XTC = Ecstasy      zurück   



Definition des Problems

Bei Ecstacy handelt es sich um eine synthetische Droge (Designerdroge), deren Wirkung auf dem Wirkstoff MDMA beruht. Jedoch kommen häufig andere Wirkstoffe in den als XTC verkauften Pillen vor, welche MDMA-ähnliche Wirkung haben können (z.B. MDE, MDA) oder aber von halluzinogenem Charakter sein können (2CB). Selten tauchen aber auch gefährliche Stoffe auf, z.B. PMA. Ecstasy gehört zur Klasse der so genannten Entaktogene. Von der Wirkung her ähneln Entaktogene sowohl den Halluzinogenen als auch den Amphetaminen. Sie haben daher bewusstseinsverändernde und stimulierende Effekte. Neben MDMA gibt es auch noch MBDB und MDE, die ebenfalls zu dieser Klasse gehören und auch als Ecstasy bezeichnet werden.

Ecstasy wird in der Regel in Tabletten- oder Kapselform produziert. Bei einer Wirkstoffmenge von etwa 50 - 160 mg wird in etwa ein Marktpreis von ca. 5 bis 10 Euro erzielt. (Die Produktionskosten liegen unterhalb von 1 Euro.) In die meisten Tabletten werden Markenzeichen eingepresst wie Vögel, Herzen, Schmetterlinge oder Automobilkennzeichen. Inzwischen geben diese Markenzeichen keinen Hinweis mehr auf den Inhalt.

Inzwischen sind auch Ecstasy-Fakes auf dem Markt mit unterschiedlicher Gefährlichkeit. Diese enthalten beispielsweise ausschließlich Betäubungsmittel, Betäubungsmittel- und Arzneimittelgemische, reine Arzneimittelsubstanzen oder (so genanntes "Bio-Ecstasy" oder "Herbal-Ecstasy") eine Mischung aus Guarana, Koffein, Ephedra und mehr. Festzustellen sind inzwischen auch Streckmittel wie Atropin, Paramethoxyamphetamin (PMA). Manche Rohstoffe der Amphetamin- (und damit Ecstasy-) Produktion sind gleichzeitig auch Grundstoffe der pharmazeutischen Industrie (Appetitzügler).

Regelmäßige Dosierungen in der Szene liegen bei etwa 80 - 150 mg. Die Wirkung des MDMA in den Ecstasytabletten führt zu einer erhöhten sinnlichen Wahrnehmung (Verstärkung des akustischen, visuellen und taktilen Wahrnehmungsvermögens), einer allgemeinen Leistungssteigerung, Euphorie sowie vielfach einem "Gefühl der Nähe zu anderen Menschen", was den Konsumenten die Kontaktaufnahme erleichtert. Bei Überdosen treten jedoch rasch die negativen Folgen ein: Muskelkrämpfe, Brechreiz, depressive Phasen, innere Kälte, schwere Kreislaufstörungen, starkes Schwitzen. Menschen mit Herzschwäche, Diabetes und Epilepsie sind gegenüber den Dosen besonders disponiert. Todesfälle durch MDMA sind kaum berichtet in der Literatur. In der Regel sind bei den Todesfällen Polyintoxikationen (vor allem mit Alkohol) und Dehydrierung durch zu geringe Flüssigkeitsaufnahme zu berichten.

Der Konsum von Ecstasy ist vor allem in der Szene der elektronischen Musik (Techno etc.) weit verbreitet.

Weitere Bezeichnungen des Ecstasys sind: "Exocis", "Happy Pills", "Cadillac", "Adam" oder "Mickey Mouse"

Geschichte:

Der Wirkstoff MDMA wurde schon 1912 von Chemikern der Fa. E. Merck aus Darmstadt synthetisiert und zum Patent angemeldet, aber nie als Medikament fabriziert. 1953 testete die US-Armee die Substanz vergeblich als "Psychokampfstoff" und "Wahrheitsdroge". Seit den 70er Jahren tauchte sie dann in psychotherapeutischen Kreisen und ab Beginn der 80er als Clubdroge - zunächst in den USA, später in Europa - auf.

