
Thrombosen der Iliaca externa erzielt werden.
Absolute Kontraindikationen:
Bettlägerigkeit, Immobilisierung, Parese der betroffenen Extremität, maligne
Tumoren
Praktische Durchführung der Thrombektomie
Die Durchführung des Eingriffs erfolgt nach Möglichkeit in Cell-saver-
Bereitschaft und unter PEEP-Beatmung durch den Anästhesisten während
des Thrombektomiemanövers). Die präoperative Implantation eines Swan-
Ganz-Katheters sollte bei hohem intraoperativen Lungenembolierisiko
durchgeführt werden.
Die drei Grundtechniken sind
die Katheterthrombektomie durch Fogarty-Manöver,
die offene Thrombektomie durch direkte Entfernung des
thrombotischen Materials unter Sicht,
sowie die Kompressionsthrombektomie im Bereich des Unterschenkels
und Oberschenkels.
Der operative Eingriff erfolgt über einen inguinalen Zugang. Unter
Heparingabe erfolgt die Eröffnung der Vorderwand der V.femoralis communis
oberhalb der Profundaeinmündung, wobei eine zirkuläre Mobilisation der
Vene zur Vermeidung späterer Strikturen zu vermeiden ist. Im Idealfall sollte
auf Klemmmanöver verzichtet werden und eine digitale Kompression
oberhalb und unterhalb des venotomierten Segmentes erfolgen.
Nach direkter Entfernung von thrombotischem Material unter Sicht erfolgt
eine Katheterthrombektomie mit Fogarty-Katheter nach zentral, wobei vorher
ggf. ein dicklumiger Katheter als Okklusionskatheter ipsi- oder kontralateral
zur Verhinderung von Lungenembolien appliziert werden kann. Beim letzten
Zurückziehen des Fogarty-Katheters sollte eine indirekte Austastung der
Venenwandung im Bereich des Beckensporns zur Identifikation signifikanter
Stenosen durchgeführt werden.
Aufgrund der Venenklappen ist die indirekte Thrombektomie der
Oberschenmittels Fogarty-Katheter meist nicht möglich, so daß hier eine
Kompressionsthrombektomie durch
Ausklopfen bzw. Auswickeln des Beines durchgeführt wird.
Bei älteren Thrombosen kann eine komplette Thrombektomie evtl. nur unter
Einsatz von Ringstrippern erreicht werden.
Insbesondere bei hohem Rethromboserisiko (inkomplette Thrombektomie,
persistierendes Abstromhindernis) sollte die Anlage einer AV-Fistel in Höhe
des unteren Throm-busendes (bei isolierter Beckenvenenthrombose im
Crossenniveau, bei Femoralisthrombose am proximalen Unterschenkel)
durchgeführt werden.
Im Idealfall sollte abschließend eine intraoperative Erfolgskontrolle durch
Venoskopie bzw. Phlebographie durchgeführt werden. Bei phlebographisch
oder venoskopisch nachgewiesenem Abstromhindernis, meist im Bereich der
cranialen Beckenvenen lokalisiert, kann intraoperativ oder baldmöglichst
postoperativ eine PTA mit Stentimplantation durchgeführt werden.
Die postoperative Behandlung besteht in Fortführung der Antikoagulation,
rascher Mobilisation des Patienten, Applikation von Kompressionsstrümpfen
der Klasse II auf Dauer, mindestens solange Schwellneigung besteht, sowie
einer Marcumarisierung für mindestens 6 bis 12 Monate. Vor Entlassung
erfolgt der duplex-sonographische Ausschluß einer Rethrombose.
Spezielle intraoperative Indikationen und Situationen
Ligatur der V. femoralis superficialis:
Indikation bei rezidivierenden Lungenembolien aus älteren,
ascendierenden Femoralisthrombosen, wenn eine komplette Thrombektomie
nicht zu erzielen ist.
Cava-Blockade durch Schirm-Filter:
Indikation gegeben bei rezidivierender Lungen-embolie und nicht
möglicher Beseitigung der Emboliequelle.
Isolierte Crossektomie: Durchzuführen bei aszendierender Phlebitis der V.
saphena magna zur Verhinderung einer Ascension in die V.femoralis
communis.
Cava-Thrombektomie: Bei Ascension einer Beckenvenenthrombose in die
V. cava inferior hinein ist eine transfemorale Ballonkatheter-Thrombektomie
nicht möglich. Freilegung der infrarenalen Cava nach
Mobilisierung des rechtsseitigen Hemikolons nach links, kombiniert mit
Mobilisierung des Duodenums
nach Kocher. Unter digitaler Kompression Längsvenotomie der Cava und
simultane transfemorale Thrombektomie der betroffenen Beckenvene.
Komplikationen nach Thrombektomie:
Risiko der intraoperativen Lungenembolie liegt unter 0,5 %. Venenrupturen
durch Fogarty-Katheter bzw. Ringstripper mit sofort notwendiger
retroperitonealer Venenfreilegung ist möglich.
Postoperative Frühkomplikationen:
Frühthrombose (vor allem nach inkompletter Thrombektomie),
Herzinsuffizienz (zu große AV-Fistel), Steal-Syndrom, insbesondere bei
vorbestehender AVK und großlumiger AV-Fistel.
Spätkomplikation: Postthrombotisches Syndrom (ca. 5% nach 5 Jahren bei
ilio-femoraler Thrombektomie).
Bezüglich der chronischen Folgezustände nach akuter Bein- und
Beckenvenenthrombose wird auf die entsprechende Leitlinie verwiesen
(s.S....).
Herausgegeben vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für
Gefäßchirurgie -
Verantwortlich für die Erstfassung: P. Heilberger, D. Raithel
Die "Leitlinien" der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
sind Empfehlungen für ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen.
Sie schildern ausschließlich ärztlich-wissenschaftliche und keine
wirtschaftlichen Aspekte. Die "Leitlinien" sind für Ärzte
unverbindlich und haben weder haftungsbegründende noch
haftungsbefreiende Wirkung.
Stand der letzten Aktualisierung: November 1997
© Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Autorisiert für elektronische Publikation in AWMF online: awmf@uni-
duesseldorf.de
AWMF online
Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie
Leitlinien sind systematisch erarbeitete Empfehlungen, um den Kliniker und
Praktiker bei Entscheidungen über eine
angemessene Versorgung des Patienten im Rahmen spezifischer klinischer
Umstände zu unterstützen. Leitlinien gelten für
"Standardsituationen" und berücksichtigen die aktuellen, zu den
entsprechenden Fragestellungen zur Verfügung
stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Leitlinien bedürfen der
ständigen Überprüfung und eventuell der Änderung
auf dem Boden des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes und der
Praktikabilität in der täglichen Praxis. Durch die
Leitlinien soll die Methodenfreiheit des Arztes nicht eingeschränkt werden.
Ihre Beachtung garantiert nicht in jedem Fall
den diagnostischen und therapeutischen Erfolg. Leitlinien erheben keinen
Anspruch auf Vollständigkeit. Die Entscheidung
über die Angemessenheit der zu ergreifenden Maßnahmen trifft der Arzt
unter Berücksichtigung der individuellen
Problematik.
Zitierbare Quelle: Phlebologie 1996; 25: 199 - 203
http://www.rz.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/phle-tvt.htm
Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der tiefen
Bein-/Beckenvenenthrombose
1.Definition
Bei der akuten tiefen Bein-/Beckenvenenthrombose (TVT) handelt es sich
um eine partielle oder vollständige Verlegung der tiefen Leit- und
Muskelvenen durch Gerinnsel. Solche Gerinnsel neigen zum Wachstum und
embolisieren in die Lungen (1, 2). Eine wesentliche Thromboseauflösung
erfolgt im akuten Stadium spontan oder unter Standardtherapie nur
ausnahmsweise (3). Im weiteren Verlauf kommt es teilweise zu einer
bindegewebigen Organisation, überwiegend aber zu Rekanalisation mit
Zerstörung der Klappen. Die Entwicklung einer chronischen
Veneninsuffizienz ist häufig (4). Diese gravierende Konsequenz und die
Tatsache, daß eine Resultierende Therapie nur selten möglich ist, begründen
die Notwendigkeit der schnellen Diagnose und Behandlung.
2.Diagnose und Therapieeinleitung
Das Übersehen einer vorhandenen TVT beinhaltet ein hohes Risiko vor
Mortalität, kurzfristiger Morbidität (TVT-Progression (20 %), Lungenembolien
(50 %)) und langfristiger Schädigung im Sinne eines postthrombotischen
Syndromes (CVI 50 %) (1, 2, 4).
Die korrekte Diagnose einer TVT führt zu einer Behandlung, welche die
unmittelbaren und kurzfristigen Risiken weitgehend reduziert (2).
Die (falsche) Diagnose einer (nicht vorhandenen) TVT führt zu einer
Behandlung, welche unnötig, teuer und gefährlich ist. Darüber hinaus,
stigmatisiert sie PatientInnen, führt zu Ängsten, und überflüssigen
Maßnahmen, reduziert die Lebensqualität und verzögert oder verhindert
ebentuell die Abklärung und Behandlung einer anderen Krankh eit.
3.Vernüftiger und unvernünftiger Verdacht aut TVT
Seit einigen Jahren nimmt die Bereitschaft, einen Verdacht auf TVT zu
äußern, stark zu. Dies führt
zwangsläufig zu vielen negativen und damit unnötigen Abklärungen. Die
hohen Kosten einer solchen
Abklärungen wiederum verführen zum Abwarten, zur Anwendung
unsicherer diagnostischer
Methoden und/oder zu halbherzigen Behandlungen. Weil solche
Maßnahmen gefährlich sein
können, muß der Verdacht auf TVT mit sorgfältig erhobenen
Patientendaten begründet und
gegebenenfalls die definitive Diagnose mit den dazu geeigneten Mitteln
gestellt werden. Dem
begründeten Verdacht auf TVT ist nur dann nicht nachzugehen, wenn die
Information keine
therapeutischen Konsequenzen hätte. Einen Verdacht auf TVT, sei er klein
oder groß, empfiehlt es
sich mit dem Patienten zu besprechen, aus grundsätzlichen und aus
forensischen Gründen.
Bei symptomatischen Patienten soll ein TVT-Verdacht anhand dieser
Leitlinien abgeklärt werden.
Bei asymptomatischen Patienten sind die möglichen diagnostischen
Strategien noch zu wenig
untersucht, als daß vernünftigerweise Leitlinien formuliert werden könnten.
4.Die klinische Diagnose der symptomatischen TVT
Die meisten symptomatischen ambulanten Patienten haben keine
Thrombose. Die einzelnen
Symptome und klinischen Zeichen der TVT gelten zwar als einigermaßen
sensitiv, sind jedoch
ausgesprochen unspezifisch. Nach neueren Untersuchungen ist es
möglich, klinische Parameter zu
benützen, um die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer TVT vor der
Verordnung weiterer
Untersuchungen abzuschätzen (5, 6). Die Anwendung eines evaluierten
klinischen Modelles (Tabelle
1) erlaubt es, Situationen von hoher, mittlerer und niedriger
Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins
einer TVT zu unterscheiden. Das Modell kombiniert verschiedene
anamnestische und klinische
Fakten, welche einfach zu klären sind, berücksichtigt aber nicht alle im
Einzelfall in Erfahrung zu
bringenden Befunde. Patienten mit - nach Anweisung des Modelles - hoher
TVT-Wahrscheinlichkeit
haben in 85 % der Fälle phlebographisch wirklich eine TVT. Patienten mit
niedriger klinischer
Wahrscheinlichkeit haben eine TVT in weniger als 10 % der Fälle.
Patienten mit mittlerer klinischer
Wahrscheinlichkeit haben letzlich eine TVT in 33 %. In den meisten
Zentren haben mehr als die
Hälfte der vorgestellten Patienten eine niedrige Wahrscheinlichkeit.
