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Photovoltaik = Stromerzeugung mit Sonnenzellen ,die Licht in Strom umwandeln.

Andere Bezeichnungen Solarstrom , Sonnenstrom,


Erfahrungen:

R.Hoffmann in Kronach email

Technische Daten

Kosten:

Winter:

Wenn die PV Anlage zur Hälfte mit Schnee bedeckt ist funktioniert sie nicht.

Eine dünne Eis und Schneeschicht macht nicht allzuviel aus.


Firmen

Wunner in Marktrodach  http://www.wunner-gmbh.de/    

Sunnyboy Wechselrichter

Thüga AG Stromversorgung Frankenwald

Viessmann Werke GmbH


Literatur

»From Space to Earth« – die Geschichte der Photovoltaik

Der Autor John Perlin gibt mit seinem Buch ÆFrom Space to Earth: The Story of Solar ElectricityÆ einen spannenden historischen Überblick zur Photovoltaik.

John Perlin recherchierte hierfür einige Jahre und führte weltweit viele Interviews mit Menschen, die ihr Leben dieser Technik verschrieben haben. Perlin beschreibt dabei nicht nur die technologische Entwicklung, sondern erzählt die Geschichten entschlossener Menschen, die uns letztlich den heutigen Stand der Photovoltaik   ermöglicht haben – angefangen von den unsicheren Anfängen im 19. Jahrhundert bis hin zu den aktuellen Erfolgen in Weltraumprogrammen. Der Autor erwähnt dabei ganz unterschiedliche Anwendungen und Anwender: den Wissenschaftler, der  Solarzellen als zuverlässige Stromversorger für Satelliten und Kommunikationssysteme erkannte; den Mitarbeiter der Küstenwache, der die solare Stromversorgung von Navigationshilfen durchsetzte; den Pfarrer,  der Wasser für seine Gemeinde brauchte und mittels Solarzellen Wohlstand in ursprünglich von Dürre geplagte Dörfer brachte; den Ingenieur, der vorhandene Technik mit Photovoltaik kombinierte und damit die netzgekoppelte PV-Anlage vorbereitete.

Weitere Schwerpunkte sind die Bedeutung der solaren Elektrifizierung für die Entwicklungsländer und die gebäudeintegrierte Photovoltaik. Das Buch ist interessant und spannend geschrieben. Es war überfällig, dass dieses Thema aufgegriffen wurde.

Das Werk gibt es derzeit nur in der englischen Originalausgabe.


Links

http://exphys.bei.t-online.de/solar/index.html

http://www.solaranlagen-online.de/pv/photovoltaik.htm

http://www.solaranlagen-online.de/pv/sunnyboy.htm

http://eti-nt.etec.uni-karlsruhe.de/burgbr/www_pv.html

http://www.das-fotoarchiv.com/photovoltaik/pv-world.htm

PHOTON - das Solarstrommagazin (Homepage) Infos rund um Solarstrom, Solarenergie, Solar, Photovoltaik, Naturstrom
Diese Web-Seite verwendet Frames. Frames werden von Ihrem Browser aber nicht unterstützt....
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Nathan.de, Sharelook.de, Lycos.de, google.de | URL: http://www.photon.de/

SAG Solarstrom AG
www.solarstromag.de/ - 2k - Im Archiv - Ähnliche Seiten
Quelle:
Lycos.de, alltheweb.com, google.de | URL: http://www.solarstromag.de/

Anlagen fuer Solarstrom,Solaranlagen,Photovoltaik,Ingenieurbuero, ...
Englisch, ... Ingenieurbüro: Photovoltaik, Rationelle Energienutzung, Erneuerbare Energien, Forschung und Entwicklung. ...
Quelle:
Altavista.de, Lycos.de, google.de | URL: http://www.solarstrom.ch/

Das 100.000 Dächer-Programm für Solarstrom
... Hier erfahren Sie alles über das 100.000 Dächer-Programm zur Förderung von Solarstrom Mehr Informationen und kostenfreie Online-Beratung erhalten Sie bei: ...
Quelle:
Lycos.de, alltheweb.com, google.de | URL: http://www.100000daecher.de/

Solarstrom-Börse
Die Seiten der Solarstrom-Börse befinden sich im Aufbau. Bitte besuchen Sie uns zu einem späteren Zeitpunkt erneut. Für Fragen und Informationen: Projekt-Team Solarstrom-Börse...
Quelle:
Nathan.de | URL: http://www.solarstromboerse.de/

Solarstrom- Grimm Index
Alles rund um Solarstromanlagen
Quelle:
Crawler.de | URL: http://www.solarstrom-grimm.de/

Sonnenwende
Beratung und Vertrieb von Photovoltaikanlagen. Günstige Eröffnungspreise. Umfangreicher Service.
Quelle:
Witch, web.de | URL: http://www.sonnenwende-solarstrom.de

RÖBBEK Solar KG - Solarstrom aus Photovoltaik. Ökostrom von Solaranlagen in Hamburg.
Solar - Ökoprojekt zum mitmachen! Solarenergie aus Hamburg: Ökostrom aus Photovoltaik z.B. von Solaranlagen der VHS Röbbek in Flottbek. Energieprojekt für Solarstrom und regenerati...
Quelle:
Sharelook.de, Lycos.de | URL: http://www.roebbek.de/

KfW - 100.000-Dächer-Solarstrom Programm
... 100.000-Dächer-Solarstrom-, Programm, Wer wird gefördert? Wie wird gefördert? Was wird finanziert? ...
Quelle:
Lycos.de, google.de | URL: http://www.kfw.de/DE/Unsere%20Kreditprogramme/KreditprogrammederKfW/BauenModernisierenundEnergiesparen/Dcher-Solars/Inhalt.jsp


Orginaltexte:

Energie vom Chef

Mit neuen Förderparagrafen löst die Bundesregierung einen Boom bei erneuerbaren Energien aus Von Bernward Janzing

An den Börsen kam die Nachricht reichlich spät an. Erst als der Bundesrat dem neuen Gesetz sein Plazet gegeben hatte, explodierten die Kurse. Um bis zu 40 Prozent legten am nächsten Handelstag die Aktien von Solarfirmen zu. Das war Mitte März.

Die Investoren, immer auf der Suche nach Wachstumswerten, hatten die Entwicklung monatelang verschlafen. Im Dezember hatte der Bundestag dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in erster Lesung zugestimmt - von da an war alles weitere kaum mehr als eine Formsache. Der Boom war programmiert.

Es sei ein regelrechter "Run auf Solarzellen ausgebrochen, der alle landläufigen Vorstellungen sprengt", berichtet beispielsweise Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Grün und Umwelt bei der Stadtverwaltung Osnabrück. In den zehn lokalen Firmen, die ihr Geld mit dem Verkauf und der Montage von Solarzellen verdienen, würden seit Wochen Überstunden geschoben - obwohl sie ihr Personal teilweise bereits um die Hälfte aufgestockt hätten. Erstmals orderten auch ganz normale Firmen Solarstromanlagen - nicht als PR-Gag, sondern um selbst Energieerzeuger zu werden. Auch Scheunendächer werden im Osnabrücker Land zu kleinen Stromfabriken umfunktioniert. Allein bei dem Zehnmannbetrieb Rainbows End orderten die Osnabrücker in den vergangenen Wochen 13-mal mehr Solarzellenleistung, als bisher in der norddeutschen Stadt installiert ist.

Bereits im vergangenen Herbst verhieß der Deutsche Fachverband Solarenergie den "Aufbruch ins solare Jahrtausend", der Bundesverband Erneuerbare Energien proklamierte in Erwartung der neuen Förderparagrafen wenig später die "Initialzündung für das Solarzeitalter". In der Tat erhält mit ihnen der Solarstrom bundesweit erstmals eine wirtschaftliche Basis: Jeder Sonnenstromproduzent, ob Reihenhausbesitzer oder Teilhaber einer Gemeinschaftsanlage, bekommt seither 99 Pfennig für die Kilowattstunde. Ein Quantensprung gegenüber den bisherigen knapp 17 Pfennig.

Auch die anderen Abkömmlinge der solaren Familie - Wind und Wasserkraft, Biogas und Biomasse - erhalten durch das neue Gesetz attraktive und langfristig stabile Konditionen. Besonders die Biomasse wird davon profitieren. Landwirte, die aus ihrer Gülle wertvolles Gas und daraus wiederum Strom (und nebenbei auch Wärme) gewinnen, kassieren nun für jede eingespeiste Kilowattstunde Strom 20 Pfennig. Fortsetzen wird sich auch die dynamische Entwicklung der Windkraft, denn die Rotorbetreiber erhalten künftig eine ähnliche Vergütung wie zuvor - etwas mehr für Anlagen im Binnenland, etwas weniger an windreichen Küstenstandorten. Das Wichtigste für die Windmüller: Es wurde Planungssicherheit geschaffen. Bislang musste jeder Betreiber damit rechnen, dass die Vergütung von Jahr zu Jahr zurückgeschraubt wird, künftig bleibt sie stabil. Gleichermaßen verlässliche Konditionen erhält auch die Wasserkraft: 15 Pfennig je Kilowattstunde sind garantiert.

Kein Zweifel, die Vokabel Solarzeitalter wird Karriere machen.

Die Freiburger Solarstrom AG freut sich über den "Meilenstein der deutschen Energiepolitik". Die ebenfalls in Freiburg ansässige Solar-Fabrik stellt sich auf eine Expansion ein - der Unternehmer Georg Salvamoser führt deshalb Einstellungsgespräche in Serie. Thomas Klodt von der Bonner Firma SolarWorld AG (Werbeslogan: "Sonne. Energie vom Chef selbst") erwartet einen "riesigen, riesigen Boom"; die Produktion von Solarmodulen werde sich bereits in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr vervierfachen. Schon zum Jahresende würden die weltweiten Produktionskapazitäten für Solarmodule knapp, "Der Angebotsmarkt wird sich zum Nachfragemarkt wandeln". Auch der Mineralölkonzern Shell, seit November mit seiner Fabrik in Gelsenkirchen unter den Solarproduzenten, begrüßt das rot-grüne Gesetz als "wichtigen Schritt zum Umbau der Energieversorgungsstruktur".

Selbst Finanzbeamte fördern die Solarenergie

Unterdessen fasst der Deutsche Fachverband Solarenergie die Euphorie in Zahlen: Der deutsche Solarmarkt werde in diesem Jahr auf 22 Megawatt neu installierte Fotovoltaik wachsen -nach 14 Megawatt im vergangenen Jahr. Im Jahr 2005 werde man in Deutschland schon 169 Megawatt, weitere fünf Jahre später gar 512 Megawatt installieren. Bislang erreicht der gesamte Weltmarkt der Fotovoltaik gerade 200 Megawatt.

Sogar in den Finanzämtern wird das Solarzeitalter anbrechen. Wer bislang seine Solaranlage als Gewerbe anmelden wollte, wer Mehrwertsteuer zurückhaben und Investitionen in Solarmodule als anfänglichen Verlust steuerlich absetzen wollte, hatte meist keine Chance. Mit dem Schlagwort "Liebhaberei" bügelten die Steuereintreiber derlei Ansinnen gern ab. Jetzt ist das vorbei. Bei 99 Pfennig Vergütung lässt sich auch mit der privaten Solarstromanlage die so genannte "Gewinnerzielungsabsicht" glaubwürdig vermitteln. Nicht im Zeitraum von fünf Jahren freilich. Aber innerhalb der Lebensdauer der Anlage, die bei mehr als 20 Jahren liegt.

Auch aus der Windkraftbranche kommen ungewohnte Töne. Kurz nach Verabschiedung des Erneuerbare-Energien- Gesetzes kündigte das Bremer Unternehmen Energiekontor, Betreiber vieler Windparks, seinen Börsengang an den Neuen Markt an. Und die Borsig Energy, zum Babcock-Konzern gehörend, denkt plötzlich laut darüber nach, ihr Windkraftgeschäft mit den Markennamen Nordex und Südwind an den Kapitalmarkt zu bringen.

Selbst die größten Hardliner der Strombranche haben inzwischen davon Wind bekommen, dass sich Ökostrom rechnen kann. Hans-Dieter Harig, Vorstandsvorsitzender von PreussenElektra, deutete kürzlich an, auch sein Unternehmen werde nun in Windkraft investieren. Die Standortsuche habe schon begonnen. Nur die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), unliebsame Konkurrenz durch Ökokraftwerke fürchtend, mosert: Der Strom werde teurer. Tatsächlich wird die großzügige Vergütung für Ökostrom auf alle Stromverbraucher umgelegt. Dass dieser Aufschlag die Kilowattstunde nur um Bruchteile eines Pfennigs verteuern wird und damit im liberalisierungsbedingten Strompreisverfall untergeht, verschweigt die Lobby der einstigen Monopolisten wohlwissend. Würde sie die Zahlen nennen, würde das Prinzip des EEG allzu deutlich. Kleine Ursache: minimale Strompreiserhöhung. Große Wirkung: Einstieg in die Energiewende.

Bei dem neuen Gesetz wurde an alles gedacht - selbst an die Erdwärme. So bekommt, wer die Energie heißen Tiefengesteins zwecks Stromerzeugung nutzt, fortan 17,5 Pfennig je Kilowattstunde. Ganz neue Perspektiven tun sich damit für eine seit dem Strompreisverfall tot geglaubte Technologie auf. Ein Erdwärmekraftwerk im badischen Bühl, ein anderes im schwäbischen Urach, beide einst als unprofitabel zu den Akten gelegt, könnten jetzt reanimiert werden. Einige hundert Megawatt elektrische Leistung seien in Deutschland aus dem Erdreich zu gewinnen - rund um die Uhr, meint Werner Bußmann von der Geothermischen Vereinigung.