Weitere Schreibweisen: Extasy, Ecstacy, XTC


Internetadressen

Broschüre (http://www.bzga.de/medien/docs/su/txt_ecst.htm ) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)


Literatur

Literatur





van Treeck, Bernhard: Drogen- und Suchtlexikon, Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin, 2003, ISBN: 3-89602-221-0





van Treeck, Bernhard: Drogen, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2003, ISBN: 3-89602-420-5





Endriß/Logemann: Neue Zeitschrift für Strafrecht 1990, 286 (Fußnoten 12, 14, 15)





Harald Hans Körner: Betäubungsmittelgesetz, München 2001





Vom Scheid/Schmidbauer: Handbuch der Rauschdrogen, Frankfurt/M. 1999





Matthew Collin: Altered State. The Story of Ecstasy Culture and Acid House, 1997






Experte


Orginaltexte

DIE ZEIT





14/2004 





Ein Trip gegen das Trauma





In den USA testen Psychiater, ob Ecstasy bei der Therapie von Traumapatienten helfen kann. Ihre Kollegen fürchten, damit könne die Droge rehabilitiert werden





Von Kathrin Burger





Ecstasy galt bislang als typische Modedroge vergnügungssüchtiger Raver. Im Rausch der kleinen Glückspillen tanzten die Technofreaks stundenlang, mitunter bis zum Umfallen. Dann schreckten Todesfälle die Szene auf, und die Wissenschaft wusste von immer neuen Risiken des Ecstasy-Konsums zu berichten. Aufklärungsbroschüren warnten mit Bildern von durchlöcherten Gehirnen der Ecstasy-User, und die in Deutschland seit 1986 verbotene Droge genießt heute einen denkbar schlechten Ruf. Foto: Roland Frommann/laif





Doch möglicherweise hat das gefährliche Zeug auch eine heilende Wirkung. Ein entsprechendes Signal kommt ausgerechnet aus den USA, wo sich die Forschung bislang hauptsächlich auf die negativen Wirkungen der Droge konzentrierte. Dort glaubt eine kleine Wissenschaftlergemeinde, dass sich Ecstasy ? im Fachjargon Methylendioxymetamphetamin (MDMA) ? wirkungsvoll bei der Behandlung von Traumapatienten einsetzen lässt.





Verfochten wird diese These vor allem von der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), die ihren Sitz in Florida hat und auf ihrer Homepage einschlägige Ergebnisse aus den USA, den Niederlanden, Spanien, Nicaragua und der Schweiz publik macht. Nun kann die MAPS einen ersten Erfolg verkünden: Ein von ihr gesponserter Forscher, der US-amerikanische Psychiater Michael Mithoefer, bekam die offizielle Erlaubnis, eine medizinische Studie mit Ecstasy durchzuführen, um dessen therapeutische Wirkung nachzuweisen.





Mithoefer will die Droge bei 20 Menschen testen, die infolge eines Gewaltverbrechens an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Solche Traumapatienten können an einer ganzen Fülle von Symptomen leiden ? Schlafstörungen, Angst- und Panikattacken, quälende, zwanghaft immer wieder durchlebte Erinnerungen an das schreckliche Ereignis oder auch dessen völlige Verdrängung zählen dazu. Eine Therapie ist schwierig, häufig langwierig und nicht selten ergebnislos, zumal es die Traumatherapie nicht gibt. Vielmehr wird mit einer Kombination oder Abfolge verschiedener therapeutischer Ansätze gearbeitet, die jeweils auf den speziellen Fall abgestimmt werden müssen.