Tabelle 1: Bestimmung der klinischen Wahrscheinlichkeit des
Vorhandenseins einer TVT (6)
Checkliste
Hauptpunkte
aktives Malignom (aktuell oder bis vor 6 Monaten behandelt)
Lähmung, Gipsimmobilisation eines Beines
kürzliche Bettlägrigkeit(> 3 Tage) und/oder größere Operation
innerhalb der letzten 4
Wochen
umschriebener Schmerz entlang der tieferen Venenstränge
Unter- und Oberschenkelschwellung
Unteschenkelschwellung > 3 cm gegenüber gesunder Seite
familiäre Belastung (> 2 Verwandte ersten Grades und TVT)
Nebenpunkte
Trauma am symptomatischen Bein (< 60 Tage zurückliegend)
Dellen bildendes Oedem ausschließlich auf der symptomatischen
Seite
dilatierte oberflächliche Venen
Hospitalisation innerhalb der letzten 6 Monate
Erythem
Klinische Wahrscheinlichkeit
hoch
> 3 Hauptpunkte und keine alternative Diagnose
> 2 Hauptpunkte, 2 Nebenpunkte und keine alternative Diagnose
gering
>1 Hauptpunkt, > 2 Nebenpunkte, aber alternative Diagnose
vorhanden
>1 Hauptpunkt, > 1 Nebenpunkt und keine alternative Diagnose
>0 Hauptpunkte, > 3 Nebenpunkte, aber keine alternative Diagnose
>0 Hauptpunkte, >2 Nebenpunkte und keine alternative Diagnose
mittlere
alle anderen Kombinationen
Die klinische Evaluation bei Thromboseverdacht liefert also nicht eine Ja-
oder Nein-Diagnose. Sie
erlaubt aber eine wesentliche Einengung der Wahrscheinlichkeit und
gestattet den gezielten Einsatz
weiterer Untersuchungen einerseits und die Beurteilung von deren
Ergebnissen andererseits. Das
Erheben und Dokumentieren der anamnestischen und klinischen Befunde
ist also nicht sinnlos,
sondern im Gegenteil Angelpunkt aller weiterer Überlegungen und
Maßnahmen.
5.Die definitive Diagnose der TVT
Die Phlebographie stellt noch immer den goldenen Standard der Diagnose
der TVT dar. In geübten
Händen und bei Anwendung standardisierter Techniken ist die Methode
wenig belastend und liefert
ein eindeutiges Dokument.
Die Duplexsonographie erlaubt bei symptomatischen Patienten den
sicheren Nachweis oder
Ausschluß einer Thrombose, welche die V. poplitea oder die proximalen
Venen betrifft. Unter der
Voraussetzung einer sorgfältigen Untersuchung durch einen geübten
Diagnstiker ist auch der
Nachweis einer vorhandenen Thrombose im Unterschenkelabschnitt
möglich. Hingegen ist es nicht
mit genügender Sicherheit möglich, eine Unterschenkelthrombose
auszuschließen. Die Spezifität und
Sensivität der Duplexuntersuchung gewinnt erheblich, wenn die Resultate
der Untersuchung mit der
klinischen Situation verglichen werden. Ein Algorithmus, welcher vom
klinischen Verdacht zur
definitiven Diagnose führt, ist in Abbildung 1 dargestellt. Diskordante
Befunde sind selten und unter
folgenden Bedingungen durch eine Phlebolographie zu klären: Die
negative Duplexuntersuchung bei
hoher klinischer Wahrscheinlichkeit und der positive Duplexbefund bei
niedriger klinischer
Wahrscheinlichkeit (6).
Die Untersuchung des Patientenblutes auf das Vorhandensein einer
erhöhten Konzentration von
D-Dimeren hat in jüngster Zeit erhebliche klinische Bedeutung erlangt.
nach Eingehenderen Studien
schließt eine Konzentration von weniger als 500 ug/l D-Dimeren im Blut
das Vorhandensein einer
Thromboembolie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus (7, 8). Die
Spezifität des
D-Dimernachweises ist aber so gering, daß aus einer Erhöhung der
Konzentration im Blut nicht auf
eine Thrombose geschlossen werden kann. Die Leistungsfähigkeit des D-
Dimernachweises bei
schon mit Heparin anbehandelten Patienten ist nicht bekannt. Ein D-
Dimertest, welcher am Bett des
Patienten durchgeführt werden kann, wird gegenwärtig eingeführt (9)*. (*
SimpliRED®;
Bezugsquelle: Endotell AG, Gewerbestraße 25, Postfach, CH - 4123
Allschwil; Tel. 0041 61 482 20
70). Dort wo er zur Verfügung steht, soll er möglichst frühzeitig eingesetzt
werden. Die größte
Bedeutung hat der D-Dimer-Test bei Verdacht auf Rezidiv-TVT.
Der CW-Dopplerultraschall eignet sich in der Hand des Erfahrenen als
einfaches Suchverfahren
für ein proximales venöses Abstromhindernis. Die Impedanz- oder
Dehnungsmessstreifen-Plethysmographie hat im Vergleich mit den oben
beschriebenen Methoden
eine zu geringe Sensitivität bezüglich Thrombosen im
Unterschenkelabschnitt und ist insgesamt zu
wenig spezifisch. Diese Methode eignet sich für eine
Verlaufsbeobachtung, aber nicht zum
Nachweis oder Ausschluss einer TVT. Andere Methoden der
Plethymographie
(Photoplethysmographie, Luftplethysmographie) sind zur TVT-Diagnostik
nicht geeignet.
6.Die Indikation zur Thrombus-beseitigenden Behandlung
Die Frage der eventuellen Durchführung einer Thrombolyse oder
Thrombektomie ist in jedem Fall
einer akuten Thrombose zu überlegen. Die Indikation zu solchen
Maßnahmen kann gestellt werden,
wenn es sich um junge Menschen mit einer ersten und ausgedehnten
Thrombose handelt, eine
Thromophilie nicht besteht, die Anamnese kurz ist und die Thromben
umspült sind (3, 10).
Kontraindikationen müssen äußerst streng beachtet werden und der
Patient muß seinen Entscheid
aufgrund einer eingehenden Information bezüglich Nutzen und Risiko
fällen (11). Eine Behandlung
durch Thrombolyse oder Thromboektomie sollte spezialisierten Zentren mit
ausreichender
Erfahrung vorbehalten sein.
7.Die Antikoagulation zur Progressions- und Rezidivprophylaxe
Nach den Ergebnissen vieler kontrollierter Studien und von
Konsensuskonferenzen sind folgende
Behandlungsmodalitäten zu empfehlen:
Die initiale Behandlung erfolgt mit Heparin oder niedermolekularem
Heparin. Überlappend wird
ein Vitamin-K-Antagonist zur oralen Antikoagulation eingesetzt (2, 12).
Die Behandlung mit unfraktioniertem Heparin erfolgt durch die intravenöse
Gabe eines Bolus von
80 IE/kg und der daran anschließenden Dauertropfinfusion mit 18 IE pro kg
Körpergewicht und
Stunde (13). Alternativ kann Heparin subkutan gegeben werden (z. B. 3 x
12.500 oder 2 x 25.000
IE) (14). In beiden Fällen wird die Erhaltungsdosis aufgrund von
Thrombinzeit- oder
PTT-Bestimmungen modifiziert. Es ist wichtig, daß der therapeutische
Bereich innerhalb der ersten
24 Stunden erreicht wird. Zum exakten Prozedere existiert eine
eingehende Literatur (2). Die
Heparinbehandlung dauert mindestens 5 Tage.
Die Behandlung mit niedermolekularem Heparin erfolgt subkutan und
gewichtsadaptiert (15). Eine
Laborkontrolle der antithrombotischen Wirksamkeit ist nicht notwendig. Die
zur Verfügung
stehenden Präparate und ihre Dosierung sind in Tabelle 2 aufgelistet.
Tabelle 2: Behandlung der tiefen Venenthrombose mit niedermolekularen
Heparinen (15)
Internationale Bezeichung
(Produzent)
Markenname
Dosierung
(Anzahl Injektionen/Tag)
Dalteparin
(Pharmacia, Roche)
Fragmin, Low Liquemin
200 IE/kg/Tag (1)
Enoxparin
(Rhône-Poulenc)
Clexane
200 IE/kg/Tag (2)
Nadroparin
(Sanofi-Winthrop)
Fraxiparine
184 IE/kg/Tag (2)
Tinzaparin
(Leo)
Innohep *
175 IE/kg/Tag (1)
* vorher als Logiparin (Novo) bekannt
Bei jeder Heparinbehandlung soll (in Deutschland muß) wegen der Gefahr
der Heparin induzierten
Thrombopenie vor und während der Gabe die Thrombozytenanzahl
bestimmt werden.
Die orale Antikoagulation wird am Tag der Diagnosestellung oder dem
nachfolgenden Tag begonnen
(12). Eine hohe Sättigungsdosis wird heute nicht mehr gegeben. Die
Kontrolle der Effektivität erfolgt
durch die Prothrombinzeit, welche in INR-Einheiten angegeben wird. Der
anzustrebene
therapeutische INR-Bereich liegt zwischen 2,0 und 3,0. die
Heparinbehandlung soll erst beendet
werden, wenn der INR-Wert für zwei Tage im therapeutischen Bereich
liegt.
Besteht eine Kontraindikation für die orale Antikoagulation
(hämorrhagische Diathese, Blutung,
floride Magendarmulzera, schwere Hypertonie, Schwangerschaft usw.)
kann niedermolekulares
Heparin in der jeweils für die Thromboseprophylaxe empfohlenen höheren
Dosis in der Regel
während drei Monaten verabreicht werden. Auch angepasste Dosen von
subkutanem
Standardheparin können bei speziellen Situationen zur
Sekundärprophylaxe gegeben werden.
8.Adjuvante Therapie
Patienten mit einer akuten TVT haben zumeist erhebliche Symptome,
welche es zu behandeltn gilt.
Die durch die Kongestion der Muskeln erzeugten Schmerzen beim
Auftreten und Gehen und das
epifasziale Oedem können durch Immobilisation und Hochlagern oder,
alternativ, durch
Kompressionsbehandlung und verordnetes, bewußtes Gehen gelindert
werden (16 - 18, 21, 22). Bei
bettlägrigen Patienten gibt es bisher keine wissenschaftlichen
Erkenntnisse über Vor- und Nachteile
einer weiteren Immobilisierung oder einer mobilisierenden Behandlung.
Zur
Kompressionsbehandlung eignen sich Kompressionsverbände oder -
strümpfe. Welche Maßnahmen
unter welchen Bedingungen vorzuziehen sind, wurde bisher nicht geprüft.
Die in jedem Fall
notwendige engmaschige Kontrolle des Patienten erlaubt es, die
individuell geeigneste und einfachste
Behandungsart zu wählen.
Eine adjuvante Pharmakotherapie ist selten notwendig. Schmerzmittel,
welche mit der Blutgerinnung
und den Thrombozyten nicht interferieren, können kurzfristig indiziert sein.
Antirheumatika und
dergleichen sollen nicht verwendet werden und auf keinen Fall
intramuskulär injiziert werden.
9.Durchführung der Behandlung
Die Behandlung der akuten tiefen Bein-/Beckenvenenthrombose kann
ambulant oder stationär
erfolgen (18 - 21). Das Ausmaß der Thrombose und ihr morphologischer
Aspekt stellen keine
Entscheidungskriterien dar (22 - 24). Eine flexible Indikationsstellung,
welche die Bedingungen des
Patienten und seine Wünsche berücksichtigt, ist anzustreben (25, 26). In
beiden Fällen müssen die
korrekte antikoagulatorische Behandlung und die regelmäßige
phlebologische Kontrolle sichergestellt
sein. Ambulante Patienten müssen sich im Falle einer Verunsicherung
ober beim Eintreten einer
Komplikation an den behandelnden Arzt wenden können. Aufgrund der
publizierten Evidenz und
unter den obengenannten Bedingungen kommen medicolegale Einwände
gegen eine
Heimbehandlung nicht mehr zum Tragen.
10.Weitere Maßnahmen bei akuter TVT
Klinisch asymptomatische Lungenembolien sind bei der Hälfte der
Patienten mit TVT schon bei der
Diagnosestellung vorhanden (27, 28). Obwohl bei korrekter
Antikoagulation Rezidivembolien eine
Seltenheit darstellen (2, 22), ist der Problematik die nötige Aufmerksamkeit
zu schenken (Frage
nach Anstrengungsdyspnooe etc).
Die Implantation eines Cavaschirms kann im Einzelfall, bei einer
Kontraindikation gegen eine
Antikoagulation sowie vor unbedingt notwendigen Operationen während
des akuten
Thrombosestadiums überlegt werden.
Lokaltherapeutische Maßnahmen, wie Applikation von Kälte,
Alkoholwickeln etc. können
angewendet werden. Exzessive sportliche Betätigungen und Sauna,
Massage etc. sind zu
unterlassen.
Maligne Erkrankungen sind häufig mit Thrombosen assoziiert. Über die
Notwendigkeit und das
Ausmaß einer routinemäßigen Tumorsuche gehen die Meinungen
auseinander (29 - 31).
11.Maßnahmen nach Abschluss der akuten Phase
Die orale Antikoagulation wird im allgemeinen drei Monate
aufrechterhalten (32 - 34). Eine
längerdauernde Antikoagulation ist vorzusehen, wenn das thrombogene
Moment weiterbesteht.