Aufbruchsstimmung herrscht auch bei den Bauern. "Vom Landwirt zum Energiewirt" heißt der Slogan der Biogasbranche; das EEG dürfte sich bald für den ländlichen Raum als ein effizientes Programm zur Wirtschaftsförderung erweisen. Denn jenen Landwirten, die auf dem Gelände ihres Familienbetriebes ein Windrad betreiben und die Gülle ihrer Rindviecher in einer Biogasanlage verwerten, wird die Zukunft gehören. Ihr Gewinn aus dem Stromverkauf wird die Erträge aus der Landwirtschaft meist deutlich überschreiten.

700 Biogas-Anlagen sind heute bundesweit in Betrieb, die Tausendergrenze soll spätestens in einem Jahr überschritten werden. Auf mehr als 100 000 Anlagen schätzt der Fachverband Biogas das Potenzial in Deutschland - die Hälfte aller Atomkraftwerke wäre damit zu ersetzen. Markus Ott vom Fachverband Biogas weiß, dass nun Realität wird, was vor einem Jahr noch die Vision von einigen Vordenkern war: "Wir stehen vor einem Biogas-Boom."

Mit 100 000 neuen Arbeitsplätzen in seiner Branche rechnet Ulrich Schmack, Geschäftsführer der Schmack Biogas GmbH im bayerischen Burglengenfeld. Sein Unternehmen, das mit dem Bau schlüsselfertiger Anlagen zu den umsatzstärksten der Branche gehört, werde in diesem Jahr den Umsatz verdoppeln, sagt er. Das stehe "außer Frage". Schließlich sei die Zahl der Interessenten seit dem neuen Gesetz "sprunghaft angestiegen".

60 Milliarden Kilowattstunden Strom jährlich und etwa die gleiche Menge Wärme ließen sich beim heutigem Stand der Technik aus Biogas gewinnen, rechnet Schmack vor. Das entspricht etwa der Erzeugung der neun ältesten deutschen Atomkraftwerke. Für die Nutzung dieses Potenzials bringe das EEG den "entscheidenden Impuls". Schmacks Fazit: Die Antwort auf den Atomausstieg, die wisse eben "nicht nur der Wind".

Allerdings: Während die 19 hiesigen Atommeiler rund 35 Prozent zur Stromerzeugung beisteuern, bringen es alle erneuerbaren Energien derzeit auf gerade einmal 6 Prozent. Die rot-grüne Regierung hofft, diesen Anteil bis 2010 verdoppeln zu können.


Thema: Alternative Energien

SZ vom 01.12.1998, Ressort Wissenschaft

Solarstrom zwischen Alltag und Zukunftsmusik

Die Photovoltaik erobert 'Inseln', ein Durchbruch ist hierzulande nur im Privatbereich in Sicht

Internationales Symposium

Ein Durchbruch auf breiter Front ist für den Solarstrom in Deutschland nicht in Sicht. Darüber waren sich die Teilnehmer des Internationalen Symposiums 'Chancen der Solartechnik zur Jahrtausendwende' kürzlich im fränkischen Coburg weitgehend einig. Denn mit 1,50 bis 1,70 Mark pro Kilowattstunde kostet die saubere Energie aus der Steckdose immer noch rund zehn mal mehr, als wenn sie ein konventionelles Kraftwerk produziert.

Pläne in Bonn und Brüssel

Zwar verspricht die neue Bundesregierung ein Hunderttausend-Dächer-Programm für die kommenden sechs Jahre. Und die Europäische Union will eine Million Photovoltaik-Systeme bis zum Jahr 2010 installiert sehen. Aber selbst wenn die Mittel bereitgestellt werden, und wenn man den zu erwartenden technischen Fortschritt berücksichtigt, werden solche Programme den Preis für die Kilowattstunde kaum in den Bereich herkömmlicher Stromproduktion drücken. Auch darüber sind sich die Experten einig.

Eine Nischentechnik

Also wird die Photovoltaik in den nächsten Jahren weiter eine Nischen-Technik bleiben und nur sogenannte Inseln bedienen, die vom herkömmlichen Strom-Netz nur sehr teuer oder gar nicht erreicht werden. Das bestätigen auch Organisationen wie Eurosolar in Bonn, die auf der politischen Ebene Bewegung in die Photovoltaik-Entwicklung bringen wollen.

In Nischen ist der Solarstrom tatsächlich erheblich erfolgreicher als man gemeinhin vermutet. Und damit sind nicht nur die Sonnenzellen im Taschenrechner oder die Solar-Armbanduhren gemeint. Große Inseln fernab von jeder Stromleitung gibt es auch in Deutschland noch.  

Zum Beispiel die Hütten des Alpenvereins wie Watzmannhaus und Purtscheller Haus in den Bayerischen Alpen.

Kosten und Nutzen

Für die Neue Traunsteiner Hütte in den Berchtesgadener Alpen erläutert Hüttenwirt Ralf Amberger in Coburg die Vorteile des Solarstromes: 220 000 Mark hat die Photovoltaik-Anlage gekostet, die zwischen 70 und 140 Kilowattstunden während der von Ostern bis Oktober dauernden Saison liefert - zusammen mit 24 Bleibatterien als Stromspeicher. Zwar läuft weiterhin bisweilen ein Dieselgenerator und deckt die Spitzenzeiten oder Schlechtwetterperioden ab. Aber statt fünftausend Liter Kraftstoff braucht er nur noch höchstens 1700 Liter im Jahr. Und das ist eine gewaltige Einsparung, muß doch der Diesel in Fässern erst mit einer Seilbahn der Bundeswehr in die Höhe gebracht und von der Bergstation über einen 3,7 Kilometer langen Weg mit Spezialfahrzeugen zur Hütte gefahren werden.

Photovoltaik für stille Verbraucher im Auto

Auch das Auto selbst ist übrigens eine Insel, die ihren elektrischen Strom über einen Diesel- oder Otto-Generator via Lichtmaschine selbst produziert. Im Kraftfahrzeug werden immer häufiger stille Verbraucher vom Telephon über die Kühlbox bis zur modernen Bordelektrik installiert. Sie bringen die Batterie oft an den Rand ihrer Kapazität. Also baut zum Beispiel die Münchner Firma Webasto auf Schiebedächer ein Solarmodul, das die Batterie tagsüber nachlädt, auch wenn das Auto wochenlang steht. Wenn die Karosse in der Sonne parkt, kann die   Solarzelle das Gebläse betreiben und damit die Temperaturen im Innenraum auf erträgliche Grade senken. Für die Käufer der Luxuslimousine Audi A8 sind die siebenhundert Mark Aufpreis für die Photovoltaik bei einem Gesamtpreis von 3200 Mark für das Schiebedach sicher verkraftbar. Bereits im Handel sind auch Solarzellen für weitere mobile Inseln vom Wohnmobil und Omnibus bis zum Boot oder Nutzfahrzeug.

Triumph in den Entwicklungsländern

Ihren größten Trumpf aber spielt die Photovoltaik in vielen Entwicklungsländern aus, in denen mehr als zwei Milliarden Menschen in absehbarer Zeit keine Aussicht auf einen Anschluß an die Hochspannungsleitung haben. Erstmalig unterstützt dort auch die Weltbank den Solarstrom und macht ihn damit salonfähig.

Sinnvoll sei ein Einsatz dort vor allem, wenn er 'Mehrwert' schaffe, betont Hubert Aulich von der Erfurter Firma PV SILICON, die den Rohstoff für Solarzellen in alle Welt liefert. Wenn eine Photovoltaik-Anlage eine Wasserpumpe, die Felder bewässert, oder eine Nähmaschine, auf der Kleidungsstücke genäht werden, antreibe, dann könne der Besitzer damit Geld verdienen und für den Kauf weiterer Solarmodule verwenden. Auf diese Weise ließen sich in ländlichen Bereichen wirtschaftliche Entwicklungen anstoßen, von denen nicht nur die Einheimischen profitierten, sondern an denen auch die Hersteller der Photovoltaik-Elemente verdienten.

Weitere Entwicklung

Die Entwicklung aber wird weitergehen, meint Aulich. So lasse sich die Dicke der Siliziumscheiben in den Solarmodulen von heute rund 0,3 Millimeter auf einen Zehntel Millimeter verringern. Dadurch würden auch die Herstellungskosten sinken. Billiger als Strom aus Fossilenergie-Kraftwerken aber werde die Photovoltaik ohne zusätzliche Steuern auf 'schmutzige Energie' vorerst nicht werden.

Chancen in Deutschland

Trotzdem sieht Adolf Goetzberger vom Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme eine gute Chance für den Solarstrom auch in Deutschland. Denn alle Berechnungen gehen von den Bedingungen in der Wirtschaft aus. Dort werden solche Anlagen mit Fremdkapital finanziert, für die man zur Zeit knapp sechs Prozent Zins im Jahr bezahlt. Da summieren sich gewaltige Beträge auf, wenn eine Anlage dreißig oder mehr Jahre in Betrieb ist. Ganz anders ist die Situation für den Privatmann, der das Geld für eine Anlage auf dem Sparkonto hat. Dafür aber bekommt er zur Zeit geringe Zinsen, die er versteuern muß und die an Wert verlieren. Für ihn ist die Solaranlage daher wirtschaftlich interessanter als es gemeinhin dargestellt wird.

Wenn dann noch der Prestige-Wert einer solchen Anlage wächst, die durchaus für Beträge zu haben ist, die manche Familie für eine Fernreise oder die Unterhaltungselektronik ausgibt, könnte es geradezu einen Boom bei den privaten Photovoltaik-Anlagen geben, meint Thomas Schmalschläger von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie in München. An diesem Punkt will seine Gesellschaft in den nächsten Jahren ansetzen. Die Hunderttausend-Dächer-Kampagne der Bundesregierung kommt ihm gerade recht. Denn ein solches Programm erhöhe den Anreiz und könne damit den Marktdurchbruch einleiten, der bei der Nutzung der Sonnenenergie für die Warmwasserbereitung längst erreicht ist.

Roland H. Knauer

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19.03.98 Wissenschaft

Strom aus Farbstoff

Die ÆGrätzel“-Solarzelle könnte bald mit Silizium konkurrieren

Als der Lausanner Forscher Michael Grätzel vor über sechs Jahren eine neuartige Solarzelle vorstellte, stand die Fachwelt zunächst Kopf. Grätzels Zelle nämlich sollte billiger zu fertigen sein als Silizium-Zellen und zudem durchsichtig – Strom produzierende Fenster schienen keine Utopie mehr.

Die Vorgänge in der ÆGrätzel-Zelle“

ähneln denjenigen bei der Photosynthese

in Pflanzen: Zwei nur wenige tausendstel

Millimeter dünne Schichten, jeweils

bestehend aus einem speziellen Halbleiter

(Titandioxid) und einem Farbstoff

(Ruthenium-Komplex) sind zwischen zwei

Glasplatten gelagert; beide Schichten sind

in eine iodidhaltige, elektrisch leitende

Lösung eingebettet. Das Sonnenlicht

schlägt Elektronen aus den

Farbstoff-Molekülen heraus, die dann

vom Halbleiter aufgenommen werden und

einen elektrischen Strom bilden.

Fachleute hatten jedoch in der

Vergangenheit immer wieder kritisiert, daß

es nicht möglich sei, dichte und damit

stabile Zellen nach diesem Prinzip zu

bauen. Luft und Wasser, das von außen

zwischen die Scheiben dringt, würden mit

der Zeit den Farbstoff zerstören, so ihr

Argument.

Stabil trotz Temperaturwechsel

Seit 1995 läuft deshalb ein Projekt, die

neuartige Solarzelle zu prüfen. Bezahlt

wird das 25 Millionen Mark teure

Vorhaben vom Land Nordrhein-Westfalen

und verschiedenen Firmen. ÆIn unseren

Tests erwies sich die Zelle als unerwartet

stabil“, versichert Iver Lauermann, Leiter

der Grundlagenforschung beim Institut für

Angewandte Photovoltaik in

Gelsenkirchen (IPAM), einer Firma, die

einer von weltweit 15 Lizenznehmern der

Grätzel-Technik ist. Dabei sei selbst nach

über 400 Tagen, in denen die Zelle

unterschiedlichen Temperaturen und

Feuchtigkeiten ausgesetzt war, kein

Leistungsabfall festzustellen. Selbst

schnelle Temperaturwechsel könnten der

Zelle nichts anhaben.

Gleichwohl Æist die Dichtigkeit bei

Extremtemperaturen von etwa 80 Grad

Celsius noch verbesserungswürdig“, räumt

Lauermann ein. Über den genauen

Forschungsstand indes wollen die

IPAM-Forscher keine Auskunft geben.

Auskunftsfreudiger gibt sich der Schöpfer

der Zelle: ÆMit Hilfe eines neuen,

schwarzen Farbstoffs ist es uns gelungen,

die Stromausbeute um zwanzig bis dreißig

Prozent zu steigern“. Damit könnten, so

Michael Grätzel, die Zellen nicht elf

Prozent wie bisher, sondern bis zu 15

Prozent der eingestrahlten Sonnenenergie

in elektrischen Strom umwandeln.