?Ich verdanke Ecstasy mein Leben?, schwärmt eine Patientin





Bei manchen Personen schlägt allerdings jeder Therapieansatz fehl. Dazu gehören auch die von Michael Mithoefer ausgewählten Patienten. Sie sollen in Kombination mit einer Gesprächstherapie zwei Ecstasy-Pillen im Abstand von einigen Wochen schlucken. Dabei setzt der Wissenschaftler auf die besonderen Eigenschaften der Droge. Ecstasy wirkt auf das limbische System, jenen Bereich im Gehirn, in dem Emotionen verarbeitet und Erinnerungen gespeichert werden. Wenn Ecstasy-Moleküle an die Rezeptoren der Nervenzellen andocken, schütten diese die Botenstoffe Adrenalin und Serotonin aus. Sinneswahrnehmungen werden gedämpft, Puls und Atemfrequenz beschleunigt, Blutdruck und Körpertemperatur steigen. Gleichzeitig sorgt Ecstasy für einen klaren Verstand. Der Rausch macht gesprächig, hebt die Laune und das Selbstwertgefühl.





Diese kommunikationsfördernde Fähigkeit von Ecstasy wollen Mithoefer und seine Kollegen gezielt nutzen. Der Einsatz von MDMA zur Heilung Traumatisierter sei ?ideal, weil es die Angstreaktionen dämpft und die innerpsychischen Realitäten eines Patienten umstrukturieren könnte?, schreiben die Forscher. Was genau im Gehirn passiert, wenn Ecstasy mit einer Gesprächstherapie kombiniert wird, wissen die Wissenschaftler zwar noch nicht. Aber es gebe erste Hinweise, dass MDMA die Aktivität der Amygdala reduziere. Dieser Bereich des limbischen Systems wird vor allem bei Angstzuständen ? zu denen auch Traumata zählen ? aktiv. MDMA könnte diese neurochemische Störung unterbrechen, hofft Mithoefer. Detaillierte Erkenntnisse soll die Studie liefern.





Dass Ecstasy auch als medizinischer Wirkstoff dienen könnte, ist keine neue Idee. Die Firma Merck sicherte sich bereits im Jahr 1912 ein Patent auf MDMA, testete es allerdings erst in den sechziger Jahren, und zwar auf seine appetitzügelnde Wirkung. Die Schlankheitspille kam wegen zahlreicher Nebenwirkungen nie auf den Markt. Dafür führte der amerikanische Biochemiker Alexander Shulgin Ecstasy in den siebziger Jahren in die Psychotherapie ein. Schon damals gab es Hinweise, dass sich die Droge bei Traumapatienten bewähren könnte. Eine ehemalige Patientin sagte gegenüber dem Nachrichtensender CNN: ?Als ich bei der dritten Einweisung in die geschlossene Anstalt MDMA erhielt, konnte ich mich das erste Mal entspannen und die Gegenwart von der Vergangenheit trennen. Ich verdanke Ecstasy mein Leben.? Sie war mit 17 vergewaltigt worden und litt vor der Ecstasy-Therapie 8 Jahre lang unter Panikattacken. Als die Droge 1985 in den USA verboten wurde, stoppten die Therapeuten ihre Experimente aus Angst, im Gefängnis zu landen. Nur in der Schweiz wurde noch bis 1993 mit MDMA experimentiert. Dann wurde Ecstasy auch dort verboten.





27 Ecstasy-Tote pro Jahr zählt der deutsche Drogenbericht





Dementsprechend lange ließ die Erlaubnis zu der neuen Traumastudie auf sich warten. Zwar hatte die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA bereits 2001 ihr Okay gegeben. Aber die zuständige Drug Enforcement Administration (DEA) konnte sich nicht zu einer Zustimmung durchringen. Der Antrag durchlief zahlreiche Kongressanhörungen. Immerhin war die Droge in die höchste Gefahrenklasse eingestuft worden. Das Blatt wendete sich erst, als ausgerechnet der bekannteste Ecstasy-Gegner, George A. Ricaurte von der angesehenen Johns Hopkins University, in die Negativschlagzeilen geriet.





Ricaurte hatte die schädliche Wirkung von MDMA auf das Gehirn immer wieder belegt. Aufsehen erregte er beispielsweise mit einer Studie, die den Drogenkonsum einer Partynacht unter Ecstasy-Einfluss an Affen simulierte: Dazu hatte der Forscher fünf Pavianen und fünf Totenkopfäffchen dreimal in neun Stunden eine Dosis MDMA injiziert. Zwei der Affen starben direkt danach an einem Hitzschlag. Sechs Wochen später hatten die überlebenden Primaten nur noch 65 Prozent des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn. Ricaurte folgerte daraus, dass bereits ein einmaliger Ecstasy-Konsum zu einem enormen Verlust an Dopamin produzierenden Nervenzellen führe, wie man es von der Parkinson-Erkrankung kennt.