Eventuell kann die Intensität der Antikoagulation reduziert werden.
Eine Kompressionsbehandlung, am zweckmäßigsten durch medizinische
Kompressionsstrümpfe, ist
für 6 Monate zu empfehlen. Nach proximaler TVT ist eine Fortführung über
2 Jahre sinnvoll (4). In
jedem Fall soll ein Patient geraume Zeit nach Absetzen der
Kompressionsbehandlung bezüglich des
Auftretens von Zeichen einer chronisch-venösen Hypertonie kontrolliert
werden. Bei Fortbestehen
eines venösen Funktionsdefizites mit Oedemneigung muß die
Kompressionstherapie weitergeführt
werden.
Eine Beratung bezüglich Lebensführung ist durchzuführen (Häufiges
Gehen, Vermeiden von langem
Stehen und Sitzen, Schwimmen, kaltes Duschen, Gewichts- und
Stuhlregulation).
Ovulationshemmer und Oestrogene in therapeutischer Dosierung können
unter der Antikoagulation
belassen werden. Werden Ovulationshemmer abgesetzt, so ist wegen der
Teratogenizität der oralen
Antikoagulation eine andere wirksame Schwangerschaftsprophylaxe zu
verordnen.
Ovulationshemmer stellen einen Risikofaktor für TVT dar, weshalb ihre
weitere Anwendung nach
Absetzten der Antikoagulation überprüft werden muß (35, 36). Oestrogene
zur Substitution im
Klimakterim können weitergegeben werden (37).
Patienten mit einer durchgemachten Thrombose neigen zu Rezidiven. Sie
sind deswegen bezüglich
einer geeigneten Prophylaxe (mittels Kompressionsbehandlung und/oder
niedermolekularem
Heparin) beim Eintreten eines erhöhten Risikos (Bettlägrigkeit, lange
Reise etc.) zu instruieren.
Die Abklrärung bezüglich einer eventuellen Thrombophilie beinhaltet in
jedem Fall die Aufnahme
einer exakten Famillienanamnese. Im Labor empfiehlt sich die Suche nach
einer Residenz gegenüber
aktiviertem Protein C, obwohl die Prävalenz des Genes Faktor V Leiden
vielleicht doch nicht so
hoch ist, wie angenommen (38). Weitere Laboruntersuchungen bezüglich
Mangel an Protein C,
Protein S, Antithrombin III, Vorhandenseins eines Lupusantikoagulans,
respektive
Anti-Cardiolipinantikörpers, Störungen in der Fibrinolyse oder
Hyperhomozysteinämie, sind im
Einzelfall zu überlegen. Das gleiche gilt für die Abklärung von
Familienangehörigen, bei welchen
eventuell auch eine Thromboseneigung bestehen könnte.
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embolism. Lancet 1996; 347:
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Diese Leitlinie wurde im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie
(DGP) ausgearbeitet und
vom Vorstand und dem Wissenschaftlichen Beirat der DGP am 16. Juni 1996
verabschiedet. Diese
Leitlinie berücksichtigt den aktuellen Stand der Literatur, jedoch nicht die in
jedem Land
unterschiedlichen Zulassungsbestimmungen für verschiedene Pharmaka.
Erarbeitet von:
W. Blättler; H. Partsch; T. Hertel
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Die "Leitlinien" der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
sind Empfehlungen für
ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen. Sie schildern
ausschließlich
ärztlich-wissenschaftliche und keine wirtschaftlichen Aspekte. Die "Leitlinien"
sind für Ärzte
unverbindlich und haben weder haftungsbegründende noch
haftungsbefreiende Wirkung.
Stand der letzten Aktualisierung: 16. Juni 1996
© für Printversion: Dt. Ges. f. Phlebologie
© für elektronische Publikation: awmf@uni-duesseldorf.de
HTML-Code optimiert: 03. 12. 1997
Das poststationäre Thromboserisiko bei Patienten mit
totalendoprothetischem Hüftgelenksersatz
Die Entwicklung einer tiefen Beinvenen-Thrombose (TVT) und nachfolgende
Gefahr einer
Lungenembolie gehören zu den gefürchtetsten Komplikationen nach
operativen Eingriffen. Darunter sind
große orthopädische Operationen wie der Hüftgelenksersatz
bekanntermaßen mit einem besonders hohen
Thromboserisiko belastet. Pathogenetisch scheint neben operationsbedingter
Hyperkoagulabilität und
postoperativ immobilisationsbedingter Zirkulationsstörungen eine über den
Operationszeitpunkt hinaus
anhaltende lokale Verlangsamung des Blutstroms speziell für die operativen
Eingriffe an der Hüfte die
Entwicklung einer TVT zu begünstigen. Die Thromboseinzidenz ohne
Prophylaxe liegt nach
Untersuchungen mit dem Radiofibrinogentest bei
bei diesen Eingriffen zwischen 40 und 60 % und kann durch
eine effektive Thromboseprophylaxe um 50 bis 72 % reduziert werden.
Etabliert hat sich in den letzten
Jahren zur Prophylaxe thrombembolischer Komplikationen der Einsatz der
niedermolekularen Heparine
(NMH). Die Diagnose der tiefen Beinvenen-Thrombose erfolgt auf dem
Boden des klinischen Verdachts
durch apparative Untersuchungsverfahren wie die Dopplersonographie, die
Venenverschlußplethysmographie, der Radiofibrinogentest und die
Phlebographie. Dabei gilt die
Phlebographie als das sensitivste Verfahren in der Thrombosediagnostik.
Obwohl das
postphlebographische Thromboserisiko unter Verwendung von
nichtionisiertem Kontrastmittel im
Vergleich zu ionisiertem Kontrastmittel von 15 auf 2 % reduziert werden
konnte, stellt die Phlebographie
aber auch aufgrund der Kostenintensität kein geeignetes Screening-
Verfahren im medizinischen Alltag dar.
Üblicherweise wird postoperativ von einem ein- bis zweiwöchig erhöhten
Thromboserisiko ausgegangen.
Bei immobilisierenden Operationen wie dem totalendoprothetischen
Hüftgelenksersatz wird darüber
hinaus der Zeitpunkt einer weitestgehenden Mobilität des Patienten
abgewartet, um die medikamentöse
Thromboseprophylaxe abzuschließen und der Patient, sofern klinisch kein
Anhalt für eine TVT besteht,
entlassen. Es gibt aber Studien, insbesondere zum Thromboserisiko nach
totalendoprothetischem
Hüftgelenksersatz, in denen unter Einschluß eines mehrwöchigen
poststationären Beobachtungszeitraums
ein erhöhtes Thromboserisiko bis zur 5. postoperativen Woche
nachgewiesen werden konnte. Auf
derartige Ergebnisse Bezug nehmend, untersuchten Planes et al., unter
Ausschluß einer während des
stationären Behandlungszeitraums entwickelten TVT, das poststationär
verbleibende Thromboserisiko bei
Patienten mit totalendoprothetischem Hüftgelenksersatz und die Wirksamkeit
der Fortsetzung einer
NMH-Prophylaxe.
Titel:
RISK OF DEEP-VENOUS THROMBOSIS AFTER HOSPITAL DISCHARGE
IN PATIENTS
HAVING UNDERGONE TOTAL HIP REPLACEMENT: DOUBLE-BLIND
RANDOMISED
COMPARISON OF ENOXAPARIN VERSUS PLACEBO
Autoren:
Planes A, Vochelle N, Darmon J, Bellaud M, Huet Y
Quelle:
The Lancet 1996; Vol 348: 224-228
Methoden:
Studienzentrum
Clinique Radio-Chirurgicale du Mail, La Rochelle, Frankreich
Studiendauer
21 Tage
Patientenzahl
173 (auswertbare Fälle)
Alter Patienten
70 (+/-9.1)
Geschlechterverteilung
Patienten
47 Männer, 43 Frauen
Alter Kontrollgruppe
68 (+/-8.2)
Geschlechterverteilung
Kontrollen
55 Männer, 34 Frauen
Einschlußkriterien
Elektiv TEP-Implantation, 13 - 15tägige stationäre
Enoxaparin-Behandlung, max. 5 Tage vor Entlassung
beidseitiger
Ausschluß einer TVT mittels Phlebographie, bei Entlassung
Gehfähigkeit
mit Gehstützen
Studiendesign
randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert
Medikation
40 mg (4000 IU) Enoxaparin tgl. oder Placebo
primärer Endpunkt
Ereignis einer tiefen Beinvenenthrombose oder Lungenembolie
sekundärer Endpunkt
Bilaterale ascendierende Becken-Beinphlebographie mit
Iohexol
Ergebnisse
Der Anteil der Patienten, bei denen eine tiefe Beinvenenthrombose während
des poststatio nären
Zeitraums phlebographisch nachgewiesen werden konnte, betrug insgesamt
13 % (23 von 173 Patienten).
Die Abbildung unten zeigt die Rate der phlebographisch nachgewiesenen
TVT in den beiden Gruppen.
Methoden: Die Thromboserate lag in der Enoxaparin gruppe signifikant
niedriger als in der Placebogruppe
(7.1% vs 19.3%, p=0.018). Die Gruppen zeigten keinen wesentlichen
Unterschied hinsichtlich der
Häufigkeit einer proximalen TVT (5.9% vs 7.9%, p=0.592), dagegen kam die
distale TVT häufiger in der
Placebogruppe als in der Enoxaparingruppe vor (10.4% vs 1.2%, p=0.006). In
der Mehrzahl der
nachgewiesenen Thrombosen handelte es sich um Komplikationen am
operierten Bein (Enoxaparin: 6 von
6 Patienten, Placebo: 13 von 17 Patienten). Von 30 Patienten mit klinischem
Anhalt für eine
Phlebothrombose hatten phlebographisch nachgewiesenermaßen nur 10
Patienten eine TVT. Von den
insgesamt 23 nachgewiesenen TVT wurden 13 TVT allein aufgrund der
phlebographischen Ergebnisse
diagnostiziert. Operationsdauer, -art und Anästhesieverfahren beeinflußten
das Entstehen der TVT nicht.
Hinsichtlich der Risikofaktoren ergab sich, daß lediglich neoplastische
Erkrankungen in der
Krankengeschichte einen Einfluß auf die Thromboserate hatten; von 4
Patienten mit Neoplasien
entwickelten 3 eine TVT. Unter der NMH-Prophylaxe kam es zu keinen
klinisch relevanten Blutungen,
und nur ein Patient entwickelte eine mäßige symptomlose Thrombozytopenie.
Keiner der Patienten mußte
die Therapie unterbrechen bzw. die Studie abbrechen. Während der Studien-
und 3-monatigen
Nachbeobachtungsdauer kam es zu keiner symptomatischen Lungenembolie
und zu keinem Todesfall.
Schlußfolgerung:
Die Autoren folgern, daß Patienten mit Z. n. elektiver TEP-Implantation, über
den statio nären
Behandlungszeitraum von 2 Wochen hinaus, während der 3. bis 5.
postoperativen Woche einem hohen
Thromboserisiko ausge setzt sind und eine ambulante Fortsetzung der
Thromboseprophylaxe mittels
Enoxaparin das Thromboserisiko effektiv senken kann. Das hier ermittelte
Thromboserisiko von 13 % ist
aber im Vergleich zu anderen Studien außergewöhnlich hoch, insbesondere
bei den gewählten Ein
schlußkriterien, durch die zusätzlich post stationäre Thromboserisikofaktoren
weitgehend ausgeschlossen
wurden. Die Autoren glauben, daß die Ursache hierfür in der systematischen
Erfassung der TVT mittels
Phlebographie liegt. Außerdem könne die Indikation zur Phlebo graphie im
medizinischen Alltag nur selten
eindeutig gestellt werden, da bei mehrheitlich auf der operierten Seite
vorkommender TVT die
operationsbedingte Hüftsymptomatik häufig der Klinik einer TVT auf der
betroffenen Seite ähnelt. Ein
anderes Problem aber stellt die Bewertung der nachgewiesen hohen Throm
boseinzidenz in der nicht
NMH-behandelten Gruppe dar. Unter Berücksichtigung der Lokalisation
besteht allein für die distale TVT
ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Agnelli et al. wiesen in ihrer
Studie jedoch eine äußerst
geringe klinische Relevanz für die distale TVT nach. Um das poststationäre
Thromboserisiko in Hinblick
auf die klinisch relevanten TVT und unter Ausschluß phlebographisch
induzierter Thrombosen
quantifizieren zu können, sollten weitere Studien mit längerer
Nachbeobachtungsdauer und einer einzigen
abschließenden Phlebographie in Kombination mit anderen, nichtinvasiven
diagnostischen Verfahren
durchgeführt werden.