Herkömmliche Silizium-Zellen erreichen

schon heute Umwandlungswerte von rund

24 Prozent. ÆDafür wird die Grätzel-Zelle

um einiges billiger sein“, versichert

IPAM-Geschäftsführer Klaus Peter

Hanke. Eine Zahl wollte er gleichwohl

nicht nennen.

Erst kürzlich gelang es der australischen

Firma Sustainable Technology Australia,

größere Mengen des neuen Farbstoffs in

reiner Form darzustellen. Einer Fertigung

der Zelle in größerem Maßstab stünde

daher nichts mehr im Wege, glaubt

Grätzel. ÆAus dem Stadium der

Grundlagenforschung sind wir heraus“,

bestätigt auch Hanke.

Seit Januar läuft die zweite Projektphase,

während der verschiedene

Fertigungsverfahren getestet werden

sollen. Spätestens bis Mitte 2000 wollen

die Forscher eine Pilotanlage gebaut

haben. Das erste Produkt mit eingebauter

Grätzel-Zelle wird allerdings schon im

Frühjahr zu sehen sein: eine Armbanduhr,

präsentiert von der schweizerischen Firma

SMH auf einer Messe in Basel Anfang

April. GEORG HAIBER

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29.12.97 Wirtschaft

Photovoltaik in Deutschland wieder auf der Sonnenseite

Staatliche Zuschüsse, bessere Fertigungstechniken und eine zunehmende Nachfrage bringen die Branche in Schwung

Sozusagen Sonnenfinsternis schien sich vor zwei Jahren in Deutschland breitzumachen. ÆDer letzte Hersteller von Solarzellen verläßt das Land“, verkündeten damals die Schlagzeilen. Der Rotstift der Sparkommissare in Wirtschaft und Staat ließ das Engagement in der Photovoltaik, der Umwandlung des Sonnenlichts in elektrischen Strom, auf ein Minimum schrumpfen. Jetzt vollzieht sich ein erstaunlicher ÆSonnenaufgang“. Neue Mitspieler tummeln sich auf dem deutschen Markt, neue Werke entstehen.

ÆDie Rahmenbedingungen haben sich geändert“, heißt es heute bei dem Unternehmen, das 1995 die Wehklagen über die deutsche Solarindustrie mit ausgelöst hatte. Damals stellte die ASE GmbH, Alzenau, die Solarzellenfabrikation im schleswig-holsteinischen Wedel ein. Zwei Jahre später nun baut die zum RWE-Konzern gehörende Gesellschaft in Alzenau eine zehnmal so große Produktion auf. Von Ende 1998 an sollen in einer ersten Phase jährlich Solarzellen mit einer Leistung von 13 Megawatt (MW) hergestellt werden, anschließend ist die Ausweitung auf 25 MW vorgesehen. Heute fertigt die ASE in Deutschland (eine weitere Produktionsstätte existiert in den USA) gerade mal 2 MW und sieht sich damit schon als Nummer eins in der Bundesrepublik. Das ist bezeichnend für die jetzige Situation.

Daß sich die Lage bessert, dafür soll noch ein zweites großes Projekt sorgen. Die Deutsche Shell AG, Hamburg, will zusammen mit der Pilkington Solar International GmbH, Köln, in Gelsenkirchen ein Werk errichten, das von 1999 an jährlich Solarzellen mit 25 MW produziert. Dazu kommen noch kleinere Projekte. So hat die Solar-Fabrik GmbH, Freiburg, im Herbst die Produktion von Solar-Modulen (die Zellen werden vom US-Partner AstroPower bezogen) mit einer Jahreskapazität von 5 MW aufgenommen, und in Erfurt ist die Firma Ersol mit einer 2 MW-Anlage an den Start gegangen. Daneben gibt es etliche Unternehmen, die sich auch ohne Fertigung in Deutschland eine größere Scheibe vom hiesigen Kuchen abschneiden wollen. So hat die BP Oil Deutschland GmbH 1997 einen eigenen Geschäftsbereich Solar eingerichtet und will den Marktanteil, der in diesem Jahr auf 30 Prozent veranschlagt wird, deutlich ausweiten. Auch der japanische Canon-Konzern hat begonnen, sich auf dem deutschen Markt für Photovoltaik zu engagieren. Und natürlich will die Siemens Solar-Gruppe, die sich mit einer (zu neun Zehntel in den USA erfolgten) Solarzellen-Produktion von 22 MW im Jahre 1997 als weltweiter Marktführer sieht, ihre Position verteidigen und ausbauen.

Der Wettbewerb dürfte sich deshalb intensivieren, und innerhalb kurzer Zeit könnten die deutschen Fertigungskapazitäten von einigen wenigen Megawatt auf rund 60 MW klettern. Das entspricht dem Vielfachen des jetzigen deutschen Marktvolumens (das für 1997 auf 7 bis 10 MW geschätzt wird) und gut der Hälfte der diesjährigen Weltproduktion von etwa 110 MW. Damit könnte sich der Teufelskreis zwischen geringer Fertigung und hohen Stück-Kosten zumindest ein wenig öffnen. Zwar wurden die Kosten, wie Geschäftsführer Gernot Oswald von Siemens Solar betont, in den letzten Jahren schon deutlich reduziert. Doch komme die hierzulande per Photovoltaik erzeugte Kilowattstunde Strom immer noch auf 1,50 bis 2 DM.

Daß die Fertigung am hiesigen Standort trotzdem wieder zu sprießen beginnt, hat mehrere Gründe. Zum einen werden die beiden erwähnten Großprojekte (die mit Investitionsvolumen von 20 bzw. 30 Millionen DM ohnehin Ækleine Fische“ im Vergleich zu anderen Industrieanlagen sind) vom Bund und den jeweiligen Bundesländern zu 50 Prozent bezuschußt. Zum anderen wurde die Fertigungstechnik erheblich verbessert. Und schließlich hat die Nachfrage, die in Deutschland nach dem Auslaufen des sogenannten 1000-Dächer-Förderprogramms im Jahr 1994 zusammengebrochen war, wieder angezogen.

Weltmarkt wächst stark

Darüber hinaus spielt noch ein grundsätzlicher Aspekt mit. Die Photovoltaik gilt als wichtige Zukunftstechnologie. Der internationale Markt wächst – wenngleich vom Nullpunkt an – seit Jahren mit durchschnittlich etwa 15 Prozent und wird dies auch weiterhin tun. So läßt sich ausrechnen, wann der Einstieg lohnt. ÆHeute betragen die weltweiten Photovoltaik-Umsätze rund eine Milliarde Dollar. Bis zum Jahr 2010 werden es sechs Milliarden sein“, konstatiert der Öl-Multi Shell. ÆDas ist der Markt, auf den wir uns einrichten.“ Aus diesem Grund hat der Konzern vor wenigen Wochen einen fünften Unternehmensbereich geschaffen – für erneuerbare Energien (Shell International Renewables SIR). Dieser soll im Bereich Solar und Biomasse in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen Dollar investieren.

Shell gibt für sein Engagement aber noch einen wesentlich triftigeren Grund an: Der globale Energieverbrauch könne auf längere Sicht durch die fossilen Brennstoffe nicht mehr adäquat gedeckt werden. Zur Ergänzung seien also erneuerbare Energiequellen notwendig.

Zwar werden diese nach den Prognosen des Konzerns im Jahr 2020 erst 5 bis 10 Prozent des Weltenergiebedarfs decken. Von diesem Zeitpunkt an seien die erneuerbaren Energien aber voll wettbewerbsfähig und könnten ihren Anteil bis zum Jahr 2050 auf mehr als 50 Prozent steigern. Das sind verlockende Aussichten, wenngleich nicht für heute und morgen, so doch für übermorgen.

Noch trägt die Photovoltaik nach Expertenschätzungen erst 0,004 Prozent zur Weltstromversorgung bei. Doch viele Unternehmen stellen offensichtlich schon heute die Weichen für den Tag, an dem  der Zug richtig ins Rollen kommt. ÆWir engagieren uns für die Zukunft“, verkündet die Solar-Fabrik. ÆDie Zeit ist reif für die Sonne.“

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Wolf von Fabeck referierte bei Veranstaltung der

Wirtschaftsjunioren in BT

Massenhaft Sonnenkraft?

Wolf von Fabeck referierte bei Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren

Ein interfraktioneller Antrag aus den Reihen des Bayreuther

Stadtrates zur Einführung der kostendeckenden Vergütung von

Solarstrom in Bayreuth liegt auf dem Tisch. Am heutigen

Donnerstag, 4. Dezember, wird das Thema in der

Aufsichtsratssitzung der Bayreuther Energie- und

Wasserversorgungs GmbH diskutiert. Vorab wurde das Thema

jetzt auch bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung

in den Räumen der Industrie- und Handelskammer debattiert.

Etwa 60 Gäste waren der Einladung der Wirtschaftsjunioren

Bayreuth gefolgt, die zusammen mit dem Arbeitskreis Energie der

Lokalen Agenda 21, Bayreuth, einen kompetenten Referenten

engagiert hatten: Der Geschäftsführer des bundesweit tätigen

Solarenergiefördervereins, Diplomingenieur Wolf von Fabeck

aus Aachen, gilt als geistiger Vater der "kostendeckenden

Vergütung von Solarstrom".

Eindrucksvoll veranschaulichte von Fabeck die fatalen Folgen

der sich anbahnenden Klimaveränderungen, deren Ansätze

man schon heute, und zunehmend auch in unmittelbarer Nähe,

registriert. Nicht zuletzt die Recherchen großer

Versicherungsgesellschaften dokumentieren den alarmierenden

Anstieg der Schäden, die durch klimatisch bedingte

Umweltkatastrophen weltweit verursacht werden. Diese

milliardenhohen Schadenshöhen gelte es zu bedenken, wenn an

anderer Stelle die Unzumutbarkeit von Strompreiserhöhungen

in der Größenordnung von Pfennigbruchteilen (0,15 Pfennig) pro

Kilowattstunde beklagt werde. Aus den Ausführungen

wurde deutlich, daß für die Eindämmung der Emissionen

des klimaschädigenden Atmosphäregases Kohlendioxid

(CO2) globale Anstrengungen nötig sind, bevor energiehungrige

Schwellenländer wie China und Indien nach vermeintlich gutem

westlichem Vorbild mit einem Netz neuer Kohle- und

Kernkraftwerke vollendete Tatsachen schaffen.

Daher der Appell des Referenten: Förderung regenerativer

Energietechnologie jetzt. Das heißt: Länder wie Deutschland,

in denen Know-how und Wirtschaftskapazitäten vorhanden sind,

haben heute die einmalige Chance, durch die gezielte Schaffung

von Absatzmärkten für Windkraft, Solar- und Biomassetechnologie

im eigenen Land diese Systeme weltweit zur konkurrenzstarken

Marktreife zu katapultieren.

Daß es realistisch ist, dem heute noch teuren Solarstrom

(pro Kilowattstunde 1,89 Mark) eine Kostenreduktion bis unter

die 30-Pfennig-Marke zu prophezeien, bestätigt eine Kommission

des Deutschen Bundestages.

Das Prinzip der "kostendeckenden Vergütung" ist einfach:

Private Einspeiser von Solarstrom bekommen den Aufwand für

erzeugte Kilowattstunden kostendeckend von ihrem

Energieversorger erstattet, der diese zusätzlichen Ausgaben

über minimale Stromtariferhöhungen auf alle Tarifkunden umlegt.

Die unschlagbaren Vorteile dieser Methode, angewandt auf privat

erzeugten Solarstrom, liegen auf der Hand: Der Anlagenbesitzer

wird sein Möglichstes tun, seine Anlage gut zu warten, denn: Wo

kein Strom fließt, gibt's kein Geld. Kostenreduzierend wirkt sich

aus, daß der Standort der "Kleinkraftwerke" kostenlos zur

Verfügung gestellt wird und der Anschluß ans öffentliche Netz

schon vorhanden ist. Die erforderliche Installation auf einzelnen

Hausdächern bringt außerdem ein großes Potential an neuen

Dauerarbeitsplätzen im mittelständischen Bereich.

Für den Standort Deutschland ist nicht zuletzt auch das

Exportpotential der Produktionsstätten für Solarzellen

von Bedeutung.

Aus einem Bericht über die täglichen Erfahrungen des

Solarenergiefördervereins wurde deutlich, daß zwischen

Energieversorgungsunternehmen und privaten Netzeinspeisern ein

massiver Interessenkonflikt herrscht. Nach dem Prinzip der

Gewinnmaximierung arbeitende Unternehmen würden sich nur

ungern von ihrem Grundsatz - nur eigener Strom ist guter Strom -

abbringen lassen.

Dennoch seien mittlerweile zahlreiche bayerische Städte

der Aufforderung des Bayerischen Landtages gefolgt, den

Strompreis bis an die legale Grenze von 0,15 Pfennig pro

Kilowattstunde zu erhöhen, um Solarstrom kostendeckend zu

vergüten.

Entsprechend der Komplexität und Aktualität des Themas

folgte eine lebhafte Diskussion auf von Fabecks Ausführungen.