Doch als er später seine konservierten Affenhirne noch einmal untersuchte, musste er einen Rückzieher machen. In dem Gewebe fand sich zwar Metamphetamin (Speed) ? aber keine Spur von MDMA. Schließlich behauptete Ricaurte, Flaschen seien falsch beschriftet worden, und zog seine Studie zurück. Das löste einen Skandal aus, denn immerhin hatte er für die Studie zehn Millionen Dollar vom National Institute on Drug Abuse (NIDA) eingestrichen (die Behörde finanziert fast 80 Prozent aller Drogenstudien weltweit). Außerdem waren die Ergebnisse aus der Studie genutzt worden, um Anti-Drogen-Gesetze durchzupeitschen.





Ricaurte geriet in den Verdacht, mit seiner Forschung der herrschenden Anti-Drogen-Politik in die Hände zu spielen. Zudem wurde bekannt, dass er im Jahr 1998 Bilder manipuliert hatte, auf denen angebliche Gehirne von Ecstasy-Usern mit ?Löchern? zu sehen waren, die dann auf Flyern einer Kampagne gegen Drogen auftauchten. Die unabhängige Drug Policy Alliance wirft ihm heute vor: ?Durch solche Vorfälle verlieren die Konsumenten das Vertrauen in die Forschung.?





Heißt das, die Droge ist nun rehabilitiert? Wohl kaum. Ecstasy kann sehr wohl tödlich wirken. Weil die Droge das Durstgefühl nimmt, können Partygänger leicht an ?Hyperthermie?, Überhitzung, sterben. Und wer Ecstasy dauerhaft einnimmt, muss mit Langzeitschäden rechnen. Eine vom Gesundheitsministerium unter der Leitung des Hamburger Psychiaters Rainer Thomasius durchgeführte Studie zeigte, dass zwei Drittel der Heavy-User Gedächtnisstörungen hatten. Über ein Viertel litt unter Psychosen. Eine zweite Erhebung ergab, dass sich die Gehirnareale auch nach drei Jahren Abstinenz nicht wieder regenerieren. Erwiesen ist ebenso, dass die Serotonin-Ausschüttung auf Dauer im Gehirn nachlässt, weil Rezeptoren abstumpfen und Nervenenden zerstört werden. Serotonin gilt als das Glückshormon, ein Mangel daran lässt Menschen depressiv werden. Ecstasy macht zwar nicht körperlich abhängig, aber die Suche nach dem Glücksgefühl wird zur psychischen Sucht.





Dementsprechend massiv fällt die Kritik an der neuen Traumastudie aus. ?Seit Jahren wird Ecstasy verharmlost. Auch die neue US-Studie hat diese Wirkung?, empört sich Rainer Thomasius. Das gelte zwar nicht für die Wissenschaftsgemeinde, in der sei man sich über die Gefahren im Klaren. ?Aber in der Szene wird Ecstasy immer noch als unriskant angesehen?, fürchtet der Psychiater. Die offiziellen Zahlen geben ihm zum Teil Recht. Laut dem Drogenbericht des Gesundheitsministeriums sind im Jahre 2002 allein in Deutschland 27 Menschen an Ecstasy gestorben. Allerdings geht die Bedeutung der Droge zurück. Gegenüber 2001 sank die Zahl der Todesfälle um 40Prozent, die Zahl der erstauffälligen Konsumenten um 22 Prozent. Zum einen wird die Raver-Szene kleiner, Techno ist nicht mehr in. Zum anderen zeigt die Aufklärung Wirkung. Einer europäischen Studie zufolge glaubt die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen heute, dass der regelmäßige Konsum von Ecstasy hochriskant ist.