R. Seikh Berlin
Kommentar
J. Harenberg, I. Medizinische Klinik, Klinikum Mannheim
Nachdem sich nun die perioperative Thromboembolie-Prophylaxe mit
niedermolekularen Heparinen bei dem Hüftgelenksersatz durchgesetzt hat,
rückt die Frage der Dauer der postoperativen Nachbehandlung in
den Vordergrund. Aus diesem Grund haben Planes et al. eine
richtungsweisende Studie durchgeführt, in der sie zeigen konnten, daß auch
3 Wochen nach stationärer Entlassung ohne eine Thromboembolie-
Prophylaxe eine Thromboembolie-Inzidenz von etwa 20 % zu verzeichnen ist
und diese durch die 1 x tägliche subkutane Verabreichung von
niedermolekularem Heparin hochsignifikant reduziert werden kann. Mit
ähnlichem und sehr vergleichbarem Studiendesign wurden inzwischen
weitere Ergebnisse auf diesem Gebiet gewonnen. Die Arbeiten sind zur
gleichen Zeit publiziert worden oder stehen kurz vor der Veröffentlichung. Die
Daten von Planes et al. weisen in die gleiche Richtung wie die
Daten in den anderen Studien. Insgesamt wurden in allen 4 Studien
zusammen pro Patientengruppe etwa 500 Patienten eingeschlossen. Eine
Metaanalyse steht also kurz bevor. Es ist daher davon auszugehen,
daß in Kürze Empfehlungen zu einer poststationären Thromboembolie-
Prophylaxe nach Hüftgelenksersatz von den entsprechenden
Fachgesellschaften ausgesprochen werden. Die Prophylaxe
sollte vorzugsweise mit niedermolekularem Heparin 1 x täglich subkutan
durchgeführt werden, da unter
unfraktioniertem Heparin die Heparin-induzierte Thrombozytopenie
beobachtet wird. Diese tritt
bekannterweise unter NM-Heparin seltener auf. Theoretisch kommen auch
orale Antikoagulantien für die
dann insgesamt 5-wöchige postoperative stationäre Behandlung in Frage;
Ergebnisse hierzu liegen jedoch
nicht vor.Derzeit wird geprüft, ob die Thromboembolie-Prophylaxe in der jetzt
vorliegenden Form mit
insgesamt 5 Wochen postoperativer Durchführung ausreichend ist oder eine
noch längerfristige
Prophylaxe erforderlich ist. Weiterhin steht zur Diskussion, ob bei Patienten
mit einer zugrundeliegenden
Erkrankung, die ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko bedingt - wie zum
Beispiel ein Malignom -, eine
noch längerfristige Thromboembolie-Prophylaxe wirksam ist. Die vorgelegten
Daten sind
richtungsweisend. Mit Spannung können die Stellungnahmen der
Fachgesellschaften sowie weitere
wissenschaftlich differenzierte Indikationsstellungen erwartet werden.
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. med. J. Harenberg Fakultät für Klinische Medizin, Mannheim der
Universität Heidelberg I.
Medizinische Klinik Klinikum Mannheim Theodor-Kutzer-Ufer 68167
Mannheim
Literatur:
Bergqvist D et al: Low molecular weight heparin (Enoxaparin) as prophylaxis
against venous
thromboembolism after total hip replacement, N Eng J Med 1996; 335: 696-
700
McNally M, Raymond A, Mollan B, Total hip replacement, lower limb blood
flow and venous
thrombogenesis. J Bone Joint Surg [ Br ] 1993; 75B: 640-644
Trowbridge A et al, Incidence of posthospitalisation proximal deep venous
thrombosis after total hip
arthroplasty. Clin Orth Research 1994; 299: 203-208
Anthonie W, Lensing A et al. Lower extremity venography with Iohexol:
Results and complications.
Radiology 1990; 177: 503-505
Agnelli G, Ranucci V, Veschi F, Rinonapoli E, Lupatelli L, Nenci G., Clinical
outcome of orthopaedic
patients with negative lower limb venography at discharge. Thrombosis and
Haemostasis 1995; 74:
1042-1044
zuletzt aktualisiert am 18.01.97
Niedermolekulares Heparin (in fixer Dosis) ist gleich effektiv und sicher wie
unfraktioniertes
Heparin in der initialen Behandlung von Patienten mit venösen
Thromboembolien (Tiefe
Venenthrombose TVT und Lungenembolien PE)
Verfasser: Steurer Johann; Monday, 22. September 1997
Studie:
Nicht blinde, randomisierte kontrollierte Studie
Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose (Duplex oder Venographie) oder
Lungenembolie (Szintigramm
oder Angiographie), ambulante und stationäre Patienten
Ausschluss: Antikoagulantientherapie in den vergangenen 24 Stunden,
gastrointestinale Blutung in den
vergangenen 3 Wochen
Kontrollgruppe: (N = 511; 511 analysiert): unfraktioniertes Heparin (5000 IE
Liquemin im Bolus und
nachher gemäss aPTT) und Marcumar
Therapiegruppe: (N = 510; 510 analysiert): niedermolekulares Heparin
Clivarin ( 2 x 6300 u/d wenn
Gewicht > 60 kg, 2 x 4200 u/d wenn Gewicht 46-50 kg, 2 x 3500 U/d wenn
Gewicht 35-45 kg) und
Marcumar
Resultat:
Outcome
Zeit
CER
EER
RRR
ARR
NNT
Rezidiv TVT oder
Lungenembolie
12
Wochen
0.057
0.06
-5%
-0.003
-333
95% CI
-56% to
45%
-0.032 to
0.026
Blutung (grösser)
12
Wochen
0.031
0.02
35%
0.011
91
95% CI
-27% to
98%
-0.008 to
0.030
Fatale
Lungenembolie
12
Wochen
0.006
0.01
-67%
-0.004
-250
95% CI
-100% to
100%
-0.015 to
0.007
Kommentar:
Die meisten Rezidive treten in den ersten 2 Wochen auf
Hospitalisationszeit bei Patienten mit niedermolekularem Heparin kürzer
2 fatale Blutungen bei unfraktioniertem Heparin
References:
The Columbus Investigators, N Engl J Med 1997;337:657-62
Kompressionsstrümpfe reduzieren das Auftreten eines postthrombotischen
Syndroms nach proximaler tiefer Venenthrombose
Brandjes DP, Büller HR, HeijhoerH et al. Randomised trial of effect of
compression stockings in patients with symptomatic proximal-vein
thrombosis.Lancet 1997, 349:759-62
Charakteristik der eingeschlossenen Patienten: 194 Patienten (mittleres Alter
60 Jahre, 56% Männer mit einer erstmaligen Venenthrombose in den
Oberschenkelvenen, Poplitealvene konnte betroffen sein.
Ausschlusskriterein waren eine erwartete Lebensdauer von < 6 Monaten,
Lähmung des betroffenen Beines, bilaterale Thrombosen, Beinulcera, oder
ausgeprägte Varicosis.
Studiendauer: 76 Monate wurden die Patienten im Median nachkontrolliert
Kontrollgruppe (Placebo): 98 Patienten erhielten keine
Kompressionsstrümpfe
Therapiegruppe: individuell angepasste, knielange Kompressionsstrümpfe 2
bis 3 Wochen nach der Thrombose. Die Therapie- als auch die
Kontrollgruppe erhielt eine fünftägige Heparintherapie und anschliessend für
3 Monate Marcumar.
Studiendesign:
Randomisiert, kontrollierte Studie
Resultate:
Ereignis Therapiegruppe 96 p
KontrollGruppe 98 p
RRR
95% CI
ARR
NNT
95% CI
Mildes bis mittleres
postthrombotisches Syndrom
20 %
47%
58%
35-73
27%
4
3 - 7
Schweres postthrombotisches
Syndrom
11%
23%
51%
7 -75
12%
9
4-74
Kommentar: Das postthrombotische Syndrom ist eine
häufige Komplikation der tiefen Beinvenethrombose.
30% der Patienten, die die Kompressionsstrümpfe trugen
entwickelten ebenfalls ein post-thrombotisches Syndrom.
TVT
Lowenbergzeichen
RR Manschette an beiden US Aufpumpen
wann tuts es weh ? ab welchem RR ?
bei tiefen beinvenenthrombosen ist das betroffene Bein deutlich früher schmerzhaft
Titel:
Randomised trial of effect of compression stockings in
patients with symptomatic proximal-vein thrombosis (see
comments)
Autoren:
Brandjes DP; Bueller HR; Heijboer H; Huisman MV; de Rijk
M; Jagt H; ten Cate JW
Quelle:
LANCET; 349; 9054; 759-62; 1997 Mar 15; 9706
Sprache:
English
Adresse:
Centre for Haemostasis, Thrombosis, Atherosclerosis, and
Inflammation Research, Academic Medical Centre, Amsterdam,
Netherlands.
Schlagworte
CT:
BANDAGES/*; THROMBOPHLEBITIS/*therapy; FEMALE; FOLLOW-
UP
STUDIES; HUMAN; MALE; MIDDLE AGE; PATIENT COMPLIANCE;
POSTPHLEBITIC SYNDROME/prevention & control; PROSPECTIVE
STUDIES; RECURRENCE; SUPPORT, NON-U.S. GOV'T;
TREATMENT
OUTCOME
Sonstige Information
ND:
97228496 BASE: ME83
CY:
ENGLAND
JC:
L0S
ISSN:
0140-6736
CO:
LANCAO
JP:
1
DT:
CLINICAL TRIAL; JOURNAL ARTICLE; RANDOMIZED
CONTROLLED
TRIAL
SU:
A - Subset Abridged Index Medicus
M - Subset priority 1 or 2 journals
X - Subset cancer core journals
NO:
Comment in: ACP J Club 1997 Sep-Oct;127(2):35
AS:
Author
B:
BACKGROUND: Post-thrombotic syndrome varies from mild
oedema to incapacitating swelling with pain and
ulceration. We investigated the rate of post-thrombotic
syndrome after a first episode of deep-vein thrombosis and
assessed the preventive effect of direct application of a
sized-to-fit graded compression stocking. METHODS:
Patients with a first episode of venogram-proven proximal
deep-vein thrombosis were randomly assigned no stockings
(the control group) or made-to-measure graded compression
elastic stockings for at least 2 years. Post-thrombotic
syndrome was assessed with a standard scoring system that
combined clinical characteristics and objective leg
measurements. Patients were assessed every 3 months during
the first 2 years, and every 6 months thereafter for at
least 5 years. The cumulative incidence of
mild-to-moderate post-thrombotic syndrome was the primary
outcome measure. FINDINGS: Of the 315 consecutive
outpatients considered for inclusion, 44 were excluded and
77 did not consent to take part. 194 patients were
randomly assigned compression stockings (n = 96) or no
stockings (n = 98). The median follow-up was 76 months
(range 60-96) in both groups. Mild-to-moderate
post-thrombotic syndrome (score > or = 3 plus one clinical
sign) occurred in 19 (20%) patients in the stocking group
and in 46 (47%) control-group patients (p < 0.001). 11
(11%) patients in the stocking group developed severe
post-thrombotic syndrome (score > or = 4), compared with
23 (23%) patients in the control group (p < 0.001). In
both groups, most cases of post-thrombotic syndrome
occurred within 24 months of the acute thrombotic event.
INTERPRETATION: About 60% of patients with a first episode
of proximal deep-vein thrombosis develop post-thrombotic
syndrome within 2 years. A sized-to-fit compression
stocking reduced this rate by about 50%.
Inelastic versus elastic leg compression in chronic venous
insufficiency: a comparison of limb size and venous
hemodynamics.
Autoren:
Spence RK; Cahall E
Quelle:
JOURNAL OF VASCULAR SURGERY; 24; 5; 783-7; 1996
Nov; 9702
Sprache:
English
Adresse:
Department of Surgery, Cooper Hospital/University, Medical
Center, Robert Wood Johnson Medical School at Camden, N.J.,
USA.