Die Befürchtung, mit der bevorstehenden Liberalisierung

des europäischen Strommarktes werde für die "kostendeckende

Vergütung" eine neue Situation entstehen, konnte der Referent

ebenso ausführlich entkräften wie die Sorge, die staatliche

Tarifaufsicht könnte womöglich dem auch in Bayreuth

geplanten Vorhaben der kostendeckenden Vergütung von

Solarstrom einen Strich durch die Rechnung machen.


05.11.97

Politik

Solartechnik tritt aus dem Schatten

Start für neue Fabriken in Bayern und Nordrhein-Westfalen

Der SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine

beklagt gerne, die Bundesregierung

verschlafe den ÆÜbergang ins

Solarzeitalter“. In der Tat sah es um die

umweltfreundliche Energietechnik finster

aus, als die zwei größten deutschen

Hersteller die Produktion 1995 fast

vollständig in die USA verlagerten. Dort

winkten staatliche Gelder und eine

stabilere Nachfrage nach Sonnenstrom als

in Deutschland. Mit einem Riesensprung

zurück ins Rampenlicht versucht die

Bundesregierung nun gemeinsam mit

Nordrhein-Westfalen und Bayern, den

Anschluß an den rasch wachsenden

Zukunftsmarkt zu erreichen. Mit

staatlicher Hilfe entstehen in

Gelsenkirchen und im bayerischen

Alzenau Solarzellenfabriken, die die

deutsche Produktionskapazität mit einem

Schlag auf über 40 Megawatt

verzehnfachen – genug, um ein Drittel der

Weltnachfrage zu decken.

Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers

(CDU) band sich zur Verkündung der

Projekte extra eine ökogrüne Krawatte

um. ÆDie tun was“, soll der Wähler

denken. Und welches Produkt wäre für

politische Zwecke besser geeignet?

Solartechnik verspricht nicht nur einen

Ausweg aus der umweltschädlichen

Energieerzeugung durch Kohle oder Öl,

sondern zusätzlich Exportchancen und

Arbeitsplätze. Der weltweite Umsatz,

derzeit bei 1,7 Milliarden Mark, soll

künftig weiterhin um mindestens 15

Prozent im Jahr wachsen. Für dieses

Geschäft interessieren sich aber auch die

USA und Japan, das heuer mit 300

Millionen Mark ein Vielfaches der

deutschen Fördergelder bereitstellt.

Die beiden deutschen Großfabriken sollen

an dieser Konkurrenz vorbeiziehen und

mittelfristig mehr als 2000 Arbeitsplätze

schaffen. Mit 40 Megawatt wäre

Deutschland derzeit weltweit Nummer

eins.

Das lassen sich die Politiker einiges

kosten. Bund und Länder übernehmen mit

28 Millionen Mark etwa die Hälfte der

Investitionskosten. In Gelsenkirchen

werden von 1999 an 25 Megawatt

Solarzellen von der Pilkington-Gruppe

und dem Mineralölkonzern Shell

produziert, dem ein Öko-Anstrich

willkommen sein dürfte, nachdem das

Image unter seiner Bohrinsel Brent Spar

und seiner Ölförderung in Nigeria gelitten

hat.

Als sich das Großprojekt Gelsenkirchen

abzeichnete, wollte auch der bis dahin

zögerliche Energieversorger RWE mit von

der Partie sein. In Alzenau stockt die

RWE-Tochter ASE, die bisher vor allem

in den USA produziert, ihre Kapazitäten

auf 13 Megawatt auf. Damit steigt

erstmals einer der deutschen

Stromkonzerne, die sich bei den

erneuerbaren Energien bisher nicht gerade

hervortaten, in großem Stil in die

Solarzellenproduktion ein.

Die Massenfertigung soll den Teufelskreis

durchbrechen, der bisher die

Sonnenenergie hemmte: Zu geringe

Produktion ließ den teuren Solarstrom

teuer bleiben, weshalb wiederum die

Produktion nicht lohnenswert erschien.

Derzeit kostet Sonnenstrom in

Deutschland mit 1,50 Mark pro

Kilowattstunde gut siebenmal soviel wie

herkömmlicher Strom. Die

Massenfertigung könnte den Preis binnen

fünf Jahren halbieren. Weil Solarstrom

damit immer noch teuer wäre, fordert

Greenpeace bundesweite

Investitionszuschüsse für

Solaranlagenkäufer nach dem Muster von

Nordrhein-Westfalen. Sonst drohe der

Vorstoß zur reinen Exportförderung zu

werden – deutsche Solartechnik wäre fit

für den Weltmarkt, hätte aber wenig

Absatz zu Hause. Alexander Hagelüken

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16.10.97

Wissenschaft

Mühsam ins Solarzeitalter

Während Japan gezielt Industriepolitik

betreibt, zögern die Europäer, in

Solarstrom zu investieren

Über transnationale Kooperation auf dem

Feld der Photovoltaik sollte Thomas Schott

referieren. Und hatte sichtlich

Schwierigkeiten. In Erwartung des

internationalen Marktdurchbruchs, bekannte

der Abgesandte aus dem Bonner

Forschungsministerium (BMBF),

beherrsche inzwischen nicht mehr das

Wissenschaftsideal des freien

Informationsaustauschs die

Sonnenstrom-Szene, sondern Gerangel um

die besten Startplätze. Die Neigung zur

Kooperation stoße da schnell an Grenzen.

Rund 200 Fachleute, vornehmlich aus Japan

und Europa, debattierten letzte Woche in

Berlin im Rahmen der

ÆAsien-Pazifik-Wochen“ die Perspektiven

der direkten Umwandlung des Sonnenlichts

in ökologisch korrekten Strom. Daß die

Photovoltaik eine der Schlüsseltechnologien

des 21. Jahrhunderts sein wird, war unter

den Kongreßteilnehmern kaum umstritten.

Ebensowenig die Erwartung, daß die drei

großen Technologieregionen der Welt –

Japan, Europa und die USA – um den

künftigen Weltmarkt konkurrieren werden,

insbesondere im Sonnengürtel der Erde.

Doch wer hat die Nase vorn?

Seit das japanische Technologieministerium

MITI 1993 ein umfassendes

Entwicklungsprogramm (ÆNew Sunshine

Project“) auflegte, können sich Forscher

und Industrielle im Land der aufgehenden

Sonne über wachsende Unterstützung

freuen. Im laufenden Haushaltsjahr stehen

für Erforschung und Entwicklung der

Solarmodule umgerechnet 120 Millionen

Mark zur Verfügung. Mit weiteren 180

Millionen fördert das Finanzministerium in

Tokio 1997 bis 9 400 private

Photovoltaik-Dachanlagen.

Massenproduktion und fortgeschrittene

Techniken sollen den Preis des Stroms

zügig absenken, bis schließlich ein größerer

Markt entsteht. Nedo, eine vom MITI

eigens für den Transfer neuer Technologien

in marktfähige Produkte ins Leben gerufene

Entwicklungsagentur, erwartet bis zur

Jahrtausendwende 400 Megawatt installierte

Photovoltaik-Leistungen, zehn Jahre später

sollen es schon 4 600 Megawatt sein.

Zwar meldeten deutsche Fachleute in Berlin

auch Zweifel an, ob sich der von den

asiatischen Gästen angestrebte Marsch ins

Solarzeitalter im vorgegebenen Eiltempo

werde realisieren lassen. Schließlich

produzierte Japan im letzten Jahr nur Zellen

mit einer Gesamtkapazität von 21,2

Megawatt. Und schon jetzt, bei einer

Weltjahresproduktion von rund 100

Megawatt, wird der aus schlichtem Sand

gewonnene Zellrohstoff Siliziumknapp und

teuer.

Dennoch zeigten sich die Europäer von der

strategischen Entschlossenheit der Japaner

beeindruckt. ÆDie Regierung in Tokio“,

urteilte Winfried Hoffmann,

Geschäftsführer der Firma ASE im

bayerischen Alzenau, Ætut gezielt, was die

Industrie jetzt braucht.“

In Japan habe die Regierung die Förderung

der Photovoltaik Æklar als Feld der

Industriepolitik erkannt“, bekräftigte auch

Thomas Schott. ÆIn Deutschland wurde die

Chance bisher verpaßt.“ Ein Seitenhieb auf

die Hinhaltetaktik des Bonner

Wirtschaftsressort, das in diesem Jahr für

die Markteinführung aller erneuerbaren

Energietechniken 18 Millionen Mark

bereitstellte – ein Zehntel des

entsprechenden japanischen

Photovoltaik-Budgets.

Seit 1993 das Bonner

Æ1000-Dächer-Programm“ auslief, rutschte

allerdings auch der Etat des

ÆZukunftsministers“ Jürgen Rüttgers ab:

Von gut 110 Millionen auf 64 Millionen in

diesem Jahr und damit etwa auf die Hälfte

dessen, was Tokio die Erforschung der

Zukunftstechnologie derzeit wert ist.

Nicht besser sah es in der Vergangenheit auf

EU-Ebene aus. Dort gab

Wissenschaftskommissarin Edith Cresson

schon 1995 von wissenschftlichen

Beratergremien empfohlene

Forschungsmittel für erneuerbare Energien

erst nach einem peinlichen Gerangel und

einer wiederholten Ausschreibung frei. Für

die Photovoltaik blieben knapp 150

Millionen Mark – in fünf Jahren.

Dennoch verbreiteten die in Berlin

versammelten Fachleute gedämpften

Optimismus. Der Zug für die Europäer, so

die allgemeine Einschätzung, sei noch nicht

abgefahren. Zum einen, weil sich die

Solarzellen-Forschung, namentlich in

Deutschland, trotz sinkender

Finanzausstattung immer noch an der

Weltspitze halte. Zum anderen, weil der

Druck der Öffentlichkeit auf die

Entscheidungsträger in Politik und

Wirtschaft zunehme.

Der Mut, ehrgeizige Ziele zumindest zu

formulieren, wachse, freute sich auch

Jürgen Greif, der zuständige Vertreter der

EU-Kommission, und verwies auf ein

ÆGrünbuch“ aus Brüssel, das eine

Verdoppelung des regenerativen Anteils an

der europäischen Energieversorgung von

sechs auf zwölf Prozent bis 2010 vorsieht.

Davon, glaubt Greif, werde auch die

Photovoltaik profitieren. Als Ægrobe

Schätzung“ nannte er 400 Millionen Mark,

die die EU in den kommenden fünf Jahren

für Forschung, Entwicklung und

Markteinführung der photovoltaischen

Stromerzeugung investieren werde.

Sicher scheint, daß der nach wie vor hohe

Preis für Strom aus den bläulichblitzernden

Zellen, der derzeit bei etwa einer Mark pro

Kilowattstunde liegt, weiter sinkt.

ASE-Geschäftsführer Hoffmann rechnet mit

einer Halbierung binnen weniger Jahre.

Langfristig werde die Kilowattstunde

Solarstrom hierzulande für 30 Pfennig und

im Sonnengürtel der Welt mit der doppelten

Sonneneinstrahlung schon für 15 Pfennig zu

haben sein. Damit käme die umwelt- und

klimafreundliche Energiequelle selbst bei

unveränderten energiewirtschaftlichen

Rahmenbedingungen, also ohne

Preissteigerung bei den konventionellen

fossilen Kraftwerken, in die Nähe der

Wettbewerbsfähigkeit.

Einigkeit bestand in Berlin auch darüber,

daß die derzeit angebotenen kristallinen und

amorphen Siliziumzellen einstweilen noch

dominieren werden. Selbst wenn die

preiswerteren Dünnschichtzellen in einigen

Jahren in breitem Rahmen auf den Markt

kommen, werden sie die konventionelle

Technik wegen ihres geringeren

Wirkungsgrades nicht flächendeckend

verdrängen können.

Erst in zehn oder mehr Jahren erwarten die

Fachleute, daß das fortgeschrittene

Konzepte wie Dünnschichtzellen auf der

Basis von Kupfer, Indium und Selen

(CIS-Zellen) oder aus der Gasphase

abgeschiedene mikrokristalline Zellen (CVD,

Chemical Vapor Deposition) allmählich

derzeitigen Techniken verdrängen. Doch die

Produktionskapazität für Solarzellen in

Deutschland dümpelt seit der Auslagerung

der Zellenfertigung des Weltmarktführers

Siemens Solar in die USA und der Aufgabe

einer ASE-Produktionsstätte in Wedel bei

Hamburg vor zwei Jahren bei nur noch

wenigen Megawatt.

Nur allmählich zeichnet sich eine

Trendwende ab: In Erfurt nahm kürzlich die

Firma ÆErsol“ mit einer Startkapazität von

zwei Megawatt die Produktion auf. In

Nordrhein-Westfalen soll eine Solarfabrik

mit einer Kapazität von rund 25 Megawatt

entstehen, an der möglicherweise auch die

ASE beteiligt sein wird.

Auch bei der Produktion der fertigen

Solarmodule kommt Bewegung in die

Szene: Am heutigen Donnerstag startet in

Freiburg im Breisgau die nach den Worten

von Geschäftsführer Georg Salvamoser

Æweltweit modernste Fertigungsanlage für

Solarmodule“.

Hinausgezögert wird der Durchbruch

speziell in Deutschland durch vielfältige

Interessenkollisionen. Das war auch in

Berlin unterschwellig zu spüren, etwa bei

der Diskussion über die sogenannte

Ækostendeckende Vergütung“.