Auch Michael Mithoefer sagt deutlich: ?Dass wir die Studie durchführen dürfen, bedeutet nicht, dass wir Ecstasy für ungefährlich halten.? Kritik schlägt ihm allerdings noch von anderer Seite entgegen. Denn der Erfolg jeder Traumatherapie besteht darin, die emotionalen Blockaden eines Patienten so vorsichtig abzubauen, dass er die schlimme Erfahrung als ?überwunden? in seine Erinnerungen einreihen kann. Dazu aber muss er den Schrecken ? mit therapeutischer Unterstützung ? gewissermaßen noch einmal erleben, was stets die Gefahr birgt, retraumatisiert zu werden. Der Traumaforscher Andreas Maercker von der Universität Zürich lehnt daher den Ecstasy-Test rundweg ab. ?Die Exposition des Patienten im Rausch ist gefährlich, weil er danach mit der Offenlegung seiner Gefühle überfordert ist.?





Der Psychiater Scott Lilienfeld von der Emory University dagegen bezweifelt, dass man Traumapatienten überhaupt unter Ecstasy mit ihrer Schocksituation konfrontieren könne. Dann seien sie zwar entspannt, aber die Erinnerung verschwimme schlicht im Drogennebel. ?Wer entspannt ist, geht seinen Problemen nicht auf den Grund.?



Langzeit-Konsumenten der "Partydroge" Ecstasy können selbst in drogenfreiem Zustand Risiken erheblich schlechter abschätzen als Menschen ohne Ecstasy-Erfahrungen. Darüber hinaus scheint die Droge mit dem chemischen Kürzel MDMA auf Dauer auch das Erinnerungsvermögen deutlich zu beeinträchtigen.



Das zeigt eine aktuelle Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn (Direktor: Prof. Dr. W. Maier). In einer soeben erschienenen Veröffentlichung (Neuropsychopharmacology 2004, 29(5):982-90) mutmaßen die Autoren zudem, dass Ecstasy im Gehirn langfristig ganz andere Änderungen hervorruft als bisher angenommen - und dass die bisher gegen Langzeitschäden vorgeschlagenen Medikamente daher möglicherweise gar nicht wirken könnten.





Wer häufig Ecstasy nimmt, sollte keine Spielbank besuchen - oder wenigstens nicht viel Geld mitnehmen: "Die Fähigkeit, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen, ist gegenüber Personen ohne Ecstasy-Erfahrung deutlich verringert", erklärt Boris Quednow von der Bonner Arbeitsgruppe "Klinische Psychopharmakologie". Quednow hat untersucht, wie MDMA-Konsumenten im Vergleich zu Cannabis-Rauchern und Personen ohne Drogenerfahrungen die so genannte "Iowa Gambling Task" bewältigen. Dabei gilt es, Karten aus vier verdeckten Stapeln zu ziehen. Auf jeder Karte steht eine Gewinn- oder Verlustsumme; Ziel der Aufgabe ist es, den Gesamtgewinn zu maximieren. Die Kartenstapel unterscheiden sich allerdings in ihrem Gewinn-Verlust-Verhältnis, so dass die Probanden erst lernen müssen, welche Stapel langfristig die vorteilhaftesten sind.





"Anfangs waren in allen drei Gruppen die Kartenstapel mit den hohen Gewinnen, aber noch höheren Verlusten am beliebtesten", erklärt der Pharmakopsychologe. "Dann setzte sich in der Cannabis-Gruppe und der ohne Drogenerfahrung langsam die Einsicht durch, welche der Stapel auf Dauer die vielversprechendsten sind. Nur die Ecstasy-Konsumenten änderten ihre Strategie bis zum Ende des Experiments nicht." Die Vermutung: Auch im Alltag könnte die Fähigkeit gestört sein, langfristig vernünftige Entscheidungen zu treffen.