Schlagworte
CT:
BANDAGES/*; EDEMA/physiopathology; EDEMA/*therapy; VENOUS
INSUFFICIENCY/physiopathology; VENOUS
INSUFFICIENCY/*therapy;
ADULT; AGED; AIR; ANIMAL; CHRONIC DISEASE; COMPARATIVE
TUDY; FEMALE; HEMODYNAMICS; HUMAN; LEG/blood supply;
MALE; MICE; MIDDLE AGE; PLETHYSMOGRAPHY; REGIONAL
BLOOD FLOW; TIME FACTORS; VEINS
Sonstige Information
ND:
97076001 BASE: ME83
CY:
UNITED STATES
JC:
KD2
ISSN:
0741-5214
CO:
JVSUES
JP:
1
DT:
JOURNAL ARTICLE
SU:
M - Subset priority 1 or 2 journals
AS:
Author
AB:
PURPOSE: Compression of the lower extremity is the
mainstay of therapy in patients who have chronic venous
insufficiency. We evaluated the ability of two forms of
compression-elastic stockings and an inelastic compression
garment-with air plethysmography to determine how well
they corrected abnormal deep venous hemodynamics in
patients who had class III chronic venous insufficiency
and how well this correction was sustained over time.
METHODS: Patients had measurements taken with no
compression, with a 30 to 40 mm Hg below-knee stocking,
and with the inelastic compression garment 2 hours and 6
hours after donning the garments. Therapies were compared
with baseline and with themselves over time. RESULTS:
Inelastic compression maintained limb size and reduced
venous volume better than no compression or stockings over
time (ankle circumference at 2 hr vs 6 hr: baseline, 24.7
+/- 7 cm vs 26.1 +/- 1.1 cm; stocking, 23.9 +/- 1.1 cm vs
26.2 +/- 1.2 cm; inelastic compression, 25.4 +/- 1.1 cm vs
25.4 +/- 0.9 cm; venous volume at 2 hr vs 6 hr: baseline,
97.5 +/- 14.1 ml vs 105.2 +/- 17.9 ml; stocking, 112.4 +/-
29.7 ml vs 77.5 +/- 13.2 ml; inelastic compression, 72.2
+/- 14.1 ml vs 56.1 +/- 10.2 ml). At 6 hours, the ejection
fraction was increased and the venous filling index was
significantly less with inelastic compression compared
with the stocking and baseline (ejection fraction at 6 hr:
baseline, 61.6% +/- 6.9%; stocking, 75.9% +/- 17.7%;
inelastic compression, 78.8% +/- 12.2%).
CONCLUSIONS:
Inelastic compression has a significant effect on deep
venous hemodynamics by decreasing venous reflux and
improving calf muscle pump function when compared with
compression stockings, which may exert their primary
effect on the superficial venous system.
Thrombophlebitis
Venenentzündung mit thrombotischem Verschluß des Lumens.
thrombophlebitis.
Th. profunda veralteter Begriff für tiefe Venenthrombose .
deep th.
Th. superficialis die meist lokal begrenzte, oberflächliche Th. (Th. i.e.S.) als
Folge einer
örtl. Stase (v.a. an Beinen bei varikösem Symptomenkomplex ) bzw. einer
örtl. Reizung
(z.B. am Arm postinjektionell, bei infektiöser Hauterkrankung), im allg. ohne
Gefahr einer
Embolie oder eines postphlebit. Syndroms; Symptome: druckschmerzhafte,
mit der Haut
verschiebl., strangförm. Verdickung (u. weitere klass. Entzündungszeichen);
Therapie:
Kompressionsverband ohne Ruhigstellung, evtl. Antiphlogistika.
superficial th.
Th. umbilicalis stets eitrige Nabelvenenentzündung, v.a. nach protrahiertem
Nabelvenenkatheterismus, mit Gefahr von Pfortaderstenose,
Leberabszeßbildung, Banti*
Syndrom.
umbilical th.
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The New England Journal of Medicine -- April 23, 1998 -- Volume 338,
Number 17
Primary Venous Thromboembolism and Cancer
Screening
For more than a century we have known that deep venous thrombosis or
pulmonary embolism may be the presenting feature of an occult cancer.
The
association between venous thromboembolism and cancer raises three
questions:
What is the mechanism, how strong is the association, and what are the
implications for patient care?
The mechanisms of cancer-induced venous thrombosis have been
widely studied,
mainly in patients with overt cancers. These mechanisms include
invasion of
cancer cells into the vessel wall, compression of the vasculature by a
tumor, and
hypercoagulability induced by the cancer. Studies of patients with solid
tumors or
leukemia using sensitive laboratory methods have revealed signs of
activation of
the coagulation system in virtually all cases, regardless of whether there
was
clinical evidence of venous thromboembolism. This process, as
evidenced by
increased plasma levels of products of fibrin formation, appears to
correlate with
disease progression. (1)
There is increasing evidence that the hypercoagulable state in cancer
originates in
the extrinsic (tissue-factor) pathway. (2) Twofold to fourfold increases in
the
levels of circulating tissue factor, activated factor VII, prothrombin-
activation
peptide, and thrombin-antithrombin complexes have been observed in a
wide
variety of cancers. Enhanced generation of activated factor VII has been
attributed
to overexpression of tissue factor by tumor cells, the presence of tissue
factor on
microvesicles shed by tumor cells, and the induction of tissue factor on
tumor-cell-activated monocytes or macrophages. The expression by
cancer cells
of a protease that directly activates factor X can also generate thrombin.
It should
be noted, however, that no correlation has yet been established
between the
plasma levels of these markers of hypercoagulability and the occurrence
of
venous thromboembolism. (3)
In this issue of the Journal, Sorensen et al. (4) report their findings in
patients
with deep venous thrombosis or pulmonary embolism whose cases were
recorded
in a Danish national registry from 1977 through 1992. Their results
substantiate
the association between primary venous thromboembolism and a
subsequent
diagnosis of cancer. Of particular interest is the observation that the
standardized
incidence ratio for cancer was highest during the first six months after a
hospital
admission for either deep venous thrombosis or pulmonary embolism.
The ratio,
which was approximately 3.0 for that 6-month period, decreased to 2.2
at 1 year
and to 1.1 for the remaining period of observation, which in some cases
was as
long as 17 years.
The standardized incidence ratio at one year in this report is less than
the odds
ratio for a newly diagnosed cancer at one year of follow-up that was
found in a
pooled analysis of studies of patients with deep venous thrombosis (3.2;
95
percent confidence interval, 2.3 to 4.5). (5) Moreover, in these studies
the
absolute incidence of subsequently diagnosed cancer ranged between 5
and 10
percent, whereas the corresponding figure for the Sorensen study was
2.1 percent
(95 percent confidence interval, 1.9 to 2.3 percent). And unlike the
Sorensen
study, these investigations compared patients with confirmed
symptomatic deep
venous thrombosis with those in whom the diagnosis was excluded by
imaging
tests. (5)
The differences in results between these studies and the Danish study
may be due
to the strategies used to diagnose deep venous thrombosis and
pulmonary
embolism and the selection criteria for primary venous thrombosis used
in the
Danish study. The years from 1977 through 1992 (the period
encompassed by the
Danish study) saw a change in the diagnostic approach to venous
thromboembolism from one based mainly on bedside evidence to one
based on
imaging techniques. The lack of specificity and sensitivity of bedside
signs of
venous thromboembolism has been demonstrated repeatedly. As many
as 50 to 70
percent of symptomatic patients may be given a misdiagnosis of venous
thromboembolism. Furthermore, the hospital-discharge codes used in
the Danish
study could not exclude patients with a previous bout of venous
thromboembolism and a family history, which would indicate an inherited
thrombotic disorder rather than primary venous thromboembolism.
Another
problem is that patients in whom cancer was found during the initial
hospitalization for the thromboembolic event were likely to have been
missed in
the computerized search of hospital records.
For these reasons the Danish study may have underestimated the
standardized
incidence ratio of cancer and the absolute incidence of new cancers.
Nevertheless,
this paper convincingly confirms the association between venous
thromboembolism and a subsequent clinically overt cancer, particularly
within the
first 6 to 12 months of follow-up. The estimated standardized incidence
ratios for
the entire 17 years of follow-up seem, therefore, to have little clinical
value.
The approximately threefold risk of a manifest cancer within a relatively
short
time after an episode of primary venous thromboembolism raises the
issue of
whether screening for occult cancer in patients with such an episode is
indicated
and if so, how extensive it should be. Before commenting on the
appropriateness
of screening for occult cancer in patients with primary venous
thromboembolism,
we need to consider not only the relative risk but also the absolute
incidence of
cancer and the types of cancer that might be found. Other important
matters are
the accuracy of the screening methods, the potential benefit of early
detection, and
the psychological and physical burdens of searching for an occult
neoplasm. There
seems to be no advantage to discovering a hidden metastatic cancer for
which
there is little or no treatment. However, as substantiated by Sorensen et
al., several
types of cancer linked to venous thromboembolism can be detected with
noninvasive methods, and they may respond favorably when treated
early -- a
point with particular relevance to younger patients. Moreover, 40 to 60
percent of
the cancers that appear after venous thromboembolism are not
metastatic at the
time of detection. (4,5,6) These facts justify a limited search, including
mammography and pelvic ultrasonography in women and a test for
prostate-specific antigen in men. A recent decision analysis of screening
for occult
cancer in patients with idiopathic deep venous thrombosis revealed
potential gains
in life expectancy. (7)
Nevertheless, there is still insufficient evidence to support extensive
screening of
all patients. Each patient with primary venous thromboembolism should
undergo
a thorough clinical evaluation, including a comprehensive medical history,
physical examination, routine laboratory tests, and chest radiography.
(5,6) The
threshold for ordering tests if abnormalities are found during this initial
evaluation should be low. Future studies of the management of primary
venous
thromboembolism should assess the clinical value of extending this
basic
evaluation for particular kinds of patients, such as those in whom venous
thromboembolism develops at a relatively young age or is recurrent or
patients
with genetic or environmental risk factors for cancer.
Harry Buller, M.D.
Jan Wouter ten Cate, M.D.
Academic Medical Center
1105 AZ Amsterdam, the Netherlands
Text
References
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The New England Journal of Medicine -- April 23, 1998 -- Volume 338,
Number 17
Primary Venous Thromboembolism and Cancer
Screening
References
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studies in
cancer patients. Thromb Haemost 1993;70:540-2.
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2. Kakkar AK, DeRuvo N, Chinswangwatanakul V, Tebbutt S,
Williamson RC.
Extrinsic-pathway activation in cancer with high factor VIIa and tissue
factor.
Lancet 1995;346:1004-5.
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3. Agnelli G. Venous thromboembolism and cancer: a two-way clinical
association. Thromb Haemost 1997;78:117-20.
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4. Sorensen HT, Mellemkjaer L, Steffensen FH, Olsen JH, Nielsen GL.
The risk of
a diagnosis of cancer after primary deep venous thrombosis or
pulmonary
embolism. N Engl J Med 1998;338:1169-73.
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5. Prins MH, Hettiarachchi RJ, Lensing AW, Hirsh J. Newly diagnosed
malignancy in patients with venous thromboembolism: search or wait
and see?
Thromb Haemost 1997;25:185-8.
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6. Cornuz J, Pearson SD, Creager MA, Cook EF, Goldman L.
Importance of
findings on the initial evaluation for cancer in patients with symptomatic
idiopathic deep venous thrombosis. Ann Intern Med 1996;125:785-93.
Return to: Text
7. Barosi G, Marchetti M, Dazzi L, Quaglini S. Testing for occult cancer
in
patients with idiopathic deep vein thrombosis --a decision analysis.
Thromb
Haemost 1997;78:1319-26.
Return to: Text
Text
References
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The New England Journal of Medicine -- April 23, 1998 -- Volume 338,
Number 17
The Risk of a Diagnosis of Cancer after Primary
Deep Venous Thrombosis or Pulmonary
Embolism
Henrik Toft Sorensen, Lene Mellemkjaer, Flemming Hald Steffensen, Jorgen
H. Olsen,
Gunnar Lauge Nielsen
Abstract
Background. Several small studies have indicated an association
between deep
venous thrombosis or pulmonary embolism and a subsequent diagnosis
of cancer,
but the subject is controversial.
Methods. We conducted a nationwide study of a cohort of patients with
deep
venous thrombosis or pulmonary embolism that was drawn from the
Danish
National Registry of Patients for the years 1977 through 1992. The
occurrence of
cancer in the cohort was determined by linkage to the Danish Cancer
Registry. The
expected number of cancer cases was estimated on the basis of national
age-, sex-,
and site-specific incidence rates.
Results. A total of 15,348 patients with deep venous thrombosis and
11,305
patients with pulmonary embolism were identified. We observed 1737
cases of
cancer in the cohort with deep venous thrombosis, as compared with
1372
expected cases (standardized incidence ratio, 1.3; 95 percent
confidence interval,
1.21 to 1.33). Among the patients with pulmonary embolism, the
standardized
incidence ratio was 1.3, with a 95 percent confidence interval of 1.22 to
1.41. The
risk was substantially elevated only during the first six months of follow-
up and
declined rapidly thereafter to a constant level slightly above 1.0 one year
after the
thrombotic event. Forty percent of the patients given a diagnosis of
cancer within
one year after hospitalization for thromboembolism had distant
metastases at the
time of the diagnosis of cancer. There were strong associations with
several
cancers, most pronounced for those of the pancreas, ovary, liver
(primary hepatic
cancer), and brain.