Laut Thomas Schott ist die vor zwei Jahren

in Aachen erstmals etablierte

Vergütungsregelung für privat ins öffentliche

Netz eingespeisten Solarstrom Hauptmotor

für jährliche Steigerungsraten von 20 bis 30

Prozent bei der installierten

Photovoltaik-Leistung. Inzwischen gibt es

derartige Regelungen in rund 30 Städten.

Rund die Hälfte der netzgebundenen

PV-Anlagen sind mittlerweile auf die

Gewährung kostendeckender Entgelte für

den ins Netz eingespeisten Sonnenstrom

zurückzuführen, sagte Schott.

Widerstand gegen das Aachener Modell, das

Mehrkosten von maximal einem Prozent auf

alle Stromkunden abwälzt, kommt vor allem

aus dem Bundeswirtschaftsministerium, den

EVU und Stadtwerken, die befürchten, im

künftigen europäischen Strombinnenmarkt

Kunden zu verlieren.

Noch trägt der Solarstrom allerdings nur mit

0,001 Prozent im öffentlichen Netz bei.

Vielleicht gilt die Sorge der

Stromunternehmen deshalb genau der

Perspektive, die der BMBF-Vertreter dem

Auditorium am Ende seines Vortrags als

Mutmacher mit auf den Weg gab. Die

Beschleunigung des

Solarstromaufkommens, so Schott, könne

unter veränderten energiepolitischen

Rahmenbedingungen Æganz plötzlich

kommen“. Schließlich habe man das schon

einmal erlebt: Bei der Windenergie

(KOMMENTAR). GERD ROSENKRANZ

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19.09.97

SZ-Beilage

S O L A R E N E R G I E

Alternative zum Mercedes

Solarzellen gelten mancherorts als Statussymbole, denn sauberer Strom ist meist noch ein teures Vergnügen

Von Oliver Ristau

Das Wort Bundesliga hat elektrisierende Wirkung. Das gilt auch für die Gemeinde Sulingen. Denn in der Abschlusstabelle der Saison 2000 fand sich die niedersächsische Kleinstadt auf Rang 3 wieder. Allerdings ohne Zutun des örtlichen Fußballvereins. Das Ergebnis, auf das die 12 500 Einwohner zählende Stadt, 50 Kilometer südlich von Bremen, stolz ist, wurde mit der Installation von Siliziumscheiben erzielt. In der Solarbundesliga - einer Initiative der Deutschen Umwelthilfe und des Brancheninformationsdienstes Solarthemen - gibt es Punkte für Sonnenenergie von Kommunen. Die Sulinger durften in der Kategorie 10 000 bis 100 000 Einwohner ihren Spitzenplatz bejubeln. Was Sulingen in die besonders sonnigen Regionen der Solarbundesliga katapultierte, steht auf den Dächern von Rathaus, Volksbank und Gymnasium: kleine Solarstromkraftwerke, die aus der Energie des zentralen Fixsterns unseres Sonnensystems elektrischen Strom gewinnen.

Pro Einwohner lassen die Niedersachsen mehr als fünfmal so viel Sonnenstrom von ihren Dächern fließen, als dies im Bundesdurchschnitt geschieht: Auf jeden Einwohner Deutschlands entfielen im Jahr 2000 rund 1,3 Watt solare Kapazität. In Sulingen wurden im Schnitt 7,6 Watt von den Dächern geholt.

Dennoch leistet der Solarstrom mit rund 0,1 Prozent kaum einen nennenswerten Beitrag zum Stromverbrauch der Stadt. Bundesweit liegt der Anteil des sauberen Sonnensaftes an der gesamten Stromerzeugung noch nicht einmal im Promillebereich. Aktuell dürften Solarzellen gerade einmal zu 0,03 bis 0,04 Prozent   den bundesdeutschen Stromhunger stillen.

"Unter den Erneuerbaren Energien ist die Fotovoltaik der Mercedes", meint Harald Knoop, stellvertretender Stadtdirektor Sulingens. "Es gibt hier Menschen, die früher voller Stolz ihr neues teures Auto präsentiert haben. Heute kaufen sie sich lieber eine Solarstromanlage." Der Vergleich passt: Muss doch eine vierköpfige deutsche Durchschnittsfamilie rund 60 000 Mark für eine Solarstromanlage hinblättern, um ihren elektrischen Jahresverbrauch mit Sonnenenergie zu decken. Damit aus dem solaren Mercedes zumindest ein Volkswagen wird, muss die Technik zur Umwandlung des Sonnenlichts in elektrische Energie deutlich billiger werden. Dass dem noch nicht so ist, liegt an dem aufwändigen Verfahren zur Herstellung der Solarzellen sowie an den bisher noch fehlenden Produktionsgrößen. Zwar wird sich der Solarzellenmarkt weltweit von 170 Megawatt (MW) im Jahr 1998 bis Ende 2001 mehr als verdoppelt haben. Doch eine Auswirkung auf die Preise hatte dieses Wachstum in Deutschland bisher nicht. Das liegt nach Ansicht von Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Deutschen Fachverbands  Solarenergie (DFS) aus Freiburg, zum einen an dem gestiegenen Kurs des US-Dollar, denn viele Komponenten müssen in der Leitwährung abgerechnet werden. "Die Industrie hat zum anderen umfangreiche Investitionen zum Ausbau der Produktion vorgenommen. Hohe Abschreibungen standen bisher einer Kostensenkung entgegen." Dazu kommt, dass private Häuslebauer derzeit den Solarhändlern ihre Module aus den Händen reißen. "Der Solarmarkt ist ganz eindeutig ein Nachfragemarkt", sagt Stryi-Hipp. Im Klartext: Das Angebot ist knapp, und deshalb gibt es keinen Druck auf die Preise.

Das dürfte sich ändern, wenn die Produzenten der solaren Hardware ihre Pläne zum Produktionsausbau verwirklicht haben. Bis vor kurzem stammte gerade einmal jedes vierte Solarmodul, das 2000 zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen installiert wurde, aus deutscher Produktion. Das soll sich nach dem Willen der deutschen und internationalen Solarindustrie ändern: In den kommenden zwei Jahren will sie in Deutschland Solarmodule mit insgesamt über 150 MW fertigen - das Zehnfache der Menge des Jahres 2000. Dann können auch die Stückkosten sinken.

Allerdings muss noch einiges geschehen. Beispiel Freiberg in Sachsen: In der alten Bergmannstadt am Fuße des Erzgebirges bastelt ein Unternehmen an der Zukunft. Die Deutsche Solar GmbH - früher Bayer Solar - will es bis 2004 schaffen, in Freiberg die erste vollintegrierte Fotovoltaikfertigung der Welt aufzubauen. Hier sollen nicht nur wie bisher aus hochreinen Siliziumbrocken solare Siliziumscheiben - so genannte Wafer - hergestellt, sondern auch die weiteren Verarbeitungsschritte über die Solarzelle bis hin zu gebrauchsfertigen Solarmodulen abgedeckt werden. Ferner soll hier die Gewinnung von solarfähigem Silizium aus Rohsilizium verwirklicht werden.

Verantwortlich für den Aufbau dieser neuen solaren Welt ist Peter Woditsch, bereits seit 1994 bei der früheren Tochter der Bayer AG für den technologischen Fortschritt der solaren Produktion verantwortlich. "Wir können es schaffen, die Kosten für die Solartechnik bis 2010 noch einmal um die Hälfte zu reduzieren", sagt er. Automatisierung heißt das Zauberwort, im Gleichklang mit einer verbesserter Technologie. So will Woditsch den Wirkungsgrad der aus multikristallinem Silizium bestehenden Module im Vergleich zur derzeit weltweit üblichen Ausbeute um zwei Prozentpunkte auf 17 Prozent steigern. Außerdem sollen Materialverbrauch und -verlust im Vergleich zu bisher bestehenden Verfahren erheblich verringert werden.

Gelingt das, so erwartet Woditsch für 2010 nur noch Modulkosten von zwei statt derzeit vier Euro pro Watt. Die Kilowattstunde Solarstrom dürfte dann in Deutschland für nur noch 30 bis 40 Eurocent zu haben sein. In Südspanien sollte die Stromversorgung mit der Sonne sogar konkurrenzfähige 15 bis 20 Eurocent kosten.

Zum gleichen Zeitpunkt dürften auch Dünnschichtsolarmodule, die heute noch ein Schattendasein fristen, Marktreife erlangt haben. Kristalline - also aus einer festen Schicht bestehende - Solarmodule kommen derzeit noch auf einen Weltmarktanteil von rund 90 Prozent. Die Dünnschichttechnologie besticht im Vergleich durch ihren geringen Materialbedarf: Ihre Halbleiterschicht ist nur hauchzart. Dadurch sind die Module preiswerter und flexibler in der Handhabung. Allerdings verfügen die heute gängigen Dünnschichtgenerationen noch über deutlich schwächere Wirkungsgrade als die der dickeren Konkurrenz, und neue Verfahren mit Materialien wie Kupfer, Indium und Selen befinden sich noch in der Pilotphase. Bis 2010, so schätzt Verbandschef Stryi-Hipp, werde sich der Anteil der Dünnschichtzellen am Gesamtmarkt deshalb nur verhalten erhöhen. Der Gesamtumsatz der internationalen Solarindustrie könnte sich dann in Richtung 50 Milliarden Euro bewegen.

Von 2050 an geht's richtig los

Auch wenn es noch bis ins nächste Jahrzehnt dauern dürfte, bis sich der Solarstrom flächendeckend breit macht, ist er schon heute bei entsprechendem Einsatz konkurrenzfähig - beispielsweise in abgelegenen Regionen ohne zentrale Stromversorgung. Für Bergregionen oder in sonnenreichen Ländern ist es günstiger, die Sonne anzuzapfen, als sich über viele Kilometer an das nächste Stromnetz anzuschließen. Das Gleiche gilt für allein stehende Funkmasten, Sender oder Schiffsbojen.

Doch sobald der Solarstrom in direkter Konkurrenz zu Billig- und Risikostrom aus Kohle und Kernenergie aus dem Netz steht, braucht er die politische Unterstützung. Jede dritte Solarzelle wird weltweit auf Privat- und Firmengebäuden in den Industrienationen installiert, die den Strom in das öffentliche Netz abgeben. Diese Anwendung wird weltweit gefördert: in Europa, in Japan und den USA. Deshalb wird dieser Markt das Haupteinsatzgebiet der Sonnenkraftwerke bleiben. Dass sich die Fotovoltaik zu einer großen Industrie weiterentwickeln wird, darin sind sich zahlreiche Studien wie die von Dresdner Kleinwort Wasserstein und der Schweizer Bank Sarasin einig.

Auch Sulingens Vizestadtdirektor Harald Knoop ist sich sicher: "Solarstrom ist die Zukunft." Der zweifache Familienvater denkt dabei vor allem an die Zukunft seiner Kinder: "Egal, wie viele Jahrzehnte noch unsere weltweiten Energiereserven nutzbar sind, irgendwann kommen wir ohne die  Kraft der Sonne nicht mehr aus." Mit dieser Ansicht findet Knoop prominente Unterstützung: Nach einem Energieszenario der Deutschen Shell AG wird die Sonnenenergie ab 2050 unsere wichtigste Energiequelle sein. Denn, so die Einsicht des Ölmultis, die Öl- und Gasvorräte der Erde neigen sich dem Ende zu, und Klimaveränderungen machen eine Umstellung   der Energieversorgung nahezu unausweichlich


Strom aus der Sonne

Bei der Suche nach Alternativen zur herkömmlichen Energiegewinnung

blickt die Wissenschaft in erster Linie auf die Sonne.

Das Prinzip: Solarzellen fangen das ewige Feuer des Himmels ein und

wandeln es in Strom um. Den Wirkungsgrad des dafür benötigten

Ausgangsproduktes, Solarsilizium, haben Bayer-Forscher nach zehnjähriger

Entwicklungsarbeit so weit optimiert, daß es reif ist für die

Serienproduktion. Das multikristalline, hochleistungsfähige Solarsilizium

könnte nach Einschätzung in Fachkreisen die Solartechnik in eine neue

Dimension führen. Bayer will die Produktion der Siliziumscheiben in großer

Stückzahl selbst in die Hand nehmen: Mittelfristig soll die Bayer Solar GmbH

im sächsischen Freiberg jährlich rund 16 Millionen Siliziumscheiben

herstellen. Genug, um damit eine

Kleinstadt mit 4.300 Häusern und 16.000 Bewohnern mit Strom zu versorgen.

Der Erfolg der Forscher aus dem Geschäftsbereich Anorganische

Industrieprodukte: Eine größere

Leistungsausbeute von bis zu 16 Prozent (bisher waren bestenfalls 12

Prozent möglich) und eine

ausgereifte Verfahrenstechnik verbessern die Wettbewerbsfähigkeit der

Solarenergie im Vergleich zur

herkömmlichen Energieerzeugung. In verschiedenen Verfahrensschritten

wird dabei reines Silizium bei

einer Temperatur von über 1400 Grad Celsius geschmolzen und danach

abgekühlt. Auf diese Weise

entstehen feste Blöcke aus Silizium-Kristallen. Sie werden in 0,3 Millimeter

dicke Scheiben

unterschiedlicher Größe zersägt. Aus ihnen fertigen Weiterverarbeiter dann

die betriebsbereiten

Solarzellen.