Doch auch das Gedächtnis leidet bei regelmäßigem MDMA-Konsum spürbar: So sollten sich die Probanden eine Liste mit 15 Wörtern einprägen, die ihnen fünfmal vorgelesen wurde. Während die beiden Kontrollgruppen die Aufgabe mit Bravour bewältigten - im Schnitt konnten sich die Teilnehmer noch eine halbe Stunde später an 14 der 15 Begriffe erinnern -, schafften die Mitglieder der Ecstasy-Gruppe direkt nach dem Test durchschnittlich nur 12 Wörter. Nach einer halben Stunde konnten sie im Schnitt sogar nur noch 10 Begriffe korrekt wiedergeben. "Wir können aber noch nicht sagen, ob diese Störungen nach längerer Abstinenz wieder nachlassen", so Quednow.





Ecstasy ist als "Partydroge" besonders in der Techno-Szene sehr beliebt. Rund vier Prozent aller deutschen Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren haben schon einmal Ecstasy genommen; wurden 1987 hierzulande noch 635 Tabletten sichergestellt, waren es 2001 schon rund 4,6 Millionen. Das Amphetamin-Derivat wirkt leicht aufputschend und versetzt den Konsumenten in eine gelöste, glückliche Stimmung. "Vereinfachend gesagt, bewirkt die Einnahme, dass sich die Serotonin-Speicher im Gehirn auf einen Schlag entleeren", erklärt Quednow.





Serotonin dient vielen Nervenzellen als Botenstoff. Auf ein elektrisches Signal hin wird es von der Senderzelle in den so genannten synaptischen Spalt ausgeschüttet. Von dort wandert es zu bestimmten Rezeptoren der Empfänger-Zelle, die darauf ihrerseits mit einem elektrischen Puls reagiert. Ecstasy steigert kurzfristig die Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt und bewirkt wahrscheinlich dadurch das Hochgefühl. Nach ein bis zwei Tagen ist der Botenstoff aber abgebaut. "Weil die Speicherbläschen durch die Ecstasynahme zunächst leer sind, sinkt dann die Serotonin-Konzentration unter den Normallevel", so der Pharmakopsychologe. Folge ist der berüchtigte "Mid-Week Blues" - eine depressive Verstimmung, die einige Tage nach dem Konsum üblicherweise zur Wochenmitte einsetzt und dann langsam abebbt.





Im Tierversuch kann Ecstasy die Nervenzellen so schädigen, dass die Serotonin-produzierenden Nervenzellen absterben. Man vermutete daher, dass auch bei menschlichen Langzeit-Konsumenten die Serotonin-Konzentration in bestimmten Hirnregionen permanent verringert ist. Viele Forscher sehen darin auch den Grund für die Leistungseinbußen, die nach Langzeitmissbrauch von MDMA auftreten können.





Quednow hat diese Hypothese durch Analyse des so genannten "akustischen Schreckreflexes" überprüft. Dazu testete er die Reaktion von Versuchspersonen auf eine Folge unerwarteter lauter Geräusche; je nach Serotonin-Spiegel im Hirn treten bei diesem Versuch charakteristische Änderungen der Schreckreaktion auf. "Die Ecstasy-Probanden reagierten eher, wie wir es von Personen nach einer Stimulation von Serotonin-Rezeptoren erwartet hätten", erklärt der Wissenschaftler; "die Rezeptoren scheinen sich also möglicherweise auf den Serotoninmangel einzustellen und ihn zu kompensieren." Quednow spekuliert, dass die Empfängerzellen als Reaktion mehr oder empfindlichere Serotonin-Rezeptoren ausbilden.





Sollte die Interpretation richtig sein, müsste man die Langzeiteffekte der Partydroge anders behandeln, als bislang angedacht: So hatten manche Mediziner trotz des Mangels an klinischen Studien vorgeschlagen, die Leistungseinbußen mit so genannten SSRI zu bekämpfen. SSRI verhindern die Rückaufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt verhindern, so dass dort der Spiegel künstlich hoch gehalten wird. Quednow: "Wenn wir recht haben, könnten diese Wirkstoffe jedoch die Effekte regelmäßigen Ecstasy-Konsums sogar noch verschärfen. Um eine echte Therapieempfehlung auszusprechen, liegen bislang allerdings noch viel zu wenige Daten vor - anders als bei akuten Intoxikationen mit Ecstasy, für die gute und erprobte Interventionsmaßnahmen bestehen."





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