Conclusions. An aggressive search for a hidden cancer in a patient with
a primary
deep venous thrombosis or pulmonary embolism is not warranted. (N
Engl J Med
1998;338:1169-73.)
Source Information
>From the Danish Epidemiology Science Center at the Department of
Epidemiology and Social Medicine (H.T.S., F.H.S.), and the Department
of
Internal Medicine V (H.T.S.), University of Aarhus, Aarhus; the Danish
Cancer
Society, Institute of Cancer Epidemiology, Copenhagen (L.M., J.H.O.);
and the
Department of Internal Medicine M, Aalborg Hospital, Aalborg (G.L.N.) --
all in
Denmark. Address reprint requests to Dr. Sorensen at the Danish
Epidemiology
Science Center, University of Aarhus, Hoegh-Guldbergs Gade 10, DK-
8000
Aarhus C, Denmark.
The full text of Original Articles is not included in the Journal On-line.
However, you can
order the complete article.
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Copyright © 1998 by the Massachusetts Medical Society
AWMF online
Arbeitsgemeinschaft der
Wissenschaftlichen
Medizinischen
Fachgesellschaften
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Zitierbare Quelle: Leitlinien zu Diagnostik und Therapie in der
Gefäßchirurgie. Hrsg. vom
Vorstand der Dt. Ges. f. Gefäßchirurgie; Deutscher Ärzteverlag, Köln 1998
Leitlinie zur Thrombose der Vena subclavia und Vena
cava superior
(Leitlinien zur Behandlung der akuten Phlebothrombose der oberen
Extremität)
Vorbemerkungen
Im Vergleich zur tiefen Bein- und Beckenvenenthrombose kommt die
Thrombose der Vena
subclavia und Vena cava superior viel seltener vor. Das Verhältnis beträgt
etwa 2:100. Der
akute thrombotische Verschluß der Vena subclavia beziehungsweise Vena
axillaris wird
auch als ,,akuter Achselvenenstau", ,,Paget-von-Schrötter-Syndrom", als
,,Thrombose par
effort" oder als ,,thoracic inlet Syndrom" (TIS) bezeichnet.
Als Ursachen kommen in Frage:
1. Tumorkompression
Mediastinaltumoren (benigne, maligne, entzündliche)
Lymphknotenmetastasen
retrosternale Strumen
2. Zentralvenöse Katheter und Dauerimplantate
3. Radiatio
4. Infektionen (z.B.: intravenöse Katheter, Braunüle)
5. Costo - claviculäres Syndrom
6. Claviculafraktur
7. AT-Ill-Mangel
8. unbekannt (par effort?)
Symptome und Befunde
Der Krankheitsbeginn eines Paget-von-Schrötter Syndroms ist in der Regel
akut und wird
von schmerzhafter Armschwellung, Zyanose, vermehrter Venenzeichnung,
vor allem im
Schulterbereich, gekennzeichnet. Es ist häufig von Parästhesien und
Muskelschwäche
begleitet.
Ist zusätzlich die Vena cava superior thrombotisch verschlossen, führt dies zu
Gesichtsödemen, massiven Armschwellungen mit prall gefüllten Venen am
Schultergürtel
und an der Thoraxwand, sowie zu zunehmender Dyspnoe (V.- Cava -
superior - Syndrom).
Diagnostik
Differentialdiagnostisch sind ein Lymphödem und eine arterielle Embolie
auszuschliessen.
Apparative Diagnostik
1.Armvenen-Phlebographle: Sie zeigt nicht nur die genaue Lokalisation der
Thrombose,
sondern gibt zusätzlich eventuell Hinweise auf ihr Alter.
2.CT bei Tumorverdacht.
Indikationsstellung
Therapeutische Ziele sind:
1.Vermeidung einer Lungenembolie (LE)
2. Verhindern eines postthrombotischen Syndroms (PTS).
Es bieten sich ähnlich wie beim Iliofemoralvenenverschluß drei Verfahren an:
1.Konservative Therapie mit Hochlagerung und Antikoagulaticngabe
2.Fibrinolyse
3.Venöse Thrombektomie
Obwohl die Prognose dieser Erkrankung wesentlich günstiger anzusehen ist
als die der
Iliofemoralvenenthrombose - sowohl im Hinblick auf das Auftreten einer den
Patienten
gefährdenden Lungenembolie als auch auf die Entstehung eines
postthrombotischen
Syndroms sollte die rein konservative Therapie nur noch in Ausnahmefällen
durchgeführt
werden, da sie die Entstehung eines postthrombotischen Syndrom nicht
verhindern kann.
Die Fibrinolyse (zum Beispiel mit ultrahochdosierter Streptokinase) erzielt
etwa gleich
gute Ergebnisse wie die operative Thrombektomie mit einer Rate von
kompletten
Rekanalisationen in etwa 80% der Fälle.
Die Indikation zur Thrombektomie ergibt sich, wenn Kontraindikationen gegen
die Lyse
bestehen, und beim Vorliegen einer Phlegmasia coerulea dolens.
Kontraindikationen für ein operatives Vorgehen sind:
1.Ein stark reduzierter Allgmeinzustand des Patienten
2.Thrombosen durch Tumorkompression
3.Thrombosen durch intravenöse Dauerimplantate (z.B. Port-Katheter,
Herzschrittmacher)
4.Alte Thrombosen (anamnestisch über 14 Tage).
Therapie
Der Eingriff kann in Intubationsnarkose, aber auch in Lokalanästhesie
durchgeführt werden.
Die Vena axillaris beziehungsweise Vena subclavia wird von einem axillären
Hautschnitt
aus freipräpariert, angeschlungen und nach systemischer Heparinisierung
quer eröffnet. Die
Thrombektomie erfolgt durch Eingehen mit einem Venen-Fogarty-Katheter
proximal und
distal. Der Arm wird zusätzlich mit einer Esmarch'schen Binde ausgewickelt.
Phlebographisch oder auch phleboskopisch kann die Vollständigkeit der
Thrombektomie
überprüft werden. Das Anlegen einer proximal gelegenen temporären a-v-
Fistel ist
gelegentlich bei älteren Thrombosen sinnvoll. Nach Verschluß der Venotomie
und der
Wunde erfolgt das Anlegen eines elastokompressiven Verbandes und die
Hochlagerung des
Armes. Eine intraoperative Autotransfusion ist zu empfehlen.
Nachsorge
Die medikamentöse Nachbehandlung besteht unmittelbar postoperativ in
einer systemischen
Heparinisierung (nach aPTT - 2 - 3-facher Normwert) und, falls keine
Kontraindikationen
bestehen, in der überlappenden Einstellung auf ein Cumarin-Präparat für 3 -
6 Monate,
sowie in der Verordnung eines elastischen Kompressionstrumpfes der Klasse
II nach Maß.
Ist die auslösende Ursache der Subclaviavenenthrombose zunächst nicht
bekannt, muß
postoperativ bzw. nach erfolgter Lysetherapie und nach Abschwellen des
Armes überprüft
werden, ob ein costo-claviculäres Syndrom im Sinne eines TIS vorliegt.
Neben der
klinischen Untersuchung empfiehlt sich eine dynamische Phlebographle mit
Befunddokumentation der Funktionsstellungen.
Beim Vorliegen eines costo-claviculären Syndroms wird frühestens 2 Wochen
nach
erfolgter Thrombektomie bzw. Ende der Lysebehandlung oder nach dem
Absetzen- der
Antikoagulatientherapie von einem subaxillären Hautschnitt aus die erste
Rippe reseziert.
Ambulante Kontrolluntersuchungen sind im ersten Jahr in dreimonatigen
Abständen,
danach jährlich empfehlenswert.
Vor Absetzen der Antikoagulatientherapie nach ca. 6 Monaten sollte eine
nochmalige
Phlebographie durchgeführt werden.
Herausgegeben vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für
Gefäßchirurgie -
Verantwortlich für die Erstfassung: J. Husfeldt
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Die "Leitlinien" der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
sind
Empfehlungen für ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen. Sie
schildern
ausschließlich ärztlich-wissenschaftliche und keine wirtschaftlichen Aspekte.
Die
"Leitlinien" sind für Ärzte unverbindlich und haben weder
haftungsbegründende
noch haftungsbefreiende Wirkung.
Stand der letzten Aktualisierung: November 1997
© Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Autorisiert für elektronische Publikation in AWMF online: awmf@uni-
duesseldorf.de
HTML-Code optimiert: 30. 01. 1998
Ann Intern Med 1992 Feb 15;116(4):279-284
Subcutaneous heparin compared with continuous
intravenous heparin administration in the initial
treatment of deep vein thrombosis. A meta-analysis.
Hommes DW, Bura A, Mazzolai L, Buller HR, ten Cate JW
Academic Medical Center, Amsterdam, The Netherlands.
OBJECTIVE: To quantitatively assess the efficacy and safety of published
randomized
trials comparing subcutaneous heparin with continuous intravenous heparin
for the initial
treatment of deep vein thrombosis. DATA IDENTIFICATION: Studies
published between
January 1986 and April 1991 were identified through computer searches of
the MEDLINE
database and through reviews of the Science Citation Index, Current
Contents, proceedings
and abstract books, and references cited in the identified articles. Complete
manuscripts
were obtained from the authors if only abstracts were available. STUDY
SELECTION:
Eight clinical trials were identified that compared subcutaneous with
intravenous heparin
administration in patients with venographically confirmed deep vein
thrombosis. DATA
EXTRACTION: Each study was independently analyzed for the percentage
distribution of
thrombosis, the method of outcome measurement, and the heparin dose. The
methodologic
strength of each study was assessed using predefined standards for the
proper evaluation of
a therapeutic intervention with particular emphasis on the type of patient
allocation and
objective measurements. RESULTS OF DATA ANALYSIS: The overall
relative risk for
efficacy (defined as prevention of extension and recurrence of venous
thromboembolism)
of subcutaneous compared with intravenous heparin treatment was 0.62
(95% CI, 0.39 to
0.98), whereas for safety (defined as major hemorrhage) it was 0.79 (CI, 0.42
to 1.48).
CONCLUSIONS: The results of our meta-analysis indicated that heparin
administered
subcutaneously twice daily in the initial treatment of deep vein thrombosis is
more effective
and at least as safe as continuous intravenous heparin administration.
Administration of
heparin subcutaneously may simplify patient treatment and could facilitate
home treatment.
Arch Intern Med 1996 Aug 12;156(15):1677-1681
The relation between the activated partial
thromboplastin time response and recurrence in
patients with venous thrombosis treated with
continuous intravenous heparin.
Anand S, Ginsberg JS, Kearon C, Gent M, Hirsh J
Department of Medicine, McMaster University, Hamilton, Ontario.
BACKGROUND: It is unknown whether the true risk of recurrent venous
thromboembolism (VTE) is increased in patients with proximal deep vein
thrombosis who
are treated with continuous intravenous heparin and fail to reach a
therapeutic activated
partial thromboplastin time (APTT) within 24 to 48 hours of initiation of
treatment.
METHODS: To compare the risk of recurrent VTE in patients with early
subtherapeutic
APTT results and those with APTT results above the lower limit of the
therapeutic range,
we performed a formal review of the literature. We examined all available
studies that
provided information on the relation between the risk of recurrent VTE and
the APTT
response to heparin when initiated as a bolus followed by a continuous
intravenous
infusion of at least 30 000 U/24 h. RESULTS: Five studies were included in
the final
analysis. The overall recurrence rate was 6.3% in patients whose APTT
results were
subtherapeutic for the first 24 to 48 hours and 7% in patients whose APTT
results were
above the lower limit of the therapeutic range, providing a pooled odds ratio
of 0.89 with a
95% confidence interval of 0.2 to 4.0. CONCLUSIONS: In patients with VTE
who are
treated with a bolus of heparin followed by a continuous intravenous infusion
of at least 30
000 U/24 h, no convincing evidence shows that the risk of recurrent VTE is
critically
dependent on achieving a therapeutic APTT result at 24 to 48 hours.