Wie notwendig die rasche Weiterentwicklung alternativer Energien ist, macht

das Wachstum des

Weltenergieverbrauchs deutlich. Von 1950 bis heute schnellte er um mehr

als das Vierfache in die Höhe,

und er steigt weiter. Grund genug, sich das Energiebündel Sonne zum

Verbündeten zu machen. Jährlich

strahlt das "Kernkraftwerk" im All rund 750 Trillionen Kilowatt pro Stunde

Energie auf die Erde ab. Das ist

das 8000fache dessen, was derzeit pro Jahr durch das Verfeuern der fossilen

Brennstoffe Kohle, Erdöl,

Gas, durch Kernspaltung, Wasserkraft und Wind weltweit an Energie

verbraucht wird.

Lichtlenkender Agfa-Film für Photovoltaik

Auch andere Bayer-Unternehmensbereiche helfen der Solartechnik auf die

Sprünge: Ein holographischer

Agfa-Film ist in der Lage, tonnenschwere Linsensysteme aus Glas, die das

Sonnenlicht bündeln und an

die Solarzellen weiterleiten, zu ersetzen. Trotz wechselnden Sonnenstandes

wird das einfallende Licht

immer auf denselben Punkt der Solarzelle projiziert. Für diesen

physikalischen "Trick" sind

Film-Emulsionen mit extrem hoher Auflösung erforderlich. Mit der neuen

Lichtsammel-Technik soll die

bisher nicht verwertete Sonnenenergie an Gebäudefassaden genutzt werden.

Solarenergieforscher blicken optimistisch in die Zukunft

Jahrestagung des Forschungsverbunds Sonnenenergie in Kassel zog

Zwischenbilanz

Solarenergie. - Auf der Jahrestagung des "Forschungsverbunds

Sonnenenergie" haben sieben deutsche

Forschungsinstitute eine positive Zwischenbilanz gezogen. Ziel der

Veranstaltung war der Austausch und die

Präsentation von Forschungsergebnissen.

Um der Solartechnik zum Durchbruch zu verhelfen, sei Standardisierung und

Modularisierung wichtig. Dazu Professor

Werner Kleinkauf vom Kasseler Institut für Solare

Energieversorgungstechnik, ISET: "Wir haben wesentliche Beiträge

dadurch geleistet, daß wir gemeinsam mit der Industrie modulare

Anlagenschnittstellen definiert haben." Zum einen könnten

die Firmen für diese Schnittstellen unterschiedliche aber normgerechte

Produkte liefern, zum anderen seien solche Systeme

problemlos zu erweitern. Solartechnik mausert sich zum interessanten Markt.

Gerhard Eisenbeiß, Mitglied des Direktoriums:

"Bei der Photovoltaik haben wir heute in Lateinamerika oder den USA

Wachstumsraten um 15 Prozent." Bald sei ein

Marktvolumen von 100 Megawatt erreicht. Zwar liefert ein Solarpark in

Kalifornien routinemäßig Strom, allerdings ist die

Energie nur dank hoher Subventionen zu verkaufen. Bisher seien

erneuerbare Energien in den meisten Märkten nicht

wettbewerbsfähig. Wolle man dies, brauche man Massenproduktion und eine

klare Strategie, wie es sie in den 50er und

60er Jahren bei der Entwicklung der Kernkraft gegeben hat.

[Quelle: Petra Nagel, Werner Kleinkauf, Gerhard Eisenbeiß]

SZ vom 16.08.1996

Aufsichtsbehörde billigt geringfügige Preiserhöhung für alle Haushalte

Hammelburg erwärmt sich für Solarstrom

Privaterzeuger bekommen für Einspeisung ins Netz zwei Mark pro

Kilowattstunde / Bau weiterer Anlagen

anvisiert

Von Hannes Krill

Hammelburg – Die unterfränkische Stadt Hammelburg (Lankreis Bad

Kissingen) mausert sich zum Mekka der Solarenergie.

Seit die Stadtwerke jede Kilowattstunde Strom, die private Betreiber von

Photovoltaik-Anlagen ins Netz einspeisen,

kostendeckend mit zwei Mark vergüten, sprießen auf den Hausdächern der

Stadt die Solarzellen. Die Förderung der

umweltfreundlichen Solarenergie wird von den privaten Stromkunden der

Stadt gesponsert. Sie müssen für jede

Kilowattstunde Strom 0,1 Pfennige mehr bezahlen als bisher. Nach Angaben

der Stadtwerke summiert sich die jährliche

Mehrbelastung aber nur auf durchschnittlich vier Mark pro Haushalt.

Bereits 1995 hatte der Landtag einstimmig empfohlen, Sonnenstrom aus

privater Erzeugung kostendeckend zu vergüten

und die Mehrkosten von allen Stromkunden einzutreiben. Die Städte

Freising, Nürnberg, München und Ingolstadt bieten

solche Modelle schon an. Andere Kommunen gewähren privaten Bauherrn,

die auf Solarstrom setzen, einen Zuschuß zu

den Investitionskosten der Anlage. Die Energiekonzerne beobachten die

Entwicklung mit Argusaugen. Sie betrachten

Photozellen auf privaten Hausdächern als unerwünschte Konkurrenz.

Die Hammelburger Stadtwerke haben den Behörden die Genehmigung für ihr

Solarmodell in zähem Ringen abgetrotzt.

Damit die Stadt den Solarstrom subventionieren kann, billigte die Regierung

von Unterfranken den Stadtwerken lediglich

eine allgemeine Strompreiserhöhung von 0,1 Pfennigen pro Kilowattstunde

zu, die alle Privathaushalte bezahlen müssen.

Die Staatsregierung hält 0,15 Pfennige für zulässig. Firmen und Betriebe,

denen beim Strompreis ohnehin schon günstige

Sonderkonditionen eingeräumt werden, bleiben vom Preisaufschlag

verschont. Die Option auf den maximal zulässigen

Strompreis-Aufschlag bei Privatkunden wollen sich auch die Hammelburger

Stadtwerke offen halten, falls weitere

Solaranlagen ans Netz gehen sollten.

Die Chancen dafür stehen offenbar gut. Die Hammelburger Solarstrom-

Gesellschaft (HSG), zu der sich 71 Privatinvestoren

mit einer Mindesteinlage von je 2000 Mark zusammengeschlossen haben,

kündigte den Bau weiterer Photovoltaik-Anlagen

auf den Haudächern der Stadt an. Bisher hat die HSG nach eigenen

Angaben 210000 Mark in insgesamt sieben

Solaranlagen gesteckt. Eine weitere sei privat gebaut worden. Dank der

Einspeisevergütung der Stadtwerke rechnet die

HSG Æmit einer gesicherten Rendite von etwa fünf Prozent“.

ÆEin großartiger Durchbruch“

Große Gewinne erzielt die HSG damit bisher freilich nicht. Dafür ist die

installierte Leistung noch zu schwach:

Durchschnittlich allenfalls 10000 Kilowattstunden Strom im Jahr werden nach

Angaben der Stadtwerke derzeit in der rund

12000 Einwohner zählenden Kleinstadt mit Solarzellen erzeugt. Dennoch

wird damit nach Angaben der HSG in

Hammelburg etwa dreißigmal mehr Solarstromm ins öffentliche Netz

eingespeist wie im Bundesdurchschnitt. Die

Stromkunden der Stadtwerke kostet das einen Pappenstiel: genau 0,1

Pfennige pro Kilowattstunde. Dieser Aufschlag auf

den Strompreis summiert sich auf insgesamt rund 21000 Mark pro Jahr. Die

Summe wird als Einspeisevergütung an die

privaten Sonnenstrom-Produzenten ausbezahlt.

Der Ingolstädter Bundestagsabgeordnete Albert Schmidt von den Grünen

wünscht sich, daß das Hammelburger Beispiel

rasch Schule macht. Um diesem ÆKönigsweg zur Förderung

umweltfreundlicher Stromerzeugung“ den Weg zu ebnen, hat

die Bundestagsfraktion der Grünen nach Angaben Schmidts noch vor der

Sommerpause beantragt, Ædie kostendeckende

Vergütung für die Stromerzeugung aus sämtlichen erneuerbaren

Energieträgern im Stromeinspeisegesetz des Bundes

festzuschreiben“. Schmidt und die Grünen hoffen, daß dies den einzelnen

Stadtwerken künftig das zähe Ringen mit

Bezirksregierungen und Energiekonzernen um Kompromisse ersparen wird.

ÆWenn dadurch die jährliche Stromrechnung für

einen Vier-Personen-Haushalt um etwa zehn Mark teurer würde, wäre dies zu

verkraften“, glaubt Schmidt. Im Gegenzug

würden nämlich Ægigantische Mengen“ an Luftschadstoffen vermieden und

Ætausende neuer Arbeitsplätze“ geschaffen.

Nach Angaben der Hammelburger Solarstrom GmbH wurde auf Initiative des

grünen Europaabgeordneten Wolfgang

Kreissl-Dörfler auch auf europäischer Ebene Æein großartiger Durchbruch“

erzielt: Das Europaparlament habe die

EU-Kommission jüngst aufgefordert, verbindliche Regeln für alle EU-

Mitgliedstaaten zur kostendeckenden Vergütung von

alternativ erzeugtem Strom vorzuschlagen.

HSG-Sprecher Hans-Josef Fell freut sich: ÆDamit wird in allen EU-Staaten

das in Aachen entwickelte System der

kostendeckenden Vergütung bekannt gemacht“. Eine Übersetzung des

Begriffs in alle Sprachen sei bereits erfolgt. Auf

Englisch heißt der Begriff: Æfull cost rates.“

Orginaltext aus der FAZ

Energie von der Sonne in großer Höhe

Die höchstgelegene Photovoltaik-Anlage der Welt ist jetzt offiziell

auf dem Jungfraujoch in Betrieb genommen worden. Ihre Module sind an

der Außenwand einer Forschungsstation in 3454 Meter Höhe angebracht. Mit

der von der Schweizer Ingenieurschule Burgdorf gelieferten Anlage will

man jetzt untersuchen, wie haltbar Solarzellen und andere Komponenten

unter extremen Witterungsbedingungen sind. Auf dem Jungfraujoch ist die

Sonnenstrahlung fünfmal so intensiv wie in tiefliegenden Regionen. Mit ihrer

insgesamt 10 Quadratmeter großen Sammelfläche soll die Anlage eine

Leistung von 1,1 Kilowatt erzielen. F.A.Z.

Scheint in Japan die Sonne öfter?

Prof. Dr. Heribert Wagner, Institut für Schicht- und Ionen- technik,

Forschungszentrum Jülich über Trends in der

Solarzellen-Produktion

SZ: Während es hierzulande zwar zahlreiche Pilot- und Forschungsprojekte

zu Solarzellen gibt, scheut sich die heimische

Industrie, in die Massenproduktion einzusteigen. In Japan dagegen will man

den Photovoltaik-Markt erobern. 70 000

Dächer sollen mit Solarzellen bestückt, im Jahr 2000 vierhundert Megawatt

Solarstromkapazität hergestellt werden. Sind in

Fernost die Voraussetzungen für einen Einstieg ins Solarzeitalter besser?

Wagner: Die anvisierten 400 Megawatt sind sicher ein zu hoch gestecktes

Ziel. Realistisch sind bei einem kontinuierlichen

Ausbau bis zum Jahr 2000 ein- bis zweihundert Megawatt. Abgesehen

davon: Mir scheint, daß die japanische Industrie

einen längeren Atem hat. Seit Ende der siebziger Jahre verfolgt sie die

Entwicklung von Solarzellen. Jetzt steigen die

Firmen in die Produktion ein, manche früher, andere später - aber alle haben

die Perspektive im Auge, daß die Photovoltaik

in absehbarer Zeit ein interessanter Markt sein wird.

SZ: Sind die natürlichen Bedingungen in Japan besser? Scheint dort

vielleicht die Sonne mehr als hierzulande?

Wagner: Vielleicht scheint die Sonne etwas mehr. Nur darf man sich nicht

von der Zahl der Sonnenstunden täuschen

lassen. Die mittlere Sonneneinstrahlung in Deutschland ist nur etwa um den

Faktor zwei kleiner als im sonnenreichsten

Gürtel der Welt, in Australien oder in der Sahara. Läßt man das

Speicherproblem außer acht, dann könnte hierzulande mit

vier Prozent der Landfläche an Solarzellen der gesamte Strombedarf gedeckt

werden. Dies unter der Voraussetzung

heutiger Technik, also mit Solarmodulen, die einen Wirkungsgrad von 15

Prozent haben. Elf bis zwölf Prozent der

Landfläche sind überbaut, woraus folgt, daß das Flächenargument nicht

ausschlaggebend ist.

SZ: Viel Geld für die Solarzellen-Forschung, und nun kein Gewinn - was ist in

Deutschland fehlgelaufen?

Wagner: Einerseits hat die Politik noch nicht die richtigen

Rahmenbedingungen geschaffen, damit eine Industrie langfristig

planen kann. Andererseits denkt die Industrie nur an kurzfristige Gewinne.

SZ: In vielen Labors, auch in Ihrem, werden verschiedene Solarzellen

getestet. Welche Typen sind für die Massenfertigung

besonders interessant?

Wagner: Zur Zeit würde ich noch polykristallines Silizium favorisieren, weil

diese Technik am besten ausgereift ist. Dieses

Ziel verfolgt auch die Bölkow-Studie im Auftrag von Greenpeace. Aber die

Herstellungskosten von polykristallinem Silizium

werden sich nicht erheblich senken lassen. Langfristig gebe ich daher den

Dünnschichtzellen den Vorzug. Nur sind diese

Materialien, seien es amorphes Silizium oder andere Verbindungen, noch

nicht ausreichend erforscht, und ihre

Wirkungsgrade kommen noch nicht an die von kristallinen Zellen heran.

SZ: Können Sie Zahlen nennen?

Wagner: Die besten Module, die man heute kaufen kann, basieren auf

einkristallinem Silizium und haben Wirkungsgrade

von 15 Prozent. Großflächige Module aus amorphem Silizium kommen

derzeit auf Wirkungsgrade zwischen sechs und

sieben Prozent. In fünf Jahren könnten es etwa zehn Prozent sein.

SZ: Nun altern diese Solarzellen, das heißt, sie büßen ein wenig von ihrem

Wirkungsgrad ein.

Wagner: Die Zahlen beziehen sich auf gealterte Zellen.

SZ: Welcher Art von Dünnschichtzellen geben Sie die besten Chancen?

Wagner: Silizium wird aus Sand hergestellt. Es ist daher in großen Mengen

verfügbar und ökologisch unbedenklich. Andere

Verbindungen, zum Beispiel Cadmium-Tellurid, oder auch Kupfer-Indium-

Diselenid, enthalten Schwermetalle, dafür erzielen

sie aber im Labor wesentlich höhere Wirkungsgrade als Silizium. Die Frage

ist, ob sie auch als großflächige Module

Wirkungsgrade von wesentlich über zehn Prozent erreichen werden. Wenn

ja, wird man abwägen müssen, ob man eine

umweltfreundliche Energie mit ökologisch nicht unbedenklichen Stoffen

erzeugen will.

SZ: Auf welche Verbindungen setzen denn die Japaner?

Wagner: Im wesentlichen auf Silizium.

SZ: Sie arbeiten mit Dünnschicht-Siliziumzellen. Was tun Sie konkret, um

Wirkungsgrade zu steigern und die Alterung zu

verringern?

Wagner: Im Grunde verstehen wir noch nicht die Details des

Alterungsprozesses, und daran forschen wir. Wir versuchen,

die Alterung zu reduzieren, indem wir hintereinandergeschaltete Solarzellen,

sogenannte Stapelzellen, bauen. Sie haben

auch den Vorteil, daß man in den verschiedenen Schichten unterschiedliche

Materialien verwenden kann, um das

Lichtspektrum besser auszunutzen. Damit steigern wir auch den

Wirkungsgrad. Unsere neuesten Ergebnisse zeigen, daß

wir bei einer einfachen Stapelzelle aus amorphem Silizium den

Alterungsprozeß soweit erniedrigt haben, daß der Verlust an

Wirkungsgrad nur noch acht Prozent beträgt. Eine industrielle Produktion mit

einem stabilem Modulwirkungsgrad von fast

neun Prozent ist in greifbarer Nähe.

Die Fragen stellte Jeanne Rubner.


SZ vom 12.09.1996

KOMMENTAR

Solarenergie - ohne Interesse

Deutschland ist zwar ein hervorragender Standort für Produzenten und

Nutzer von Solaranlagen. Aber produziert wird anderswo, und die Nutzer sind

Liebhaber, die sich ein teures Hobby leisten können. Der Hauptgrund für

diese mißliche Situation ist, daß die deutsche Energiewirtschaft nach wie vor

auf Großkraftwerke setzt und eine dezentrale Stromversorgung mit aller

Macht zu verhindern sucht. Dies fällt ihr gegenüber der konservativen

Bundesregierung nicht besonders schwer.

'In der Solartechnik verliert die Bundesrepublik den Anschluß.' Die neuerliche

Kürzung der Mittel durch Bundesforschungsminister Rüttgers 'läutet

womöglich den Ausstieg ein', beklagen die Forschungspolitiker von Bündnis

90/Die Grünen im Bundestag, natürlich ohne jede Wirkung. Die großen

deutschen Unternehmen haben in der Tat ihre Produktion von Solar-

Modulen fast vollständig in die USA verlegt, nachdem sie mit den Jahren

rund 500 Millionen Mark Forschungsgelder des deutschen Steuerzahlers

kassiert hatten. Das Argument für die Abwanderung, die Arbeit sei in

Deutschland zu teuer, stimmt zwar - fällt aber auf die Unternehmen selbst

zurück: Rund 40 Prozent billiger könnte man hierzulande die multikristallinen

photovoltaischen Solarzellen produzieren, wenn man die noch weitgehend

übliche Handarbeit durch moderne Technik ersetzen würde. Das haben

Experten der Fraunhofer-Gesellschaft aus deren Instituten in Freiburg und

Aachen jetzt ausgerechnet. Damit bestätigen sie im Grunde die Aussagen

der Umweltorganisation Greenpeace vom Frühjahr dieses Jahres, der

Solarstrom in Deutschland könne 30 bis 40 Prozent billiger sein.

Die Politiker sind allerdings gegenüber dem Widerstand der

Energiewirtschaft gar nicht so hilflos wie sie tun. Immerhin haben Regierung

und Opposition einmütig das Energieeinspeisungsgesetz durchgesetzt.

Danach wird Privatleuten ein wenig vergütet, wenn sie Strom aus Sonne,

Wind oder Wasser ins öffentliche Netz abgeben. Eine gesetzlich festgelegte

kostendeckende Vergütung wäre ein starker Impuls, ebenso wie eine

Vorschrift, Solaranlagen für alle öffentlichen Neubauten vorzuschreiben.

Gewiß, das kostet Geld, ist aber anders als die Milliardensubventionen für

den Steinkohlebergbau eine echte Daseinsvorsorge. Es gibt viele

Möglichkeiten, die Weichen dafür zu stellen, daß sich in Deutschland eine

kontinuierliche Nachfrage nach Solarzellen entwickelt. Dann werden sich

auch Produzenten finden. Man darf vermuten, daß diese mit Billigangeboten

aus Japan kommen werden. ur


Flabeg Solar muss Module auf dem

Bundeswirtschaftsministerium austauschen

Innerhalb von zehn Jahren stieg Pilkington Solar zum

Marktführer für Fassadenmodule auf. Nun ist die

Firmennachfolgerin Flabeg Solar mit einem

unangenehmen Problem konfrontiert: Module mit einem

bestimmten Zelltyp von Siemens Solar zeigen milchige

Flecken.

Unter den Berliner Regierungsbauten ist sie

ein Vorzeigeprojekt: die Solarstromanlage auf

dem 180 Meter langen Neubau des

Bundeswirtschaftsministeriums an der

Scharnhorststraße. Seit 1998 ist das

Solardach aus Glas-Glas-Modulen in Betrieb

und liefert auf einer Fläche von über 1.000

Quadratmetern 100 Kilowatt elektrische

Leistung. Doch im vergangenen Winter

machten sich Flecken an der glänzenden

Fassade bemerkbar: »Die Solarmodule

werden milchig. Das Schlimmste daran ist:

Diese Flecken wachsen ständig«, klagt

Andreas Kübler, Sprecher des Bundesamtes

für Bauwesen und Raumordnung, das das

Gebäude des Wirtschaftsministeriums betreut.

Geliefert hatte die Module die Solartochter von

Pilkington. Von deren Rechtsnachfolgerin, der

Flabeg Solar International GmbH, verlangte

das Bundesamt Anfang des Jahres, die Module komplett auszutauschen.

Es handle sich um einen »hundertprozentigen Gewährleistungsmangel«,

sagt Kübler. Die Flecken seien zwar zunächst nur ein ästhetisches Problem

und würden keine Einbußen in der Leistung der Photovoltaikanlage

bewirken. Trotzdem würde in Zukunft »ein Leistungsabfall verzeichnet

werden können«.

Flabeg Solar wird dem Ansinnen des Bundesamtes nachkommen. »Wir

erfüllen die Gewährleistung in vollem Maße«, betont Geschäftsführer

Joachim Benemann. Im Herbst soll die erste Hälfte der Optisol-Module

ersetzt werden, im nächsten Jahr der Rest. Flabeg bleibt gar nichts anderes

übrig, als so zu handeln. Die Prestigeanlage auf dem

Wirtschaftsministerium steht im Blickpunkt des öffentlichen Interesses.

»Wir möchten unseren Ruf nicht beschädigen, sondern festigen«, sagt

Benemann. »Wir lassen unseren Kunden nicht im Regen stehen.«

Kosten: zwei Millionen Mark

Die Austauschaktion kostet das Unternehmen nach Angaben des

Geschäftsführers nahezu zwei Millionen Mark. Die üblichen Rückstellungen

für Gewährleistungen reichen laut Benemann nicht für »solche Sonderfälle«

aus. Flabeg Solar wird deshalb nach einem positiven Ergebnis im

Geschäftsjahr 2000/2001, das am 30. März endete, in diesem Jahr wohl

rote Zahlen schreiben. Den Verlust fängt die Flabeg Holding GmbH auf, mit

der die 100-prozentige Tochter Flabeg Solar einen

Ergebnisabführungsvertrag geschlossen hat. Bei einem Jahresumsatz von

400 Millionen Mark kann die Flabeg-Gruppe den Zwei-Millionen-Betrag

wegstecken, trotzdem ist es für Benemann »ein nicht angenehmer Vorfall«.

Gegenwärtig überlegt der Geschäftsführer, die ausgetauschten Module zur

Stromerzeugung weiterzuverwenden.

Das Unternehmen hat inzwischen eine

Ursache für die seltsamen Flecken in den

Glas-Glas-Modulen ausgemacht: Das

Gießharz, in das die Solarzellen zwischen den

beiden Glasscheiben des Moduls eingebettet

werden, löst sich von der Vorderseite der von

Siemens Solar produzierten monokristallinen

Zellen ab. Die bläulich schimmernde

Antireflexschicht sei offenbar nicht verträglich

mit dem Gießharz, erklärt Benemann. Aus

diesem Grund hat Flabeg die Verwendung

dieses Zellentyps gestoppt und setzt jetzt

EFG-Zellen von ASE ein. Zur Sicherheit wird

das Gießharz nun auch länger als üblich

ausgehärtet.

Benemann beteuert, dass die Flecken in den

schadhaften Modulen »nicht durch schludrige

Arbeit hervorgerufen wurden«. Auch hätten die

Module »alle international üblichen Tests

bestanden«. Aber solche Dinge ließen sich

bei der Entwicklung neuer Technologien nicht

vermeiden. »Mir ist sehr daran gelegen, dass die Photovoltaik nicht in den

Ruf kommt, sie funktioniere nicht«, sagt der Flabeg-Geschäftsführer.

Schäden bei mehreren Projekten

Bereits 1999 wurde das Unternehmen mit

Flecken an Modulen konfrontiert, die sie für

die Firma Braas produziert hatte. Die Module

enthielten laut Benemann den gleichen

Zelltyp, besaßen aber auf der Rückseite eine

Beschichtung mit Siebdruck in den Bereichen,

in denen die Räume zwischen den Solarzellen

Licht durchlassen. Dadurch soll das Modul auf

dem Dach nach unten lichtundurchlässig sein,

gleichzeitig aber bei der Produktion noch

UV-Licht von der Unterseite her zur

Aushärtung des Gießharzes empfangen. Die

Ablösung des Gießharzes von den Solarzellen

führte Flabeg damals auf diese

Siebdruckbeschichtung zurück. Nach den

Angaben Benemanns mussten »mehrere

hundert« Module ausgetauscht werden.

Es gibt weitere Beispiele für fleckig gewordene Module des

Flabeg-Vorgängers Pilkington: das Solardach der Stadtwerke Aachen (fünf

Kilowatt) und die Solarsiedlung der Stadtwerke Bremen (200 kW) sowie

Anlagen auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in

Stuttgart (5 kW) und auf der Eingangshalle der Technischen Universität

München in Garching (20 kW). Bestückt sind diese Module mit mono- und

polykristallinen Solarzellen von ASE und BP Solar. Benemann äußert sich

zu diesen Fällen nicht konkret. »Wir haben natürlich einzelne Schäden«,

meint er nur, aber von einem »Serienschaden«, der an jedem Modul auftritt,

will er ausschließlich bei der Anlage des Bundeswirtschaftsministeriums

sprechen.


Schmutzschutz für Solaranlagen

Die Firma AET aus Sulzbach bei Saarbrücken bietet ein

neuartiges »Putzmittel« für Solaranlagen an.

Die mit einem Schwamm aufzutragende

Flüssigkeit basiert auf der

Nanotechnologie, einem neuen

Forschungszweig, der sich mit Strukturen

im Bereich von wenigen millionstel

Millimetern beschäftigt. Zu den ersten

Anwendungen im Alltag, bei denen die

Ergebnisse der Nanotechnologie zum

Einsatz kamen, gehören beispielsweise

Waschbecken (Firma Duravit) oder

Dachziegel (Firma Erlus), an denen kein

Schmutz mehr haften bleibt. In der

Öffentlichkeit wurde diese

Materialeigenschaft als »Lotus-Effekt« bekannt. Im Unterschied zu

Waschbecken oder Dachziegeln gibt es jedoch noch keine

Solarstromanlagen, die diese Antischmutz-Eigenschaft von Haus aus

mitbringen. Hier setzt AET mit seinem Produkt »Nanosun« an. Die

chemische Zusammensetzung wollte man bei AET nicht aufschlüsseln, es

dürfte sich jedoch um eher harmlose Stoffe wie beispielsweise Silikate

handeln, die auf der Solarmoduloberfläche eine anorganische Schicht

bilden, auf der Wassertropfen abperlen und dabei vorhandene

Schmutzpartikel mitnehmen. Derartige Lösungen werden in großen Mengen

für Wiederverkäufer beispielsweise von Firmen wie der Nano-X GmbH aus

Überherrn bei Saarbrücken für die Baustoff- und Automobilindustrie

angeboten.