Klinisches Symposium
Klinisches Symposium 3
Saal 7, 14.30 - 18.00 Uhr
Thrombose
Vorsitz:
D.L. HEENE, Mannheim
J. VAN DE LOO, Münster
14.30 - 14.50 Das Venensystem: Physiologie und Hämodynamik
P. GAEHTGENS, Berlin
[ Abstract ]
14.55 - 15.15 Pathogenese und Pathomorphologie der Thrombose
U. BLEYL, Mannheim
[ Abstract ]
15.20 - 15.40 Endothel, Blutplättchen, plasmatische Gerinnung und
Fibrinolyse:
Wechselwirkungen und prädisponierende Faktoren einer Thrombose
G. MÜLLER-BERGHAUS, Bad Nauheim
15.45 - 15.55 Coexistenz von Antiphospholipid-Syndrom und Faktor V Leiden
M. SCHÜTT, H. KLÜTER, M. GREIWE,
H.L. FEHM, G.J. WIEDEMANN, Lübeck (freier Beitrag, P-223)
[ Abstract ]
16.00 - 16.20 Pause
16.20 - 16.40 Klinik der Thrombose
F. HEINRICH, Bruchsal
[ Abstract ]
16.45 - 17.05 Diagnostik - Wertigkeit der Ultraschalluntersuchung
TH. WUPPERMANN, Darmstadt
[ Abstract ]
17.10 - 17.30 Diagnostik - Radiologische Verfahren
W. JASCHKE, Innsbruck
[ Abstract ]
17.35 - 17.55 Therapie der Thrombose - konservative, lytische oder operative
Therapie?
H. OSTERMANN, Münster
[ Abstract ]
17.55 - 18.00 Abschlußdiskussion
DGIM-104. Internistenkongreß 18.4.1998
Thrombose
Das Venensystem: Physiologie und Hämodynamik
P. Gaethgens
Institut für Physiologie der Freien Universität Berlin
Die Entstehung von Thrombosen im Venesystem begründet das
pathophysiologische
Interesse an diesem Gefäßabschnitt, der durch seine
gerinnungsbegünstigende
Hämodynamik (niedrige Stromgeschwindigkeiten, lange Transitzeiten,
Totwasserzonen in
Bereichen veränderter Gefäßwände, etc.) und Rheologie (geringe
Schubspannungen,
Hämokonzentration in abhängigen Regionen, etc.) ausgezeichnet ist.
Demgegenüber sind die kleineren und kleinsten vemösen Gefäße
entscheidende "Tatorte"
für entzündliche Reaktionen, die begünstigt durch hydrodynamische
Margination und
Adhäsion von Leukozyten, zu Zielpunkten jeder Art von Gewebschädigungen
der Noxe
(Sepsis, Ischämie/Reperfusion) werden. Ob die von der venösen Strombahn
ausgehenden
pathophysiologischen Ereignisse Thrombose und Entzündung auch durch
Störungen der
vom venösen Endothel aus gesteuerten präkapillaren
Durchblutungsregulation gefördert
werden, ist derzeit noch unklar; doch ist die große Dichte des
Rezeptorbesatzes und dessen
hohe Spezifität schwer mit der nur sehr begrenzten venösen Vasomotorik
allein zur
Deckung zu bringen.
So wie neuere Befunde zeigen, daß die strömungsmechanischen
Eigenschaften von
Stromteilung und -zusammenführung doch erhebliche Widerstandseffekte
bewirken
können, verleihen neue Befunde derzeit auch der Integrität des venösen
Endothels einen
neuen Stellenwert für die normale Durchblutungsregulation.
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DGIM-104. Internistenkongreß 18.4.1998
Thrombose
Pathogenese und Pathomorphologie der Thrombose
U.Bleyl
Pathologisches Institut, Mannheim
Die Pathogenese der Thrombose wird seit ihrer Erstbeschreibung vor 140
Jahren durch die
Kardinalprinzipien der Virchow`schen Trias, durch Verlangsamung der
Blutströmung,
Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes und Endothelläsionen
bestimmt.
Umstritten ist die Verlangsamung der Blutströmungsgeschwindigkeit als
Ursache von
Phlebothrombosen. Ursächlich konkurrieren die Herzinsuffizienz, die
Immobilisation der
Kreislaufperipherie und lokale Abflußstörungen mit Phlebektasie und
Klappeninsuffizienz.
Umstritten sind zudem Störungen in der Zusammensetzung des Blutes mit
Zellvermehrung,
Zunahme der Blutviskosität oder gesteigerter Gerinnbarkeit des Blutes, vor
allem durch
Aktivierung prokoagulativer Gerinnungsfaktoren, Verminderung von
Gerinnungs-Inhibitoren und Hemmung des Fibrinolyse-Systems.
Widersprüchlich ist
dagegen die generelle pathogenetische Bedeutung von Endothelläsionen.
Intakte Endothele
besitzen ein hohes antithrombotisches Potential. Die Bedeutung von
Gefäßwand- und
Endothelläsionen wird immer dann diskutiert, wenn mechanische Irritationen
möglich sind,
bei Operationen und Verletzungen, bei brüsken oder prolongierten
haemodynamischen
Phlebektasien, bei Katheter-induzierten Mikrotraumata und mechanischen
Klappenläsionen
sowie bei primären oder sekundären fortgeleiteten Phlebitiden. Schicksal der
Phlebothrombose sind rezidivierende Embolien, bakterielle Superinfektionen
und die
Organisation.
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Thrombose
Coexistenz von Antiphospholipid-Syndrom und Faktor
V Leiden
M. Schütt, H. Klüter, M. Greiwe, H.L. Fehm und G.J.Wiedemann
Medizinische Klinik I, Institute für Immunologie und Transfusionsmedizin und
Humangenetik, Medizinische Universität zu Lübeck
Fragestellung:
Das Antiphospholipid-Syndromc(APS) ist eine autoimmune Erkrankung, die
zu venösen
und arteriellen Thrombosen führt. Antiphospholipid-Antikörper führen zu einer
erworbenen
Resistenz gegen aktiviertes Proteini C (APC), während eine angeborene
Resistenz gegen
APC durch einen Defekt des Gerinnungsfaktors V verursacht wird (Faktor V
Leiden, FVL).
Wir untersuchten 11 Personen einer Familie, die klinisch durch ein gehäuftes
Auftreten von
Thrombozytopenien, Thrombosen und Migräne auffällig war.
Methoden:
Es wurden allgemeine hämostaseologische Untersuchungen sowie ein
Nachweis von Lupus
Antikoagulanz, Cardiolipin- und Thrombozyten-Antikörpern durchgeführt.
Weiterhin
erfolgte eine Faktor-V-Gen-Analyse und eine Bestimmung der MHC Klasse II
Allele.
Ergebnisse:
7 der 11 untersuchten Personen waren von einem APS mit
thrombozytopenischem
Phänotyp betroffen. Von diesen 7 Personen mit APS waren 3 Personen
heterozygot für
FVL. Nur in dieser Gruppe traten schwere thrombotische Ereignisse auf. Es
bestand kein
Zusammenhang zwischen dem Auftreten von APS und HLA-Gruppen.
Schlußfolgerungen:
1.Die Präsenz von Antiphospholipid-Antikörpern kann bei Personen, die
heterozygot für
FVL sind, zu einer weiteren Resistenz gegen APC führen und damit das
Thromboserisiko deutlich erhöhen.
2.Aufgrund der prognostischen Bedeutung sollte bei Personen mit APS und
rezidivierenden Thrombosen eine Faktor-V-Gen-Analyse durchgeführt
werden und bei
positivem Befund eine lebenslange Antikoagulation eingeleitet werden.
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Thrombose
Klinik der Thrombose
F. Heinrich
Medizinische Klinik, Krankenhaus Fürst-Stirum-Stiftung, Bruchsal
Die ein außerordentlich breites Spektrum umfassenden klinischen
Erscheinungen einer
Thrombose subfaszialer Extremtitätenvenen hängen ab von Lokalisation,
longitudinaler und
querer Ausdehnung sowie Ausbreitungsrichtung (aszendierend,
deszendierend) der
Thrombose, wobei der proximale Anteil des zumeist zentripetal sich
ausbreitenden
Prozesses bestimmend ist. Schmerz, Schwellung und Zyanose gelten als
typische Trias, die
in unterschiedlicher Akzentuierung vorliegen, durch Begleiterkrankungen
modifiziert
werden, aber auch völlig fehlen kann. Die unmittelbare Untersuchung muß in
unterschiedlichen Positionen des Patienten (Liegen, Stehen, ggf. Gehen)
erfolgen. Eine
vorausgegangene Venenthrombose oder Lungenembolie erhöht die
Spezifität der
anamnestischen Angaben bzw. klinischen Befunde deutlich.
Die Thrombosen in renalen, viszeralen, zephalen, jugularen und pulmonalen
Venen werden
trotz der Unterschiedlichkeit ihrer klinischen Äußerungen besprochen, da ihre
Kenntnis
wegen der vielfach gleichen Ätiologie (Vorliegen hämostaseologischer
Veränderungen)
auch für den periphere Thrombosen behandelnden Arzt wichtig ist. Die Klinik
der
postthrombotischen Erscheinungen und der epifaszialen Thrombophlebitiden
wird in die
Betrachtung einbezogen. Für jede klinische Entität werden Angaben zu
Ätiologie und
Häufigkeit, subjektiv geklagten Beschwerden und objektiv zu erhebenden
Befunden sowie
über Beziehungen zu anderen Krankheiten dargelegt. Anamnestische und
klinische Daten
haben weder Thrombose-beweisenden noch -ausschließenden, wohl aber
einen ganz
wichtigen hinweisenden Charakter, der den Einsatz apparativer non-invasiver
und ggf.
invasiver Untersuchungsmethoden rechtfertigt bzw. zwingend erfordert.
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DGIM-104. Internistenkongreß 18.4.1998
Thrombose
Diagnostik-Wertung der Ultraschalluntersuchung bei
Thrombose
Th. Wuppermann
Angiologische Klinik Darmstadt
Zur Thrombosediagnostik mittels Ultraschall kommen nicht eine, sondern 3
Methoden zur
Anwendung, d.h. CW-Doppler, B-Bild und Farbduplex. Von diesen drei
dominiert die
B-Bild-Diagnostik mittels Kompressionssonographie. An den Beckenvenen
besitzt der
CW-Doppler eine Genauigkeit von 95 % im Vergleich zur Phlebographie,
nicht aber an den
Beinvenen. Dort liegt die Spezifität und Sensitivität der
Kompressionssonographie bei über
90 %, während sie im Becken auf 70 % abfällt. Der Farbduplex besitzt bei der
Thrombosediagnostik nur untergeordnete Bedeutung, ist allenfalls für
spezielle Probleme,
für die Abgrenzung von Thrombusspitzen oder der Differenzierung zwischen
postthrombotischem Syndrom und frischer Thrombus beim
Thromboseserezidiv hilfreich.
Spezifität und Sensitivität der Ultraschalldiagnostik von Thrombosen wird
durch
Farbduplex jedoch nicht erhöht.
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Thrombose
Thrombose: Diagnostik-Radiologische Verfahren
W. Jaschke
Universitätsklinik für Radiodiagnostik / Leopold-Franzens-Universität
Innsbruck
Tiefe Beinvenenthrombosen sind schwierig zu diagnostizieren. Ungefähr 60
% aller
Patienten mit Beinvenenthrombosen sind asymptomatisch und nur bei etwa
der Hälfte der
Patienten mit Symptomen liegen tatsächliche Thromben vor. Für den
Nachweis venöser
Thrombosen stehen mehrere Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Die
aszendierende
Beinvenographie ist die bewährteste Methode und gilt deshalb als goldener
Standard, hat
jedoch den Nachteil, daß sie eine intravenöse Injektion von Kontrastmitteln
erfordert. Ziel
des Vortrages ist es, die Möglichkeiten und Grenzen der klassischen
Venographie
vorzustellen und gleichzeitig auf die zukünftigen Weiterentwicklungen der
kontrastmittelverstärkten Venographie hinzuweisen.
Venographie:
Eine generelle Anwendung dieser Methode für den Nachweis tiefer Arm- oder
Beinvenenthrombosen kann heute nicht mehr empfohlen werden, da die
farbkodierte
Duplexsonographie (FKDS) vergleichbare Ergebnisse liefert. Absolute
Indikationen für die
Venographie sind: Beurteilung der Beckenvenen bzw. der V.subclavia,
Befunddokumentation vor der systemischen oder lokalen Lyse und vor
Durchführung einer
Varizenoperation. Die abklärung venöser Mißbildungen erfolgt ebenfalls am
besten
venographisch.
CT & MRI:
Beide Verfahren eignen sich hervorragend zur Beurteilung der großen
zentralen Venen
einschließlich der V.cava. Die Möglichkeit der Volumenuntersuchung mit
Extraktion von
spezifischen Organstrukturen, wie z.B. Gefäße, wird in Zukunft neue
diagnostische
Möglichkeiten eröffnen.