AET empfiehlt seine Antischmutz-Beschichtung für »Anlagen, die sehr

großflächig sind, regelmäßig stark verschmutzen oder sich an schwer

zugänglichen Orten befinden«. Über die Auswirkungen auf den Ertrag gibt

es bisher noch keine Erfahrungen. Auch zu der Frage, wie oft die

Beschichtung erneuert werden muss, kann Frank Becker von AET mangels

Langzeiterfahrung mit dem neuen Produkt noch keine präzise Empfehlung

geben. Eine jährliche Erneuerung hält er jedoch für sinnvoll, um den vollen

Effekt zu erreichen. Die Flasche mit 100 Millilitern kostet 81,90 Mark und

reicht für zehn Quadratmeter, also für etwa eine 1-kW-Anlage. Damit sich

die Investition in »Nanosun« rechnet, müsste der Ertrag durch die

Antischmutz-Beschichtung um gut zehn Prozent steigen. Das ist bei einer

nur durchschnittlich verdreckten Anlage jedoch äußerst unwahrscheinlich.

Alternative-Energie-Technik GmbH

Industriestraße 12

66280 Sulzbach-Neuweiler

Telefon 068 97 / 924 87-0

Telefax 068 97 / 924 87-55

info@aet.de

www.aet.de


Modul-Peakleistung ist jetzt vor Ort messbar

Mit dem neuen Messgerät PVPM 216T der im Januar

gegründeten Dortmunder Firma Photovoltaik Engineering

(pve) lässt sich erstmals die Peakleistung von

Solarmodulen direkt am Aufstellungsort ermitteln.

Die Peakleistung ist definiert als

Leistung eines Moduls unter

Standard-Testbedingungen:

Einstrahlung von 1.000 Watt pro

Quadratmeter, Sonnenspektrum

entsprechend AM 1,5 und

Zelltemperatur von 25 Grad Celsius.

Bislang war es nur möglich, diesen

Wert aufwändig im Labor zu messen.

Das Gerät von pve bestimmt die

Peakleistung hingegen anhand der

Einstrahlungsbedingungen am

Modulstandort mit einem

Umrechnungsverfahren, das Professor

Andreas Wagner an der Dortmunder Fachhochschule entwickelt und als

Patent angemeldet hat. Damit kann jeder Installateur die vom

Modulhersteller angegebene Nennleistung einfach vor Ort prüfen und Module

entsprechend ihrer tatsächlichen Leistung optimal auf verschiedene Stränge

verteilen.

Das Gerät hat ein Gehäuse aus Stahlblech mit Tragegriff; es ist 48

Zentimeter breit, 16 Zentimeter hoch und 35 Zentimeter tief. Versorgt wird

es von einem Nickel-Cadmium-Akku mit einer Kapazität von 7,2

Amperestunden, der über ein internes Netzteil aufgeladen wird. Ein

Strahlungssensor vom Typ Phox 100 mit integriertem Temperatursensor Pt

100 erfasst Sonneneinstrahlung und Umgebungstemperatur. Der Benutzer

bedient das Gerät über wenige Tasten und wird dabei von einem

Bildschirmmenü geführt. Das LCD-Display (schwarz-weiß) zeigt dann die

Peakleistung, den Serieninnenwiderstand und die

Strom-Spannungs-Kennlinie des Moduls. Das Ergebnis ist laut pve bis auf

fünf Prozent genau. Zum Vergleich: Der TÜV Rheinland gibt bei seinen

Laborprüfungen eine Abweichung von drei bis vier Prozent an.

Beim PVPM 216T lassen sich auch folgende Werte abrufen: maximale

Leistung (MPP), MPP-Strom und -Spannung, Kurzschlussstrom und

Leerlaufspannung, Füllfaktor, Umgebungstemperatur und Einstrahlung. Es

können die Daten von 100 Messungen gespeichert werden. Das fünf Meter

lange Messkabel ist auch in zehn oder 25 Meter Länge lieferbar. Preis: rund

11.116 Mark.

PV-Engineering GmbH

Ernst-Mehlich-Straße 4a

44141 Dortmund

Telefon 02 31 / 53 47 72 00

Telefax 02 31 / 53 47 72 09

info@pv-engineering.de

www.pv-engineering.de


Solarenergie zum Anfassen

Shell Solar zeigt in seinem neuen

»Photovoltaik-Informationszentrum« einzigartige

Exponate, die das Thema Solarstrom auch Laien

eindrucksvoll vermitteln.

Fachleute treibt es vermutlich gleich

zum großen Eckbildschirm in der

Ausstellungshalle. Dort erhalten sie live

einen Einblick in das Herz der

benachbarten Solarzellenfabrik, die auf

andere Weise offiziell nicht zugänglich

ist. Entlang einer der größten und

modernsten

Solarzellen-Produktionslinien Europas

sind eine Hand voll Kameras installiert.

Auf Knopfdruck lässt sich die

Einstellung einer jeden auf den

Bildschirm holen, von der Ätzanlage

zum Säubern der blanken

Siliziumscheibe bei Prozessbeginn

oder dem Diffusionsofen, wo gezielt Fremdatome in das Silizium

eingedampft werden, damit es Strom aus Sonnenenergie erzeugen kann.

»Die Ausstellung richtet sich nicht nur an Experten. Sie ist ein genauso

interessantes Ziel für Familienausflüge oder Schulexkursionen«, erklärt

Dominik Schröder, Marketingleiter der Shell Solar Deutschland Vertrieb

GmbH. Für solare Neulinge bietet ein 20-minütiges Video einen Einblick in

die Welt der erneuerbaren Energien mit dem Schwerpunkt Photovoltaik, und

gleichzeitig einen Ausblick, was auf den drei Ebenen mit insgesamt 300

Quadratmetern Ausstellungsfläche zu erwarten ist. Ein Leitsystem lädt zum

Erkunden ein, genauso gut können aber kostenlose Gruppenführungen

angemeldet werden.

Die »Solarfabrik zum Mitmachen«, wie

Shell die Ausstellung im Photovoltaik

Informationszentrum (PiZ) in Anlehnung

an die benachbarte »echte«

Solarzellenfabrik nennt, beschreibt den

vollständigen Herstellungsprozess vom

Ausgangsprodukt Sand über die

Solarzelle bis zu Solarmodul und

Solaranlage im Betrieb. »Wir haben die

Basisausstellung im Erdgeschoss in

drei Teile gegliedert: vom Sand zum

Wafer (Siliziumscheibe), vom Wafer zur

Solarzelle und von der Solarzelle zum

System, so dass ein Laie alles in einer

begrenzten Zeit besuchen kann«,

erläutert Klaus Heidler, Inhaber der für

das Ausstellungsdesign zuständigen

Firma Solar Consulting aus Freiburg, ohne das Spielzeug für Handwerker

und Physikkurse zu vergessen: »Ein Experimentiertisch ist dann noch was

für Leute, die es ganz genau wissen wollen.«

Das wohldurchdachte Konzept, das der ehemalige Pressesprecher des

Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme Heidler in Zusammenarbeit

mit früheren Arbeitskollegen verwirklicht hat, ist vermutlich einzigartig in der

Welt. Mal abgesehen vom Blick auf Shells Solarzellen-Produktionslinie, gibt

es durchaus auch klassische Ausstellungsformen wie Vitrinen, in denen

zum Beispiel Silizium, der Rohstoff für die meisten Solarzellen, in

verschiedenen Variationen dargestellt ist: als Sand, bestehend aus

Siliziumdioxid, in Form murmelgroßer Kugeln aus reinem Silizium oder als

zylindrische Einkristalle (Ingots). Das Gros der Exponate ist aber eher

unübliche Präsentation, wie das Modell einer Drahtsäge, die im Betrieb den

Ingot mit einem bis zu 700 Kilometer langen Draht von lediglich 180

Mikrometer Durchmesser in hauchdünne Wafer teilt. Das Phänomen

Solarzelle, in der sich bei Sonneneinstrahlung Elektronen und – für den

Nicht-Insider unerklärbare – Löcher bilden, die dann den Strom produzieren,

ist mit Hilfe eines faszinierenden mechanischen Modells aus Flüssigkeiten

unterschiedlicher Farbe – ähnlichen den Lava-Lampen – erklärt.

Interaktive Exponate dürften auch bei

Skeptikern der Solartechnik

Begeisterung entfachen. So kann an

einem Exponat per Knopfdruck ein

Kran gestartet werden, der eine

Stahlkugel in etwa 100 Zentimeter

Höhe hebt, um sie dann auf ein

Solarmodul fallen zu lassen – so oft

man mag. Dieser Versuch entspricht

einem Test für Solarmodule der

Internationalen Elektrotechnischen

Kommission (IEC) zur Überprüfung der

Modulbeständigkeit gegenüber

Hagelschauern. Am

Profi-Experimentiertisch können

mehrere mit künstlichen Lichtquellen

bestrahlte Solarmodule in Reihe oder

parallel verschaltet werden, sowie die

Auswirkungen von elektrischen Lasten

in Form von Ventilatoren und von

Modulabschattungen über

Stromspannungskurven beobachtet werden.

Wenn der Besucher mit den Grundlagen vertraut ist, kann er sich auf der

Dachterrasse anschauen, wie so eine Photovoltaikanlage wirklich

funktioniert. Shell Solar vertreibt beispielsweise in Südafrika seit über einem

Jahr ein solares Inselsystem, bestehend aus einem Solarmodul, Batterie

und Laderegler, die mit einer »aufladbaren« Magnetkarte ähnlich unserem

Geldkarten-System betrieben werden kann. Dieses mittlerweile 6.000-fach

installierte »Power House-System« ist, vielleicht etwas pathetisch

anmutend, in einer Strohhütte aufgebaut, bietet aber ein eindrucksvolles

Beispiel dafür, wie finanzschwache Menschen in Entwicklungsländern in

den Genuss sauber erzeugten Stroms kommen können, ohne die

Solaranlage selbst kaufen zu müssen.

Einen interessanten Aspekt hinsichtlich

der Stromernte demonstrieren zwei

andere Exponate auf dem Dach. Die

Leistung einer über einenechselrichter

ans Stromnetz angeschlossenen und in

einem bestimmten Winkel montierten

Solaranlage, wie sie in Deutschland

üblich ist, kann über eine Anzeigetafel

mit einem manuell der Sonne

nachführbaren Solarmodul verglichen

werden. Dabei wird deutlich, dass die

Nachführung die Stromernte steigert,

eine Integration in ein Dach dann aber

erschwert wird.

Als nicht besonders einfach erweist

sich auch das laut Katalog

spektakulärste Ausstellungsstück: die

benachbarte Solarzellenfabrik. Bei

unserem Besuch einen Tag vor der

offiziellen Eröffnung am 24. Mai zeigten

die Kameras zwar das Fließband –

aber ohne Zellen. Und während Dominik

Schröder ähnlich irritiert schien wie wir,

hatte der zum 1. Juli in die Öl-Sparte

des Unternehmens zurückkehrende

Geschäftsführer von Shell

Solar Deutschland Frithjof Kublik sofort eine Antwort parat: »Keine Panik,

es ist nur eine eintägige Reparatur. Wir sind im Mai in den

Dreischicht-Betrieb übergegangen.«

Photovoltaik Informationszentrum

Öffnungszeiten Montag bis Freitag

10 bis 16 Uhr

Am Dahlbusch

45884 Gelsenkirchen

Telefon 0209/12 02-244

Telefax 0209/12 02-112

info@shell-solar-piz.de

www.shell-solar-piz.de


Mit dem Solarroller schadstofffrei durch Freiburgs Straßen

Wer am Freiburger Hauptbahnhof aussteigt, kann seit Ende Mai die Stadt

im Breisgau auf einem leise surrenden Elektromotorroller durchstreifen, der

mit Solarstrom aufgeladen wird. In der Mobilitätsstation »Mobile« stehen vier

Solarroller bereit, die man täglich zwischen 7 und 20 Uhr ausleihen und

von 6 bis 1 Uhr morgens zurückbringen kann. Vier Stunden schadstofffreies

Fahrvergnügen kosten 25 Mark, 24 Stunden 35 Mark.

Initiiert hat dieses Pilotprojekt die

Berliner Firma Solarmove zusammen

mit der Umweltstiftung WWF

Deutschland. Die Peugeot-Elektroroller

(Einzelpreis: 6.780 Mark) wurden vom

Ökostromanbieter NaturEnergie AG

finanziert. Die Deutsche Bahn AG

unterstützt den Modellversuch in

Freiburg mit Broschüren am Service

Point und Parkplätzen für die Roller.

Solarmove-Gründer Norman Heeg

möchte das Projekt auf andere

deutsche Städte ausdehnen und hat

als nächstes Berlin im Visier.

Langfristig ist ein Netz von

Solartankstellen geplant; die Roller

sollen über das Internet oder

Anrufzentralen bequem ausgeliehen

werden können.

www.solarroller.de

www.solarmove.de

Für Verbesserungsvorschläge und Tipps bin ich dankbar email

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