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DGIM-104. Internistenkongreß 18.4.1998
Thrombose
Therapie der Thrombose - konservative, lytische oder
operative Therapie
H. Ostermann
Medizinische Klinik Abteilung A, Hämatologie / Onkologie, Münster
Ziele der Akuttherapie einer tiefen Venenthrombose sind die Verhinderung
des
Thrombuswachstums, der Lungenembolie und des postthrombotischen
Syndroms.
Unstrittig ist, daß zum Erreichen der ersten beiden Ziele eine umgehende
Antikoagulation
notwendig ist. Diese kann heute sowohl mit Standard- als auch mit
niedermolekularem
Heparin erreicht werden. Bei einem Teil der Patienten erscheint es möglich,
die
Akuttherapie der Thrombose ambulant mittels subkutan applizierten
niedermolekularen
Heparins durchzuführen. Die Dauer der nachfolgenden oralen
Antikoagulation ist
risikostratifiziert festzulegen.
Zur Vermeidung eines postthrombotischen Syndroms ist es einerseits
unabdingbar, eine
konsequente Behandlung mit Kompressionsstrümpfen durchzuführen.
Andererseits liegt es
nahe, daß die Beseitigung des Thrombus durch Lysetherapie oder
Thrombektomie die
Langzeitprognose der Patienten bezüglich des Auftretens eines
postthrombotischen
Syndroms verbessern könnte. Da die Nebenwirkungen v.a. der Lysetherapie
jedoch schwer,
und zu einem geringen Teil sogar tödlich sein können, sollte die
Indikationsstellung zu
diesen Verfahren unter Abwägung von Nutzen und Nebenwirkungen gestellt
werden.
© 1998 HOS multimedica Online Service GmbH & Co KG
Intensiv- und Notfallbehandlung Jg. 23, Nr. 4, UP1
Stellenwert der lokoregionären und
lokalen Thrombolysetherapie frischer
Venenthrombosen
F. Heinrich
Der thrombolytischen Eröffnung verschlossener Venen kommt auch heute
noch eine Bedeutung zu für die Verhinderung postthrombotischer
Gewebsveränderungen. Die unter systemisch wirkender
Fibrinolysetherapie auftretenden Nebenerscheinungen legen es nahe, nach
neuen, risikoärmeren Methoden zu suchen. Nach Definition der
"lokoregionären" und der "lokalen" Thrombolysetherapie werden die
relevanten Eigenschaften der dafür in Frage kommenden Fibrinolytika
(SK, UK, rtPA), ihre Dosierung, die Modalitäten ihrer Applikation und
die begleitenden Therapiemaßnahmen sowie mögliche
Nebenerscheinungen geschildert. Nach Darlegung aller bisher
vorliegenden Ergebnisse, getrennt für nichtvergleichende und
vergleichende Untersuchungen, werden die daraus - mit gewissen
Vorbehalten - zu ziehenden Schlüsse und Empfehlungen für die Praxis
abgeleitet, die Lokalisation und Ausdehnung der Thrombose als
entscheidende Kriterien benutzen.
Intensiv- und Notfallbehandlung Jg. 23, Nr. 4, UP2
Stellenwert von niedermolekularen
Heparinen und Heparinoiden für die
Behandlung der akuten tiefen
Venenthrombose und Lungenembolie
G. Pindur
Abteilung für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin,
Universitätskliniken des Saarlandes, Homburg/Saar
Niedermolekulare Heparine haben seit mehr als 10 Jahren einen festen
Stellenwert in der Primärprophylaxe von venösen Thromboembolien.
Zwischenzeitlich wurden einzelne niedermolekulare Heparine als
subkutane gewichtsadaptierte Fixed-dose-Applikationen ohne
Notwendigkeit eines Labormonitorings auch in die Therapie der akuten
tiefen Venenthrombose für die klinische Routine eingeführt. Hierbei
haben sie den Stellenwert einer mehrtägigen initialen Therapie bei
überlappender Einstellung auf eine orale
Antikoagulantien-Dauerbehandlung. Sie gelten als mindestens
gleichermaßen wirksam und sicher wie unfraktionierte Heparine für diese
Indikation. Perspektivisch zeichnen sich analoge Möglichkeiten für die
Eignung von niedermolekularen Heparinen bei akuten Lungenembolien
ab. Ähnliches gilt für niedermolekulare Heparine in der
Langzeitbehandlung zur Sekundärprophylaxe. Für diese Indikationen
werden jedoch noch weitere Studien erwartet. Als Vertreter der
Heparinoide wurde auch Danaparoid erfolgreich zur Behandlung von
akuten Thromboembolien vorzugsweise unter Studienbedingungen bei
heparininduzierter Thrombozytopenie Typ II eingesetzt. Für diese
Indikation ist zwischenzeitlich rekombinantes Hirudin das Mittel der
Wahl.
Intensiv- und Notfallbehandlung Jg. 23, Nr. 4, UP6
Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht
auf Thrombose tiefer Beinvenen
S. von Liebe, G. Küffer und F.A. Spengel
Klinik für Innere Medizin, Angiologie, Phlebologie, Klinik Feldafing
Die möglichen Früh- und Spätkomplikationen einer frischen
Venenthrombose der unteren Extremität (Lungenembolie,
Thrombuswachstum, postthrombotisches Syndrom, Ulcus cruris)
erfordern eine rasche Diagnose, um die patientenadaptierte Therapie
baldigst beginnen zu können. Klinische Anamnese und klinische
Symptome sind ungeeignet, eine Venenthrombose nachzuweisen oder
auszuschließen. Labortests (hier vor allem D-Dimer) sind nur geeignet,
bei negativem Ergebnis eine bis zu 7 Tage alte Venenthrombose
auszuschließen. Folglich muß jeder Verdacht auf Venenthrombose mit
bildgebenden Verfahren abgeklärt werden; hierzu stehen Phlebographie
und farbkodierte Duplexsonographie zur Verfügung. Beide Methoden
sind in der Primärdiagnostik gleich geeignet, ihr Einsatz soll sich nach
Verfügbarkeit und Erfahrung des Untersuchers richten und sich
gegebenenfalls jeweils gegenseitig ergänzen. In speziellen Fällen steht mit
der MR-Phlebographie ein zwar teures, aber sehr sensitives Verfahren zur
Verfügung, mit dem Gefäße und paravasales Gewebe nichtinvasiv
dargestellt werden können. Bei ätiologisch unklaren Thrombosen müssen
Hyperkoagulabilität, genetische Prädisposition, maligne Erkrankung,
Vaskulitis und Kompressionssyndrome ausgeschlossen werden.
Aus Meyers Konversationslexikon von 1888
Thrombosis (griech.), Verstopfung von Blutgefäßen durch ein Blutgerinnsel (Thrombus, Pfropfen), kommt im Herzen, in den Arterien und besonders häufig in den Venen, namentlich nahe ihren Klappen, vor. Dagegen ist sie in den Kapillaren und Lymphgefäßen seltener. Jeder Pfropfen ist von Anfang an ein wandständiger, welcher das Gefäßlumen nur teilweise verstopft; späterhin füllt der Pfropfen das Gefäßlumen vollständig aus. Von der Stelle der ursprünglichen Verstopfung kann sich der Thrombus sowohl nach rückwärts als auch zentralwärts, d. h. nach dem Herzen hin, in verschiedener Ausdehnung fortsetzen. Derselbe ist anfangs weich, feucht, blutig gefärbt; später wird er trockner, derber, gelblich und bröckelig. Weiterhin kann derselbe, und zwar zunächst in seinem Zentrum, zu einer breiigen, oft eiterartigen Masse erweichen (puriforme Schmelzung) und endlich seiner ganzen Ausdehnung nach in eine solche Masse zerfallen. Das Gerinnsel kann aber unter andern Umständen auch durch Einwanderung von Rundzellen aus der Nachbarschaft zu festem Bindegewebe organisiert werden. Hierdurch wird stets eine bleibende Verstopfung des Gefäßes bedingt, und dieser Vorgang ist erwünscht, wenn er in einem zerschnittenen oder anderweitig verletzten Gefäß vor sich geht, weil er das einzige sichere Mittel gegen die Blutung abgibt. Selten kommt es zur teilweisen Resorption, zur einfachen Schrumpfung und Vermeidung des Thrombus (Venensteine, Phlebolithen). An der Stelle, wo sich in einem Gefäß ein Thrombus gebildet hat, zeigt sich die Gefäßwand infolge der T. meist im Zustand einer chronischen, seltener einer akuten Entzündung; umgekehrt hat auch eine Entzündung der Gefäßwand nicht selten T. zur Folge. Die Ursachen der T. bestehen entweder in einer Stockung des Bluts (bei normaler Gefäßwand) oder in krankhafter Veränderung der Gefäßwand. Stockungen des Bluts treten aber unter den verschiedensten Verhältnissen ein, so z. B. bei jeder Verengerung des Gefäßlumens (Kompressionsthrombose), wie sie durch die Unterbindung des Gefäßes oder durch den Druck, welchen Geschwülste etc. auf das Gefäß ausüben, bedingt wird. Auch bei der Durchschneidung und Zerreißung der Gefäße kommt es fast immer zur T. (traumatische T.), und in diesem Fall ist die Pfropfenbildung ein erwünschter, zur Heilung notwendiger Vorgang, da auf ihm z. B. die Heilung von Wunden zum Teil beruht. Eine fernere Veranlassung zur T. ist die Erweiterung der Gefäße (Dilatationsthrombose), denn je weiter der Kanal ist, desto langsamer ist der Fluß in demselben bei gleicher Flüssigkeitsmenge. Hierher gehören die Fälle von Gerinnung in den Krampfaderknoten und Pulsadergeschwülsten, wodurch eine Heilung der letztern bewerkstelligt werden kann. Endlich bilden sich Gerinnungen in den Venen bei stark abgemagerten Kranken, wenn dieselben ruhig daliegen, und wenn gleichzeitig die Herzkraft abgenommen hat, das Blut also nicht schnell genug zirkuliert (marantische T.). Diese Art der T. ist eine häufige Nachkrankheit schwerer fieberhafter Krankheiten, namentlich des Typhus und Puerperalfiebers; sie ist auch eine sehr gewöhnliche Komplikation der Tuberkulose, Krebskrankheit, der chronischen Gelenk- und Knochenkrankheiten. In andern Fällen ist die T. abhängig von krankhaften Veränderungen der Gefäßwand. Dies geschieht beim Brand eines Gliedes, bei der Entzündung der äußern Venenhaut, bei Krebs, welcher die Venenwand durchbricht, und am häufigsten bei der chronischen Entzündung der innern Arterien und Herzhaut. In allen diesen Fällen werden die Gefäßwände rauh, und der Faserstoff des Bluts lagert sich auf den Rauhigkeiten als Thrombus ab. In ähnlicher Weise tritt Blutgerinnung ein, wenn man durch das lebende Gefäß eine Nadel sticht oder einen Faden durchzieht, wie dies z. B. die Chirurgen bei der sogen. Elektropunktur der Aneurysmen thun, um auf dem Weg einer künstlich herbeigeführten Gerinnung oder T. die Heilung derselben herbeizuführen. Die Verstopfung der Venen gibt sich zu erkennen durch Anstauung des venösen Bluts hinter dem Thrombus und vorzugsweise durch wassersüchtige Anschwellung des betreffenden Körperteils. Die Wassersucht fehlt jedoch, wenn sich ein genügender Kollateralkreislauf herstellt. Die Folgen der T. einer Arterie bestehen in mangelhafter oder unterbrochener Blutzufuhr, also in Blutarmut des betreffenden Teils, welche so hochgradig werden kann, daß derselbe brandig abstirbt, wie beim sogen. Altersbrand. Es kommt nicht selten vor, daß ein Stück von einem Thrombus, namentlich wenn derselbe in der Erweichung begriffen ist und der Kranke eine schnelle Bewegung ausführt, abbricht und mit dem Blutstrom nach andern Körperteilen hingeführt wird (s. Embolie). War der Thrombus aus der Gegend einer verjauchenden Wunde und selbst mit Jauche getränkt, so ruft der von ihm abgebrochene Embolus an der Stelle, wohin er mit dem Blutstrom gelangt, wiederum eine jauchige Entzündung hervor, es entstehen die sogen. metastatischen Abszesse. Vgl. Virchow, Gesammelte Abhandlungen (Berl. 1862); Baumgarten, Die sogen. Organisation des Thrombus (Leipz. 1877).